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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Annette B., Dagi, momfor4, SusieK

Mittwoch-Termin

Startbeitrag von Annette B. am 09.11.2003 17:15

Hallo an Alle,
am Mittwoch haben wir nun endlich unseren Termin.
Nachdem es ja seit den Sommerferien wieder nur noch bergab ging mit Marcel hatten wir (mein Mann und ich) uns dazu entschlossen, den KiA auf MPH anzusprechen. Es eskalierte ja dann, Sohnemann war nur noch unausstehlich und ich (ich oute mich auch mal als ADHSlerin :-) ) kriegte einen Ausraster. Ich hatte mich danach ja für einen schnellen Termin beim Doc eingesetzt. Das hatte unseren Sohn dann wohl irgendwie zum Nachdenken gebracht, auf jeden Fall seitdem gibts wieder weniger Ausraster bei Hausaufgaben und auch im sozialen Umgang in der Familie.
Och Mensch, jetzt komm ich ja wieder ins Zweifeln. Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich bin ich absolut happy, wenn er ein wenig verständnisvoller ist, aber was mach jetzt am Mittwoch?
Mich nervt meine eigene Hinhaltetaktik. Als er in der 1. Klasse war, wurde ADHS diagnostiziert, aber schriftlich hab ich das seltsamerweise auch nicht bekommen (ist er's nun doch nicht - und warum trifft dann alles was ich lese und höre zu bei ihm und mir???). Unternommen wurde wie bereits schon geschrieben nichts, wir sollten weiter mit unseren Punkteplänen und Konsequenz arbeiten. Es folgten lange, schlimme, nervenaufreibende Phasen, dann mal wieder (meist wie kürzlich nach einem "bösen Ende" = Tobsuchtsanfall von mir) bessere Zeiten. Und so wechselte sich das bis jetzt ab, es schaukelt sich systematisch nach oben, bis ich zusammenbreche und dann kapiert er, dass es so nicht weiter gehen kann. Aber die Einsicht hält halt leider nicht lange an.
Nun ist er 4. Kl., ich mache das bewußt also 3 Jahre so mit (vor der Schule war es genauso schlimm, aber da wußte ich überhaupt nichts von ADS). Ich frage mich ernsthaft, ob das Sinn macht, immer wieder den Rückzieher zu machen und abzuwarten, bis ich selbst wieder am Boden bin. Wie viele Jahre kann man so weiter machen.... ich denke, da bleib ich irgendwann mal ganz auf der Strecke...

Ausserdem ist mir aufgefallen, dass zwar seine Ausraster in der Zeit weniger intensiv sind, er aber weiterhin der Meinung ist, dass er "zu dumm und blöd" ist, er hat arge Selbstzweifel, kann dieses nicht, kann jenes nicht, macht sich ständig selbst schlecht. Hinzu kommt, dass Schüler ihn schlecht machen, auslachen usw. Er droht mit Prügeln. Dann hat er momentan wieder ziemliche Schlafprobleme (wacht nachts auf, schläft spät ein, ist früh wach).
Andererseits will er aufs Gymnasium (davon ist er nicht abzubringen) - kriegt aber sicher keine Empfehlung, weil er die Arbeiten wegen Unkonzentriertheit "versiebt" (daheim beherrscht er alles - wenn er WILL), durch Chaos (Schrift/Heft usw.) auffällt, sich überhaupt nicht selbst koordinieren kann, Anleitung beim Lernen braucht. Er sagt, er bekommt oft nichts mit, weil die anderen so laut sind und er würde sich doch so bemühen nicht laut zu sein im Unterricht (tut er auch meistens laut Lehrerin). Wird das alles wirklich besser unter MPH ? (ich meine jetzt nicht "schlauer" werden - bitte nicht so deuten.)

Was meint Ihr - soll ich nun doch Ritalin beim Arzt ansprechen?
Wenn der Arzt nach seinem Leidensdruck fragt, dann wird Marcel mit Sicherheit antworten, dass er überhaupt keine Probleme hätte, er wäre rundum glücklich und zufrieden. Ich merke nur anhand seltener Bemerkungen, wie es doch in ihm knabbert; dass sich die Freunde immer wieder verabschieden, dass er sein geliebtes Fussballtraining wegen ständigem Ärger mit dem Trainer aufgegeben hat; dass er ausgelacht wird; dass er sich total bemüht und dann doch nur mittelmässige Leistungen hat....usw.

Tut mir leid, dass es so lang geworden ist; aber ich weiss mal wieder überhaupt nicht mehr, was der richtige Weg ist.

Liebe Grüße
Annette

Antworten:

hallo annette..

hm. diese zweifel hat hier wohl jeder schon gehabt( oder immer noch).

ich bin immer noch der meinung- einen versuch ist es wert. was ändert sich. was ändert sich vor allem bei ihm. wie empfindet dein sohn es dann. und wie gross ist der leidensdruck. nicht von seitens der eltern, der umwelt- sondern sein ganz eigener.

da aussagen kommen wie *keiner mag mich- am liebsten wäre ich tot* denke ich schon, dass er da sehr wohl merkt, dass was *anders* ist- es aber nicht zugeben wird- und wenn er immer wieder aneckt- siehe fussball- siehe schule- wegen den hintergrundgeräuschen- die er nun mal NICHT ausblocken kann.

die gespannte familiensituation. klar puscht sich das alles hoch. und daher denke ich, hat er eine chance verdient. und als solche solltet ihr das auch sehen.

mph kann und ist für viele kinder das erste mal ein schritt in ein *weitgehends normales* leben. und der 1. schritt, dinge wie grenzen, regeln, soziale kontakte, schule bewältigen zu können. weil sie sonst aufgrund ihres ads total überfordert sind.

dies soll jetzt kein plädoyer für oder gegen mph sein- diese entscheidung müsst ihr ganz alleine mit eurem arzt treffen.

nur kann es für euer kind wirklich eine chance sein. und warum sollte man ihm die verwehren? aufhören könnt ihr immer noch. und abwägen. aber dazu müsste er erst mal erfahren, wie er mit sein könnte.

in diesem sinne

viel glück

mom

von momfor4 - am 09.11.2003 18:30
Ich unterschreibe voll und ganz bei mom, die trifft es immre auf den Punkt :-)

lg

Susie



von SusieK - am 09.11.2003 19:00
Hallo Mom,

so langsam glaube ich doch, dass es auf jeden Fall einen Versuch wert ist. Wenn man keine Veränderung feststellt oder gar ins Negative, dann ist es eben nicht das Richtige und man setzt es ab. Aber wenn wir es nicht ausprobieren, dann werden wir es auch nie wissen. Also muss ich mir wohl ein Herz fassen und es einfach angehen. Denn ich glaube, dass ich mir später selbst massive Vorwürfe machen werde, dass ich nichts unternommen habe und meinem Kind keine Chance gegeben habe.

Ich denke, ich muss ihm einfach die Chance geben so zu sein, wie alle anderen Kinder eben auch; ohne Selbstzweifel. Ich habe gerade einen Bericht von Moni23 gelesen und sie hat genau das beobachtet seit MPH-Gabe, was ich mir für meinen Sohn wünsche - nämlich, dass er endlich richtig zeigen kann, welche positiven (und das sind viele) Seiten er hat und dass er umgänglicher wird.

Ich danke Dir und auch SusieK für den Zuspruch. Nun bin ich doch ein bisschen sicherer. Ich werde es Marcel ausprobieren lassen - ich hoffe, dass er dann auch einverstanden damit ist ("zwingt" Ihr Eure Kinder die Tbl. zu nehmen oder wollen sie es von sich aus?) und dann sehen wir einfach mal weiter.
Ich hoffe, dass unser Kinderarzt der selben Meinung ist wie wir und dass ich nicht noch einen anderen Arzt suchen muss, da dann noch mehr Zeit verloren geht, als ohnehin schon.

Liebe Grüße
Annette

von Annette B. - am 10.11.2003 16:45
Zum Thema "zwingen":
Sicherlich muss man am Anfang klare Regeln aufstellen, mach doch erst mal eine feste Testphase von ca 3 Wochen mit ihm aus, in denen er die Tabletten wirklich nehmen "muss". Ich glaube, jeder hier hat die Eingewöhnungsphase als nicht so angenehm empfunden, manche Kinder werden weinerlich oder wirken irgendwie "anders". Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und manchmal auch beunruhigend. Ich will dir hier nichts negatives erzählen, es waren nur meine persönlichen Empfindungen in den ersten Wochen. Ich muss aber auch ganz klar sagen, dass ich die Entscheidung für die Tabletten noch keine Sekunde bereut habe (und ich habe vorher auch leider leider Jahre gezögert)!!!!! Gib deinem Sohn die Chance, haltet die ersten Wochen auf jeden Fall durch und du wirst sehen, wie auf einmal alles besser wird. Meinen Sohn muss ich inzwischen überhaupt nicht mehr zwingen, er kennt den Unterscheid seiner Leistungsfähigkeit mit und ohne sehr genau. Manchmal will er sie einen Tag nicht nehmen, dann lasse ich ihn auch und am nächsten Tag ist das dann meist kein Thema mehr. Allerdings ist er auch inzwischen fast 15 und mit 8 musste ich natürlich morgens mir aller Macht auf der Einnahme bestehen. Die Kids merken aber sehr schnell, dass sich ihr Leben zum Positiven verändert.

von Dagi - am 11.11.2003 08:29
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