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ADHS ADS Selbsthilfe
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vor 11 Jahren, 8 Monaten
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vor 11 Jahren, 8 Monaten
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fabianne, dariana, Britta F., Lilly., Mamabär02, Nicole Z., Friederike, columbia, Wintersende, frechdachs 0210, Kathy, ErichW

Diagnose: ADS - was tun? 2

Startbeitrag von Kathy am 31.01.2006 09:41

Ich möchte Euch zunächst allen für Eure Hilfe und Eure ausführlichen Antworten danken.

Versteht mich bitte nicht falsch - ich verurteile Eurch nicht, weil Ihr Euren Kids Medikamente gebt. Vielleicht werde ich es später zwangsläufig auch tun als letzten Ausweg, wenn nichts anderes mehr hilft!

Ich wollte lediglich von Euch wissen, ob es Alterativen gibt. Klar werde ich auch Bücher lesen (schon bestellt). Ich höre mir aber auch gerne Meinungen von betroffenen Eltern an, die in keinem Buch stehen und manche Erfahrungen von Betroffenen sind manchmal sehr hilfreich.

Unser Sohn war schon von Anfang an "anders", brauchte viel Aufmerksamkeit und schrie viel. Beim Stillen war es ebenfalls eine Katastrope. Die Flasche nahm er gar nicht.

Freunde und Geschwister hielten und bald vor, daß wir ihm zuviel durchgehen lassen. Wir hörten Sprüche wie: Stellt ihn doch einfach unter die Dusche, wenn er abdreht...." usw. Freundschaften und neue Bekanntschaften sind mitunter daran zerbrochen, weil ich natürlich mein Kind verteidigte. Fehlendes Verständnis machte mir sehr zu schaffen, da ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin. Wir nahmen daß als seine Wesensart hin. Vielleicht sind wir aber einfach nur abgestrumpft.

Im KiGa im Alter von 4 Jahren gabs dann Probleme, er konnte nicht warten, war nicht konzentriert, zoffte sich mit anderen Kindern.
Im Gespräch mit der Leiterin war uns dann klar, daß wir handeln müssen. Wir wollten aber nicht gleich zum Psychologen, sondern sind zu unserem Ki-Arzt gegangen, der vorschlug, eine Ergotheraphie zu machen. Nach dutzenden Fragebogen und Tests beim Ergotherapeuthen stellte sich heraus, daß er ein paar Anzeichen für ADS hatte, viele Anzeichen sprachen aber auch dagegen!

Wir und der KiGa stellten bald heraus, daß die Ergo nicht anschlug. Das plätscherte dann so hin, bis er in die Schule kam. (ergo insgesamt 1 1/4 Jahre).
Ich habe immer wieder Gespräche mit dem Kinderarzt geführt und gefragt, ob wir nicht eine andere Theraphie machen sollen.
Die Antwort war abzuwarten und weiter die Ergo zu machen.
Zum besseren Verständnis muß ich euch auch mitteilen, daß es bei unserem Sohn "Gut-Phasen" von ca. 2 - 3 Wochen gibt, denen dann eine "Schlechtphase" von ca. 1 Woche folgt.

Zum Psychiater sind wir dann, als er ein paar Wochen in der Schule war, denn dort gingen die Probleme erst richtig los!
Stören im Unterricht, Lehrerin beleidigen, singen, wenn andere Lesen, mit Mitschülern zoffen. Letztendlich wurde er der Sündenbock der Klasse und ordentlich gemobbt. Die Lehrerin sagte, wenn das so weiter geht, muß der auf eine andere Schule.
Nach 6 Wochen wurde es dann aber besser, als wir ihm klargemacht haben, daß die Konsequenz Schulwechsel bedeutet.
Zuhause ist es auch anderes wie in der Schule. Es verhält sich hauptsächlich in Gruppen so. Was uns Zuhause stört: er ist frech, respektlos und beschimpft.

Das Ergebnis des Psychiaters lautete also: Verdacht! aus ADS, im visuellen Bereich überdurchschnittlich intelligent. Gemerkt haben es Schule und Kiarzt deshalb nicht, weil er laut Meinung des Pschiaters durch seine Intelligenz und Neugierde die gängigen Anzeichen sozusagen "überdeckt".

Natürlich bin ich auf der einen Seite erleichtert, keine Erziehungsfehler gemacht zu haben (wir haben ja keine Erziehungsberatung empfohlen bekommen) andererseits ist es für mich nicht einfach.

Der Psychialter sagte auch, wenn wir ihn nicht behandeln, könnte er Erlerntes vergessen (z. B. Vokabeln). Habt ihr schon davon gehöhrt? Wißt ihr, ob es Tests gibt, die Diagnose ADS zu stellen, ohne Medikamente zum "Feststellen" zu nehmen? (Psychiater sagte, der Verdacht ließe sich nur bestätigen, wenn wir ihm Medikamente geben und diese dann anschlagen würden)? Wißt ihr ob Geschwister (wir haben noch eine Tochter knapp 3 Jahre) und Neffen/Nichten auch betroffen sein können bzw. dies vererbbar ist (habe einen Bruder als "Schwarzes Schaf"?

Danke für Eure Antworten im voraus

Antworten:

Na klar ...

Hallo Kathy,

klar kann man das ohne Medi´s feststellen, habe ehrlich gesagt noch nie gehört das man das nur so feststellen kann.

Gibt sicher auch Leute die vorschnell auf Medi´s gehen, kenn ich auch nee Mama die gar keine Test machen musste, weil sie den Kinderarzt so bequatscht hat das sie OHNE Test Medi´s für ihren Sohn bekommen hat. Aber meine Meinung dazu das dieser Arzt KEIN ordentlicher ist. Aber wie gut das es immer ansichts sache ist. Sie schwört auf den Doc.

Bei meiner Tochter wurden zig Test gemacht beim HNO; Augenarzt;Kinderpsychologen total viele einzelne Test um letztlich sich aus ALLEN ergebnissen ein gesamtes Bild zu machen.

So zumindest wurde es bei meiner Tochter gemacht und sie fand diese ganzen Test einfach klasse (gott sei dank).

Sicher werden dir andere noch andere Arten sagen können;denk ich mir aber so kenn ich es und ich habe auch über das Diakonische Werk bei uns dann ein Elterntraining mitgemacht.Das tat mir sehr gut der direkte Austausch mit andern Müttern( die Väter wollten alle nicht ) und dann sehen dein Kind ist kein Einzelfall den andern geht es ähnlich.

Ich wünsch dir das du für dich den richtigen Weg findest wie /wo getestet werden kann. Aber meine persönliche Meinung ist such dir einen Arzt der Test macht und nicht mit Medi´s testet ABER das ist nur MEINE meinung.

Schick dir ganz viel kraft und stärke
liebe grüße
frechdachs

von frechdachs 0210 - am 31.01.2006 10:09
Hallo,

es gibt zwar das Bedürfnis nach sicheren Diagnosen, aber da es noch keinen objektiven Nachweis gibt (jedenfalls keinen praktiblen), bleibt eine ADS-Diagnose immer ein wenig unsicher.

Insofern ist wirklich jede Diagnose, auch wenn sie ím Brustton der Überzeugung und nach vielen Tests abgegeben wird, eine Verdachtsdiagnose, besser sollte man allerdings sagen, eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose.

Gute Diagnostiker werden dabei allerdings weniger Irrtümer begehen als andere. Was die beliebten Tests angeht, bin ich ein ausgesprochener Skeptiker. Sie beweisen letztlich auch nichts sondern liefern ebenfalls nur Hinweise.

Es gibt also immer nur eine Wahrscheinlichkeit. Ob die Diagnose richtig war, wird sich dann an der Wirklichkeit beweisen. Greifen therapeutische Maßnahmen, die typischerweise bei ADS eingesetzt werden, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Diagnose richtig war. Das ist dann allerdings kein Beweis.

Zu den therapeutischen Maßnahmen gehört auch die Medikation. Greifen die therapeutischen Maßnahmen nicht, ist das aber auch kein Gegenbeweis, so wie es in einem Posting ja auch schon erwähnt wurde.

Ich denke, dass der Diagnostiker bei euch sich erstmal ungeschickt ausgedrückt hat.

Jetzt kommt die Frage nach der Medikation. Hier sollte immer eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht werden. Auf der Kostenseite stehen bei Medikamenten immer die Neben- und Folgewirkungen. Ganz im Gegensatz zu seinem Ruf, sind aber die bei MPH-Präparaten eher unproblematisch. Der Vergleich mit Paracetamol wurde ja auch schon vorgenommen, dies Mittel ist wesentlich gefährlicher als Ritalin & Co., wird aber trotzdem bedenkenlos in Massen an Kinder gegeben. Ich selbst möchte alledings auch nicht drauf verzichten, wenn mich der Kopfschmerz plagt.

Treten bei MPH Nebenwirkungen auf, die nicht tolerabel sind, dann setzt man das Medikament ab, und das war es dann, dann waren die Kosten zu hoch. Langzeitschäden sind nach rund einem halben Jahrhundert Anwendung des Stoffes nicht bekannt.

Wenn es bestimmungsgemäß wirkt, also die Lebensqualität entscheidend verbessert und es keine Kosten (Nebenwirkungen) gibt, sollte es überhaupt keine Frage sein, es einzusetzen. Eine echte Entscheidung ist nur dann nötig, wenn es sowohl Kosten als auch Nutzen gibt. Und das sind dann die Fälle, wo Eltern wirklich in Nöte kommen können.

Sollte eine Diagnose falsch sein, aber die therapeutischen Maßnahmen trotzdem nützen, dann mag das zwar nicht ideal sein, aber es ist immer noch besser, als gar keine Hilfe.

FG Erich

von ErichW - am 31.01.2006 10:31

Re: Na klar ...

Hallo Kathy

Mein Sohn ist 5, hat ADHS, sein Zwillingsbruder, sowie seine größere Schwester haben es nicht. Bei uns ist es so, das es von meinem Mann kommt, er hat es von seinem Vater usw.

Wir haben seit er 4 war zig Test´s gemacht, waren auch überall. Therapien haben rein gar nichts gebracht, im Gegenteil es wurde immer schlimmer. In der Kita ging rein gar nichts mehr. Er wurde zum absoluten Außenseiter.
Die Eltern der anderen Kinder haben sich nur noch über meinen Jungen beschwert.

Heute geht es ihm mit den Medi´s soweit ganz gut, klar gibt es immer mal Probleme, aber er bekommt sie in den Griff.
Er geht wieder gern in die Kita, und die Erzieher wissen wie sie mit seinen Rebounds umgehen müssen.

Mir hat damals eine Selbsthilfegruppe sehr geholfen, da ich erst dachte, es läge an mir, ich hätte etwas falsch gemacht, aber so ist es nicht, denn ich habe ja noch 2 "normale" Kinder.


Viele Grüße Nicole

von Nicole Z. - am 31.01.2006 10:33
Hallo Kathy,
jo jetzt ist es doch einiges verständlicher. Ist schwierig sich in einem Forum auszudrücken.
Deshalb fangen wir nochmal von vorne an:

Herzlich Willkommen hier.

Bei uns hat die Diagnose 2 Jahre gedauert. Die Zeit gerechnet wo wir ihn der ERgotherapeutin zum testen vorgestellt haben. Wahnehmungstörungen...hieß es damals und wurde darauf auch behandelt. Bald wurde aber klar dass es mehr ist...sie schickte uns zum testen von A nach Z. Leider sind wir auch an eine Psychologin geraten, die der Ansicht war ADS gibt es nicht...sie war gut, denn die Erklärung haben wir lange vertreten die sie uns mitgab. Wir waren auch im päd.audiologischen Institut. Dort wurde auch der Verdacht auf ADS geäußert. Als wir endlich (nach dem Ekla) zum Psychiater kamen, hatten wir schon alle notwendigen Tests hinteruns und auch alle Berichte ihm übergeben. ER hat dann noch einige TEsts gemacht und es war sehr schnell klar: Er hat ADS.

Zur Familienanamese: meine Tochter wurde letztes Jahr im Sommer diagnostiziert.
Ich habe meine Diagnose im Oktober 2005 erhalten.
Ja, es ist vererbar.
Die erscheinungsformen sind sehr unterschiedlich. Meine Tochter ist das typische Träumerchen. Eine Lehrerin hatte zu mir gesagt: sie hat kein ADS, das sind die Kinder wir mein Sohn.
ADS ist leider nicht immer sooo offensichtlich.

Wir haben es mit homöopathie versucht, mit Lachsöl, ERgotherapie. Ernährungsumstellung.....und was alles so gibt.

ADS ist eine Stoffwechselstörung im Kopf. Pakinson im übrigen auch, nur in anderen Hirnbereichen.....

Wenn du fragen hast, frag nur.

Liebe Grüße Lilly

von Lilly. - am 31.01.2006 10:44
hallo erich :-)

super posting..ich schliesse mich vollinhaltlich an

danke schön

lg
dariana

von dariana - am 31.01.2006 11:02
hallo kathy :-)


ich gehe nur noch auf den letzten abschnitt deines postings ein..

ja, man kann erlerntes vergessen...bei uns ist das kurzzeitgedächtnis sehr stark betroffen und bspw. vokabeln lernen zählt auch zu den leistungen des kurzzeitgedächtnisses und bei uns gehen nur wenige sachen ins langzeitgedächtnis über...und da sollen ja z.b. vokabeln letztendlich hin

ja, es ist vererbbar

bei uns ist die linie wie folgt :

meine jüngste tochter , fast 9 jahre , adhs , seit 2 jahren diagnostiziert

meine ältere tochter , fast 12 jahre , ads , seit 2 jahren diagnostiziert

ich selbst , 38 jahre , vermutlich ads , gehe am 6.4. in die diagnostik ( werde seit jahren erfolglos auf depression behandelt )

meine schwester , 29 jahre , vermutlich adhs , geht in die diagnostik ( wird seit jahren erfolglos auf depressionen behandelt)

meine mutter , 59 jahre , vermutlich adhs , schmerzpatientin ( wird seit jahren erfolglos auf depressionen behandelt )

mein grossvater , in den 70ern verstorben , vermutlich adhs , wurde zeit seines lebens als nörgler , choleriker , aggressor usw. bezeichnet )

2 meiner tanten , mütterlicherseits , zeit ihres lebens psychisch krank ..diagnose : psychosen ( das ist übrigens ein oberbegriff , aber genaue diagnosen gab es damals nie)

alle 4 brüder meiner mutter fielen auf als schulversager , berufsversager , alkoholiker ( die tanten auch ) , mehrfachbeziehungen und ehen , straftaten etc.


wie du siehst ist die linie klar und ich könnte heulen , weil ich erst so spät in die diagnostik gehen kann...ich hätte mir das mit etwa 4 jahren gewünscht...aber...besser spät als nie

lg
dariana

von dariana - am 31.01.2006 11:15
hallo darianna,

ja bei uns ist das auch zum Teil nachvollziehbar....aber schwer da der Kontakt nicht so dolle ist.

meine Mutter (leider 2004 verstorben) hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Ich sprach über meinen Verdacht dass ich auch betroffen bin. Wir suchten im Netz dadurch wurde uns beiden immer klarer dass nicht nur ich sondern auch sie betroffen ist.

Ihr Mutter, vermutlich auch. Sie ist in meinen Augen kaufsüchtig. Leiht sich Geld, hat sogar meinem Opa die Taschen durchsucht um Geld zu finden. Meine Mutter hat mir horror story von früher erzählt. Verdacht ja.

was die Linie betrifft kann ich nicht mehr sagen da ich den teil der familie kilometer bedingt nicht gut kenne.

Aber von erzählungen: Der Bruder meiner Oma, schwieriger Mensch....

Er hat Kinder. Wieviel hm...2 Töchter und ich glaub noch einen Sohn.
Alles verkokste Persönlichkeiten. Eine davon ist noch einigermaßen was geworden...aber auch schon die 2. Ehe und 3 Kinder.....naja...hat auch ihr Prob.

die andere Tochter ist Messi....

der Teil der Familie ist schon wie soll man es sagen: runtergekommen. genaueres könnte ich nicht erzählen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass da die Linie auch hinführt.......

LG Lilly

von Lilly. - am 31.01.2006 11:42
Hallo Kathy,

schön, daß Dich die langen postings nicht abgeschreckt haben!
Auch ich schließe mich dem an, was Erich oben schreibt. Er kann das immer so klasse auf den Punkt bringen!

Soweit ich weiß, kann eine Diagnose sicher sein, auch wenn kein Medikament verabreicht wird. Ich jedenfalls wußte im Prinzip schon VOR der Diagnose, daß mein Sohn ADHS hat, so viel hatte ich mir darüber angelesen und ich ging auch schon seit einem Jahr in eine Selbsthilfegruppe (solltest Du auch tun, ist eine gute Sache!).

Dann, nach der Diagnose, hat sich erst mal nichts geändert, außer unserem Verständnis für Sohni. Wir haben endlich aufgehört (sofern es mir gelingt, leider bin ich sehr impulsiv!), ihm ständig Vorwürfe zu machen und wir haben endlich begriffen, daß es nicht unser Versagen ist. Wir haben ein Elterntraining gemacht und Sohni Ergotherapie-mit mäßigem Erfolg. Aber es hat ihm Spaß gemacht und er fühlte sich gut aufgehoben und vom Praxisteam voll akzeptiert und gemocht. Also war es alles in allem sehr positiv für ihn.

Wie es dann in der Schule weiterging weißt Du ja - steht ja alles im ersten posting.

Auch ich bin ein lebender Beweis dafür, daß ADHS vererbt wird. Mein Mann ebenso. Ich bin eher der sprunghafte, impulsive, geschwätzige Typ, mein Mann ist hyperaktiv (motorisch) und unaufmerksam.

Unsere Tochter ist fünf, wird im Sommer eingeschult und hat keine Probleme. Allerdings ist sie ebenfalls motorisch unruhig (kann dies aber durch Bewegung gut kompensieren) und impulsiv ist sie auch. Aber hat sie eine unglaublich gute Konzentrationsfähigkeit. Beim Schuleignungstest (sie ist ein Kann-Kind) erreichte sie im Bereich Merkfähigkeit und Konzentrationsspanne 10 von 10 möglichen Punkten. Sie sprach mit zwei Jahren Sätze mit vier und mehr Wörtern, war mit 22 Monaten tagsüber trocken und sauber (absolut verläßlich und ohne jeglichen Druck; dazu hatte ich dank Sohni gar keine Zeit! :-) ) und kann sich besser organsisieren als der ganze Rest der Familie.

Ich denke auch, daß mein Vater, sowie meine Schwiegermutter, mein Bruder, meine Cousine und mein Cousin ebenfalls betroffen sind. Ihre Biographien deuten darauf hin. Alle haben aber irgendwie die Kurve gekriegt, außer meiner Schwiegermutter, die stark manísch-depressiv ist.

Ich selbst weiß noch nicht, ob ich mich richtig diagnostizieren lassen soll. Ich mache einen Job, der mir Spaß macht und in dem ich sehr tüchtig bin, ich kann gut organisieren und versuche auch so, immer das Beste aus mir zu holen.

Was mich aber sehr nachdenklich macht, ist die Tatsache, daß ich nicht so ruhig und geduldig mit meinen Kindern umgehen kann wie ich gern möchte. Da denke ich dann schon manchmal, es wäre besser, wenn ich mich auch therapieren lassen würde.

Wer weiß, vielleicht mache ich das ja wirklich mal?

Dir jedenfalls erst mal viel Glück, lies weiter und nimm´s nicht so schwer. Es gibt definitiv schlimmere Dinge als ADHS. Ich habe irgendwann mal das Buch gelesen "Eine andere Art, die Welt zu sehen". Das hilft einem zwar nicht wirklich weiter, es ist aber eine sehr kurzweilige und interessante Abwechslung zwischen den ganzen Ratgebern, die man sich sonst so reinzieht!

Liebe Grüße sendet Dir

Britta F.

von Britta F. - am 31.01.2006 11:58
" zitat " : Beim Schuleignungstest (sie ist ein Kann-Kind) erreichte sie im Bereich Merkfähigkeit und Konzentrationsspanne 10 von 10 möglichen Punkten. Sie sprach mit zwei Jahren Sätze mit vier und mehr Wörtern, war mit 22 Monaten tagsüber trocken und sauber (absolut verläßlich und ohne jeglichen Druck " zitat ende "


hallo britta :-)

sei mir nicht böse , aber das ist leider kein " beweis "
ich nehme an du hast deine tochter ads bezüglich in beobachtung , aber ich kann nur empfehlen bei der familiengeschichte zumindest testen zu lassen

meine kleine erreichte beim schuleignungstest traumergebnisse ..die amtsärztin sagte wortwörtlich " an ihrer tochter werden sie noch freude haben....ich habe in den letzten 10 jahren kein kind gesehen was nicht nur alles richtig hatte , nein , auch noch in dieser atemberaubenden geschwindigkeit "

bei laufen , sprechen , sauberwerden usw. war sie im schnitt 2 monate früher als ihre altergenossen...ihre schwester auch und trotzdem haben beide ads / adhs

liebe grüsse
dariana

von dariana - am 31.01.2006 12:19
Hallo Dariana,

da hast Du allerdings recht, und natürlich bin ich Dir nicht böse
;-) ! Ich sehe sie auch sehr kritisch und denke, daß sie durchaus, so wie ich, ein impulsiver Typ ist. Aber sie hat eben nicht die Konzentrationsschwierigkeiten und auch das Sozialverhalten ist stimmig. Also, selbst wenn sie betroffen ist, so wird sie nicht diese massiven Schwierigkeiten haben wie ihr Bruder.

Aber natürlich hast Du recht! War vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt...

Liebe Grüße!

Britta F.

von Britta F. - am 31.01.2006 15:16
hallo kathy,
war gestern zum 1.mal hier, wollte dir da schon antworten, kann es heute nachholen.
Dein Bild beschreibt unseren Sohn exakt!!! (wird jetz 7). Wir sind eigentlich durch die Logopädin und die Kinderurologie in der Klinik aufmerksam geworden, lt. KiGa fehlte im ja nichts. Er war bis 6 1/2 nächtlicher Bettnässer. Wir laborieren seit 2 Jahren - Logo, Klinik-Urologie (schlimme Med!) Osteopathie(nach 3x war das Bettnässen weg!), Ergo. Trotzdem Probleme ohne Ende in der Schule, Gruppen, Wartezimmern, Supermarkt.... Wir warten nun auf einen Termin für die neurologische Untersuchungen - Diagnose wurde schon "fast" gestellt! Wir haben auch "Gut"- und "Schlechtphasen", aber die schlimmen Phasen werden immer schlimmer u. agressiver, keine Freunde, nur Ärger und nun auch Verletzungen von Personen. Jetzt ist Handeln angesagt - wir sagen nun nicht mehr nein zu Medis! Bachblüten, Globulis,Kinesiologie, Lasertherapie, etc. haben nur Geld gekostet, ansonsten nichts gebracht. Kopf hoch!

von fabianne - am 31.01.2006 21:39
Hallo Lilliy,

bin nicht ganz schlau aus deinem schreiben geworden. interessiere mich für die Erbanlagen, diskutiere viel mit unserer Ergotherapeutin darüber. Sie sagt, jeder Mensch hat diese Veranlagungen, beim einen brechen sie nur nicht so aus. Sie will es auf keinen Fall bewerten. Mein Urgroßvater war so wie unser Sohn, aber sie meint, man kann nicht sagen, dass er nun erblich vorbelastet ist. Woher hast du deine Informationen darüber? Würde mich sehr interessieren!

von fabianne - am 31.01.2006 21:51
Hallo Dariana,
freue mich, heute wieder von dir zu lesen. Bin neu hier seit gestern und wollte dir gestern schon schreiben.
Du hattest den Sohn mit Selbstmordgedanken? Unser Sohn wird 7 und hat auch solche Gedanken, er kann absolute Versagensängste haben und verzweifeln. Schlimm! Das hat meinem Mann und mir wirklich zu denken gegeben und wir sind jetzt dran an Therapien und Untersuchungen, alles läuft, aber mir geht alles zu langsam, da ich ihm helfen will und auch unserer Familie! (sind schon seit 1 Jahr in Tests, Untersuchungen, Therapien etc.)
Wir sollen Retalin 3 Monate testen, jetzt, wo er Versetzungsgefährdet ist. Bin im Zweifel, ob das der richtige Moment ist, bin aber inzwischen für das Medikament.
Würde mich über eine Antwort von dir freuen!

von fabianne - am 31.01.2006 21:58
Hallo Britta,
auch ich habe Probleme, mit meinem Sohn ruhig zu reden und nicht immer so impulsiv zu sein. Das tut mir immer sehr leid, aber ich schaffe es trotz meiner besten Vorsätze nicht. Er provoziert bis zum "Geht nicht mehr". Ich nehme nun dafür Bachblüten und versuche, genau nach Plan den Tagesablauf zu organisieren. Klappt nicht immer, aber inzwischen immer besser. Bin wirklich ruhiger geworden! Vielleicht ein Tipp?
Alles Gute, Fabianne

von fabianne - am 31.01.2006 22:06
hallo fabianne :-)

ich will lilly nicht vorweggreifen ...ich sag dir woher ich es weiss , dass es vererbbar ist

( in der reihenfolge wie ich es erfuhr ) :

1 ) kinderpsychologe meiner töchter
2 ) betroffene mutter aus der schule
3 ) so gut wie alle bücher das thema betreffend für kinder
4 ) internetrecherche
5) hier aus dem forum
6 ) bücher über ads / adhs bei erwachsenen

davon das JEDER mensch diese anlagen hat weiss ich nichts und ich möchte das auch " mit nichtwissen " bestreiten

ads ist eine stoffwechselerkrankung/ - störung im gehirn

nicht jedes familienmitglied muss betroffen sein

ich nehme an dein sohn ist hyperaktiv dabei ? ich frage , weil ich mich wundere , dass die direkte verbindung nur urgrossvater - dein sohn sein soll..oft fallen nur die hyperaktiven auf bzw. schneller auf , weil die symtome augenscheinlicher sind

die diagnose meiner grossen tochter war eine zufallsdiagnose , da ich sie nur testen liess , weil ihre schwester diagnostiziert wurde...die grosse ist nicht hyperaktiv und ich dachte " das ruhige , schusselige wächst sich noch aus "..falsch gedacht

viele grüsse
dariana

von dariana - am 31.01.2006 22:11
hallo fabianne :-)

ich habe zwei mädchen ...

ja, meine tochter hat suizidgedanken geäussert ..sie hat praktisch kein selbstwertgefühl, hält sich für eine komplettversagerin..

findet sich dumm ( ist aber überdurchschnittlich begabt )...hässlich ...nicht liebenswert usw. usw.

wir sind seit 2 jahren in behandlung , müssen die medikation hin und wieder um - bzw. neu einstellen, sie geht zur einzeltherapie zwecks aufbau des selbstwertgefühls , demnächst lernt sie in der gruppe soziale kontakte aufzubauen und zu halten und zu hause üben wir täglich was es heisst leben mit ads

zur medikation hatte ich ja schon geschrieben ...ich baue auf

facharzt , also kinderpsychologe ( kinderarzt oder hausarzt ohne weitere qualifikation wäre mir zu unsicher )

diagnose ads / adhs

medikation

verhaltenstherapie

elterntraining


liebe grüsse
dariana

von dariana - am 31.01.2006 22:21
Hallo Dariana,

danke für die Antwort1 ja, mein Sohn ist hyperaktiv. Grossvater mütterlicherseits war Bergbauer mit 15 (!) Kindern, da gab es keine Herzlichkeiten zwischen Eltern und Kindern und auch keine Kritik - somit kein "Wissen" Mein Mann und ich sind weltoffene und "freundliche" Typen (beruflich bedingt), ganz anders wie unser Sohn. Sind auch noch nicht auf die Idee gekommen, das checken zu lassen..... Sind aber beide sehr impulsiv!
Wieso sagt die Ergotherapeutin, dass es nicht nachweisbar ist, dass so etwas vererbt werden kann? Und - hätte man dann gar nie Kinder bekommen dürfen?
Liebe Grüsse, Fabianne



von fabianne - am 31.01.2006 22:25
hallo Dariana,

danke´! Wir sind auf der Warteliste eines erfahrenen Kinderpsychologen, der auch die neurologischen Untersuchungen machen wird. (hoffentlich bald!) Würden nie Medikamente ohne genaue Diagnose und genauer Verschreibung geben.
Unser Sohn wirkt nach aussen "Megacool", ist aber ein Übersensibelchen. Isst zur zeit ohne Ende - nimmt wirklich bedenklich zu - hat mir heute dazu erzählt, dass er diese "Kraft" braucht, um allen "da draussen" zu zeigen, dass er der "stärkere ist", denn "niemand hat mich lieb"!
Wir wohnen in einer Kleinstadt in Österreich - hier gibt es leider wenig Therapieangebote. Bin nun schon fest am Suchen, da auch ich dringend Unterstützung brauche, ansonsten bringe ich kaum mehr Geduld für mein Kind auf!
Lg, Fabianne

von fabianne - am 31.01.2006 22:34
Hallo fabianna,

die Geschichte mit dem Vererben hat Darianna schon erklärt. Dem kann ich nichts zufügen außer: lesen, lesen, lesen.

Bist du dir sicher, dass nicht doch welche in der Familie noch ADS hatten?? Du mußt bedenkten es auch unterschiedlich ausprägungen. Meine Tochter hätte ich auch nie gedacht dass sie ADS hätte. Eben da hyperaktive fällt eben auf. Sie ist das Träumerchen. Unauffällig nicht störend. Ich bin nur auf die Idee gekommen durch meinen Sohn. Durch ihn habe ich mich mit diesem Thema befasst und wußte daher dass es eben die Träumerchen gibt und konnte ihre Probleme dem zuordnen. Von wegen wir machen es uns als Eltern leicht, weil die KInder anstrengend sind schieben wir es auf ADS (sind Vorurteile die eben gerne hört). Meine Tochter war nie ein anstrengendes Kind gewesen.

Zu Erwachsenem ADS: ich bin ein lebenslustiger und positiv denkender Mensch. Wenn mich Bekannte sehen, würden sie es nie vermuten. Nur wer hinter die Kulissen schaut sieht es (mein Mann). Ich trage meine Probleme nicht nach außen. Wie es in meinem inneren genau aussieht weiß nicht mal mein Mann. Er sieht nur das womit ich kämpfe.
es gibt eben viele ausprägungen. manchmal kommt es nur schwach raus, aber es ist da.
Ich bin aber der Meinung, die Gene müssen da sein. Bei wem es dann in welcher Stärke durchbricht?? k.A. Wie beim Krebs. Die Gene müssen da sein. Der eine raucht wie ein schlot und bekommt nie Lungenkrebs weil die Gene fehlen, der andere hat sie und raucht nicht bekommt es trotzdem....?? woran liegts??

Mein Sohn hat zusätzlich Tourette und ich stellte mir da ebenfalls die frage...vererbt?? aber von wem? kenne niemand in der Familie der Tic´s oder Zwänge hat...oder zuvielleicht doch??
Ja, solangsam wurde mir bewußt, dass auch ich Tic´s und Zwänge habe. Dinge worüber ich schon oft mal Gedanken gemacht habe warum ich das mache...aber die Verbindung hat lange gedauert. Ich habe aber nur eine ganz leichte ausprägung, so dass ich keine Diagnose und Behandlung brauche. Vielleicht hat mein Sohn auch das Glück, dass es sich etwas legt nach der Pupertät. Mein Sohn hat das Pech, dass er da voll reingelangt hat und bei ihm dass extrem ausprägt rauskommt.....ich würde sagen sogar das Tourette ist vererbar...wo es halt rauskommt. Wie andere Krankheiten die auch nicht jeder bekommt aber weitervererbt werden...bei Zwillinge sagt man, es überspringt eine Generation.

Ob ich Kinder bekommen hätte, wenn ich das alles vorher gewußt hätte??
Keine Ahnung. Ich Neige dazu zu sagen: Nein.
Wenn ich gewußt hätte, wie stark mein Sohn es trifft hätte ich keine Kinder bekommen.
Hätte ich gewußt, dass ich ADS und die ganz leichte ausführung von Tourette habe, ja hätte ich Kinder bekommen.
Denn wenn ich meine Tochter sehen, geht es ganz gut. Sie hatte Glück.

Meine Tochter widerrum leidet an keinen Tics und Zwängen. Vielleicht hängt es doch auch ein wenig damit zusammen, dass die Kinder ja aus 2 Teilen bestehen. Da wirken die Gene vom Mann vielleicht doch was mit...??kenne mich soooo gut da auch nicht aus.

LG LIlly

von Lilly. - am 01.02.2006 05:37
Hallo Fabianne,
ich bin auch überzeugt, daß AD/HS vererbt wird, wie schon Dariana geschrieben hat.

Aber dein letzter Satz hat mich absolut geschockt:
Zitat:"...Und - hätte man dann gar nie Kinder bekommen dürfen?..."

So anstrengend unsere Kinder häufig sind, so liebenswert und wichtig sind sie für uns! Wenn man sich mal ansieht welche berühmten Persönlichkeiten, Erfinder, Nobelpreisträger... vermutlich auch AD/HS hatten, wäre unsere Gesellschaft heute nicht da wo wir sind!
Unsere Kinder haben eine andere Denkweise, gehen Problemlösungen anders an, hinterfragen fast alles, nehmen nichts als gegeben hin, experimentieren ... nur so gibt es Entwicklung, Evolution, Fortschritt.
Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch in Höhlen hausen, Beeren sammlen und wie Ötzi auf Jagd gehen.

Das Leben ist trotz AD/HS lebenswert - vielleicht nur anders als es sich die "Normalos" vorstellen können!

Vielleicht ist das Fehlen des "AD/HS-Gens" nur eine Degeneration der Normalos ????

Mamabär, die zum grübeln anregen will

von Mamabär02 - am 01.02.2006 08:03
Liebe Mamabär!

>>Vielleicht ist das Fehlen des "AD/HS-Gens" nur eine Degeneration der Normalos ????

von columbia - am 01.02.2006 08:22
Hallo Fabienne

"Und - hätte man dann gar nie Kinder bekommen dürfen?"

Auch wenn ich vorher gewußt hätte, das einer meiner Jungs ADHS bekommen würde, hätte ich nie diese Frage gestellt.

Ich wußte vorher schon, das von meinem Mann seiner Seite alle Männer Choleriker waren, und hab mir da auch schon gedacht, das bei meinen Kids dies auch passieren kann, das war für mich aber kein Problem.

Klar ist es nicht immer einfach, aber man erlebt auch so viele schöne Sachen.
Erst gestern war mein Sohn ganz glücklich aus der Kita gekommen. Er war von allen gelobt worden. Sie hatten gestern für alle Vorschulkinder verschiedene Aufgaben und Test´s gemacht. Die etwas jüngeren durften mitmachen.
Und mein Sohn war, was mich wahnsinnig überraschte der Beste. Er ist erst 5 und kommt erst 2007 in die Schule.

Das war nach so vielen Problemen in der Kita ein sehr schönes Erlebnis für ihn, er weiß, das er etwas kann.

Ich selbst habe die Diagnose akzeptiert, mit allen Höhen und Tiefen.
Übrigens hat unser Kinderarzt uns schon als er 2 war darauf hingewiesen, das er wahrscheinlich die Cholerik von seinem Vater geerbt haben könnte. Nur ist es nach langer Diagnose ADHS.
Deine Ergotherapeutin sollte sich mal richtig über diese Diagnose informieren.

LG Nicole

von Nicole Z. - am 01.02.2006 09:04
Ich habe mal ein Zitat gelesen, ich glaube es war sogar hier im Forum. Das hängt bei mir am Schreibtisch und gefällt mir total gut:

"Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein.
Aber noch trauriger ist es, keine zu sein!!"

(Peter Altenberg)


Mamabär

von Mamabär02 - am 01.02.2006 09:35
...hätte man dann keine Kinder bekommen dürfen?

Gute Frage. Ich für meinen Teil kann die nicht ohne Weiteres mit ja oder nein beantworten.

Ich will weder meinen Sohn, noch seine Schwester mehr in meinem Leben missen und ich hätte beide Kinder auch dann bekommen, wenn man mir gesagt hätte, daß es sowas wie ADS gibt. Aber....!

Ich habe mir einen Stall voll Kinder gewünscht! Mindestens vier sollten es sein, so mein Traum. Und ich sage Euch jetzt ganz ehrlich: ADS hat den Traum zunichte gemacht. Denn: so sehr ich das Leben mit meiner Bande (und erst recht auch mit meinem betroffenen Sohn!) genieße, so muß ich mir doch eingestehen: NOCH so ein Kind würde ich nicht verkraften! Ich gehe so schon oft an meine Grenzen (nicht zuletzt, weil ich wohl auch selbst betroffen bin!), ich habe den Eindruck, daß ich so noch gerade allen, inklusive mir selbst, halbwegs gerecht werde-aber noch ein Kind? Nein, danke!

Wobei ich das nicht so sehe, daß ich "ein schlechtes Gewissen habe", das ADS vererbt zu haben! Dem ist nicht so, ich selbst ziehe immer das für mich Positive aus meiner Besonderheit und hoffe, ich lebe das auch meinem Kind vor.

Aber trotzdem empfinde ich ADS als hinderlich, gerade für ein Kind und nicht als Bereicherung. Da beeindrucken mich auch nicht die Berichte von irgendwelchen Pseudo-Promis, die sich als ADSler outen oder daß die Wissenschaft davon ausgeht, daß Genies wie Mozart oder Einstein ADS hatten. Weiß man, wie die sich als Kinder gefühlt haben? So immer als Außenseiter? Ich glaube kaum, daß die glücklich waren.


Nachdenkliche Grüße,

Britta F.

von Britta F. - am 01.02.2006 11:59
Hallo Fabianne,

danke für Dein posting. Bachblüten haben wir beide schon erfolglos probiert. Ich bin durch das Elterntraining und durch das Wissen über ADS schon ruhiger geworden. Unser Tag ist sehr strukturiert. Das geht so weit, daß wir sogar am Wochenende nie im Schlafanzug frühstücken, weil Sohni sonst aus dem Trott gerät (unter der Woche zieht er sich ja auch vor dem Frühstück an!).

Was mir auch geholfen hat: seit letztem Jahr bin ich geringfügig berufstätig-meine Arbeit ist stressig, macht aber enorm viel Spaß und gibt mir Power für den Alltag mit den Zwergenmenschen.

Ich muß noch viel an mir arbeiten, aber ich habe vielleicht auch einen sehr hohen Anspruch an mich selbst? Wer weiß...

Dir viel Glück für die Zukunft!

Britta F.

von Britta F. - am 01.02.2006 12:04
Hallo Kathy,

Ich kann deine Zweifel verstehen. Ich habe meine Tochter mit sechs Jahren auch testen lassen, weil ich glaube sie hat ADS. In der Kindergartenzeit ist sie verträumt und schüchtern gewesen. In der ersten Klasse war sie total überfordert . Immer hat sie etwas vergessen. Die Psychologen haben mir erklärt, dass meine Tochter auf keinen Fall ADS haben kann, weil sie sich doch konzentrieren könnte...länger als andere Kinder in ihrem Alter. Außerdem meinten sie, dass meine Tochter gefühlsmäßig nicht altersentsprechend entwickelt ist. Und es wurden Unterschiede in den Teilleistungen festgestellt. Ich habe mich damals mit dieser Begutachtung abgefunden und mich als Rabenmutter empfunden, weil ich schließlich selbst an meiner Wahrnehmung geweifelt habe. Ich bin es die ADS hat und vielleicht schnappe ich einfach nur über, dachte ich. Jetzt ist sie in der dritten Klasse und sie hat Probleme, ihr Potential IQ von 125 auszuschöpfen. Meine Tochter ist charmant witzig und kreativ. Vieles an Defiziten kompensiert sie oder überspielt sie. Doch plötzlich geht dann das auch das nicht mehr. Sie ist erschöpft, reagiert mit Verspannungen und hatte sogar letzten Sommer eine halbseitige Gesichtslähmung. Meine Tochter hat das Querflöten aufgegeben und verabredet sich nur noch selten, weil es so anstrengend ist. Sie spielt lieber mit ihrem 4 Jahre jüngeren Bruder. Es wird seitens der Schule eine LRS vermutet. Jetzt wurde über einen HNO Arzt festgestellt, dass sie eine erhebliche Teilleistungsstörung in der Hörverarbeitung hat. Meine Zweifel, ob sie das ADS nicht doch von mir geerbt hat sind voll wieder da. Ich weiß, dass ich am Ball bleiben muss. Wenn nötig ihr auch Medikamente gebe. Ich selbst habe immer darunter gelitten, mein Potential nicht auschöpfen zu können. Seit ich MPH nehme, weiß ich was in mir steckt. Ich habe mein ADS von meinem Vater geerbt. Vieles von dem, was ich an ihm erlebt habe, erkenne ich heute als Erwachsene an mir wieder, und vieles was ich heute an meiner Tochter erlebe, erkenne ich an mir als Kind wieder. Dass ich ADS habe steht für mich außer Frage. Ich habe zwei Monate kein MPH genommen. Die zwei Monate haben gereicht, mein Leben wieder chaotischer und das Leben mit mir unerträglicher zu machen. Ich selbst habe nie verstanden, was mich so unerträglich für andere gemacht hat. Da ich, wie einige ADSler auch, sehr gut dissoziieren kann, habe ich mich aus so manchen Situationen hinausmanövriert, was mein Gegenüber natürlich nicht mitbekommt. ;)

LG, Wintersende

von Wintersende - am 01.02.2006 16:09
Hallo Britta,
vielen Dank für deine positiven Worte! Als ich die Reaktionen auf diese Frage erhalten habe, war ich erst selber erschrocken, wie brutal diese Frage von mir formuliert war. Habe inzwischen ziemlich in der Familiengeschichte gekramt. Es gibt sehr wohl Fälle bei uns, allerdings als Choleriker beschrieben, ADS gibt es bis jetzt noch bei niemandem als Diagnose.
Sie hat sich aber genau aus diesem Grund gegen Kinder entschieden.
Natürlich liebe ich meinen Sohn über alles und ich möchte ihn auf keinen Fall missen. Aber es gibt eben Situationen, wo man glaubt, man kann nicht mehr.
Seit 7 Jahren immer wieder Probleme, ständige Krankheiten (war bereits 10 x stationär in Behandlung, bis er 4 war), ich wäre nach der Geburt fast gestorben, unsere Ehe wird so stark dadurch belastet. Nun seit Herbst die Schule - alles kommt dadurch erst richtig raus. Ich habe einen tollen Halbtagsjob, aber ich überlegte so oft, ob ich nicht lieber daheim bleiben soll, damit zumindest die Nachmittage noch mit Putzen, waschen..... gefüllt werden, sondern Zeit für das Kind bleibt. Aber wir brauchen inzwischen das Geld - Ergotherapie etc. verschlingen ja Unsummen!
Ich hatte jetzt eine Operation und das hat meinen Sohn wieder völlig aus der Bahn geworfen. Raport zum Direktor über das Verhalten des Kindes, unnötiger Streit zwischen meinem Mann und mir, Fehler im Job etc. .. da ist es dann schwierig, das Stehaufmännchen zu sein.
Wir können leider keine Kinder mehr bekommen - ich habe lange darunter gelitten. Aber jetzt weiß ich, dass ich noch so ein Kind nicht schaffen würde und unsere Ehe das auch nicht mehr überstehen würde.
Unser Sohn leidet so unter seinem Verhalten, seinen Lernschwächen, seinen Wutausbrüchen - er ist der totale Aussenseiter, wird nie eingeladen. Er braucht doch den Kontakt mit Gleichaltrigen. Die Freizeit kann ja nicht nur aus Mama und Therapien bestehen...! Er bleibt in keinem Verein - niemand weiss dort, wie man mit ihm umgehen soll. Mein Kind sagt jetzt ständig, dass er lieber sterben würde!
Da nützt es uns auch nichts, dass es Genies gegeben hat, die ebenfalls krank waren!
Jeder Tag ist eine Überaschung und ich bin abends wirklich froh, wenn wir schöne Erlebnisse hatten und der Tag nicht im Streit ausklingt (was phasenweise die Regel ist).
Man darf diese Situation meiner Meinung nach also durchaus kritisch betrachten!
Ich wünsche Euch alles Gute! Fabianne



von fabianne - am 02.02.2006 14:43
Hallo Britta,

Du schreibst genau das, was ich auch empfinde... und auch ich habe kein schlechtes Gewissen, dass ich der Vererber des ADS bin! Genau wie Du wollte ich mindestens 3, besser noch 4 Kinder.. jetzt sind es 2 und das ist auch gut so! ;-)

Herzlichen Gruß,
Friederike

von Friederike - am 02.02.2006 15:04
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