Benötige Hilfe bei meinem Bruder mit ADS

Startbeitrag von Katrin Gebert am 02.12.2004 18:16

Haallo!
Ich bin hier neu auf eure Seite gestoßen und es hat mir sofort ziemlich gefallen. :)
Ich weiß nicht ob ich mich überhaupt an euch wenden kann, weil hier ja eigentlich nur Eltern angemeldet sind und ich erst 16 bin.
Aber ich habe ein Anliegen und ich hoffe dass mir vielleicht irgendjemand weiterhelfen kann. Ich will euch kurz die Situation schildern.
Und zwar geht es um meinen jüngeren Bruder. Er ist 9 Jahre alt und er zeigt sehr viele Symptome von ADS auf. Es ist oft sehr schwierig mit ihm. Meine Mutter und ich haben uns alle möglichen Bücher über ADS ausgeliehen und haben uns gründlich darüber informiert und eigentlich sind wir uns so gut wie sicher.
Schon vor über einem Jahr hat meine Mutter sich nach Ärzten in unserer Umgebung umgehört und sie konnte nur 2 auftreiben. Der erste nimmt keine Patienten mehr auf und die zweite Ärztin ist Cordula Neuhaus. Meine erste Frage gleich mal vorweg wäre, ob vielleicht schon irgendjemand Erfahrung mit ihr gesammelt hat und ob er/sie mir da vielleicht irgendwas weitergeben kann.
Wir haben sonst keine Ärzte gefunden und ich weiß wie wichtig es ist einen guten Arzt zu bekommen und das man die leider viel zu wenig findet.
Ich habe mich wie gesagt auch schon selbst viel mit dem Thema auseinander gesetzt. (weil ich zu einem kleinen Teil auch selbst betroffen bin) Ich mache mir Sorgen um meinen Bruder, weil ich gelesen habe, dass die Kinder wirklich seelische Schäden davontragen können, wenn man ADS nicht erkennt oder auch wenn man es einfach nicht behandelt. Ich habe oft das Gefühl, dass er von den Menschen in seinem Umfeld ungerecht behandelt wird und das gerade seine Klassenkameraden ihn auslachen weil er schlechter in der Schule ist, aber eigentlich sehr intelligent ist.
Und in der Familie ist es nun mal auch nicht so ganz einfach mit ihm umzugehen. wir sind insgesamt 8 Personen.
Mein Problem ist oft, dass ich ihn eigentlich wirklich gut behandeln will und nett zu ihm sein will, aber man fährt einfach so oft aus der Haut und denkt erst später darüber nach, dass es vielleicht nicht so gut gewesen war und dann tut es mir leid, weil er kann nichts dafür. Ich möchte ihm gern helfen, so gut es mir als Schwester möglich ist. Könnte mir vielleicht auch hier jemand einfach ein paar kleine Tipps geben?
Und wie gesagt ich denke es ist wirklich wichtig das er behandelt wird. Ich weiß nicht was ich noch unternehmen könnte, um irgendwie zu helfen und auch meine Mutter zu unterstützen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich eine Antwort bekommen würde.
Ganz liebe Grüße
Suleika

Antworten:

Liebe Suleika,
ich möchte Dir hiermit erstmal ein ganz grosses Kompliment aussprechen, weil ich es so unglaublich schön finde, wie Du Deinem Bruder und Euch als Familie helfen willst!
Es stimmt, es sind hier meist Erwachsene, aber es gibt oft auch Teenager mit Fragen hier. Aber dennoch, lass Dich nicht abschrecken davon, wenn Du es akzeptieren kannst, dass Eltern Dir hier antworten!
C.Neuhaus ist eine Kapazität auf dem Gebiet, hat nur leider lange Wartezeiten!Aber wenn sie nicht allzuweit von Euch entfernt ist, versucht es, einen Termin zu bekommen!

Leider ist es ein bürokratischer Weg, der eingeschlagen werden muss, also erst Diagnose, dann Behandlung und Theraphie, wichtig ist für ADS-Kinder aber immer, dass alle Familienmitglieder beachtet werden, also entweder ein Elterntraining, in dem die Eltern den angepassten Umgang mit einem ADS-Kind zu lernen, oder aber was mir bei Euch wichtig scheint, auch die Geschwister nicht aussen vor zu lassen, das würde eher eine Familientheraphie empfehlen.

Du sprichst da einen sehr heiklen Punkt an, der oftmals in Vergessenheit gerät, nämlich dass u.U. nicht nur die Eltern, sondern auch die Geschwister drunter leiden können, wenn eines davon mehr als nur schwierig ist.

Als Buchlektüre möchte ich Euch erstmal das ADS-Buch von Claus-Aust empfehlen, sofern Ihr das noch nicht kennt, ansonsten eine seriöse Abklärung!
Erst danach werden die im Einzelfall notwendigen Theraphien entschieden, und ich finde, es ist nötig, dass auch Ihr als
Geschwister Hilfe bekommt, wie nun auf einen ungestümen Bruder richtig zu reagieren.

All das ist aber Bestandteil der Diagnose. Normalerweise werden sämtliche Familienmitglieder befragt, und je nach dem, eine Familientheraphie befürwortet.

Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück auf der Suche nach Hilfe für Eure Familie und hoffe sehr, Ihr findet sie! Mich beeindruckt auch sehr dein Engagement für Deinen Bruder! Mach weiter so!

Viele Grüsse, Chris G

von Chris G - am 02.12.2004 23:47
Hallo Chris!
Vielen dank für deine Antwort! Ich habe mich mitunter auch an euch gewandt, weil ich mir denke, das Erwachsene da vielleicht allgemein ein bisschen mehr Erfahrung haben oder sich auch mehr auskennen was jetzt z.B. Ärzte betrifft.
Danke für das Kompliment. Ich hab mich gefreut darüber. :)
Bezüglich Cordula Neuhaus: Es ist so, dass meine Mutter vor einer Weile endlich einen Termin bekommen hat ( nach über 1 Jahr wartezeit) und das sie da wirlich hinterherrennen musste um den auch zu kriegen. Er wurde dann gestestet und wir bekommen in nächster Zeit das Ergebnis.

Jetzt fragst du dich vielleicht, warum ich mich dann überhaupt nach ihr erkundigt habe. Ich wusste auch schon, dass sie einen wirklich guten Ruf hat. Nun, es ist so, das meine Mutter bei den ganzen Tests überhaupt kein gutes Gefühl hatte. Sie hat mir davon erzählt und auch von dem Gespräch, das sie hatte. Es ist so, dass bei Cordula Neuhaus genau der Punkt nicht vorhanden ist, den du angesprochen hast. Nämlich das sämtliche Familienmitglieder befragt werden. (es wurde kein einziger befragt)
Und ich stimme dir zu, ich finde es enorm wichtig, das auch die Geschwister irgendwie miteinbezogen werden und auch Hilfe bekommen, wie sie mit ihren Familienmitgliedern umgehen können.

Du musst wissen, ich habe noch einen jüngeren Bruder. Er ist 13. Und zwischen den beiden gibt es natürlich ständig Stress. Manchmal ist es kaum auszuhalten. Mein älterer Bruder weiß nicht das mein Bruder ADS hat und weil er jetzt momentan auch so langsam in die Pubertät kommt, kommt es immer öfter vor, dass mein Älterer Bruder (Maik) meinem jüngeren (Marcel) eine runterhaut, weil er so genervt ist.(nicht schlimm, aber das gibt halt immer ziemlich viel Stress und Geheule) die beiden kabbeln sich ständig. Und für die restlichen Familienmitglieder, die zwar wissen, dass mein kleinster Bruder ADS hat, sich aber nie so intensiv damit beschäftigt haben wie ich und meine Mutter, ist es eben total unverständlich wwarum Marcel jetzt wegen den kleinsten Kleinigkeiten anfängt rumzuschreien und zu heulen.
Ich finde es ziemlich schwer dir jetzt in ein paar Sätzen die Situation zu beschreiben, weil es ja doch so viel mehr ist. Aber ich hoffe du hast ein bisschen was davon verstanden. :)

Ich hätte da noch eine Frage. Und ich hoffe du findest es nicht unhöflich, wenn ich dich frage, inwiefern du mit ADS zu tun hast.
Ich interessiere mich sehr für die Menschen, die davon betroffen sind.
Also nochmals danke für deine Antwort!
Ganz liebe Grüße
Suleika

von Katrin Gebert - am 03.12.2004 13:20
Hallo,

auch von meiner Seite erstmal herzlich willkommen und "Hut ab!"

Bei Fr. Neuhaus seit Ihr sicherlich in guten Händen. Um ADS zu diagnostizieren braucht man Zeit und um dann damit umzugehen viel Geduld. Frau Neuhaus wird sicherlich nicht mit allen Familienmitgliedern (Du schreibst ihr seit zu 8) sprechen, aber sicherlich mit den engen Bezugspersonen in eurer Familie, aber letztendlich seit ihr ja dann doch alles wieder involviert.

Erwachsene, die hier im Forum sind, kennen Eure Familiensitutation und die Schwierigkeiten nur zu gut. Denn sie haben Kinder mit ADS und/oder sind selbst diagnostiziert. Vielleicht ist es wichtig für Dich zu wissen, dass was bei Euch zu Hause passiert auch bei uns zum Alltag gehört.

Es ist schön, dass Du hier bist. So erfahren wir vielleicht auch öfters etwas über die Sichtweise der Geschwister.

Melde Dich, wenn Du Hilfe brauchst

LG
Bedra

von Bedra - am 03.12.2004 19:33
Hallo,
nach meinen Erfahrungen ist es gut, wenn du deinem Bruder hilfst, Strukturen zu finden und sich Hilfen zu organisieren. Du darfst ihm aber keine Arbeiten abnehmen.
Zum Beispiel beim Aufräumen: Setz dich am Besten auf einen Stuhl und gib deinem Bruder die Reihenfolge der Arbeitsschritte vor. Zwing dich aber, ihm nicht direkt zu helfen. (ADS-ler sind faul, sie waren sogar so faul, daß sie lieber Maschinen erfunden haben, anstatt wie die Bienchen zu arbeiten) Achte aber darauf, daß du nicht unbedingt die günstigste Reihenfolge einhältst, sondern die, bei der man als Erstes Resultate sieht.
Fehlende Ordnung im Schrank: Fächer für Unterwäsche sind grausam. Die Wäsche fällt immer durcheinander. Lieber einige Kästen verwenden, einer für Socken, einer für Unterhemden u.s.w.
Kleinteile im Zimmer: Am Besten ein Schrankfach mit vielen Fächern. (Notfalls Küstenland-Butter-Kästchen hineinstellen). Dies hilft, Kleinteile schnell an einen definierten Platz zu legen, von dem aus sie leicht sortiert werden können.
Abwaschen: Eine wunderbare Tätigkeit zum Entspannen, aber auch hier die Reihenfolge einhalten, bei der man als erstes Ergebnisse sieht: Teller - Tassen - Besteck, dann erst Gläser etc. Vielleicht kannst du in der Zeit erzählen oder abtrocknen, dann macht Abwaschen noch mehr Spaß.
Ansonsten gilt: Denke immer daran, daß es besser ist, dein Bruder lernt unangenehme Dinge bei dir kennen, als bei jemanden, der ihn nicht mag.

Gerd-Michael

von gemiro - am 03.12.2004 23:19
Hallo Gerd-Michael,
kleiner Tip von mir: Erst Gläser bzw. Glassachen beim Abwaschen, sonst hast Du den Fettfilm von den Töpfen an den Gläsern.

Liebe Grüsse
Michaela



von Merlin2460 - am 04.12.2004 11:41
Hallo Michaela,

das sagt meine Frau auch immer.
Nur weißt du eigentlich, wie deprimierend es ist, wenn man beim Abwaschen nicht vorwärts kommt, weil man entweder zwischendurch abtrocknen und wegräumen muß (wenig Platz für die abgewaschenen Gläser) bzw. beim Stapeln genau überlegen muß, wohin man was zum Ablaufen stellt ...
Genau da setzt meine Methode an - zuerst die große Menge erledigen, die schnell geht - dann sieht man nämlich Ergebnisse und das gibt Motivation für die restlichen (ungeliebten) Dinge - und anschließend den Rest.
Fazit: Also nehme ich lieber ein zweites Mal frisches Wasser für die Gläser und wasche sie hinterher ab.


Gerd-Michael

von gemiro - am 04.12.2004 23:38
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.