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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Heike Plohmann, Fuzzy-Mama, taks, fame, Sternchen*, angie-nando, Evilein

Ich weiß bald nicht mehr weiter.

Startbeitrag von Heike Plohmann am 13.03.2006 20:53

Hallo, erstmal möchte ich mich vorstellen.
Ich selbst bin 47 Jahre alt, mein Sohn Florian 9 Jahre er hat ADHS.
Vor 2 Jahren ist Florians Vater gestorben, von dem ich damals seit 2 Monaten geschieden war. Mit dem Onkel von Florian war ich eine zeitlang zusammen.
Nun zu meinem eigentlichen Problem.
Florian war vor 8 Wochen für eine 12 Wöchige Ambulante Behandlung in einer Tagesklinik wo er auch Medikamentös neu eingestellt wurde.

Er bekommt im moment 10mg Medikinet und 18mg Concerta morgens nach dem Frühstück. Bevor seine Medis wirken ist es ein reines Spießruten laufen. Er kann nichts alleine regeln. Beim Anziehen helfen, seine Sachen für die Schule zusammen suchen u.s.w. Und alles geht nur mit gemecker und schreien vor sich.
Ich wäre eine blöde Kuh, würde nicht das machen was er will, kann ihn mal am A... u.s.w.

Ich weiß beim besten willen nicht mehr was ich machen soll.
Auch mit Drohungen, das wenn er sich nicht ein bißchen ändert, das ich dann mich mit dem Jugendamt in Verbindung setzen werde, kommt von ihm nur: mach es doch.
Ich glaube aber auch das er mich manchmal nicht versteht was ich von ihm will, oder es nicht verstehen will.
Auch habe ich Angst das mir eines Tages mal ganz fürchterlich die Hand ausrutschen wird und es passiert vielleicht was.

In der Schule läuft alles bestens, es kommen bis jetzt auch keine negativen Meldungen von seinen Lehrern.
Aber so bald er aus der Schule zurück ist geht es von vorne mit seinem gemecker los.
Versuche ich ihm was zu erklären heißt es nur ich hätte keine Ahnung und sein Lehrer hätte das anders erklärt.
Frage ich dann nach wie bekomme ich zur Antwort: Ach vergiß es.

Vielleicht hat ja der eine und andere von euch ein paar Tips für mich was ich ändern kann, damit unser Leben auch mal wieder ein paar positive Seiten hat.
Ich arbeite auch halbtags in Wechselschicht, sodas ich nicht immer bei Flo sein kann wenn er aus der Schule kommt.
Dann ist er bei meiner Mutter wo es eigentlich ganz gut läuft.

Ich hoffe das ihr mich einiger Maßen verstehen könnt, was ich euch damit sagen wollte.

Heike

Antworten:

ganz so schlimm ist es bei uns nicht mein sohn ist aber auch schon 12..aber einges kenn ich zur genüge..ich hab mir angewöhnt aus dem zimmer zu gehen um selbst erstmal zur ruhe zu kommen,in der zeit hat sich mein kind auch wieder beruhigt und wir können reden und zusammen arbeiten

von angie-nando - am 13.03.2006 21:49
Hallo,
das kommt mir ganz bekannt vor. ich kann nur vorschlagen, lese alles was du in die Finger bekommen kannst über ADHS Kinder. In den öfentlichen Bibliotheken kann man fast alle Bücher ausleihen. Vorher kannst du bei Amazon.de nachschauen, was dich interessiert und anspricht. Du wirst mit der Zeit lernen, dass du mit Flo nicht so reden kannst wie mit einem nich ADHS Kind. Lass die Drohungen ganz weg. Stell im Vordergrund das was gut läuft, auch dann wenn du etwas zu meckern hast. Es gib viele Bücher (Bedinungsanleitungen für ADHS Eltern). Mein Sohn hat immer noch ADS, aber durch den "etwas anderen Umgang" mit ihm, ist es oft leichter und er ist auch glücklicher.
Grüße
Evilein

von Evilein - am 13.03.2006 22:09
Hallo Heike!

Willkommen hier im Forum:O)!

Deine Probleme kommen mir bekannt vor,habe sie hinter mir.Mein Sohn ist inzwischen 16J.Ich habe die Jahre incl.diverser Beleidigungen dank dieses Forums gut überlebt.

BITTE,nehme das NICHT persönlich,was dein Sohn Dir an den Kopf schmeißt,er meint es nicht so.Guter Tipp am Morgen:

Nicht soviel reden,handeln,dann helf ihm einfach ohne Worte.Rede mit ihm in RUHE,wenn seine Medis wirken.
Apropo Medis:
Bekommt er denn Nachmittags keine??Ansonsten würde ich sagen ist er unterdosiert,denn Concerta gibt nur 15,5mg Wirkstoff ab und das schubweise,am Nachmittag ist ja nur noch ein Restwirkstoff übrig.
Wieviel Medis hatte er denn vor dem Klinikaufenthalt??

Und BITTE: NICHT Drohen,sondern nur DAS aussprechen,was Du wirklich einhalten kannst,sonst wirst Du unglaubwürdig,daher antwortet er Dir auch so.
Die Klinik und das Jugendamt sind eine Hilfe und nichts böses,also damit nicht bangemachen.
Wenn Du es nicht alleine schaffst,hole Dir Hilfe vom JA,uns hat der FH(Familienhelfer) sehr gut geholfen.

Positive Veränderungen:
*LOBEN;LOBEN,LOBEN!

*Suche Dinge,die er gut kann.

*Stellt zusammen Regeln auf,höchstens 3 zum Anfang,die am wichtigsten sind und dazu Belohnungen(umsetzbar+klein),wenn er sie einhält bzw.Konsequenzen(umsetzbar f.ihn)wenn er es nicht tut.
Wenn diese gut klappen,kann eine neue Regel dazu kommen.

*Plane 1Tag in der Woche,wo Du etwas mit ihm zusammen tust,mache es aber nicht von etwas abhängig.
*1festen Tag für euer gemeinsames Gespräch(jeder darf seine Meinung sagen+der andere hört zu ohne dazwischen zu reden).

Wenn ich Du wäre würde ich folgendes tun:
Medis nochmals überprüfen+es dem Ki.-Arzt erklären und fragen was er dazu meint,wenn er Nachmittags nichts an Medis bekommt,da nachhaken ob Du was zugeben kannst.

Dann würde ich mich fragen,was ich an Hilfe brauche und mich dann dementsprechend ans Amt wenden.

Im Gespräch würde ich meinem Sohn sagen,daß ich ab Morgen nicht mehr viel reden werde,sondern handeln,wenn er nicht aufsteht,geht er im Schlafanzug aus dem Haus(Hab ich durchgezogen1x).
Schulsachen werden am Vortag gepackt,am besten gleich nach den Hausis.
Ich konnte immer gut mit meinem Sohn reden,wenn er seine Medis hatte,ansonsten konnte er sich darauf nicht konzentrieren+einlassen

Ablauf bei uns Morgens(heute noch):
Wecken
Medis am Bett(seit 2Wo. nicht mehr)
15Min später aufstehen,anziehen,waschen ect.
Frühstück(bei uns jetzt Medis)
anziehen,losgehn

So,hoffe,konnte Dir einige Tipps geben,ansonsten frage nach oder maile auch.

Kraftspendende Grüße
von Sternchen*

von Sternchen* - am 13.03.2006 22:14
Hallo Heike!
Ich habe mir dein Posting einige Male durchgelesen! Auch das was Sternchen dir geschrieben! Sternchen hat mit dem allem schon recht, aber ich habe die Vermutung, kann mich natürlich auch irren, dass Dein Sohn bei Dir nach Aufmerksamkeit schreit! Das machen sie oftmals mit Sturheit, Beleidigungen usw. Denn auch damit erreget er Deine Aufmerksamkeit!
Vielleicht leidet er auch noch unter der Scheidung und dem Tod seines Vaters! Und weiß einfach nicht, wie er es verarbeiten soll!
Kids fressen viel in sich hinein! Und manchmal stecken Gründe hinter dem Verhalten, an das man selbst gar nicht denkt!
Dein Sohn hat ADHS, das allein kann schon ein Problem sein, wodurch sein Verhalten und Beleidigungen verstärkt werden. Er weiß halt in dem Moment, in dem er das sagt oder tut oft gar nicht, was er da gerade wieder losgelassen hat!
Sei ihm da nicht allzu böse!
Auch mein Sohn 10 J. ADHS sagt manchmal Dinge, die im dann eine halbe Stunde später, wenn er sich etwas beruhigt hat, erst bewusst wird!
Aber das war auch nicht immer so!
Ich denke mal, der Klinikaufenthalt war für ihn ja auch nicht ganz so einfach! Er ist noch sehr jung und dann so lange von seiner Mutter weg! Vater gestorben, Mutter nicht da!
Vielleicht wehrt er sich einfach gegen eine engere Bindung zu Dir, aus Angst allein gelassen zu werden!
Vielleicht beschimpft er Dich deswegen und versucht alles abzublocken was von Dir kommt!
Meiner Meinung nach, aber ich kann mich narürlich auch irren und soll nur ein neuer Denkanstoß sein, keine Kritik, hat er einfach Angst! Angst, allein gelassen zu werden!
Vielleicht ist es ein Gedanke wert! Denn ADHS´ler denken manchmal auch anders.
Denn ich bin auch einer! *g*
Vielle liebe Grüße und ein Kraftpaket
schickt Dir
Heike *g*

von fame - am 14.03.2006 09:14
Der Aufstand wird zu Hause geprobt! Das gilt ganz besonders für unsere lieben Jungs.

Wir hatten in den letzten 2 Monaten exakt den beschriebenen Zustand. Und mit etlichen Umstellungen (darunter auch dank vieler Tipps aus diesem Forum) geht es wieder bergauf.

Zum einen: Sohnemann bekommt jetzt gleich beim Wecken die ersten 10 mg Medi, darf dann noch 10 min im Bett bleiben. Die Wirkung setzt sehr zügig ein, beginnt dann also schon beim Aufstehen. Ergebnis: wesentlich weniger Streß und Kampf. Ist zwar immer noch ein Morgenmuffel, geht aber nicht mehr bei jeder kleinen Bemerkung wie: hast du alles im Schulranzen... an die Decke. Die morgendliche Kommunikation ist auch auf die Sachen reduziert, die so mit Aufstehen usw. anliegen. Keine sonstigen Schulthemen (ok, schaff ich nicht immer, aber immer öfter).

Für weitere identifizierte Konfliktfelder (z.B. Hausaufgaben vorzeigen, pünktlich ins Bett gehen und auch drin bleiben) gibt es schriftliche Regeln, und Smileys (die dann zusammengezählt und belohnt werden).

Und etliche Sachen muß man zeitlich so legen, daß die Medis wirken. Auf keinen Fall morgens, und auf keinen Fall noch abends. Sondern: der Schulranzen muß für den nächsten Tag komplett bis abends um 18:00 gepackt sein (kurz zeigen lassen), genauso alle Hausaufgaben und sonstigen schulischen Sachen. Danach geht nix mehr, oder nur noch freiwillig aber nicht geplant. Und alle Regeln (und Strafen bei Regelverstößen) schriftlich machen (an die Pinnwand), damit da weniger diskutiert wird (entschärft das Ganze auch gut).

Meiner ist übrigens von Concerta aggressiv geworden, ist jetzt wieder total weg seit wir auf Medi Retard umgestellt haben.

von Fuzzy-Mama - am 14.03.2006 09:38
Hallo, erstmal vielen Dank für eure Antworten, es ist schön zu hören das es anderen Müttern auch so geht.
Heute morgen habe ich das erste Mal die Medis gleich nach dem Aufstehen gegeben.
Ich fand es nicht mehr ganz so schlimm.

Sonst hat er die Medis immer erst nach dem Frühstück bekommen, weil das essen ja auch so ein Problem ist.
Und ich dachte mir auch das die Medis besser wirken wenn er gefrühstückt hat.
Am Nachmittag läuft es eigentlich auch ganz gut mit ihm, glaube nicht das er unterdosiert ist.

Denn man merkt doch eine wesentliche Veränderung gegen Abend 17.30-18.00 Uhr wenn die Medis nicht mehr wirken.
Ich habe mir auch schon einiges von euch hier im Forum erlesen, aber wollte doch auch mal meine Bedenken los werden.
Werde auch einige Tips von euch mal ausprobieren.
Vielen Dank nochmal.
Heike

von Heike Plohmann - am 14.03.2006 13:34
Hallo Heike,

gerade heute brennt bei uns auch die Hütte. Mein Sohn (12 J.) hat es auch nicht nötig in einem vernünftigen Ton mit mir zu reden.

Unser Kampfthema ist das Lernen nach den Hausaufgaben für Klassenarbeiten. Er lümmelt sich provokant herum und gibt auf jede Frage nur die aggressive Antwort.: "Das weiß ich doch. Das brauche ich dir nicht zu sagen."

Ich könnte an die Decke gehen und sehe schon wieder die nächste verhauene Arbeit.

Leider scheint es ihn nicht zu stören, wenn er schulisch weiter absackt. Auch mit Drohungen komme ich nicht weiter.

Ich weiß ja, dass man mit positiven Impulsen mehr Motivation schaffen kann, aber manchmal habe ich nicht die Kraft und auch keine Lust in diesem ganzen Schlamassel nach etwas Gutem zu suchen.

In der Schule erledigt er doch auch alle Aufträge ohne Gegenwehr.

Mit viel Wut und Verzweiflung im Bauch
liebe Grüße

taks

von taks - am 14.03.2006 16:10
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