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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Fuzzy-Mama, Andrea U., icke WES, Sternchen*

Schwarzfahren

Startbeitrag von Fuzzy-Mama am 28.02.2006 14:33

Hallo,

muß mich mal mit einem schwierigen Thema melden: Schwarzfahren.

Und zwar soll Sohnemann(13) den Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen. Hat die letzten Jahre auch gut geklappt (sind ca. 3 km, ebene Strecke, nicht mehr als 15 min). Und die Bewegung morgens hat bewirkt, daß er wach in der Schule ankam. Bis Ende des letzten Schuljahres hat er sich dann immer früh mit Kumpels getroffen, und sie sind zusammen von unserem Teilort aus losgedüst. Mit Wettfahren usw., da ist er morgens immer noch viel früher aus dem Haus als eigentlich notwendig.

Dummerweise sind die Kumpels jetzt nicht mehr dabei, weil es etliche Schulumstufungen gab (von Gymi runter auf Real). Und meiner ist jetzt der einzige auf dem Gymi in seiner ganzen Klassenstufe aus unserem Teilort. Fahrradfahren macht also offensichtlich keinen Bock mehr.

Einige Jungs fahren dafür regelmäßig mit dem Bus zur Schule. Abgesehen von teuer, hat die morgendliche Fahrt meinem ADHS'ler immer ganz gut getan. Nun, sobald er irgendwoher Geld in den Fingern hat (und ich muß wahnsinnig aufpassen, dass er es nicht hat, weil von mir vorher geklaut), fährt er mit dem Bus. Und, wenn er kein Geld hat, auch. Offensichtlich wird nicht regelmäßig kontrolliert, und er steigt dann einfach hinten ein. Er weiß genau, was passieren kann (nämlich 40 ¤ Strafe), wäre auch einmal um Haaresbreite erwischt worden. Hat er mir dann erzählt, hatte einen richtigen Schreck gekriegt. Nur hat's leider nur 2 Tage angehalten, dann hat er wieder den Bus genommen.

Wir machen auch ein Punktesystem, so daß er sich bis zu 7 Punkte am Tag holen kann (5 davon schafft er ziemlich leicht), aber es gibt auch Strafpunkte für Sachen die wirklich absolut daneben sind. So wie z.B. Klauen, Hausaufgaben verweigern, und eben Schwarzfahren. Weil er für je einen Punkt sich eine Belohnung holen kann (immer mal wenn mehrere zusammen sind), im Gegenwert von 20 Cent pro Punkt, sind die Strafpunkte fürs Busfahren dann der Gegenwert von der (nicht bezahlten Busfahrkarte * 2). Jetzt sind die Punkte, kurz bevor er damit richtig was hätte machen können, im Keller.

Jeden Morgen, bevor er losdüst, sprechen wir auch immer über das Fahren, er verspricht mir dann noch in der Tür, mit dem Fahrrad zu fahren. Macht die Tür zu, und läuft zur Bushaltestelle. Kann ihm auch schlecht hinterherbrüllen. Einmal habe ich ihn dann in der Schule gestellt, war ihm echt peinlich. Und ihm versprochen, das so oft zu wiederholen, bis er das nicht mehr tut. Nur, daß ich meistens wegen Arbeiten müssen das gar nicht machen kann (und das weiß er auch).

Er hätte auch keine Chance, die Strafe zu bezahlen, wenn er erwischt würde. Tangiert ihn auch nicht, weil das ja noch nicht passiert ist. Leider ist dann auch davon auszugehen, daß ihn sein Vater unterstützt (wir sind geschieden, was die Sache nicht einfacher macht).

Habt ihr schon mal Erfahrung mit vergleichbaren Sachen? Wie kriegt man's geregelt, und kann die Grenzen setzen? Erwischen lassen? Dürfte nicht viel helfen (siehe 1 Absatz weiter oben).

Und von der Medikation her ist er eigentlich momentan morgens ganz gut dosiert (10 Medi gleich beim Wecken, die wirken dann schon wenn er aus dem Haus geht, und 20 Medi Ret. zum Frühstück). Mit Verhaltenstherapie haben wir gerade angefangen, gegen den Widerstand unseres Arztes. Also wird nach einigen Stunden auch wieder Schluß sein.

Was kann ich da noch tun?

Fuzzy-Mama

Antworten:

Hallo!
Ich kann das ja so gut nachvollziehen - auch deine Kontrolle dann vor der Schule.... Aber auch wenn ich jetzt sicher nichts pädagogisch Wertvolles sage: Wenn dein Sohnemann als einziger jetzt mit dem Fahrrad zur Schule fahren muß, findet er das wahrscheinlich stinklangweilig. Ich bin ja auch keine von der konsequenten Art, habe meinem Sohn jetzt aber eine Monatsfahrkarte gekauft, damit ich nicht in Angst und Schrecken im Wartezustand verharre, ob er irgendwann doch mal schwarz fährt und erwischt wird. Außerdem düst er zum Gesangsunterricht, fährt in die Stadt ins Kino, trifft sich dort mit Freunden etc. Als ich mal zusammenzählte, was diese Einzelfahrkarten alle kosteten, da war die Monatskarte einfach billiger. Wie wäre es, wenn dein Sohn sich mit dem Taschengeld an einer Monatskarte beteiligen würde? Er fährt doch sicher nicht nur zur Schule mit dem Bus, sondern auch zu anderen Punkten, oder nicht? Liebe Grüße Andrea

von Andrea U. - am 28.02.2006 14:50
klar,

er sollte eigentlich auch noch wo anders hin fahren. Was dann mit dem Bus aber gar nicht mehr geht!

Wir wohnen in einem Teilort von einer Kleinstadt. Der Busverkehr ist also nur mehr oder weniger sternförmig Richtung Stadt und zurück, einmal pro Stunde in der Schulzeit. Sonst überhaupt nicht. Und dann ist er mit dem Bus ewig unterwegs. Macht er aber trotzdem, mit dem Ergebnis, daß die Zeit für Hausaufgaben noch knapper wird, und alles zu Hause dementsprechend noch chaotischer.

Ich selbst fahre auch alle Kurzstrecken nur mit dem Fahrrad. Und bin dann gezwungen, mit dem Auto zu fahren, wenn wir anschließend nach der Schule einen Arzttermin haben, nur weil Sohnemann schwarzfahren mußte. Kurze Erklärung dazu: ich habe einen Campingbus, der parkplatzmäßig in Innenstädten nicht der absolute Hit ist.

Ging also mit Fahrradfahren früher wirklich viel besser. Ein weiterer Grund für das Busfahren ist auch noch, daß der Junge sein Fahrrad mal flicken müßte. Fährt ohne Luft so schlecht. hab's letztes Mal mit ihm zusammen gemacht, ich würde ihm auch nochmal helfen, aber ich reparier nicht sein Fahrrad wenn er das einfach nur ohne was zu sagen in die Garage stellt, und selbst zum Aufpumpen (mit Standpumpe) schon zu faul ist.

Andererseits geht es auch darum, daß ich ihm nicht Hilfestellung geben will, um Straftaten zu vermeiden. So nach dem Motto: kriegst das Geld für alles, damit du nicht klauen brauchst. Irgendwo hat's Grenzen. Und die müssen klar sein, nicht einfach so irgendwie, je nach Lust und Laune.

Ich bin mit anderen Sachen schon ziemlich großzügig, reite eigentlich nicht auf Kleinigkeiten rum. Wenn er im Schlafanzug in die Schule geht, ist das sein Problem. Aber Sachen die in Straftatbereich fallen, seh ich da etwas enger...

Fuzzy-Mama

von Fuzzy-Mama - am 28.02.2006 15:21
Hallo,
bitte versteh mich nicht falsch! Schwarzfahren ist wirklich das Letzte. Mein Sohn weiß, daß er, sollte er schwarz fahren und erwischt werden, das Geld von seinem Taschengeld bei mir abzahlen müßte - so, wie er auch sämtliche Handytelefonate, die er vom Festnetzapparat führt, bei mir abzahlen muß. Er sagte ja immer, er führe nicht schwarz - aber ich hatte auch keine Lust mehr, daß er sich ständig von Freunden Fahrgeld auslieh! Liebe Grüße

von Andrea U. - am 28.02.2006 15:30
schon ok. Nur, weiß Sohnemann auch alles. Inklusive abzahlen und so weiter. Haben wir alles ausführlich besprochen. Aber er machts trotzdem. Und seinen Vater hat er wirklich gut im Griff, der macht wiederum für Sohnemann alles. Also drauf ankommen lassen? Und hoffen, daß Vater irgendwann doch nicht mehr zahlt? Die Masche mit dem Fahrgeld ausleihen hat er auch schon durch, nur daß die nicht immer klappt. Und ich lass mir jedesmal, wenn ich weiß, daß er Bus gefahren ist, die Fahrkarten vorzeigen.
Und es muß trotzdem immer wieder sein... Die Frage ist, wo ist für ihn die Grenze. Beim Schule schwänzen hatte ich die auch erst, als der Klassenlehrer erklärte, daß er ihn sonst nicht auf die Klassenfahrt mitnimmt. War das einzige was er wissen wollte, nix mit Vernunft von meiner Seite. Wenn's nur die Logik wäre...

von Fuzzy-Mama - am 28.02.2006 16:19
Aber wäre dann eine Monatskarte nicht die beste Lösung? Wenn Vatern beim Schwarzfahren für ihn gerade steht, ist das die schlechteste Lösung. Dann denkt er ja: einer wird's schon richten... Im pubertierenden Alter, in dem dein Sohn ja auch wohl schon steckt, ist Fahradfahren nicht der Hit. (Leider). Mein 15-Jähriger schultert lieber seine Gitarre und läuft zu Fuß zum Unterricht, anstatt das Rad zu nehmen. Da nimmt er dann abenteuerliche Abkürzungen in Kauf (im Dunkeln durch den Kleingartenverein), so daß ich auch beschlossen habe, ihn mit dem Auto abzuholen. Wenn dein Sohn sich mit der Hälfte seines Taschengeldes an einer Monatskarte beteiligt (oder mit einem Drittel), wäre das denn für dich nicht akzeptabel? Die Gründe der Erwachsenen für das Radfahren (frische Luft, Bewegung) interessieren kids meist nicht sonderlich. Hinzu kommt, daß manche kids eine Art Nervenkitzel beim Schwarzfahren entwickeln (werd ich erwischt oder geht es gut?), das möchte ich gar nicht erleben müssen. Liebe Grüße

von Andrea U. - am 01.03.2006 09:15
Hallo!

Also,bei uns hat jeder eine Fahrkarte,da wird nicht drüber diskutiert,Schwarzfahren zu animieren,daß wollten wir nicht.
Für uns ist es das normalste der Welt,es wird den Kids auch nichts abgezogen,soviel Taschengeld bekommen sie ja nicht,ich würde es fies finden,wenn man mir das abziehen würde.

Heute ist es so,daß die Kids von sich aus entscheiden,ob mit Bus,Bahn o.Rad.Obwohl der Schulweg dann mit Rad schon sehr lang ist und grad an den schlimmsten Unfallstr.vorbei führt.

Wir haben z.zt auch kein Auto,fahren alle Bus,Bahn o.Rad und meine beiden sind so noch nie schwarzgefahren,weil sie wissen,daß eine Monatskarte wichtig ist,auch sie fahren lieber mit Freunden zusammen,warum auch nicht,daß mache ich damit den Kids doch nicht kaputt.

Außerdem hab ich ein wenig Sicherheit und weiß,daß mein Sohn keine Umwege nimmt,er ist immer pünktlich Zuhause.

In dem Sinne
Grüßle von Sternchen*

von Sternchen* - am 01.03.2006 22:19
Hallo Sternchen,
das mit dem Taschengeld war nur eine Möglichkeit, daß der Junge dann vielleicht doch eine Monatskarte bekommt. Ich ziehe meinem auch nix ab für die Karte - nur die Handy-Telefonate, DIE ziehe ich ihm ab. LG Andrea

von Andrea U. - am 02.03.2006 11:18
Hallo Andrea und Sternchen,

so einfach ist das nicht. Nicht nur weil der Tagesablauf mit der Busfahrerei viel mehr durcheinander kommt, als wenn er das Fahrrad nehmen würde. Z.B. sehe ich in dann zu Hause gerade mal ca. 2 Minuten, bevor er wieder zum Fußball abdüst. Und keine Chance, die Hausaufgaben kurz durchzugehen, oder nach Klassenarbeiten zu fragen. Das ist genau das was er will. Und mit dem Fahrrad wäre ca. 1/2 h mehr drin, weil die Busse so selten fahren (und er dann auch durchaus nicht den nächsten nimmt, sondern stattdessen Super Ausreden hat).

Mein (Firmen-) Handy hat er übrigens auch schon in die Schule mitgenommen, so daß mich meine Kollegen den ganzen Tag nicht erreichen konnten (ich bin entweder beruflich unterwegs, oder arbeite von zu Hause aus). Weil ich da aber keine Rechnung sehe (und er den Speicher schon vorsorglich gelöscht hat, bevor er mir das Ding wieder zurückgegeben hat), habe ich keine Ahnung was mit Telefonaten war. Kann auch schlecht in meiner Firma nachfragen, oder?

Taschengeld ist eh grad ziemlich unten, weil er in regelmäßigen Abständen von mir Geld klaut, und ich ihm das dann wieder abziehe. Und seine Schulfreunde sind sowieso nicht im Bus, weil die aus einem anderen Ortsteil kommen. Sondern nur Kids, mit denen er sich hier bei uns nie im Leben treffen würde, weil er die eigentlich alle doof findet.

Es ist eher so, daß er momentan gerade alles ausprobiert, was gegen Regeln geht. Schule schwänzen haben wir auch schon durch. Und ich will lieber, daß er sofort die Folgen von seinem ganzen Tun merkt, als später bei noch gravierenderen Sachen. Da er zu Hause klaut wie ein Rabe, würde mich ein Anruf von einem Supermarkt/ Polizei auch nicht wundern. Weswegen es mir sympathischer ist, wenn ich (bin sowieso die Rabenmutter) da nicht nachgebe, er sich halt mit mir anlegt, aber zumindest nach außen sich der Schaden noch im Rahmen hält. Es geht halt nicht nur um das Busfahren als solches, sondern daß er danach sucht, was er anstellen kann. Wenn Busfahren auf einmal legal ist, sucht er nach dem nächsten. Ich hab noch Glück, daß er offensichtlich keinen Alkohol verträgt (hat er kürzlich mal heimlich gemacht, aber ihm ist sofort total schlecht geworden, noch bevor der Alkohol irgendeine andere Wirkung zeigen konnte). Er will's halt unbedingt wissen!

Wenn er sich für was richtig interessiert, dann unterstütze ich ihn auch (vor 2 Monaten hat er mit Keyboard-Unterricht angefangen). Verhaltenstherapie haben wir begonnen, ist aber noch viel zu früh, Erfolge zu erwarten. Und er benutzt mich durchaus immer wieder gern als seine persönliche Privatlehrerin, wenn er in der Schule was nicht mitgekriegt hat. Er hat auch keine Kontaktschwierigkeiten zu seinen Mitschülern, sondern noch genug Freiraum, sich zu verabreden.

Es geht also wirklich mehr darum, die Grenzen klar zu ziehen, nicht um den Bus als solches. 13 J, erste Freundin, Pubertät. Und Mamas Nerven austesten.

Liebe Grüße, Fuzzy-Mama

von Fuzzy-Mama - am 02.03.2006 14:58
Ich glaub, das Beste ist, wenn Du ihn auflaufen lässt. Das heißt, Du wartest, bis er vom Nahverkehrsbetreiber irgendwo zwischen Dorf und Schule mit einer Rechnung über 40 Euronen an die frische Luft gesetzt wird. Du weigerst Dich natürlich, die Strafe zu bezahlen.
Sein Vater wird sich das max. 3x ansehen. Danach wird auch er einen Riegel davor schieben. Und spätestens dann hat Dein Sohnemann ein Problem.
Du schreibst, Dein Sohn ist 13. Das heißt, spätestens in einem Jahr ist wiederhohltes Schwarzfahren eine Straftat. Das sollte Dein Junjor wissen. Und, dass das dann alleine sein Problem ist.

von icke WES - am 04.03.2006 19:32
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