Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
ClaudiaW, Marisa, Dagmar D.

ADD bei Erwachsenen - Berufswahl - interessanter Artikel - vorsicht laaaangg :-)

Startbeitrag von ClaudiaW am 31.08.2003 12:06

Hi allerseits,


man merkt, ich habe Urlaub und viiieeel Zeit (noch eine Woche). Ich lese und stöber ja im Moment viel auf englischsprachigen - vorwiegend kanadischen - Seiten herum und bin da auf folgende Seiten bezüglich Erwachsenen-ADHD gestoßen.

Ich fand es insofern interessant, weil dieser Artikel von einer Personalberaterin und -trainerin geschrieben wurde UND zudem noch in workopolis.ca veröffentlicht wurde. Das ist neben monster.ca DIE online-Stellenbörse Kanadas.

Ich fand es bemerkenswert, diesen Artikel dort zu finden. Ich stelle mal den Link hier rein. Es ist die printer-friendly version. Man kann sie besser lesen und auch besser ausdrucken.

[thestar.workopolis.com]


Und weil ich ja sooovieel Zeit habe und mir das außerdem noch Spaß macht (ist ja auch eine gute Vorbereitung für unsere Zukunft :-)), habe ich das auch noch gleich übersetzt. Zum Teil wieder mal nicht wortwörtlich, weil es dann nicht so gut klingen würde.

Ich finde solche Artikel auch deshalb gut, weil wir uns wirklich gut überlegen müssen, zu welchen Berufen wir unseren Kindern später raten sollen, bzw. von welchen Berufswünschen wir sie vielleicht abbringen sollten.

Viele Grüße

Claudia

P.S. Wenn das posting hier falsch ist, kann es auch gerne umgehängt werden. Ich wusste, ehrlich gesagt, nicht so genau, wo es jetzt hingehört.

-------------------------------------------------------------------

ADD muss dich nicht zurückhalten


Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom plagt bis zu 600.000 Erwachsene. Es gibt Wege, damit fertig zu werden und den Erfolg bei der Arbeit zu sichern.

Pennyjane Murray hat nicht nur gelernt, damit fertig zu werden, sondern gut und erfolgreich zu leben.

Die 46-jährige ist eine von bis zu 600.000 kanadischen Erwachsenen, die das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität (ADHD), oder die nicht-hyperaktive Variante (ADD), haben. Die überwiegende Mehrheit ist niemals getestet worden und weiß es sogar noch nicht einmal, dass sie es haben.

Eine vorsichtige Schätzung gibt an, dass ADHD ca. 5 % der heutigen Schulkinder betrifft. Die Folge ist, dass 40 % davon mit verminderten Symptomen ins Erwachsenenalter hinübergehen. „So haben bereits 1 bis 2 Prozent der erwachsenen Kanadier ADHD,“ sagt Dr. Umesh Jain, Psychater und Spezialist für Störungen der Impulskontrolle im Clarke Site, Toronto’s Centre for Addiction and Mental Health (Zentrum für Psychatrie und Suchtkrankheiten).

Allgemeine Merkmale dieser physiologisch basierten Störung, welche, verbunden mit Vererbbarkeit, ihre Wurzeln in der Kindheit hat, sind Ablenkbarkeit, Hyperaktivität und Impulsivität ebenso wie Probleme mit der Konzentration, Lernfähigkeit, Gedächtnis, Stimmung und Schlaf – all das, was die Effizienz am Arbeitsplatz zu einer Herausforderung macht.

Aber, wenn sorgfältig diagnostiziert und gesteuert, muss diese komplexe und schwer fassbare Störung keine Karriere entgleisen lassen. Murray, eine Spezialistin für Personalentwicklung für die Industrial Accident Prevention Association, die erst mit 27 Erwachsenen-ADHD diagnostiziert wurde, hat Bewältigungs- und Kompensationsstrategien gefunden, die es ihr möglich machen, ihre Stärken zu maximieren und die Schwierigkeiten, mit der Störung zu leben und zu arbeiten, zu minimieren.

Der Lösung ist, während des Arbeitstages mit Bällen zu jonglieren.

„Ich mag einen vollen Tag. Immer beschäftigt sein macht mich froh. Es ist auch sozialverträglich,“ sagt sie.

An Verhandlungen teilzunehmen stellt die größten Herausforderungen dar, aber Murray kann sie kompensieren. Sie hat immer etwas zu trinken und Schreibzeug dabei. Sie macht Notizen und Organisations-Tabellen. Wenn nötig, reibt sie ihre Ohrringe oder berührt ihre Goldarmbänder, um sich „durch Berührung zu bewegen“ – aktiv bleiben durch beruhigende Aktivitäten. Sie legt Pausen ein, um ihren Körper zu dehnen und um sich neu zu konzentrieren..

„Ich habe immer irgend einen Gegenstand in der Hand und ich stehe auf und bewege mich, so oft ich das kann.“

Hilary Freeman, eine Sozialarbeiterin in einer Privatpraxis, hat mit vielen ADHD Angestellten gearbeitet. „Diejenigen, deren Hirnströme so weit oben in der Skala sind, wie bei Murray, werden Überflieger oder Überkompensatoren. Andere können vollständig verloren oder depressiv sein, weil sie entweder im falschen Beruf sind und es nicht merken, oder weil sie Hilfe in der einen oder anderen Form benötigen, um in ihren gewählten Berufen hervorragend zu sein.“

Ein Personalberater, ein Mann Ende 20, war, obwohl ein brillianter Geschäftsmann, nicht in der Lage, seine Büroarbeit zu bewältigen. Er stand kurz vor der Kündigung. Freeman erkannte seine Symptome und organisierte eine Erwachsenen-ADHD-Testung. Anschließend wurde er auf Ritalin eingestellt, eine übliche Medikation für diese Störung, und innerhalb von 5 Monaten hat sich seine Leistung verbessert und er blieb bei der Firma.

Dr. Jain, der bis zur Schließung seiner Klinik vor eineinhalb Jahren, bis zu 300 ADHD Erwachsene pro Jahr behandelte, sagt: „ Bis zu 50 % der Leute in der Informationstechnologie haben Erwachsenen-ADHD. Diese Menschen verinnerlichen und benutzen den Computer Terminal als ein Aufmerksamkeitsbrennpunkt. Bis zu 15 Prozent der Erwachsenen mit ADHD kann man in den Medien finden. Diese Leute brauchen die Geschwindigkeit, sie verarbeiten sehr schnell eine Menge Daten und treffen schnelle Entscheidungen. Weitere 5 Prozent sind getriebene Freiberufler, wie z. B. Rechtsanwälte oder Ärzte. Und es gibt ungezählte stille Leidende da draußen, die noch zu diagnostizieren wären.“

Drew Price, 36, war einer dieser stillen Leidenden. Ein Schauspieler, der während seines Teilzeitjobs bei der Bergwacht draußen in der Natur schwelgte. Price wurde bereits in der Schule ADHD diagnostiziert, wusste aber bis vor kurzem nicht, dass er die Symptome mit ins Erwachsenenalter hineingenommen hatte.

Price’s umständlicher Karriereweg passt zu seiner Unfähigkeit, den passenden Beruf zu finden. Nach der highschool besuchte er 2 Jahre lang die Universität York. Obwohl er gut war und ihm sein Psychologie-Studium gefiel, konnte er nicht Schritt halten.

Sein nächster Schritt war Reiseführer. Dann ging er aufs College. Zuerst in Freizeitgestaltung und dann in die Konditorschule, wo er als Klassenbester abschloss. „Ich fühlte immer den Zwang, auf Achse zu sein,“ sagt er. Anschließend stoplerte er in die Computeranimation, blieb dort aber erfolglos.

Mit 32 und am Ende seiner Kräfte, wurde er auf Erwachsenen ADHD getestet. Der Test enthüllte seine künstlerische Neigung und bestätigte seine hohe Intelligenz. Schauspielerei und Jura wurden ihm als Karrieremöglichkeiten empfohlen und jetzt arbeitet er an der Ausschöpfung seines Potentials als Schauspieler.

„Ich suche nach dem wahren Sinn meiner Fähigkeiten und möchte durch meine Arbeit Zufriedenheit erreichen,“ sagt er.
-------------------------------------------------------------------
Vera N. Held, M.Ed, ist Trainerin, Schulungsleiterin und Sprecherin. Sie ist die Autorin des Business-Bestsellers: How Not To Take It Personally. Sie kann unter vheld@wwonline.com erreicht werden.

Antworten:

Hallo Claudia,

ich danke dir für diesen Artikel und vor allem für die Übersetzung :-) Dieser Artikel ist hier goldrichtig.

Genau diese Gespräche führte ich während der Lehrstellensuche immer wieder mit meinem Sohn, als er sich über einzelne Berufe erkundigte. Ich finde es auch wichtig genau hinzuschauen, welche Berufe geeignet sind.

Ich habe den Eindruck, dass man sich in Kanada recht gut mit ADS auskennt. Egal wem wir dort im Vorfeld mitgeteilt haben, dass unser Sohn ADS hat, sind wir immer auf ein informiertes Echo, zumindest aber offenes Interesse gestoßen.

Nochmals Danke für deine Recherche :-)



von Dagmar D. - am 31.08.2003 12:22
Hallo Claudia,

da sollte ich längst schon im Bett sein und wollte nun zuvor noch mal eben deinen übersetzten Artikel lesen. Habe ganz herzlichen Dank dafür. Meine Sprachkenntnisse sind in Französich weitaus besser als in Englisch, sodaß ich Deine Übersetzung sehr wertschätze.

Insgesamt habe ich mir schon überlegt, meine Englisch-Kenntnisse auszubessern, alleine schon deshalb, weil ich dann endlich auch die guten Fachtexte aus den USA lesen und verstehen könnte. Sag an: Kannst Du erkennen, wer denn gute Fachtexte zu ADS schreibt? Eher in Canada? Oder eher in den USA? Und wer dort?

Aufgrund meiner aktuell schwierigen Berufs-Situation muß ich befürchten, meinen Arbeitsplatz zu verlieren, es sei denn, ich kann meine Schwächen besser kompensieren und meine Stärken besser steuern. Hast Du Infos zur Bewälligung von ADS in Berufs-Situationen?

Liebe Grüße
Marisa

von Marisa - am 01.09.2003 00:34
Hallo Marisa,

die Qualität der amerikanischen und kanadischen Seiten kann man erst beurteilen, wenn man sie gelesen hat und da ich ja noch ziemlich am Anfang stehe, weiß ich das ehrlich gesagt auch nicht so genau. Ich habe damit ja auch nur deshalb angefangen, weil ich wissen will, was uns da erwartet. Wie geht man in Kanada mit ADS-Kindern um? Das wollte ich herausfinden. Und mein Eindruck ist (man wird später sehen), dass wir dort weniger Probleme haben werden, als hier. Zum einen vom Gesamtverständnis, zum anderen vom Schulsystem her. Aber das ist eine andere Kiste :-)

Ich habe aber mal ein bisschen rumgestöbert. Es gibt in Amerika die www.chadd.org und in Kanada die www.chaddcanada.org. Ich denke, dass sie irgendwie zusammengehören. In Toronto läuft übrigens auch, wie in Marburg, eine Studie, die sich mit der genetischen komponente befasst. Die Seiten machen einen ganz guten Eindruck und wirken auch recht objektiv (wie gesagt, alles unter Vorbehalt, man muss sich das genau durchlesen.)

Interessanterweise beschäftigen sich die Seiten dort sowohl mit den Kindern als auch mit Erwachsenen, während hier bei uns ja noch der Schwerpunkt bei den Kindern liegt. (Children And Adults with ADD)

Auf chadd.org habe ich dann folgenden Artikel zum Erwachsenen-ADD gefunden.

[www.chadd.org]

Na ja, und weil ich doch immer noch UUUrlauub habe, und meine Kinder heute aushäusig waren, hab ich ihn auch gleich wieder übersetzt. Das ist eine echt gute Übung für mich. Ich will doch fit sein für Kanada *ggg*. Außerdem muss ich ja ab nächsten Montag wieder arbeiten, da hab ich dann nicht mehr soviel Zeit und muss mich um andere Dinge kümmern. Ich stelle ihn mal hier rein, wenn ihn jemand haben will, dem kann ich auch die word-datei zuschicken.

Ganz liebe Grüße

Claudia

P.S. Einiges der empfohlenen Literatur gibt's auch in deutscher Sprache, z. B. von Hallowell "Zwanghaft zerstreut". Gibts oft ganz günstig bei ebay.



Hier der Text.


--------------------------------------------------------

AD/HD bei Erwachsenen – Tatsachenbericht

AD/HD bei Kindern wird seit fast einem Jahrhundert beobachtet und behandelt, aber die Erkenntnis, dass AD/HD oft im Erwachsenenalter fortbesteht, hat man erst in den letzten paar Jahrzehnten bekommen. Über viele Jahre war die vorherrschende Meinung unter Fachleuten, dass Kinder und Heranwachsende ihre Symptome durch die Pubertät, mit Sicherheit aber im Erwachsenenalter, auswachsen würden. Jedoch hat mittlerweile eine aktuelle Untersuchung hervorgebracht, dass ungefähr 67 % der diagnostizierten Kinder mit ADHD die Symptome der Störung behalten, die sich einschneidend auf ihr akademisches, berufliches oder soziales Leben als Erwachsene auswirkt. Die Kernsymptome von ADHD – Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität – erscheinen in der Kindheit (üblicherweise bis zum 7. Lebensjahr) und bleiben für die meisten eine chronischen und tiefgreifenden Beeinträchtigung. ADHD bei Erwachsenen wird manchmal als eine versteckte Störung gesehen, weil die Symptome des ADHD oft durch Beziehungsprobleme, Organisationsprobleme, Stimmungsschwankungen, Suchtverhalten, berufliche oder andere psychologische Schwierigkeiten verdeckt werden. Es ist eine komplexe und schwierige Störung zu diagnostizieren und dies sollte ausschließlich durch einen erfahrenen und qualifizierten Fachmann erfolgen. ADHD wurde zuerst bei einigen Erwachsenen beobachtet, die Probleme mit Depression, Angstzuständen, Suchtverhalten oder Impulskontrolle hatten. Andere beobachteten, dass sie ADHD haben könnten, weil ihr Kind entsprechend diagnostiziert wurde. Trotz des steigenden Bewusstseins und der Erkennung dieser Störung bei Erwachsenen, bleiben viele ohne Diagnose und Behandlung.

Charakteristiken bei Erwachsenen mit ADHD

Die wachsende Anzahl der Kinder und Erwachsenen mit ADHD (CHADD) und ein erneuertes Interesse an der Erforschung haben einen Beitrag zur ansteigenden Beobachtung dieser Störung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen geleistet. Doch nach wie vor gibt es viele Erwachsene, die in einer Zeit aufgewachsen sind, als Ärzte, Erzieher, Eltern und die allgemeine Öffentlichkeit sehr wenig über ADHD, seine Diagnose und Behandlung, wussten. Konsequenterweise führte das wachsende öffentliche Bewusstsein zu einer steigenden Anzahl Erwachsener, die nach einer Beurteilung und Behandlung von ADHD und seiner Begleitsymptome. Die momentanen Diagnosekriterien für ADHD (leicht verändert, um den Erwachsenen mehr gerecht zu werden) sind gemäß des neuesten diagnostischen und statistischen Leitfaden für mentale Störungen (DSM-IV):

1. Fehlende Aufmerksamkeit für Details oder Flüchtigkeitsfehler bei der Arbeit

2. Fuchteln mit Händen oder Füßen oder Zappeln im Sitzen

3. Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder anderen Aktivitäten aufrecht zu erhalten.
4. Steht auf in Situationen, bei denen Sitzenbleiben erforderlich ist.
5. Hört bei direkter Ansprache nicht zu
6. Rastlosigkeit
7. Kann Anweisungen nicht folgen und schafft es nicht die Aufgabe zu Ende zu führen
8. Kann sich in der Freizeit nicht ruhig beschäftigen
9. Kann Aufgaben und Aktivitäten nicht organisieren.
10. Fühlt sich umtriebig oder wie eine aufgezogene Uhr.
11. Verweigert Aufgaben, die geistige Anstrengungen erfordern. oder macht sie sehr unwillig
12. Spricht ohne Unterbrechung
13. Verliert notwendige Dinge für Aufgaben oder Aktivitäten
14. Platzt mit der Antwort heraus, bevor noch die Frage zuende gestellt ist.
15. Leicht ablenkbar
16. Ungeduld
17. Vergesslich bei täglichen Pflichten
18. Unterbricht andere oder drängt sich dazwischen

Obwohl manchmal auch andere Symptom-Checklisten bei der Diagnose von ADHD bei Erwachsenen gebraucht werden, gelten die obigen DSM-IV-Kriterien im Moment als die gültigen Erfahrungswerte. Sie enthüllen die Kernsymptome des ADHD, die unmittelbar mit anderen Problemen verknüpft sind. Diese können sein:

1. Probleme mit der Selbstkontrolle und dem regelnden Verhalten.
2. Schlecht funktionierendes Gedächtnis
3. Schlechte Ausdauer bei Aufgaben
4. Schwierigkeiten bei der Regulierung von Gefühlen, Motivation und Erregung
5. Überdurchschnittliche Schwankungen in der Arbeitshaltung
6. Chronisches Zuspätkommen und schlechte Zeiteinteilung
7. Schnelle Langeweile
8. Wenig Selbstachtung
9. Angstzustände
10. Depressionen
11. Stimmungsschwankungen
12. Berufliche Schwierigkeiten
13. Beziehungsprobleme
14. Drogenabhängigkeit
15. Risikofreudiges Verhalten
16. Schlechtes Zeitmanagement


Die Beeinträchtigungen sowohl bei den Kernsymptomen und auch bei den angeschlossenen Begleiterscheinungen von ADHD können sich in ihrem Einfluss auf die schulischen, sozialen und beruflichen Bereiche sowie auf das tägliche Leben zwischen schwach und stark bewegen. Da die Symptome von ADHD denen vieler anderer psychischen und medizinischen Ursachen sowie situationsbedingten/umweltbedingten Stressfaktoren sehr ähnlich sind, sollten Erwachsene sich niemals selbst diagnostizieren sondern eine umfassende Diagnose eines qualifizierten Experten einholen.

Untersuchungen deuten an, dass ADHD ungefähr 3 bis 5 Prozent der Kinder im Schulalter betrifft und in etwa 2 bis 4 Prozent der Erwachsenen. Unter Kindern ist die geschlechterspezifische Aufteilung ca. 3:1, bei denen Jungs eher von der Störung betroffen sind als Mädchen. Unter Erwachsenen fällt diese geschlechterspezifische Quote auf 2: 1 oder darunter. Diese Störung wurde in nahezu jedem untersuchten Land gefunden, einschließlich Nordamerika, Südamerika, Großbritannien, Skandinavien, Europa, Japan, China, Türkei und im Mittleren Osten. Die Störung hat vielleicht nicht den gleichen Namen in diesen Ländern und wird vielleicht unterschiedlich behandelt, aber es gibt nur wenig Zweifel daran, dass diese Störung überall in der menschlichen Bevölkerung auftritt.
Was verursacht ADHD

Es gibt bis heute keine definitive Antworten auf diese Frage. Es gibt keine biologischen, physiologischen oder genetischen Kennzeichen, die diese Störung zuverlässig identifizieren können. Jedoch haben die Untersuchungen gezeigt, dass ADHD eine sehr starke biologische Basis haben. Obwohl präzise Ursachen bis jetzt noch nicht identifiziert werden konnten, gibt es kaum eine Frage, dass Vererbung die größte Rolle im Auftreten dieser Störung in der Bevölkerung spielt. In Fällen, bei denen Vererbung keine Rolle zu spielen schien, wurden Schwierigkeiten während der Schwangerschaft, vorgeburtlicher Alkohol- und Zigarettenkonsum, Frühgeburt, deutliches Untergewicht bei der Geburt und postnatale Verletzungen der Frontalhirnregionen als Risikofaktoren für ADHD in unterschiedlichen Graden gefunden. Die Untersuchungen unterstützen jedoch nicht die allgemeine Meinung, dass ADHD durch exzessiven Zuckerverzehr, Lebensmittelzusätze, übermäßigen Fernsehkonsum, schlechte Erziehung oder soziale und Umwelteinflüsse wie Armut oder Familienchaos verursacht wird.


Diagnose von ADHD bei Erwachsenen.

Ein erfahrener Arzt oder ein Ärzteteam, die auf ADHD und damit verbundene Gegebenheiten spezialisiert sind, sollten eine umfassende Untersuchung vornehmen. Das Team kann einen Verhaltensneurologen oder Psychater, einen klinischen Psychologen oder einen Schulpsychologen einschließen. Die ADHD-Diagnose sollte ein umfassendes ärztliches Interviev einschließen, dass sowohl die ADHD-Symptome in der Vergangenheit und in der Gegenwart, Entwicklungszeit, medizinische Vorgeschichte, Schullaufbahn, Berufslaufbahn, psychatrische Gegebenheiten umfasst – einschließlich aller ärztlichen Verschreibungen, sozialer Gegebenheiten und tagtäglicher Anpassungsschwierigkeiten (z. B. die Fähigkeit, den Anforderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden). Das Interview dient dazu, die offensichtlichen ADHD-Symptome (Hyperaktivität, Ablenkbarkeit, Impulsivität) herauszukristallisieren um dann auch noch abzuklären, dass der Verlauf dieser Symptomatik sowohl chronisch als auch tiefgreifend sind. Es sollte keine kurze, oberflächliche Untersuchung sein. Sie erfordert mindestens ein bis zwei Stunden. Idealerweise sollte es auf den Aussagen unterschiedlicher Personen basieren (ein Elternteil, wenn möglich, oder eine bedeutende andere Person) und auch einen Verhaltensüberblick über verschiedenen Situationen bieten (Schule, Arbeit, Zuhause). Ebenso ist es zwingend erforderlich, dass der Arzt versucht, andere psychatrischen Diagnosen, die die auftretenden Symptome auch erklären könnten, auszuschließen. Eine Erwachsenen-Diagnose sollte nach der DSM-IV Symptomeskala gestellt werden, alle verfügbaren vergangen Berichte, wie z. B. Schulzeugnisse oder frühere Testergebnisse überprüfen und in einigen Fällen einen psychologischen Test durchführen, um alle kognitiven oder Lernschwächen auszuschließen, die eine Beeinträchtigung herbeiführen. Eine umfassende Untersuchung wird aus drei Gründen benötigt: um eine genaue Diagnose feststellen, die Existenz von zusätzlichen medizinischen oder erzieherischen behindernden Bedingungen und um andere alternativen Erklärungen für Verhalten oder Beziehungen, berufliche oder erzieherische Schwierigkeiten auszuschließen.


Warum die Diagnose bei Erwachsenen

Mit nicht erkanntem ADHD aufzuwachsen kann verheerende Folgen für den Erwachsenen haben. Für einige kann Diagnose und Training, die auf eine Untersuchung folgen, profunde Heilungserfahrungen bedeuten. Saubere Diagnosen können Erwachsenen helfen, Ihre Schwierigkeiten unter der richtigen Perspektive zu sehen und ein besseres Verständnis für manche lebenslangen Symptome zu schaffen. Erwachsene mit ADHD haben oft negative Selbstbildnisse von sich selbst als „faul“, „dumm“ oder sogar „verrückt“. Gründliche Diagnosen und effektive Behandlungen können die Selbstachtung, Arbeitsverhalten und –fähigkeiten, Bildungsabschlüsse und Soziale kompetenzen verbessern. Viele Erwachsene mit ADHD werden durch das „Americans with Disabilities Act of 1990“ (Behindertenschutzgesetz) geschützt, das Diskriminierung in Arbeit und öffentlichen Einrichtungen gegen jeden Menschen verbietet, der eine physische oder geistige Behinderung hat, die das Leben einschränkt – einschließlich Lernen und Arbeiten.


Nach der Diagnose, Was dann?

Obwohl es kein Heilmittel für ADHD gibt, können jedoch viele Behandlungen dazu führen, dass man die Symptome in den Griff bekommt. Die erste aller Behandlungen ist die Unterweisung der Erwachsenen mit ADHD und ihre Familienangehörigen über die Art der Störung und ihre Bewältigung. Jedoch, sorgfältige Untersuchungen, die verschiedene Typen der Behandlung verglichen haben, haben herausgefunden, dass die größte Verbesserung der Symptome von ADHD aus der Behandlung mit Stimulanzien in Kombination mit psychologischer Beratung erfolgt. Ebenso effektiv können einige trizyclische Antidepressiva sein, die zudem noch gleichzeitig existierende Anzeichen von Stimmungsschwankungen und Angstzuständen bekämpfen. So wie es keinen absoluten Test für ADHD gibt, so gibt es auch keine absolute Behandlung. Die Therapie muss auf den Einzelnen abgestimmt sein und muss alle Bedürfnisse ansprechen. Das kann eine Mischung aus Verhaltensproblemen, sozialen, schulischen, beruflichen oder Beziehungsproblemen sein, die den Erwachsenen mit ADHD belasten. Für einige ist schon die Diagnose und das Verständnis für die vielen Schwierigkeiten in der Vergangenheit und das Wissen um den Grund dafür, extrem hilfreich. Erwachsene mit ADHD können auch eine psychologische Beratung über ihren Zustand in Anspruch nehmen, Hilfen zur beruflichen Selbsteinschätzung, Anleitung für die passende Arbeitsumgebung, Zeitmanagement und organisatorischen Beistand, Beratung, schulische oder Arbeitsplatzanpassung und Verhaltenstraings.


In Summe schließen Behandlungspläne für Erwachsenen – ADHD viele gemeinsame Komponenten ein:


1. Ärztliche Beratung von Fachleuten
2. gründliche Information über ADHD
3. Medikation
4. Selbsthilfegruppen
5. Verhaltensregeln aufbauen, wie z. B. Listenführung, Tagplanung, Aktensysteme und andere Routinen.
6. Einzelberatungen und/oder Eheberatungen
7. Betreuung
8. Berufsberatung
9. Hilfestellung suchen bei der angemessenen Schul- und Berufswahl
10. Ausdauer und harte Arbeit
11. Angemessene Schul- oder Arbeitsplatzumgebung


Ein multimodaler Behandlungsplan, der Medikation, Information, Verhalten und psychosoziale Behandlungen beinhaltet, gilt als der effektivste Ansatz. Obwohl es noch eine Vielzahl von Studien im Bereich der psychosozialen Behandlung des Erwachsenen-ADHD geben muss, bestätigen einige Studien, dass eine Beratung, die Hilfestellung und Information gibt, sehr effektiv in der Behandlung von Erwachsenen mit ADHD sein kann. Ein kombinierter Behandlungsansatz, durchgeführt über eine lange Zeit, kann dabei helfen, die Störung zu bewältigen und dabei helfen, dass diese Erwachsenen ein zufriedeneres und produktiveres Leben führen können.

Dieser Artikel erschien zum ersten Mal als CHADD Fact Sheet No. 7, Frühjahr 2000


Empfohlene Literatur.

Barkley, R.A. (1998). Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment.New York: Guilford Press.
Goldstein, S. (1997). Managing Attention and Learning Disorders in Late Adolescence and Adulthood. A Guide for Practitioners. New York: John Wiley & Sons, Inc.
Nadeau, K.G. (1995). A Comprehensive Guide to Attention Deficit Disorder in Adults: Research Diagnosis and Treatment. Brunner/Mazel.
Hallowell, E.M., and Ratey, J. (1994). Driven to Distraction. New York: Pantheon.
Murphy, K.R., and LeVert, S. (1995). Out of the Fog: Treatment Options and Coping Strategies for Adult Attention Deficit Disorder. New York: Hyperion.
Solden, S. (1995). Women with Attention Deficit Disorder. Grass Valley, CA: Underwood Books.
References
1. Barkley, RA, Fischer, M., Fletcher, K., & Smallish, L. (2001) Young adult outcome of hyperactive children as a function of severity of childhood conduct problems, I: Psychiatric status and mental health treatment. Submitted for publication.

von ClaudiaW - am 01.09.2003 18:39
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.