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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
1971, momfor4, Marion M., Andrea Neij, SusieK, allymcbeal

Frage zu Ritalin und Erwachsenen

Startbeitrag von 1971 am 24.09.2003 08:38

Hallo!

Seit etwa einem halben Jahr halte ich es für denkbar, dass ich ADS habe. Am Montag habe ich deswegen einen Termin in Köln, wobei ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, ob ich jetzt wirklich an der richtigen Adresse bin. Aber ich hoffe doch...

Mein Problem ist folgendes : Ursprünglich bin ich der These nur nachgegangen, weil ich mir Klärung über das Verhältnis zwischen mir und meinem mittlerweile verstorbenen Vater erhoffte. Ich hatte mich immer abwechselnd von ihm angegriffen und vernachlässigt gefühlt, konnte aber nie klären, warum er mir das antat. Da auch er typische ADS-Symptome aufwies, denke ich, dass das der Grund sein könnte für sein Verhalten.

Wenn ADS also bei mir entdeckt würde, wäre das zwar kein zwingender Beweis dafür, dass mein Vater aus ADS-Gründen nicht anders sein konnte zu mir als er es war, aber zumindest wäre die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß. Und das wäre doch sehr tröstlich für mich.

Da nun aber dieser Termin näher rückt, spüre ich doch, dass eine positive Diagnose auch noch andere Folgen für mich hätte und da bin ich mir in einer Sache völlig unsicher. Ich selbst bin ja kein einfacher Mensch. Bin unorganisiert, schnell eingeschnappt, in vielen Dingen des Lebens völlig unselbstständig, sehr ablenkbar. Ein Ausflug in die Großstadt ist für mich die Hölle und mein Lebenslauf völlig chaotisch. Trotzdem liebt mein Mann mich und ich möchte ihm es gerne ein wenig mehr danken als ich es momentan tu und kann.

Nun weiß ich ja seit langem, dass sich Medikamente wie Ritalin und Medikinet sehr segensreich auf ADSler auswirken . Aber wirklich vorstellen, wie das sein wird, kann ich mir nicht. Das ist auch sicher von Mensch zu Mensch verschieden. Aber mich würden da persönliche Erfahrungen interessieren. Vor allen Dingen was die Arbeitsfähigkeit anbetrifft. Schafft ihr 50% mehr oder das Doppelte oder kann man das gar nicht so sagen? Und wie ist das, wenn man stillt. Darf ich während ich stille solche Medikamente nehmen oder mache ich damit das Baby high?

Mein Mann findet übrigens auch, dass die ADS-Symptomatik auf mich passt und unterstützt mich in dem Schritt , das mal fachlich abzuklären. Am Wochenende werde ich dann mit ihm das Thema Ritalin und co mal besprechen. Und da würde ich mich wohler fühlen, wenn ich nicht nur einfach trockene Fakten hätte, sondern mir auch vorstellen könnte, wie sich denn diese Fakten im wirklichen Leben zeigen. (Sorry, ich kann das jetzt nicht besser ausdrücken, aber ihr wisst hoffentlich, was ich meine.) Das meiste, was ich hier an Erfahrungen lese, betrifft ja doch mehr die Kinder.

Vielen Dank im Vorraus!

Claudia

Antworten:

Hi Claudia,

Zitat

Wenn ADS also bei mir entdeckt würde, wäre das zwar kein
zwingender Beweis dafür, dass mein Vater aus ADS-Gründen
nicht anders sein konnte zu mir als er es war, aber zumindest
wäre die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß. Und das wäre doch
sehr tröstlich für mich.


Ja, das kann ich absolut nachvollziehen. Seitdem ich von ADS weiß, kann ich meinen Eltern vieles verzeihen, und versteh auch die Dynamik, die bei uns früher oft stattgefunden hat.

Zitat

Vor allen Dingen was die Arbeitsfähigkeit anbetrifft. Schafft
ihr 50% mehr oder das Doppelte oder kann man das gar nicht so
sagen?


Ich denke das hängt sehr viel auch davon ab, wie du ansonsten mit deinem Leben und dir selbst klarkommst.

Was mich angeht, ich bin seit vier Jahren diagnostiziert (eigentlich schon fast fünf glaub ich), und hab seit einigen Monaten scheinbar endlich eine funktionierende Medikamentenkombination. Die Zeit davor hab ich halt mit Arztsuche verbracht, nen Therapeuten hab ich bis heute nicht gefunden. Aber trotzdem merk ich, dass Kraft zurückkommt (oder das erste Mal überhaupt vorhanden ist), und sich das eben auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Ich hatte Mitte letzten Jahres nach diversen Besuchen bei Ämtern durchgesetzt, dass ich offiziell nur halbtags arbeiten darf (bin seit 2,5 Jahren arbeitslos, Lebenslauf wie bei dir auch ziemlich chaotisch). Dadurch hatte ich wesentlich mehr Ruhe vorm Arbeitsamt, und nicht immer die Angst im Nacken, dass die mich innerhalb von zwei Tagen in irgendeinen Vollzeitjob stecken. Das hab ich letzten Monat wieder rückgängig machen lassen, und bewerb mich zur Zeit hier und da.

Trotzdem, ich bin schon mit meinem Alltag sehr am kämpfen, Tagesabläufe einhalten, Dinge tun die getan werden müssen, Sport, usw. Wenn jetzt noch 8 Stunden Arbeit dazukommen, wird das in der ersten Zeit schon sehr anstrengend werden. Daher hab ich mich u.a. auch bei einer gGmbH beworben, die genau sowas berücksichtigt, und ich würd mich schon freuen, wenn das klappen würde. Aber, ich trau mir auch eine "normale" Vollzeitarbeit zu.

Und zwar hauptsächlich deswegen, weil ich mit Hilfe der Medis _Ruhe_ hab. Ich verschwende weniger Kraft mit Nachdenken, und hab gelernt, dass vieles von dem Stress, den ich immernoch oft empfinde, selbstgemacht ist. Und krieg ihn dann besser unter Kontrolle.

Und eben das sind so Sachen, die natürlich nicht nur von den Medikamenten kommen, und je nach schon vorhandenem Sprung in der Schüssel ;) länger oder kürzer dauern. Was für mich aber ganz klar ist: ohne die richtige Medikamenten-Einstellung würde ich keinen Vollzeitjob auf Dauer hinbekommen, ohne auf alles andere im Leben außer Arbeit zu verzichten. Zumindest jetzt noch nicht, wie das in x Jahren sein wird, weiß ich natürlich nicht.

Soweit von mir,
Marion

von Marion M. - am 24.09.2003 12:34
Hallo,

ich hak mich da mal ein, weil mir genau diese Gedanken auch schon durch den Kopf gewandert sind.

Und noch etwas füge ich hinzu:

wie ist das bei Erwachsenen ? Wenn man auf Medis eingestellt wird, wie LANGE muss man die dann nehmen ???? Damit sich eine gewisse Linderung/Besserung der Symptomatik einstellt?

Ich frage, weil ich schon Komorbitäten (?) entwickelt habe - Depressionen und Ängste.

Mein Termin ist am 20.10....

lg und sehr gespannt

Susie



von SusieK - am 24.09.2003 12:47
hallo

mir hat mein diagnostizierender und behandelnter arzt mal gesagt, als ich auf die frage ads- was nun und was noch und wo anfangen und jetzt und überhaupt und therapie und und und....

erst mal müsse die grundlage geschaffen werden, dass wir sie überhaupt in die lage bekommen, dinge wie therapieansätze *anzukommen*. sprich die medizinische basis schaffen. der rest ist unheimlich viel lernprozess, selbstdisziplin- das schafft auch methylphenidat nicht für mich- aber ich kann mich besser steuern. ich merke es selber noch nicht einmal so konkret, aber die motivation, das durchaltevermögen, die konzentration ist wesentlich besser.

sozusagen wenn ich früher gleichzeitig 129999 gedanken im kopf hatte, nebenher noch 43 dinge getan habe mit dem erfolg und davon noch so etwa 7777 gedanken auch anderen gegenüber ausgedrückt habe um von den 77777 noch auf 5 andere zu kommen, die dann auch noch ausgedrückt und im hirn verfolgt wurden, durchdacht- wohlgemerkt, neben all den tätigkeiten, die so nebenher noch liefen, ganz zu schweigen von den neuen dingen, die auch noch angefangen und nie beeendet wurden, weil andere dinge interessanter erschienen um den rest meiner umwelt irgendwo *hinter mir zu lassen, das aber meist erst viel zu spät gemerkt habe, dass sie mir meinen gedankengängen nicht folgen können, mit meiner gefühlswelt und durch die sprunghafte und sehr impulsive art, dinge auszudrücken absolut nicht klar kommen dann merke ich inzwischen doch schon eine wesentliche änderung. meistens..... ggg

und nicht nur ich.

die konsequenz der konsequenz- denken ist immer noch da- aber sortierter.

die ablenkung ist nicht mehr ganz sooo extrem, die gefühlslage nicht immer ein ewiges achterbahnfahren innerhalb von sekunden.

und wie lange und ob und was ist so individuell verschieden, dass das wohl nur jeder für sich selber entscheiden kann.

gruss

mom

von momfor4 - am 24.09.2003 15:05
Hallo,

bei uns steht es auch im Raum ob ich mich mal testen lassen soll. Mein Mann meinte, daß vieles dafür spricht daß ich es auch habe ( mein Sohn ist seit 4 Wochen diagnostiziert).

Muß ehrlich sagen weiß ich nicht was ich davon halten soll. Kann mich mit dem Gedanken nicht so richtig anfreunden.

Aber... wenn ich ehrlich bin...anzeichen wären schon da..??

Ally

von allymcbeal - am 24.09.2003 15:25
momfor4 schrieb:
Zitat

sozusagen wenn ich früher gleichzeitig 129999 gedanken im
kopf hatte, nebenher noch 43 dinge getan habe mit dem erfolg
und davon noch so etwa 7777 gedanken auch anderen gegenüber
ausgedrückt habe um von den 77777 noch auf 5 andere zu
kommen, die dann auch noch ausgedrückt und im hirn verfolgt
wurden, durchdacht- wohlgemerkt, neben all den tätigkeiten,
die so nebenher noch liefen, ganz zu schweigen von den neuen
dingen, die auch noch angefangen und nie beeendet wurden,
weil andere dinge interessanter erschienen um den rest meiner
umwelt irgendwo *hinter mir zu lassen, das aber meist erst
viel zu spät gemerkt habe, dass sie mir meinen gedankengängen
nicht folgen können, mit meiner gefühlswelt und durch die
sprunghafte und sehr impulsive art, dinge auszudrücken
absolut nicht klar kommen dann merke ich inzwischen doch
schon eine wesentliche änderung. meistens..... ggg


*roflmao*

Mehr vielleicht später, muss mir gleich ne Wohnung angucken gehn.

Gruß,
Marion

von Marion M. - am 24.09.2003 16:00

Re: Vielen Dank! Ich hätte da noch eine Frage zum Thema Rebounds

Hallo!

Danke für die Antworten! Also so wie ich das jetzt verstehe, kann man das mit der Leistungsfähigkeit zwar nicht in Prozentzahlen ausdrücken, aber die Wirkung was Ablenkbarkeit, Konzentration und emotionale Stabilität anbetrifft ist schon spürbar.

Jetzt habe ich noch eine Frage. In etwa einem Monat bekomme ich mein Baby. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass gerade hier für mich - wenn ich denn wirklich ADS haben sollte - Medikamente zur Bewältigung des Alltags angebracht sind. Nun ist es aber so, dass damit keineswegs meine Familienplanung am Ende ist. Ich habe da meine Träume und weiß natürlich, dass ich sie den Realitäten anpassen muss. Aber ich will das, was ich mir vorstelle, mal so ausdrücken:

Mein Herz wünscht sich mindestens 3 Kinder.
Meine Erfahrung sagt, es sollten wenigstens 2 Kinder sein. (Meine beiden Eltern leben nicht mehr und ohne meinen Bruder käme ich mir sehr verlassen vor.)
Mein Verstand sagt, mal sehen, wie ich das packe.

Also egal wie es dann wirklich kommt, zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich mir die Möglichkeit auf mehr als 2 Kinder offenhalten. Und da bin ich bei meinem nächsten Problem. Ich bin nicht mehr die Jüngste und die Kinder kämen deshalb wohl ziemlich rasch hintereinander. Da ich schon häufig von Rebounds gehört habe, frage ich mich, ob eine Medikamenteneinnahme da nicht schädlich ist. Ich habe neulich hier von einer Frau gelesen, die, als sie schwanger wurde, ihre Medis absetzte und als Folge davon solche Panik und Depressionen bekam, dass sie das Baby verlor.

Soetwas möchte ich wirklich nicht erleben. War das ein seltener Extrenfall oder sind die Rebounds immer so heftig. Wie häufig kommen Rebounds überhaupt vor. Hat das jeder ADSler nach Absetzung der Medis solche Rebounds ?

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Liebe Grüsse

Claudia



von 1971 - am 25.09.2003 06:05

Re: Vielen Dank! Ich hätte da noch eine Frage zum Thema Rebounds

hallo

die rebounds entstehen nicht nach absetzen der medikamente. die rebounds sind in den zeiten, in denen methylphenidat *aufgebraucht* ist und sind auch bei jedem unterschiedlich stark.

manche haben sie gar nicht- weil sie optimal eingestellt sind, eigentlich ist es dann eher so, wie vorher- für einen geringen zeitraum eventuell verstärktere symptome, laune, befindlichkeit, aber das kann man als erwachsene durch kompensationstrategien gut handeln. rausgehen, frischluft, laufen. abregen. wiederkommen. stille ecke- mamas auszeit.

aber in der schwangerschaft und in der stillzeit dürfen keine stimulanzien gegeben werden- kann fruchtschädigend sein. ist ebenso wie mit anderen medikamenten- bei schilddrüsenerkrankungen z.b.

und- ein medikament alleine sorgt nicht dafür, dass du mit deinem alltag klarkommst. das geht auch anders. ich als damals noch undiagnostziert - hab es auch 4 mal ohne geschafft......

du schaffst das schon!

gruss

mom

von momfor4 - am 25.09.2003 06:17

Re: Guten Morgen!

Danke! Das macht mir ja Mut! :-)))

Kann jetzt leider nicht mehr schreiben,aber ich melde mich später wieder.

Claudia

von 1971 - am 25.09.2003 06:23

Claudia!

Hallo,

"Ich habe neulich hier von einer Frau gelesen, die, als sie schwanger wurde, ihre Medis absetzte und als Folge davon solche Panik und Depressionen bekam, dass sie das Baby verlor.

Soetwas möchte ich wirklich nicht erleben. War das ein seltener Extrenfall oder sind die Rebounds immer so heftig. Wie häufig kommen Rebounds überhaupt vor. Hat das jeder ADSler nach Absetzung der Medis solche Rebounds ?"

Das ist KEIN Rebound, was du da beschreibst! Oder? Auf jeden Fall ist es ein Unterschied. Antidepressiva - wenn man die absetzt, kann das schon unangenehm sein. Allerdings sollte man das auch langsam machen. Hab mein Antidepressivum mal abgesetzt. Ich war dann ein bisschen zittrig, ein bisschen nervös, aber so schlimm war es nicht. Aber dann kam die Depression wieder.

Jedenfalls, was man bei Stimulanzien mit Rebound meint, dass ist ja eher eine kurze Zeit wenn die Medizin aus dem Körper wieder verschwindet. Tja, vielleicht ist es ja das Gleiche, nur es geht ja so viel schneller bei Stimulanzien. Bei Antidepressiva zieht sich das wochenlang hin.

Andrea



von Andrea Neij - am 27.09.2003 22:27
Hallo,

ich glaube nicht, dass du dir Sorgen machen musst, dass eine eventuelle Diagnose negative Folgen haben könnte. Dann weiss man, woran man ist. Für mich war es nur positiv. Ich hab auch zuerst keine Medizin haben wollen. Und dann wollte ich es schliesslich doch probieren.

Ich glaube, du hast Angst, dass die Medizin deine Persönlichkeit verändert?? Meine Erfahrung ist, das sie das nicht tut. Ich hab selbst zu Anfang gar nichts gemerkt. Hab mich gefühlt wie immer (genauso war es auch bei meinem Sohn). Nur war ich plötzlich richtig "wach", sonst lief ich den ganzen Vormittag so im Halbschlaf. Ansonsten hab ich die Wirkung erst so langsam gemerkt, obwohl sie von Anfang an da war, aber man fühlt sich eben nicht anders.

Und dann hab ich so langsam gemerkt: Hey, ich werde ja gar nicht mehr so abgelenkt, ich kann zuhören, wenn mehrere reden, kriege mit was die sagen. Und das "Brausen" ist weg, ich höre die Nebengeräusche nicht mehr so, dass es mich stört und ablenkt. Ich kriege nicht unbedingt mehr getan (etwas mehr ist es wohl doch), aber ich bin aktiver dabei, z.B. bei Konferanzen. Was natürlich daran liegt, dass ich alles mitgekriegt habe, und dass ich nicht erst lange sortieren muss.

Der Langzeit-Effekt ist dann, dass Kollegen und Chefs einen mehr als tüchtigen, zuverlässigen Mitarbeiter sehen. Während man vorher unengagiert wirkte.

Andrea



von Andrea Neij - am 27.09.2003 22:38
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