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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hustelinchen, Lilly., Fuzzy-Mama, xavalon1, Michaela#, Konstance, Brigitte K., Schlethi

2 Welten

Startbeitrag von Hustelinchen am 15.03.2006 09:54

Hallo!
Hab letzte Woche was ganz merkwürdiges erlebt!
Elternabend meiner 14 jährigen Tochter(kein ADHS).
2 Tage später Elternabend meines 7 järigen Sohnes (ADHS).
Auf dem Ersten wurde ich freudig begrüßt,versteh mich mit allen super, bin im Elternrat, war ein toller Abend.
Meine Tochter ist eine 1er Schulerin, hat viele Freunde,ist aufgrund ihres hervorragenden Sozialverhaltens Vertrauensschülerin ihrer Schule.

Auf dem Elternabend meines Sohnes betrete ich den Klassenraum, einige Gespräche werden aprupt beendet, ich werden angeschaut wie ein Marsmännchen, keiner hält es für notwendig mit mir zu sprechen und hinter meinem Rücken höre ich wie geflüstert der Name meines Sohnes fällt.Der Abend war ätzend.
Nachts habe ich im Bett gelegen und überlegt, ob ich eine Fähigkeit besitze, die sonst nur Viren besitzen: Die Mutation
Ich habe es geschafft, innerhalb von 2 Tagen, von einer engagierten Mutter zu einer unfähigen Mutter zu mutieren.
Tochter gutes Sozialverhalten--Mutter klasse
(irgendwo muss es ja herkommen)
Sohn schlechtes Sozialverhalten--Mutter unfähig
(irgendwo muss es ja herkommen)

Gut, dass ich beide Kinder habe,denn in dieser Woche bekam ich etwas sehr Wichtiges:
Ein bisschen mehr Selbstvertrauen, ein breiteres Kreuz und eine noch tiefere Liebe zu meinen beiden Kindern.

Antworten:

oh wie schööööööönnnnnnn!!!!!

"eine noch tiefere Liebe zu meinen beiden Kindern."

da bekommt man eine kleine Gänsehaut.

"Gut, dass ich beide Kinder habe....."

Gut das beide Kinder DICH haben....!!!!!

Weiterhin alles Liebe
von Konstance



von Konstance - am 15.03.2006 11:10
hallo,

kann Dir das gut nachfühlen. War auf der ehemaligen Schule meiner Tochter das gleiche Verhalten der Eltern.

Am Ende dachte ich mir nur noch, die anderen Eltern können mich ....., denn ich war der Rechtfertigungen müde wenn ich darauf angesprochen wurde was meine Tochter so alles verbrochen hat. Manche sollten die Gründe nicht nur bei den ADHS Kindern suchen sondern auch mal bei ihren eigenen angeblichen Normalos die solche Kinder oft auch bewußt reizen weil die sich ja dann auch so schön aufregen denn das ist richtig spaßig und man hat dann wieder was zum weitererzählen und lästern.

Bei meiner Tochter die damals in der 4. Klasse war und das ADHS noch nicht festgestellt war ereignete sich z.B., dass sie nach dem Sportunterricht auf dem Boden saß um ihre Schuhe anzuziehen dabei wurde von den anderen das Licht in der Umkleide ausgeschaltet.Sie bekam im dunkeln die Panik (die anderen wussten das) und fing an zu weinen weil es stockdunkel war da der Raum keine Fenster hatte. Die anderen fingen an zu lachen und eines der Mädchen ist ihr dann auf die Hand getreten. Nachdem das Licht wieder an war ging es von weinen dann direkt in einen Wutanfall über und sie schlug sich vor lauter Zorn den Kopf ein paar mal gegen die Wand. Die anderen Kinder berichteten dies natürlich ihren Eltern und an der Schule lief dann das Telefon heiß. Es hieß die Eltern seien sehr geschockt, dass ihre Kinder so ein Verhalten miterleben mußten.

Tja nach diesem Vorfall kam ich mir dann endgültig so vor als hätte ich Aussatz.

Gruß Brigitte

von Brigitte K. - am 15.03.2006 11:42
Hallo Hustelinchen,

tja, da hast du Glück.

Ich habe zwei Ausstellungsstücke zum Thema schweres ADHHHHHHS mit massiven Wahrnehmungsstörungen, sowie in einem Fall mit Asperger und überdurchschnittlicher Intelligenz, im anderen Fall mit Entwicklungsverzögerung und HB-Männchen-Mentalität.

Leider kein Normalo-Kind, um zu beweisen, dass ich es doch könnte....

Viele Grüße

Michaela

von Michaela# - am 15.03.2006 11:44
Hallo Michaela

Vielleicht hab ich wirklich Glück.
Bei meinem Sohn ist erst vor ein paar Wochen ADHS festgestellt worden.
5 Jahre lang hab ich mir die Schuld an seinem Verhalten gegeben, hab mir Erziehungstipps von Großeltern, Kindergärtnerinnen, Freunden und Bekannten anhören müssen.
Das ewige "Dies machst du falsch und das machst du falsch" hat dazu geführt, dass ich total unsicher wurde und mich bei der Erziehung nicht mehr auf meinen Instinkt verlassen habe.Denn damit lief ja alles schief.
Mein Schuldgefühl ging so tief, dass auch nach der ADHS Diagnose noch Reste davon übrig sind.
Eine Woche wie die letze, hilft mir vielleicht dabei das zu verarbeiten.
Meine Tochter hat übrigens seit 3 Jahren schweres Rheuma, in diesem Sinne also auch kein "Normalo".
Aber wer ist schon normal ?

von Hustelinchen - am 15.03.2006 12:35
Hallo Hustelinchen,

wie gut ich auch das wieder kenne. Meine Kinder sind 5 Jahre auseinander.
Sohn 11 Jahre ADS und dicke Teilleistungsstörungen. Tochter 16 Jahre super selbstständig und sozial gut integriert mit guten schulischen Leistungen.

Ich auch noch professionelle Pädagogin mit dem super Anspruch, meine Kinder besonders gut zu erziehen.

Na ja, so sollte es dann doch nicht sein. Durch meinen Sohn habe ich ganz viel gelernt, habe mich allerdings auch immer wieder als Mutter in Frage gestellt. Mein mütterliches Selbstbewusstsein geht manchmal gen 0.

Wenn ich meine Tochter nicht hätte, würde ich den Beruf wechseln. Bevor Sohni geboren wurde gab ich Elternabende zu pädagogischen Themen wie:"Wenn es in der Hand kribbelt" oder "Kinderängst verstehen" u.a.

Seit Sohni geboren wurde kann ich vieles von dem was ich mal selbstverständlich verzapft habe nicht mehr vertreten.

Wie auch immer, auch ich liebe beide Kinder sehr und möchte keines missen oder anders haben.

P.S Schön das Deine Tochter trotz ihrer Erkrankung so gut klar kommt wie Du schreibst. Das ist sicher auch hart für Dich als Mutter und für Dein Kind.

Fühle mit Dir
Schlethi

von Schlethi - am 15.03.2006 18:11
Hallo ,

diese Erfahrungen musste auch ich machen.

Sohnemann mit ziemlich ausgeprägtem ADHS sorgte lange überall für hochgezogenen Augenbrauen, wenn ich in den Klassenraum kam war schlagartig alles still

seit 18 Jahren bin ich Pflegemutter einer geistig behinderten Tochter, musste für sie oft an vielen Fronten kämpfen um das bestmögliche rauszuholen... nun habe ich neulich um 4 Ecken gehört, das es heisst ich sei wohl überfordert mit meiner Aufgabe und mein Jüngster sei wohl das Produkt dieser Überlastung... mal sehn ob ich den/die Verzapferin dieses Schwachsinns mal zu fassen kriege....

Liebe Grüsse xavalon



von xavalon1 - am 16.03.2006 07:25
da sieht man doch wieder, dass die Erziehung bei ADHS keine Rolle spielt....ich habe auch zwei Kinder eins ADHS und das andere ADS (Träumerchen). Die zwei sind völlig unterschiedlich...aber dass sieht komischerweise niemand....ich habe mich mittlerweile von den Menschen distanziert die uns nicht gut tun. Tja leider blieb davon nicht viel übrig....aber komischerweise tun sich da immer neue Wege auf, und es kommen manchmal ganz liebe Menschen zum vorschein die vorher irgendwie zwar da waren, aber nie ins engere Gespräch kam.....
das hat mir gezeigt,dass alles seinen Sinn hat.
LG Lilly

von Lilly. - am 16.03.2006 07:30
Irgendwie gibt es immer einen Haufen Leute, die einem einen Stempel aufdrücken müssen, wahrscheinlich weil sie einen dann besser in eine Schublade sortieren und ablegen können, und ihr Weltbild sonst einen Knacks kriegt...

Hab auch meinen Stempel, bei mir ist die Ursache daß ich alleinerziehend und auch noch berufstätig bin. Und dummerweise nicht nur einen für Frau "erlaubten" Beruf wie halbtags Schreibkraft oder so was, sondern einen Männerberuf (ich mache IT-Beratung), und das auch noch erfolgreich (also Karrierefrau). Da hört doch echt alles auf! Und mein armer Junge! Der leidet ja so, daß ich nicht immer für ihn da sein kann! Und daß nicht sofort der Tisch gedeckt ist wenn er nach Hause kommt, da muß er ja so dünn sein. Und alle Schwierigkeiten in der Schule sind ja nur, weil ich nicht genug Zeit für ihn hätte. Kein Wunder, bei so einer Rabenmutter.

Dann zähle ich mir lieber innerlich auf, was wir alles schon geschafft haben (auch wenn's für andere vielleicht selbstverständlich ist). Nämlich: noch nicht sitzengeblieben, obwohl auf dem Gymnasium. Tolle Freunde, gute Klassengemeinschaft. Erste Erfolge mit Aufräumen, Sorgfalt bei Hausaufgaben, manchmal kriegen sogar die Kaninchen Futter, letztens hat er den Frühstückstisch gedeckt...

Positiv denken!

von Fuzzy-Mama - am 16.03.2006 10:42
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