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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Yvonne Roth, Martin Winkler, momfor4, gullweig, Hypie Mama, Sternchen*, ErichW, AnnaS

Neu hier und Fragen über Fragen

Startbeitrag von Yvonne Roth am 05.02.2005 18:38

Hallo,
als erstes möchte ich mich vorstellen. Ich bin Yve und 29 Jahre, habe einen 7jährigen Sohn und bin verheiratet. Nun stellte sich im letzten Jahr mein Sohn recht seltsam dar und ich fand es nützlich ihn beim Psychiater vorzustellen. (Er schaltete ab, wenn er keine Lust mehr hatte und tat zB so, als könne er das nicht, er war halt einfach nicht mehr da) Seine Kinderärztin war auch einverstanden, nein sie begrüßte es sogar. Daß er recht clever ist, wußten wir schon länger, also konnte es nicht an mangelnder Intelligenz liegen. Da bei uns Epilepsie in der Familie liegt, ließen wir auch gleich ein EEG machen. Aber hauptsächlich sollte er auf ADS untersucht werden. Als erstes sagte ich mal:"Nein, das hat er bestimmt nicht, er ist ja nicht hyperaktiv." Dann hab ich mich mal über diese Krankheit und deren Symptome kundig gemacht. Und bin fast umgefallen. Ich hab da nicht etwas mein Kind gesehen, sondern mich!!!! Ist das so abwegig? Zum ersten Mal hab ich mich verstanden in meinem Leben. Daraufhin habe ich meinen Neurologen, der auch Psychiater ist, darauf angesprochen. Und er meinte nur:"Tja, sowas wird nur bei Kindern diagnostiziert, das gibt es bei Erwachsenen nicht". Aber das kann nicht sein!!! Diese ganzen Symptome wie das Konfussein, das Chaotische und dieses mangelnde Selbstvertrauen. All das kenn ich nur zu gut. Was haltet Ihr davon? OK, Ärzte seid Ihr auch nicht, aber immerhin seid Ihr ziemlich erfahren, denke ich mal und könnt mir viell. doch weiterraten? Ich bin jetzt sowas von verwirrt. Wäre Euch echt dankbar.

Antworten:

Hallo Yve,

der Neurologe-Psychiater braucht dringend eine Fortbildung ;-).

In welcher Richtung erwartest Du denn nun einen Rat?

FG Erich

PS Benutze bitte mehr Absätze, für uns ADSler sind Blocktexte schwer zu lesen.

von ErichW - am 05.02.2005 18:46
Hallo Erich,
ok, werde es probieren, mit den Absätzen.
Ich bin es gewöhnt, alles schön auf einmal und in ganz langen Schachtelsätzen zu schreiben. Es muß ja alles auf einmal raus. Tut mir leid.
Naja, wie schon oben steht hab ich viele Fragen und weiß gar nicht wo ich anfangen soll!
ZB:Ist es möglich, daß ADS uU. auch erst bei Erwachsenen nachgewiesen werden kann?
Denn irgendwie habe ich das Gefühl, daß es erst so richtig schlimm ist, seitdem meine Pubertät vorbei ist.
Außerdem hätte ich halt auch gern gewußt, inwiefern das zutrifft, was mein Arzt mir da sagte. Denn irgendwie konnte ich mir die vielen Infos aus dem Netz nicht anders erklären, als das Erwachsene das haben können.
Im Endeffekt hörte es sich eher so an, als würden die Krankenkassen dieses ADS-Syndrom bei Erwachsenen nicht anerkennen und das wäre das eigentliche Prob.
Er meinte, im Netz wird halt ne ganze Menge geschrieben.

Ok, ich VERMUTE, ich könnte ADS haben, aber weiß jemand, wie ich es rausfinden könnte. Ich will halt einfach nur Gewißheit haben.
Vielen lieben Dank schonmal.

von Yvonne Roth - am 05.02.2005 19:36
Hallo Yvonne !

Ja, im Netz wird eine Menge geschrieben. Da bin ich ziemlich stolz drauf und erhalte sogar deshalb nächste Woche Besuch vom Magazin Stern :-) Auch dort erkennt man inzwischen die Bedeutung des Mediums Internet in der Patienteninformation!
Natürlich gibt es auch im Internet Schund, Leugner der Diagnose ADS oder Geschäftemacher, die einem jeglichen Unsinn verkaufen wollen. Hier macht das Internet wenig Ausnahme vom allgemeinen Angebotsmarkt.

Ohne das Medium Internet würden sicher noch einige Patienten ihren schlecht weitergebildeten Ärzten mit veraltetem Wissen vertrauen bzw. sich abwimmeln lassen. Auch deinem Psychiater sollten aber Fortbildungen im Deutschen Ärzteblatt bzw. die Leitlinien der Neurologen und Psychiater Fachorganisation DGPPN zugänglich sein. Er hätte die Chance, sich an Fachkongressen zu beteiligen bzw. zu entsprechenden Weiterbildungen zu fahren. Sollte er das Lesen nicht verlernt haben, könnte er die Leitlinien zur Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter dort nachlesen.

Die Krankenkassen haben ein Problem darin, die Behandlung des Hyperkinetischen Syndroms im Erwachsenenalter zu bezahlen. Vereinzelt wird dann dies gleichgesetzt mit der Behauptung, dass es die Diagnose nicht gäbe. Dies ist definitiv nicht richtig.

Natürlich kann ADHS bis in das Erwachsenenalter anhalten bzw. dort Auswirkungen haben. Definitionsgemäss ist es zwar so, dass es eine Störung bzw. Funktionsabweichung mit Beginn in der Kindheit ist (bzw angeboren). Allerdings erlebe ich es auch häufig, dass Mädchen bzw. Frauen die Beeinträchtigungen von ADHS lange Zeit mehr oder weniger kompensieren können. In unserer Klinik werden so erste einige Frauen im Erwachsenenalter auf ADHS aufmerksam, z.B. weil sie mit ihren hyperaktiven Kindern zur Behandlung sind.

Die Diagnose des ADHS bei Frauen ist nicht so ganz einfach, weil eben die Symptome lange Zeit mehr oder weniger verdeckt sein könne, dennoch aber erhebliche Auswirkungen haben können. Da ADHS auch hormonellen Schwankungen ausgesetzt ist, ist auch die Behandlung nicht so ganz einfach.

Hier im Forum wirst Du genug Frauen und Männer finden, die diese nach Ansicht deines Arztes nicht existierende Störung oder Besonderheit haben. Du wirst jede Menge Infos finden. U.a. auch auf den unten stehenden Webseiten... Die übrigens eben gerade von den Fachgesellschaften empfohlen werden...

MFG
Martin Winkler



von Martin Winkler - am 05.02.2005 20:07
Hallo Yvonne!

Erstmal herzlich Willkommen hier im Forum!

Du fragtest,ob ADS auch im Erwachsenenalter festgestellt werden kann,dazu möchte ich nur sagen,ja,denn wir haben Termine gemacht in einer Klinik in unserer Umgebung.

Ich muß so einige Unterlagen und Untersuchungsergebnisse mitbringen.

Wo es in deiner Stadt gemacht wird,könntest Du in einer Selbsthilfegruppe im Ort erfahren,die sind meistens gut informiert. Du kannst aber auch hier fragen,vielleicht gibs ja jemanden,der in deiner Umgebung wohnt.

Hast Du evt.schon das ADS-Erwachsenenbuch gelesen??

Viel Glück wünscht Sternchen*

von Sternchen* - am 06.02.2005 00:28

@Martin Winkler

Hallo Martin


******************
.....und erhalte sogar deshalb nächste Woche Besuch vom Magazin Stern :-) .....
******************

Erzähl, erzähl! Wo, wie, wann kann man da was nachlesen?

Mächtig gespannt bin...


Anna



von AnnaS - am 06.02.2005 04:54

Re: @Martin Winkler

Nichts genaues weiss ich nicht :-)

Na ja, der Stern machte eine Reportage zum Thema "Rat im Internet". Es geht um Informationsseiten im Bereich Medizin und es werden wohl ca 7 Leute in der Bundesrepublik besucht, die sich im Netz tummeln. Als nördlicher Vertreter bin ich halt mit [web4health.info] dabei. Ein Fotograph und eine Journalistin werden dann in der nächsten Woche eine Besichtigungstour von Nord nach Süd machen. Morgen werden sie halt Bad Bodenteich aufsuchen. Da ich ja seit Samstag morgens hier in der Klinik "einsitze", habe ich noch nichtmal Möglichkeiten mich "stylen" zu lassen. Wahrscheinlich werde ich also wie üblich Augenringe vom Nachtdienst auf dem Foto präsentieren. Ob das dann überhaupt mit verwendet wird, ist ja glücklicherweise offen.

Die waren in den Mails bzw. Telefonaten ganz nett, deshalb habe ich mich drauf eingelassen. Mal schaun, was die dann daraus verzapfen...



von Martin Winkler - am 06.02.2005 09:21
Hallo Yvonne


erstmal herzlich Willkommen hier.

Ich kann mich den Vorschreibern nur anschließen was die Fortbildung deines Neurologen betrifft.

Auch ich bin über die Diagnostik bei den Kindern und der intensiven Beschäftigung mit dem Thema auf mich selber gestossen.

So geht es wohl den meisten aufgeschlossenen Eltern.

Leider ist der Hilfebereich für Erwachsene noch sehr dürftig .

MfG
Barbara

von Hypie Mama - am 06.02.2005 10:53
Hallo @all,
erst mal lieben Dank für Euren Zuspruch.

Das ist ja das, was mich auch mit verwirrt. Er meinte, er hätte erst neulich auf einer Tagung/Kongreß mit Kollegen über so etwas diskutiert.

Ich weiß nun nicht, ob er das ADS bei Erwachsenen meinte, oder generell Schwierigkeiten mit den Kassen.

Bedingt durch meine Epilepsie bin ich ja nun auch schon 10 Jahre bei ihm in Behandlung. In denen mußte ich nun auch schon zweimal wegen Depressionen behandelt werden.
Ich bin auch bisher sehr zufrieden gewesen mit ihm.

Aber ich werde da dranbleiben. Es wäre so schön, endlich mal zu wissen, was an einem "falsch" ist. ;o)



von Yvonne Roth - am 06.02.2005 15:18
Hallo Yvonne!

Irgendwie geht leider immer noch der Aberglaube um, eine *Störung* wie ADS hat nicht vor dem 6. Lebensjahr zu beginnen, und hat Schlag mit dem 18. Lebensjahr weg zu sein.

Soweit die Therorie, die Politik, sprich der Behandlungsrahmen. Falls Medikamente eingesetzt werden müssen- was weiss Gott nicht jeder Betroffene benötigt, so werden sie von den gesetzlichen Kassen laut den Bestimmungen nur in diesem Zeitrahmen verordnet, sprich bezahlt. Alles andere ist dann eine *Off-label*- Verordnung, Einzelfallentscheidungen der Kassen oder einfach eine Privatleistung.

Dennoch sind genügend Erwachsene da, die ADS haben, die auch erst als Erwachsene diagnostiziert wurden, weil man früher 1. noch weniger Info über ADHS hatte, 2. die meisten ihre symptomatischen Beschwerden mit ADHS kompensieren konnten, ihren *Rahmen* fanden, in dem sie zurecht kamen und immer noch kommen.

Mittlerweile weiss man mehr, allerdings gibt es nach wie vor viel zu viele Ärzte, Neurologen, Psychiater, die sich zuwenig auskennen, um überhaupt ein ADS zu erkennen, geschweige denn zu diagnostizieren. Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn ich noch immer erlebe, wie gross dahin gehend die Unkenntnis ist!

Solange ADS vorhanden, im Alltag jedoch nicht wesentlich störend beeinträchtigt, sondern man gut mit umgehen kann, wenn man grundlegende Dinge weiss, sich darauf einstellt und immer wieder an sich selber arbeitet, muss es nicht unbedingt diagnostiziert oder behandelt werden. Nehmen die Probleme deswegen allerdings überhand, sollte man sich einen Arzt suchen, der sich mit ADS gut auskennt.Die sind meist zwar schwer zu finden, Wartezeiten sind lange.

Bei Erwachsenen tritt ADS meist *anders* auf. Eine Nische ist gefunden, eine Strategie jahrelang erprobt, um entweder die eigene Problematik zu umgehen, Dinge anders anzupacken, individuellere Lösungen gesucht, die für andere wohl oft sehr unkonventionell aussehen, um ihr Leben zu bewältigen.

Die Vermutung ADHS zu haben, muss also nicht diesen *um Gottes willen, negativen* touch haben, solange man mit klar kommt. Ist das nicht der Fall, ist eine Diagnose eventuell angebracht.

Viele Grüsse

Mom

von momfor4 - am 07.02.2005 08:42
Danke Mom für Deinen Post,
ja in gewisser Weise hast Du Recht.
Ich hab auch schon überlegt, warum es mir jetzt erst auffällt. OK, daß etwas nicht stimmen könnte, habe ich schon vorher immer überlegt. Es dann aber immer beiseite geschoben.

Als Kind nahm ich Klavierunterricht (mein Vater war ganz versessen drauf). Diese Regelmäßigkeit hat viell. evtl. damals einiges abgefangen?

Ich habe einen lieben Mann, der, ohne von dieser Schwäche was zu ahnen, meine chaotische Art doch hinnahm. Er war halt der Hausmann. Ich wußte halt selbst nix von.

Was mir halt extrem zu schaffen macht, ist das Nicht-Abschalten-können und das "Unordentliche". Egal in welcher Lebenssituation, mein Gedanken kreisen und das nicht nur um ein Thema, sondern um 1000. Oder ich steh vor meinem Haushalt und könnte heulen, aber ich kann nicht anfangen. Aber wem erzähle ich das.



von Yvonne Roth - am 07.02.2005 10:50
Mein Tipp ist, auf jeden Fall dranbleiben und DIch nicht abwimmeln lassen. Ich bin selbst so ein Fall von erst mit 38 diagnostiziert, weil das Kind so auffällig war ;-) Als Frau auch ganz typisch eben zeitlebens kompensiert und dann erst totale "Systhemüberlastung" mit Geburt eines Kindes, das dann auch noch "schwierig" ist sprich wahrscheinlich ebenfalls ADS hat. Auch in meinem Fall wollten Ärzte und auch Neurologe/Osychiater nicht so recht an das Thema rangehen, sondern lieber mit Medikamente ruhig stellen. Habe dann die Diagnose selbst in die Hand genommen und über örtliche Selbsthilfegruppe entsprechende Info´s zu Ärzten bekommen. Wenn das schon von 10 Jahren gemacht worden wäre oder schon im Schulalter, wäre mir manches im Leben sicher erspart geblieben. Es lohnt sich also, herauszufinden, was wirklich los ist, denn dann kann Hilfe geleistet werden.
Die Krankenkassen sind zwar skeptisch, müssen das aber als psychische Störung bezahlen (auch die Diagnose, zumindest war das bei mir so). Allerdings ist die gängige Meinung der Psychiater zur Behandlung Erwachsener dass wegen der vielen Kompensationsmechanismen, die der/die Betroffenen schon verinnerlicht hat, nur Medikamente helfen und daher von den Krankenkassen therapeutische Hilfen gerne abgelehnt werden. Lohnt sich aber, dafür zu Kämpfen. Manchmal wird zumindest Verhaltenstherapeutische Begleitbehandlung bezahlt.

von gullweig - am 08.02.2005 08:08
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