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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
sternenblitz, 1997, Badmad, Siggi_O, Andrea U., Mottensprotte, Friederikev

Ängste + Medikinet: Schlechtes Gewissen

Startbeitrag von sternenblitz am 25.05.2005 11:07

Hallo an alle,

habe nichts "schwerwiegendes" zu melden, "nur" dass mich meine Ängste nun schon seit Wochen behindern. (Darüber habe ich ja schon vor ein paar Tagen berichtet und viele hilfreiche Antworten erhalten.)

Es ist inzwischen echt so, dass ich so gut wie alles, was einen Kontakt nach außen erfordert, ängstlich vor mir her schiebe (Telefonate führen, Briefe schreiben, Rechnungen begleichen etc). Das führt ganz konkret zu Verlust von Aufträgen (bin selbstständig), Verlust von Geld (weil ich z.B. Geld für teure Zeitungsabos bezahlen, obwohl ich die Zeitungen NIE lesen) etc.

Ich weiß, dass es in so einem Fall super wichtig ist, eine To-Do-Liste zu erstellen, Prioritäten zu vergeben und die Dinge abzuarbeiten. Aber ich kann mich einfach nicht aufraffen, diese Liste zu erstellen (weil ich mich dann ja meinen Problemen stellen müsste).

Heute muss ich auch unbedingt noch rausgehen, um etwas wichtiges zu erledigen (was, wenn ich es nicht tue, wieder den Verlust von Geld bedeutet). Aber ich habe schon wieder GAR KEINE Lust, stelle mir das unangenehm vor.

Mhmm, allerdings habe ich heute auch weder mein AD noch Medikinet genommen. Vielleicht sollte ich mich also gar nicht wundern, dass ich antriebslos, lustlos und ängstlich bin?

Tja, ich denke halt JEDEN Tag aufs neue: "Es geht bestimmt auch ohne Medikinet."

Ich habe wirklich immer ein schlechtes GEWISSEN, wenn ich Medikinet einnehme. Es kommt mir immer vor, als würde ich mich verbotenerweise hochputschen.

Daher nehme ich es nur, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Die Folge dieser unregelmäßigen Einnahme ist dann, das meine Selbstständigkeit schon seit einem halben Jahr in der Entwicklung stagniert und sogar sich nach unten entwickelt, was Existenzprobleme mit sich bringt. (Ich nage echt am Hungertuch.)

Was sagt Ihr zu meinem schlechten Gewissen bzgl. Medikinet?

Ich hatte das mit meinem Arzt schon mal besprochen, aber das schlechte Gewissen bleibt.

Es ist mir z.B. auch peinlich, wenn ich wieder in die Praxis muss, weil eine Schachtel Medikinet leer ist. (Obwohl das in der Praxis absolut niemand beanstandet.) Wenn man teilweise 3 Medikinet täglich nimmt und eine Schachtel 50 Stück enthält, geht das ja relativ schnell.

Also versuche ich mit den Tabletten zu haushalten, mit den obigen Konsequenzen.

So, ich werd jetzt mal schön brav meine Pillen schlucken. Meisten kriege ich schon bei den Einnnahme einen Motivationsschub.

Gruß

Sternenblitz

Antworten:

Hallo Sternenblitz,

ich gebe Dir jetzt mal einen netten, aber deutlichen Tritt in Deinen Allerwertesten! Nimm Dein Medikament nach Anweisung Deines Arztes und hör mit dem Auslassen auf!!!

Wenn Du ein schlechtes Gewissen hast, dann empfehle ich Dir, Dich besser über ADS zu informieren und das Thema mit Deinem Therapeuten zu besprechen (ich hoffe, Du hast einen).

Ich finde auch, dass Du dankbar sein solltest, dass Du schon eine Diagnose hast und Medikinet bekommst! Viele Menschen rennen Jahre und Jahrzehnte durch die Welt auf der Suche nach einer Antwort und wären sehr froh, wenn sie Ihre Diagnose und Behandlung früher bekommen hätten.

Ich wolltes es auch immer jahrelang ohne Medis schaffen, wollte nie Antidepressiva o.ä. nehmen. Ich meinte auch immer, dass man es ohne schaffen kann. Aber das ist manchmal einfach Unsinn, insbesondere bei ADS. Ich bin noch im Diagnoseverfahren und hoffe, dass ich bald medikamentös behandelt werde, denn MPH schlägt bei mir gut an. Es ist ein ganz anderes inneres erleben und miteinander mit meinen Mitmenschen.

Wenn Du Dir die Grundlage einer Besserung, einer Existenz selbst (durch weglassen der Medis) versaust, wäre DAS ein ziemlich guter Grund, um ein schlechtes Gewissen zu haben.

Nicht böse sein, aber vielleicht musste ich das so deutlich sagen.

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 25.05.2005 11:47
Hi hi, Danke für Deinen Tritt in den Allerwertesten. ;-)

Besonders gut gefallen hat mir der Satz: "Wenn Du Dir die Grundlage einer Besserung, einer Existenz selbst (durch weglassen der Medis) versaust, wäre DAS ein ziemlich guter Grund, um ein schlechtes Gewissen zu haben."

Da ist echt was wahres dran.

So, ich habe mich inzwischen auch aufgerafft. Werde gleich das Haus verlassen.

Hoffe, Dir geht es auch gut, Mottensprotte und hoffe, Du machst Dir angenehme Tage, jetzt da das Wetter so schön ist.

Sternenblitz

von sternenblitz - am 25.05.2005 11:52
Sternenblitz, das hört sich doch schon gut an!!
Hattest Du Erfolg? Sicher doch.. und als nächstes kündigst Du heute noch Dein Zeitschriftenabo.. das geht ratz-fatz! *gg*



von Friederikev - am 25.05.2005 12:28
Hallo Sternenblitz,
ich schreibe dir etwas grummelnd, weil du ja wirklich nicht einen Ratschlag bislang angenommen hast. In der Zeit, in der du hier im Forum schreibst, was du tun müßtest, zu dem du dich aber nicht aufraffen kannst, hättest du diverse Dinge längst erledigen können. Sei mir nicht böse, wenn ich dir das jetzt sehr direkt schreibe: Ich finde, bei dir klingt eine gehörige Portion Selbstmitleid mit. Ich Arme, ich könnte ja... wenn nicht... aber... aber.. und nochmal aber...Du brauchst einen Tritt in den Hintern - und den mit Anlauf! Ich möchte nächstes Mal von dir lesen, daß du Dinge erledigt hast. Und sporadische Tabletteneinnahme..... du müßtest doch wissen, wie absurd das ist. Du bist doch kein Kind mehr, dem man Wasser und Tablette morgens in den Hals schieben muß. Sorry, aber ich denke, so wie bisher kommst du nicht weiter. Wenn du nicht selbst endlich einen Schritt nach vorn machst, werden wir hier im Forum dir keine Hilfe sein. Bestärken können wir dich - und loben, wenn du deine eigene Erfolgsmeldung hier mitteilst. Ich hoffe, daß du dich nun endlich richtig aufraffst!!! Liebe Grüße

von Andrea U. - am 25.05.2005 12:52
Hallo Sternenblitz,

ich kämpfe immer wieder mit Angst, gerade auch am
Arbeitsplatz.

Aber eins habe ich für mich gelernt: Vom Vermeiden ist noch nicht eine Angst weggegangen!

Du musst ja auch nicht alles auf einmal angehen! Mach eins nach
dem anderen.

Wenn Du Angst vor einem Anruf hast, ist das vollkommen legitim. Aber sie wird nicht davon weggehen, wenn Du Dich vor ihm drückst.

Nimm nimm Dir doch für einen Tag oder Vormittag vielleicht nicht mehr als gerade diesen Anruf vor! Aber, dann mach ihn auch!!

Und wenn Dein Vorhaben tatsächlich umgesetzt hast, spricht überhaupt nichts dagegen, Dich dafür auch noch zu belohnen ;-))

Funktioniert bei mir genauso mit einer Todo-Liste. Mal gar nichts
anderes vornehmen als die Liste zu machen....

Übrigens kommt bei mir die Angst meistens dann, wenn ich
den Überblick verloren habe, bin dann wie paralysiert, wie im
Nebel.

MIr gehts dann schon deutlich besser, wenn ich nur hingehe und mir wieder den Überblick (z.B. per Todo-Liste) verschaffe. Die Angst wird bei mir allein durch den besseren Überblick schon weniger...


Viel Glück!

von Siggi_O - am 25.05.2005 14:40
Hallo Sternenblitz,
schreib dir auf deine Todo-Liste als erstes: MEDIS nehmen!!!!
Ich sehe eines deiner größten Probleme wirklich im Weglassen deiner Medikamente.
Kannst du uns mal erklären warum du sie wegläßt????
Außer einem schlechten Gewissen - welches du durch bessere Info bekämpfen kannst - gibt es KEINEN GRUND dafür!!!!
Sei froh, daß du sie hast!!!!
Also Tabletten nehmen und dann auf geht´s.
LG 1997

von 1997 - am 25.05.2005 14:58
Ich denke du solltest mal ADS auch als eine Art "Kurzsichtigkeit " betrachten.Die Medis sind die Brille die du brauchst um alles sehen zu können was außerhalb deines Sichtfeldes passiert.

Denkst du nicht es wäre besser seine "Brille" immer aufzuhaben bevor du jemanden umfährst weil du ihn nicht gesehen hast??

Im schlimmsten Fall fährst du dich selber um!

von Badmad - am 30.05.2005 09:58
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