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ADHS ADS Selbsthilfe
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20
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
columbia, Cornelia, Mottensprotte, Angelika (TanteGela)

Sohn verweigert Essen

Startbeitrag von columbia am 07.01.2006 15:00

Hallo!

Ich bin neu hier im Forum und brauche gleich eure Hilfe. Mein Sohn ist 7, hat ADHS und ist hochbegabt. Er bekommt seit ca. 8 Wochen Methylphenidat Hexal, wurde vor 2 Wochen auf concerta 18 mg umgestellt, weil er abends nicht mehr einschlafen konnte. Seit einigen Tagen verweigert er concerta, will aber MPH Hexal einnehmen. Damit geht es ihm eigentlich gut.

Er isst aber fast nichts, heute bis jetzt nur 1 Toast zum Frühstück. Er knüpft Bedingungen ans Essen "wenn ich xxx darf, dann komme ich zum Essen". Es macht mich wahnsinnig, er ist soooo dünn, er ist tatsächlich untergewichtig.

Manchmal kommt mir der Verdacht, dass er mich damit bestrafen will, dass er nichts isst. Wir stecken irgendwie in der Falle und finden nicht hinaus. Könnt ihr mir helfen?

Viele Grüße, columbia

Antworten:

Hallo Columbia,

hat dein Sohn gesagt, warum er lieber Mph Hexal nimmt als Concerta?

Es ist normal, dass er unter Mph weniger Appetit hat. Und viele Kinder mit ADHS sind dünne Heringe.
Es ist wichtig, damit möglichst gelassen umzugehen. In der Regel verhungert ein gesundes Kind nicht, sondern der Körper holt sich, was er braucht. D.h. er entwickelt dann nach Bedarf Appetit auf Lebensmittel, die die gerade fehlenden Nährstoffe enthalten. Oft haben Kinder, die Mph bekommen, erst abends Appetit. Darum sollte man ihnen abends möglichst gehaltvolle Nahrung anbieten, um einen gewissen Ausgleich zu dem wenigen essen tagsüber zu schaffen.
Fast immer pendelt sich die Situation so nach einiger Zeit wieder ein und die Kinder sind zwar dünn aber nicht so, dass ein echter Grund zur Sorge besteht.

Wenn er daraus einen echten bewussten Machtkampf machen kann, besteht natürlich grundsätzlich durchaus die Gefahr, dass sich eine echte Essstörung daraus entwickeln könnte. Darum: Lass dich auf keinen Fall erpressen. Wenn er nicht essen mag, dann eben nicht. Biete ihm immer wieder mal was an, gehe dabei auf seine Geschmacksvorlieben ein, aber lasse dich nicht darauf ein, Essen gegen "Wohlverhalten" in anderen Bereichen einzutauschen. Essen darf generell nicht zum Gegenstand von Belohnung oder Strafe werden.

Oder stehen die Bedingungen, die er stellt, in direktem Zusammenhang mit dem Essen?
Muss das Essen auf bestimmte Art zubereitet oder serviert werden usw.? Das könnte dann wiederum einen anderen Hintergrund haben, den man näher anschauen sollte.


Ausnahmen eines echten gesundheitsgefährdenden Untergewichtes gibt es natürlich, aber sie sind selten. Mein Sohn z.B. ist eine solche. Aber beim ihm liegt auch eine besondere Situation vor.

Sorgen musst du dir erst machen, wenn dein Sohn über längere Zeit abnimmt oder wächst und nicht zunimmt, so dass sein BMI über lange Zeit weit unter der 3. Perzentile liegt oder aber plötzlich rapide abstürzt. Wie groß ist er denn und was wiegt er?


Beruhigende Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 15:46
Liebe Cornelia, danke für deine Antwort!

Mein Sohn ist 1,34 m groß und wiegt 21,4 kg.

Seine Bedingungen haben nichts mit dem Essen zu tun. Er mag sowieso nichts, egal welche Zubereitung. Heute hat er nicht mal Nudeln ohne alles gegessen, die gehen sonst immer.

Seine Bedingungen sind eher: Computerspiel, Fernsehen und darauf lasse ich mich natürlich nicht ein. Aber ruhig kann ich auch nicht bleiben!

Das einzig gesunde was er üblicherweise am Tag isst, ist 1 Möhre - Wahnsinn. Kein Obst, kein Gemüse, fast kein Fleisch. Er mag auch abends kein warmes Essen, außerdem bekommt er momentan gegen 16 Uhr noch 5 mg, da er sonst überhaupt nicht einschlafen kann.

Er weiß selbst nicht, warum er concerta nicht nehmen will, er sagt, er fühlt sich damit einfach nicht wohl. Ich finde auch, sein Verhalten ist unter concerta nicht viel anders als ganz ohne MPH. Heute ist er aber mit MPH Hexal auch überdurchschnittlich sensibel. Setze ich mal einen etwas strengeren Ton an, sagt er gleich, ich schreie - stimmt aber wirklich nicht.

Heute hat er sich den ganzen Tag in seinem Zimmer verbarrikadiert, keiner durfte zu ihm, er ist auch nicht rausgekommen.

Ich selbst kann das kaum aushalten, es tut mir richtig körperlich weh.

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 07.01.2006 16:32
Hallo Columbia,

ups, das bewegt sich etwa in den Dimensionen wie bei meinem Sohn. :-(
Ja, das ist durchaus bedenklich!
Hier kannst du den BMI berechnen und in einer Grafik darstellen lassen:
[www.mybmi.de]

Was sagt denn der Kinderarzt dazu?

War er schon immer so wählerisch? Vermutlich schon, wenn sein Gewicht schon so niedrig ist?

Auch der Rest, den du schreibst (Computer und Fernsehen sind das seine einzigen Interessen? Kaum Sozialkontakte - kapselt er sich oft so ab? Die Empfindlichkeit - ist die auch in anderen Bereichen so, z.B. in Bezug auf seine Kleidung?) - ist das erst seit der Mph-Gabe so, oder ist dir das auch vorher schon aufgefallen?

Spielt er gerne mit anderen Kindern? Wie kommt er mit ihnen zurecht?


Mein Sohn isst auch fast nichts und mag kaum etwas. Schon gar nicht Obst oder Gemüse! Auch mit einer Möhre kannst du ihn jagen.
Was er aber meist ganz gerne isst, ist die Heilnahrung - ausschließlich von Humana - als Brei zubereitet. Wir haben bei Schlecker schon quasi ein Abo darauf. :-)
Die ist zwar teuer, aber zumindest bekommt er so immer wieder mal eine Grundausstattung an Vitaminen ab. Aber auf sein Gewicht wirkt sich das leider auch nicht aus.

Im Frühjahr werde ich ihn in einer Kinderklinik vorstellen, in der ich noch nicht mit ihm war, die aber einen gten Ruf hat. Wir ziehen im Februar in die Stadt, in der sie ist. ich hoffe, dass sie dort noch eine neue Idee haben.

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 17:03
>>Was er aber meist ganz gerne isst, ist die Heilnahrung - ausschließlich von Humana - als Brei zubereitet. Wir haben bei Schlecker schon quasi ein Abo darauf. :-)>>

Iiiiiihhhh!!! Die habe ich mal probiert, als meine Kinder im Babyalter Durchfall hatten - wie kann man sowas freiwillig essen??

Ich gebe meinem Sohn Centrum Multi-Vitamin-Tabletten dazu, das beruhigt mich etwas.

Der bmi meines Sohnes ist ja eine Katastrophe - komischerweise findet sowohl der Kinderarzt als auch die Kinderpsychiaterin das nicht weiter schlimm - er ist eben lang und dünn. Mein Mann und ich sind allerdings auch beide schlank...., mein Mann war als Kind auch so ein dünner Hering (ich war eher füllig).

Wählerisch ist er etwa seit er 3 ist. Das kam so nach und nach, erst lehnte er eine Sorte Gemüse ab, dann immer mehr, schließlich aß er nur noch Broccoli. Soßen mochte er dann auch nicht mehr (in die habe ich gerne Gemüse gepfuscht).

Er hat einen Freund, der ihm auch schlechte Tage verzeiht. Zum Glück! Unter Mph hat er sich auch 1 x mit einem Klassenkameraden verabredet, vorher NIE (ist in der 2. Klasse). Plötzlich fing er auch an, ganz harmonisch mit seinem kleinen Bruder zu spielen. Also, entweder wirkt das nicht mehr oder die Dosierung ist falsch.... Ich finde es aber auch so störend, dass er 3 x am Tag eine Tablette nehmen soll. Und von morgens 7.15 Uhr bis zur nächsten Gabe um 13 Uhr hält die Wirkung doch gar nicht an. Ich würde ihn gern auf medikinet retard umstellen, warte noch auf den Rückruf der Psychiaterin.

Computer und Fernsehen sind eigentlich gar nicht seine Interessen. Er hat aber zu Weihnachten ein Computer-Spiel bekommen, das ist jetzt natürlich ganz aktuell. Eigentlich sitzt er eher in seinem Zimmer und liest Lexikon oder Fachbücher *gg*. Er ist auch viel draußen, jetzt in der Kälte natürlich weniger. Er konstruiert gern, schreibt Bauanleitungen, baut auch gern mit Lego. Mit seinem Freund spielt er gern sogar Gesellschaftsspiele, ich muss jetzt Schach lernen, das will er mit mir spielen *oje*.

Zur Empfindlichkeit: er ist ausgesprochen empfindlich, was seine Füße angeht - Socken dürfen keine Falten haben, werden übergenau angezogen, manche Sorten lehnt er ab. Der Schuhkauf ist der reinste Horror, weil höchstens 1 von 35 Paaren angenehm ist. Der Rest der Kleidung ist ihm egal, sie darf nur nicht kratzen (verstehe ich sehr gut).

Sein Sozialverhalten ist schon auffällig, er spricht nicht über emotionale Dinge, verkriecht sich unter dem Tisch, wenn ihm etwas unangenehm ist, versteckt sich dauernd. Die Psychiaterin hatte den Verdacht auf Asperger in den Raum gestellt - zunächst wollten wir aber das ADHS in den Griff bekommen.

Mir ist auch nicht klar, wie Asperger diagnostiziert wird...

Ich selbst bin völlig fertig, halte das oft gar nicht aus. Mir fehlt noch ein Konzept, wie ich selbst damit umgehe, wenn er mir wieder mal an den Kopf wirft, dass er mich überhaupt nicht lieb hat. Ich fühle mich sooo abgelehnt, das ist schon schwer, da kann ich mir selbst 100 mal sagen, dass er mich doch liebt.

Entkräftete, aber dankbare Grüße von columbia

von columbia - am 07.01.2006 18:07
Hallo Columbia!

Bei unserem Sohn hat mich immer wieder verblüfft, dass er die "gesündesten" Sachen auf einmal mochte, wenn er selbst kochen (matschen) durfte.

Das setzt eiserne Nerven voraus und die Bereitschaft, vorübergehend den Gedanken an eine saubere Küche auszuklammern.

Habe ich Dich richtig verstanden, dass Dein Sohn auch ohne MPH das Essen sortiert?

Sonst würde ich versuchen, dass er morgens möglichst reichhaltig isst, und danach erst Medikamente geben.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 07.01.2006 18:18
Hallo Angelika,

ja, auch ohne Mph hat mein Sohn sehr stark selektiert. Jetzt ist es aber katastrophal, er isst morgens eine Schale Kellogs mit Milch, in der Schulpause meist gar nichts, mittags oft gar nichts oder trockene Nudeln/trockenen Reis, abends 1 - 2 Brote, 1 Joghurt mit Knusperecke und eine Möhre. Abends lehnt er warmes Essen komplett ab.
Ich werde ihn mal fragen, ob er selbst kochen will!! Chaos in der Küche ist mir egal, kann man alles putzen.

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 07.01.2006 18:28
Hallo Columbia,

fühl Dich erstmal gedrückt!!!

Bist Du alleinerziehend? Hört sich irgendwie so an, als wärst Du allein verantwortlich.

Also brauchst Du dringend Beistand. Sei es durch eine liebe Freundin, eine(n) Therapeuten etc. Jemand, der Dich mal auffängt und Dir sagt, dass Du es gut machst und ein liebenswerter Mensch bist.

Ich bin 36 und mein Sohn ist 7. Wir sind beide ADS-ler und nehmen beide mittlerweile Medikinet. Zu Asperger kann ich Dir nichts sagen.

Aber was die "Eigenarten" angeht, die gibt es bei uns auch:

Jacken müssen eine gewisse Schwere haben, genau wie Bettdecken. Sockenkauf ist bei mir auch schwierig, Anziehsachen überhaupt müssen sich an meinem Körper "richtig" anfühlen, sonst kaufe ich sie nicht. Da können sie noch so schön aussehen.

Mein Sohn ist an Obst nur Äpfel, an Gemüse zur Zeit nur Möhren, manchmal Paprika, evtl. Gurke, Tomaten nur als Soße. Ansonsten Reis, Kartoffelpüree, Brot, Bulgur und Wurst und Fleisch, keinen Käse, ab und zu mal Joghurt (aber nur ohne Fruchstückchen). Er liebt Chips und Schoki.

Bis vor etwas einem Jahr war er beim essen "pflegeleichter". Ich konnte fast kochen was ich wollte, alles war lecker.

Ich bin per Zufall drauf gestoßen, dass ich u.a. eine Weizenallergie habe und daher meine jahrzehntelange Migräne kam. Andere Nahrungsmittel muss ich noch austesten, auch bei meinem Sohn. Nur so eine Idee: Vielleicht verweigert Dein Sohn instinktiv Nahrungsmittel, die ihm nicht bekommen? Denn er verschlingt ja die Heilnahrung... was ist an der anders, bzw. was ist an ihr und den wenigen Dingen, die er gerne isst, gleich?

Mein Sohn isst nach wie vor genug, aber fast immer dasselbe. Ich versuche, dass er morgens ein Butterbrot ist, da er dann wegen des MPH bis 13 / 14 Uhr keinen Hunger hat. Nachmittags nimmt er kein MPH mehr. Sonst hätte ich auch Probleme, dass genug isst.


Wie ist denn Euer Verhältnis so? Hat es sich seit der offiziellen Diagnose verändert? Fühlst Du ich an seinem "Zustand" schuldig? Sucht er einen Schuldigen, weil er nicht anders sein möchte?

Ich kann Dir raten, ganz viel über ADS und ggf. Asperger zu lesen, Dich bei einer Freundin und auch hier im Forum auszuheulen.

Alles Gute!

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 07.01.2006 18:36
Hallo Columbia,

ja, mit solch emotionaler Distanz des eigenen Kindes umzugehen ist auch wirklich sehr schwierig.
Lass dich mal drücken:
((((((((((Columbia))))))))))))

Vielleicht hilft dir dieser Text ein kleines bisschen?

_________________
Willkommen in Holland

von Emily Perl Kingsley © (übersetzt aus dem Englischen von Andrea Kühne)


Ich werde oft gefragt, wie es ist, eine behindertes Kind großzuziehen, um Menschen, die diese einzigartige Erfahrung nie gemacht haben, verstehen zu helfen, und um sich dieses Gefühl vorstellen zu können.

Es ist wie folgt....

Wenn man ein Baby erwartet ist das, als ob man eine wundervolle Reise nach Italien plant. Man deckt sich mit Reiseprospekten und Büchern über Italien ein und plant die wunderbare Reise. Man freut sich aufs Kolosseum, Michelangelos David, eine Gondelfahrt in Venedig und man lernt vielleicht noch ein paar nützliche 'Brocken' Italienisch. Es ist alles so aufregend.

Nach Monaten ungeduldiger Erwartung, kommt endlich der langersehnte Tag. Man packt die Koffer und los geht's. Einige Stunden später landet das Flugzeug.

Der Flugbegleiter kommt und sagt: "Willkommen in Holland". "Holland ?!? Was meinen Sie mit Holland ?!? Ich habe eine Reise nach Italien gebucht! Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, nach Italien zu fahren!"

Aber der Flugplan wurde geändert. Du bist in Holland gelandet und da musst du jetzt bleiben.

Wichtig ist, man hat dich nicht in ein schreckliches, dreckiges, von Hunger, Seuchen und Krankheiten geplagtes Land gebracht. Es ist nur anders als Italien.

So, was du jetzt brauchst sind neue Bücher und Reiseprospekte und du musst eine neue Sprache lernen und du triffst andere Menschen, welche du in Italien nie getroffen hättest.

Es ist nur ein anderer Ort, langsamer als Italien, nicht so auffallend wie Italien. Aber nach einer gewissen Zeit an diesem Ort und wenn du dich vom Schrecken erholt hast, schaust du dich um und siehst, dass Holland Windmühlen hat ... Holland hat auch Tulpen. Holland hat sogar Rembrandts.

Aber alle, die du kennst, sind sehr damit beschäftigt von Italien zu kommen oder nach Italien zu gehen. Und für den Rest deines Lebens sagst du dir: "Ja, Italien, dorthin hätte ich auch reisen sollen, dorthin habe ich meine Reise geplant."

Und der Schmerz darüber wird nie und nimmer vergehen, denn der Verlust dieses Traumes ist schwerwiegend.

Aber... wenn du dein Leben damit verbringst dem verlorenen Traum der Reise nach Italien nachzutrauern, wirst du nie frei sein, die speziellen und wundervollen Dinge Hollands genießen zu können.

____________


Du hast die Sache auf den Punkt gebracht. Asperger ist auch das, was ich als nächstes zur Sprache gebracht hätte. :-)

Es klingt sehr danach. Auch mein Sohn ist davon betroffen.

Diagnostiziert wird es durch Beobachtung, Anamneseerstellung, evtl. Fragebögen um die Symptome gewichten zu können und Ausschluss anderer möglicher Ursachen, die die vorhandenen Symptome gegebebenfalls besser erklären können.
Also grundsätzlich ganz ähnlich wie ADHS.

Einen Einstieg in die Symptomatik findest du u. a. hier bei Prof. Dr. Dr. Remschmidt von der KJP Marburg, der auch Vorsitzender des wiss. Beirates der ehem. "Hilfe für das autistische Kind e.V." ist (Der Bundesverband dieses Eltern-Selbsthilfevereins hat sich vor kurzem in "Autismus Deutschland e.V." umbenannt, um erwachsenen Menschen mit Autismus nicht in seinem Namen auszuschließen):
[www.kjp.uni-marburg.de]

Weitere empfehlenswerte Websites sind z.B.:
[aspiana.de]
[www.asperger-eltern.de]

Es gibt noch einige weitere, aber ich will dich nicht gleich mit Infos erschlagen. ;)

Vielleicht magst du dich der Mailingliste für Eltern von Kindern mit Asperger Syndrom anschließen? Dort findest du auch moralische Unterstützung und Trost.



Wenn es wirklich Asperger ist, werdet ihr wahrscheinlich das ADHS nur begrenzt "in den Griff bekommen" können. Es ist leider so, dass Mph bei diesen Kindern zwar meistens auch recht hilfreich ist, aber in der Regel nicht ganz so effektiv , wie bei rein ADS-Betroffenen.

Ein solcher geduldiger Freund ist ein echter Segen für unsere Kinder. Toll, dass dein Sohn ihn gefunden hat. Ich wünsche dir, dass er euch recht lange treu bleibt!

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 18:57
Liebe Cornelia,

danke für die Umarmung, danke für den wundervollen Text.

Es ist schon hart für mich. Zuerst wurde die Hochbegabung diagnostiziert. Da war ich natürlich stolz, so einen cleveren Sohn zu haben. Die Probleme wurden aber immer mehr, trotz Beratung durch ein Hochbegabtenzentrum. Weshalb dort nicht wenigstens der Verdacht auf ADHS oder Asperger geäußert wurde, ist mir ein Rätsel. Im Gegenteil, die dortige (in den hiesigen Medien hochgelobte) Psychologin hat das kategorisch ausgeschlossen.

Dann die Schwierigkeiten in der Schule, trotz hoher Intelligenz. An überspringen der Klasse war nicht zu denken (wurde von der Psychologin als Möglichkeit in Aussicht gestellt). Der Vorwurf der Lehrerin, er sei einfach nur schlecht erzogen, kennt ja keine Regeln. Dann die Diagnose ADHS, mit dem Verdacht, Teile von Asperger. Waooo!
Mein Mann schiebt das eher zur Seite, kann das verdrängen. Ich will das aber nicht verdrängen, ich will nur möglichst schnell einen Weg finden, wie es ihm und damit uns allen besser geht. Ich lese, lese, lese. Finde trotzdem keinen Zugang zu ihm. Das macht mich fertig. Ich habe das Gefühl, dass uns immer noch niemand wirklich hilft, dass immer noch keine Verbesserung eingetreten ist.
Und ich verhalte mich auch noch so oft soooo falsch! Ich liebe ihn so sehr, aber er geht mir auch so oft auf die Nerven! Dieses Ohren-Vollquatschen, ohne Punkt und Komma, ohne auf Rückfragen einzugehen, ohne darauf zu achten, dass ich gerade etwas ganz anderes mache... ich wünschte, ich könnte da besser reagieren. Du kennst das sicher alles.

Was ist denn die Mailingliste genau?

Ganz liebe Grüße von columbia

von columbia - am 07.01.2006 20:14
Liebe Mottensprotte,

danke für deine Antwort.

Ich bin nicht alleinerziehend, aber wir hatten/haben in der Ehe auch eine Menge Probleme, die sicher auf die ungelösten Probleme unseres Sohnes zurückzuführen sind. Mein Mann kommt aber immer erst spät von der Arbeit nach Hause, die Haupt-Bezugsperson bin ich. Ich bin auch diejenige, die versucht, soviele Informationen wie möglich zu bekommen und die natürlich zu den Ärzten den Kontakt hält.

Mein Mann ist von der Situation noch stärker überfordert als ich, zieht sich aber eher zurück. Ich bräuchte dringend Beistand, finde ihn aber nicht. Ich kann meine Freundinnen nicht immer mit meinen Sorgen belasten, ich muss auch für sie dasein. Soo oft treffen wir uns nicht, und ich will nicht jedesmal davon anfangen. Sie sagen auch selbst, dass sie überfordert sind. Ein Grund, weshalb ich jetzt hier im Forum schreibe!!

Ich bräuchte professionelle Hilfe, aber Aussprechen allein hilft auch nicht. Ich brauche konkrete Lösungsvorschläge, ein Elterntraining. Wir stehen auf der Warteliste, mein Mann geht auch mit.

Ja, ich habe das Gefühl, alles falsch zu machen. Mein Sohn war eine Frühgeburt, verursacht durch körperliche Probleme bei mir. Sicher ist da ein gewisses Schuldgefühl, andererseits hat mein kleiner Sohn, der noch früher geboren wurde, diese ganzen Probleme nicht.

Es war übrigens nicht mein Sohn, der die Humana-Heilnahrung verschlingt, sondern der Sohn von Cornelia.

Zur Kleidung: Ich finde es sehr interessant, dass du schreibst, Kleider müssen dir angenehm sein am Körper. Das habe ich auch ganz stark, vor allem bei Hosen. Viele Materialien kann ich nicht vertragen. Vielleicht liegt es auch an den Farbstoffen o. ä. Ich habe bisher aber immer meine überempfindliche Haut (leichte Neurodermitis) dafür verantwortlich gemacht.

Wie wurde denn das ADS bei dir festgestellt und wer hat den Verdacht geäußert?

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 07.01.2006 20:32

Noch eine Frage:

Gilt Asperger als Behinderung? Und ADHS?

Ich habe jetzt schon mehrfach von Behindertenausweisen in diesen Fällen gelesen...

von columbia - am 07.01.2006 20:40

Re: Noch eine Frage:

tja, im Vorteil ist derjenige, der lesen kann.

Habe deine Antworten zu genau dieser Frage weiter unten gefunden!!

von columbia - am 07.01.2006 21:08

Re: Noch eine Frage:

Hallo Columbia,

Asperger auf jeden Fall. Und zwar rückwirkend ab Geburt. D.h., wenn ihr Steuern zahlt/gezahlt habt, bedeutet das Steuererleichterung rückwirkend, was eine Stange Gekld bedeuten kann. Auf mich trifft das nicht zu. Ich bin alleinerziehend und kann neben der Pflege meines Sohnes nicht berufstätig sein. Aber die meisten Eltern bekommen eine gute Nachricht vom Finanzamt. ;)

Bei ADS ist es schon schwieriger, da muss die Symptomatik schon wirklich sehr schwerwiegend sein.

Mein Sohn hat einen Grad der Behinderung von 100% mit den Merkzeichen G, B und H und Pflegestufe 3. Allerdings hat er auch einen komplizierten Mix an Behinderungen:

Asperger Autismus, ADHS (beides stark ausgeprägt), Tourette Syndrom, eine schwere chronische Schlafstörung mit stark verschobenem Schlaf-Wach-Rhythmus, Tachykardien (chron. Herzfrequenzerhöhung), eine chronische Refluxösophagitis (Speiseröhrenentzündung und Z.n. Pseudo-Lennox-Syndrom mit ESES (Epilepsie, die aber hoffentlich nun ausheilt) u.s.w.
Auch er ist außerdem hochbegabt, was die Sache nicht einfacher macht.

Zum Behindertenausweis habe ich vorhin hier was geschrieben:
[forum.myphorum.de]

Lieben gruß
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 21:10

Re: Noch eine Frage:

Und ich jammere hier herum! Rein körperlich geht es meinem Sohn ja gut.

Aber weißt du, es geht mir nicht um Steuererleichterungen. Die Frage ist, ob er es nicht noch schwerer hat, wenn er einen Behinderten-Ausweis hat. Ob sich dann Schulen weigern? Bisher sieht ihn die Lehrerin wohl als Kandidat fürs Gymnasium, ob er mit einer Behinderung wg. Asperger dort auch angenommen würde?

Fragen, die es auch nicht leichter machen.

Auf welche Schulform geht dein Sohn?

Ich habe übrigens bisher intuitiv meinen Wunsch nach Berufstätigkeit zurückgestellt, da ich FÜHLE, dass mein Sohn in der Mittagsbetreuung noch größere Probleme hätte - das versteht kein Mensch! Alle sagen mir: er wird sich schon dran gewöhnen, ich glaube das aber nicht.

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 07.01.2006 21:20
Hallo Columbia,

ja, das kenne ich alles nur zu gut. *seufz*
Mach dir keine Vorwürfe, du bist auch nur ein Mensch und niemand kann immer perfekt reagieren. Und unsere Kinder können wirklich oftmals sehrnerven! Vor allem dann, wenn man sich auf etwas Wichtiges konzentrieren müsste.

Die Dame, von der du sprichst - ich meine fast, ahnen zu können, wer es ist. Handelt es sich um einen gewissen Verein im Ruhrgebiet?
Angeblich liegt *alles* nur daran, dass das Kind hochbegabt ist, das behauptet sie gerne, ohne sehen zu wollen (können?), dass es manchmal auch noch andere Probleme auf dieser Welt gibt, die sich damit allein nicht erklären lassen.

Die Mailingliste findest du auf der Asperger-Eltern Seite:
[www.asperger-eltern.de]

Dort kannst du dich mit anderen Eltern per Mail austauschen. Man schreibt an die Listenadresse und die Mails werden jeweils automatisch von yahoo an alle Listenteilnehmer weitergeleitet, so dass jeder jede Mail lesen und daruaf antworten kann.
Der Vorteil ist, dass der Zugang beschränkt ist, so dass nicht jeder mitlesen kann und dass du anders als in Foren nur beim Senden und Empfangen der Mails online sein musst; Schreiben und Lesen kannst du offline.

Zur ewigen Behauptung, es läge alles an der Erziehung (die kennen wir alle hier und auch die Eltern auf der Liste) habe ich mal folgenden Text spontan verfasst:

___________________

Die Eltern sind schuld!


Die meisten Eltern, deren Kinder ein sehr auffälliges Verhalten zeigen, werden allerorten mit dem Vorwurf konfrontiert, dieses Verhalten läge ganz bestimmt daran, dass die Eltern in irgendeiner Form Fehler gemacht hätten.
Dies ist in hohem Maße ungerecht. Die meisten Eltern beginnen ohnehin zuerst bei sich selbst nach Ursachen zu suchen, obgleich sie nicht mehr oder weniger Fehler machten und machen, als alle anderen Eltern “ganz normaler” Kinder auch.
Schlimm genug, wenn Laien so reagieren.
Doch da allzuoft auch gerade die “Fachleute” an welche sich verzweifelte Eltern um Hilfe wenden, mit solchen Pauschal-Schnellschüssen um sich werfen, möchte ich hier einmal verdeutlichen, warum dies ein gar zu einfaches Vorurteil ist:



Ich bin es so leid, dass immer wieder gesagt wird, alles läge an der Erziehung: zu inkonsistent / zu rigoros konsequent,
die emotionale Basis sei beeinträchtigt oder gar nicht vorhanden / die Eltern, vorzugsweise die Mutter sei(en) überbehütend und könne(n) nicht loslassen...

Besonders kurios ist ja, dass oft beide Gegensätze von ein und der selben Person in einem Atemzug als Vorwurf kommen... und zwar auch von angeblichen Fachpersonen.

Varianten dieses Spielchens gibt es in Hülle und Fülle, schon damit es universell einsetzbar und nicht gar zu offensichtlich ist:


1. Ist die Mutter berufstätig, vernachlässigt sie das Kind, ist sie es nicht, macht sie es unselbständig

2. Das gleiche System wird angewandt hinsichtlich der Kinderzahl,
Einzelkinder sind doch immer verwöhnt und verzogen, das ist doch allgemein bekannt! Und Geschwisterkinder leiden entsprechend an Nichtbeachtung oder daran, dass eines bevorzugt wird, oder an nicht verarbeiteten Eifersuchtsgefühlen, Auswahl gibt es da ja genug...

3. oder des Familienstandes
"vollständige Familie" bedeutet Rollenklischees oder Überbehütung oder Frust der Mutter wegen des Hausfrauendaseins oder Eheprobleme usw...
alleinerziehend bedeutet wahlweise Überforderung, Überbehütung oder bei Berufstätigkeit Vernachlässigung, abreagieren des sozialen Druckes am Kind, Unsicherheit wegen mangelnder Rollenvorbilder, Inkonsequenz wegen schlechtem Gewissen der Mutter, oder zu große Strenge um die Vaterlücke ausgleichen zu wollen (oder entsprechend die Lücke der Mutter), Verwirrung wegen wechselnder Betreuungspersonen oder zu starke Bindung und Symbiose zwischen Mutter und Kind oder zu wenig Kontakte zu Gleichaltrigen oder.....

4. oder der Vielzahl an "sozialen Kontakten" sprich Besuche im Freundeskreis zu viele oder zu wenige usw.

5. Hat die Familie viel Geld, wird das Kind automatisch zu sehr verwöhnt, hat sie keines, ist die Armut natürlich ein Umstand, der die Kinder zu dissozialem Verhalten führt.

6. Hat das Kind viel Spielzeug, so zeigt das automatisch, dass es an Zuwendung fehlt, und natürlich ist es von der Fülle überfordert, ganz gleich, ob alles offen herumliegt oder "unsichtbar" verstaut ist hat es wenig, so mangelt es selbstverständlich an ausreichender Anregung oder bei zu rigider "Verwaltung" des Spielzeuges oder Beschränkungen des Zugriffes dazu wird die Spontaneität des Kindes unterbunden, was sich natürlich ebenso auswirkt in fehlender Kreativität oder Zwängen oder Trotzverhalten oder

7. Hat das Kind viele Bücher, so wird es logischerweise stets zu kopflastig angesprochen, die emotionale Entwicklung wird vernachlässigt, hat es wenige, so wird es nicht ausreichend gefördert, das ist doch offensichtlich? Und wenn es sich dann noch selbst Lesen und Schreiben und Rechnen beibringen sollte, dann liegt das an der überzogenen Erwartungshaltung und dem Druck der Eltern, ist doch klar... Da reicht es schon, dass irgendwo Lektüre gleich welcher Art herumliegt, das Kind spürt den Aufforderungscharakter und sieht sich gezwungen, den Wünschen der Eltern entsprechend sich nur noch mit Lesenlernen zu beschäftigen, gibt es da irgendeinen Zweifel? Das MUSS doch zu Neurosen führen. Ebenso wie das Vorhandensein eines Schachcomputers, oder von Atlanten, Globen, Kreuzworträtselheften, Kartenspielen, was auch immer.

8. Und wenn es das alles gar nicht lernt? Gar das Sprechen verweigert? Das liegt selbstverständlich auch an den Eltern!!! Sie haben zu wenig mit dem Kind gesprochen, es emotional oder kognitiv vernachlässigt oder aber völlig überfordert und so die Verweigerung als Schutzreaktion ausgelöst...logo.

9. Darf das Kind fernsehen, gameboyspielen, einen Computer benutzen, so leidet es automatisch an Reizüberflutung und wird von Aggressionen gebeutelt, darf es das nicht oder wenig, so wird es von den Erfahrungen seiner Altersgenossen ausgeschlossen und zu weltfremd erzogen.

10. Darf es im Spiel herumtoben und sich schmutzig machen, bekommt es nicht genug Grenzen gesetzt, darf es das nicht, so werden ihm elementare Erfahrungen vorenthalten, die ein späteres Zwangsverhalten bewirken.

11. Muss es immer alles essen, was auf den Tisch kommt, dann ist das automatisch die Ursache für Übergewicht oder Bulimie oder Magersucht oder ... kann es essen was und wieviel es mag, bekommt es natürlich nicht genug Grenzen gesetzt... kein Wunder, wenn es sich nicht benehmen kann.


Gibt es irgendwelche Regelungen "in der goldenen Mitte", so ist das inkonsequent und das arme Kind wird völlig verwirrt.
Und wenn es dann noch bei der Oma alles essen muss, aber zuhause auch Nachtisch bekommt, wenn der Teller nur halb leer ist oder umgekehrt...


JEDER Erziehungsstil kann positiv und negativ ausgelegt werden, wenn man nur flüchtig genug hinschaut.

Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, Hauptsache es findet sich jemand, dem man die Schuld zuweisen kann, damit fleißig und teuer in diese Richtung therapiert werden kann. Und wenn solche Therapien keinen Erfolg haben, dann liegt das natürlich an inneren Blockaden des Therapierten, die es zu überwinden gilt. Damit die Kasse weiter klingelt. Wen interessiert, ob sich das Leben des Betroffenen dadurch verbessert?

Dass die meisten Eltern ein durchaus gesundes "Mittelmaß" wahren und dass eine "perfekte" Erziehung weder möglich noch sinnvoll ist, wird allzuoft ignoriert.


Wie sollte ein Kind lernen, mit der Unvollkommenheit der Welt zurechtzukommen, wenn alle Eltern IMMER alles optimal machten? Sie würden sich dem Kind als Übermenschen präsentieren und DAS würde tatsächlich zu emotional bedingten Problemen führen.

Und darüberhinaus... ich möchte die Familie sehen, in der es in der Verwandtschaft nirgendwo irgendeine "Leiche im Keller" gibt, die hervorragend als Ursache aller Probleme ausgeguckt werden könnte.

Wenn man bedenkt, welche Erziehungspraktiken früher allgemein üblich waren, dann ist es doch ganz natürlich, dass diese auch in der heute erziehenden Generation in irgendeiner Weise nachwirken. Wenn man fleißig genug sucht, findet man IMMER irgend etwas "geeignetes".


Man sehe sich beispielsweise unseren Bundeskanzler an:

Alleinerziehende Mutter, ärmliche Verhältnisse in der Kindheit, der Bruder noch heute arbeitslos... Und dann fragt er auch noch ganz offen nach Bier, wenn er "nur ein paar Autogramme" geben soll... und schon könnte man einen schwer beeinträchtigten Alkoholiker aus ihm stricken, wenn man böswillig wäre... beste Voraussetzungen um auf die schiefe Bahn zu geraten und schwere psychische Störungen zu entwickeln???
Wenn er tatsächlich eine solche Entwicklung genommen hätte, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Mutter als Sündenbock definiert worden.


Solche Schuldzuweisung ist nichts weiter als ein hilfloses aber vehement als "Diagnose" vertretenes Pauschalurteil, wenn eben solche Fachleute nicht weiterwissen, weil das Kind alle Standarderziehungsratschläge unterläuft.

Denn sonderbarerweise fällt solchen Experten meist nichts ein, wenn man sie nach konkreten Erziehungsratschlägen fragt, lediglich Allgemeinplätze. Und wenn diese nicht wirken, liegt es an der Unfähigkeit der Erziehenden. Womit man bequem den Kreislauf geschlossen hätte.
Alle Eltern hier können von diesen Praktiken wohl mehr als nur ein Liedchen singen...
Wie gut, dass es auch einige wirkliche Fachleute gibt... und wie traurig, dass diese so rar sind.


Bleibt zu ergänzen, dass es natürlich auch Eltern gibt, die sich tatsächlich nicht kümmern, aber diese bilden eindeutig die Ausnahme.




© Cornelia Rienks 2001


____________________

Liebe Grüeß
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 21:32
Nein, es ist keine Dame aus dem Ruhrgebiet, etwas weiter südlich. Kann ich dir eine Persönliche Nachricht schreiben? Es wäre vielleicht interessant für dich, zu welcher Sorte "Verein" sie gehörte! Das möchte ich aber hier nicht offiziell schreiben!

Dein Text zu den "fehlerhaften" Eltern finde ich ganz wunderbar - er trifft es. Alles was ich mir schon anhören musste, sogar von meinen eigenen Eltern!

Gute Nacht wünscht columbia

von columbia - am 07.01.2006 21:51

Re: Noch eine Frage:

Hallo Columbia,

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Und ich jammere hier herum! Rein körperlich geht es meinem Sohn ja gut.


Trotzdem hast auch du ein Recht, dich mal auszuweinen und auch zu jammern, wenn dir danach ist! Wir machen hier ja keinen Wettbewerb, welchem Kind es am schlechtesten geht. :-)


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Aber weißt du, es geht mir nicht um Steuererleichterungen. Die Frage ist, ob er es nicht noch schwerer hat, wenn er einen Behinderten-Ausweis hat. Ob sich dann Schulen weigern? Bisher sieht ihn die Lehrerin wohl als Kandidat fürs Gymnasium, ob er mit einer Behinderung wg. Asperger dort auch angenommen würde?

Fragen, die es auch nicht leichter machen.


Aber wichtige Fragen!

Das wird auf der Mailingliste oft dikutiert. Und wir kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass ein Ausweis wichtig ist. Unsere Kinder bekommen nur mit offizieller Diagnose und Ausweis die Unterstützung, die sie brauchen.
Was hilft es dir, wenn er aufs Gymnasium wechselt und dort dann sofort ausgesiebt wird, weil sein Verhalten so bizarr erscheint?
mit Ausweis kannst du bei Bedarf einen Integrationshelfer finanziert über Eingliederungshilfe beantragen, der ihn in die Schule in den Unterricht begleitet und ihm bei Bedarf auch in de Pause hilft, mit den anderen Kindern zurecht zu kommen. Er hat Anspruch auf bestimmte Nachteilsausgleiche wie Arbeitszeitverlängerung, wenn er sie benötigt.

Sicher weigern sich einige Schulen, aber an denen würde er ohnehin bald scheitern.
Es ist wichtuig, dass zumindest die Lehgrer aufgeklärt werden, was mit ihm los ist. Auch sie brauchen Unterstützung - zumindest in Form von Hinweisen, wie sie am besten mit ihm umgehen können.

Grundsätzlich aber hat dein Sohn einen Anspruch darauf, nach seinem kognitiven Leistungsvermögen beshcult zu werden.
Das haben alle Kultiusminister im Jahre 2000 so empfohlen:
[www.kmk.org]
Denn spezielle Schulen für Asperger Autisten gibt es nicht - und sie sind auch nicht wirklich sinnvoll, so sehr man sie sich in mancherlei Hinsicht wünschen würde, weil ihnen dann die anderen Kinder als Verhaltensvorbild und -Orientierung fehlen würden, die sie dringend benötigen.


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Auf welche Schulform geht dein Sohn?


Mein Sohn hat eine katastrophale Schulodyssee hinter sich und verweigert nach unzähligen shclechten Erfahrungen seit über einem Jahr den Schulbesuch ganz.
Zuletzt besuchte er ein katholisches Gymnasium, das nun das Ruhen der Schulpflicht beantragt hat. Ich wünsche mir übergangsweise Hausunterricht für ihn, um seine Ängste abzubauen, der wird aber bislang abgelehnt.




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Ich habe übrigens bisher intuitiv meinen Wunsch nach Berufstätigkeit zurückgestellt, da ich FÜHLE, dass mein Sohn in der Mittagsbetreuung noch größere Probleme hätte - das versteht kein Mensch! Alle sagen mir: er wird sich schon dran gewöhnen, ich glaube das aber nicht.


Es gibt Kinde rmit Asperger Syndrom, die damit klar kämen, aber mein Sohn ebenfalls nicht. Ich denke, du kennst deinen Sohn am besten und deinem Gefühl solltest du darum trauen. Natürlich nicht ohne echte Argumente anderer vorher zu durchdenken. Aber wenn sie dich nicht wirklich überzeugen können, dann entscheide nach deiner Einschätzung der Situation. Denn die eltern tragen die Verantwortung, niemand sonst.

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 22:16
Hallo Columbia,

nun müsstest du meine Mailadresse finden, wenn du auf meinen unterstrichenen Namen oben klickst.

Dir auch gute Nacht
Cornelia



von Cornelia - am 07.01.2006 22:32
Hallo Columbia,

mit der Zeit habe ich ein "dickeres Fell" bekommen. Ja, wir sind etwas anders, na und? Das hat einige Jahre gedauert. Aber nach vielen Jahren suchen, lesen, austauschen, Hilfe finden und mittlerweile auch Medikamente nehmen, bin ich emotional stabiler und nicht mehr sooo abhängig von der Meinung anderer.

Mein Sohn wurde schon mit 5 diagnostiziert. Ich merkte ab Eintritt in den Kiga, dass wir Hilfe brauchen. Dass er für einige Dinge einfach nichts kann und sich unter Reizeinströmung (50 Kinder) anders verhält als zuhause. Rückblickend war er schon als Säugling sehr schnell reizüberflutet mit den normalsten Dingen, aber das war für uns normal. Wir fanden die anderen Kinder eher abgehärtet. Witzig eigentlich.

Nach 1,5 Jahren Ergo, die nicht viel gebracht hat (obwohl sich die Therapeutin echt Mühe gegeben hat), habe ich dann eine Kinderärztin aufgesucht, die gleichzeitig Kinderpsychiaterin ist. Sie hat dann eine leichte ADS diagnostiziert und seit Schuleintritt 2004 bekommt er morgens Medikinet.

Ich selbst kam bei mir durch eine gute Freundin auf den gedanken an ADS. Sie meinte, ich sei wie mein Sohn und würde total unruhig bis agressiv, wenn zuviel Rummel um mich sei. Ich habe dann ganz viel gelesen (Sabine Bernau: "Alles über ADS bei Erwachsenen", die Bücher von Cordula Neuhaus und natürlich hier im Forum und dem Internet an sich. Auf einmal machte so vieles Sinn (Burnout, Jobverluste, Reizüberflutung, Tinnitus, Impulsivität, Agressivität, Depressionen etc.) Symptome, die trotz jahrelanger Psychotherapie nicht verschwanden.

Ich war erst in einer Uniklinik, wo man mir sagte, ich sei einfach alle, weil alleinerziehend mit ADS-Kind. Da mein Grundschulzeugnis nicht ads-typisch war, lag für die keine ADS vor. Hat man die Schule nicht ramponiert, dann konnte das in deren Augen nicht sein.

Dann war ich in einer anderen Klinik und da fühlte ich mich wirklich ernst genommen. Ob Prorte, Sekretaritat oder Arzt, alles sind super nett und spüren, wenn man leidet. Es ist ihnen nicht egal. Er hat die ADS-Diagnose gestellt und verschreibt mir seit etwa 6 Monaten Medikinet.

Und mein (emotionales) Leben ist seitdem so anders. Keine tiefen Tiefs, sondern normale Traurigkeit, weniger Agressionen, weniger Ausraster, emotional autonomer, weniger dramatisch fühlt es sich an. EINFACH SCHÖN! Und ich kann geduldiger mit meinem Sohn sein. Selbst ein Kindergeburtstag ist nicht mehr der reizmäßige Horrer, sondern ich kann es fast genießen.

Ich bin zwar immer noch krank geschrieben und es ist fraglich, wann ich einen neuen Job bekomme, aber ich habe zum ersten Mal seit Junior auf der Welt ist, Zeit für ihn und für mich. Insofern kann ich auch nur sagen, sei für Deine Kinder da, wenn es finanziell nicht zwingend ist zu arbeiten. Mein Sohn ist auch total gestresst, wenn er täglich in die Betreuung muss, was 2004 noch der Fall war. Ich kann weder an ihn noch an mich die "normalen" Maßstäbe setzen. Natürlich müssen wir unsere Pflichten (Arbeit, Schule etc.) erfüllen. Ich halte es aber zeitlich so gering wie möglich.

Wir waren das letzte Mal vor 5 Jahren im Urlaub. Aber das ist es mir wert. Ich habe bis Ende 2004 25-30 Wochenstunden gearbeitet (alleinerziehend, ich bekomme keinen Unterhalt). Es hat zum Leben gereicht. Für mich ist Zeit und INNERE RUHE LUXUS.

Falls Du noch Fragen hast...

Viele Grüße,

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 09.01.2006 13:39
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