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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
22
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Regina Braun, Cornelia, Händchen, Rhoa, Minima, Andre@, EWitte, FrankR

ADS/H und Asperger?

Startbeitrag von Regina Braun am 15.04.2004 14:52

Hallo,

ich hab mich schon sehr lange nicht mehr an den Beiträgen beteiligt, doch nun brauche ich wieder eure Hilfe.

Vor 2 Jahren wurde bei meiner Tochter ADHS Diagnostiziert. Da war sie in der zweiten Klasse. Sie wurde zunächst mit Ritalin und später mit Ritalin SR behandelt. Weil sie sich aber weigert, mehr als eine Tablette am Tag zu nehmen nimmt sie seit Weihnachten Strattera.
Jetzt ist sie in der vierten Klasse und hat die Realschulempfehlung bekommen(gerade noch). Weil aber abzusehen war und ist, dass sie den Übergang nicht schafft,(nicht wegen ihrer Leistung sondern weil sie sich nicht alleine zurechtfindet, sich nicht neben Fremde setzt usw.) haben wir einen Antrag auf Eingliederungshilfe beim JA gestellt.
Bei der nochmaligen Untersuchung in der gleichen Klinik wurde nun der Verdacht auf Asperger geäußert.

Die Lehrerin meint, dass sie immer noch nicht in die Klasse integriert ist, sich nicht helfen lässt, im Sportunterricht nicht mitmachen will.

Kann das sein, dass aus ADS, Asperger wird? Oder kann ADS mit Asperger zusammen Diagnostiziert werden? Und wie sieht die Behandlung aus?

Ich habe schon einmal viel Hilfe und Unterstützung durch dieses Forum erhalten.
Ich hoffe, mir kann wieder jemand helfen.

Gruß Regina

Antworten:

Hallo Regina,

diese Frage beschäftigt mich auch zur Zeit. Ich weiß, daß Asperger und ADS zusammenauftreten können. Es gibt auch gewisse Züge, die bei ADS auftreten können, ohne daß ein Autismus vorhanden ist. Dazu gehört, daß Kinder sich nicht wie gewünscht in eine Gruppe integrieren.

Welche Verhaltensweisen deuten denn bei deiner Tochter auf Asperger hin? Ist sie eher hyperaktiv oder eher hypoaktiv?

Liebe Grüße



von Händchen - am 15.04.2004 17:42
Hallo Händchen

Meine Tochter ist Hyperaktiv.
Sie ist sehr Depresiv und ängstlich. Wir können sie nicht alleine lassen, ohne dass wir auf irgendeine weise erreichbar sind.
Wenn sie mal ins Dorf geht, dann nur mit Hund und nur, wenn wir zu hause bleiben. Sie setzt sich nicht neben Fremde.
Wenn wir im Wartezimmer oder Bus sind, müßen wir so sitzen, dass kein Fremder neben ihr sitzen kann.

Wenn sie aufgeregt ist, dann bricht sie sich die Haare ab. Vor 2 monaten hat sie angefangen, sich ständig zu waschen. Ihre Hände sind schon rissig und wund. Und heute morgen hat sie mir erzählt, dass sie sich, nach einer auseinandersetzung mit ihrem Bruder, "Selbst weh tun mußte".

Andererseits kann sie mir und anderen in die Augen sehen. Wenn sie jemandem Vertraut kann sie sich auch in den Arm nehmen lassen.

Sie ist sehr schnell zu verunsichern und gerät dann schnell in Panik.

Ist alles recht durcheinander, aber ich bin wohl auch sehr durcheinander. stellt einfach weiter Fragen.

Gruß Regina

von Regina Braun - am 15.04.2004 18:21
Hallo Regina,

es ist sicher nicht so, daß sich ADS zu Asperger (AS) entwickeln kann. Aber richtig ist, daß beide "Syndrome" eine Reihe von Symptomüberschneidungen aufweisen, so daß insbesondere weniger erfahrene bzw. diagnostisch weniger talentierte Therapeuten manchmal beides verwechseln und dann erst später die Diagnose erweitert oder gar ausgewechselt werden muß.

Beides schließt sich keineswegs aus. Im Gegenteil, eine echte Komorbidität (also das gleichzeitige Vorliegen) von ADS und AS kommt durchaus häufiger vor. Und man liest gelegentlich auch von "ADS mit autistischen Zügen", wenn also zwar die formalen Diagnosekriterien von AS nicht erfüllt sind, wohl aber einzelne AS-Symptome auffällig sind.

Im einzelnen ist vieles wohl noch ungeklärt und harrt der vertiefenden Erforschung. Ich persönlich glaube bis zum Beweis des Gegenteils an einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen beiden Syndromen, wobei sich als Drittes im Bunde vielleicht auch das Tourette-Syndrom noch dazugesellt, mit dem es ja auch recht häufige Komorbiditäten gibt. Eine verbindende halbwegs manifeste Klammer zwischen all diesen scheint mir zB die Neigung zu Zwanghaftigkeiten (im engeren und weiteren Sinne) zu sein.

Wenn Du Glück hast, antworten Dir noch bestimmte Userinnen, von denen ich weiß, daß sie eigene Erfahrungen mit dem Thema haben und viel davon verstehen.

VG Frank

von FrankR - am 15.04.2004 18:44


Hallo Regina,

die Klinik scheint etwas über Asperger informiert zu sein :-)

Zitat


Kann das sein, dass aus ADS, Asperger wird? Oder kann ADS mit Asperger zusammen Diagnostiziert werden? Und wie sieht die Behandlung aus?


Asperger und ADS sind wie Birnen und Äpfel salopp gesagt
also zwei verschiedene Erkrankungen.
Doch wie Birnen und Äpfel in einer Obstschale liegen können , so können auch zwei Erkrankungen auftreten !
ADS kann auch mit Tourette oder Epilepsie oder oder etc. auftreten.

Die Behandlung ist sehr vom Störungsbild abhängig und pauschal überhaupt nicht zu beantworten.
Ich habe Dir zum Einlesen mal zwei Links rausgesucht:

[www.asperger-online.de]

[www.kinderpsychiater.org]

auf der Kinderpsychiaterseite findest Du sehr viele Links zum weitersurfen.

Was empfiehlt die Klinik denn an weiterer Diagnostik ???

in den letzten Jahren habe ich einige Kinder kennengelernt mit zwei Diagnosen und ich selbst bin auch mit so einem Kind gesegnet :-)
viele Informationen habe ich über die guten Infoseiten im Netz erhalten ,viele viele gute Gespräche mit betroffenen Eltern geführt und ich habe einen tollen Arzt , der mich durch die Höhen und Tiefen mit so einem Kind begleitet !

Du kannst mich gerne anmailen für einen Austausch !

Liebe Grüße

Rhoa

von Rhoa - am 15.04.2004 19:13
Hallo Regina, hallo Händchen,

ja, es kann sein, dass ein Kind ADS plus Asperger hat. (So auch mein Sohn).
Es kann auch sein, dass zuerst eine ADS-Diagnose gestellt wird und später in Richtung Asperger korrigiert wird.
Beides ist bei Asperger-Betroffenen nicht selten.
Eine kurze Differenzierung zwischen Asperger, ADS und Hochbegabung findest du hier:
[www.kinderpsychiater.org]

Überhaupt wird die Diagnose Asperger Syndrom oft erst sehr spät gestellt (das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung liegt derzeit bei etwa 10-12 Jahren).
Dass sie sich nicht alleine zurechtfindet, sich nicht neben Fremde setzen mag, nicht in die Klasse integriert ist, sich nicht helfen lassen will, die Teilnahme am Sportunterricht verweigert *kann* alles durchaus ein deutliches Indiz für Asperger sein. Es *könnte* aber natürlich auch andere Erklärungen dafür geben, z. B. Eigenbrötlertum wegen Hochbegabung, soziale Ängste aufgrund irgendwelcher schlechter Erfahrungen, etc.)

Darum ist auch meine Frage zunächst:

Gibt es noch anderes Verhalten an ihr, das merkwürdig erscheint?
Ist dir etwas aufgefallen, was sonderbar ist? Auch zu Hause?


Kann man mit ihr "normal" kommunizieren, oder ist sie auf bestimmte Themen fixiert? Kommt ein echter Dialog zustande oder neigt sie zu langen Monologen, ohne zu bemerken, wenn man keine Zeit - oder keine Lust mehr - hat, ihr zuzuhören?
Geht sie auf Erwiderungen so ein, dass ein echter Austausch -auch von Emotionen usw. - stattfindet oder wirkt das was sie sagt öfters merkwürdig unpassend? Hat sie Probleme mit "smalltalk"?
Hat sie z. B. Probleme, "ungeschriebene" soziale Regeln zu verstehen? Nimmt sie manches wortwörtlich, was eigentlich eine übertragene Bedeutung hat? Redensarten z.B.?
Hat sie irgendwelche seltsamen "Marotten"?
Ist irgend etwas an ihrem Essverhalten, an ihrer Kleidung, an ihrer Freizeitgestaltung, an ihrem Spielverhalten merkwürdig?
Wirkt sie auffallend schnell gestresst, auch z.B. durch Dinge wie Lärm, Licht, Gerüche o.ä.?


Eine spezifische Behandlung für Asperger Autismus gibt es leider nicht.
Man orientiert sich individuell daran, wo das Kind Probleme hat, z. B. kann Ergotherapie o.ä. die Motorik unterstützen etc.

Grundsätzlich empfehlenswert ist es, dem Kind immer wieder sehr geduldig bis ins kleinste Detail zu erklären, "wie die Welt funktioniert", vor allem unter sozialen Gesichtspunkten.

Autistische Menschen lernen Sozialverhalten nämlich nicht wie alle anderen Menschen - selbst "klassisch" geistig Behinderte - intuitiv, sondern müssen alles über die Logik erklärt bekommen und sehr geduldig einüben.


Ich sende dir gleich mal einen kurzen Informationstext zum Asperger Syndrom an deine Mailadresse, den ich kürzlich für einen Elternabend verfasst habe.
Empfehlenswert ist das Buch "Das Asperger Syndrom" von Tony Attwood, erschienen im Trias-Verlag.

Leider sind gleich mehrere gute Internetseiten zum Asperger Syndrom momentan wegen Server-Problemen nicht erreichbar.
Aber diese z. B. funktioniert:
[www.aspiana.de]
Hier findest du u.a. auch das empfohlene Buch:
[www.aspiana.de]

Auch dieser Artikel von Prof.Dr.Dr.H.Remschmidt von der KJP Uni Marburg ist sehr informativ:
[www.aerzteblatt.de]

An deiner Mailadresse sehe ich, dass du aus der Schweiz kommst.
Dann kann man dir sicher auch hier weiterhelfen:
[www.autismus.ch]


Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 15.04.2004 19:15
Hallo Regina,

vielen Dank für die Beschreibung. Ich frage, weil ich selbst nur ein ungenaues Bild von Asperger habe. Was du schreibst klingt sehr nach Folge- bzw. Begleiterscheinungen. Außer die Scheu vor Fremden, die ja sehr typisch ist.

Aber folgendes ist passiert: Vorm Haus sprach mich ein Junge an, etwa 8 Jahre alt, und wollte wissen, ob sein Freund hier im Haus wohnt. Ich sagte ihm, daß das nicht der Fall ist. Dann fragte er wie ich heiße und wo meine Klingel ist. Ich dachte mir nichts dabei und zeigte sie ihm. Mir fiel noch auf, daß er das Wort Freund sehr merkwürdig aussprach. Dann ging er weg, um seinen Vater zu fragen.
Ein paar Minuten später klingelte er an meiner Tür. Er zeigte mir einen Zettel mit der Adresse seines Freundes. Ich brachte ihn dorthin, wunderte mich aber etwas. Wollte er nicht seinen Vater fragen? War der nicht zu Hause? Woher hatte er den Zettel?

Von nun an klingelte es jeden Tag. Ich fragte mich, ob der Junge wegen Vera kam. Die war zwei und nicht wirklich der richtige Spielkamerad für einen achtjährigen. Er kam eher wegen mir, verbrachte hier seine Nachmittage. Er fühlte sich wie zu Hause, benahm sich nicht wie bei fremden Leuten. Er war auch recht unruhig, kletterte zum Beispiel über das Sofa.

Nach ein bis zwei Wochen fragte ich ihn nach seinen Eltern. Er war erst ein wenig verunsichert, zeigte mir dann aber wo er wohnt. Ich sagte seinem Vater wer ich bin und wo ich wohne, und daß sein Sohn mich öfter besucht. Der Vater hatte dann schon eine Liste von Leuten, die ebenfalls besucht wurden. Er machte eine Bemerkung: "Es gibt diese scheuen Kinder, bei meinem Sohn ist es genau anders." Ich hakte aber nicht näher nach, schließlich war ich dort einfach so reingeschneit.

Seitdem beschleicht mich der Gedanke, daß der Junge austistische Merkmale hat. Sein Verhalten ist zwar nicht gerade typisch aber möglich.

Ich denke viel nach über solche Beobachtungen und vergleiche sie mit meiner Tochter und meinem eigenen Verhalten.

von Händchen - am 15.04.2004 19:22
Hallo Regina,

ich hatte das Antwort-Fenster lange geöffnet - wegen eben eines solchen Kindes ;) - und habe darum erst jetzt eure anderen Texte gelesen.

Ja, was du ergänzt hast, spricht auch sehr dafür, dass das Asperger Syndrom zutrifft.


Aber keine Sorge, das ist kein Weltuntergang, dein Kind bleibt ja durch diese zweite Diagnose das gleiche wie bisher. :)


Fehlender oder vorhandener Blickkontakt ist KEIN Diagnosekriterium oder Ausschluss-Kriterium, auch wenn die Art des Blickkontaktes bei autistischen Menschen oft - aber eben nicht immer! - auffällig ist.
Viele Menschen mit Asperger Autismus sehen z.B. Gesprächspartner an, wenn sie selbst reden, blicken aber zur Seite, wenn sie zuhören. Das muss aber nicht so sein.

Es gibt bei der von Rhoa empfohlenen Seite [www.autismus-online.de] auch eine Mailingliste für Eltern von Asperger-Kindern.
Sie ist zwar sehr voll, und du müsstest auf ein entsprechend hohes Mailaufkommen gefasst sein, aber sie ist auch sehr hilfreich.

Vielleicht magst du mal hineinschauen?

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 15.04.2004 19:25
Hallo Cornelia,

du hast einiges an info geschrieben. Danke dir, ich werde mich durcharbeiten. Ich komme aus BW, die Mailadresse hat mir mein Mann eingerichtet. Warum sie die Endung .ch hat weiß ich leider nicht.

Nun zur antwort:
Nein, "smalltalk" ist nicht ihre sache. Einen Wirklichen monolog eigentlich auch nicht.Wenn sie mal gemerkt hat, dass sie witzig war, dann wiederholt sie es immer und immer wieder.
Sie merkt nicht, wie sie auf andere Wirkt. Sie versteht ein Lachen anderer immer als auslachen ihrer Person.

Essen: möglichst nicht sehr warm und nicht scharf. Möglichst ganz ohne Pfeffer. Zahncreme mag sie auch nicht.
Sie ist sehr geruchsempfindlich.
Und man darf um Gottes willen nicht über "Erbrechen" reden.

Ihre Kleidung und ihre Haare sind ein eigenes Ding. Die Kleidung muß möglichst eng am Körper anliegen. Dicke Jacken oder Pollis zieht sie nicht an. Auch nicht im Winter.
Die Haare werden nicht geschnitten. Höchstens die Ponys und die auch nur von mir.

Sie müßte eigentlich eine Brille tragen, aber sie hält es nicht lange aus und dann liegt die Brille irgendwo.

Ich entdecke immer mehr Eigenarten, die mir vorher nicht aufgefallen sind.

Gruß Regina

von Regina Braun - am 15.04.2004 19:56
Hallo Händchen,


oh doch, auch dieses Verhalten ist durchaus typisch. :-)

Entgegen der landläufigen Meinung sind autistische Menschen nämlich keineswegs automatisch schüchtern, oder zurückhaltend oder verschlossen.

Es kann auch das genaue Gegenteil der Fall sein, nämlich verblüffende Distanzlosigkeit oder auch ein extrem dominantes Verhalten.

Kennzeichnend und damit wirklich typisch für das Asperger Syndrom ist in erster Linie ein frappierend ungewöhnliches Sozialverhalten bei ansonsten mindestens normaler Intelligenz, ein fehlendes Gespür für soziale Situationen, für das "richtige", angemessene, gesellschaftlichen "Normen" entsprechende Benehmen in jeder Lebenslage, beruhend auf massiven Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung aller Sinnesorgane und damit einem völlig anderen Erleben der Welt.


Das kann sich dann sehr unterschiedlich auswirken, etwa so, dass ein Kind tatsächlich mutistisch wirkt, also kaum spricht, sich abkapselt, gleichgültig wirkt, sich nicht oder nur nach eigenem Ermessen berühren lässt, niemandem in die Augen blickt, oder nur sehr flüchtig, starke Phobien entwickelt, stark depressiv ist usw.,
aber auch in der Form, dass es jedem geradezu in die Augen starrt, jeden zutextet, dem es begegnet, egal in welcher Situation dieser sich gerade befindet, sich auch Fremden unbekümmert auf den Schoß setzt, manchmal geradezu schamlos zu sein scheint, seiner gesamten Umgebung bis ins kleinste Detail jedes Verhalten, ja, selbst die genaue Wortwahl vorzuschreiben versucht, in Situationen lacht, in denen eigentlich Trauer oder Bedrücktheit erwartet wird, extrem schnell wütend wird etc.

Und es kann auch durchaus all dieses bei ein und demselben Betroffenen vorkommen, abwechselnd je nach Tagesform und Umständen, auch oft sehr plötzlich umkippend, wie es bei meinem Sohn z. B. der Fall ist.

Gruß
Cornelia



von Cornelia - am 15.04.2004 20:01
Gleich ist es soweit und ich fange an zu heulen. Wie kann das alles sein? Im SPZ haben sie gefragt, ob Vera Freunde hat. Und die hat sie. Inzwischen integriert sie sich in die Gruppe. Und überhaupt, sie entwickelt sich doch. Ihr Verhalten wird immer "normaler".

Aber diese Übereinstimmungen. Sind die Überschneidungen von ADS und Asperger sehr weiträumig? Bei Vera wurde bisher weder das eine noch das andere diagnostiziert. Aber wenn es das nicht ist, was ist es dann? Obendrein gibts bei mir selber auch passende Symptome. Ich war noch nie in eine Gruppe integriert, immer nur "zu Gast". Das alles kommt mir doch sehr unwahrscheinlich vor. Aber dann wieder diese Übereinstimmungen. Mein Kopf rotiert.



von Händchen - am 15.04.2004 20:06
Hallo Rhoa,

danke für dein Angebot!

Im moment macht sie Ergotherapie(In der Gruppe). Die Therapeutin ist aber schon recht erschöpft. So etwas wie meine Tochter hätte sie noch nicht gehabt.
Sie wäre schon froh, wenn meine Tochter mal nicht weinen würde.

Ansonsten wurde noch gar nicht über irgendeine Terapiemöglichkeit geredet. Das liegt wohl wieder in unserer Verantwortung, eine Therapie einzufordern.

Wir haben beim JA ein Internat für Hochbegabte mit ADS und LRS vorgeschlagen. Weil es bei uns in der Gegend keine Schule gibt, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen will.


Die Klinik unterstützt uns bei unserem Antrag. Ich bin mir allerdings nicht mehr sicher, ob das Internat meine Tochter noch nimmt, mit Asperger als Diagnose.

Gruß Regina

von Regina Braun - am 15.04.2004 20:14
Halo regina,


ja, dann gratuliere ich dir zu der guten Klinikwahl!!

Denn das alles macht die Sache eigentlich sehr eindeutig.

Willkommen im Club. :-))


Ich wäre dankbar für die Adresse der Klinik, um sie anderen Eltern bei Bedarf weitergeben zu können, denn leider ist es sehr, sehr häufig so, dass auch bei einem stationären Aufenthalt das asperger Syndrom nicht erkannt wird. Im Vergleich dazu ist es geradezu ein Kinderspiel, einen Arzt zu finden, der sich mit ADS gut auskennt. ;)
Ich habe dir eben die versprochene Mail geschickt, könntest du mir bitte, bitte, die Klinik unter der dort verwendeten Mail-Addy nennen? (Die hier angegebene funktioniert nämlich ebenfalls wegen jener Server-Pobleme momentan nicht)


Wenn du aus BW kommst, interessiert dich vielleicht, dass in Schwetzingen etwa alle 2 Monate samstags ein Treffen von Asperger-Eltern stattfindet?

Die Adresse findest du auf der - momentan ebenfalls nicht aber hoffentlich bald wieder erreichbaren - Website des entsprechenden Regionalverbandes der Hilfe für das autistische Kind, die auch ansonsten SEHR empfehlenswert ist und zudem auch gute Infos zu Integrationshelfern in der Schule, finanziert über Eingliederungshilfe bietet, was ihr ja beantragt habt:

[www.autismus-nordbaden-pfalz.de]


Alles Gute
Cornelia



von Cornelia - am 15.04.2004 20:14
Hallo Händchen,

ich reich mal vorsichtshalber ein Taschentuch rüber :-).

Sind das nun eher Tränen der Erleichterung, dass da endlich etwas fassbar wird, weil die Sache einen Namen bekommt? Die Gespenster der Nacht verlieren ja auch ihre Macht, wenn man sie mit ihrem Namen anspricht.

Ich glaube ansonsten, dass Cornelia es ganz richtig sieht, das Kind bleibt es selbst, egal mit welcher Diagnose, genau wie du ;-).

Auch mit solchen Diagnosen kann man übrigens ein reiches und erfülltes Leben führen, reicher und erfüllter vielleicht, als die es tun, die windschnittig und glatt geboren wurden, mit lebenslang geschmierten Gelenken, sich immer passend zu verrenken, sich stets passend anzupassen, und glatten Gedanken, so glatt, leicht und geschmeidig, dass sie spurlos im Leben versickern oder vom Wind davongetrieben werden und niemanden je wirklich berühren können.

FG Erich

von EWitte - am 15.04.2004 21:27
Hallo Erich,

das hast du wirklich schön formuliert, vielen Dank. :-)))

Hallo Händchen,

ich habe dich im anderen Forum - unter "begriffsstutzig" - schon einmal gefragt, was genau an deiner Tochter denn in dir den Verdacht auf Autismus weckt? Vielleicht ist es dort unter all den vielen Beiträgen untergegangen.

Dort schriebst du in erster Linie von motorischen Problemen und der verminderten Muskelspannung. Diese passen beide durchaus auch zu Autismus, aber auch zu vielen anderen Behinderungen und Erkrankungen.

Wo genau siehst du denn bei Vera Übereinstimmungen?

Denn so ganz allgemein gehalten wäre eine Antwort auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ADS und Asperger zu umfangreich, um sie hier ins Forum zu schreiben. Darüber könnte man ein ganzes Buch verfassen. ;)



Grob gesagt könnte man sagen, dass es zwar eine Reihe von Überschneidungen in den Symptomen gibt, aber auch ein paar grundlegende Unterschiede, auf deren wichtigste ich mich hier jetzt mal zu konzentrieren versuche:


Probleme im Sozialverhalten gibt es bei ADS oder ADHS meist vor allem, weil die Betreffenden aufgrund ihrer Impulsivität anecken oder wegen der Aufmerksamkeitsprobleme vieles einfach nicht mitbekommen oder vergessen. In der Theorie jedoch beherrschen sie soziale Regeln durchaus, sie haben sie weitestgehend verinnerlicht wie wir alle, sozusagen "mit der Muttermilch aufgesogen". Nur die konsequente Umsetzung dieses Wissens in die Praxis hapert halt des öfteren.


Beim Asperger Syndrom hingegen reicht das Problem wesentlich tiefer:
Betroffene verstehen die Regeln erst gar nicht.
Sie erkennen keinen Sinn darin, begreifen nicht, warum man sich wann wie verhält und können es darum auch bei gutem Willen und vorhandener Aufmerksamkeit nicht immer richtig machen. Darum wirken sie oft arrogant und ausgesprochen egozentrisch, gar egoistisch, ohne dies jedoch im eigentlichen Wortsinn zu sein.
Das kann bei Mädchen weniger auffallen als bei Jungen, weil Mädchen solche Unsicherheiten oft besser überspielen können, aber es fällt doch immer wieder auf, selbst bei größtem Bemühen des Betroffenen, nicht aufzufallen.

Autistische Menschen lernen nur sehr begrenzt durch Nachahmung (zumal sie Mimik und Gestik und Körpersprache anderer nur begrenzt richtig deuten können, darum auch z. B. die häufigen Auffälligkeiten im Blickkontakt - sie entnehmen dem Gesicht und den Augen anderer kaum Informationen über deren Innenleben) und Erfahrung (einer der Gründe für ihre Neigung zu endlosen Wiederholungen von Fehlern, Fragen, Gesagtem usw.) und sie können in einer Situation Erlerntes kaum auf andere, ähnliche Situationen übertragen.
Sie können zwar Grundregeln erlernen - über logisches Aufschlüsseln und ausführliche, sehr oft wiederholte Erklärungen, wer warum wann wie worauf reagiert und warum man selbst wann wie angemessen darauf eingeht -, aber dies kann stets nur ein grobes Gerüst, ein Orientierungsrahmen sein, an dem sie sich "entlanghangeln", denn unsere sozialen Spielregeln sind derartig vielschichtig und subtil und oft auch widersprüchlich, dass das logische Erlernen von Standard-Regeln eigentlich nicht ausreicht, um im Alltag wirklich gut zurecht zu kommen und nicht aufzufallen.
Und so bleibt ihr Sozialverhalten immer, auch als Erwachsene noch, mehr oder weniger hölzern, es kommt immer wieder zu auffallenden Missverständnissen usw., selbst bei solchen autistischen Menschen, die durch viel Übung auf den ersten Blick fast unauffällig wirken mögen.


Kommt dann ein ADS oder ein ADHS hinzu, so potenzieren sich die Schwierigkeiten natürlich, denn dann haben die Betroffenen zusätzlich zu den grundlegenden Verständnisschwierigkeiten auch noch Probleme mit der Aufmerksamkeit und der Impulskontrolle, so wie jeder andere AD(H)Sler auch.


Bedenkt man dann noch, dass es durchaus zudem auch noch viele hochbegabte Menschen mit Asperger Syndrom gibt, so wird klar, dass sich die Problematik wenn alle drei Diagnosen aufeinandertreffen wiederum noch weiter verkompliziert.


Und dann kommen noch die erwähnten anderen Schwierigkeiten durch die massiven Wahrnehmungsverarbeitungsprobleme hinzu, die in dieser Form bei ADS nicht auftreten, auch wenn es dort natürlich ebenfalls durch Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen verursachte Probleme gibt. Aber eben nicht in diesem Ausmaß.

Bei autistischen Menschen können zum Beispiel die dadurch verursachten Ess-Probleme so weit gehen, dass sie buchstäblich lieber verhungern, als etwas zu essen, was nicht exakt ihren Kriterien für ein akzeptables Essen entspricht. Und diese Kriterien sind oft - nicht immer! - sehr, sehr eng gefasst. Es gibt aber umgekehrt auch autistische Menschen, deren Geschmacksempfinden und deren taktiles Empfinden usw. statt wie im genannten Beispiel extrem überempfindlich zu sein stark reduziert ist, was zu dem umgekehrten Phänomen führen kann, dass sie wahllos alles zu essen versuchen, was ihnen in die Finger gerät. Es gibt autistische Kinder, die sogar Glasscherben essen würden, wenn man sie nicht daran hindert.


Autismus ist also sehr komplex und sehr vielgesichtig.

Immer aber gibt es - neurologisch bedingte - Auffälligkeiten, die - kennt man die Hintergründe nicht - völlig unerklärlich scheinen und die sich auch durch noch so konsequente Erziehung nicht verbessern lassen.


Bei vielen autistischen Kindern funktionieren z. B. auch die für ADS-Kinder zu Recht empfohlenen Punktepläne nicht,
da es keine realisierbaren Belohnungen gibt, die sie genug reizen könnten,
keine Konsequenzen, die sie genug "abschrecken", zumal sie den Zusammenhang oft auch gar nicht zu verstehen in der Lage sind,
da sie ausschließlich in der Gegenwart leben und kaum imstande sind, in Aussicht gestellte Belohnungen oder Konsequenzen auf ihr jetziges Handeln zu beziehen, bzw. dann, wenn sie erfolgen, ihr "früheres" Verhalten damit in Verbindung zu bringen, sei es eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder einen Monat her.

So, jetzt habe ich doch wieder einen ganzen Roman geschrieben. Dennoch ist dies nur ein kleiner Teilaspekt dessen, was sich zu der Frage "Unterschiede und Gemeinsamkeiten von ADS und Asperger Syndrom" alles schreiben ließe. Ich hoffe, er hilft dir trotzdem ein bisschen weiter.

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 15.04.2004 23:12

@Erich

:-) Dein Beitrag war zwar nicht für mich.
Aber dennoch - Balsam für die Seele!
Danke, er war einfach schön.

von Andre@ - am 16.04.2004 09:09

Re: @Erich



Zitat


Sind das nun eher Tränen der Erleichterung, dass da endlich etwas fassbar wird, weil die Sache einen Namen bekommt? Die Gespenster der Nacht verlieren ja auch ihre Macht, wenn man sie mit ihrem Namen anspricht.

Ich glaube ansonsten, dass Cornelia es ganz richtig sieht, das Kind bleibt es selbst, egal mit welcher Diagnose,
genau wie du ;-).


Lieber Erich,

die Gespenster der Nacht verlieren zum Glück ihre Macht !!!
Danke für Deine Worte :-)

Liebe Grüße

Rhoa

von Rhoa - am 16.04.2004 10:59
Hallo Cornelia,

also mir hat es enorm geholfen!

Eine Frage noch:

Kann eine, von Asperger betroffene, Mutter die Symtomatik "anerziehen"?

Denn langsam komme ich zu der Überzeugung, dass nicht nur meine Kinder von Asperger betroffen sind.(oder ich es "anerzogen"habe?)

Ist es besser, ich rede mit den Lehrern über die Diagnose?
Und wenn ja, auf was sollte ich in dem Gespräch achten?

Gruß Regina

PS: Hast du meine Antwortmail bekommen?

von Regina Braun - am 16.04.2004 12:03
Hallo,

ich kann dir sehr gut nachfühlen. Ich bin auch in einem Gefühlskarusell.

Ich hoffe, dass es ein Ende findet, wenn die Gespenster gesichter bekommen.

Leider sind hier die Selbsthilfegruppen sehr mager gestreut.

Hiermit nochmal meinen Dank an alle, die Gepostet haben. Es hilft enorm!

Liebe Grüße Regina

von Regina Braun - am 16.04.2004 12:13
Hallo Regina,

ja, danke, deine Mail ist gerade eingetroffen.
Ich beantworte sie später, habe jetzt leider nur wenig Zeit.


Nein, anerziehen kannst du das Asperger Syndrom definitv nicht!

Du bist keinesfalls Schuld am Autismus deines Kindes!

Derartige Thesen gab es in den 40er und 50er Jahren (u.a. von Kanner selbst, dem Namensgeber und Erstbeschreiber des frühkindlichen Autismus, von Bettelheim ("Kühlschrankmuttertheorie") und Tinbergen&Tinbergen, anders jedoch sah es bereits damals Hans Asperger der zufällig zeitgleich zu Kanner das nach ihm benannten Asperger Syndrom beschrieb und der bereits damals Autismus als eine biologisch verursachte, angeborene, genetisch verankerte Störung ansah. Spätestens seit Mitte der 60er sind sie offiziell vom Tisch, u.a. durch Bernard Rimlands Untersuchung von 1964 "Infantile Autism". Auch wenn es natürlich immer Außenseiter geben wird, die das nicht wahrhaben wollen (das kennen wir ja von ADS ebenfalls bestens, nicht wahr?), so u.a. Jirina Prekop mit ihren völlig unhaltbaren und unwissenschaftlichen Thesen.

Es gibt einige Behinderungen und Erkrankungen, bei denen das Erscheinungsbild dem Autismus sehr ähneln kann, so u.a. das Rett-Syndrom, die Phenylketonurie ua., die sich aber durch einen Gentest nachweisen lassen.
Auch Hospitalismus, also eine schwerwiegende Störung durch massive Vernachlässigung, kann wie Autismus wirken. Dies ändert sich aber schnell, nachdem Betroffene wieder Zuwendung erhalten.
"Echter" Autismus verbessert sich aber nicht durch Zuwendung!

Dass du an dir selbst ebenfalls Aspekte des Asperger Syndroms bemerken magst ist nicht verwunderlich, das geht den meisten Eltern so (auch mir) und auch in den Familien finden sich oft ebenfalls Betroffene oder Menschen, die Teilaspekte des Syndroms haben, ohne jedoch das Vollbild aufzuweisen. Das spricht ja auch ebenfalls für einen genetischen Zusammenhang.

Fakt ist aber, das haben Untersuchungen nachgewiesen (ich finde gerade den Link nicht dazu, ich glaube, Remschmidt wies darauf hin), dass Eltern autistischer Kinder grundsätzlich - ursprünglich jedenfalls - ihre Kinder nicht anders behandeln bzw. behandelt haben, als andere Eltern auch.

Sicherlich wirkt ihr Erziehungsverhalten auf Außenstehende manchmal skurril oder inkonsequent. Das ist dann aber eine - völlig angebrachte - Reaktion auf das so ungewöhnliche Verhalten ihrer Kinder, die auf herkömmliche Weise eben wirklich nicht zu erziehen sind.

Autismus wird nach heutigem Stand der Wissensachaft vererbt:
[www.autismus-etcetera.de]

Selbstverständlich wirkt sich - wie ja auch bei ADS-Kindern - das Erziehungsverhalten der Eltern in gewissem Maße auf die Entwicklung der Kinder aus. Autistische Kinder benötigen eine besondere Erziehung, die auf ihre Probleme und Bedürfnisse eingeht.
Aber ursächlich ist die Erziehung niemals. Und man sollte sich auch nicht zu viele Hoffnungen machen, was eine Erziehung oder Therapien oder Diäten oder sonst irgendeine der vielen immer wieder - modischen Wandlungen unterliegenden - in Sensationsberichten angepriesenen Wundermittelchen und -Methoden bewirken könne.

Autismus ist nicht heilbar.
Man kann Betroffenen aber helfen, sich besser zurechtzufinden.

Auch eine Prognose über die Entwicklung eines solchen Kindes lässt sich nicht erstellen. Es gibt autistische Menschen, die im Laufe ihres Lebens enorme Fortschritte gemacht haben (Paradebeispiel ist Temple Grandin
[www.grandin.com]
[www.aspiana.de]),
und es gibt solche, die sich zeitlebens kaum weiterentwickeln. Und das lässt sich durchaus nicht kausal auf bestimmte Hilfen zurückführen, die sie erhalten oder nicht erhalten haben.

Es bleibt also nur, die Kinder so gut wie möglich zu unterstützen, anzuleiten, ihnen Stress zu nehmen, so weit das möglich ist, dabei aber darauf zu achten, dass man ihnen nicht gestattet, sich auf ihrer Behinderung "auszuruhen", oder gar sein eigenes Leben dem Kind völlig aufzuopfern, sich selbst drin zu verlieren.

Eine schwierige Gratwanderung halt, die zudem für jedes Kind individuell unterschiedlich aussehen muss. Es gibt leider keinerlei bewährte Standardmethoden, ihnen zu helfen.
Meist handelt es sich um Versuch und Irrtum.
Es hilft, viel zu lesen, sich so umfassend wie möglich zu informieren, damit man möglichst weitgehend in der Lage ist, nachzuvollziehen, was jeweils gerade in dem Kind vorgehen mag. Damit man dann versuchen kann, darauf so zu reagieren, wie es einem angemessen und hilfreich erscheint.


Die erwähnten Serverprobleme sind zum Glück behoben, darum kann ich dir zu deiner Frage nach der Schule folgenden Link nennen, der sehr umfassend darauf eingeht:
[www.autismus-nordbaden-pfalz.de]

Ob du mit dem Lehrern reden solltest , ist aus der Ferne grundsätzlich schwer zu entscheiden.
Da deine Tochter aber ja wohl erhebliche Probleme in der Schule hat, so dass ihr schon ohne die Diagnose eine Schulbegleitung beantragt habet, scheint es mir sinnvoll und wichtig, dies zu tun.
In vielen Schulbezirken gibt es inzwischen spezielle Beratungslehrer(innen) für auitistische Kinder, leider nicht alle auf gutem Ausbildungsniveau.
Aber es lohnt sich sicher in jedem Falle, bei deinem zuständigen Schulamt oder, falls man dort nichts weiß, bei der Bezirksregierung, einmal danach zu fragen.
Ein solcher Lehrer könnte euch bei der Frage nach der Information der Lehrer unterstützen, mal angenommen, er kennt sich tatsächlich gut aus (manche sind einfach ins kalte Wasser dieses Amtes geworfen worden und dementsprechend unsicher).

Informationen findest du auch noch auf dieser Seite:
[www.asperger-eltern.de]

Wichtig ist, dass in der Schule angemessen auf die Probleme deines Kindes eingege#angen wird. Das ist aber oft schwer durchztusetzen, ich wünsche dir dass du Glück hast und deine Tochter verständnisvolle Lehrer gefunden hat.

Hilfreich sind in jedem Fall die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2000 zu diesem Thema, die ALLE Kultusminister unterschrieben haben:
[www.kmk.org]


Alles Gute und viel Glück
Cornelia



von Cornelia - am 16.04.2004 14:11
Hallo!

Danke fürs Taschentuch. Ich weiß auch nicht, warum mich das so umhaut. Derlei Seiten habe ich schon oft genug vorwärts, rückwärts und seitwärts gelesen. Mir ist mal wieder bewußt geworden, wie sehr ich mich von anderen unterscheide. Das führt bei mir schonmal zu ziemlicher Gefühlsverwirrung.

Nun will ich endlich mal Cornelias Frage beantworten. Die ist gar nicht untergegangen. Ich mußte nur meine Gedanken ordenen. Vieles betrifft gar nicht Vera, sondern mich selbst. Das musste ich erstmal trennen.

Vera spielt zum Beispiel gerne mit Puppen. Sie spielt durchaus sinnvoll, aber das war nicht immer so. Früher nahm sie den Puppenwagen und schob ihn immer hin und her, hin und her, hin und her. Anderer Kinder der Spielgruppe hatten kaum die Chance, den Puppenwagen auch mal zu bekommen. Im Kindergarten hat sie das auch so gemacht. Wenn kein Puppenwagen verfügbar war, hat sie den Badezimmerwagen genommen. Oder den Servierwagen. Irgendetwas rollbares fand sich schon.

Auf dem Spielplatz wars auch toll. Vera wollte schaukeln, schaukeln, schaukeln. Erst als ich mich weigerte, sie weiter zu schaukeln, wendete sich was anderem zu. Vera ging also zur Rutschbahn und ich zu den anderen Müttern. Und schwupps, als ich wieder nach ihr kuckte, saß sie wieder auf der Schaukel. Irgendwer hatte sich erbarmt und gab ihr Anschwung. So war das immer.

Nun ist das ja nichts dramatisches. Auch nicht, daß das Kind mit dem Fernseher nichts anfangen kann oder viel für sich allein spielt. Wir wollten mit den Kindern zusammen ein Lied singen oder ein Spiel machen. Bei soetwas macht Vera immer noch nicht gerne mit.

Zeitweilig geht Vera auf alle möglichen Leute auf der Straße zu, fragt wie sie heißen mit Vor- und Nachnamen und wo sie wohnen usw.

Die erste Zeit im Kindergarten spielte Vera oft allein, während die anderen Kinder zusammen was machten. Aber jetzt spielt sie oft mit anderen Kindern und macht auch im Stuhlkreis mit. Sie macht wirklich große Vortschritte. So baut sie aus Lego jetzt was zusammen, anstatt die Teile im ganzen Zimmer zu verteilen.

Bei mir selber gibt es auch Übereinstimmungen. Es löst Verwirrung aus, daß laut Parkordnung das Radfahren im Park verboten ist. Der ganze Park wimmelt aber nur so von Radfahrern. Oder in der Schule, da war über dem Lehrerzimmer ein Schild "Betreten für Schüler verboten." Die Schüler mussten aber nunmal ins Lehrerzimmer, um das Klassenbuch zu holen. Das hab ich nie begriffen.

Überhaupt habe ich Schwierigkeiten mit Regeln. Ich werde meiner Tochter die Regeln beibringen, die ich kenne. Ich werde meiner Tochter sagen, daß viele Menschen auf solche Regeln großen Wert legen und vielleicht sauer sind, wenn man sie nicht befolgt. Die meisten Regeln kann ich nicht nachvollziehen, aber ich möchte niemanden kränken.

In der Schule habe ich mich immer unwohl gefühlt, wenn Kinder aus der Parallelklasse im Unterricht waren. Genauso habe ich mich komisch gefühlt, wenn wir mal ein Kind besucht haben, das ich nicht kannte.

Meine Arbeitskollegin sagte zu mir, daß ich alle Menschen gleich behandle. Auch mein Chef sagte das schon zu mir und offensichtlich ist irgendwas daran falsch.

Es ist auch interessant, daß manche Menschen mich nicht sehen, bzw. sie sehen nicht, daß ich etwas von ihnen will, beispielsweise etwas bezahlen oder fragen.

Am besten war mein Mann als er sagte: "Kann es sein, daß ich an manchen Tagen für dich nicht existiere?"

Es gibt bestimmt noch mehr zu schreiben, doch der Beitrag ist jetzt schon lang genug. Also liegen Gruß erstmal. :-)



von Händchen - am 16.04.2004 14:27
Hallo Regina!

Ich habe bis vor kurzem noch nie etwas über "Asberger" gehört. Kennst du die Zeitschrift "die Akzente" vom Bundesverband Arbeitskreis überaktives Kind (kurz: BV AÜK e.V.)? In der Ausgabe Nr. 61, 3. Vj. 2003, wird über Asberger berichtet. Vielleicht kannst du über das Internet etwas erfahren:
www.bv-auek.de oder die Zeitschrift nachbestellen. Es werden z.B. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Hochbegabung, ADS und Asberger vorgestellt. Ob dir das weiterhilft, weiß ich allerdings nicht.

Viele Grüße

Minima

von Minima - am 18.04.2004 21:18
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