Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Lilly., Line_1, Sternchen*, Mamabär02, PiaMarie, AnnaS, Tante Rosa, columbia

ads mit hypoaktivität

Startbeitrag von Line_1 am 26.01.2006 08:59

hallo,

erst einmal möchte ich sagen, daß ich es toll finde, daß es dieses Forum gibt.

Wir haben eine 10jährige Tochter, bei der vor ca. 1 1/2 Jahren ADS mit Hypoaktivität nach ausführlicher Diagnostik festgestellt wurde. Es war für uns eine große Hürde, zu akzeptieren, daß sie Ritalin benötigt. Aber wir haben uns belesen und viele Gespräche geführt und sind zu dem Schluß gekommen, daß man ihr diese "Chance" nicht verweigern kann. Nun bekommt sie Concerta plus 5 mg Ritalin morgens und sowohl unsere Tochter als auch wir empfanden das Medikament als sehr hilfreich. Sie war erstmals in der Lage sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren und sie in geforderter Zeit zu erledigen.

Nun geht unsere Tochter seit letztem Schuljahr in eine Waldorf-Schule. Wir sind sehr froh, daß wir dort einen Platz für sie bekommen haben. Sie fühlt sich wohl und entwickelt sich gut. Die Pädagogen der Schule stehen allerdings Ritalin sehr kritisch gegenüber und möchten am liebsten, daß wir die Medikamente absetzten. Sie sagen, man solle jedem Kind erlauben, so zu sein, wie es ist. Das Medikament würde sie "fremdsteuern" und sowieso sei ja gar nicht erwiesen welche Spätfolgen Ritalin habe und je länger sie es bekomme um so schwieriger würde der "Ausstieg". Von ihnen bekämen wir jeglichen Rückhalt, sie wären auch zu zusätzlichem Förderunterricht etc. bereit. Solche Argumentation spricht natürlich direkt das schlechte Gewissen an.

Wir haben schon so viel gelesen und gehört, so viel für und wider. Einerseits sehen wir, wie gut es unserer Tochter im Moment geht, andererseits haben wir Angst, später einmal unsere Handlungsweise zu bereuen. Wir sind hin und hergerissen und wollen einfach nichts falsch machen. Hat vielleicht jemand schon eine ähnliche Situation erlebt? Wir sind für jede Meinung dankbar.

Line

Antworten:

Liebe Line,

waren wir nicht alle am Anfang hin- und hergerissen von der Vorstellung, unsere Kinder sollten dieses (oft verteufelte) Medikament nehmen?

Ich habe es mir auch nicht leicht gemacht. Aber ich sehe, dass mein Sohn nur mit den Medis sein Potenzial ausschöpfen kann. Sicher käme er auch "irgendwie" ohne Medis aus, aber sein Weg durch die Schule wäre geprägt von ständigen Ermahnungen, Ausgrenzungen, Frustrationen - trotz hoher Intelligenz hätte er massive Probleme.

Für mich ist es sehr hilfreich, hier die Beiträge von Erwachsenen mit ADS zu lesen. Sie berichten, wieviel besser es ihnen mit den Medis geht. Sie sind oft traurig, dass es in ihrer Schulzeit diese Möglichkeit nicht gab. Sie trauern verpassten Gelegenheiten nach.

Ich finde es nicht richtig, dass ihr von der Schule bedrängt werdet. Ihr habt festgestellt, dass es eurer Tochter viel besser geht - das muss doch die Hauptsache sein. Die Quälerei mit Förderunterricht ist sicher auch nicht so toll für eure Tochter. Und Waldorf hin oder her, ich würde schon verlangen, dass die Schule eure Entscheidung respektiert. Die Aussage, dass die Medis eure Tochter "fremdsteuern", würde mich über einen Schulwechsel nachdenken lassen. (Klingt so nach Ausserirdischen, die die Macht übernommen haben....)

Ich habe unsere Kinderärztin (schon älter, sehr erfahren, insgesamt sehr vorsichtig bei der Medikamenten-Verordnung - sie verordnet das Ritalin auch nicht) kritisch befragt. Sie sagte mir, sie hat zu einigen Patienten, die lange mit Ritalin behandelt wurden, die jetzt erwachsen sind, noch Kontakt. Bei keinem einzigen gab es Probleme.

Und dass der "Ausstieg" schwierig wäre, habe ich noch nie gehört - eher, dass nach der Pubertät die ADS schwächer wird und keine Medis mehr benötigt werden. Aber dazu können hier bestimmt Eltern von älteren Kindern mehr berichten.

Ich wünsche euch alles Gute, hört auf euer Gefühl!

Viele Grüße, columbia

von columbia - am 26.01.2006 09:47
Hallo Line!!

Ich würde mich auf soetwas gar nicht einlassen.

Wenn ihr sagt, eurer Tochter geht es besser mit Medikamenten und sie sagt es ja auch,warum wollt ihr sie dann quälen lassen?

Lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden.

Wir haben uns auch schwer getan unserem Filius die Medis zu geben.Aber wir haben es bis heute nicht bereut.

Klar,unsere Lehrerin war am Anfang auch überhaupt nicht begeistert von den Tabletten.

Wir haben auch die Probe aufs Exampel gestellt.Einen Tag hat er keine Medis bekommen und in der Schule wurde ein Mathetest geschrieben.

Was meinst du wie der ausgefallen ist? Nicht eine Aufgabe hat er gemacht.

Am nächsten Tag durfte er den Test wiederholen und hat alle Aufgaben geschafft und zwar mit null Fehlern.

Danach hat die Lehrern nie wieder ein Wort über die Medis gesagt.

Also überlegt es euch gut

LG

Birgit

von Tante Rosa - am 26.01.2006 10:21
fremdgesteuert??? so ein blödsinn....habe auch ein träumerchen und mit den Medis habe ich endlich mal das gefühl sie kann so sein wie sie wirklich ist......es ist doch genau das gegenteil....sie wollen doch und können nicht und da helfen eben die Medis endlich das zu sein was sie sind.....
LG LIlly

von Lilly. - am 26.01.2006 10:31
Hallo Line,

lass Dich bloß nicht verunsichern !

Beim letzten Symposium in Frankfurt war von Dr. Michael Meusers, Leiter der Kinder und Jugendpsychiatrie des anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke der folgende Satz zu den Gefahren von Ritalin zu hören:

„Sie alle haben sicher schon gefährliche Medikamente eingenommen. Zum Beispiel Aspirin“

Ritalin wird seit fast 60 Jahren (!) angewandt. Was hörst Du aus dem Land der unbegrenzten Schadensersatzforderungen von Prozessen gegen die Hersteller ? Nichts! Und warum nicht? Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und vorhandener Indikation kann eigentlich nichts passieren.

Den Waldis würde ich freundlich aber gaaaanz bestimmt klarmachen, dass die Medikation einer ärztlich festgestellten Stoffwechselstörung (ADS) ausschließlich eine Sache zwischen dem Arzt und den Erziehungsberechtigten des Patienten ist.

Frag die Lehrer doch mal, ob sie auch auf die Idee kämen die ärztliche Therapie eines Diabetes (auch ne Stoffwechselstörung die unter Anderem zu Konzentrationsschwäche führt) in Frage zu stellen und alternative Behandlungsvorschläge zu machen.

Privat kann jeder Lehrer (ob Waldi oder nicht) zu Stimulantien denken, was er will. Dienstlich gesehen ist er nicht berechtigt sich da einzumischen.

Ansonsten, besagter Doktor Meusers hält auch gerne Vorträge in Waldorfschulen. Ladet ihn doch mal ein. Ein Genuss kann ich nur sagen ! So wie er das bringt werden alle am Ende seine Ausführungen zum Einsatz von Ritalin beklatschen!

Eine Mitschrift des Symposiumsvortrages gibt es hier:

[blog.geekgirls.de]

Nehmt Eurer Tochter nicht die Chance, sich unter Medis positiv zu entwickeln !

VG
Anna



von AnnaS - am 26.01.2006 11:11
Hallo Anna,

ich bin selbst Adslerin mit Hypo und ich hätte glaube ich soo viel mehr aus meinem Leben machen können.

HÄTTE!......

Ich nehme erst seit kurzem Medikamente und muß sagen, ich fühle mich überhaupt nicht fremdgesteuert!
Ich habe mich auch am Anfang gefragt, ob ich eigentlich noch ich bin.
Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, ob sich meine Persönlichkeit durch die Medikamente verändert.

Ich bin zu folgendem Schluß gekommen:

Ich war bisher nie so, wie ich sein wollte. Ich KONNTE bisher nicht so sein wie ich wollte.

Seit ich Medikamente nehme bin ich endlich auch äußerlich mit meinem Innersten eins! Ich war noch nie so sehr ICH wie ich es in den letzten Wochen war!

Ich bin ruhiger.

Und hänge mich emotional nicht mehr so stark in Dinge rein, die mich persönlich nicht betreffen.

Ich bin nicht mehr so depressiv.

Ich kann auf meine Kinder so eingehen, wie ich es schon immer wollte.

Mein Haushalt sieht wesentlich besser aus. Ich habe immer alle um ihre Ordnung beneidet! :O)

Ich denke mal, daß die Medikamente sehr viel Positives ermöglichen und starke Nebenwirkungen sind ja bislang noch nicht wirklich bekannt geworden.

Nun nehme ich die Medis ja selbst. Ich habe das für mich so entschieden und ich weiß ehrlich gesagt, nicht, ob mir die Entschiedung so leicht fallen würde, wenn ich sie für eines meiner Kinder treffen müßte....
Man entscheidet halt für ein sein Kind und will auf keinen Fall das Falsche tun...
aber wenn die Verbesserung sooo deutlich ist und das Kind sich wohl fühlt und Nebenwirkungen nicht erwiesen sind...... dann sind Medikamente vielleicht die richtige Entscheidung?

Trotzdem hoffe ich, daß mir diese Entscheidung erspart bleibt.

Liebe Grüße
PiaMarie

von PiaMarie - am 26.01.2006 12:00
Hallöchen!

Möchte mich den anderen anschließen.

Mein Sohn ist jetzt 16J.alt und nimmt immernoch Medis.
Ab und an können wir schon mal weniger geben,aber das kommt auf die Tagessituation an,in der Schule gibs das volle Programm,weil er es sonst nicht packt.

Er hat mal gesagt:

Mein Leben ist wie ein Kartenhaus,lasse ich die Medis weg,fällt es zusammen!

Also,wir wissen,daß unser Sohn mit Medis endlich so sein kann,wie er wirklich sein möchte.Ohne würde es niemals so hinhauen.

Auch uns hat man damals verunsichert,aber wir mußten lernen,stark zu sein,unserem Bauchgefühl nachzugehen,nicht was ANDERE evt.unwissende sagen.Laß Dich von der Schule nicht verunsichern o.beeinflussen,den Schaden+die Auswirkungen muß das Kind erleiden.

Uns hat man damals gesagt,unser Sohn braucht keine Förderung,aber wenn wir die Medis weglassen,würde er welche kriegen,in der Schule f.schwer verhaltensgestörte Kinder,ich habe NEIN gesagt,mit einem IQ von über 136 kommt mein Kind da nicht hin.

Er geht nun auf eine Privatschule,wo man zuerst auch gegen die Medis war,trotz Fortbildung ADS der lehrer,aber nachdem sie erfahren mußten,was Junior alles so anstellt in der Schule,haben SIE ihm gesagt,wenn er doch besser mit Medis zurecht kommt,möge er sie nehmen,sonst ist u.a.auch die Versetzung gefährdet und seitdem klappt es.

heute ist er eigentlich unterfordert,aber verhaltensmäßig keine Chance auf Realschule.Also,mit Medis nen guten,erweiterten HS-Abschluß ist doch ok.

Wünshce Euch viel Kraft und bleibt stark,dein Kind wird es Dir später danken!

MfG von Sternchen*

von Sternchen* - am 26.01.2006 13:01
Hallo, ich muss PiaMarie recht geben mit den ERfahrungen. Ich selbst nehme sie auch.

Auch meine Kinder nehmen sie, sie hatten die zuerst bekommen. Ich weiß jetzt wie es meinen Kindern geht und würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden, da ich am eigenen Leib erlebe, dass das Leben auch Spaß machen kann. Dass man endlich das sein kann was man ist.......

LG Lilly

von Lilly. - am 26.01.2006 13:13
Hallo Line,

ich habe einen 8-jährigen Sohn mit ADS und Hyperaktivität, ich bin also nicht ganz die Spezialistin, denn bei uns merkt man einen deutlichen Unterschied zwischen mit/ohne Medis und die Wirkung kann jeder, wirklich jeder nachvollziehen.
Und von wegen ferngesteuert! Ohne Medis hat man manchmal den Eindruck, (vor allem morgens) er wäre nicht ganz dicht - plappert unzusammenhängendes, wirres Zeug, rennt absichtliche gegen Türen und Wände ..... .
Bei Hypos denke ich ist es eher das Gegenteil. Sie sind ja eher introvertiert und unauffällig und das Leben rauscht an ihnen vorbei.
Was uns ganz erheblich bei der Entscheidung Medis ja oder nein geholfen hat, waren nicht die guten oder schlechten schulischen Leistungen, weil sich die Kids nicht konzentrieren können, sondern eher die psychischen Sekundärfolgen, wenn keine Medikamente verabreicht werden!!
Angefangen mit vermindertem Selbstwertgefühl, Ausgrenzung im soz. Umfeld, Depressionen bis hin zu erhöhter Suizid- und Suchtgefährdung (wohl gemerkt, wenn keine Medis gegeben werden!!!!)
Das wollen wir unserem Sohn ersparen und ihm die Möglichkeit geben seine Impulsiviät zu bändigen und trotzdem seine Spontaneität und Phantasie beizubehalten.

Wenn ihr schon die positiven Auswirkungen der Medis an eurer Tochter beobachten konntet, dann würde ich mir das von der Schule nicht mehr ausreden lassen. Zusätzlicher Förderunterricht ist doch auch eine Quälerei! Sie KANN sich ja nicht besser konzentrieren, da hilft auch kein Förderuntericht!

Laßt euch nicht beirren, bleibt eurer Tochter zuliebe dabei!

Eher würde ich die Schule wechseln oder auf ein Retardpräparat wechseln, sodaß die Schule von den Medis gar nichts mitbekommt.
Und überhaupt geht es sie gar nichts an!!

von Mamabär02 - am 26.01.2006 14:11
Genau Mamabär, meine kleine habe ich mit Förderunterricht gequält. Aber es nix gebracht. Damit sind die Probleme des ADS oder ADHS noch lange nicht weg....
Ich habe einen Sohn mit ADHS und eine Tochter mit ADS....von jedem was.....
ich hab von der lehrerin der 1.+2. Klasse zu hören bekommen sie hat kein ADS...ADS sind doch die Kinder wie mein Sohn!!!!

Ein späterer Lehrer hat mir sie mal so beschrieben: mit einer Frage: bekommt sie Medikamente wie Valium (war nicht ganz ernst gemeint, wollte damit nur kurz erklären wie sie in der Schule sich verhält).

Die Hypo sind halt brave Kinder.....

Aber die Spätfolgen sind nicht zu verachten. Mein Sohn wollte sich was antun mit 9 Jahren!! Die Kinder haben doch dann nur die Einstellung ---kann eh nix, bin nichts wert........
und diese Einstellung zieht sich durch das ganze Leben....den Unterschied erkenne ich ganz deutlich an meiner Tochter. Vorher hat sie immer gesagt kann ich nicht
heute will sie auf das Gymnasium und sagt immer ist doch leicht.....

da würde ich mir auch nicht von einer Schule einreden lassen, die Waldorfschule ist aber bekannt dass sie diese Medis ablehnen. Das habe ich schon öfters gehört...

Die Idee mit den Retard ist gut, und ich gebe meiner Tochter auch nichts in der Schule weil es auch viele Kinder gibt die blöd reden. Muss es ja meiner Tochter nicht antun. In der Schule hat mal ein Junge zu ihr gesagt dass sie Drogen nimmt (und die sind erst 9). Habe ihr jetzt gesagt sie soll sagen sie nimmt ja keine Medis.....soll es verleugnen. Geht nicht anders....Habe ihr gesagt sie solle ihn mal fragen: Hast du gesehen dass ich irgendwas nehme?? dann muss er nein sagen, da sie nur morgens die nimmt......

LG Lilly

von Lilly. - am 26.01.2006 18:22

vieeelen dank!!!

hallo ihr alle,

ich möchte mich gaaanz herzlich für die vielen antworten bedanken. es ist toll, eure erfahrungen teilen zu können. ihr habt uns wirklich den rücken gestärkt. danke auch für den hinweis zu dr. meusers. vielleicht bekommt man ja auch literatur von ihm?!

liebe grüße, line

von Line_1 - am 27.01.2006 09:34
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.