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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren
Beteiligte Autoren:
michaela4 / NRW, -Natascha-, maria, Dagmar D.

Diagnostik ...Ja oder Nein??

Startbeitrag von michaela4 / NRW am 23.05.2004 17:27

So nun habe ich doch mal eine Frage.
Bei meinem Sohn wird ADS vermutet. Ende der Woche haben wir nun endlich einen Diagnostiktermin.....
Nachdenm ich mich nun bereits umfassend informiert habem wir unseren Umgang mit ihm umgestellt haben.... bemerkte ich viel Parallelen zu mir. Auch ich hatte schon früher viele Probleme . Ich war eben das schwarze Schaf zu Hause, ein absoluter Stresspol. Ich stellte schon früh fest, das mein Sohn mir sehr, sehr ähnlich ist. Ich kann nun sehr gut akzeptieren , das mein Sohn eine Diagnostik und Hilfe braucht.( gerade wegen der Schule) Diese versuchen wir ihm jetzt auch zu geben. Das klappt inzwischen schon viel besser, auch wenn es mir zum Teil sehr schwer fällt, all die Strukturen einzuhalten. Mein Problem liegt nun da, wo es bei mir ansetzt.
Ich habe viele ADHS - Züge. Mein Mann bestätigt dies, und zum Glück beherscht er es wunderbar mir Hilfe zu geben, bzw. mein Chaos zu tolerieren und ab und an auch mal wieder zu beseitigen. Er ist mein absoluter Ruhepol. Ich habe jetzt hier schon häufig gelesen, das Erwachsene sich untersuchenlassen und ADHS bestätigt wird. Nun frage ich mich.... soll ich es tun oder nicht. Was wird es ändern? Das ich Probleme die mit großer Sicherheit mit ADHS zusammenhängen habe, das weiß ich. Ich lebe damit schon ziemlich lange und komme doch ganz gut zurecht. Und alle die mich kennen, wissen halt das ich so bin. Etwas chaotisch, häufig überdreht, macht alles gleichzeitig...ect. Ich brauche das auch.... ständig in Bewegung zu sein, ich fühle mich sonst total unruhig.. Mein Mann kommt damit ganz gut zurecht....
Das selbe Problem habe ich mit meiner Tochter ( 14J.). sie ist mit ziemlicher Sicherheit Hyperaktiv. Wenn sie nach Hause kommt, dann ist es mit aller Ruhe vorbei, der Mund steht nicht mehr still und sie genauso wenig. Es ist sehr anstrengend....aber sie ist sooooo liebenswert dabei. Ich könnte mir garnicht vorstellen das sie anders wäre. In der Schule läuft es glänzend ( außer das sie beginnt sich zu langweilen), sie ist ein Liebling der Lehrer, die Liebe, ruhige (???) halt. Dabei ist sie wohl ständig am kippeln ( fällt auch regelmäßig samt Stuhl um.....), aber die Lehrer tolerieren es. Selbst wenn sie ihre Sachen vergißt.
Sie hat es da viel leichter als mein Sohn.

Nun stelle ich mir ständig die Frage, soll ich ..oder soll ich nicht.
Wirkliche Problem sehe ich nicht , oder vielleicht nicht mehr, da es ja nie anders war. Hätte der Ergotherapeut nicht gesagt, hätte ich mich nie informiert und ich würde mir darüber keine Gedanken machen. Wir siind halt so wie wir sind.

Oje, das bin mal wieder typisch ich, ich hoffe, das war jetzt nicht zu lang .....

Würde mcih über einen Ratschlag freuen.

Gruß
Michaela

Antworten:

Hallo Michaela,

wenn kein Leidensdruck da ist, dann brauchst Du auch nicht unbedingt eine Diagnose. Es gibt sicher viele Menschen mit mehr oder weniger ausgeprägten "ADS-Strukturen", die damit ganz gut zurecht kommen. Allerdings, wenn nach außen hin keine großen Probleme da sind, muss das nicht unbedingt heissen, dass kein Leidensdruck da ist.

Hätte mich vor einem Jahr jemand gefragt, ob ich ablenkbar wäre, ich hätte es sofort verneint. Ich kannte es ja gar nicht anders. Jetzt, nach dem ich mich mit ADS auseinandergesetzt habe und auch diagnostiziert wurde, nehme ich meine Ablenkbarkeit erst so richtig wahr.

Vielleicht sind wirklich keine Probleme da. Oder Du nimmst es einfach nicht wahr, weil Du es nicht anders kennst. Das heisst jetzt aber nicht, dass man Probleme suchen sollte, wo gar keine sind :-)

Was für mich viel geändert hat, war die Erkenntnis, dass es das ist, was mein Leben lang immer da war. Ich nannte es "das namenlose Ungetüm", und als ich keinen Namen mehr gesucht habe, kam der plötzlich dahergeflattert. DAS war ziemlich revolutionär. Die Diagnose war dann natürlich schon wichtig, alleine schon als Bestätigung, dass ich mir das nicht einbilde und mit meinem Gefühl richtig liege. Aber mit der Diagnose fängt es erst an......

Ich war auch mal ein 14jähriges Mädel, mit dem man keine Probleme hatte. Aber ich hatte sehr wohl welche, und wenn meine Mamsch (die wohl auch selbst betroffen ist) damals auf die richtige Fährte gekommen wäre, wäre mir wohl einiges erspart geblieben.

Liebe Grüße
maria

von maria - am 23.05.2004 19:01
Hallo Michaela,

ich möchte mich Maria anschließen. Wenn deine Tochter glücklich ist, dann ist keine Diagnostik notwendig.

Bei dir selbst sehe ich es ähnlich. Wenn du selbst nichts zu klären hast, wenn du gut zurecht kommst, dann brauchst du dich mit einer Diagnose nicht zu beschäftigen.

Eine Diagnose kann helfen eigene Handlungsweisen, eigenes Denken oder Fühlen zu erklären und fall nötig entsprechende Hilfen bereitzustellen. Falls all das nicht benötigt wird, reicht es zu wissen, dass es ADS gibt, aber man braucht keine Diagnose.



von Dagmar D. - am 23.05.2004 20:05
Hallo Michaela,

ich und meine Mutter sind auch erst anfang des Jahres Diagnostiziert worden.

Ein wichtiges Diagnose Kriterium bei ADS ist, in wie weit es einen behindert bzw. beeinträchtigt. Wenn du schreibst, dass du dadurch in der Vergangenheit beeinträchtigungen hattest, aber nun alles gut kompensiert ist, weiß ich nicht, in wie weit die Diagnose dann gestellt wird. Das würde mich nämlich auch mal intressieren. Vielleicht kann hierzu Martin ja noch was aus der Praxis schreiben.

Bei meiner Mutter war es so, dass sie durch die Unterstützung meines Vaters auch jahrelang gut zurecht gekommen ist. Dann ist mein Vater leider Pflegebedürftig geworden, und meine Mutter hatte nicht nur ihre Hilfestellung verloren, sondern auch noch zusätzliche Aufgaben bekommen.
Da ist mit der neuen Situation völlig überfordert ist, wurde es wieder ein Thema. Als die Diagnose gestellt wurde, war meine Mutter schon ziemlich k.o. vom Alltag. Daher hatte der Arzt meine Mutter zwar die Entscheidung gelassen, ob sie sich trotz ihres Alters noch eine Medikamentöse Behandlung unterziehen wolle, ihr aber schon dazu geraten hat.

Im nachhinein hat meine Mutter viele Probleme aufgedeckt, die sich vorher gar nicht als Problem entfunden hat, jetzt aber dankbar ist, dass es sich gelegt hat.
Sie hat auch jahrelang Blutdruckmedikamente genommen und wurde mehrfach stationär deshalb gehandelt. Mit Ritalin hat sich der Blutdruck stabilisiert und ist längst nicht mehr so hoch. Sie versucht jetzt mit dem Arzt die Medikamente abzusetzen. - Das hat laut Arzt keinen direkten Zusammenhang zu Ritalin, sondern eher einen psychosomatischen Hintergrund.

Weiß ich aber eigentlich sagen wollte ist, dass man es individuell entscheiden muß. Denn nur man selber weiß, welche Schwierigkeiten man hat oder nicht, und welche Aufgaben man noch erfüllen möchte.

In dem Buch "Zwanghaft Zerstreut" von Hallowell wird auch von einem Fall berichtet, wo die Frau sich zwar diagnostizieren lassen hat, die Behandlung aber abgeleht hat, da sie sich ihr ADS zu Nutzen gemacht hat, und dieses zu ihrem Image als Schauspielerin gehört. Das fand ich sehr intressant, auch mal so einen Aspekt in einem Buch zu lesen.

Lieben Gruß
Natascha

von -Natascha- - am 24.05.2004 09:18
Danke für eure Antworten.

Leidensdruck??? ...glaube nicht wirklich. Ich war ja schon immer so ;-))
Eher hatten wohl meine Eltern einen Leidensdruck mit mir.
Daher weiß ich halt für mich nicht wirklich, was richtig ist.
Bei meiner Tochter habe ich einfach etwas Angst, das wir etwas versäumen. Sie ist trotz ihrer Hyperhaktivität sehr umgänlich , ich weiß eben nur nicht... Was passiert wenn sie irgendwann mal auf eigenen Beinen stehen muß.
Ihre Welt ist schon etwas chaotisch......

Dazu kommt halt auch das ihre Wissbegierigkeit uns fast "auffrißt".... Wenn Aussenstehende uns bei Diskusionen über Welt- und Innenpolitik, Naturwissenschaft oder oder oder... zuhören, die glauben im falschen Film zu sein. Sie ist doch erst 14J...... Für uns natürlich völlig normal.... ist halt so.

Daher wissen wir einfach nicht was richtig ist.

Gruß Michaela

von michaela4 / NRW - am 26.05.2004 10:49
Zitat

Dazu kommt halt auch das ihre Wissbegierigkeit uns fast "auffrißt".... Wenn Aussenstehende uns bei Diskusionen über Welt- und Innenpolitik, Naturwissenschaft oder oder oder... zuhören, die glauben im falschen Film zu sein. Sie ist doch erst 14J...... Für uns natürlich völlig normal.... ist halt so.


Das war bei mir auch so. Schön dokumentiert wurde es in meinen Zeugnissen. In der Grundschule werde ich in den Bemerkungen gelobt über mein Intresse in Religion und Sachkunde. Natascha ist sehr intressiert an Religionen und Sozialen Themen. Sie zeigt es durch eine sehr gute mündliche Mitarbeit und intressierte Sachbezogene Fragen. Natascha muß aber noch lernen....

In der Realschule 8 Klasse (die 1., denn ich durfte sie gleich drauf nochmal versuchen ) stand unter Bemerkungen:
Natascha mußte mehrmals vom Unterricht ausgeschlossen werden, da sie den Religions- , Sozialkunde und Werte und Normen unterricht durch provokante Fragen und Beitragen störte.

So ändern sich halt die Zeiten... :-)

von -Natascha- - am 26.05.2004 12:23
Hallo Michaela,

richtig ist, was euch gut tut. Du wirst doch spüren, ob Deine Tochter zufrieden ist. So lange es ihr gut geht, "versäumt" ihr auch nix.

Hast Du eigentlich auch schon mal dran gedacht, ob Deine Tochter eventuell hochbegabt sein könnte?


maria

von maria - am 26.05.2004 14:42
Hallo Maria,

bisher eigentlich nicht. Ist halt Normalzustand.
Ich versuche oder besser habe immer versucht nicht überall etwas reinzuinterpretieren bzw. als besonders zu sehen.

Inzwischen haben wir uns durch die Probleme mit meinem Sohn mehr informiert und sind auch über HB "gestolpert".

Freitag haben wir den Diagnostiktermin mit unserem Sohn,
da will ich die Ärztin auch auf meine Tochter ansprechen......

Es geht ihr gut...das wissen wir. Sie ist lebenslustig und und und.......anstrengend. Braucht viel Aufmerksamkeit...aber die bekommt sie auch. Sie fordert sie eh konsequent ein.....

Oft stelle ich mir auch einfach die Frage... was ist wenn sie HB ist?

Sie wird 15J. ???? Schuljahr überspringen??? Denke nicht das sie das will oder tun sollte. Sie ist ja jetzt schon ein Jahr jünger als die Anderen. Sie geht aufs Gymnasium (9.Kl.).....

Gruß
Michaela

von michaela4 / NRW - am 26.05.2004 15:18
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