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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Brigitte K., Marsandro, Doris Schmitt, Sternchen*, Tanja aus Bayern

Gemobbtes ADHS Kind, was tun ?

Startbeitrag von Brigitte K. am 14.03.2006 09:30

Hallo,

vielleicht habt Ihr für mich einen Rat.

meine Tochter (11 J, ADHS) bekommt seit Februar 2006 Medikinet und ist jetzt gut darauf eingestellt. Davor war sie sehr unruhig und unkonzentriert im Unterricht und zuhause auch meist eine absolute Katastrophe.

Meine Tochter geht in die 5 Klasse der Hauptschule. Da meiner Tochter immer wieder Hefte fehlen hatte ich vor den Winterferien schon mit ihrer Lehrerin telefoniert.

Insgesamt sind jetzt schon 5 Hefte von ihr verschwunden. Ich muss also jedes mal ein neues Heft kaufen und sie muss das ganze dann von einem ausgeliehenen Heft wieder abschreiben, damit sie dann auch auf Klassenarbeiten vernünftig lernen kann. Ordner verschwinden z.B. auch und tauchen dann an ganz anderen Stellen wieder auf. Allerdings ist sie nicht die einzige der das in der Klasse passiert. Immer wieder werden in der Klasse auch mal zerrissene Hefte von anderen Kindern gefunden.
Bei meiner Tochter habe ich wegen den Schulsachen ein bestimmtes Mädchen in Verdacht und habe dies der Lehrerin gegenüber auch geäußert.

Am Anfang der 5 Klasse haben die beiden sich 2 x getroffen und miteinander gespielt (1 x bei uns und 1 x bei ihr) aber meine Tochter hat sich von diesem Mädchen zurückgezogen da ihr das familiäre Umfeld und wie dort miteinander umgegangen wird nicht zusagte und das Mädchen sie nach dem Besuch bei uns langsam anfing zu ärgern.

Dieses Mädchen geht jetzt (mit sich abwechselnden Helferinnen)seit einigen Monaten massiv mit verbaler (Schimpfworte die man hier nicht schreiben kann) und körperlicher Gewalt gegen meine Tochter vor (z.B. Schläge an den Hinterkopf oder auch mal Tritte in den Bauch kurz im vorübergehen oder stolpern lassen beim einsteigen in den Bus). Die Lehrerin setzte sich darauf hin mit der Mutter in Verbindung. Die Mutter meinte der Lehrerin gegenüber nur, ihre Tochter tut so etwas nicht. Warum berichten mir dann andere Kinder wie schlimm das Mädchen auch gegen andere vorgeht wenn dieses Mädchen laut Mutter so was nicht tut ?

Dieses Mädchen das wohl massive Probleme hat geht allerdings in die angebotene Stunde der zuständigen Schulpsychologin um da ihre Probleme zu besprechen. Ich überlegte, ob ich mit dieser Psychologin Kontakt aufnehmen soll (allerdings steht diese ja unter Schweigepflicht). Mein Mann meinte, dass man erst mal abwarten sollte, was die Schule in dieser Sache regelt und ob es auch fruchtet. Gefruchtet hat es nicht, denn jetzt fehlt plötzlich das Musikheft.

Nächste Woche ist ein Klassenpflegschafts Abend angesetzt wo ich hoffe, dass das Verhalten der Klasse auch auf dem Plan steht. Die Klassenlehrerin selbst hat mir gesagt, dass sie so eine laute katastrophale Klasse noch nie gehabt hätte.

Welche Wege kann man noch gehen, wenn die Schule in dieser Angelegenheit nichts erreicht ?

Mit der Psychologin, wo unsere Tochter in Behandlung ist habe ich gestern gesprochen. Sie meinte, dass sich das Mobbing sehr negativ auswirken könnte wenn es so weiter geht und es aber Sache der Schule sei dieses Mobbing abzustellen und da unsere Tochter sehr selbstbewusst sei könne ihr das sehr helfen das alles durchzustehen. Sie sagte auch zu ihr, dass sie sich nicht schlagen lassen müsse sondern sich auch dann körperlich wehren solle.

Sind Gegenschläge wirklich eine Lösung ?

Rat suchende Grüße

Brigitte

Antworten:

Hallo Brigitte,

das ist ja ein scharfes Stück, was Du da schreibst.

Mach doch die ganze Palette durch: Elternklassensprecher, Elternbeirat, Vertrauenslehrer.

Bei uns an der Schule gibt es "Streitschlichter" die sich auch solcher Vorfälle annehmen. Wenn ein anderer Schüler, wenn der auch meist älter ist, mit dem Mädchen spricht, kommt des evtl. anders rüber als wenn es Lehrer oder Erwachsene machen. Der "angenehme" Nebeneffekt dabei ist, dass dann schon mal mehr Personen Bescheid wissen und auch ein Auge darauf haben. Da wird es immer schwieriger, Tätlichkeiten oder Angriffe zu platzieren.

Bei uns an der Schule können die Kinder auch an einem Programm teilnehmen, in dem sie lernen, verbalen Streitereien zu begegnen, zu entgehen, oder gefährliche Situationen von vorneherein erst gar nicht entstehen zu lassen. Es heißt Capitombolo. Es gibt davon bestimmt ähnliches auch in anderen Bundesländern. Reg das doch mal bei Euch an. Es kommt ja allen Kindern zu Gute und sie lernen was fürs Leben.

Viele aufmunternde Grüße aus Bayern
die Tanja

von Tanja aus Bayern - am 14.03.2006 10:20
Hallo Tanja,

vielen Dank für Deine kleine Hilfsliste. Werde die dann nach und nach ab arbeiten bis etwas fruchtet. Als letzte Instanz könnte ich mich wohl auch noch an das Oberschulamt wenden wenn alles andere nichts hilft.

Das mit den Streitschlichtern ist eine gute Sache. Die gibt es bei unserem Sohn in der Schule auch. Allerdings wird an der dortigen Schule bei extremen Vorfällen auch sofort vom Rektor durchgegriffen.

Leider besucht unsere Tochter eine andere Schule (da gibt es leider keine Streitschlichter).

Ich hoffe, dass nächste Woche auch jemand vom Elternbeirat an dem Klassenpflegschafts-Abend anwesend ist. Da ja andere Kinder auch betroffen sind, sollte das Mobbing und das Verhalten der Klasse also schon auf dem Besprechungsplan stehen und es wäre dann wünschenswert dass dann mehr Eltern anwesend sind als am ersten Elternabend damit die auch mal mitbekommen was da so ab geht.

Leider vertrauen sich nur sehr wenige Kinder ihren Eltern an, wenn sie von so etwas betroffen sind weil sie wohl befürchten, dass dadurch nur noch alles schlimmer wird. Ich jedenfalls habe meine Tochter angewiesen, wenn sie geschlagen wird sofort zur Lehrerin zu gehen.

Grüßle
Brigitte

von Brigitte K. - am 14.03.2006 11:11
Hallo Brigitte!

Erstmal ein kleine Trostgruß an Euch!:O))

Ich kann das gut nachvollziehen,da mein Sohn es damals in der OS(5Kl.) auch durchgemacht hat.

Wie wäre es denn,wenn sich die beiden Therapeuten mal miteinander unterhalten würden??Frag doch mal nach.

Rede mal mit den Eltern+Schulsprechern,was das unternommen wird.

Beim Elternabend würde ich mal nach Schließfächern für die Kids fragen,manchmal haben Eltern noch abschließbare ausgemistete Schränke/Spinds.

Wenn die Schule nichts weiter macht,würde ich mich damit an die Schulbehörde wenden,ich selbst habe damals eine Dienstaufsichtsbeschwerde wg.unterlassener Hilfeleistung geschrieben.

Habt ihr einen Kontaktpolizisten o.jemand vom Jugendamt??
Ich habe damals beide um Hilfe gefragt und sie bekommen.

Viel Glück+Daumendrück
von Sternchen*

von Sternchen* - am 14.03.2006 13:23
Hallo,

vielen Dank für den Beistand. Falls die Lehrerin nächste Woche nichts über die Situation in der Klasse zu den Eltern sagen sollte,gibt es immer noch die Möglichkeit wenn sie fragen sollte, ob noch jemand Fragen hätte dann werde ich mich melden und das Thema so in Bewegung bringen. Wenn Sie nicht fragt dann natürlich auch.

Die Nummer von der Therapeutin habe ich (da sie am ersten Elternabend anwesend war) und werde dann eben selbst einen Termin mit ihr machen und die Situation schildern. Diese Therapeutin welche das Mädchen besucht ist ja vom Jugendamt und sie kommt einmal die Woche in die Schule. Wenn das dann nichts hilft wende ich mich wenn auch die Schule nichts erreicht direkt an das Jugendamt im für uns zuständigen Landratsamt habe die Nummer rausgesucht.

Was die Schulfächer anbelangt so hat dort jedes Kind zwar ein eigenes Fach im Schrank für Bücher und Ordner welcher aber während der Schulzeit und Pausen derzeitig nicht abgeschlossen wird. Die Hefte z.B. verschwinden auch direkt aus dem Schulranzen während der Pausen. Werde jetzt vorerst mal 2 kleine Schlösser für den Schulranzen kaufen mit welchen unsere Tochter während der Pausenzeit die Reisverschlüsse gegen öffnen sichern kann und hoffe sie vergisst es nicht.

Möchte vorerst der Schule die Möglichkeit geben das zu regeln, da die Lehrerin uns bisher immer was unsere Tochter und ihr Verhalten vor der Behandlung mit Medikinet betrifft unterstützt hat und ihr jetziges Verhalten und Mitarbeit sehr lobt (ich hoffe das bleibt so).

Falls sich nichts tut und bessert habe ich jetzt ja einige Tipps von Dir / Euch bekommen.

Gruß Brigitte

von Brigitte K. - am 14.03.2006 14:20
Hallo,

ich kenne solche Mobbing-Situationen.

Bei uns ist das auch immer wieder ein Thema. Auch meine Tochter ist in dieser Hinsicht ein Opfer.

Mobbing zerfrisst die Seele und die Täter wollen ihr Opfer schlicht und einfach zerstören. Das ist Fakt.

Körperliche Übergriffe sollten zum Einen mit Wehren (also Abwehr) begegnet werden, zum Anderen ist jeder, aber wirklich jeder Übergriff dieser Art sofort schriftlich der Schule mitzuteilen.

Damit nichts untergeht, auch eine Kopie an Schulelternsprecherin, Klassenelternsprecher und das Jugendamt. Natürlich auch eine Kopie für Euch.

Wenn die Übergriffe wirklich nicht aufhören, die Schule schriftlich um Stellungnahme bitten und um Mitteilung, welche Maßnahmen ergriffen werden oder vorgesehen sind.

Ansonsten muss man dies schlicht und einfach als Verletzung der Aufsichtspflicht ansehen und um unterlassene Hilfeleistung.

Auch wenn die jungen Damen noch nicht strafmündig sind, kann man diese, zumindest bei uns, bei der Polizei anzeigen. Hier wird nach zwei Anzeigen, egal ob strafmündig oder nicht, der mutmaßliche Täter erkennungsdienstlich behandelt.

Werden dann noch nach dem 14. Lebensjahr Straftaten begangen und das sind Schläge und Tritte (= hier vorsätzliche Körperverletzung, auch noch gemeinschaftliche), gelten die Täter als vorbelastet, wenn man angezeigt hat. Die Strafen würden dann härter ausfallen. So zumindest hat es mir der Jugendsachbearbeiter hier auf der Polizei erklärt. Wir stellen nämlich auch gerade Strafantrag gegen einen Jungen, der unsere Tochter ständig schlägt, sowohl in der Schule als auch im Konfiunterricht.

Die Schimpfworte erfüllen den Straftatbestand der Beleidigung.

Als Erwachsener gäbe es Strafe für so etwas (es sei denn, man heißt Dieter Bohlen).

Das Entwenden der Bücher bzw. Hefte nennt sich Diebstahl ect...

Für die Hefte gebe ich Dir einen Rat:

Fertigt Kopien an oder scannt die Seiten ein, speichert das Ganze ab, lasst es ausdrucken und heftet es in Ordner ab. Ansonsten wird das zu aufwändig. Das ist dem Kind nicht zuzumuten.

Rufe auch die Klassenelternsprecherin an und bitte sie, dass dieses Problem der Klasse auf die Tagesordnung kommt.

Doris

von Doris Schmitt - am 14.03.2006 16:06
Hallo Doris,

herzlichen Dank für Deinen Rat. Wenn die Schule wirklich nichts erreicht und Ruhe herrscht werden wir auf jeden Fall den Weg mit der Anzeige beschreiten.

Eine Liste der entwendeten Hefte habe ich der Lehrerin schon am 23. Februar ausgehändigt. In jedem Heft das neu angeschafft wurde habe ich für die jeweilige Fachlehrerin auf der ersten Seite schriftlich eingetragen warum dies so ist und wurde von der jeweiligen Lehrerin gegengezeichnet. Ein Schreiben an die Schule mit den Übergriffen die bis jetzt stattgefunden haben und ich der Klassenlehrerin telefonisch mitgeteilt habe werde ich aufsetzen und den Erhalt des Schreibens von der Schule gegenzeichnen lassen.

Werde heute morgen in der Schule anrufen und mit der Klassenlehrerin sprechen damit das wirklich zum Thema gemacht wird. Normalerweise gehe ich auf Elternabende immer alleine da diese grundsätzlich auf Wochen fallen wo mein Mann Spätschicht hat. Zu diesem aber wird er sich frei nehmen und wir werden gemeinsam dahin gehen.

Habe gerade eine ziemlich schlaflose Nacht hinter mir da meine Tochter gestern nach der Mittagsschule nach hause kam und sagte, dass das Mädchen plötzlich ihre Freundin sein wolle. Ich habe mit meiner Tochter gesprochen und in aller Ruhe erklärt, dass dieses Mädchen bestimmt schon einen anderen Plan im Hinterkopft hat um sie dann wieder unerwartet fertig zu machen denn ihre Mitmobber wechseln ja ständig und erst sind sie Freundinen und dann werden sie fallen gelassen und auch gemobbt. Das ist ein richtiger Kreislauf so nach dem Motto, wenn du mitmachst und mir hilfst andere fertig zu machen lasse ich dich in Ruhe bis ich genug von dir habe und irgendwann wirst du eben wieder meine Freundin damit du Ruhe vor mir hast.

Ich denke das Mädchen hat Angst davor, dass sie nach dem Elternabend ziemlich schlecht da stehen wird und daher noch schnell ein paar freundschaftliche Bande mit den am schlimmsten gemobbten flechten will.

Werde meine Tochter jetzt wecken und wenn die Tablette wirkt während des Frühstücks nochmal in aller Ruhe mit ihr sprechen damit sie wirklich nicht vergisst vorsichtig zu sein.

Gruß Brigitte

von Brigitte K. - am 15.03.2006 04:58
Hallo. Mit unserem Sohn (10) haben ich dieses Problem auch. Zuerst wurde er im Kindergarten und in der 1. Klasse gemobbt. Leider tönte es von überall so, dass er an den Situationen selbst schuld ist durch sein Verhalten und seine Provokationen. Das mag schon sein. Ich bin ja nicht immer dabei. Anschliessend wechselte er das Schulhaus. Da ging es etwas besser. Doch im letzten halben Jahr nahm es wieder bedenklich zu. Von der Lehrerin nahm er sich nicht ernst genommen, den diese ging nicht auf sein Klagen ein sondern sagte ihm, er solle es aufschreiben und am Freitag im Klassenrat vorbringen. Oft konnte er aber nicht bis Freitag warten oder hatte Angst darüber im Klassenrat zu reden. Wir sind mit der Kinderpsychologin, der Heilpädagogin (ist im Schulhaus angestellt) und der Lehrerin zusammengekommen. Unser Sohn hat jetzt einen Wochenrapport. Da kann er jeden Tag ankreuzen bzw. hinschreiben was los war und die Lehrerin will, wenn er mit was kommt das nicht warten kann, sofort einige Minuten für ihn investieren und mit Fragen herausfühlen ob sie sofort was unternehmen soll oder ob es warten kann bis Freitag bzw. bis sie den Wochenrapport bekommt. So hat er wenigstens wieder das Gefühl von der Lehrerin ernst genommen zu werden. Vielleicht wäre so etwas ähnliches auch für Euch hilfreich. Viele Grüsse

von Marsandro - am 16.03.2006 09:29
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