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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Patr., ClaudiaW, Meli_Mum, -Natascha-, Angelika (TanteGela), susanneniedersachsen

Grundschulempfehlung...eure Erfahrungen???

Startbeitrag von Patr. am 18.02.2004 16:31

Hallo liebe Eltern,

bei uns in Baden-Württemberg werden bald die Empfehlungen für die weiterführende Schule ausgegeben.
Danach müssen unsere Kids dann Gymnasium, Realschule oder Hauptschule besuchen.
Ich weiß nicht, was ich machen soll:
Soll ich nach Notenschnitt gehen oder nach Arbeitshaltung?
In einem schlauen Buch las ich, daß man ADS´ler (+H) nicht unter ihrer Begabung einschulen soll.
Nur was nützt mir das, wenn das Kind nur Pflichtprogramm macht und sich nicht freiwillig zum Lernen hinsetzt?

Ich hoffe auf eure Meinungen,

Mirschwirrtschonderschädel-Patr.

Antworten:

Hallo,

ich würde mich in erster Linie für eine Schule entscheiden und weniger für die Schulform.

Wenn dein Kind zwar die Eignung für's Gymnasium hat, diese Schule aber eigentlich nicht für dein Kind geeignet ist, dann hast du wenig davon.

Wir haben uns ALLE Schulen hier im Umfeld angesehen. Vom Entwicklungsstand hätte ich unseren lieber auf eine Gesamtschule gegeben. Wir haben hier im Ort aber nur eine einzige, über die ich dann "Insiderinformationen" eingeholt habe. Dort machen die Kinder mit 30 anderen in einer Klasse die Hausaufgaben. Es ist niemals ruhig. Die Hausaufgaben werden niemals kontrolliert. Vieles wird "schöngeredet". Für das Kind ist es zwar toll, wenn es im Aufsatz trotz 37 Fehlern noch eine eins bekommt, aber ist das wirklich sinnvoll?

Sieh dir die Schulen an. Nicht nur am Tag der offenen Tür, wo alle ihre Schokoladenseiten zeigen wollen, sondern geh mal an einem normalen Tag morgens hin, wenn alle kommen. Eine große Pause ist auch ganz gut. Man sieht, wie's auf dem Schulhof zugeht. Sehen die Lehrer weg, wenn geprügelt wird, oder greifen sie ein.

Danach würde ich mir die Schule aussuchen. Unser System ist durchlässig und man kann immer noch andere aufbauende Schulen oder Kollegs besuchen. Unsere Große verlässt jetzt freiwillig (wen wunderts?) unser Gymnasium und wechselt auf ein Kolleg in Düsseldorf, wo sie zum einen das Vollabitur aber auch gleichzeitig einen Berufsabschluss lernt, d. h. wenn sie fertig ist, hat sie auch einen Beruf und kann auch direkt die Universität besuchen.

Das nur mal als Tipp.

Viel Erfolg

Claudia

von ClaudiaW - am 18.02.2004 17:13
Hallo!

Wie ist das Verhältnis zu den Lehrern?
Wenn Du Vertrauen hast, dann würde ich mich leistungsmäßig an die Empfehlung der Lehrer halten, denn die können das Kind nach mindestens 2 Jahren im Unterricht nach unseren Erfahrungen recht gut einschätzen.
Die richtige Schule hat dennoch, wie Claudia oben schreibt, nur z.T. etwas mit den Anforderungen zu tun.
Am Wichtigsten ist es, dass das Kind sich dort wohlfühlt.

Mein Tipp: mit Schülern sprechen, die dort seit längerer Zeit sind, und auch mit deren Eltern.
Der Tag der offenen Tür ist an vielen Schulen sowas wie eine gigantische Theateraufführung und spiegelt nicht das tägliche Schulleben wider.

Wichtig finde ich auch, wie sich der Schulweg gestaltet.
An unserer Schule haben wir dazu nicht nur am Tag der offenen Tür eine große Stadtübersicht, auf der die Buslinien dargelegt sind.
Es kommt so oft vor, dass Eltern über mögliche Busverbindungen nicht informiert sind, also auch dahingehend die Augen offenhalten.

Und sonst? Dem Bauchgefühl trauen!

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 19.02.2004 06:11
Hallo.

Also erstmal würde ich schaun, was für eine Empfehlung die Grundschule ausspricht. Wie Angelika schon schrieb. Die Schule kennt dein Kind doch und wird sich ihre Gedanken zur Empfehlung gemacht haben. Auch sollen ja die ersten Elterngespräche zur Empfehlung stattfinden.

Ich sehe das nicht ganz so, dass es "nur" nach der Schule gehen sollte. Für mich ist und bleibt ein gutes Gelingen lehrerabhängig-nicht schulabhängig. Auch sehe ich sehr wohl die Begabung als wichtig an. Und: was will das Kind.

Wenn nun dein Kind sehr wenig für die Schule macht (kennen wir ja) und trotzdem gute Noten schreibt und deshalb eine Empfehlung z.B. für Real- oder Gym bekommt, dann sollte es ruhig dorthin gehen. Ich halte auch unsere kids für entwicklungsfähig und mal sehen, ob sie mit dieser Einstellung weiterkommen. Wenn nicht, müssen auch sie lernen, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat.
Das mag bitter sein, gehört aber zu einer normalen Entwicklung dazu.

Gruß
susanne

von susanneniedersachsen - am 19.02.2004 06:43
Hallo,

natürlich spielt der Lehrer eine maßgebende Rolle. Auf alle Fälle!

Das Problem ist, dass ich mir den aber i. d. R. nicht aussuchen kann. Ich kann mich nur für die Schule entscheiden und versuchen, dass mein Kind in eine bestimmte Klasse kommt. Ob es dann gelingt, ist eine andere Frage. Ich weiß auch nicht, ob es denn diesen Lehrer auch behält. Unser Englischlehrer gibt die Klasse jetzt nach 1 1/2 Jahren ab, weil er nur noch in der Oberstufe unterrichtet.

Es ist also ein Aspekt, den man sicherlich im Auge behalten sollte, den man aber nicht so beeinflussen kann.


VG Claudia

von ClaudiaW - am 19.02.2004 07:01
Hallo,

Was sagt denn dein Sohn, wo er hin möchte? Wo gehen denn seine Freunde hin?

Bei mir war es so, dass ich durch nicht diagnostizierte ADS sowieso meine Noten nach Tagesleistung hatte, das heißt ich habe in jedem Fach gute wie auch schlechte Noten gehabt, wußten auch die Lehrer nicht genau wo sie mich einordnen sollten. Es ging damals darum ob ich zur Hauptschule oder Realschule sollte. Mein damaliger Klassenlehrer hat dann seine Empfehlung für die Hauptschule ausgesprochen. Auf nachfrage hin meinte er, es wäre eine vorsichtsmaßnahme, ich könnte ja immer noch wieder auf die Realschule wechseln, wenn ich gute Noten hätte. Meine Eltern meinten, dass die Realschule besser für mich war.
Dann haben meine Eltern mich gefragt, wo ich lieber hin wollte. Wir hatten damals ein langes Gespräch. Da meine Freundinnen alle auf die Realschule kamen, wollte ich natürlich auch lieber dorthin.
Also habe ich damals mit meinen Eltern abgemacht, dass ich erstmal (!) zur Realschule gehe, wenn ich aber nicht klarkomme, dann auf die Hauptschule wechsel. Da ich als KannKind eingeschult wurde, haben meine Eltern mir auch gesagt, dass es nicht schlimm ist, wenn ich eine Klasse wiederhole, weil ich im Prinzip ja sowieso eine Klasse weiter bin, als die Gleichaltrigen Kinder. Mama sagte, es wäre so, als hätte ich eine Klasse übersprungen ( stimmt zwar nicht ganz, aber als Kind hat mir die Vorstellung schon geholfen).

So bin ich dann also zu Realschule gegangen, zusammen mit meinen Freundinnen. - Ich würde jetzt lügen, wenn ich sage, dass es keine Probleme gab, aber ich würde heute es noch genauso machen wollen.

Einen konkreten Tip habe ich für dich nicht. Ich würde sagen, dass es individuell entschieden werden muß. DA können Aussenstehende glaube ich wenig zu sagen. Der aber am meisten dazu was sagen könnte, ist glaube ich dein Kind. Weil er ja auch mit der Entscheidung leben muß.


Gruß
Natascha

von -Natascha- - am 19.02.2004 11:30
Hallo,

soweit ich informiert bin, hast du keine große Wahl, wenn du in Baden-Württemberg wohnst. Dort ist die Schulempfehlung der Grundschule zwingend. Von einem Kollegen habe ich gehört, dass es die Möglichkeit gibt, eine Prüfung abzulegen, wenn man das Kind trotz Realschulempfehlung auf das Gymnasium schicken will.

Zu bedenken gibt es auch, dass in Baden-Württemberg mit Beginn des neuen Schuljahres das 8-jährige Gymnasium flächendeckend eingeführt wird. Das bedeutet, die Kinder machen schon nach 8 Jahren ABI und die zweite Fremdsprache kommt bereits in der 6. Klasse.

Bin trotzdem der Meinung, dass man auch auf die Begabung (oder wenn man so will das Potential) des Kindes achten sollte. Und dann muß man auch noch die Schule finden, die man für die richtige hält.
Zumal in Baden-Württemberg der Aufstieg von der Realschule auf das Gymnasium sicherlich durch die Einführung des 8-jährigen Gymnasiums noch schwerer geworden ist.

Solltest du an der Grenze zu Rheinland-Pfalz wohnen, kannst du überlegen, dein Kind dort ohne Gymnasialempfehlung auf ein Gymnasium zu tun. Hier ist die Schulempfehlung nämlich nicht zwingend einzuhalten. Es gilt jedoch zu beachten, dass es nach der 6. Klasse eine zwingende Schulempfehlung gibt und dass die Gymnasien hier eigentlich auch keine Kinder mit Realschulempfehlung haben wollen. Das bedeutet, die tun ihr bestes die Kinder so schnell wie möglich wieder los zu werden. Unterricht nach dem Motto: Friss oder stirb. Das muss man schon hart im nehmens sein.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer bei der Schulempfehlung in die Vergangenheit schauen und gar nicht erst versuchen, einzuschätzen, wohin sich das Kind entwickelt. Oder so nette Dinge tun, wie dem Kind eine Realschulempfehlung geben und sagen, dass sie eben dieses Kind auf ein Gymnasium stecken würden, wenn es ihres wäre. Das ist eine Bekannte passiert. Nun ja, das geht halt nur in Rheinland-Pfalz so ohne weiteres.

Nach vielen schlaflosen Nächten und Diskussionen haben wir uns für unser Träumerchen für ein privates Gymnasium entschieden, trotz Realschulempfehlung.
Kommentar der Lehrerin: Intellektuell schafft er das.
Warum wir uns für das Gymnasium entschieden haben?
- Sohnemann will gerne.
- Seit er weiß, dass er darf, ist er richtig motiviert und schreibt seitdem nur noch Zweier und Einser.
(Natürlich nicht nur deshalb, sondern auch weil wohl das Reiten und die Lese-Rechtschreibtherapie nach
einem halben Jahr wirkung zeigen.
- Weil wir uns für eine Schule entschieden haben, in der max. 25 Kinder in eine Klasse gehen und die Lehrer
dort Interesse haben möglichst alle Schüler durch das ABI zu bekommen. Schließlich sind die Schüler auch
irgendwie Kunden.
- Sohnemann wird älter, vernünftiger, einsichtiger etc. werden.

Viel Kraft und ein bisschen Mut bei der anstehenden Entscheidung wünscht
Meli

von Meli_Mum - am 20.02.2004 11:07

Re: Grundschulempfehlung...Danke!!!

Hallo Ihr Lieben,

ich möchte mich bedanken für die tollen "Augenöffner"von euch, das wird mir helfen, eine Entscheidung zu treffen...
Ich werd jetzt die nächste Zeit vormittags
(im Trenchcoat+Sonnenbrille) auf den umliegenden Schulhöfen anzutreffen sein und "die Lage checken" :-)) und natürlich auch nochmal das Kind befragen..(am besten 1x morgens und 1x abends).
Jetzt aber Spass beiseite, ihr seid mir wirklich eine große Hilfe und ich bin wieder mal froh, daß es das Forum gibt..

Schöne Zeit für euch,

Patr.

von Patr. - am 22.02.2004 11:07
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