Lernen ohne Schulbesuch?

Startbeitrag von Benni1 am 03.09.2004 22:03

Artikel aus der „Schweriner Volkszeitung“ vom 01.09.2004

Lernen ohne Schule?

Deutsche Schulpflicht setzt dem sehr enge Grenzen

Statt in der Schule zu Hause zu lernen, scheint vielen Kindern das kleinere Übel zu sein. Doch meist bleibt das ein Traum. Nur wenig mehr als 500 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter werden in Deutschland zu Hause von den Eltern unterrichtet. Der Wunsch, den Nachwuchs nicht in öffentliche Schulen zu schicken, hat verschiedene Ursachen. Ein Teil der Familien hat religiöse Gründe. Andere nehmen ihre Jungen und Mädchen von der Schule, weil sie sie besser fördern wollen. „Jedes Kind hat beim Lernen eine andere Geschwindigkeit. Die Lehrer haben meist zu wenig Zeit, auf die einzelnen Schüler einzugehen", bedauert Eva Formaggio vom bundesweiten Verein „Natürlich Lernen".
Für manche Schüler seien auch die gruppendynamischen Prozesse und der Druck, der in vielen Klassen herrsche, zu viel. Wenn die Kinder dem nicht gewachsen seien, schlage sich das häufig in schlechten Noten nieder, was nicht selten dazu führe, dass sie auf die Sonderschule geschickt werden sollen, erläutert Ingrid Guenther vom bundesweiten Verein „Schulunterricht zu Hause". Doch in Deutschland besteht
Schulpflicht. Im Gegensatz zu anderen Ländern, die nur eine Bildungspflicht kennen, müssen Kinder hier in eine staatlich anerkannte Schule gehen. In den Schulgesetzen der Bundesländer gibt es jedoch Ausnahmeregeln, etwa für Kinder deren Eltern in der Binnenschifffahrt oder beim Zirkus tätig sind.

Ausnahmen bei Aufmerksamkeits-Defizit

Teilweise bekommen auch Eltern, deren Sprösslinge am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) leiden, die Genehmigung, den Nachwuchs mit Unterlagen der Deutschen Fernschule (DF) zu Hause zu unterrichten. Die DF stellt seit über 30 Jahren Unterrichtsmaterialen zur Verfügung - in erster Linie für Diplomatenfamilien im Ausland. Familien hier, deren Kind keine Auffälligkeiten zeigt, haben allerdings schlechte Chancen, den Wunsch nach Heimunterricht durchzusetzen.
In den USA ist das so genannte Homeschooling seit Jahrzehnten ein staatlich anerkanntes "Bildungskonzept. Gegenwärtig gibt es dort fast drei Millionen „Horneschooler". Auch in Österreich, England oder Dänemark ist dieses Konzept sehr verbreitet. Häufig müssen sich Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, anhören, der Nachwuchs habe zu wenig Kontakt mit Gleichaltrigen, sei „weltfremd" und wüchse in einer „künstlichen Schutzhülle" auf. Doch genau das Gegenteil sei in den meisten Familien der Fall, sagt Formaggio. Häufig hätten die Kinder einen großen Bekanntenkreis und stets mit Menschen unterschiedlichen
Alters zu tun. Die Kleinen können - je nach ihren Wünschen und Interessen - Erwachsene bei deren Berufsalltag begleiten. Und am Nachmittag
stehen den „Heimschülern" die gleichen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung wie allen Kindern offen.
Für viele Eltern wäre - bevor sie sich mit den deutschen Behörden anlegten - auch eine Privatschule eine Lösung. „Aber in Deutschland gibt
es viel zu wenig solcher Schulen, da der Gesetzgeber unheimlich hohe Hürden für die Gründung stellt", bedauert Guenther.
www.schuzh.de

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