Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Laura-Jennifer, Mamabär02, Whitewave, dariana, Mottensprotte, Angelika (TanteGela), Johannes Streif

Darf die Ärztin Ritalin verweigern ?

Startbeitrag von Laura-Jennifer am 10.02.2006 17:54

Hallo !


Niklas Verhalten ist echt nicht auszuhalten und wir können echt nicht mehr.
Wir sind seit November `05 beim SPZ und die Ärztin verweigert Niklas Medikamente, obwohl wir sie darum gebeten haben, einen Versuch zu starten. Sie sagte frühestens in einem halben Jahr, 5 Minuten später in ihrem Gespräch waren es dann schon ein dreiviertel Jahr. Niklas steht kurz vor einem Verweis aus dem Kindergarten, außerdem ist er sehr aggressiv seiner Schwester (3) gegenüber (würgen etc.). Dies alles und auch viele Beispiele aus unserem Leben stehen in den Berichten vom SPZ, wir fühlen uns im Stich gelassen. Wir sollen Anfang April zu einer psychologischen Sprechstunde gehen.
Was können wir machen ? Darf die Ärztin Medikamente verweigern und uns Monate lang hinhalten bis unsere ganzen sozialen Kontakte abgebrochen sind (Niklas hat keine Freunde und wir werden auch- kommt doch lieber ohne Niklas- eingeladen) ?

Muß ich die "Therapievorschläge" also zu dieser psychologischen Sprechstunde gehen oder kann ich das Ganze beim SPZ abbrechen und mit Niklas zu einem Kinderpsychiater gehen, der uns ernst nimmt und Niklas mit Medis und Therapien behandelt ? Oder kann uns die Ärztin das Jugendamt auf den Hals hetzen, weil unser Sohn verhaltensauffällig ist und wir ihn aber nicht vom SPZ psychologisch betreuen lassen ?

Ich weiß, es klingt verwirrt, aber die ganze Familie ist am Boden. Unsere Belastungsgrenze ist erreicht, so ein Leben noch ein dreiviertel Jahr- unmöglich. Lebt dann unsere Tochter noch oder hat Niklas sie in seiner Impulsivität die Treppe hinunter geschubst ?

Ich hatte Dienstag ein Gespräch mit meinem Hausarzt, ihm habe ich die Berichte mitgebracht. Auch er war beim Durchlesen schockiert, zumal es auch für Niklas durch die Ausgrenzung immer weiter bergab geht. Mein Hausarzt wollte mit der Ärztin telefonisch sprechen. Wir können ihn Montag anrufen, ob die Ärztin ihm erlaubt, Ritalin aufzuschreiben (er braucht das von ihr dann schriftlich, über das SPZ darf er sich nicht hinweg setzen).
Was meint Ihr- hat mein Hausarzt eine Chance oder bleibt sie stur ?

Vielen Dank für das Zuhören. Vielleicht kann mir ja jemand eine Antwort auf eine oder mehrere Fragen geben. Es würde mir sehr helfen !!!

Liebe Grüße, Laura-Jennifer

Antworten:

Hallo Laura-Jennifer!

Ihr habt die freie Arztwahl, also könnt Ihr die Behandlung im SPZ sofort abbrechen.

Leider - oder auch Gott sei Dank - kann kein Patient einen Arzt dazu zwingen, ihm Medikamente zu verordnen.
Das liegt IMMER im Ermessen des Arztes.

In Eurem Fall ist es schade, dass er keine Hilfe anbieten kann, außer Euch zu vertrösten.

Allerdings betrachten wir alles das von außen, und - bei aller Kritik am Verhalten der Ärztin - sie wird sich doch wohl hoffentlich etwas dabei gedacht haben.

Hat sie denn mal erklärt, warum sie Medikamente zur Zeit als nicht sinnvoll ansieht??

Die Idee mit der Verordnung über den Hausarzt finde ich zwar verständlich, aber Euer Hausarzt könnte da ziemlich in Erklärungsnot kommen.
Auch mit dem Segen des SPZ.

Und mal ehrlich. Wenn Ihr das Okay von dort habt, dann können sie es auch gleich selbst verordnen!

Mir scheint, dass das Verhältnis zwischen Eurer Familie und dem SPZ im Eimer ist, um das mal salopp auszudrücken.

Ich denke, das Beste für Euch ist es den Arzt zu wechseln.

Kommt ein weiterer Arzt allerdings auch zu der Erkenntnis, dass Medikamente momentan nicht der richtige Weg sind, dann müsst Ihr wohl oder übel an einer anderen Stelle ansetzen.

Zudem - viele Verhaltensweisen der GANZEN Familie sind nicht zu ändern indem man Medikamente gibt.
Da muss schon noch eine Erziehungsberatung erfolgen, Elterntraining usw.

Ja, ich weiß, das ist alles nicht so einfach.
Versteht mein posting bitte nicht so, als dass ich Euch den schwarzen Peter zuschieben will.

Wie gesagt, ich würde mir eine zweite Meinung holen.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 10.02.2006 18:30
Hallo Angelika !

Vielen Dank für Deine Antwort.

Es ist auch nicht so, daß ich meinem Sohn auf Teufel komm heraus unbedingt Medikamente verabreichen möchte.
Wir, die ganze Familie, sind nur ziemlich verzweifelt und ich weiß daß Elterntraining, Verhaltenstherapie zu der medikamentösen Therapie dazu gehören. Nur es passiert in dieser Richtung gar nichts. Wir fühlen uns nicht ernst genommen und total im Stich gelassen. Vor einem Jahr (Februar 2005) haben wir beim SPZ um Hilfe bzw. um einen Termin gebeten, da die ja auf ADS testen. Wartezeit: Anfang November der erste Termin zur körperlichen Untersuchung, im Dezember EEG, dazwischen Blutabnahme beim Hausarzt, im Januar zwei Mal ging Niklas zum K-ABC Test, da seine Konzentrationsdauer nicht lange andauert. Fragebögen und Conners- SKala von Kiga und uns Eltern wurden gemacht. Diagnose endlich gestellt und nun ??? Nichts !!! Die psychologische Sprechstunde haben wir Anfang April, dann warten wir inzwischen 14 ! Monate und Hilfe ist nicht in Sicht.

Das Medikament lehnt die Ärztin ab, da Niklas erst 6 Jahre alt ist und sie es grundsätzlich erst ab Schulalter verschreibt.

Liebe Grüße, Laura-Jennifer

von Laura-Jennifer - am 10.02.2006 20:17
Hallo Laura-Jennifer,

ermittle beim BV-AH oder über andere Kontakte, wo die nächste Elterngruppe ist, dann frag dort, wer einen guten Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinderarzt empfehlen kann. Die Qualifikation vieler Mitarbeiter in SPZs v.a. in der Prärie ist traurig - und das monatelange Warten ohne Weiterempfehlung aufgrund der Dringlichkeit fast schon Hilfeverweigerung.

Eine generelle Verweigerung der Medikation bis zum Schulalter ist nicht gerechtfertigt. Inzwischen gibt es Fälle (allerdings nicht ADHS), in denen Ärzte vor Gericht gerügt wurden, obwohl sie sich an entsprechende allgemeine Vorgaben von Fachverbänden etc. gehalten haben, denn der Arzt ist im Internetzeitalter verpflichtet, im Rahmen seiner Möglichkeiten auf dem internationalen wissenschaftlichen Stand der Therapie zu sein. Der aber besagt bei ADHS ganz eindeutig, dass in kritischen Fällen auch jüngere Kinder medikamentös behandelt werden können und sollen.

Hinzu kommt, dass - unabhängig davon, dass ich Elterntrainings und Verhaltenstherapie für grundsätzlich wichtig und geboten halte - die alleinige medikamentöse Behandlung in einem belasteten System mit ADHS-Kind ersteinmal eine wirksame Hilfe darstellen kann. Es ist nicht angemessen, aufgrund einer desolaten Versorgung einer Region mit anderen therapeutischen Angeboten (und dazu zählt auch die Situation, dass zwar viele Psychotherapeuten approbiert oder Erziehungsberatungsstellen vorhanden sind, die meisten jedoch nichts taugen) die Medikation zu verweigern.

Lasst euch nicht hinhalten, sondern unternehmt was.

Liebe Grüße aus München,
Johannes

www.jaegerburg.de
www.therapaed.de

von Johannes Streif - am 11.02.2006 08:00
Hallo,

das Medikament ist für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Ich finde, es grenzt an unterlassener Hilfeleistung, wenn sie es verweigert.

Leider gibt es so viele Ärzte, die menschlich überhaupt nicht ermessen können, wie groß der Leidensdruck ist. Sie sitzen im Trockenen und entscheiden am Tisch über das Leben / Lebensqualität eines anderen.

Es ist so erniedrigend, auf so jemanden angewiesen zu sein.

Ich weiss nicht, wie die Versorgungslage bei Euch. Versuch, einen anderen Arzt zu finden, sag aber dem SPZ davon nichts.

Und wieso kann die Hausärztin ohne OK des SPZ nichts verschreiben? Meine Hausärztin hätte sogar mir das Medikament verschrieben, wenn ich nicht endlich einen Arzt für erwachsene ADS-ler gefunden hätte. Und sie hätte nicht getan, weil sie so verantwortungslos mit Rezepten um sich schmeist, sondern weil sie mich über Jahre kennt und gesehen hat, dass andere Therapien erfolglos blieben.

Ich wünsche Dir Euch viel Kraft!!!

Und ich wünsche Ärzten wie dieser beim SPZ, dass sie auch mal in so eine Abhängigkeit und mehr als schwere Lebensituation kommen. Es würde sie vielleicht etwas weniger arrogant und stattdessen etwas demütiger dem Leben gegenüber werden lassen...

Mottensprotte

von Mottensprotte - am 11.02.2006 10:04
Hallo !

Vielen Dank für Eure verständnisvollen Zeilen.
Es stimmt, wir fühlen uns total erniedrigt und im Stich gelassen. Eine Ärztin bestimmt über unser weiteres Leben und wenn es so, wie jetzt, die nächsten 9 Monate weiter geht, dann kann von Leben keine Rede sein. Und so oberflächlich, wie ich die Ärztin erlebt habe, bezweifle ich, daß Niklas überhaupt richtig Hilfe bekommt. Sie weiß, daß Niklas, wenn überhaupt, noch bis zum Sommer im Kiga geduldet wird. Mehr ist da nicht, die Erzieherinnen haben ihn schon abgeschrieben. Er wird nur noch als störend empfunden. In dieser und auch in der familiären Situation läßt sie uns weiter warten, denn bis April vergehen noch einige Wochen.

Es ist wohl wirklich besser, mit Niklas zu einem Kinderpsychiater oder Kinderpsychologen zu gehen. Haben die Therapeuten auch zum Ersttermin lange Wartezeiten ? Wie war das bei Euch ?

Liebe Grüße, Laura-Jennifer

von Laura-Jennifer - am 11.02.2006 13:27
hallo laura :-)

ich rief damals in einer praxis für kinder und jugendpsychatrie an und hatte den ersttermin am nächsten tag

viele grüsse
dariana

von dariana - am 11.02.2006 15:41
Hallo Laura-Jennifer,

das hört sich ja wirklich schlimm bei euch an!
Kannst Du Niklas nicht aus dem Kindergarten nehmen? Wenn er dort nur geduldet wird, dann bringt ihm das ja nur noch mehr Frust und seine Agressivität ist mehr als nur nachvollziehbar.

Uns ging es damals genauso im KiGa. Nur wir hatten keine Alternative!

Den Termin zu eine Kinder- und Jugendpsychiater hat uns unser Kinderarzt vermittelt. Und auch wir hatten in der gleichen Woche noch einen Termin dort. Wenn ihr euren Fall ausführlich schildert und ihr euch nicht so leicht abwimmeln laßt, kriegt ihr hoffentlich sofort einen Termin.

Ich wünsche euch viel Glück und haltet durch!

Mamabär

von Mamabär02 - am 11.02.2006 23:47
Hallo Laura-Jennifer,
bin ebenfalls neu hier und wir haben eine ähnliche Geschichte hinter uns wie ihr.

Aus lauter Verzweiflung weil die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik, nach einem Jahr Diagnosen, Elterntraining und endlosen Gesprächen nicht weiterhelfen wollte, sind wir zu einer Kinder- und Jugendpsychiaterin gegangen.

Die habe ich von einer Elterngruppe empfohlen bekommen.

Unser 5 jähriger, der seinen Bruder (19 Monate) massiv verletzt hatte bis hin zum Haarriß im Schädel, im Kindergarten fast rausgeflogen wäre bekommt mittlerweile Ritalin.

Ich würde dir ebenfalls empfehlen, so schnell wie möglich am besten durch den Hausarzt dann gehts meist schneller - zu einem Kinder- und Jugendpsychiater zu gehen.

Liebe Grüße und viel Gelassenheit
Whitewave

von Whitewave - am 14.02.2006 21:11
Hallo Whitewave !

Das hört sich ja auch schlimm an, was Euch passiert ist.

Wir haben unsere Ärztin genervt, genervt, genervt...und wir haben nun für Freitag einen Termin bekommen, wo nun alles weitere wegen Ritalin besprochen wird.

So wäre es auch nicht länger weiter gegangen bei uns.

Viele Grüße, Laura-Jennifer

von Laura-Jennifer - am 14.02.2006 22:45
Geht doch, Laura-Jennifer!

Wünsche euch viel Glück und halte uns auf dem Laufenden!

Mamabär

von Mamabär02 - am 15.02.2006 07:01
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.