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ADHS ADS Selbsthilfe
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vor 14 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Petra F., Max56, Brigs, ClaudiaW, sueesse, Ingrid Thiel, Tina S, scratch33, Angelika (TanteGela), Braun,Regina

Mein Kind ist so unglücklich!

Startbeitrag von Brigs am 08.09.2003 09:10

Hallo,

bin selbst ganz niedergeschlagen, denn gestern (Sonntag) gab es bei uns nur Heulerei und ich habe heute nacht kaum geschlafen. Mein Sohn geht seit 1 Woche in die 5. Klasse auf eine neue Schule. Er muss mit dem Bus fahren. Es sind noch 8 Jungs aus seiner alten Klasse mit in die neue Klasse gekommen. Einerseits freut er sich darüber, andererseits hat er aber schon wieder die ersten Probleme. Ein Junge aus der alten Klasse macht ihn wohl ständig vor den neuen Kindern runter, sat, er sei blöd, er sei behindert, er würde nur nerven... und das vor allem auch im Schulbus. Dann hört immer der halbe Bus zu und es mischen sich noch andere ein. Tatsache ist, mein Sohn nervt natürlich wirklich und ist einfach anders als andere. Er tut sich sehr schwer, Freunde zu finden, und verschreckt diese dann oft wieder durch seine "exzentrischen" Verhaltensweisen. Gestern war er so verzweifelt "Ich habe überhaupt keine Freunde" "Alle finden mich blöd". Mir brach fast das Herz. Dann kam "Ich brauche keine Freunde". Er meint auch, sein kleiner Bruder (ohne ADS) würde ihm Freunde "wegnehmen". Was kann ich tun, um ihm zu helfen? Heute will ich ihn mit dem Auto holen, um ihm das Busfahren zu ersparen. Ob ich mit diesem bestimmten Jungen mal rede? Oder soll ich mich nicht einmischen? Ich bin für jeden Rat dankbar!
Viele Grüße, Brigs

Antworten:

Hallo Brigs :-)

Ich kann Dir zwar nicht als Mutter antworten, doch aber als jemand der selber mal so ein Junge war wie Du deinen schilderst.
Ich würde nicht mit dem Jungen selbst sprechen, da läufst du in Gefahr das dein Sohn wieder die volle "Breitseite" abbekommt und zudem noch als "Mamasöhnchen" verhönt wird. ( Was in dem alter so ziemlich das schlimmste ist ) Versuche lieber mit den Eltern des Jungen zu reden, aber nicht nach dem Motto " Wenn ihr Sohn das nochmal macht, dann.....! " Sondern versuche ihnen sachlich und ruhig deine Probleme und die deines Sohnes zu schildern. Und sag ihnen auch das sie ihren Sohn deswegen nicht zur "Sau" machen sollen, sondern auch mit ihm vernünftig reden, sonst entwickelt er nur noch Wut auf deinen Sohn und alles wird nur noch schlimmer.



von scratch33 - am 08.09.2003 09:49

Bei uns das Gleiche, sehr lang (war: mein Kind ist so unglücklich)

Hi Brigs,

ach, wenn ich nur einen Rat hätte....aber uns geht es ganz genauso und ich weiß auch kaum noch, was zu tun ist.

Unser Süßer ist in der 4. Klasse und auf dem besten Wege, sichs mit allen Klassenkameraden und Lehrern zu verderben. Die kürzlich stattgefundende Klassenfahrt war da wohl das Tüpfelchen auf dem i...Grund: er benimmt sich ausgesprochen rücksichtslos, ohne es selbst zu bemerken. Dazu kommt natürlich noch, daß es bei ihm viel mehr Spaß macht, ihn zu ärgern (weil er sich ja so schön aufregen kann) als bei phlegmatischeren Klassenkameraden, die Provokationsversuche mit einem Schulterzucken abtun. Aber das größere Problem ist natürlich, daß er sich selbst versehentlich immer wieder in den Matsch reitet...und die andern Kinder wehren sich natürlich gegen sein Störverhalten, so daß er- die Situation nicht richtig einschätzend- sich ständig geärgert und zu unrecht angegriffen fühlt. Einzelne ärgern sicherlich auch von sich aus, aber man kann nur sehr schwer einfordern, daß diese auf ihn Rücksicht nehmen, solange Lehrer und Mitschüler nicht seine eigenen Anstrengungen, verträglicheres Verhalten zu lernen, bemerkt haben! Deshalb sind z.B. auch unsere Versuche, Konflikte mit ein, zwei bestimmten anderen Jungen via Klassenlehrerin zu klären, ins Leere gelaufen.
Offenbar geht es unserem Sohn wirklich dreckig, denn inzwischen reagiert er auf Hinweise (von Lehrern und Mitschülern) mit "Flucht nach vorne", indem er das störende Verhalten auch noch extra fortsetzt. Wir haben- vermutlich genau wie du- in letzter Zeit so einige schlaflose Nächte gehabt :-(

Wir versuchen zur Zeit folgendes:
zuerst haben wir, nach einem sehr harten Gespräch, das ich mit der Klassenlehrerin hatte (in dem sie endlich damit rausrückte, wie ernst die Lage ist), eine Familienkonferenz einberufen, und zwar, um die Wichtigkeit zu unterstreichen, nicht am heimischen Esstisch, sondern in Papas Firma im Konferenzraum (nein, die Firma gehört nicht Papa, der ist da nur angestellt- aber nachdem dort drei große Entlassungswellen waren, gibt es genug freie Büros und Konferenzräume für solche Sachen *g*). Dort haben wir dann den Drahtseilakt versucht, ihm das Ausmaß seines rücksichtslosen Verhaltens und die Folgen- bald wird niemand mehr mit ihm zu tun haben wollen- klarzumachen, ohne dabei aber das letzte Restchen Selbstwertgefühl zu ruinieren und ihn damit noch näher Richtung Abgrund zu schieben. Gar nicht so leicht! Ich bin mir nicht sicher, ob uns dieser Balanceakt so optimal gelungen ist. Fazit des Gesprächs war, daß es zur Zeit für ihn absolute Priorität hat, sein Gefühl für die Folgen seines Verhaltens zu entwickeln, und als ersten Schritt kriegt er jedesmal eine echte Fußball-rote Karte gezeigt, soll sich dann überlegen, was falsch gelaufen ist, und damit aufhören (wenn er nicht drauf kommt, was falsch war, helfen wir natürlich). Sämtliche Vergünstigungen (Gameboy-und PC-Spielen z.B.) sind gestrichen, können aber jeden Abend wieder gewährt werden, wenn er beim rote-Karte-System gut mitgemacht hat. Wohlgemerkt heißt das nicht, daß er höchstens x-mal die rote Karte sehen darf- das wär für den Anfang eine unerfüllbare Forderung- sondern nur, daß er nicht versucht, sie zu ignorieren, und daß er sich bemüht, nach der roten Karte mit eben dem aufzuhören, weshalb er sie gesehen hat.

Wenn er - und ich fürchte, das dauert Monate, ich hoffe, es funktioniert überhaupt! *seufz* - gelernt hat, die Situationen besser wahrzunehmen, in denen er andern auf die Hühneraugen tritt (diesen Ausdruck hab ich bisher ihm gegenüber nicht benutzt, ich will das Ganze nicht ins Witzige ziehen), wäre Schritt zwei, für die jeweiligen Situationen angemesseneres Verhalten zu lernen. Wie wir das angehen, weiß ich noch nicht, aber mir scheint, daß dieser Zeitpunkt auch noch nicht allzu nahe herangekommen ist.

Natürlich ist ein Teil des Problems unser Versäumnis- er hat bei uns nicht in dem Ausmaß "gute Manieren" gelernt, wie es für einen reibungslosen Ablauf in großen Gruppen (Schulklasse etc.) nötig wäre. Andererseits waren wir die letzten Jahre hauptsächlich mit Überleben befaßt, und seine Lernfähigkeit, was Verhalten (nicht den Lernstoff der Schule- das geht viel leichter) betrifft, war mit den paar Dingen, die wir inzwischen mühselig erreicht haben - schon alleine, daß er inzwischen abends gegen neun Ruhe gibt, ist ein Erfolg *traurig grins*-, auch ausgeschöpft. Ich denke, unser Junior ist mit der Klassensituation generell ziemlich gefordert, und im Fall der Klassenfahrt- wo niemand ihm den Alltag so strukturiert wie zu Hause, wo er sich einfach in der vorgegebenen Zeit anziehen soll, wo er abends im fremden Bett zur Ruhe kommen muß etc. - auch überfordert. Im "kleineren" Umfeld gibts auch Probleme, aber die sind viel konstruktiver zu handlen. In der Klasse klappts einfach nicht. Und ich vermute, wenn er im Schulbus fahren müßte, wäre die Katastrophe komplett (unser geht zu Fuß, und zwar alleine, getrennt von andern Kindern, die den gleichen Weg haben).

Ob wir die Schule dazu bewegen können, daß sie eventuell mit unseren roten Kärtchen mitmachen, weiß ich noch nicht, Gespräch ist für Donnerstag abend geplant. Auf alle Fälle hat sich da offenbar eine Menge Ärger angesammelt, und wieder mal frage ich mich: warum hat man uns nicht eher Bescheid gesagt? Monatelang erwecken sie den Eindruck, die unleserliche Handschrift sei das größte Problem----

außerdem frage ich mich, ob nicht einer der Gründe dafür, daß Jugendliche mit ADHS so häufig so große emotionelle Probleme haben, dadurch kommt, daß sie zu früh den hohen Anforderungen an ihre soziale Kompetenz ausgesetzt werden. Natürlich sollen sie genauso früh wie alle andern mit dem schulischen Lernen beginnen, aber die Erwartungen ans Verhalten in der Gruppe sind ja in der Schule nicht gering, und sie können dem viele Jahre nicht standhalten, das führt doch zu riesigen Frustrationen! Und es unterhöhlt das Selbstwertgefühl. Wenn die Negativspirale erst mal in Gang ist, wie ist dann überhaupt für die Kinder noch ein Lernen sozialverträglichen Verhaltens möglich? Ich weiß keine Lösung für dieses Problem.
Bei uns ist es jedenfalls so, daß Lehrer oft- sie meinen es gut und bei den meisten Kids funktioniert es ja auch- auf Lernen durch Einsicht setzen. Ha ha. Bei unserm Sohn und bei so manch anderm ADS-Kind ist das ein Schuß in den Ofen! Mein Sohn kann dir sicherlich für viele Situationen verbal sehr gut erklären, was wann wer warum wie machen sollte, aber im Durcheinander einer Grundschulklasse KANN ER SOLCHES WISSEN EINFACH NICHT ANWENDEN. Und zarte Andeutungen wie "willst du das wirklich so machen?", was heißen soll "na, du kommst sicher selbst drauf, daß das so nicht in Ordnung ist" kommen schlicht nicht an- nötig wäre "J., so ist es nicht in Ordnung, das muß anders gemacht werden".
Dazu kommt noch, daß unser wirklich süßer, aber auch sehr anstrengender Sohn auf jeden gut gemeinten Rat, auf jede Anweisung, auf jede noch so konstruktive Kritik automatisch erst mal mit "nein" reagiert, es ihn also immer eine Menge Gehirnschmalz und auch Selbstüberwindung kostet, sich dann doch positiv darauf einzulassen (wir üben das und machen Fortschritte, aber es dauert.....). Macht natürlich bei den Lehrern keinen günstigen Eindruck....
Daß unser Junior außerdem auch noch Meister der Ausreden - bis hin zur dicken Lüge direkt in mein Gesicht- ist (was mich derzeit am meisten auf die Palme bringt), erschwert das Ganze, logisch, aber andererseits sehen Kinder bei Erwachsenen ja auch genau dieses Verhalten. Wir versuchen zwar, uns auch nicht rauszureden - sonst hätten wir ja gar keinen Grund mehr, bei IHM dieses Verhalten abstellen zu wollen-, aber dann geht man in den Getränkemarkt, sagt dem Angestellten, daß die Kisten zu hoch gestapelt sind (sechs Kisten, und noch ne Palette drunter, da hab ich keine Chance, an die Ware zu kommen), und daß außerdem der Fußboden sehr klebrig ist, und bekommt zu hören "das mit dem Aufstapeln war ich nicht" (was mir egal ist, ich will nur meine Cola), und "die Klebrigkeit kommt, weil irgendein Kunde vor ein paar Tagen etwas hat fallenlassen..." (was nicht die Frage war, sondern eher: wann wird das endlich aufgewischt?). Vorbildlich, gell?...

Tja, Brigs, da hab ich dir gar nicht helfen können, sondern nur ganz egoistisch die Gelegenheit genutzt, meinen eigenen Kummer gleich auch noch mit aufzuschreiben. Sorry...

Was den Schulbus betrifft: ich weiß nicht, was ich täte. Kind immer mit Auto fahren ist erst mal eine Erleichterung (fürs Kind), vielleicht muß es sein, aber immer kann man die Probleme eh nicht umgehen. Was meinen die andern dazu?

Liebe Grüße
Petra , ziemlich geknickt

P.S. was mich sehr erstaunt hat: in der Stadt waren GELBE KARTEN massenhaft zu kriegen. ROTE dagegen fast ausverkauft. Wie kommt das- werden im Fußball rote mehr gebraucht als gelbe? ;-)

von Petra F. - am 08.09.2003 09:55

....und wieder ein Nachtrag....

nachdem ich nun so ausführlich unsere geplanten Erziehungsmaßnahmen geschildert habe, fällt mir natürlich wieder mal auf, was ich Wichtiges vergessen habe: die positive Verstärkung! Soll heißen, daß wir wie die Schießhunde auf die Momente lauern, in denen etwas gut klappt, um dann sofort mit Lob und Anerkennung bei der Hand zu sein. Erfordert viel Konzentration, klappt nicht immer....und ich fürchte, DAS wird in der Schule nur sehr begrenzt durchzuführen sein, denn bei 21 Kindern (und ab nächstem Jahr sinds bis 28 Kinder) fallen immer die auf, die stören, und da eine Rückmeldung zu geben, ist relativ leicht, aber gezielt unseren Sohn immer dann mit Aufmerksamkeit zu belohnen, wenn er sich gut benimmt, ist in der Klassensituation sicher nicht so einfach durchzuführen. Naja, mal sehn, wie es Donnerstag wird....

Petra

von Petra F. - am 08.09.2003 10:09

Re: Bei uns das Gleiche, sehr lang (war: mein Kind ist so unglücklich)

Hallo Brigs,

ich kann mich Petras posting nur anschließen. Diese Situationen kennen wir auch nur zur Genüge :-(. Und dann immer die quälende Frage nach Ursache und Wirkung.

Bei unserem Junior haben die anderen in der neuen Klasse (man muss dazu wissen, es sind 20 von 28 Kindern in der Klasse, die aus einer einzigen Schule kommen, der Rest wurde dazugestopft) sehr sehr schnell die Schwächen herausgefunden. Sie haben gemerkt, dass er sehr leicht etwas vergisst, also darfst du dreimal raten, wem mit Vorliebe etwas weggenommen oder versteckt wurde. Es macht ja sooovieel Spaß, ihm beim verzweifelten Suchen zuzusehen.

In der Mitte des letzten Schuljahres ging es ihm richtig schlecht. Er bekam noch keine Medis, hatte den Anschluss verloren, wusste, dass er nicht auffallen durfte, und brauchte somit seine ganze Kraft, um ruhig auf dem Stuhl zu bleiben. Den Unterricht hat er dadurch eigentlich verpasst. Zudem setzte bei ihm die Pubertät voll ein (er ist 11), Stimmbruch, Wachstumsschübe, kurzum alles auf einmal. Außerdem hat er noch von Mai bis Juli seine beste Heuschnupfenzeit, mit allen Auswirkungen bis hin zur allergischen Bronchitis, Sportverbot und und und. Naja, mit dem Lernen hat es überhaupt nicht mehr geklappt und die Schule wurde zur Katastrophe. Es wurden von seinen reizenden Mitschülern in seinem Beisein Wetten abgeschlossen, wie lange er denn noch durchhalten wird, und wann er die Schule verlassen wird. Wer zeigt denn jetzt hier Sozialverhalten. Wer ist im Recht, wer im Unrecht? Unser Sohn mag zwar Macken haben, und ich weiß da ganz genau, wovon ich rede, aber wo ist denn das verständige Sozialverhalten der anderen. Das sind die Kettenreaktionen, bei denen man dann so schlecht den Anfang findet.

Ziemlich genau zu dieser Zeit sagte uns seine Klassenlehrerin, er wäre so aggressiv. Und das war nun definitif neu. Alles mögliche (hibbelig, nervig, stressig, anstrengend) ja, aber aggressiv, bisher nie. Das haben wir auch gesagt, aber UNS wurde das nicht geglaubt, denn schließlich ist UNSER KIND das Problemkind. Das mit den Wetten hielt man einfach nicht für möglich und ich denke, es hat da auch keine weiteren Schritte gegeben.

Irgendwann im späten Frühjahr haben wir festgestellt, dass aus seiner Spardose ungefähr 50 Euro fehlen. Für ihn ist das sehr viel, denn er ist sehr sparsam. Er hat nicht damit rausgerückt, was er damit gemacht hat, aber von unserer Tochter wissen wir, dass er sich quasi ständig im Schulkiosk aufgehalten hat und wir vermuten, dass er einige seiner "Kumpels" freigehalten hat und dafür sein Geld verbraten hat. Funktioniert hat es wohl nicht aber es hat mittlerweile aber wohl wieder aufgehört, denn sein Geld ist wieder vollständig in seiner Kassette.

Unser Kleiner hat ein wirklich schlechtes Zeugnis bekommen, wird aber versetzt, weil Klasse 5 und 6 eine Einheit bilden. Wir haben ihn zwischendurch mal gefragt, ob er nicht lieber auf die Realschule gehen möchte. Traurige Antwort: Na ja, dann hätten sie ja Recht behalten und die Wetten hätten sich wirklich gelohnt!

Was soll man dazu noch sagen???

Du siehst, ich habe auch kein Rezept. Leider. Manchmal in solchen Situationen denke ich: Lieber Gott, jetzt sag mir bitte sofort, was ich machen soll. Aber so richtig was genützt hat das bisher auch leider nichts.

Wir können nur unsere Kinder stärken. Ihnen vermitteln, was Recht und Unrecht ist, aber wir können sie leider nicht immer vor allem bewahren, sondern sie nur ermutigen, sich z. B. nicht provozieren zu lassen, nicht immer gleich auf "Fahrende Züge" aufzuspringen und vor allem dazu, ihren Kummer zuhause loszuwerden, damit sie ihn nicht in sich "reinfressen".

Ganz liebe Grüße

Claudia

von ClaudiaW - am 08.09.2003 10:22
Hallo!
Mein tipp ist eigentlich nicht von mir sondern von einer guten freundin mit 2 Ads kindern. Sie stand vor dem selben Problem wie Du ( ihr) Eines morgens hat sie sich den anderen Jungen geschnappt und ihn in einem " Geheimen" gespräch gebeten, auf ihren Sohn als eine art beschützer aufzupassen. " du weißt ja, J. ist noch kleiner als du, und du würdest mir einen Gefallen tun als größerer auf ihn zu achten..." Seid dem Tag waren beide dicke Freunde denn sie hatte genau den Punkt getroffen: Stolz und Beschützerinstinkt. Nun war dieser Junge allerdings selber ein ADS Kind... Ob sowas auch mit " normalos" klappt, weiß ich nicht. Wäre dies ein versuch wert???
Bin mal auf Eure antworten gespannt.
Schöne Grüße von Tina

von Tina S - am 08.09.2003 10:43
Hallo Brigs!

Nach unseren Erfahrungen würde ich Dir raten, keinesfalls mit dem anderen Jungen zu sprechen.
Er wird möglicherweise anschließend nichts Besseres zu tun haben, als Dein Kind lächerlich zu machen. (Schickt die Mama vor, weil er zu blöd ist....)

Da die Busfahrt Schulweg ist, würde ich diese Art von Mobbing an die Lehrer herantragen.
Aussagen wie "der ist behindert" ist Diskriminierung pur, denn jemanden mit diesem Wort zu beschimpfen darf man einfach nicht zulassen.

Wäre es mein Kind, würde ich persönlich mit dem Klassenlehrer sprechen, aber so, dass die Klasse es NICHT mitbekommt.

Dass Kinder nach so einem Start in den Morgen hochexplosiv sind, musst Du dann wohl nicht weiter erklären. Es ist also für die ganze Klasse nur von Vorteil, wenn Ruhe hineinkommt und dürfte somit im Sinne des Lehrers sein.

Vielleicht wäre das Streitschlichterprogramm eine Sache, die an Eurer Grundschule umsetzbar ist? Hier ein link zu näheren Infos:
[home.t-online.de]

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 08.09.2003 11:02
Hallo Briggs und all die anderen,

es ist erstaunlich, wie viele hier eine ähnliche,ja fast gleiche Situation durchleben wie wir mit unserem Sohn (13J./7.Klasse Realschule). Die Situation ist fast identisch mit der von Claudias Sohn. Selbst die Lehrerin machte teilweise mit, was die Mitschüler natürlich noch in ihrem Handeln bestärkte.
Ich habe mich gewundert,wie er das ausgehalten hat.

Wir haben mit unserem Sohn darüber geredet und sind zu dem Schluß gekommen, dass er die Schule wechselt. Nur das scheint schwieriger als gedacht.
Aber ich bin wild entschlossen meinen Sohn da rauszuholen. Und wenn ich dafür umziehen muß.
Es mag keine Lößung sein aber es besteht die Hoffnung, dass es sich ändert, und das ist immer noch besser, als es hinzunehmen.



von Braun,Regina - am 08.09.2003 12:25

Oh Mann, und heute noch mehr davon :-(

Buuuuah

mein Sohn kam total fertig aus der Schule- es sei sooo stressig gewesen, er habe alle Tuschkästen wegräumen müssen, dabei seien sie ihm allesamt runtergefallen, und einige kaputt, und die halbe Klasse wolle von ihm, daß er sie ersetze, und er sehe das gar nicht ein, schließlich habe er sie nicht mit Absicht runtergeworfen!!! Uffi.....intensive Nachforschungen, auch im Telefonat mit der Mathelehrerin, ergaben ein ganz anderes Bild.

Letzten Freitag in Kunst fehlte J.s Tuschkasten. Er glaubt, ein anderes Kind habe den versteckt. Halte ich einerseits für möglich, denn gerade die Sache mit den Tuschkästen hat bisher immer geklappt. Andererseits- wenn er mal nicht richtig hinguckt, sieht er nicht mal seine eigenen Füße. Bevor ich also bereit bin, den Verdacht des Versteckens mir anzueignen, muß noch mal gründlich nachgeschaut werden. Wie auch immer- er mußte mit einem Ersatzkasten malen, was ja okay ist, und vergaß den wegzuräumen. Also lag er heute in Mathe noch auf dem Tisch.
Seine Tisch-Sitzgenossinnen und-genossen sagten ihm, er solle den wegräumen, woraufhin er sich so lautstark gegen diese Aufforderung wehrte, daß die ganze Klasse dabei gestört wurde. Konsequenz: die Mathelehrerin sagte ihm, wenn er den Kasten benutzt hat, muß er ihn wegräumen (da kann ich ihr nicht widersprechen), und weil es frech ist, deshalb so einen Aufstand zu machen, muß er jetzt alle Kästen im Nebenraum wegräumen (die standen da noch zum Trocknen). Nun gut, ich meine, das hat er sich selbst eingebrockt.
Dabei sind ihm nun alle Kästen runtergefallen. Und in der Pause danach, als die Mathelehrerin es nicht mehr mitbekommen konnte, haben die andern ihn zur Schnecke gemacht deshalb (was ich verstehe, die waren von ihm echt genervt, und er war sich nicht mal klar darüber).

Das läßt sich wohl klären, J. muß morgen im Stuhlkreis sich bei der Klasse dafür entschuldigen, daß er nur wegen des Tuschkastenwegräumens gestört hat. Er soll auch sagen, daß es im leid tut wegen der runtergefallenen Kästen, daß er das aber nicht mit Absicht getan hat, und daß er die kaputten ersetzen wird (na ja, ich ersetze, und er gibt was vom Taschengeld und muß außerdem bei mir arbeiten *fiese grins*). Daß er aber gerne mit einer Lehrerin nachgucken möchte, wie viele ersetzt werden müssen. Hat uns mindestens anderthalb Stunden gekostet, diese Sache so weit hinzukriegen, er vermied angestrengt, sich an den Anfang der Geschichte (als er keinen Bock hatte, den Kasten wegzuräumen) zu erinnern.

So weit weiß ich aber immerhin noch, was ich zu tun habe. Nur:
1. einer hat ihm aus Rache absichtlich auch seinen Tuschkasten ramponiert (ich hoffe, daß ich das jetzt richtig mitbekommen habe...)- den hatte ich Samstag extra gekauft, weil ja Freitag der vorige im Nirwana verschwunden war. Da haben wir also zwischen diesen beiden wieder Konfliktstoff für mehrere Tage :-(

2. J. behauptet steif und fest, ein anderer Junge aus der Klasse habe ihm nach der 6. Stunde die Jacke versteckt - er habe das gesehen und der habe es auch zugegeben, aber nicht gesagt, wo die Jacke ist, J. kam ohne Jacke nach Hause (dabei hat er die heftige Erkältung immer noch nicht ganz durch). Ich habe bei der Gelegenheit aber noch mal seine Lügen, die er mir letztens auftischte, erwähnt. Etwa so:
Kind A sagt, Kind B hat seine Jacke weggenommen. Ich mag Kind A und will ihm gerne glauben, aber Kind A hat mich kürzlich bei anderen Gelegenheiten ziemlich angeschwindelt. Darf ich jetzt Kind A glauben und Kind B beschuldigen? Das hat er sofort kapiert. Nein, das darf ich nicht! Was soll Kind A nun tun? Klar: seine Jacke selbst suchen und außerdem nicht mehr lügen!

Dabei ist es so, daß der des Jackenklaus Verdächtigte aber durchaus auch schon mit anderen Kids aneinandergeraten ist- weshalb ich "spontan" geneigt bin, meinem Sohn zu glauben. Aber richtig ist das nicht, ich kann die Aussagen meines Sohnes nicht einfach als 1 zu 1 realistisch einstufen, nur weil mir von anderer Seite über B was zu Ohren gekommen ist! Das wäre grob unfair. Für meinen Sohn fühlt sich das bei aller Einsicht aber jetzt so an, als sei ich nicht auf seiner Seite.


Na super. Theoretisch weiß ers. Gefühlsmäßig ists, als hätt ich ihn in die Pfanne gehauen. Und wie kriegen wir jetzt die Kuh vom Eis?


Petra

von Petra F. - am 08.09.2003 13:42

Re: Oh Mann, und heute noch mehr davon :-(

Hallo Petra,

wie ich so etwas kenne. Ich glaube, du erzählst meine Memoiren (oder vielleicht besser: unsere!).

Ich habe mir gedacht, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn du zusammen mit deinem Sohn in der Schule die Jacke suchen würdest. Vielleicht sogar während der Pause, so dass die anderen das mitbekommen. Ohne Worte, ohne Vorwürfe gegenüber wem auch immer. Dein Sohn fühlt und weiß, dass du ihm beistehst und der vermeintliche Übeltäter müsste damit rechnen, dass du doch wegen ihm gekommen bist und vielleicht sogar mit der Lehrerin sprichst. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit? Ansonsten bin ich da auch ziemlich ratlos.

Den Gedanken, die Tuschkästen zu ersetzen, finde ich völlig in Ordnung. Ist zwar blöde, dass so eine Kettenreaktion so einen Schaden anrichtet, aber da müssen die durch und ich habe festgestellt, dass sie dadurch auch lernen. ADS hin oder her.

Viele Grüße

Claudia

von ClaudiaW - am 08.09.2003 14:00
Hallo

auch wir hatten bedenken, wenn unser Mittlerer in die 5. Klasse kommt. Er selber wollte sich schon Ende der4. Klasse selber was antun, ich hatte davon berichtet hier. Er hatte panische Angst vor den neuen schülern, der schule und den Lehrern.
Was sich aber zur Zeit abspielt, ehrlich, ich begreife es nicht. So glücklich und ausgelassen habe ich ihn noch nie erlebt...........
Er strahlt was das zeug hält und bringt auch sehr gute Noten nach Hause. Ich verstehe die Welt nicht mehr.Wir haben zur Zeit immer wieder Angst vor dem Rückschlag, der sicher irgendwann noch kommen wird. er packt allein den ranzen macht Hausaufgaben ohne probleme und von der Schule keine Klagen, bis auf eine vergessene HA mit dem Hinweis des Lehrers sonst sei alles in Ordnung. Wie er auch immer das gemeint haben möge. Nur frage ich mich zur Zeit, was müssen die dort von uns und der vorherigen GS halten, dort wurde doch was ganz anderes über ihn berichtet und wie gesagt, am letzten Schultag war er so verzweifelt, das er sich was antun wollte, und das nur weil ihn ein Mädchen aus seiner Klasse arg gemobbt hat. Sie ist auch jetzt wieder in seiner Klasse, doch hier sind wohl derzeit die Fronten geklärt.

Ich würde Euch so gerne helfen und nen Tip geben. Meinen Sohn habe ich gesagt, wenn sowas nochmal passiert, soll er es mir sagen dann greife ich mir die Eltern und versuche ihnen sie Situation meines Kindes zu erklären und was ihre Tochter anrichtet, wenn sie ihn ua. als Spastiker bezeichnet, was da wohl noch harmlos war...............
Ansonsten würde ich mit der schule Kontakt aufnehmen und die Situation im Schulbus erklären, vielleicht finden sich ja auch Elternsprecher, welche die Möglichkeit haben, diese fahrt zu begleiten und dies dann beobachten und auch gegenüber der Scghule bestätigen können, somit habt ihr Zeugen, was unter Umständen sehr wichtig sein könnte. Mit dem schüler selber sprechen bringt sicher nichts, als noch mehr Probleme, aber manchmal soll es ja auch Erfolge geben, wenn andere Kinder um die Probleme richtig aufgeklärt werden, vielleicht wäre es mal zu erwägen, offen in der Klasse über die Probleme eines ADS-Kindes zu reden und dies evtl. nicht durch den Klassenlehrer sondern ueber den beratungslehrer der schule, der in solchen fragen der Ansprechpartner ist.
Ansonsten, wenn die Möglichkeit da ist, mal ne Weile den schulbus meiden, wenn das auch kein super toller Tip ist, denn in der Schule geht es sicher weiter.
Hat er denn freunde, die zu ihm stehen, vielleicht können die als Vermittler auftreten, hat bei meinen Großen sehr gut funktioniert?

Ich wünsche Euch viel Kraft und alles Gute und viel erfolg.

lieben Gruß
sueesse

welche derzeit mit Bangen auf ihren termin wartet...........

von sueesse - am 08.09.2003 15:17

Re: Bei uns das Gleiche, sehr lang (war: mein Kind ist so unglücklich)

Hallo Petra,
die Idee mit der roten Karte gefällt mir sehr, vielen Dank für den guten Tipp! Ich denke auch, in erster Linie müssen wir ihm helfen, sein eigenes Verhalten so zu verändern, dass er bei den anderen nicht mehr so aneckt. Und das ist soooo schwer...! Ich denke, er hat nur eine Chance, wenn er ein bißchen "angepasster" wird. Was den bestimmten Jungen angeht, werde ich vielleicht doch eher mit der Mutter reden; ich sehe sie nächste Woche auf dem Elternabend.
Danke! Brigs

von Brigs - am 08.09.2003 15:57
Hallo Sueesse,
nein, richtig gute Freunde hat er leider nicht. Nur Gelegenheits-Spielkameraden, die seine kreativen und wilden Spielideen schätzen, aber dann doch wieder von seinem "komischen" Verhalten abgestoßen werden und auch nur mit ihm spielen, wenn sich nichts besseres bietet. Wie gesagt, nun wird schon der eigene kleine Bruder zur Konkurrenz, der ihm die Freunde "stiehlt"...
Danke für deine Antwort! Brigs

von Brigs - am 08.09.2003 16:01

Re: Bei uns das Gleiche, sehr lang (war: mein Kind ist so unglücklich)

Hi Brigs,

na ja, heute hatte ich ein ca. dreistündiges Gespräch mit einer guten Bekannten, mit der ich mich sehr gut verstehe, die sich mit ADS auskennt usw.- und die hat mir doch noch mal eine neue Perspektive aufgezeigt.

Sie meint, so manches Fehlverhalten der ADSler im Grundschulalter wird durch Streß verstärkt, dazu gehört Störverhalten, Lügen etc.- und der Streß entsteht dadurch, daß sie mit den sozialen Anforderungen der Schule oft überfordert (bei Hochbegabung außerdem auch noch mit dem Stoff unterfordert) sind. Und wenn man sich dann ausschließlich darauf konzentriert, das Fehlverhalten abzustellen, verstärkt man den Streß und blockiert so genau die Entwicklung, die man eigentlich fördern möchte. Fazit: es ist wahnsinnig wichtig, genau in dieser Situation dem Zwerg den Rücken (und das Selbstwertgefühl) zu stärken. Wobei ich nach wie vor der Meinung bin, daß ich deshalb noch lange nicht alles durchgehen lassen kann, aber somit stehe ich vor der schwierigen Aufgabe, die rote-Karten-Sache auf eine Art durchzuziehen, die dem Jungen zusätzlich auch noch ermöglicht, sich zu Hause bei mir sicher und geborgen zu fühlen. Also nicht "konsequent, aber freundlich", sondern vor allem freundlich, und so weit möglich dabei auch konsequent...uffi....

sie hat recht, der Streß machts schlimmer, und die Schulsituation ist Streß pur. Ich weiß nur noch nicht so recht, wie man das erleichtern kann. Zuhause mags gehen, aber wenn man täglich damit befaßt ist, die in der Schule geschlagenen Wunden zu lecken, wie solls dann gehen?

Gruß
Petra

von Petra F. - am 08.09.2003 18:02

Interessante Strategie!

Echt interessant, diese Strategie.
Setzt aber wohl erstens ein gewisses 'Mindestalter' voraus (wie alt sind denn die Beiden?) und dazu noch eine Kenntnis über die Klassenkameraden (wer sich denn eignet oder auch nicht) für solch eine 'Aufgabe'.

Gruß

Bernd

von Max56 - am 08.09.2003 22:28

Diskriminierung und Lehrer

Ob man da auf Lehrer 'setzen' mag, ist für mich seit kurzem eher zweifelhaft.

Meine Große hat in ihrer Klasse eine Mitschülerin. Diese ist hat einen farbigen Vater. In der Klasse befinden sich zwei Mitschüler, die sich mit Sprüchen wie: "Hitler war super" und "Juden vergasen ist geil" 'profilieren' wollen.

Meine Tochter berichtete mir weiter über den folgenden Vorfall:
Als sich die betreffende Mitschülerin eines Morgens in den Klassenraum setzte, wurde sie mit folgendem Satz 'begrüßt': "Es ist ja schon eine Zumutung, zusammen mit Negern den gleichen Klassenraum teilen zu müssen".
Daß sie Geheult hat (sie wird ständig ihrer Hautfarbe wegen von diesen 'Früchtchen' gehänselt) und fix und fertig war, braucht man wohl kaum noch zu erwähnen.

Einige Tage darauf war Elternsprechtag beim Klassenlehrer, der auch Sozialkundeunterricht gibt (es heißt jetzt anders, erinnere eben mich nicht). Ich erzählte von diesen Vorgängen und regte an, diese Themen (Nationalsozialismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit) mal eben im Unterricht 'aus aktuellem Anlass' aufzugreifen.

Antwort: "Nein. Das steht derzeit nicht im Lehrplan. Das kommt in Klasse 9. Da wird das noch behandelt. Auch kann man in der Schule nicht das nachholen, was im Elternhaus an der Vermittlung von Grundwerten versäumt wird. Was soll man auch von Hauptschülern erwarten, die meisten hören zu Hause doch nichts Anderes, als das, was sie hier dann wiedergeben... Ich werde mit den Jung's mal über den Vorfall reden".

Eine hinreissende Antwort. Mir blieb echt die Spucke im Gesicht, die ich in dem Moment gerne woanders hin entsorgt hätte!

Wenn solche Lehrer an den Hauptschulen die Mehrheit repräsentieren, dann kann ich nur noch zitieren: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht" (Heinrich Heine).

Gruss

Bernd

von Max56 - am 08.09.2003 23:15

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hi Bernd,

wenn mir die Haare bis jetzt noch nicht zu Berge gestanden hätten, dann täten sie das jetzt....also wirklich. Was dieser Lehrer da von sich gegeben hat, zeigt doch nur, daß er entweder schon selbst so massiv an Schulfrust leidet, daß er nicht mehr kann, oder daß ihm die Klasse im Grunde piepegal ist. Allerdings wird dieser Lehrer beim vernünftigeren Teil der Schüler nach und nach den Respekt verlieren, denn Lehrer, die nicht wenigstens versuchen, solche Situationen zu entschärfen, haben bei Teenagern bald verloren!

Davon abgesehen finde ich die Idee, das mal in Sozialkunde aufzugreifen, zwar gut, aber zu kurz gegriffen. Bei offensichtlichen Beleidigungen und Diskriminierungen aufgrund der Hautfarbe sollten die Schüler SOFORT hören, was davon zu halten ist, nicht erst, wenn Sozialkunde auf dem Plan steht. Wenn man so ein Verhalten einreißen läßt, ist das mit etwas Theorie in Soz nicht mehr abzubremsen. Die Kids wissen doch genau, was sie im Unterricht sagen müssen, damit der Lehrer wahrnimmt "Lernziel erreicht", aber die Umsetzung ins tägliche Verhalten ist ein vollkommen anderer Schuh.

Und die Antwort, dass die Schule die Erziehung im Elternhaus nicht reparieren kann, ist so weit verbreitet wie an der Sache vorbei. Natürlich kann die Schule das nicht, aber das ist auch gar nicht die Frage! Das Verhalten in der Schule wird meiner Meinung nach nicht ausschließlich von der häuslichen Erziehung beeinflußt, da spielen eine ganze Menge Sachen mit, auf die Eltern einfach keinen Einfluß haben (wie oft habe ich mir eine Fernbedienung gewünscht für die Schulstunden *ggg*). Zum einen gibt es da die Gruppendynamik (ja, schwer zu beeinflussen, aber bestimmt Aufgabe der Schule und nicht der Eltern!!!!), dann die Klassenatmosphäre, dann spielt eine Rolle, wie die Lehrer selbst mit den Dingen umgehen, und bei letzterem haben wir hier, wie ich finde, einen wichtigen Punkt. Der Lehrer denkt sowieso, daß seine Hauptschüler alle von Haus aus schlecht erzogen sind und von ihren Eltern nur Blödsinn lernen, und der denkt offenbar, daß die Schule am Blödsinn im Kopf der Schüler nichts ändern kann. Er denkt das so sehr, daß ers dir gegenüber sogar offen sagt. Glaubt er etwa, seine Schüler merken das nicht, was er für eine Meinung von ihnen hat?????
Wie sollen die reagieren, wenn ihr Lehrer so denkt? Entweder mit Rückzug oder mit Aufsässigkeit, vermute ich mal...und aufsässig ist man auf Kosten derer, die sich nicht wehren können und vom Lehrer nicht geschützt werden.

Üble Situation, aber ich wüßte nicht, was du da tun kannst. Ist der Rest des Kollegiums auch so destruktiv gepolt?

Mitleidiger Gruß von Petra

von Petra F. - am 09.09.2003 07:45

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hi Petra,

auch auf die Gefahr hin, daß dieses Posting nun schon derartig weit nach unten gerutscht ist...

Der Lehrer läßt sich -nach meiner Einschätzung durchhängen und bedient seinen Lehrauftrag im Sinne der pädagogischen Verantwortung nicht. Er wartet -so wie es mir erscheint- auf seine Pension und hat das Handtuch geworfen.

Der Rest des Kollegiums: Da kenne ich eigentlich nur einen Lehrer (war mal über länger Vertretung des Klassenlehrers), der sich wirklich engagiert.

Hauptschule ist scheinbar wirklich nur das Auffangbecken für zum Scheitern verurteilte Existenzen (sowohl was Lehrer und auch Schüler betrifft).

Im Kollegium befindet sich des Weiteren eine Lehrerin, die zwar selbst Kaugummi-Kauen verbietet, aber selbst wärend des Unterrichts ihre Butterbrote auspackt und isst (unabhängig berichtet von zwei weiteren Mitschülern).
Und dann wundert die sich auch noch darüber, daß sie von den Schülern nicht ernst genommen wird und sie die Klasse nicht in die Spur bringt.

Letztens hatte ich Gelegenheit, die Klasse sowie deren Lehrer Life im Unterricht kennen zu lernen (Projekt für die Abschlußprüfung). Ich sage Dir: Grauenhaft!

Und da betrifft nicht nur die Schüler! - Es betrifft auch den Lehrer!

Am liebsten hätte ich meiner Tochter ab dem nächsten Tag verboten, in diese Klasse zurückzukehren. Diesen armseeligen Hauptschulstoff, der dort vermittelt wird, den schüttle ich aus dem linken Arm heraus, das merke ich jedes Mal, wenn ich mit meiner Tochter für eine Klassenarbeit übe. (Wenn man das überhaupt als 'Üben' im klassischen Sinn noch betrachten darf.- Sie kommt einen Tag vor der Klassenarbeit an, um mich zum 'Üben' zu bitten und hat !NULL! Durchblick. Ich darf ihr dann den versäumten Stoff der letzten drei Monate im Express-Kurs beibringen).

Hausaufgaben gibt es so wie so nicht, so daß ich nicht mal mitbekomme, wo es Schwierigkeiten gibt. -

Es ist einfach zum Kotzen! Was soll aus ihr denn unter solchen Umständen mal werden?

Gruss

Bernd

von Max56 - am 09.09.2003 22:46

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hi Bernd

das hört sich ja alles mächtig frustrierend an. Vermutlich ist für deine Tochter auch kein Wechsel auf eine bessere Schule so einfach möglich...hat sie selbst noch einen Rest Motivation, Pläne, einen Wunschberuf? Dann wäre eventuell eine regelmäßige Förderung zu Hause- einfach nur, damit sie doch ein bißchen Stoff bekommt, und das nicht nur im Eilverfahren vor der nächsten Arbeit (auf die Art vergißt mans ja auch gleich wieder!). Wär das möglich, denkbar? Die Schule selbst ist sicher nicht zu ändern....

Früher war ich vom drei (eher fünf-) gliedrigen Schulsystem ziemlich überzeugt. Motto: das vermeidet z.B. Über- oder Unterforderung...mittlerweile seh ich das anders, es führt zu Hauen und Stechen, dazu, daß Lehrer gefordert sind zu selektieren statt zu fördern, dazu, daß die Hauptschule verkommt, daß Hochbegabte nicht mal mehr auf dem Gymnasium zurechtkommen....und jemand hat mir erst kürzlich mal gesagt, er befürchtet, daß die Kinder dadurch Respektlosigkeit lernen: wenn z.B. der Lehrer gezwungen ist, im Stoff weiterzugehen, obwohl noch einige Schüler gar nicht so weit sind, dann lernen sie daraus, daß keine Rücksicht genommen werden muß! Andererseits: die Möglichkeiten, das Lerntempo individuell anzupassen, sind nicht vorgesehen, deshalb kann der Lehrer ja gar nicht anders- sonst fällt ihm das andere Ende der Schüler ab (wenns für die allzu langsam geht...) .

Hier geht es von Anfang an um die Empfehlung für die weiterführende Schule, von der ersten Klasse an- Eltern, Schüler und Lehrer setzen da Prioritäten drauf, auf Kosten der Schüler, versteht sich!!! Und auf den Gymnasien und Realschulen wird darum gekämpft, Schüler loszuwerden (von Seiten der Schule) oder Schüler auf Krampf dort zu halten (von Seiten der Eltern). Alles auf Kosten der- Schüler, logisch. Und wenn man sich die Ausbildungssituation der Schulabgänger anguckt, ist der elterliche Ehrgeiz durchaus nachvollziehbar. Die Erkenntnis, daß NOCH wichtiger als der Schulabschluß die Seele und die psychische Gesundheit des Kindes sind, ist zwar eigentlich naheliegend, mit allen Konsequenzen aber doch schwer zu fassen und umzusetzen im Kampf des Alltags.

Wir produzieren offenbar mehr "Schulversager" als die meisten andern mit uns vergleichbaren Länder. Fragt sich nur, ob es wirklich die Schüler sind, die da versagen.
Eigentlich ist es nicht meine Art, aufs ganze System zu schimpfen, aber in diesem Fall fühlt sichs für mich mittlerweile schon so an, daß das Versagen eher im System als beim Schüler liegt.

Und die Lehrer sind Teil des Systems, das heißt auch, daß sie darin gefangen sind- und daß sie nur sehr wenig daran ändern können.

Tja, und von der Politik erwarte ich da überhaupt nichts, denn das Prinizip der Selektion nach "Leistung" (in Wahrheit ist das Selektion nach Anpassungsfähigkeit) hat ja bei uns Tradition, daran wird nicht gerührt.

Und skandinavische Methoden können wir hier schon aus finanziellen Gründen nicht einführen. In Norwegen z.B. ist es, wie ich höre, eher so, daß bei Problemen in der Klasse eher mal der Lehrer Assistenten bekommt, um besser im Unterricht individualisieren zu können, als daß man die Schüler von einer Schule zur anderen schickt. Notfalls werden halt mehrere Lehrer gleichzeitig in die Klasse geschickt. Notwendige Fördermaßnahmen werden in die Schule geschickt, an der das Kind, das das braucht, ist, anstatt daß das Kind zur Fördermaßnahme muß, usw.- das alles wäre bei uns sicher kurzfristig nicht machbar, weil man dazu jede Menge neue Leute einstellen müßte, Lehrer, Hilfskräfte für den Unterricht, usw.- und dafür fehlt die Kohle.....

leider heute nicht sehr optimistischer Gruß
Petra

P.S. hab ich hier schon mal von einer meiner Nachhilfeschülerinnen geschrieben, die mich einiges über die Schule lehrte? Sie war in der Mittelstufe des Gymnasiums und ich gab ihr Physik - Nachhilfe. Ich merkte schnell, daß sie intelligent war, sie kam bald sehr gut mit dem Stoff zurecht, und bald fragte ich mich, wozu braucht sie überhaupt Nachhilfe? Aber in der Schule klappte es dennoch nicht mit der Physik...und ich fand heraus, warum: wegen Lehrermangel war mehrere Monate der Physikunterricht ganz ausgefallen - das macht bei Schülern leicht mal den Eindruck, das Fach sei nicht wichtig, und so ging es etlichen ihrer Klassenkameraden. Als die Schule endlich einen Ersatzlehrer bekam, mußte der mit einer statt zwei Wochenstunden auskommen, die noch dazu in der sechsten Stunde war, sollte aber den Stoff der letzten Monate mit nachholen in einer Klasse, die das Fach nicht mehr ernst nahm, und das Ganze mit 33 Schülern in einem Raum, der für 24 Schüler gebaut war. Kein Wunder, daß das nicht geklappt hat. Da kannste mit Nachhilfe auch nix mehr retten....

von Petra F. - am 10.09.2003 07:26

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hallo Petra und Bernd,

dieses Thema ist doch so brisant und wichtig. Könnt ihr das vielleicht nochmal nach vorne hängen? Ich denke, dass die anderen da sicher auch noch mitreden würden.

Gerade dieses Thema beschäftigt mich auch sehr. Bei uns fängt ja in der nächsten Woche die Schule wieder an und ich habe jetzt schon Magenschmerzen, wenn ich daran denke.

Mein großes Problem ist, dass wir BEIDES haben. Wir haben eine Klassenlehrerin (3 Std. pro Woche), die uns unterstützt und die wir auch unterstützen, so gut es eben geht. Wir sind sehr engagiert, was die schulische Entwicklung unseres Sohnes angeht, merken aber, dass das wiederum eigentlich (von anderen Lehrern) widerum nicht gern gesehen wird. Da wird uns dann gesagt, wir möchten uns da raushalten (insb. Deutsch) und uns auf die Lehrerin verlassen. Sie würde ihn unterstützen und ihm zusätzliche Übungsblätter geben, damit er sein Deutschdefizit aufholt. Es tut sich aber nichts. Trotz Nachfragen. Was soll ich tun? Mich raushalten?

Was mache ich mit einem Englischlehrer, der mein Kind 5 Stunden in der Woche unterrichtet und mir ganz offen sagt: Für Hausaufgabenkontrolle hab ich keine Zeit, das mache ich nicht!
Ist das nicht seine Pflicht? Gehört das nicht zu seinen Aufgaben? Ist das mein part? Mir drängt sich da die Frage auf, ob er seiner Aufgabe überhaupt gerecht werde will? Kann er wirklich nicht, oder ist er einfach nur ein fauler Hund? Der Biolehrer kontrolliert immer die Hausaufgaben, und er hat die Klasse nur 2 Stunden pro Woche. Wie kann der Englischlehrer den Wissensstand überprüfen? Nur anhand von 3 Klassenarbeiten?

Was mache ich mit einer Kunstlehrerin, der erst bei der Zeugniskonferrenz auffällt, dass mein Sohn angeblich keine Arbeit abgegeben haben soll? (Wobei Junior sagt, er hat 2 abgegeben, eine fertige und eine unfertige?!?).

Bei unserem Sohn spielen viele Dinge gleichzeitig zusammen. ADS, einerseits Blitzentwickler (zu schnelles Wachstum, Pubertät, Stimmbruch), andererseits seelischer Rückstand, hoher Intellekt und trotzdem drohendes Schulversagen.

Was mache ich nach folgendem Dialog:

Schuldirektor: Noch so ein Zeugnis, und ich schmeiße ihn von der Schule und sorge dafür, dass er auf keiner Realschule angenommen wird.

Eltern: So schlimm sind die Rückstände nicht, wir haben ihn testen lassen. Bei ihm spielt auch die Schul- und vor allem Prüfungsangst eine große Rolle. In Mathematik zum Beispiel beherrscht er den Stoff nachweislich und hat trotzdem eine 5 geschrieben.

Direktor: Das interessiert mich überhaupt nicht, WIR SIND HIER MAßGEBEND, sonst niemand.

Was mache ich da? Die Schule weiß über sein ADS bescheid, sie wissen, dass wir auf sie angewiesen sind, weil er ja erst noch richtig eingestellt werden muss. Aber ich kann nach diesen Dingen bei einigen beim besten Willen keinen Förderwillen entdecken.

Er hat weder versucht, die Schule anzuzünden, er hat niemanden bestohlen, er handelt nicht mit Drogen, er hat niemanden verletzt, geschweigedenn geschlagen.

Was hat er verbrochen, dass er so behandelt wird?

Ich bin, was Lehrer anbetrifft, mittlerweile so misstrauisch geworden, obwohl ich mir selbst und im Beisein von Junior immer versuche, beide Seiten zu erklären und einzubinden, damit eine richtige Sicht der Dinge entsteht.

Mir wurde vorgeworfen, ich sei zu stark engagiert, das würde seiner Entwicklung schaden. Junior würde nur auf mich hören. Was mache ich da?

Ich möchte die Lehrer meiner Kinder gern unterstützen, weil sie meine Kinder mit mir großziehen, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie mir das gelingen soll.

Vielleicht hat jemand einen Rat für mich. Ich bin nämlich mit meinem Latein so richtig am Ende.

Und nächste Woche fängt die Schule wieder an.

Liebe Grüße

Claudia

von ClaudiaW - am 10.09.2003 09:14

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hallo Claudia. Hi Petra,

leider kann ich keine Postings nach 'oben' verschieben. Das kann bestenfalls der Forenadmin. Ich selbst finde Das Thema auch äusserst interessant und würde gerne in einem grösseren Kreis als 'uns Dreien' diskutieren. Gerade nach Schulanfang ist ein solcher Thread ja durchaus aktuell.

Schade, daß -wie in vielen anderen Foren üblich- die Threads nicht nach 'oben' geschoben werden, sobald neue Antworten eingehen. So gehen leider interessante Einträge in den anderen Neueintragungen recht schnell unter.

Einzige Chance, Öffentlichkeit wieder herzustellen, wäre: Einen Neuen aufzumachen und darin hierher zu verweisen (als Link). Nur zieht das nicht, die meisten Leute werden dem 'alten' Thread nicht folgen...

Ein grosses Manko dieses Forums, wie ich finde.

Gruss

Bernd

von Max56 - am 10.09.2003 21:23

Re: Diskriminierung und Lehrer

Hallo Bernd,

zum Thema neueste Nachrichten oben:

Ich lese das Forum immer mit der Funktion "Neue Nachrichten" oben in der Leiste... Dann gehe ich auf neueste 25 oder 50 Nachrichten anzeigen und lese mich dann von unten nach oben durch. So entgehen mir auch Nachrichten aus älteren Threads nicht... ;-)

Gruß Ingrid

von Ingrid Thiel - am 11.09.2003 09:49
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