Wer weiß von der ADHS eurer Kinder?

Startbeitrag von columbia am 20.01.2006 21:46

In einem Buch habe ich gelesen, man sollte so wenig Menschen wie möglich davon erzählen, eigentlich nur den direkten Bezugspersonen.

Wenn die Kinder in der Schule aber eine Tablette nehmen müssen, wissen es doch alle Mitschüler. Und damit auch deren Eltern. Und die reden wieder mit anderen darüber.

Oder man ist eingeladen und das Kind gibt wieder alles. Sagt man es dann? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Bisher weiß es bei uns nur die Lehrerin und die direkte Familie und mein Sohn hat es selbst seinem besten Freund erzählt.

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Viele Grüße, columbia

Antworten:

Hallo,

ich sehe das eigentlich relativ locker. Ich erzähle es Freunden/Bekannten/Lehrern, bei denen ich weiss- die können damit umgehen und haben eine gewisse Intelligenz.

Aber wenn es Diskussionen gibt, dann sage ich: Hast Du Ahnung? Kennst Du dich aus? Wenn nicht- dann am Besten mal die Schn... halten. Ich unterhalte mich nur mit Leuten, die sich auskennen. Was Medikamente???? Wie könnt ihr das nur machen?

Die Wenigsten haben eine Ahnung, was unsere Kinder für einen Leidensdruck haben. Und dann muss man sagen - informiere Dich, dann können wir weiter reden. Dann gibt es nur "doofe" Blicke.

Die Lehrerin des Ältesten kann ich nicht ernst nehmen! Legastenie, Dyskalkulie, ADS... alles nur Ausreden. Da gibt es für mich keine Gesprächsgrundlage mehr! Da fragt man sich in welchem Jahrhundert die lebt- und ob es keine Fortbildung gibt.

Ich habe da echt keine Hemmungen und ich lege die Probleme bei kompetenten Menschen offen.

Liebe Grüße

Anja

von Chaotentruppe - am 21.01.2006 00:24
Hallo Columbia,

mein Sohn nimmt nur morgens Medis. Die Wirkung hält bis ca. 12.30 / 13.00 Uhr. Eine zeitlang musste er morgens in der Schule welche einnehmen. Das geschah dann in der 1. grossen Pause im Lehrerzimmer im Beisein einer Lehrerin. Die anderen Kinder bekamen also nur mit, dass er dann kurz weg war.

Ich gehe zwar mittlerweile recht selbstbewusst mit dem Thema um, bei Leuten, von denen ich aber denke, sie haben keine Ahnung oder Vorurteile sage ich:

Mein Sohn und ich haben eine Reizfilterschwäche. Wir können - im Gegensatz zu anderen - akkustische und visuelle Reize kaum abschirmen. Dadurch werden wir unruhig, geraten unter Stress. Das ist genetisch und mit Hilfe des Medikaments haben wir einen "Schutzfilter". Stelle Dir vor, neben Deinem Büro ist permanent eine laute Baustelle. Könntest Du da konzentriert und entspannt arbeiten?

Das Wort ADS polarisiert leider zu oft. Daher nehme ich es manchmal erst in den Mund, wenn der Gegenüber verstanden hat, wie wir uns fühlen.

Wir haben aber auch zum Glück eine Schule, in der ADS als solches bekannt ist, wo wir Eltern (eine andere Mutter und ich in der Klasse meines Sohnes) nicht verurteilt werden. Im Gegenteil, sie sehen, was wir und unsere Kids leisten und dass wir bemüht sind, ihnen ein gutes Leben zu bereiten. Danach habe ich auch die Schule ausgewählt. Sie waren bereit, meinen Sohn einzuschulen - auch wenn ich ihm kein Medikament gegeben hätte.
Auf dem Schwarzen Brett am Eingang steht:"Jeder kann etwas anderes besser."


Viele Grüße,

von Mottensprotte, die mit der Baustelle am Kopf ;.)

von Mottensprotte - am 21.01.2006 09:56
Hallo columbia,

ich würde mich da nach meinem Kind richten.

Unser Sohn z. B. wollte nicht, dass es jemand weiß. Ich habe ihn daher auch immer erst darüber informiert und gefragt, wenn ich mit jemandem, z. B. Lehrern, darüber sprechen musste.

Ich finde das auch richtig so. Es geht nicht in erster Linie darum, wie wir Erwachsenen damit umgehen, sondern wie die Kinder damit umgehen, bzw. deren Umfeld. Kinder haben da oftmals eine andere Sicht der Dinge und möchten nicht so gern zwangsgeoutet werden.

Im Zuge von mobbing & Co., was wir z. B. massiv erlebt haben, sollte man auch vorsichtig sein, wem gegenüber man sich öffnet. Man kann auch nicht immer auf ein verständnisvolles Gegenüber hoffen.

Unser Sohn nimmt seine Medis unbeobachtet ein. Das lässt sich ganz gut regeln, er hat sowieso immer etwas zu trinken dabei und in der Pause fällt es dann keinem auf. Er hat eigentlich mittlerweile keine Probleme mehr damit ADS-ler zu sein, er will es aber auch nicht thematisieren.

Das respektiere ich und richte mich danach.

VG

Claudia



von ClaudiaW - am 21.01.2006 10:00
Hallo!

Wir sehen es auch ganz locker!!

Verwandte,Freunde, Nachbarn und die Lehrer unseres Sohnes wissen es alle.

Wir haben doch keine ansteckende Krankheit.

Unser Jonas hat doch nur "ADHS".

Wer negativ drüber redet,dem sag ich ,er soll sich erst informieren und dann sich drüber äußern.

Seit dem es zB die Nachbarn wissen,merke ich ,dass sie sich immer mehr darüber informieren.

Es bleibt ja keinem hier rundherum verborgen,wenn Jonas einen totalen Wutausbruch bekommt,oder er einfach morgens nur laut ist.


LG

Birgit

von Tante Rosa - am 21.01.2006 10:02
Es ist schön, zu lesen, wie ihr damit umgeht.

Ich habe es bisher nur ganz wenigen Leuten erzählt und manche Reaktion ließ mich wirklich zusammenzucken. Ihr kennt das alles, es ging immer um die Medis, Suchtgefahr, Ruhigstellung etc. Die Leute sehen zu viele schlechte Sendungen und sind einfach nicht informiert.

Ich möchte eben verhindern, dass er noch mehr zum Aussenseiter wird. Bisher hat mein Sohn gesagt, er möchte nicht, dass noch mehr Leute Bescheid wissen. Das akzeptiere ich. Auch wenn dann eben viele Leute denken, ich könne mein Kind nicht erziehen.

Ich habe es aber seiner ehemaligen Erzieherin gesagt (im selben Kiga ist jetzt mein Kleiner) und ihr ist ein Stein vom Herzen gefallen - sie fühlte sich damals von meinem Sohn immer so abgelehnt. Er mochte sie aber immer. Und wenn er jetzt mal mitkommt, seinen Bruder abzuholen oder zu Feiern, hat sie mehr Verständnis für sein (manchmal) merkwürdiges Verhalten.

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 21.01.2006 10:25
Hallo Columbia,

wir sind (was unser Kind betrifft) auch immer sehr vorsichtig gewesen, allerdings sind wir inzwischen sicherer, denn es ist ja offensichtlich, dass MPH unserem Sohn seit über 5 Jahren gut hilft.

Dass ich selbst eine ADS-Diagnose habe und MPH nehme, erzähle ich aber kaum jemand. Ich habe keine Lust, im beruflichen oder privaten Umfeld als "psychisch krank" angesehen zu werden oder unterstellt zu bekommen, ich sei von einem rauschmittelähnlichen Stoff abhängig.

Viele Grüße
Winterkind

von Winterkind - am 21.01.2006 15:52
hallo,
wir haben es der lehrerin mitgeteilt. zum einen war es kurz vor der diagnosestellung echt 5 vor 12 und die sache drohte zu eskalieren. darum habe ich ihr in einem elterngespräch berichtet welche schritte wir eingeleitet haben und sie auch auf dem laufenden gehalten.nachdem die diagnose feststand und das medkament da war, habe ich die lehrerin mit lesestoff versorgt, was sie sehr begrüsst hat. sie war von anfang an sehr aufgeschlossen und zu jeder zeit bereit uns zu unterstützen, wir stehen in regelmässigen kontakt.wie sie mir neulich mitteilte ist unser sprössling nicht der einzige ads kandidat in der klasse und sie rief mich neulich an um zu frage ob sie unsere erfahrungen (ohne namensnennung) an die eltern der betroffenen kinder weitergeben dürfe.
ausser der lehrerin weiss es noch eine erzieherin im hort, die sehr dankbar war für die information und so ganz anders auf ihn einging.
da wir ein retard medikament haben muss unser sohn nichts während der schulzeit einnehmen und er hat mich auch gebeten es niemandem zu sagen. das respektieren wir.

grüsse von xavalon



von xavalon1 - am 23.01.2006 07:31
Hallo Columbia,
weil unser Sohn ziemlich gemobbt wurde (Fies sein, Niedermachen bis Schubsen, Schlagen, Hinwerfen) wusste es bis in die vierte KLasse nur der Klassenlehrer (er hat seine ADS in der 3. Klasse zuerst bemerkt) und die enge Familie.

Jetzt nach 2 Jahren auch eine Nachbarin - war notwendig, damit sie versteht, warum er manchmal einfach nicht zuhört.

Die Lehrer der neuen Schule wissen es, allerdings ohne es in den Noten zu berücksichtigen - sonst erscheint es auf dem Zeugnis und es gibt viele Erwachsene, die alles nur für eine Modeerscheinung und Ausrede halten.

Sonst weiß es bis auf zwei eng befreundete Familien niemand. Die Eltern hier sind nicht gerade der Hit und haben schon während der sich zuspitzenden Mobbing-Probleme die Ansicht geäußert, dass "solche Kinder" (die von anderen geärgert werden) das irgendwie durch ihr Verhalten herausfordern. Also haben wir hier nichts gesagt.

Achja - der Trainer für Selbstverteidigung weiß es auch - und kann klasse damit umgehen.

Grüße

Filiti

von Filiti - am 23.01.2006 12:23
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