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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
36
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Petra F., hypa, Chris G, HeidiS, Apfelsine, gia 2, Michaela#, mami-maus*, Kritiker2, Angelika (TanteGela), ... und 7 weitere

Legalisierter Mord

Startbeitrag von hypa am 31.03.2005 17:25

Ich bin erschüttert!! Wo wird das Alles noch enden??

Die Komapatientin Terri ist nach qualvollen 13!! Tagen gestorben. *Endlich* wird dieser Ehemann sagen. Erschütternd für die armen Eltern, die für ihre Tochter nichts mehr tun konnten und deren Hände aufgrund einer kranken Gesetzgebung gebunden waren und hilflos zusehen mussten, wie ihre Tochter qualvoll verhungert und verdurstet ist.

Das ist für mich legalisierter Mord!!

Nur weil Terri sich nicht mehr äussern konnte, wird über ihren Kopf hinweg Gott gespielt.
Inzwischen bestimmen Richter, wer das Recht zu leben hat und wer nicht. Was kommt als nächstes?
Werden kranke Menschen irgendwann nur noch *Kostenfaktoren* sein und *aussortiert* werden?

Mir fehlen schlicht die Worte. Ich konnte es nicht verhindern, jedoch bildete sich in meinem Kopf bei diesem Verhalten sofort die Assoziation zu Hitler. *Eine reine und gesunde Rasse war das Ziel*.
Nach bestimmten Ausschlusskriterien wurde aussortiert. Oh mein Gott!!!

Jedoch, was kann man schon von einem so gestörten und verlogenen Land wie Amerika schon anderes erwarten??

Eine erschütterte hypa

Antworten:

Re: Nachtrag Legalisierter Mord

Sorry!

Bin vor lauter Zorn mit diesem Thema glatt ins falsche Forum gerutscht. Eigentlich wollte ich es ins Diskussionsforum setzen.

War und bin zu aufgewühlt deswegen.

Entschuldigende Grüsse von hypa



von hypa - am 31.03.2005 17:29

Re:sterbehilfe

hallo hypa,

in amerika da gibt es einen päsidenten der für die todesstrafe ist ,der soldaten in einen krieg schickt wovon viele tot wieder zurück kommen , der sich für gläubig hält und ständig in die kirche rennt und dann anderer seits versucht hat gegen die sterbehilfe der komapatientin einzusetzen. das ist abartig.

das finde ich viel schimmer als das was der ehemann getan hat.

o.k. ich bin nicht in einer solchen situation wo ich so was entscheiden müsste.aber war das wirklich noch ein leben für terri schiavo?

ich denke auch schon seit längern darüber nach ,eine patientenverfügung zu hinterlegen.



von mami-maus* - am 31.03.2005 18:06

Re: Nachtrag Legalisierter Mord

Hallo hypa,

ja, das ist eine ganz schwierige Entscheidung . Ich kann deine Reaktion sehr, sehr gut verstehen, andererseits würde ich selbst in einer ähnlichen Lage gern Sterbehilfe bekommen. Deshalb stehe ich der ganzen Problematik zwiegespalten gegenüber.

Mein Mann und ich waren Ende letzten Jahres übrigens in einer ein klein wenig ähnlichen Situation: Meine Schwiegermutter lag mit einer Lungenentzündung und einer aufgrund ihres hohen Alters und ihrer Erkrankung nicht mehr behandelbaren Herzklappenverengung im Krankenhaus. Als ihre eigene Atmung aussetzte, wurde sie zunächst künstlich beatmet, dann erholte sie sich wieder. Die Ärzte meinten jedoch, sie würden sie nicht erneut künstlich beatmen, falls ihre Atmung wieder aussetzen würde. Das fanden wir ausgesprochen hart, haben dann aber nochmal darüber nachgedacht. Wenn sie sich erholen würde, so die Ärzte, wäre sie ein Schwerstpflegefall, das hätte sie sich nie gewünscht. Deshalb wären wir damit einverstanden gewesen. Die Ärzte brauchten diese Entscheidung jedoch nicht zu treffen, sie starb kurz darauf an Herzversagen.

Aus diesen Gründen kann ich auch den Mann von Terri Schiavo verstehen, vor allem wenn sie vor ihrem Wachkoma wirklich über einen solchen Fall gesprochen hatten und seine Frau sterben hätte wollen.

Liebe Grüße schickt dir

Simone

von Apfelsine - am 31.03.2005 18:17
Hallo

auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich vierteilt ...

das war ein elendes verrecken lassen ... menschenunwürdig

Das müßtet ihr mal SO mit einem Tier machen ...
da würde jeder in den Knast wandern - weil die Tierschützer euch die Hölle heißmachen

Für mich gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen dem abschalten von
einer Herz - Lungenmaschine und dem Nahrungsentzug von Terri

Wenn man den Stecker der HLM zieht ... ist gleich Schluß ...
und wie lange mußt Terri verhungern und verdursten ???

13 Tage ......

Da hat es jeder Todeskandidat in den USA besser ...

Traurige Grüße
Beate

Der Ehemann ... dem ging es m.M. nach nicht um den Willen von Terri ...
sondern höchstens um die Lebensversicherung ... schon mal daran gedacht ???



von Beate Mahr - am 31.03.2005 19:27
Keine Ahnung, was richtig und was falsch ist. Ich selbst habe eine Patientenverfügung, weil ich so nicht existieren wollte.

Was ich allerdings bei diesem "Fall" so doppelmoralisch finde, dass die Frau in Form von Fotos und Videos weltweit über den Bildschirm gezerrt wurde. Das ist absolut pietätlos und wohl nicht in ihrem Sinne gewesen.

Ihre Privatsphäre zu schützen, wäre der erste Schritt gewesen, sie menschwürdig zu behandeln.

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 31.03.2005 20:04
Hallo Mottensprotte,

Du sprichst mir aus der Seele mit der Doppelmoral! Und ich finde, die geht noch weiter. Wenn ich nämlich mich auf Gott berufe, um die Frau am "Leben" zu erhalten, dann müßte ich doch auch darauf vertrauen können, dass ER die Frau aufwachen läßt, wenn sie Hunger bekommt. Christus hätte die Eiferer wohl "Kleingläubige" genannt.

Georg

von Freudi - am 31.03.2005 20:41
Hi Leute

eine wirklich schwierige Fragestellung, das alles....

was mich allerdings stutzig gemacht hatte: die Frau brauchte bis auf die künstliche Ernährung offenbar KEINE weitere technische Unterstützung. Nicht mal Dialyse oder Beatmung. Das ist noch ein dickerer Brocken als die Frage, ob man irgendwo die künstliche Beatmung abschaltet (obwohl ich auch das schon einen dicken Brocken finde).

Die Frage "ist das überhaupt ein Leben" finde ich unbeantwortbar. Insbesondere dann, wenn es darum geht, von aussen zu entscheiden, ob das "kein richtiges Leben mehr" beendet werden soll. Weiß ich das denn? Kenne ich nicht jemanden, der von der höchsten Stelle der Wirbelsäule aus, an der man gelähmt sein kann, gelähmt ist, und sein Lebtag auf allerlei Hilfe angefangen von ständiger (!) Beatmung angewiesen ist- und der das (da bei bewußtsein) dennoch als Leben bezeichnet? Die technischen Geräte, auf die er angewiesen ist, sind viel aufwändiger als bei Terri Schiavo. Liegt der Unterschied darin, dass man sich verbal (wenn auch schwer hörbar...) äußern kann? Wie kurz ist da der Schritt dorthin, dass man schwerst geistig Behinderte, die sich verbal eben nicht äußern, als "das ist doch kein Leben" einstuft?

Der Gedanke, Schwerkranken ein längeres Leiden ersparen zu wollen, ist ja an sich ehrenhaft. Aber ich glaube nicht, dass es wirklich nur immer um diese Frage geht. Schmerztherapie gibt es ja schließlich auch, und im übrigen kann man wirklich schwer feststellen, ob der schnelle Tod wirklich besser wäre....

Mich gruselt es schon, wenn man ein Beatmungsgerät abschaltet. Da allerdings kann ich die dahinterstehenden Gedanken noch nachvollziehen, und ich will die Belastung für die Angehörigen auf keinen Fall kleinreden, ganz sicher nicht. Aber bei T. Schiavo ging es ums Verhungernlassen. Für den medizinischen Laien wie mich ist das sehr schwer zu verstehen. Ein Mensch, der noch selbständig atmet, OHNE Maschine, und nicht mal eine Dialyse braucht...ich weiß nicht, ich weiß nicht...

Und wann das Gehirn wirklich arbeitsunfähig ist, ist für mich auch noch eine ungeklärte Frage. Darüber habe ich schon auffallend unterschiedliche Antworten gehört...mit wem redet man denn darüber? kürzlich las ich von einem Menschen, der kaum Gehirnmasse hatte, der Kopf war fast vollständig mit Wasser gefüllt, nur außen herum direkt am Schädelknochen waren ein paar zentimeterdünne Gehirnwindungen- und dieser Mann soll einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten gehabt haben. Aus mir unbekannten Gründen waren seine Gehirnfunktionen offenbar ganz anders angeordnet als bei anderen Leuten... im Falle des Todes bei einer Autopsie- was hätte man dem nachträglich diagnostiziert? Hirntod?
Also, ich würde gerne mal ein paar Fachleute GENAU befragen, wobei die vorher aber eine Wahrheitsdroge nehmen müssten..

wir haben wirklich schwere Themen heute...

Petra

von Petra F. - am 31.03.2005 20:49
Hi Georg

nee, ganz so einfach sehe ich das nicht...

du kannst nicht anfangen und sagen, du berufst dich auf biblische Gebote oder so, aber "im Gegenzug" verlangst du von Gott, dass er dann aber dies oder jenes zu tun habe!

Was "Leben" ist, ist in diesem Fall eben schwer zu entscheiden. Und zu behaupten, wer diesen Fall als Leben betrachtet und verteidigt, wäre von Christus kleingläubig genannt worden, erscheint mir ein wenig...na sagen wir...spekulativ.

Nehmen wir die zehn Gebote. Die sind ziemlich klar und deutlich. Da steht "du sollst nicht töten". Da steht nicht "du sollst nur dann Krankenpflege betreiben, wenn du genug Glauben hast, dass Gott den Patienten rechtzeitig aufweckt, um die künstliche Ernährung zu vermeiden"....

Es ist schwer genug, rauszufinden, ob eine aufwändige Lebensverlängerung weglassen schon als "töten " gilt (Beatmung, Herz-Lungen-Wiederbelebung, mit div. Maßnahmen den ohnehin demnächst eintretenden Tod noch zwei Stunden herauszögern)- eine Frage, die ich nicht zu beantworten wage. Aber Pflegebedürftige, die lediglich (schlimm genug- ich meine das im Gegensatz zu intensiver Hightechbetreuung, nicht als Abwertung der Pflegeleistung!!) gefüttert werden müssen, über die normale Pflege wie waschen, umlagern etc. hinaus, von Nahrung und Wasser fernzuhalten, das geht schon bedenklich nahe in Richtung "töten" , oder nicht? Schließlich ernährt man auch Säuglinge, Patienten im Koma (nicht Wachkoma), Schwerbrandverletzte und Gelähmte, oder nicht?

Sorry, ich hab mich hinreissen lassen. Wollte keine theologische Diskussion vom Zaun brechen

Petra

von Petra F. - am 31.03.2005 20:56
Hallo

Wie immer ein jeder für sich denkt
sollte man sich meines Erachtens jedoch davor hüten irgendwen in Unkenntniss der kompletten Sachlage und ohne Einsicht in Unterlagen ( bes. der Krankenakte und deren Befunde)
zu Verurteilen !

Man kann es nicht Nachvollziehen was es bedeutet wenn man nicht jemals selber in einer solchen Lage war über das Leben oder Sterben eines anderen Menschen zu befinden!

Glaubt mir es vefolgt euch bis in euer Privatleben sogar bis in eure Träume!!

MfG
Barbara

von Hypie Mama - am 31.03.2005 21:16
Hallo,

ehrlich, wer möchte so viele Jahre im Wachkoma liegen?

Ich bestimmt nicht!

Ich hatte eine Freundin - Krebs - Endstadium. Sie bat mich damals um aktive Sterbehilfe, die ich ihr nicht geben wollte. Sie entschloss sich von da an, jeden Tag nur 2 Butterkekse zu essen und so wenig wie möglich zu trinken.

Von den Angehörigen wurde diese Entschiedung nicht gerne unterstützt. Sie wollte keine Infusionen mehr haben.

Bis zum Tode dauerte es trotzdem einige Wochen.

Ich verstehe die Eltern, aber auch den Ehemann. 15 Jahre das alles tagtäglich zu sehen, zu erleben, das geht beinahe über die menschlichen Kräfte.

Was ich absolut nicht in Ordnung finde, ist das Einschalten der Öffentlichkeit. Ich hätte Terry einen ruhigen Tod gewünscht und ihren Angehörigen eine friedliche letzte Zeit mit Terry!

Ich habe viele Menschen sterben sehen, in den Tod begleitet.
Ich erlebte viele Sterbende, die lange Zeit mit dem Tod kämpften und nicht sterben konnten. Habt ihr eine Ahnung, wie die Sterbenden, wie die Angehörigen darunter leiden?

Deshalb ist meine Meinung, dass es für Terry sicher eine Erlösung war!

Eine Frage, wer erlebte bereits einen Patienten im Wachkoma? Die Intensität der Pflege?

Ich glaube, die meisten der Leser bestimmt nicht!

Gute Nacht!

Heidi

von HeidiS - am 31.03.2005 21:26
Meine Lieben!

Eure Meinung in Ehren, jedoch sollte man nicht ausser acht lassen, dass der Wissensstand bzgl. Wachkoma, trotz Forschung, Studien und fortschrittlicher Medizin, noch immer da steht, wo die Erkenntnis der ADS vor 20 Jahren stand.

Woher will man wissen, was solch ein Patient empfindet, mitbekommt und wünscht, wenn er sich nicht äussern kann??
Woher will dieser Ehemann wissen, ob Terri nicht inzwischen ihre Meinung geändert hat? Vor allem, woher wissen wir, ob dieser Ehemann die Wahrheit bzgl. Terris *angeblicher Aussage über Lebensverlängerung oder-erhaltung* sagt und nicht aus niederen Beweggründen gehandelt hat?
Zeugen für diese Aussage gibt es keine und Terri konnte sich ja nicht mehr äussern. Wie praktisch!!

Es gibt zudem genügend Menschen, die nach Jahren!!! aus einem Wachkoma wieder erwacht sind. Sie mussten zwar vieles wieder neu lernen, aber sie LEBTEN. Beweise gibt es hierfür genug. Einer dafür ist ein ganz berühmter Handballer und hatte vor kurzem noch einen ganz tollen Fernsehauftritt im Fernsehen.

Also Vorsicht, mit Vorverurteilung! Nicht die Jahre des Wachkomas sind entscheidend, sondern die Geduld und Ausdauer!
Woher wollen wir wissen, ob Terri nicht in 2 Jahren wieder aufgewacht wäre und sich gewundert hätte, wieso sie in einem Krankenhaus liegt??

Sie hat ohne medizinische Unterstützung geatmet und ihr Herz hat auch ohne Apparate geschlagen. Alles was sie brauchte, um am Leben zu bleiben, war die Ernährung und die hat man ihr genommen um Kosten zu sparen.

Hey, wer das als gnädige Sterbehilfe bezeichnet, der sollte sich nicht über ein verhungertes Kind mitten in einer Grossstadt aufregen. Was hat diese Mutter denn anderes getan?? Das Kind war nicht gewollt, forderte Aufmerksamkeit und persönlichen Einsatz, hat sie in ihrem Leben gestört und Geld gekostet, dass sie nicht hatte oder hatte, jedoch lieber anderweitig verwendet hat! Was soll's? In ein paar Jahren ist diese Mutter wieder aus dem Knast und kann ein neues Kind *produzieren*. Vielleicht hat sie ja inzwischen ihre Einstellung geändert. Was ist daran so anders, hm??? Jeder ist ja heutzutage ersetzbar, nicht wahr?!

Sorry, dieser Fall ist nicht vergleichbar mit einem Menschen, der sein Leben gelebt hat und dessen Körper aufgrund von Altersschwäche versagt.

Am schlimmsten finde ich, dass die behandelnden Ärzte dies zugelassen haben. Sie haben in meinen Augen damit krass gegen den Eid verstossen, den sie ablegen mussten, als sie in diesen Berufsstand eingetreten sind.
*Leben zu retten und zu erhalten* ist ihre Aufgabe und sollte ihr Ziel sein. Koste es, was will. Von Gott zu spielen war und ist in diesem Eid nicht die Rede.

Für mich ist und bleibt der Fall Terri legalisierter Mord und elendes Verrecken lassen. Und das in einem Land, wo die Einwohner so hochgläubig tun.

Was diesen Menschenschlag angeht kann ich nur eine Aussage aus diesem Forum zitieren:

*Ich kann nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte!!*

hypa



von hypa - am 31.03.2005 23:04
Und das noch als Nachtrag zu der Aussage, dass die Eltern Terri an die Öffentlichkeit gezerrt haben.
Schon mal darüber nachgedacht, dass dies reine Verzweiflung und der letzte Aussweg für die Eltern war, Terris Leben zu retten??

Mal ehrlich, welche Eltern, die ihr Kind lieben, würden nicht alles tun, um es zu retten und ihm zu helfen??

Versucht euch mal, selber als Eltern, in die Lage dieser Eltern zu versetzen. Würdet ihr nicht auch alle Hebel in Bewegung setzen, um das Leben eures Kindes zu retten?? Egal, was es für ein Leben ist? Die Hoffnung stirbt zuletzt!!



von hypa - am 31.03.2005 23:14
Hallo Ihrs

Ich weiss nicht, was nun richtig war oder nicht. Wer der Parteien nun Recht hatte oder wer aus welchen Beweggründen handelte...

Die Art und Weise des Sterbens ist verachtenswert. Das stimmt. Das wünschte ich meinem ärgsten Todfeind nicht. Die Entscheidung zu treffen aber auch nicht. Aber noch weniger würde ich mir Terrys Situation wünschen.

Ich weiss nicht, was ein Mensch im Wachkoma empfindet, mitkriegt, erlebt, fühlt, denkt. Ich möchte es aber selber gar nicht erst erleben. Und auch nicht 13 Jahre lang. Eine derartige Situation ist für mich der pure Horror. Für jeden der Betroffenen. Humane Sterbehilfe ist bei einem Patienten im Wachkoma, der selbständig atmet, ausser der Ernährung keine Unterstützung braucht wohl nicht möglich. Ob es nun gerechtfertigt ist oder nicht, überhaupt Sterbehilfe zu leisten- das ist eine andere Diskussion.

Was mich dabei nur tierisch aufregt, ist das öffentliche Vorzeigen, die politischen Debatten- die in einer solchen Situation vollkommen fehl am Platze sind. Eine Gesetzesänderung dahingehend gab es nicht. Aber weder ein Präsident noch ein Governor noch eine religiöse Truppe haben das Recht über Leben oder Tod in einem solchen Fall zu entscheiden und das ganze auch noch öffentlich zu debattieren.

Ich verstehe den Mann. Ich verstehe die Eltern. Ich weiss, dass ich mir lieber den Gnadenschuss verpassen lassen würde, als so *leben* oder auch sterben zu wollen Genausowenig, als Angehöriger jahrelang zusehen zu müssen Wir kommen an den Punkt, an dem die Diskussion entbrennt, wann fängt Leben an und wann ist es unwürdig, *Leben* genannt zu werden. Ich weiss nur- ich würde nicht in diese Situation kommen mögen.

Weder als Betroffene, weder als Angehörige. Glaubt man an Wunder? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass nach Jahrzehnten im Wachkoma es *schwups* macht und alles ist wieder gut? Was bedeutet ein aufwachen? Wenn man schon gar nicht weiss, wie es im Wachkoma ist?

Viele Fragen, wohl keine rechte Antwort möglich.....

Gruss

Mom

von momfor4 - am 31.03.2005 23:26
Hypa - ich sehe das genauso wie du. Der Mann hat längst eine andere Beziehung und 2 Kinder - die Eltern tun mir unendlich leid.

von Andrea U. - am 01.04.2005 07:47
Hi Leute

offenbar hat das gleiche Gericht, das die Beendigung der Ernährung beschloss, NICHT beschlossen, vorher noch mal das Gehirn der Patientin mit neuen bildgebenden Verfahren zu untersuchen, obwohl das vorgeschlagen worden ist. Und das, nachdem sich angeblich - so berichtet es die österreichische Gesellschaft für Neuro-Rehabilitation- in den letzten Monaten der Zustand verändert, möglicherweise sogar verbessert habe. Es habe mehr Mimik gegeben, sogar Artikulationsversuche- natürlich kann man das als Fernsehzuschauer nicht beurteilen, aber zu denken gibt es mir doch. Warum war es nicht möglich, vorher noch mal ganz gründlich zu prüfen, ob diese Beobachtungen vielleicht doch stimmen? Was wäre daran schlecht gewesen? Dass die arme Frau noch zwei Wochen länger im Wachkoma verblieben wäre, ja, aber darüber hinaus? Die Kosten der Untersuchung oder was?

Also ich verstehe das nicht, wie ein Gericht so was beschließen kann, wenn es noch offene Fragen gibt. Wirklich nicht.

Das war keine Sterbehilfe. Das war Verhungernlassen, und es ist unethisch.

Es ist immer noch nicht sicher, ob Wachkoma-Patienten wirklich ein totes Gehirn haben. Immer wieder berichten Angehörige, sie sähen Reaktionen auf Umweltreize. Manche berichten sogar von Lächeln bei lustigen Erzählungen im Krankenzimmer....Sind das alles Einbildungen? Reden sie sich das ein, weil sie der Wahrheit nicht in s Gesicht sehen wollen, dass ihr Angehöriger gegangen ist und nicht mehr zurückkommt?

Was ist, wenn diese Beobachtungen doch stimmen? Dann war der Tod Schiavos ein geplanter Mord.

Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 13:47
Nicht zu vergessen, dass der *treusorgende* Ehemann schon 1 Mio. Schadensersatz wegen Ärztefusch kassiert hat. Geld, dass Terri zugestanden hat, weil sie die Geschädigte ist.
Wer weiss, wieviel dieser Ehemann jetzt noch aus einer Lebensversicherung kassiert.

Ich hoffe, dass sich bei der Obduktion herausstellt, dass das Gehirn nicht so schwer geschädigt war, wie angenommen. Dann sollten die Eltern auf Mord klagen und bei Mord zahlt die Lebensversicherung nicht.

hypa



von hypa - am 01.04.2005 15:00
Hallo Petra

Ich stimme Dir und allen anderen zu,nur wer darf über Tot oder Leben entscheiden?Der Patient,der Angehörige,ein Gericht,der behandelde Arzt?
Eigentlich;rein Ethisch gesehen,niemand!!

Nimm mal einen Patienten der 45jahre alt ist und einen der 70 Jahre alt ist beide haben eine schwere (evtl) tödliche endende Erkrankung,beide sind noch recht fit,plötzlich werde beide intensivpflichtig,es steht aber nur 1 Intensivbett zur Verfügung,was glaubst Du/ihr welcher bekommt das Bett und nur dieses Bett rettet ein Leben??

Der 40jährige bekommt das Bett,der 70jährige???
Wo bitte beginnt Ethik?
Wer setzt die Grenze?
Niemand!

Es ist wiederlich auf diese Art(Verhungern-Verdursten)um zu kommen,aber leider passiert das viel zu oft und dieser Fall wurde öffentlich,alle anderen verlaufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit!

bäumchen

von bäumchen - am 01.04.2005 15:14
Hallo Bäumchen

mag sein, aber den Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht.

Wenn ich zwei Ertrinkende sehe und nur einen retten kann, weil alles zu schnell geht, dann ist das keine Frage der Ethik, sondern ein tragischer Fall (und eine Folge meiner Unsportlichkeit, möglicherweise- meine körperliche Verfassung langt nicht für Rettungsschwimmer-Leistungen aus, und daran wiederum bin ich selbst schuld, aber das ist eine zu weit führende Frage, oder?). Vermutlich entscheide ich da auch nicht nach langwierigen Überlegungen, welchem von beiden ich die Hand reiche- sonst sind sie beide untergegangen- sondern rette den, der näher dran ist. Der andere macht mir dann zwar Gewissensbisse auf Jahre hinaus, aber im Grunde genommen kann ich dann nichts dafür. Ich hatte keine Zeit, ethische Fragen zu diskutieren.
Was hat das mit dem Fall Schiavo zu tun? Hier ging es ja nicht darum, dass ihre Magensonde für einen mit besseren Heilungs-Chancen gebraucht wurde.

Viele Grüße
Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 16:14
Hallo Hypa

jetzt hast du Rachegedanken....

ich würde nicht gezielt "hoffen", dass sich so was bei der Obduktion rausstellt, damit man dem Ehemann eins auswischen kann. Das einzige, was ich mir davon erhoffen würde, ist, dass man weitere Fälle dieser Art noch genauer und verantwortungsbewußter prüft als bisher, bevor man sich entschließt, den Patienten austrocknen zu lassen.

Liebe Grüße
Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 16:16

Ein Kommentar aus Wien

[www.wachkoma.at]

ich finde es lesenswert

Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 17:07
Da hast du recht *schämrotwerd*.

Ziehe die letzte Aussage von mir hiermit zurück und ersetze sie durch Deinen letzten Satz *schnief*

LG hypa



von hypa - am 01.04.2005 17:42
He , Hypa,

kannst wieder deine normale farbe annehmen *lächel*

was meinste, was ich immer so an Rachegelüsten in mir pflege *pfuiaberauch*

insofern kann ich mich hier nicht darstellen, als sei ich *heiliger* als du...

Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 17:47
*Hapüh*, dann kann ich ja aufatmen.

Bei manchen Themen gehen mir jedoch einfach die Pferde durch . So ein fieser Möpp von Ehemann aber auch *grrrr*

LG hypa



von hypa - am 01.04.2005 18:09
Hallo hypa,

du hast sicher Recht damit, dass Eltern alles nur erdenklich Mögliche für ihr Kind tun würden - das geht mir ganz genauso, und im Fall von Terri Schiavo hätte ich vermutlich genauso wie sie gehandelt. Allerdings ist es trotz allem für alle Beteiligten schwierig, damit umzugehen, dass ein lieber Mesch im Wachkoma liegt. Ständig zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit hin- und herzuschwanken - das stelle ich mir furchtbar vor. Und vielleicht kommt man auch als Eltern irgendwann an den Punkt, an dem man sagt, es ist besser, ein Kind gehen zu lassen (der in diesem Fall ja noch nicht erreicht war).

Dem Mann von Terri Schiavo unterstelle ich im Übrigen keine bösen Absichten - ihm wurde, laut Bericht im "stern" (übrigens ein ausgesprochen lesenswerter Artikel über Wachkomapatienten, der meiner Ansicht nach nicht Partei ergreift), 1 Mio. Dollar angeboten, wenn er seine Frau nicht sterben lässt. George Bush, der sich für Terri Schiavos Leben eingesetzt hat, hat lt. diesem Artikel als Gouverneur von Texas übrigens ein Gesetz erlassen, der es Ärzten erlaubt, nicht zahlungsfähigen schwerkranken Patienten die lebenserhaltenden Systeme abzustellen. So viel zur Doppelmoral in den USA.

Liebe Grüße

Simone

von Apfelsine - am 01.04.2005 18:18
Hm,
das Geld vom Schadensersatz ist letztlich bereits für die Pflege verbraucht worden.
Und wenn es ihm nur ums Geld gegangen wäre, hätte er doch genausogut die Million Dollar annehmen können, die ihm die Abschaltgegner geboten haben.

Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache:

Wenn sie nichts mehr gepürt hat, war es egal.
Wenn doch, dann war das ein Leben, das man einem Hund nicht zumuten würde, warum also einem Menschen?
15 Jahre innere Dunkel- und Einzelhaft.
Ein Tier würde man davon erlösen, ein Mensch muss weiterleben?

Doch, ich verstehe auch die Eltern, die sich verzweifelt an die Hoffnung klammern, aber Wunder geschehen nur sehr sehr selten.

Nachdenkliche Grüße

Michaela

von Michaela# - am 01.04.2005 18:48
Hallo Michaela

das ist es ja eben. Es ist offensichtlich, wenn ich recht informiert bin, nicht endgültig geklärt, was Wachkoma-Patienten mitkriegen. Manchen Beobachtungen zufolge nehmen sie mehr wahr, als man zu sehen meint. Nach Jahren wiedererwachte Wachkoma-Patienten sollen berichtet haben, dass sie sogar gesprochene Dinge verstanden hatten. Ob das auf Täuschungen beruht, weiß ich natürlich nicht, aber wenn es ernstzunehmende Berichte dieser Art gibt, sollte man denen besser nachgehen, bevor man Wachkoma-Patienten verhungern lässt! Ferner erkennen sie *möglicherweise* ihre Angehörigen. Körperliche Reaktionen auf ihnen angenehme und unangenehme Situationen (ausserhalb des Krankenhauses) sind jedenfalls hinreichend durch Beobachtungen der Pflegekräfte belegt. Das finde ich wichtig! Auch bei Terri Schiavo gibt es wohl Mediziner- Meinungen, die es zumindest möglich erscheinen lassen, dass sie eben NICHT nichts mehr mitkriegt.

Keiner will abstreiten, dass es eine furchtbare Situation sein kann, im Wachkoma oder in irgendeiner anderen schweren Krankheitssituation zu sein. Aber sie alle als lebensmüde zu betrachten, ohne dafür wenigstens halbwegs vernünftige Anhaltspunkte zu haben, erscheint mir gewagt.

Und Menschen sind eben doch keine Tiere. Und Terri Schiavo hat gelebt, sie ist nicht durch Maschinen am Leben gehalten worden, wenn die Artikel wahr sind, die ich gelesen habe- von der künstlichen Ernährung abgesehen.

Keiner will jemanden sich unnötig quälen lassen. Aber wie oft hängen Menschen dann doch - vorherigen Absichtserklärungen zum Trotz- trotz schwerer Krankheit an ihrem Restchen Leben? An dem, was sie vorher noch als unwürdig bezeichnet hätten? So lange wir gesund sind- wissen wir da wirklich, wie wertvoll uns das Leben auch noch in Krankheit sein kann? Ich für meinen Teil wäre mir da nicht ganz sicher. Und wer will ihnen das Recht, sich dann doch ans Leben zu klammern, absprechen? Der Wille zum Überleben ist eine Art Grundbedürfnis, etwa so wie Kontakt zu Mitmenschen haben oder Kinder bekommen...
Ich frage mcih, ob sie manchmal auch diese Zeit, in der sie krank liegen und doch nicht sterben, noch brauchen, um für sich selbst noch Dinge zu klären und mit dem Leben abzuschließen...(ja, okay, jetzt spekuliere ich auch, ich gebe es ja zu...aber ich halte diese Idee nicht für so abwegig, und das ist auch der Grund, warum ich meine, dass Ärzte einem Schwerkranken die Wahrheit über seinen Zustand sagen sollten. Manchmal hält man es ja für "gnädiger", ihm noch einzureden, es sei alles halb so schlimm...)
Das Sterben ist ja nicht rückgängig zu machen. Es ist so eine endgültige Entscheidung. Und deshalb finde ich, sollte man äußerst vorsichtig damit umgehen.

Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 19:22

Die Geschichte von Marie R.

...geschrieben von ihrem Vater

[www.die-tagespost.de]

Gruß
Petra

von Petra F. - am 01.04.2005 19:26
HALLO HYPA
ICH HABE NICHT ALLE KOMMENTARE LESEN KÖNNEN, MÖCHTE DICH NUR WISSEN LASSEN, DASS ICH AUCH VOLL ENTSETZT BIN ÜBER DIESE AKTIVE STERBEHILFE!

ICH HABE MICH SEHR GRÜNDLICH MIT DIESEN THEMEN KOMA UND WACHKOMA AUSEINANDER GESETZT.

MEIN VATER LAG NACH EINEM SEHR SCHWEREN HERZINFARKT IM KOMA, DANN WACHKOMA, UND ERWACHTE AUCH NIE MEHR GANZ.

WIR WOHNEN IN DER SCHWEIZ, UND DA IST ES ÜBLICH, DASS DIE ÄRZTE GEGEN DEN WILLEN DER ANGEHÖRIGEN ENTSCHEIDUNGEN AUSFÜHREN KÖNNEN.

SO WURDE DANN IN DER PALLIATIV(STERBEABTEILUNG) NACH WENIGEN TAGEN NACH DEM VORFALL(!) DIE KÜNSTLICHE ERNÄHRUNG UND LANGSAM AUCH DIE FLÜSSIGKEIT ABGESETZT.
ER SEI NICHT MEHR LEBENSWERT, HIRNTOT, WAR DIE DIAGNOSE.
IN DIE PALLIATIV KAM ER AUCH OHNE UNSER WISSEN.

WIR WEHRTEN UNS, DENN VATER MACHTE SEHR DEUTLICHE ZEICHEN DES LEBEN WOLLENS , WAS DIE ÄRZTE BEI IHREN 2-MIN. VISITEN NIEMALS BEMERKEN KONNTEN (WOLLTEN) . Z.B. KANN EIN WACHKOMAPATIENT ERST NACH EINIGEN MIN. AUF ETWAS REAGIEREN. ALSO SIE SIND KEINESFALLS HIRNTOT!!!

LEIDER INTEWENIERTEN WIR ERFOLGLOS. MEINE MUTTER LIESS IHN SO SCHNELL ALS MÖGLICH IN EIN ANDERES KRANKENHAUS ÜBERWEISEN, DAS UNSERE UND AUCH VATERS WÜNSCHE RESPEKTIERTEN. ER SAH SCHON WIE EINE LEICHE AUS.

DAS WAR DIE BESTE ENTSCHEIDUNG, VATER ERHOLTE SICH GUT, UND ER KONNTE SOGAR IN EINER REHA KLINIK THERAPIERT WERDEN, IMMER NOCH IM WACHKOMA. ER MACHTE FORTSCHRITTE, AÜSSERTE SICH MANCHMAL, ETC.

ICH BEMERKTE, DASS DIE ALLERWENIGSTEN ÄRZTE SICH WIRKLICH MIT DIESER THEMATIK AUSKENNEN, ICH WUSSTE MEHR BESCHEID ALS SIE!

UND GENAU HIER LIEGT DIE TRAGIK, DAS GROSSE PALAVER ÜBER ETHIK TÖNT VIELLEICHT GUT, ABER WER BEOBACHTET ÜBER WOCHEN STUNDENLANG AM TAG EINEN LIEBEN ANGEHÖRIGEN, DER ZWAR NICHT MEHR AKTIV AM LEBEN TEILNEHMEN KANN, ABER SICH DENNOCH VERSÄNDIGEN WILL, MIT VIEL FEINGEFÜHL?

ICH HABE VIEL NUTZEN GEZOGEN AUS DER VEREINIGUNG FRAGIL SUISSE , DIE SICH FÜR HIRNVERLETZTE MENSCHEN EINSETZT
AUCH GIBTS EIN INTERESSANTES BUCH "SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE", WO EIN WACHKOMA-PATIENT MIT EINEM EINFACHEN JA-NEIN CODE SEINER SEKRETÄRIN SEINE EGEDANKEN MITTEILT .

ES IST WIRKLICH EINE SCHANDE, UND MIT NICHTS ZU ENTSCHULDIGEN, DASS DIESE KOMAPATIENTIN ERMORDET WURDE.
ALLE, DIE DIESEM VORFALL WENN UND ABERS HINZUFÜGEN, WÄRE ES GUT FÜR EINEN TAG INS WACHKOMA FALLEN ZULASSEN, DAMIT SIE FÜHLEN KÖNNTEN, DASS MAN IMMER NOCH LEBT, WIE AUCH IMMER, ABER MAN LEBT!!!!
UND MÖCHTE NICHT GETRENNT WERDEN VON SEINEN KINDERN, EHEPARTNER, ELTERN...

ICH BIN FROH, DASS DIESES THEMA UM DEN ERDBALL GING, VIELLEICHT ÜBERDENKT DER EINE ODER ANDERE SEINE PATIENTENVERFÜGUNG.

von gia 2 - am 01.04.2005 19:29
Hallo gia

Ich bin sehr froh über Deinen Beitrag. Beweist er doch, dass Wachkomapatienten mehr mitbekommen, als so mancher ahnt.
Ich stelle es mir furchtbar vor, geistig gefangen zu sein und mich nicht äussern zu können. Und dann noch mitzubekommen, dass in meinem Beisein mein Tod beschlossen wird und ich mich nicht wehren kann - grauenvoll!

Ganz zu schweigen, von der Art des Todes. Zu verdursten stelle ich mir neben ertrinken als schlimmstes sterben vor.

hypa



von hypa - am 01.04.2005 21:34
A propos Gia,

sie hat vergessen anzufügen, dass der Autor des Buches 2 Jahre nach dem Unfall verstorben ist..., das Buch endet mit dem Hinweis,dass er das passende Geldstück sucht, um seine Freiheit wiederzubekommen und zu dem Schluss kommt, dass sie auf der anderen Seite zu suchen ist...Und er beschliesst, dorthin zu gehen!...Die Frage, wie er dorthin geht, bleibt in dem Buch offen, Fact ist, dass die Aufzeichnungen zu dem Buch ca 2 Jahre gedauert haben und er danach verstorben ist, ohne sein Buch zu lesen.

Einige Wochen, 2 Jahre oder 15 Jahre....das kann nur jemand nachfühlen, der hautnah dabei war..., also hüte ich mich vor Verurteilungen!

Ob man nun Apparate abschaltet, die den Patienten ersticken lassen, die künstliche Ernährung abstellt und den Patienten verhungern lassen, alle Methoden erscheinen gleich grausam für den, der nicht loslassen kann....!Wenn noch nicht mal soweit das vegetative Nervensystem mehr funktioniert, dass man selbstständig schlucken oder atmen oder auch nur ein Augenlid bewegen kann..., was ist das für ein Leben???

Ist es überhaupt noch eines? Oder ist es nur noch die Aufrechterhaltung diverser Funktionen und Reflexe?

Elternliebe..., was ist das? Ist es nicht manchmal ein am Leben erhalten der Eltern durch die Kinder? Deren einziges Ziel ist, dieses Kind am Leben zu erhalten, auch wenn alle Prognosen dagegen sprechen, dass das Kind nie wieder aufwachen wird? Weil mit dessen Tod ihnen das einzige Ziel geraubt wird, das sie die letzten 15 Jahre verfolgten? Spätestens in der Pubertät muss man loslassen lernen, so schmerzhaft es auch ist, manchmal muss man auch den Tod eines Kindes akzeptieren!

Das geschieht heute mehr als häufig durch schwere Krankheiten, Krebs oder anderes. Auch hier wäre es oftmals möglich ein Kind "vegetarisch" im Sinne von Maschinenbetrieben länger am Leben zu erhalten...
Für mich bedeutet eine gesunde Elternliebe dies, dass ich notfalls auch die Kraft dazu aufbringen muss, mein Kind gehen zu lassen, wenn definitiv keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht, bzw. nur noch der Tod auf ein früher oder später wartet....erwartende Behinderungen sind hier ausgeschlossen, selbstverständlich habe ich auch lieber ein behindertes, aber lebendes Kind, als dieses nicht mehr!
Aber im Ernst, wo gibt es einen Fall, der 15 Jahre Wachkoma überstanden hat?

Und, überfordert Ihr hier nicht auch die Ärzte ein wenig?
Leben um jeden Preis, der ärtzliche Eid etc.? Auch die Wissenschaft weiss noch immer nicht alles!
Wir können uns nur auf die bisherigen Erfahrungen stützen, die Frage ist, wo ist die Grenze für den Einzelnen?

Leben ja, auch unter minimalsten Bedingungen, vegetieren nein!
Ich habe einige Menschen im Koma erlebt, und war auch bei vielen im Sterben dabei, hier kann sich oft nochmal ein kurzes , wirkliches Bewusstsein äussern. Es ist aber eher im Sinne von Erleichterung, Aktzeptanz des eigenen Todes, oftmals Freude, gehen zu dürfen..., denn viele halten der Angehörigen wegen mehr aus, leiden länger, weil die Angehörigen nicht bereit sind, sie gehen zu lassen!

In diesem Sinne erscheint es mir eigentlich wie ein Hohn, dass der Papst, der letzthin auch noch sich gegen die aktive oder passive Sterbehilfe bei Terry eingesetzt hat, keine Spitalbehandlung wünschte, auch keine lebensverlängernden Maschinerien..., die ihn unweigerlich noch einige Zeit am Leben hätten erhalten können...! Nein, er möchte in Würde sterben...., ohne Maschinen, sondern nach Gottes Wille abberufen werden...

Seine Atembeschwerden...künstliche Beatmung...
Blutvergiftung....notfalls Dialyse...!
das Herz? Herzt-Kreislaufmaschine...

Man hätte mit Sicherheit seinen Tod noch eine Weile hinauszögern können...

Er aber nimmt für sich in Anspruch, was er anderen untersagt...,nämlich eine rein lebensverlängernde Massnahme, die kein Leben mehr gewährleistet, sondern nur noch ein dahinvegetieren verspricht ..aber er hatte ja auch das Glück, mit anderen Leiden als Terri gesegnet worden zu sein, die ihn zwar mühsam, aber dennoch am Leben teilnehmen lassen konnten...!

So, nun mögt Ihr mich nicht nur vierteilen,sondern vielleicht sogar schlachten, aber das musste nun endlich raus...!

Viele Grüsse, Chris G

von Chris G - am 02.04.2005 23:36
Hallo Chris

Hier wird niemand wegen seiner Meinung *gevierteilt*;-))

Du hast da einige sehr gute Argumente gebracht, jedoch den Altersunterschied vom Papst zu Terri übersehen. Dieser Mann hat sein Leben gelebt und die biologosche Uhr war abgelaufen. Ausserdem hat Terri keine HLM zum Leben benötigt. Sie hat allein und spontan geatmet.

Warum hat man sie denn dann damals überhaupt wiederbelebt?

Jeder gute Mediziner weiss doch, dass das Gehirn nach wenigen Minuten ohne Sauserstoff irreparable Schäden bekommt. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann muss ich auch zu ihr stehen. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Ein Mensch ist doch kein Versuchskaninchen.
Der Aspekt des Loslassen könnens ist meines Erachtens hier auch nicht gegeben. Die Eltern, das Pflegepersonal und auch behandelnde Therapeuten haben bei Terri durchaus eine Verbesserung ihres Zustandes und damit verbundene Reaktionen bemerkt. Allein dies sollte Grund genug sein, die Hoffnung nicht aufzugeben und weiter zu machen.

Es gibt genügend lebende Beispiele, wo dieser Einsatz durch Aufwachen des Patienten belohnt worden ist.
Auch ist das Krankheitsbild von Terri nicht vergleichbar mit einem Patienten, der unheilbar krank ist und dessen Tod nicht mehr abzuwenden ist sondern nur noch herausgezögert werden kann.

Ganz nebenbei bemerkt - ein Patient, der mittels einer HLM am Leben gehalten wird, bekommt das Abschalten nicht mehr mit. Er wird ja nicht umsonst künstlich beatmet. Weil sein Gehirn so geschädigt ist, dass eine Spontanatmung nicht mehr möglich ist.
Ich habe derartige Fälle zu meiner OP-Zeit häufig erlebt. So hart es jetzt klingt, jedoch diese Patienten wurden nur noch deswegen durch eine HLM am Leben gehalten, bis die Einverständniserklärung zur Organentnahme da war.
Auch auf der Intensivstation habe ich Patienten in einem solchen Zustand gepflegt. Wenn die Maschine abgestellt wird passiert überhaupt nichts gravierendes. Dieser arme Mensch kämpft nicht und schnappt auch nicht wie ein Erstickender nach Luft. Das ist eine völlig falsche Meinung. Dieses Prozerdere ist innert weniger Sekunden vorbei.
Dieses Glück hatte Terri nicht.
Versuch Du doch einmal 13 Tage ohne Flüssigkeit auszukommen. Du schaffst das nicht mal 2 Tage. Und diese 2 Tage sind dann schon eine Qual.

Solange das Wachkoma nicht genügend erforscht ist und klare Erkenntnisse vorliegen, inwieweit ein solcher Patient etwas mitbekommt, sollte man sehr vorsichtig in seinem Handeln sein.
Ich bin nicht so vermessen zu behaupten dass ich weiss, was ein anderer Mensch will, möchte und was gut für ihn ist. Das allein weiss nur der Betroffene selbst.

hypa



von hypa - am 03.04.2005 10:56
Hallo Hypa!

Wo ich in dieser Diskussion selbst stehe, weiß ich nicht ganz exakt.
Irgendwie bin ich hin- und hergerissen zwischen leben- und sterbenlassen.

Vorhin kam auf Phoenix eine sehr interessante Diskussion zu dem Sterben von Terry Schiavo.

Was mich am Meisten beeindruckte war, dass es erst seit 20 Jahren überhaupt die Möglichkeit gibt, Komapatienten mittels Magensonde künstlich zu ernähren.
Vorher starben sie, weil ihnen die Nahrung fehlte.

Die Argumentation ging auch dahin, dass Menschen, die an Altersschwäche oder Demenz sterben, nicht eigentlich an ihrer Krankheit sterben, sondern weil sie schlichtweg vergessen zu essen oder zu trinken, und der Körper immer weiter "runterfährt".
Dasselbe wird auch bei Krebspatienten beobachtet, die (mit Bewusstsein) im Endstadium sind.
So, wie Heidi es oben bereits schrieb.

Das Fazit der Sendung war m.E., dass medizinischer Fortschritt sicher in vieler Hinsicht ein Segen ist, aber dass man nicht das (Un)Mögliche tun sollte, nur weil es eben machbar ist.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 03.04.2005 13:39
Hallo Hypa,

ich bin lange genug hier dabei, um zu wissen, dass man durchaus mal wegen seiner Meinung gevierteilt werden kann...;-)

Deswegen überrascht es mich sehr positiv, dass keiner mich hier schlachten will, denn ich bin mir bewusst, dass ich teilweise sehr provokativ geschrieben habe!

Du bringst auch sehr gute Argumente, aber ich muss dennoch korrigieren:
> Du hast da einige sehr gute Argumente gebracht, jedoch den >Altersunterschied vom Papst zu Terri übersehen. Dieser Mann >hat sein Leben gelebt und die biologosche Uhr war abgelaufen.

Das habe ich nicht übersehen, sondern berücksichtigt, und zwar hier:

aber er hatte ja auch das Glück, mit anderen Leiden als Terri gesegnet worden zu sein, die ihn zwar mühsam, aber dennoch am Leben teilnehmen lassen konnten...!

Ein anderer Aspekt:
(wir haben offenbar diesselbe Berufserfahrung)

Dann wirst Du sicher wissen, dass bei Hirnkomapatienten willkürlich verschiedene Bereiche vom völligen Hirntod betroffen sind, das erklärt auch den Unterschied, warum manche HLM-Patienten einfach einschlafen, nachdem die Maschinerie abgeschaltet wurde, andere aber teilweise noch Minutenlang oder tagelang kämpfen, so zumindest habe ich es in Einzelfällen erlebt!

Der grosse Unbekannte ist hier das Gehirn, welche Bereiche sind vom Hirntod betroffen, welche nicht? Manchmal sind nur vegetative Bereiche betroffen, da kann man mit Apparaten aushelfen, aber im Grossen und Ganzen besteht nach langjährigem Wachkoma keine Chance mehr, jemals wieder daraus aufzuwachen und Anschluss ans Leben zu finden!
Wenn es passiert, dann innerhalb einiger Jahre, ohne jetzt wissenschaftliche Nachweise dafür liefern zu können, würde ich jetzt aus dem Stehgreif sagen, wenn ein Aufwachen erfolgt, dann innert 5 Jahre. Alles andere ist vergebene Hoffnung.

Und die nichtreparablen Schäden mal ausgeschlossen!Und die Entscheidung darüber, ob jemand damit so weiterleben will oder nicht...!

Nichtsdestotrotz, mein Beitrag sollte den von Gia nicht absolut verurteilen, denn hier gehe ich mit ihr einig, solange ein Lebenswille des Betroffenen zu erkennen ist, egal auf welche Weise weiterleben zu können, sollte und muss man dies respektieren, auch wenn man selbst weiss, es ist nur eine Verzögerung der Tatsache, des Todes....!

Es gibt auch Menschen, die nicht loslassen können, für die ist die moderen Technik da, die lebensverlängernd wirken kann!

Grundsätzlich ist für mich der Wunsch des Patienten zu respektieren und ich weiss, dass ich vermutlich irgendwann damit auch zwischen 2 Fronten geraten werde, denn mein Vater, der bisher allen Prognosen und Krankkeiten widerstand, ist auch nicht unsterblich. Auch er hat aufgrund seiner Erfahrung, dass er mittlerweile dem Tod schon so einige Male von der Schippe sprang, den unglaublichen Ehrgeiz, 100 zu werden..,ob er das erreicht...? Und wenn ja, wie?

Und trotzdem, wer will entscheiden, was richtig ist? Einen Menschen, mit welchen Mitteln auch immer nur am vegetativen Leben zu erhalten....Wer will darüber entscheiden, ob dies noch Leben ist?
Wer will darüber entscheiden, ob derjenige damit zufrieden ist? Oder nicht lieber tot wäre?

Einig bin ich mit manchen Meinungen, die verurteilen, dass nach 4 Wochen Wachkoma von welcher Seite auch immer , entschieden wird, welche Apparate auch immer abzuschalten...

Aber nach 15 Jahren???
Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber manchmal muss man sich eben auch damit auseinandersetzen, dass die Hoffnung umsonst war! Dass mit dem Sterben lassen, auf welche Art und Weise auch immer, die ich auch selbst persönlich oft als grausam empfinde, nicht nur manchmal das kleinere Übel gewählt wird, sondern einem Menschen Leid und Schmerzen erspart wird.

Und all diejenigen, die galuben, terri bekam von der Umwelt noch was mit...., können sie mit Sicherheit sagen, sie hatte keine fürchterliche Schmerzen irgendwo, musste leiden?

Wie das feststellen, wenn sich jemand nicht mehr dazu äussern kann und sich mitteilen?

Wo beginnt der Zwang zum Leben um jeden Preis, wo beginnt die Erlösung von einem nicht mehr selbstbestimmbarem Leben?

Viele Grüsse, Chris G

von Chris G - am 04.04.2005 00:27
Hallo Angelika,

die Magensonde gibt es schon länger!!!!

Schon während meiner Ausbildung zur Krankenschwester
(1969 - 72) wurden Komapatienten über Magensonden ernährt!

Nach einigen Wochen wurde in der Regel die Magensonde durch die Nase wegen Dekubitusgefahr entfernt und einen direkten Zugang durch die Bauchdecke gewählt. Das nannte man "Witzel Fistel"!

Sondennahrung ist eine Erfindung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. In den 60er Jahren entwickelte die Firma Pfrimmer gemeinsam mit der NASA die sogenannte Astronautennahrung. Sie wurde nicht nur im Weltall, sondern auch auf der Erde angewendet. Diese Form der Nahrungszusammensetzung war ein Meilenstein in der Entwicklung der enteralen Ernährung. Dem Patienten konnten nun speziell aufeinander abgestimmte Flüssigkeiten auf künstlichem Wege zugeführt werden. Seitdem schreitet die technische Entwicklung und die Anwendung dieser Technik stetig voran.

Das Legen von sondenähnlichen Gebilden reicht jedoch weit zurück, bis ins 12.Jhd. Diese Methoden waren allerdings sehr schmerzhaft und fanden nicht oft Anwendung. So verwendete z.B. im 12. Jhd. ein arabischer Arzt eine Silberkanüle, um einen an Speiseröhrenkrebs erkrankten Patienten zu ernähren. Die Entwicklung machte Fortschritte, im 16. Jhd. verwendete man Leder, im 19.Jhd. Gummi. 1891 gelang es erstmals einem Chirurgen namens Witzel eine Sonde in den Magen zu legen. Die Methode nannte sich Witzel-Fistel. In den 50ziger Jahren kam es durch die Verbesserung in der Kunststoffindustrie zu einem Durchbruch in der Sondenqualität. Die Sonden wurden weicher und konnten länger im Magen liegen bleiben. Seit 1980 werden in Deutschland weit mehr als 180.000 PEG-Sonden pro Jahr gelegt.

Das nur zur Information! Wie du siehst, recherchierte der Sender wieder zu wenig!

Herzlichen Gruß

Heidi

von HeidiS - am 04.04.2005 06:25
Auch zehn Jahre nach dieser Diskusion und unzählige nachfolgende bleibt es Legalisierter Mord!

von Kritiker2 - am 24.06.2015 10:17
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