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ADHS ADS Selbsthilfe
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Baba Mama, Mottensprotte, momfor4, FrankR

Feststellung der Hyperaktivität mittels Computer-Test?

Startbeitrag von Baba Mama am 11.02.2005 17:47

Hallo,

wer meine Posting ein wenig verfolgt hat, kann sich vielleicht erinnern, dass ich nicht nachvollziehen konnte, weshalb der Kinderpsychiater bei meinem Sohn Hyperaktivität diagnostizieren konnte.

Jetzt hatte sich das Jugendamt aufgrund meiner Beantragung einer außerschulischen Förderung mit dem Kinderpsychiater in Verbindung gesetzt, um ein paar Dinge abzuklären, u. a. auch, warum er ADHS diagnostiziert hat, obwohl das Umfeld dieses so nie empfunden hat.

Die Auskunft des Kinderpsychiaters: der Computertest hätte dies ergeben!

Also, im Rahmen der Diagnoseuntersuchungen habe ich einen QB-Test (privat bezahlt) machen lassen, bei dem mein Sohn 15 Minuten mit Drücken von Tasten auf bestimmte Bilder reagieren musste. Mir wurde seinerzeit erläutert, dass mit diesem Test Wahrnehmungsstörungen und Reaktionszeiten festgestellt werden können. Ferner ließe sich mit diesem Computer-Test auch die richtige Einstellung der Medis überwachen.

So richtig verständlich ist mir allerdings nicht, wie man mit solch einem Test auch die Hyperaktivität feststellen kann. Auch stelle ich mir die Frage, wie stellt ein Kinderpsychiater Hyperaktivität fest, wenn er nicht über einen solchen Computertest verfügt oder die Eltern einen solchen Test nicht privat bezahlen wollen?

Mir kommt das alles doch reichlich seltsam vor - was meint Ihr?

Liebe Grüsse
Baba Mama

Antworten:

... scheinbar doch tatsächlich möglich!

Soeben habe ich die Homepage dieser Firma gefunden, demnach kann dieser Computertest tatsächlich Aussagen über die Hyperaktivität treffen:

[www.qbtech.se]


Zur Feststellung und Überwachung der richtigen medikamentösen Behandlung halte ich diesen Test sicher für geeignet. Auch denke ich, dass damit die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit eines Kindes ganz gut ermittelt werden kann.

Dennoch bleibt meine Skepsis: wozu dann all die Eltern- und Lehrerfragebögen, wenn dieser QB-Test binnen weniger Minuten für die Diagnose relevante Aussagen ermitteln kann?


LG
Baba Mama

von Baba Mama - am 11.02.2005 18:26

Re: ... scheinbar doch tatsächlich möglich!

Also ich weiß nicht so recht....

So ein Test kann doch allenfalls ein Teil der Diagnostik sein (und war wohl auch? -->"im Rahmen der Diagnoseuntersuchungen"), aber doch nicht der letztlich ausschlaggebende, wenn nach der traditionellen Testung keine Ergebnisse zustandegekommen sind, die bereits eine Beurteilung zulassen. Und vor allem ist eine Indizwirkung doch höchstens dann denkbar, wenn dieser Test sehr schlecht ausgefallen ist (was bei Deinem Sohn vielleicht der Fall war). Gerade so ein Test kann beim ADHSler besonders gut ausfallen, wenn er in der Untersuchungssituation hyperfokussiert, weil ihm das Spiel Spaß macht und er sich herausgefordert fühlt. Und dann sagt das Ergebnis mE auch indiziell nichts über ADHS oder Nicht-ADHS aus.

Ich selbst bin bei sowas sehr ehrgeizig und hyperfokussierend und habe trotz ADHS eine exorbitant gute Reaktion bei solchen und ähnlichen Aufgabenstellungen, auch über eine längere Zeit, es strengt mich allerdings sehr an.

Ich habe übrigens mal ein paar Jahre lang programmiert und u.v.a. auch einen (noch komplexeren) Reaktionstest kreiert, bei dem verschiedene geometrische Figuren auf dem Bildschirm erschienen, man aber immer nur bei Auftauchen eines Kreises eine Taste drücken durfte, um einen Tilt zu vermeiden. Zeitabstände, Lage auf dem Bildschirm, Formen, Größe und Farbe waren per Zufallsgenerator gesteuert. Nach jedem Tastendruck wurde die Reaktionszeit angezeigt, und man konnte auch den Durchschnittswert aus beliebig vielen Versuchen anzeigen lassen. Das hat mein kindlich-spielerisches Gemüt damals sehr befriedigt..... Nun ja, ich schweife vom Thema ab. Daher jetzt Schluß.

LG Frank

von FrankR - am 11.02.2005 19:08

Re: ... scheinbar doch tatsächlich möglich!

Hallo Frank,

danke für Deine Ausführungen. Wenn ich mich recht erinnere, ist das bei dem Qb-Test ebenso: verschiedene geometrische Figuren und bei Auftauchen eines Kreises muss der Knopf gedrückt werden.

Leider habe ich mich aber wohl mal wieder unverständlich ausgedrückt: in meinem Posting geht es nur um die Feststellung des "H" in ADHS, also Diagnose ADS oder ADHS.

Dieser Computer-Test war nur einer von vielen Tests und Untersuchungen, a b e r der Computer-Test war scheinbar das einzige Diagnosekriterium für das H in ADHS.

Eigentlich sollte es mir ja egal sein, ob bei meinem Sohn nun ADS oder ADHS diagnostiziert wurde. Aber Fakt ist und bleibt nun mal, dass ich nach dreijährigem Leidensweg meines Sohnes im Sommer vergangenen Jahres durch Zufall einen Zeitungsbericht über die "stille" Art der AD(H)S las, mich daraufhin sofort im Internet informierte und dort "unsere Geschichte beschrieben" vorfand! Wäre mein Sohn je irgendwie als "hyperaktiv" aufgefallen, wäre mir vermutlich viele Jahre früher der Verdacht auf AHDS gekommen.

Wo immer ich nun unseren langen Weg bis hin zur Diagnose erzählen muss, fällt dem Gegenüber natürlich sofort auf, das unsere Geschichte nicht zur Diagnose "H" in ADHS paßt. Ich selbst kann ja nun nicht die Umstände ändern, wie ich überhaupt zu dem Verdacht ADS gekommen bin - so hat es sich nun mal zugetragen. Also rate ich den Ämtern, Ärzten eben, sie sollen den Diagnose stellenden Arzt selbst kontaktieren. Und das haben sie jetzt getan, und der Kinderpsychiater führt das "H" einzig und allein auf diesen QB-Test zurück - so zumindest hat es mir das Jugendamt wiedergegeben.

Das bedeutet aber für mich: hätte ich diesen QB-Test eben nicht machen lassen, hätten wir nicht das "H" nicht in der Diagnose.

LG
Baba Mama

von Baba Mama - am 12.02.2005 10:07
Hallo Baba Mama,

ich könnte mir nur vorstellen, dass man mit Hilfe von PC-Tests die Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer testen kann. Aber wie Frank schon schrieb, kann das gute ("verfälschte") Ergebnisse bringen, wenn der Patient wg. Spass bei der Sache ist und evtl. sogar hyperfokusiert. Und eine
1:1-Situation ist für ADS-ler eher einfach zu bewältigen.

Bei meinem Sohn sind die vorwiegenden Probleme die Reizoffenheit, die Konzentrationsstörungen und Impulsivität. Bei ihm entsteht Hyperaktivität dann, wenn er reizüberflutet ist. Ist er z.B. zuhause mit mir alleine, ist er selten hibbelig.

Ich hoffe, dass Jugendamt zieht bei Euch jetzt nicht die ganze Diagnose in Frage, sondern will wissen, ob es ADS mit oder ohne H ist. Oder gibt es für die nur ADS, wenn H vorliegt?

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 12.02.2005 11:18
Hallo Mottensprotte,

dem Jugendamt ist es eigentlich egal, ob nun ADHS oder ADS.

Leider gibt es in dem Arztbericht eben viele Ungereimtheiten: z. B. geht er auf die psychische Belastung (Suizidgedanken im letzten Sommer etc.; Mobbing durch die Klassenkameraden) überhaupt nicht ein.

Oder z. B. hat er die ADHS an 4. Stelle genannt. Also kommt man hier auf den Gedanken, die Frage nach dem Warum zu stellen. Die Auskunft des Arztes gegebenüber dem Jugendamt: die Rangfolge hätte keinerlei Bedeutung.

Wenn Du meine ehrliche Meinung hören willst: der Kinderpsychiater wollte mir mit seinem Arztbericht aufgrund seiner Antisympathie mir gegenüber heftigst eine reinwürgen!

Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass der Kinderpsychiater die Kernproblematik meines Sohnes total verkannt hat. Unser neuer Kinderpsychiater, bei dem wir ja gerade das Erstgespräch hatten, hat von sich aus schon in die richtige Richtung Fragen gestellt. Schon die Probleme im Kindergarten hat er hinterfragt, der alte wollte diese überhaupt nicht erläutert haben. Und die Probleme im Kindergarten sind dieselben wie heute in der Schule.

Nun ja, mit dem Arztbericht hat der Kinderpsychiater uns viele Steine in den Weg gelegt, anstatt - wie es seine Aufgabe gewesen wäre - zu helfen. Das Jugendamt überlegt derzeit, ob es möglich ist, nach Aktenlage, d. h. aufgrund der selbst gesammelten Eindrücke, zu entscheiden, weil der Arztbericht einer positiven Genehmigung entgegenspricht.

Ich bin ziemlich sicher, dass der neue Kinderpsychiater zu einem ganz anderen Bild kommt. Aber dazu müssen erst noch ein paar Gespräche und Untersuchungen laufen. Und das dauert halt so seine Zeit. Aber mein Sohn benötigt jetzt dringend bald eine Förderung: auf dem Zeugnis von gestern steht, dass er mit diesen Leistungen nicht in die 4. Klasse versetzt wird.

Mein Ziel ist es aber, dass er in die 4. Klasse versetzt wird, um dann die 4. zu wiederholen, aus dem ganz einfachen Grund, weil dann die Mobbing-Kinder auf eine weiterführende Schule gehen, und eine Nichtversetzung ihnen nur weiteres Angriffspotential auf meinen Sohn gibt. Das würde er mit Sicherheit nicht verkraften.

Noch etwas anderes: wie ich in einem Deiner letzten Postings gelesen habe, lässt Du Dich selbst zur Zeit auf ADHS hin untersuchen. Das werde ich auch in Angriff nehmen, sobald ich die Dinge für meinen Sohn alle geregelt habe. Das Warten auf Termine und Diagnosen ist für mich persönlich auch total schlimm, Ungewißheiten sind für mich der Horror und machen mich total unruhig und schlaflos. Wenn es Probleme gibt, muss ich immer möglichst schnell eine Lösung finden. Geduld scheint wirklich etwas zu sein, was ADHSler nicht gerade besitzen.

Liebe Grüsse
Baba Mama

von Baba Mama - am 12.02.2005 12:54
Hallo Baba Mama,

dass solche Menschen als Psychiater auf Kinder losgelassen werden dürfen...

Ja, die elende Warterei. Ich kann auch nicht mit unklaren Situationen leben. Da sind mir schlechte Nachrichten fast lieber, als im Ungewissen zu schweben. Im Ungewissen bin ich machtlos. Ich muss wissen, wo ich stehe, damit ich handeln kann.

Was hat Deine arme Maus schon mitgemacht. Mobbing und Suizidgedanken... Schlimm. Haben sich denn diese Gedankne gelegt oder geht es ihm immer noch so schlecht?

Wie sieht es egentlich mit der / den Lehrern aus? Kannst Du von denen Unterstützung bekommen? Sei es wegen dem Jugendamt als auch wegen des Mobbings? Stellt der Lehrer sich hinter Dein Kind und besteht dann wirklich die Hoffnung, dass auf dieser Schule nach Wiederholen der 4. Klasse besser wird?

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 12.02.2005 15:55

Re: ... scheinbar doch tatsächlich möglich!

Hallo Baba-mama

Ich denke mal, Konzentrationstests jeglicher Art können nur ein Bruchteil einer Diagnosestellung sein.

Bei meiner- und der meiner Kinder wurden diese auch gemacht. Der d-Test z. B. (auf Zeit zeilenweise d's ausstreichen, und die verwirrenden anderen stehen lassen.... ) Wahrnehmungstests wie wiederhole Zahlen, die immer schwerer werden, Wörter, Sätze, die auch immer komplexer werden.

Mein Testergebnis zeigte da schon deutliche Schwierigkeiten, die Auswertung ergab bei ca. 78% Quantität eine Qualität von etwa 10 %.

Ob das nun der *Beweis* von ADHS ist, wage ich noch zu bezweifeln, da diese Dinge mir zwar vorher auch bekannt waren, dennoch habe ich es auch ohne Diagnose immerhin 35 Jahre durch mein Leben geschafft....... Trotz der Schwierigkeiten,die aufgrund von ADHS mit diesen Dingen einhergehen.

Wenn es nur das wäre- ok, ist zwar etwas anstrengender, aber denifinitiv noch kein alleiniges Kriterium um ein ADS zu *belegen*.

Dazu gehört doch schon etwas mehr... Und selbst mit der Diagnose, bei der es wohl auch dazu gehört, andere Ursachen ausszuschliessen, und wenn dann immer noch genug übrigbleibt, um ADS zu vermuten, ist es wieder eine Abwägungssache, ist es behandlungsbedürftig? Was kann ich mit dem Wissen um ADS ändern, um nicht gegen die Strörung zu arbeiten, sondern mit! (Strukturen, Regeln, Pläne, eiserner Wille, die auch einzuführen, durchzuhalten, Hilfe von aussen, wenn nötig, coaching) Wenn ich immer noch scheitere, weil in Theorie zwar alles angelegt, die Praxis allerdings aufgrund des Unvermögens alles in die Hose geht, dann suche ich den nächsten Baustein.

Und daher glaube ich nicht, dass ein - wenn auch bestimmt sehr professionell gemachter und hilfreicher Computertest aufgrund dessen ein ADS belegen kann.

Als Bestandteil einer ausführlichen Diagnose, die definitiv nicht in 5 Minuten abzuhandeln ist, ok. Ansonsten gehört da einfach mehr dazu, um ADs zu diagnostizieren und zu behandeln.

Gruss

Mom

von momfor4 - am 13.02.2005 09:52
Hallo Mottensprotte,

Unterstützung finde ich zur Zeit eigentlich von gar keiner Seite, weder von Lehrern, noch von Ärzten (demnächst vermutlich wohl vom neuen Kinderpsychiater).

Mein Ziel war und ist immer noch folgendes: das Selbstwertgefühl meines Sohnes muss bis zum Ende der Grundschulzeit (also noch 2,4 Jahre incl. Wiederholen) so weit aufgebaut und gestärkt werden, dass er gegen solche mobbenden Mitschüler bestehen kann. Die anderen Kinder kann man nicht ändern, und er wird solche sicher auch an weiterführenden Schulen treffen.

Hierzu gehört auch, dass er von kompetenter Seite lernt, sich anders zu verhalten, wenn man ihn ärgert oder beleidigt - und zwar so, dass die anderen die Lust daran verlieren, ihn zu ärgern, weil es ihnen ja sichtlich Spaß macht, dass er wie eine Bombe jedesmal explodiert.

Und dann müssen seine ungenügenden Leistungen in Deutsch aufgearbeitet werden. Bis zum heutigen Tage wissen wir ja noch nicht einmal die Ursache. Ich persönlich gehe zu 99 % von einer LRS aus, auch hier quält mich die Ungewißheit.

Suizidgedanken hat mein Sohn keine mehr geäußert, aber dass es ihm psychisch gut geht, kann ich nun nicht behaupten.

Letzte Woche meinte mein Sohn zu mir, ob ich auch finden würde, dass er häßlich mit der Brille aussehen würde. Nein, natürlich nicht. Er fand es aber schon und würde am liebsten die Brille nicht mehr tragen. - Gestern sprach ich zufällig mit seiner alten Lehrerin, und die erzählte mir von einem Vorfall letzte Woche, beim dem sich ein anderes Kind in der Pause beschwert hätte, mein Sohn hätte es geboxt. Auf Befragen der Lehrerin sagte mein Sohn, das Mädchen hätte "Brillenschlange" zu ihm gesagt. Selbst dieser kleine Vorfall zeigt doch, dass das Selbstwertgefühl meines Sohnes sehr gering ist, und zwar so gering, dass er sich noch abends Gedanken über negative Äußerungen von Kindern macht.

Seine Suizidgedanken im letzten Sommer bezogen sich auf das Ausgrenzen durch die anderen Kinder und seine eigene Erkenntnis, dass er gerne so schnell schreiben können möchte, wie die anderen Kinder.

Aber der erste Kinderpsychiater ist auf diese Problemematik nicht im geringsten eingegangen. Deswegen bin ich so sauer auf ihn! Gott sei Dank habe ich jetzt bei dem neuen Arzt ein wirklich sehr gutes Gefühl.

Wie geht es Deinem Sohn jetzt mit der normalen Medikinet? Bei meinem Sohn kann ich noch keine positiven Wirkungen erkennen, aber er nimmt sie ja auch erst seit letzten Donnerstag wieder. Und am Freitag hat er dann auch gleich vergessen, die Tabletten in der Schule einzunehmen und im Hort hat man auch vergessen, ihn um 14.00 h daran zu erinnern. Gestern hat mein Sohn über starke Kopfschmerzen geklagt. - Aber auch hinsichtlich der Medikation fühle ich mich jetzt wenigstens nicht mehr alleine auf mich gestellt, der neue Kinderpsychiater geht hier voll auf meine Beobachtungen ein, er hat mich sogar für meine Aufzeichnungen gelobt. Huh, das war wirklich Balsam auf meiner Seele, hat der alte Kinderpsychiater doch ständig nur versucht, mir irgendein ein schlechtes Gewissen einzureden.

Sorry, jetzt ist es ein wenig länger geworden, aber manchmal tut es schon gut, sich etwas von der Seele zu reden - Danke fürs Zuhören!

Liebe Grüsse
Baba Mama

von Baba Mama - am 13.02.2005 10:39

Re: Mom

Hallo Mom,

ich kann Deinen Ausführungen nur zustimmen. Die Diagnose ansich stelle ich nicht in Frage, lediglich die Diagnose des "H" in ADHS.

[Was kann ich mit dem Wissen um ADS ändern, um nicht gegen die Strörung zu arbeiten, sondern mit! ]
Bereits vor dem Erstgespräch beim Kinderpsychiater hatte ich aufgrund meines Verdachtes auf ADS mein Verhalten und meine Erziehung ein wenig umgestellt, so wie es halt im Internet halt empfohlen wird. Einiges lief gleich viel besser ab.

Das Wichtigste jedoch war die Erkenntnis, dass mein Sohn bestimmte Dinge nicht verweigerte, sondern aufgrund ADS gar nicht in der Lage war, sie so durchzuführen, wie ich es halt von einem "normalen" Kind erwartet habe. Leider hatte ich allerdings bisher noch nicht die Luft, geeignete Pläne und Strukturen für zu Hause aufzustellen, weil ich zur Zeit ja ohne jegliche ärztliche Unterstützung für eine geeignete Therapie (multimodal) kämpfe.

Leider erwartet auch die Schule immer noch Dinge, die mein Sohn halt aufgrund der ADS gar nicht kann: auf dem Zeugnis steht, dass er seine Hausaufgaben zwar macht, aber eben nicht gerade ordentlich (Schrift). Die ersten 2 Jahre hat man meinem Sohn unterstellt, er sei einfach nur faul und nicht ehrgeizig genug, seinem Wissen nach müsste er alles viel besser können. Wie wir ja nun wissen, hat er sich ungemein angestrengt, aber dafür nie auch nur irgendein Lob geerntet.

Ich denke schon, dass hier Handlungsbedarf notwendig war und ist, und zwar nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule muss man umdenken. Wenn ich mein Ziel der multimodalen Behandlung, worum ich seit Monaten mit letzter Kraft kämpfe, tatsächlich in nächster Zeit irgendwann erreichen sollte, wird eine Sozialarbeiterin persönlich regelmäßig in die Schule gehen und mit den Lehrern reden, Anregungen geben und auch Hilfestellungen.

Liebe Grüsse
Baba Mama

von Baba Mama - am 13.02.2005 12:49

Re: @ Baba Mama

Hallo Baba Mama,

das ist schon hart, wenn weder Lehrer noch Hort mit Dir an einem Strang ziehen. Da kann ich nichts raten, Euch einfach nur einen riesigen Berg voll Kraft wünschen.

Das normale Medikinet schlägt wieder gut an. Wielange es anhält, kann ich nicht sagen. Er hatte in den letzten 1,5 Wochen relativ wenig Unterricht. Erst ab heute hat er wieder 4 bis 5 Stunden. Zuhause (in recht reizarmer Umgebung) ist er nicht so auffällig, das ist er in der Schule oder wenn wir z.B. einkaufen gehen.

Gute Nachrichten gibt es bei uns:
Ich hatte letzten Freitag ein Gespräch mit seiner Lehrerin. Demnach wird er das Klassenziel erreichen, er hat gute Fortschritte gemacht und man würde merken, wie gut es ihm tue, dass ich mit ihm Hausaufgaben machte (er war sonst in der Hausaufgabenbetreuung). Sie sagte, er mache den Eindruck, es gehe ihm gut.
Ich bin voll stolz auf ihn und auf mich. Eine Zeit lang hatte ich nämlich die Befürchtung, er hätte LRS. Außerdem war er ein Kann-Kind und die Direktorin hat ihn nur aufgenommen, weil seine Lehrerin meinte, er würde das schaffen.

Ich hoffe, bei Euch geht es bald bergauf!


Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 14.02.2005 08:29

Re: @ Baba Mama

Hallo Mottensprotte,

habe Deine Antwort gerade erst gelesen - gestern war ich überhaupt nicht im Internet.

Gestern war Elternsprechtag und der Rektor will meinen Sohn auch bei einer evtl. LRS-Diagnose nicht in die 4. Klasse versetzen. Jetzt habe ich wieder ein Problem ... Außerdem riet er mir (trotz LRS-Verdacht) wieder täglich mit meinem Sohn zu üben, aber das hatten wir doch 2 Jahre ohne Erfolg. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.


Es freut mich, dass es Deinem Sohn so gut geht und er (dank Deiner Hilfe) Fortschritte gemacht hat. Mein Sohn ist auch ein Kann-Kind, deswegen finde ich es gar nicht schlimm, wenn er eine Klasse wiederholt.

Leider hat mein Sohn heute in der Schule komplett vergessen, seine Medis zu nehmen. Seine alte Lehrerin hat ihn zwar auf dem Pausenhof daran erinnert, aber bis er in der Klasse ist, hat er es längst wieder vergessen. Ich bin ratlos.

Liebe Grüsse
Baba Mama

von Baba Mama - am 15.02.2005 18:06

Re: @ Baba Mama

Hallo :-)

als Tim seine Medis in der Schule noch nachnehmen musste, haben wir es so gehandhabt:

Die Medis waren in einem Döschen im Lehrerzimmer. Es gibt dort einen Schrank, da lag das Döschen und ein Becher mit seinem Namen. Er ging in der 2. grossen Pause ins Lehrerzimmer und nahm im Besein einer Lehrerin / Referendarin die Medis. Die Lehrerin bzw. Betreuerinnen haben bei ihm allerdings mitgedacht.

Mir war es lieber, dass sie dort verwahrt wurden, damit sie nicht in andere Kinderhände gelangen konnten. Außerdem war er dann unter Aufsicht und es war sichergestellt, dass er sie nahm. Rechtlich ist das für die Schule auch OK, denn sie werden ihm nicht veabreicht. Er nimmt sie, aber unter Kontrolle.

Vielleicht kann Euch der neue Kinderpsychiater ein entsprechendes Schreiben für die Schule machen. Dass es für ihn gesundheitlich unablässig ist, die Medis zu nehmen etc. Und dass das dann z.B. wie bei uns geschehen sollte / muss.

Oder habt Ihr es schon mit einer Armbanduhr mit Weckfunktion probiert? Und / oder einem Belohnungssystem? Für jedes Mal dran denken und nehmen einen Punkt. Bei 10 Punkten irgendeine Belohnung?

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 16.02.2005 07:49

Re: @ Baba Mama - Nachtrag

Hast Du eigentlich schon mal dran gedacht, eine ander Schule für ihn zu suchen? Denn wenn er wirklich nicht versetzt wird, besteht ja weiterhin das Problem mit den "Mobbern". Und da die Lehrer ja anscheinend auch nicht hilfreich sind, was hält Euch da?

Ich weiss, das wäre auch wieder elende Rennerei. Aber vielleicht lohnt es sich ja. Klar kann man nicht immer wegrennen. Aber andererseits muss amn auch nicht gegen Windmühlen kämpfen. Und wenn man dann nocht gehändikäpt (?) ist, sprich ADS und evtl. eine LRS hat, auf die keiner eingeht, sind die Voraussetzungen ziemlich schlecht.

Ich hatte als Kind Glück und eine super Klassenlehrerin. Mir machte lernen Spaß und ich kam gut durch die Grundschule. Mein Bruder hatte Pech, er hatt den strengen Rektor an der gleichen Schule, wurde vorgeführt, als Niete abgestempelt und seine Schulzeit war dementsprechend schlecht.

Sonst frag doch mal hier im Forum nach Erfahrungen. Ich meine, dass einige Eltern hier sind, wo die Kinder die Schule oder Klasse gewechselt haben.

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 16.02.2005 07:59

Re: @ Baba Mama - Nachtrag

Hallo Mottensprotte,

danke für Deine Tipps.

Hinsichtlich der Medikation habe ich auch schon an die Armbanduhr gedacht, aber die hat keine Weckfunktion. Aber vielleicht besorge ich mir dieses Pillendöschen aus der Apotheke mit entprechnender Erinnerungsfunktion. Aber das bekommen die anderen Kinder halt mit. Muss mir noch mal Gedanken machen. Das mit dem Lehrerzimmer ist eine gute Idee.

Die Schule wechseln ist so eine Sache, habe ich auch schon drüber nachgedacht. Dann müssten wir aber gleichzeitig auch den Hort wechseln, denn die Mobbing-Kinder sind nachmittags auch noch in seiner Hortgruppe. Von den beiden Freunden, die er hat, geht einer in seine Klasse, einer in die Hortgruppe. Ich bin froh, dass er wenigstens diese beiden zum Spielen hat. Deswegen bereitet es mir ein bißchen Sorge, ob er auf einer anderen Schule - ohne vorherige Verhaltenstherapie - nicht auch gleich wieder in die Opferrolle gerät. Zudem hasst mein Sohn Veränderungen. Wir sind vor einem Jahr umgezogen, in eine viel viel schönere Wohnung, das sagt er selbst. Aber da er von Geburt an in der anderen Wohnung gelebt hat, äußerte manchmal richtige traurige Gedanken an die gewohnte alte Umgebung.

Manchmal ist es wirklich schwer, die richtige Entscheidung zu treffen, momentan würde ich aus dem Bauch heraus sagen, er sollte doch besser auf der alten Schule bleiben. Ich hoffe, dass er in einem 1/2 Jahr ein wenig aufgebaut ist, so dass wir dann neu überlegen können, was mir machen.

Liebe Grüsse
Baba Mama

PS: Hast Du vielleicht eine Vorlage von einem Punkteplan, ich tue mich da wirklich schwer, weil ich noch gar keinen gesehen habe. Meine Suche im Internet war auch nicht erfolgreich.

von Baba Mama - am 16.02.2005 16:44

Re: @ Baba Mama - Nachtrag

Hallo Baba Mama,

also einen Punkteplan habe ich so noch nicht gesehen. Ich dachte so an gemeinsames Basteln. Vielleicht einfach Tonpapier in DIN-A-3, in einer Farbe, die sich Dein Sohn selbst aussucht. Den dann in Flur, Esszimmer oder Kinderzimmer hängen. Klebesternchen, -herzen o.ö. kaufen. Und dann darf er nachmittags einen Stern kleben, wenn er die Medis genommen hat. Vielleicht könnt Ihr ja "Platzhalter" auf das Tonpaier malen. 10 nebeneinander, einige Reihen untereinander. Dann sieht er auf einen Blick, wieviele schon geklebt sind und wieviel noch fehlen.

Bei uns läuft im März ein Tagesseminar über "Mobbing an Schulen" von der Familienbildungsstätte. Die Info hing an unserer Schule aus. Vielleicht gibt es bei Euch ja auch so etwas. Ich überlege, ob ich da hingehe.

Viele Grüße,

Motensprotte

von Mottensprotte - am 17.02.2005 17:03
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