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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Chaotentruppe, Angelika (TanteGela), FrankR, ClaudiaW, Rosana111

ADS und Hochbegabung?

Startbeitrag von Chaotentruppe am 07.01.2006 00:03

Hallo zusammen,

Ich habe meinen Beitrag kopiert von www.eigen-sinn.homepage.t-online.de

ich möchte mal eure Meinung wissen.

Wir lassen wir unseren 10-jährigen Sohn in der nächsten Woche testen, da uns seine gesamte Problematik total unlogisch erscheint.

Ich hoffe jetzt endlich eine Antwort auf all meine Fragen zu bekommen: (Die Fragen habe ich mir damals nicht gestellt, sondern erst nach der Diagnose ADS ohne hyperaktivität für meinen mittlerern Sohn (8J) (Bei ihm habe ich diese Vermutung hochbegabung nicht! Er hat meiner Meinung nach "nur" ADS (Träumerchen).

Ich dachte unser 10-Jähriger ist einfach nur flott.

Über unserern 10 Jährigen:

1. Mein Kind konnte sehr früh sehr gut sprechen. Warum konnte mein Kind so früh Farben unterscheiden? Warum hat er laute Geräusche gehasst? Andere waren im Klettern gut und er sagte mit 1 1/2 Jahren: "Mama kannst Du mir mal bitte helfen?" Wieso hat er als Baby war immer so viel gefragt? DA-das ist eine Kerze Da-das ist ein Bild-Da-das ist .... den ganzen Tag.

Das ging ganz schön an die Nerven. Ich habe meiner Mama damals echt gesagt ich kann dieses ganze DA-DA-DA nicht mehr hören. Hab´aber ganz brav alles erklärt. Kennt das jemand?

2. Wieso hat sich das Kind plötzlich (nach kleinen Fragen zu Buchstaben) vor der Schule selber lesen beigebracht?

3. Wieso stellt mein Kind Fragen, die ich teilweise nicht beantworten kann?

Zu Sternen, übers Leben etc... Meine Antwort: Frag´ Papa! Ich weiß nicht!

Letzte Tage fragte er als ich mich schminkte: "Sag mal Mama, warum ist das Äußere so wichtig?" Ich: "Weil mir das wichtig ist!" Er "Das kostet doch nur Zeit und Geld!"

Er würde auch mit einem Müllsack zur Schule gehen. Socken? Wofür? Der totale Chaot!

Schulsachen sind meisten weg. Hausaufgaben, Turnbeutel, Jacken werden vergessen. Selbst gemachte Hausaufgaben sind plötzlich nicht auffindbar. Er ist sogar schon ohne Tornister aus dem Haus gegangen!

4. Warum wurde im Kindergarten von zwei unterschiedlichen Gruppenleiterinnen gesagt: "Mit dem stimmt etwas nicht?" Er kann nicht körperübergreifend arbeiten. Zwei Arztbesuche (Kinderarzt und Uni Essen): Ihr Kind ist i.O. Kann zwar nicht gut malen-na und?

5. Warum kam er die ersten drei Schuljahre gut klar? Mit guten Noten?

6. Warum kann er plötzlich Texte nicht abschreiben? Diktat: Wir übten fast nie. Haben wir geübt hat er zuhause 0 Fehler und im gleichen Diktat in der Schule total versagt? Ungeübte Diktate meist fehlerfrei.

Die Lehrerin hat ihn für die Realschule vorgeschlagen. Sie sagte zwar: Sie würde ihn Alles zutrauen und manchmal wundere sie sich über seine "Lichblicke"

Wir meinen er könnte auf ein Gymnasium gehen. Ich denke wir haben keine rosa Brille auf. Wir sind nur total unsicher mit unserer Einschätzung.

Wir haben seit den Weihnachtferien mit der Medikamentengabe (Medikinet) begonnen. Er meint: er könne sich alles viel mehr merken.

Jetzt im Moment(0:30h) kommt er aus dem Bett und fragt mich, was die halbe Tablette mittags soll? Die würde ihm ja gar nix bringen! Die könnte er sich sparen!

Außerdem hat er zu Weihnachten ein
Key-Board bekommen und sich in zwei Tagen mehrere Lieder alleine beigebracht. Mir ist das alles überhaupt nicht logisch.

Bei unserem kleinsten Sohn (4,5J) wurden auch schon Auffälligkeiten festgstellt. Wir wurden durch den integrativen Kindergarten darauf hingewiesen, dass er auch "anders" ist. Seine kognitiven Leistungen wären aber auffällig gut. Er stecke die Schulkinder teilweise in die Tasche.

Bei der begonnenen Ergotherapie sagte die Therapeutin nach einer halben Stunde:
"Machen Sie sich über dieses Kind keine Gedanken!" Der hat nur unheimlich viel im Kopf- und denkt nur einen Schritt weiter.

Im Alltag ist der Kleine eine Kathastrophe. Aber bei Spielen (die nicht seinem Alter entsprechen) verblüfft er uns total und zieht uns Eltern und Geschwister völlig ab.

Zur Info: Ich habe einen sehr strukturierten Alltag (klar bei drei Kindern und Berufstätigkeit) und bin sehr konsequent.

Ich bin ja echt mal gespannt ob wir unsere zwei Kinder total falsch einschätzen.

"Hochbegabung traut man sich ja kaum zu sagen"

Wie Anke Engelke in einem Sketch sagte: Ich glaube unser Torben-Hendrik ist hochbegabt! Die Lehrerin sagt: " Ihr Torben-Henrik ist einfach nur sch.....-blöd!"

So geht es mir im Moment! Ich weiß nicht was ich von meinen Söhnen halten soll und möchte natürlich nur richtige Entscheidungen treffen ;-) Eine total falsche Schule wäre ja wie ein Todesurteil.

Wenn ihr Erfahrungen habt und es vielleicht bei euch ähnlich war, würde ich mich total über eine Antwort freuen.

Liebe Grüße
Anja

Antworten:

Hallo!!

Mein großer ist zwar nicht hochbegabt, aber über durchschnitt intelligent (laut Test einen IQ von 122).

lukas ist heute fast 12 und wir haben die ADS diagnose erst vor einem halben Jahr bekommen. Seit 5 Monaten nehmen wir Ritalin. Seitdem kommt er noch besser klar.

Wir sehen an seinen leistungen in der Schule, was den Kopf betrifft (also geistig) er macht vieles im Vorbeigehen. Englisch (er ist im Bilingualen Schulzweig auf der Realschule) kein Problem. Mathe wird besser. Er konnte sich schlecht an die Rechenwege halten die die Lehrer vorgegeben haben. Sie waren für ihn zu umständlich er geht lieber immer geradeaus, den direkten weg.

Sein Chaos im Ranzen und bei den Heften wird langsam aber allmählich besser. Trotzdem müssen wir fast jede Woche noch ein Radierer kaufen.

In der Motorik hängt er hinterher, das wird jetzt mit Ergotherapie behandelt (vor allem Graphomotorissch).

Das unser Sohn nicht dumm ist war uns eigentlich immer schon klar, naja seit der in den Kiga kam auf jedenfall.
Er war 4 als er alle großen und kleinen Buchstaben erkennen und benennen konnte.
Er liebte damals schon das Alte Griechenland, das antike Rom und das alte Ägypten.
Heute stapeln sich in seinem Zimmer Fachbücher über diese Themen. Sein wissen ist wahnsinn. Mittlerweile hat er seine Fachbereiche erweitert auf das frühe Mittelalter.

TJa was soll ich sagen, gib deinen Kindern den Input den sie verlangen und freue dich , das sie spass am lernen haben.
Du siehst, ihr seid nicht alleine.

Schönes Wochenende wünscht
Claudia

von Rosana111 - am 07.01.2006 08:59
Hallo Anja!

Ich falle jetzt gleich mit der Tür in Haus, nämlich, dass Du momentan wohl nur die negativen Eindrücke schildern kannst!

Unser Fuzzi war fast ebenso wie Dein Sohn.

Er stand mit 18 Monaten zwischen einer Nachbarin und mir, zeigte in den Garten und sagte "Mama, guck mal, da hinten im Garten steht Elke mit der gelben Gießkanne und gießt die Blumen!"

Mit 3 Jahren war er von Computern so fasziniert, dass er nicht abließ bis er wusste, wie man das Windows startet.

Um es bedienen zu können, war das Erkennen von Buchstaben von Vorteil, also hat er sich das Alphabet und die Symbole des PC erfragt.

Lesen konnte er vor der Schule, ein bisschen schreiben auch.

Er hat mich so unglaubliche Dinge gefragt, dass ich ihm irgendwann mal vor lauter Verzweiflung gesagt habe, dass ich kein Lexikon bin.

Daraufhin lernte er, mit einem Lexikon umzugehen.

Anschließend kam die Faszination für Geografie. Er nahm seinen Kinderatlas mit ins Bett, wusste exakt, wo welches Land auf der Welt liegt.

Da jedes Land eine andere Flagge hat, wünschte er sich ein Flaggenbuch.
In einem Urlaub verblüffte er uns dann damit, dass er sagte "schlag mal irgendwo auf, deck aber den Landesnamen ab, ich sage Dir welches Land das ist".
Trefferquote 99%

Kannst Du noch mehr vertragen?

Die Landeshymnen standen auch noch dabei. Glücklicherweise ohne Noten. Oder doch kein Glück?
Er erfand dann nämlich Melodien dazu.......

Als nächstes kam der Kontakt mit Fremdsprachen, zwischendrin erfand er eine eigene Sprache.........

Was ich Dir sagen will ist, GUCK AUF DIE POSITIVEN SEITEN.
Sicher ist es momentan schwierig, und auch viele Schulen und Lehrer sind nicht wirklich hilfreich.

Aber *solche* Kinder sind doch wirklich ein Glück!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sie denken um die Ecke, begreifen blitzschnell die komplexesten Zusammenhänge, gucken den meisten Menschen bis auf den Grund ihrer Seele und stecken im Körper eines Dreikäsehochs.

Sie denken schneller als ihr Mund sprechen kann, stolpern über die eigenen Füße, haben den Kopf in den Wolken und sind total neugierig auf dieses spannende Leben.

Sie brauchen uns Eltern, die wir ihnen ein stabiles Fundament an die Füße geben.
Eltern, die ihr Kind loben (und nicht - unbeabsichtigt - vermitteln "Du nervst"), und Eltern, die ihnen klarmachen, dass es immer Menschen geben wird die irgendetwas besser können als andere.

Unser Fuzzi ist auch heute noch ein echter Grobmotoriker. Er leidet darunter, dass er körperlich nicht so beweglich ist wie viele seiner Mitschüler, insbesondere beim verhassten Schulsport.

Aber er hat gelernt, dass das "einfach" so ist, wie es ist.
Dafür kann er in vielen Bereichen fixer denken, präziser argumentieren und z.B. Vokabeln "einscannen".

Ich schicke Dir ein dickes Kraftpaket, glaub mir, ich kenne das nur zu gut.
Aber versuch Dich an den positiven Dingen zu orientieren und freu Dich an Deinem aufgeweckten Knaben.

Es kommt der Zeitpunkt, wo es mächtig aufwärts geht!

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 07.01.2006 14:50
Hallo zusammen,

ich würde das ja gerne positiv sehen, aber dazu fehlt mir im Moment die Kraft. Bis vor zwei Monaten dachte ich ja auch, das
wir eine ganz tolle Familie sind. Wir sind auch schon ganz oft um unsere Kinder beneidet worden. Aber das Positive ist im Moment in den Hintergrund gerückt.

Zuhause gab es kaum Probleme. Ausser das Aufräumen.
Gut-ich dachte: so sind sie halt bzw. das hast Du nicht im Griff.
Ab uns zu bin ich mal ausgeflippt und dann war wieder eine Zeit Ruhe.

Aber zur Zeit werde ich Wahnsinnig und weiß nicht wo wir stehen uns wie es weitergehen soll (Schulwechsel). Treffen wir die richtige Entscheidung???

Ich berichte weiter.

Liebe Grüße

Anja

von Chaotentruppe - am 08.01.2006 20:04
Hallo Anja!

Wo siehst Du in puncto Schule das größte Problem?

Bei uns war es so, dass das in dem Sozialverhalten lag.
Daher war die Empfehlung - aufgrund der schulischen Leistungen - klar.

Die ersten 2 Jahre auf dem Gymnasium waren zwar schon besser als in der Grundschule, doch ich denke, da kommt es immer auf die Struktur des Klassenverbandes an.

Bei Fuzzi waren insgesamt mindestens 12 Chaoten in einer Klasse von 32 Schülern.

Ab Klasse 7 aber, wo der alte Klassenverband aufgelöst wurde, (mit der Differenzierung Latein/Französisch) ging es nur noch bergauf.

Natürlich gibt es immer mal wieder Phasen, wo man nicht so wirklich glücklich mit der Gesamtsituation ist, aber die gehen immer vorbei.

Abschließend noch eine Frage:
Unternimmst Du etwas für DICH alleine?

Mir war das immer wichtig, wenigstens 1 Abend in der Woche aus dem Haus zu gehen.
Sei es zum Sport, Töpfern oder sonstwas.

Die abendliche Routine mit
*Tischdecken-Abendbrot-Zähneputzen-waschen-Schlafanzug-ins-Bett-wieder-Aufstehen-meckern-toben-diskutieren*
der besseren Hälfte zu überlassen, weil man eben einfach nicht DA ist, hat schon einen gewissen Erholungsfaktor *gg*

Sonst frisst einen der Alltag auf, und man kann wirklich nur noch die weniger schönen Dinge sehen!

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 09.01.2006 06:59
Hallo Angelika,

bis ende des dritten Schuljahres gab es kaum Probleme. Außer das Chaos, Stifte verlieren, Jacken vergessen, Hausaufgaben vergessen. Bei guten bis sehr guten Leistungen

Seit ca. einem halben Jahr sind seine Leitungen total schwankend und das Chaos weitet sich aus.

Hausaufgaben sechs mal hintereinander vergessen. Mathearbeiten wimmeln von Flüchtigkeitsfehlern. Hefte, Materialien werden vergessen. Federmappe immer leer.

Texte abschreiben? Vergiss es! Einfachste Worte werden falsch geschrieben. Aufsätze werden einfach nicht zu Ende geschrieben. Jetzt hat die Lehrerin das letzte halbe Jahr bewertet für die weiterführende Schule. Das entspricht aber nicht unserer Einschätzung. Sein Sozialverhalten ist völlig in Ordnung.

Wenn bei unserem anderen Sohn nicht ADS diagnostiziert worden wäre , würde ich der Lehrerin ja recht geben. Mit so einer Arbeitshaltung kann man kein Gymnasium besuchen.

Nachdem ich dann mehrere Bücher gelesen habe, habe ich mehr den Ältesten gesehen und endlich eine Erklärung für all die Verhaltensweisen.

Ich gehe zwar nicht regelmäßig weg, habe aber Gott sei Dank sehr viel Unterstützung durch meinen Mann. (Der im gerade im Büro hinter mir stand und seinen Pulli auf links anhatte ;-))

Meine Schwiegereltern nehmen jeden Freitag nachmittag alle Drei und wir gönnen uns eine Stunde Tennis.

Außerdem arbeite ich den halben Tag und sehe meinen Beruf als Hobby.

Liebe Grüße
Anja

von Chaotentruppe - am 09.01.2006 08:48
Hallo Anja!

Das mit dem Abschreiben ist bei uns auch immer so gewesen, Diktat fehlerfrei, Abschrift Katastrophe.

Wenn die schulischen Leistungen nachlassen, kann das auch ein Zeichen von Unterforderung, keinen Bock mehr und innerer Kündigung sein.

Die ersten 2 Schuljahre an der weiterführenden Schule sind als Orientierungsstufe gedacht, sodass die Kinder zunächst erstmal eine Weile Zeit haben, um sich zurechtzufinden.

Es ist möglich, dass Dein Sohn dann durchstartet und sich wieder gefordert fühlt.

Frag die Lehrerin klar und deutlich, ob sie ruhigen Gewissens nur die letzten 6 Monate zugrunde legen kann, oder ob es nicht fair wäre, die ganze Grundschulzeit zu berücksichtigen.

Alles Gute,
Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 09.01.2006 16:01
Hallo Angelika,

Genau das hoffen wir. Sind uns natürlich total unsicher. Ich habe aber heute einen Anruf von der Schulberatungsstelle bekommen. Johannes wird morgen früh und donnertag getestet. Das haben die innerhalb von drei Tagen auf die Beine gestellt.

Wir möchten wissen ob wir ihn richtig einschätzen.
Wenn wir ihn über/unterschätzen und ihn deshalb auf die falsche Schule stecken, wäre das fatal. Wie war das denn bei Euch mit der Schulwahl?

Bzw. wie wann wurde dein Sohn diagnostiziert/behandelt?

Der Lehrerin haben wir unsere Vermutung ADS geschildert und auch auf seine Probleme hingewiesen.

Auch, dass er das Diktat fehlerfrei gemacht hat, als sie ihn mal weggesetzt hat. (Ihm war die Klasse zu laut)
Das ist doch komisch-oder? Warum kann ein Kind nicht abschreiben? Alles nachgefragt.
ADS-Dykalkulie, Legastenie- da gibt es doch für alles einen Namen! Das hat sie gesagt. Die Leistungen stimmen eben nicht!
Da soll ich noch diskutieren? Und sie wäre ja schließlich auch auf einer Realschule gewesen.

Na toll. Etwas nachdenklich war sie schon und sagte sie würde sich unsere Einschätzung (sollten wir ausfüllen)
anschauen und dann bei der Beurteilung berücksichtigen.

Tatsächlich haben wir verpasst sie darauf aufmerksam zu machen, dass seine Laufbahn nicht vom letzten halben Jahr abhängig gemacht werden sollte. Aber machmal sitzt man da echt wie Ochs vorm Berg und ist einfach sprachlos.

Viele Grüße
Anja

von Chaotentruppe - am 09.01.2006 17:04
Hallo Anja!

Bei unserem Fuzzi stand 1992 als erste Diagnose "Hochbegabung", weil er in Kindergarten und später Schule (um es mal freundlich zu formulieren) auffällig war.

Als sich dann, trotz Extra-Futter in Sachen Lernen und Anforderung - nichts wirklich verbesserte UND ich durch Suizidgedanken unseres Kindes nicht mehr einfach zusehen konnte, habe ich weiter und weiter nachgebohrt.

Auf Anraten einer tollen Heilpädagogin, die einen Sohn mit exakt demselben Geburtstag- und Jahr wie unseren Fuzzi hat, mir sagte, ich solle ihn doch mal da-und-dort testen lassen, habe ich das getan.
Anschließend kam dann endlich Bewegung in die Sache, und meine Vermutungen in Richtung ADS wurden bestätigt.

Das war 1995(!)

Durch eine zwar strenge, aber sehr fähige Lehrerin in der Grundschule kam er recht gut klar, wenngleich auch wir unzählige Stifte, Turnbeutel, Butterbrotsdosen, Mützen etc. auf die Verlustliste setzen mussten.

Es gab eigentlich von den Leistungen her keine Frage, auf welche Schulform unser Fuzzi gehört, nur waren die Lehrer am Zweifeln, ob er die nötige Disziplin aufbringen würde zum Arbeiten und "sich Benehmen".

Der Schulwechsel hat ihm jedenfalls sehr gut getan, und die ersten Wochen ging es ziemlich gut.
Schließlich war viel Neues zu lernen (endlich eine Fremdsprache und "richtiger" Geografie-Unterricht).

Die Klassenzusammensetzung war eine Katastrophe, und nach einer relativ kurzen Zeit hatte die Klasse einen schlechten Ruf weg.

Dennoch, all das war immer noch besser als Grundschule.

Was ich Dir damit sagen will ist, wenn Dein Kind sich das Gymnasium zutraut und die Leistungen INSGESAMT in der Grundschule dafür sprechen, UND wenn die Tests ihm eine dahingehende Schullaufbahn bestätigen, dann würde ich ihn hinschicken.

Nichts ist schlimmer, als wenn Kinder permanent unterfordert werden.
Dann schalten sie nämlich irgendwann ab, kommen tatsächlich nicht mehr im Stoff mit und werden irgendwann zu "Underachievern".

[underachiever.brainsborough.de]

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 09.01.2006 19:48
Mann, dass ist ja spannend. Wir kommen gerade vom Gespräch.

Also laut Test hat er einen IQ von 121. Gerade wenn es schwieriger wurde, wurden seine Leistungen besonders überdurchschnittlich. Leichtere Aufgaben meist ehr durchschnittlich. Der Test hat ihm völlig Spaß gemacht.

Also, eigentlich ein Grund ihn auf das Gymnasium zu stecken.
Was jetzt noch dazu kommt:

Er hat bei dem Angsttest extrem abgeschnitten, d.h. er zeigt eine totale Schulunlust. Verständlicherweise. Also lieber schonen und ihn Erfolgserlebisse auf der Realschule haben lassen?

Keiner weiß etwas genaues. Wenn wir wüßten. Die Schulunlust und der Druck der sich aufgebaut hat,
ist durch seine schwankenden Leistungen erklärbar.e

Wir sind auch nicht sicher ob die Medis richtig dosiert sind. Die Ärztin meint es wäre die Hälfte dessen, was er aufgrund seines Gewichtes (30 Kilo 1,42cm) bräuchte. (Oder habe ich sie vielleicht falsch verstanden) Medikinet morgens 1 Tbl mittags eine 1/2. Was meint ihr zur Dosierung. Wir haben am Dienstag einen Arzttermin.

Wenn mir jetzt mal einer gute Tipps/Ratschläge oder Erfahrungen geben könnte, wäre ich sehr dankbar. Wir sind nämlich genau so schlau wie vor dem Test.

Liebe Grüße

Anja

von Chaotentruppe - am 12.01.2006 18:00
Hallo Anja,

"Also, eigentlich ein Grund ihn auf das Gymnasium zu stecken.
................
Also lieber schonen und ihn Erfolgserlebisse auf der Realschule haben lassen? "

Ja, das ist schon ein Dilemma. Wenn man doch nur in die Zukunft blicken könnte.... Aber is nu mal leider nich... :(

Meine Tochter, die mindestens sehr intelligent, wenn nicht gar HB ist, war in der Grundschule (ohne erkennbaren Arbeitsaufwand) die Klassenbeste und kam dementsprechend "automatisch" auf's Gymnasium, ohne daß irgendjemand einen Anlaß hätte sehen können, dies in Frage zu stellen.

Aber ab der 8. Klasse schlug ADHS dann gnadenlos zu. Ich will hier jetzt nicht die ganze lange und traurige Geschichte erzählen, sondern nur das Ergebnis ihrer Gymnasialkarriere mitteilen: Sie verließ die Schule mit dem Hauptschulabschluß, nachdem sie zu oft sitzen geblieben war. Nicht wegen fehlender Intelligenz, sondern wegen ADHS, das ihre hohe Intelligenz leerlaufen ließ. Und jetzt ist Töchti gerade dabei, auf einer Abendschule wenigstens den Realschulabschluß nachzuholen.

Man ist geneigt zu sagen: Warum nicht gleich....?
Aber das weiß man manchmal eben erst, wenn es zu spät ist. Will sagen: Niemand wird Dir eine Garantie dafür geben können, welche der beiden möglichen Entscheidungen sich später einmal als die richtige oder falsche herausstellen wird. Die Situation mit meiner Tochter war insofern sicher besonders unglücklich, als sie schon flott auf dem absteigenden Ast war, als wir erstmals etwas von ADS hörten, und daß sie zu allem Überfluß dann jahrelang jegliche Therapie stur verweigerte. Das ist bei Euch hoffentlich anders.

Die Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt gehen in den letzten Jahrzehnten leider immer stärker dahin, daß die Ausbildungsplätze und Jobs, die früher den Realschülern vorbehalten waren, heute von Abiturienten abgegriffen werden, deren Durchschnittsnote für ein Studium nicht ausgereicht hat. Dementsprechend müssen immer mehr Realschüler mit Jobs vorlieb nehmen, für die ein Hauptschulabschluß ausgereicht hätte. Und die Hauptschüler.... ach, lassen wir das....

Ich weiß zwar nicht, wie es mit der Durchlässigkeit der Schulzweige in Eurem Bundesland bestellt ist. Wenn die grundsätzliche intellektuelle Leistungsfähigkeit Deines Sohnes es zuläßt, würde ich aber auf jeden Fall anstreben, ihm die Chance eines Gymnasialabschlusses zu bieten. Ihr wißt schon jetzt über ADS Bescheid und habt alle Möglichkeiten einer modernen und effektiven Therapie (wenn Sohnemann mitspielt), so daß gute Aussichten bestehen, sein Potential zum Tragen zu bringen. Falls dennoch alle Stricke reißen sollten, ist es sicher leichter, ihn notfalls vom Gymi zu nehmen und in die Realschule zu verpflanzen als umgekehrt. Und wie sieht's mit einer Gesamtschule aus?

Alles Gute für Euch!

LG Frank



von FrankR - am 12.01.2006 19:33
Hallo zusammen,

Gibt es Kinder, die ADS haben und trotzdem gut durch das Gymnasium kommen? Ich habe manchmal den Eindruck, dass es unheimlich schwierig sein muss und ein sehr steiniger Weg . Über Erfahrungsberichte würde ich mich freuen.

Mein Sohn ist ja auch die ersten Jahre gut (unauffällig, rel. gute Noten) durch die Grundschule gekommen.

Ich weiss jetzt nicht wie ich entscheiden soll. Ich will das er glücklich ist.

Sicher wäre Gesamtschule eine Alternative. Aber so überzeugt sind wir nicht.

Liebe Grüße

Anja

von Chaotentruppe - am 13.01.2006 14:09
Hallo Anja,

hier

[nw.schule.de]

und hier

[www.willybrandt.mh.nw.schule.de]

würde ich zumindest mal nachfragen (Lehrer und Eltern), wie die Umsetzung "Hausaufgaben in der Schule" in der Praxis erfolgt.

An unserer GS machen die Schüler zwar ihre Hausis in der Schule, aber mit 30 anderen in einer Klasse, es ist nie ruhig und es wird nie kontrolliert. (Das weiß ich von Eltern und von Lehrern (hinter der vorgehaltenen Hand), das steht nicht im Hochglanzprospekt)

Böse Falle für einen ADS-ler.

Wenn du hier auf der linken Seite unter Elterngruppen PLZ 4 nachliest, findest du auch eine in Mülheim.

Ich würde dort mal anrufen und nach Erfahrungswerten mit Schulen fragen. Dort bekommst du zumindest eine Auskunft, auf welche Schule (nicht Schulform) dein Sohn mit ADS auf keinen Fall gehen sollte. Vielleicht kann man dir einen Tipp geben, auf welcher Schule man sich mit ADS auskennt?

Wäre es mein Sohn, würde ich bei der Schulwahl zunächst den Schwerpunkt auf ADS legen. Wenn du das durch eine entsprechend straffe und zuverlässige Schule in den Griff bekommen hast, kann dein Sohn mit gutem organisatorischen Rüstzeug auch zwischendurch auf's Gymnasium wechseln, wenn die Noten stimmen. Solange er aber noch vorzugsweise Chaosprinz ist, würde ich persönlich zunächst verstärkt Wert darauf legen, dass er sein Leben strukturieren und organisieren kann und mir danach die Schule aussuchen.

Bei unserem war das auch so. Die straffe, durchgeplante und sehr konsequente Arbeitsweise in seiner Schule hat dazu geführt, dass ihm Schule mehr als leicht fällt. Er muss wirklich kaum etwas dafür tun und hat einen Notenschnitt von 2,1. Mittlerweile schätzt er das selber so sehr, dass er nur noch auf eine Schule gehen möchte, wo die Hausaufgaben in der Schule erledigt werden und er dann mit dem beruhigenden Gefühl nach Hause gehen kann, dass alles fertig ist.

VG

Claudia



von ClaudiaW - am 13.01.2006 14:51
Hallo sesebraun,

man hört gelegentlich, daß ADSler eigentlich das Abitur gar nicht schaffen, geschweige denn ein Studium erfolgreich abschließen könnten. Das ist in dieser Allgemeinheit aber Unsinn.

Die Quote der Schul- und Studiumsversager ist leider unter ausgeprägten ADSlern deutlich höher als bei Normalos, ohne Zweifel. ADS zu haben sagt aber weder etwas über Intelligenz aus, noch bedeutet es quasi automatisch, ein vorhandenes gutes Intelligenzpotential nicht nutzen zu können. Gerüchteweise hört man sogar oft, ADSler seien überzufällig häufig hochbegabt. Das ist aber heftig umstritten und sicher auch nicht belegt.

Es hängt alles davon ab, welche Kompensierungsressourcen der einzelne Betroffene zu mobilisieren in der Lage ist, und dies ist wiederum von vielen individuellen Faktoren abhängig, so daß man auch in diesem Bereich nichts verallgemeinern darf.

Aber gerade eine hohe Intelligenz gilt als eine sehr gute Voraussetzung für die Chance, erfolgreich kompensieren zu können. Mal stark vereinfacht gesagt: Nehmen wir einmal an, daß ein Durchschnitts-Normalo zum Kapieren und Lösen einer bestimmten Aufgabenstellung 15 Minuten benötigt. Selbst wenn nun ein HB-ADSler mit einem IQ von 140 durch sein ADS und das damit verbundene Ablenkungs- und Konzentrationsproblem einen erheblichen Teil seiner theoretischen intellektuellen Effizienz einbüßt, schafft er die Lösung mit dem verbliebenen "Rest" vielleicht ebenfalls in 15 Minuten, oder gar noch schneller - dann ist es zwar schade, daß er sich nicht mit der 7-Minuten-Lösung profilieren konnte, die ihm ohne ADS-Hemmnisse möglich gewesen wäre, aber es reicht allemal aus. Wie gesagt: Ein stark simplifiziertes Beispiel, also bitte nicht auf die Goldwaage legen.

Zusätzlich spielen alle Faktoren des Lebensumfelds eine wichtige und entscheidende Rolle bei der Kompensation der mit auf den Weg gegebenen ADS-Defizite - dies sicher nicht nur beim Thema Schule, sondern ganz generell. Ein möglichst verständnisvolles, stimmiges und konfliktarmes personelles Umfeld, insbesondere ein gutes Verhältnis zu den Lehrern (extrem (!!!) wichtig, aber leider eher zufallsabhängig...) kann Wunder wirken und die für die Kompensation so überaus wichtige Druckentlastung bewirken (nichts haßt der ADSler mehr als permanenten Druck von außen - der innere Dampfkessel verursacht schon genug Streß...). Will sagen: Je mehr die Problematik des intelligenten ADSlers auf das angeborene Defizit der Aufmerksamkeit beschränkt bleibt bzw. je weniger sich daraus psycho-soziale Spannungsfelder entwickeln, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Kompensation.

Ja, ich weiß, das alles ist viel leichter gesagt als umgesetzt.... Es gehört oft wohl auch eine gehörige Portion Glück dazu, auf förderliche Lebensumstände und - jetzt wieder auf die Schule bezogen - auf die richtigen Lehrer zu stoßen. Meine Tochter war von Geburt an äußerst wild, undiszipliniert, von morgens bis abends anstrengend, nervend, frech und eben einfach "schwierig". Wenn sie nicht schon in der Grundschule Schiffbruch erlitt, so lag das nach meiner Überzeugung allein an ihrer langjährigen Klassenlehrerin, die einfach goldrichtig für mein Mädel war - eine natürliche Autorität, offen, humorvoll, immer freundlich, aber bestimmt, und in der Lage, zu motivieren. Meine Tochter liebte diese Lehrerin abgöttisch, und für die Lehrerin war das Kind "meine Powerfrau". Und zu dieser Zeit lief in der Schule alles wie am Schnürchen.

Um Deine eigentliche Frage zu beantworten: Ja, ich kenne viele ADSler, die glatt und erfolgreich durchs Gymi und durch ihr späteres Studium gekommen sind - soweit ich das mitbekommen habe, gibt es auch hier im Forum einige (unter anderem ich selbst...). Mach Dir auch klar, daß es häufig gerade die Unterforderung ist, die ein hochbegabtes Kind zum Problemfall werden läßt. Ein schlaues Hirn braucht nun mal Kraftfutter. Und das findet es auf dem Gymnasium vermutlich eher als in anderen Schulzweigen. Aber es gibt nun mal keine Garantie, daß das dauerhaft gut geht (bei Nicht-ADSlern übrigens auch nicht). Wenn Ihr es aber von vornherein gar nicht erst versucht, vergebt Ihr womöglich eine große Chance. Und wie schon in meinem ersten Posting gesagt: Es muß doch nicht endgültig sein. Niemand (und am allerwenigsten die Lehrer...) zwingt Euch, den Jungen krampfhaft durchs Gymnasium zu prügeln, wenn sich herausstellt, daß er es nicht schafft oder er dort unglücklich ist.

LG Frank



von FrankR - am 13.01.2006 16:07
Hallo Claudia,

Erstmal vielen Dank für deine Hilfe. Du hattest ja schon angekündigt, dass der Test auch nichts ändere. Und leider recht behalten ;-)

Die Idee mit der Elterngruppen ist super.
Da werde ich mal nachfragen.

Wie sonst soll man an diese Information kommen?

Einen schönen Abend noch....

von Chaotentruppe - am 13.01.2006 16:25
Hallo Frank,

dein Beitrag hat mir die Entscheidung wesentlich einfacher gemacht. Das es keine Garantie gibt ist mir klar. Ich bin mit 80 Kindern auf das Gymnasium (Mein Sohn soll nicht auf diese Schule) gegangen. Abi gemacht haben am Ende 35 Schüler (incl. Hängenbleiber der höheren Klasse).

Das ist doch ein toller Schnitt. Ich war im übrigen dabei ;-)
Mit Mut zur Lücke und dem Gedanken: Die Vier ist die Zwei des kleinen Mannes! Wenig Lernen war Grundvorraussetzung. Gibt ja schließlich noch andere wichtige Dinge im Leben! (Freunde, Partys und Spaß haben!)

Ich werde von meinem Sohn sicher nichts Anderes verlangen. Eigene Kinder kommen ja bekanntlich nicht auf fremde Leute.

Aber Du hast recht. Wir werden es in jedem Fall versuchen und die best mögliche Unterstützung bieten.

Vielen Dank nochmal!!!

Liebe Grüße und ein schönes WE

Anja

von Chaotentruppe - am 13.01.2006 20:29
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