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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
carina1400, maxmam, tanja04, Britta F.

Medimante- ab wann?

Startbeitrag von Britta F. am 08.10.2004 07:44

Guten Morgen,
habe mich erst gerade hier im Forum angemeldet. Ich bin 30 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Das ältere, ein Junge, hat ADHS. Er ist sieben und geht jetzt in die zweite Klasse´. Ich habe noch eine Tochter (4), die nicht betroffen ist. Ich bin z.Zt. nicht außer Haus berufstätig, betreue aber zwei Tageskinder (beide zwei Jahre), von denen eins auch über Mittag bei uns ist.
Mehr zu meiner Geschichte findet Ihr im Gästebuch.
Mein Sohn bekommt seit einem Jahr Ergotherapie, zuvor hatte er ein Vierteljahr Frühförderung. Dort war mal allerdings der Ansicht, ich übertreibe und er habe kein ADHS. Daraufhin ließen wir ihn bei einer Kinderpsychologin testen. Das Ergebnis war eindeutig.
Er bekommt zur Zeit (noch) keine Medikamente. Und da beginnt mein momentan größtes Problem: Leon hat in der Schule und insbesondere bei den Hausaufgaben größte Probleme, bei der Sache zu bleiben; d.h. er ist fast immer der Letzte, der die Klasse in der Pause oder nach Unterrichtsschluß verläßt (wobei ich ihn loben muß, da er sehr bemüht ist, alles super-ordenlich zu machen! Er notiert sich auch sehr zuverlässig die Hausaufgaben, was schon ein großer Fortschritt zur ersten Klasse ist!). Er benötigt aber für seine Hausaufgaben einen unangemessen langen Zeitraum. Ich frage mich zunehmend, wo das noch hinführen soll, wenn ein Kind in der 2. Klasse schon zwei Stunden Hausaufgaben macht. Von anderen Eltern in der Klasse weiß ich, daß die anderen Schüler eher sehr schnell mit ihren Hausaufgaben fertig sind.
Ich bin total verunsichert, ob ich nur aufgrund dieser Tatsache über eine Medikation nachdenken muß?? Er kommt ansonsten gut zurecht; d.h. er hat keine größeren sozialen Probleme (im Zeugnis stand, er sei auffallend hilfsbereit und emphatisch!). Sein Schriftbild ist ebenfalls extrem formschön (er malt die Buchstaben auch regelrecht; er hat einen extrem hohen Anspruch an sich selbst!). Er hat zwar keinen "besten" Freund in der Klasse, wird aber auch nicht "gemobbt" oder gemieden.
Hier zuhause ist er zappelig und unkonzentriert, macht aber keinen unglücklichen Eindruck. Das war vor Eintritt in die Schule ganz anders. Er war damals sehr deprimiert (was, wie wir erst nachträglich erfahren haben, mit dem Kindergarten zusammenhing; seine Erzieherin sah in als Sündenbock für alles. Als ich sie über ADHS aufklären wollte, hat sie total abgeblockt. Erst als Leon seine erste Beurteilung in den Händen hielt, kam heraus, was ihn so runtergezogen hatte; er wollte das Zeugnis nämlich sofort dieser Erzieherin zeigen. Auf meine Nachfrage, warum er das tun wolle, antwortete er mir: "Die Frau S. hat doch am letzten Kindergartentag zu mir gesagt:Du schaffst das sowieso nicht!"...kein Kommentar!!!). Diese impulsiven Stimmungsschwankungen haben abgenommen. Wir bemühen uns als Eltern auch sehr, ihm und seinen Anforderungen gerecht zu werden. Momentan machen wir ein Elterntraining (mehr dazu auch im Gästebuch; mein Eintrag ist vom 6.10.).
Jetzt habe ich doch sehr weit ausgeholt...sorry. Aber ich weiß nicht mehr, ob ich richtig handele, indem ich die Medikation "herauszögere". Ich habe solche Angst vor den Nebenwirkungen! Leon hat sowieso Untergewicht und Schlafstörungen! Auch ist er nachts immer noch nicht trocken (Diagnose "Primäre enuresis nocturna"). Ich habe auch das Problem, daß mein Mann gerade erst anfängt, sich mit dem Thema und den Schwierigkeiten seines Sohnes auseinanderzusetzen und daher auf dem Wissenstand ist, an dem ich vor zwei oder drei Jahren schon war. Bis dato dachte er, das "wachse sich schon raus" (typische Annahme, oder?). Er steht Medikamenten noch negativer oder zwiespältiger gegenüber als ich. Ich möchte Entscheidungen aber gemeinsam fällen...
Ich glaube auch, daß Leon darunter leidet, daß seine jüngere Schwester sich ihm entwicklungstechnisch immer mehr annähert; sie ist extrem weit für ihr Alter, beginnt zu schreiben, kann bereits schwimmen und ist einfach gedanklich und motorisch schon auf dem Stand einer Fünfjährigen.
Vielleicht möchte mir jemand berichten, wie er/sie sich für/gegen Medikamte entschieden hat, ob man auch nur für die Situation Schule/Hausaufgaben etwas geben kann (damit er sich besser konzentrieren kann und schneller fertig wird). Oder vielleicht hat jemand andere Tipps für uns, wie wir die Spannung aus dieser Situation rausnehmen können?
Ich hoffe sehr, jemand meldet sich! Bin auch dankbar für Tipps, wie andere Mütter sich selbst noch gerecht werden und sich motivieren können, ruhiger zu reagieren (bin selber nämlich auch recht impulsiv - der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!).
Also, ich freu mich sehr, wenn mir jemand helfen könnte.
Viele Grüße bis dahin,
Britta

Antworten:

Hallo Britta,

herzlich willkommen hier.

So wie du die Situation beschreibst, scheint dein Sohn kaum Schwierigkeiten zu haben, außer dass er ziemlich langsam ist und Probleme mit seiner Konzentration hat.
Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass es schwieriger wird, wenn die Anforderungen steigen.

Mein Sohn Felix ist 7 Jahre alt und bekommt seit den Sommerferien Medikamente. Sein größtes Problem war jedoch seine ständige Unruhe. Er konnte kaum sitzen bleiben und rannte auch in der Klasse oft rum. Seit er Medikamente bekommt, hat diese Unruhe sehr nachgelassen. Er kann sich viel besser konzentrieren, in der Schule klappt es gut und auch die Hausaufgaben werden recht schnell erledigt. Für uns alle ist es eine große Erleichterung, denn vorher gab es häufig Kämpfe.
Ich bin von der Wirkung der Medikamente positiv überrascht und froh, dass wir uns dazu entschlossen haben.

Am Anfang hatten wir auch Probleme, weil Felix kaum Hunger hatte und tagsüber nur sehr wenig gegessen hat. Mittlerweile habe ich es so eingerichtet, dass ich ihm was zu essen anbiete, sobald die Wirkung der Medis nachlässt, klappt eigentlich ganz gut und er hat bisher nicht abgenommen.

Du solltest auf alle Fälle ausführlich mit einem Arzt bzw. Kinderpsychologen darüber sprechen, denn jedes Kind ist anders und dein Sohn braucht vielleicht nur eine geringe Dosis, damit es in der Schule und bei den Hausaufgaben besser klappt.

Ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben.


Liebe Grüße
Tanja

von tanja04 - am 08.10.2004 09:07
hallo, auch mein Sohn 8/ADHD+Wahrnehmungsproblemen bekommt seit Schulanfang Medikamente.
Im Kindergarten viel er schon durch seine Träumereien und sein Abschalten im Kopf bei größerén Anforderungen auf. Einnässen im Kindergarten und im ersten Schuljahr aber dafür in der Nacht schon sehr lange trocken :-)).
Er kann ohne seine Medikamente nicht stillsitzen singt und jault durchs ganze Haus und kann nur sehr schwer Regeln befolgen. Uns unterstützt die Ergotherapie zusätzlich mit Konzentrationsübungen, Entspannung im Linsenbad und Gruppentherapie.
Auch mit der Einstellung von Medikamente besucht unser Kind eine Förderschule L und ich weis nicht wo wir ohne die Medikamente wären. Er kann konzentriert seine Aufgaben bewältigen und konzentriert dem Unterricht folgen, Anweisungen Schritt für Schritt befolgen.

Maxmam

von maxmam - am 08.10.2004 10:24
Hallo Britta,

mein Sohn ist ebenfalls 7 und geht in die zweite Klasse. Wir nehmen seit 1 Woche Medis und ich habe dieses soweit rausgezögert wie es möglich war. Zum einen weil wir in der Familie wenig Probleme durch das AHDS haben, Nils ist nicht sehr impulsiv aber sehr zappelig sonst eigentlich leicht zu lenken. In der Schule hat er leider nie wirklich nie mitgearbeitet und nur gespielt. In der zweiten Klasse hatte es sich so verschlechtert das er zwar kein Leistungsdefizit hatte aber nicht eine Minute am Unterricht teilnahm.
Nun blieb ja keine andere Wahl und ich bin sehr erstaunt über die Wirkung. Allerdings würde ich die Medis wirklich erst geben wenn das Kind leidet oder wie bei Nils wegen des Verhaltens andere Maßnahmen angedroht werden.
Die Hausaufgaben dauerten bei uns den ganzen Tag, wenn Nils sich denn überhaupt dazu bequemt hat sich mal daran zu setzen. In der Schule läuft es jetzt schon sehr viel besser die Hausaufgaben sind nach wie vor noch ein Thema, aber wir sind ja erst in der Einstellung.
Bei der Problemstellung wie du sie schilderst hätte ich mich nicht zu Medis durchgerungen, ich habe auch so noch bedenken deswegen, aber wir haben keine andere Wahl.

viele Grüße

Carina

von carina1400 - am 09.10.2004 18:34
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