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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Michaela O., Filiti

Bin neu hier

Startbeitrag von Michaela O. am 05.03.2006 22:26

Hallo,

habe heute Eure Seite entdeckt und wollte mich (bzw. unsere Situation) einfach mal vorstellen.

Seit Januar bin ich mit meinem Sohn Max (9 Jahre) in der Heckscher Klinik. Wir hatten dort bis jetzt ein langes Gespräch und einen Tag hatte Max einen Test. Am 9. März hat er den nächsten Test.

Nach dem was ich heute so gelesen habe, nehme ich stark an, dass er ADHS hat.

Die häusliche Situation ist folgende:
Ihm ist ständig langweilig, sogar schon 10 Minuten nach dem Aufstehen. Er ist zappelig, kann sich nicht konzentrieren, die Hausaufgaben sind täglich ein Drama. Sein Schriftbild ist eine Katastrophe und er ist nicht fähig einen Text fehlerfrei abzuschreiben. Wenn er einen Text abschreibt, dann schaut er ein Wort Buchstabe für Buchstabe an. In der Anfangszeit seiner Schulzeit war er im Rechnen noch sehr gut. Er kann, wenn er gut drauf ist, auch 100er-Zahlen gut zusammenrechnen oder auch abziehen.

Heute haben wir Monopoli gespielt, da hat er die Würfelpunkte abgezählt, statt sie einfach zusammen zu rechnen. Nach einer halben Stunde hatte er keine Lust mehr zum Spielen und ist ausgestiegen.

Max ist ein super Fußballer und bekommt von allen auch Talent zugesprochen. Sein Trainer verzweifelt jedoch auch an seinem Verhalten im Training. Er nimmt keine Tipps an und zieht die Übungen nach seinem Sinn durch.

Wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht, rastet er aus, tritt gegen alles was ihm in den Weg kommt, schreit und heult.

Nun kommt die schulische Situation und die macht uns (Eltern) richtig fertig:

Max ist in der Schule sehr aggressiv. Er fühlt sich ständig von anderen Schülern provoziert und rastet dann völlig aus. Er hat immer wieder handgreifliche und verbale Auseinandersetzungen mit Kameraden. Die Schule ist davon informiert, dass wir in der Heckscher Klinik sind. Mit seinem Klassleiter führe ich ein Mitteilungsheft, damit wir immer voneinander wissen, was los ist. Im Zwischenzeugnis stand noch drin, dass sich sein Verhalten seit dem Führen dieses Heftes entschärft hat, aber trotzdem noch viel Arbeit auf uns wartet.

Ich hatte immer den Eindruck, dass der Lehrer guten Willens ist und Verständnis für Max hat und habe ihm das auch gezeigt und mich dafür bedankt.

Am letzten Tag vor den Faschingsferien flatterte ein Verweis für Max in unseren Briefkasten. Max hatte zuerst die Mitarbeit im Unterricht verweigert, seine Sachen vom Tisch gepfeffert und danach den Unterricht durch Trommeln gestört. Als er trotz Mahnung nicht aufhörte, hat ihn der Lehrer rausgeschickt. Max ist dann wutentbrannt raus, hat die Tür volle Kanne hinter sich zu geknallt und noch mehrmals von außen gegen die Tür getreten. Nun hat er seinen x-ten Verweis in dem ihm auch noch SCHULAUSSCHLUSS angedroht wird.

Die Direktorin der Schule hält meine Söhne sowieso schon für eine Gefahr für die Allgemeinheit!

Ich weiß wirklich nicht mehr was ich machen soll. Wir können doch auch nicht zaubern. Ich kann doch nicht zum Doktor gehen und sagen, geben sie ihm irgendwas, egal was er hat, die Hauptsache die Schule gibt Ruhe.
Obwohl ich erst die Tests abwarten wollte, gebe ich ihm seit einer Woche Zappelin. Eine Veränderung an seiner inneren Unruhe kann ich noch nicht feststellen, vielleicht ist er nicht mehr ganz so aggressiv.

Antworten:

Hallo Michaela,

erstmal:
Du hast es schwer, eure Familie auch, dein Max hat es schwer, die Lehrer haben es schwer und vielleicht auch die Mitschüler. So ist es und es wird sich bessern, sobald die Ursache gefunden ist und alle richtig darauf reagieren können.

Du kannst hier soviel Tipps finden wie du möchtest und es sind gute, hilfreiche Tipps. Hol sie dir auch von den Ärzten und Therapeuten, geh' ihnen lieber einmal zuviel auf die Nerven als zuwenig. Sie haben gute Ideen und erprobte Verhaltenweisen.

Bei meinen Söhnen - einer mit ADS und einer extrem dickköpfig - hilft immer folgendes:

klare Ansagen, klare Regeln, immer gleicher Tagesablauf,
viel Lob für richtiges Handeln, Tadel für falsches Handeln.

Wer tobt oder richtig frech wird (oder besser wurde - es hat sich gelegt), kommt ins Zimmer zum beruhigen. Das Mittagessen gehört Schulthemen und dem Erzählen des Erlebten - und seien es auch nur die ewigen Pausenstreitereien (Ich kann es nach 5 Jahren Schule bald nicht mehr hören - aber was soll's).

Spielen darf man erst nach den Hausaufgaben und den Schreibübungen (beide haben Probleme mit der Rechtschreibung aus unterschiedlichen Gründen) und ggf. nach dem Flöteüben (3-4x die Woche). Gameboy ist auf 0,5 Stunden, Computerspiele (machen sie immer in der Gruppe) auf max. 1 Stunde limitiert. Fernsehen fällt meist aus - ist uninteressant.

Ich schreie nicht mehr (OK, OK - selten, ich bin auch nicht perfekt), suche und sehe die Stärken meiner Söhne - das baut sie auf - und bestärkt mich im Weitermachen. Sätze wie: "Das habe ich doch schon hundertmal gesagt!" fallen ersatzlos weg.

Aus jedem Problem gibt es auch Auswege - und zu einem Schulverweis muss/darf es nicht kommen. Aber es wird auch für dich Arbeit, konsequentes Vorgehen und geändertes Leben bedeuten. Doch es wird sicher besser werden. Vielleicht hilft auch dann ein freiwilliger Schulwechsel, um neu anfangen zu können.

Grüße - halt den Kopf hoch und hol dir Hilfe, wenn du nicht mehr weiter kommst.

Filiti

von Filiti - am 06.03.2006 08:54
Hallo Filiti,

danke für deine Antwort.

Ich bin froh, dass ich die Seite hier entdeckt habe und Menschen gefunden habe, die wissen von was ich rede und mehr Erfahrung haben als ich.

Das mit dem strengen Tagesablauf und Strukturen leuchtet mir total ein und ich wäre überglücklich, wenn ich das hinbekommen würde. Ich denke mir oft, das kann doch nicht so schwer sein, andere schaffen das doch auch.

Ich habe extra meine Arbeitszeit verkürzt um mehr Zeit für die Kinder und meinen Haushalt zu haben. Obwohl ich wahnsinnig gern in die Arbeit gehe und mir das auch abgeht.

Dann stehe ich wieder vor meinem Chaos und weiß nicht wo ich anfangen soll. Und dann das ewig leidige Thema mit dem Kochen.

Irgendwie ist der Tag viel zu kurz. Wenn ich Max zusätzlich zu den Hausaufgaben noch üben lasse, (Schrift und Rechtschreibung) dann ist der Tag zu Ende und er kommt gar nicht mehr raus. Er braucht das aber, sich draußen auszutoben.

Am Donnerstag hat er seinen nächsten Test. Am Freitag habe ich einen Termin mit seinem Lehrer. Ich hoffe, dass alles bald leichter wird.

Danke nochmal für Deine Antwort,
Michaela

von Michaela O. - am 06.03.2006 20:55
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