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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Mottensprotte, BarnyHH, Cornelia, Monika Wulff, icke WES, Marianne.

Freundin will ADHS ihres Kindes nicht akzeptieren

Startbeitrag von Marianne. am 25.05.2006 19:42

Hallo,

ich brauche bitte euren Rat.

Bei dem Sohn meiner besten Freundin ist ADHS festgestellt worden. Die Diagnose kam im Rahmen einer Untersuchung bezüglich Lese-Rechtschreibschwäche raus. Ich hatte schon länger den Verdacht, obwohl das ADHS auf jeden Fall schwächer ausgeprägt ist als bei meinem Sohn.

Ich habe ihr daraufhin meine besten Bücher gegeben und mit ihr über meine Erfahrungen gesprochen. Sie hat auch mitbekommen wie gut sich mein Kleiner durch die Medikamentengabe entwickelt hat.

Sie hat mir heute die Bücher ungelesen zurückgeben, stattdessen liest sie ein Buch über "Indigokinder", das ihr irgendweine Mutter auf dem Fußballplatz gegeben hat. Außer-dem war sie mit ihrem Kind bei einer Homöopathin, die (für 120,00 Euro) einen Phospormangel festgestellt hat und ihr versprochen hat, dass das ADHS durch die Phosphorglobulietherapie binnen eines Monats verschwindet -angeblich wirkt es schon...zu guter Letzt hat eine andere Freundin von ihr mir unter die Nase gerieben, dass meine Probleme nur daher kommen, weil ich alleinerziehend bin und so eine kleine Familie nicht normal ist...

Am liebsten würde ich meiner Freundin sagen, dass ich von ihrer Art mit der Erkrankung ihres Sohnes umzugehen gar nichts halte (was nicht sein darf kann nicht sein), am meisten macht mich aber diese besserwisserische Überheblichkeit wütend - ich beschäftige mich schon seit Jahren mit ADHS und habe schon soviel hinter mir, bis ich zu den jetzigen Stand gekommen bin - und sie beschäftigt sich erst seit ein paar Wochen damit und glaubt diesen "Scharlatanen" mehr.

Zum Kipsy geht sie auch nicht mehr, der hat eine Verahltenstherapie empfohlen, das ist ihr zu zeitintensiv, ich habe ihr den Platz beim Kipsy besorgt, mit betteln und anrufen... (Warteliste)

Bis auf dieses Thema verstehen wir und sehr gut und ich verstehe auch, dass jeder für sich selber entscheiden muss welcher Weg der richtige ist und andere Menschen das akzeptieren müssen.

Was meint ihr, soll ich ihr offen sagen, was ich von dem Ganzen halte oder lieber ruhig abwarten, bis sie selber merkt welcher Weg der richtige ist?

Gruß
Marianne

Antworten:

Die Mutter des Kindes ist nunmal die Erziehungsberechtigte. Wenn sie ihr Kind durch eine Homöopathin behandeln lassen will, soll sie's tun. Vieleicht hilft das ja wirklich. Wenn es jedoch nicht hilft, wird sie ihren Jungen vieleicht doch noch auf AD(H)S behandeln lassen. Es muss aber nicht sein, dass sie dann mit Dir darüber spricht, weil sie sich ja dann einen Fehler eingestehen muss.
Egal, wie sich Deine Freundin entscheidet. Ich hoffe nur, dass Ihr Sohnemann erfolgreich therapiert wird.

von icke WES - am 25.05.2006 20:53
Hallo Marianne !
Ich denke das Zurückhaltung die beste Lösung ist . Ich glaube das auch bei Eltern erst ein Leidensdruck entstehen muss .

Meine Freundin hat einen Sohn , da hat die Ergotherapeutin schon mit 6 Jahren einen ADS Test empfohlen .Sie hat es nicht gemacht .

Heute ist er 13 und sie sucht einen Termin zum Testen .

Was ich sagen will ist : Manchmal nutzt es nichts wenn man es besser weiß .

Wie wäre es denn wenn du deiner Freundin einmal nett sagst wie du zu diesem Thema stehst und ihr sagst wenn sie dazu weitere Fragen hat könne sie gerne zu dir kommen .

Wenn du dann einfach abwartest und ihre momentane Einstellung akzeptierst , verlierst du sie als Freundin nicht .

Meine Freundin hat heute sehr viele Fragen an mich und ist froh das ich ihr schon von einigen Erfahrungen (auch aus dem Forum ) berichten kann .

Drücke dir die Daumen für die richtige Entscheidung .

LG
Moni

von Monika Wulff - am 25.05.2006 20:58
Hallo Marianne,

wie du ihr gegenüber am besten reagierst, hängt meines Erachtens auch sehr davon ab, wie deine Freundin normalerweise auf Kritik reagiert.
Dass die Phosphatglobuli nichts nützen, wird sie ja merken, wenn eben nicht nach einem Monat alles in Butter ist, darauf würde ich gelassen reagieren. Aber dass die Indigokinder mit Scientology zusammenhängen, das würde ich ihr besser sofort sagen, denn mit denen ist nicht gut Kirschen essen:
[www.ingo-heinemann.de]

Vielleicht macht es sie auch stutzig, dass Carolina Hehenkamp (die Autorin der deutschen BIndiogo-Kinder-Bücher) allen Ernstes Lichtnahrung propagiert:
[www.indigokinder.de]

Ob sie wirklich einer Frau Glauben schenken und ihr Kind anvertrauen will, die nicht davon erschüttert ist, dass bereits Menschen, die ihr glaubten, daran starben?
[www.agpf.de]

"...
»Wenn Fastenpatienten eine Woche nichts trinken, droht Nierenversagen. Bei mir müssen die Leute zwei Liter am Tag zu sich nehmen«
(Ruediger Dahlke, Leiter des Heil-Kunde-Zentrums in Johanniskirchen)
...
Gemessen an der Chance, den Welthunger zu besiegen, zitiert sie die deutsche Zeitschrift »esotera« in der Aprilausgabe, sei ein Toter bei 5000 Prozessen zu verschmerzen.

Dem eigenen Durst und Hunger gibt die Meisterin wohlwissend nach -- mal eine Tasse Tee mit Milch, einen Löffel Honig, ein Stück Schokolade. Die Begründung lieferte sie kürzlich in einem Interview: »Ich liebe es zu trinken, weil ich den sozialen Aspekt schätze.«
[Focus 1999/29]
...
München, 2. Juni 1997. Kindergärtner Timo Degen (31) stirbt. Am zwölften Tag seiner Fasten-Tortur war er ins Koma gefallen: Kreislaufkollaps, Hirnschäden. Wieder bei Bewusstsein, stürzt er geschwächt, schlägt sich die Schädeldecke auf.

Melbourne, August 1998. Liane Morris (53) verliert nach sieben Tagen Dauer-Diät ihr Sprachvermögen, ihr rechter Arm ist gelähmt. Sie kollabiert, kann nicht mehr gerettet werden. Jasmuheen: "Vielleicht hatte sie nicht die richtige Motivation."

Sutherland, vor 12 Tagen. Verity Linn (49) wird halbnackt und verbogen an einem See gefunden. Ein bitterer Tod. Am 4. September hatte sie aufgehört zu essen. Verwirrt und hilflos war sie durch das Moor gestolpert und gestorben. Jasmuhee: "Über kosmische Telepathie weiß ich, dass sie auf eine schöne Weise aus dem Leben getreten ist ..."
[Berliner Kurier 27.9.99 ]
..."

Liebe Grüße
Cornelia



von Cornelia - am 25.05.2006 23:35
Hallo Marinanne,

ich kann Dich gut verstehen, aber wahrscheinlich ist die Zeit noch nicht reif. Als ich anfangs das Forum hier gefunden habe, wollte ich von Medikation nichts finden. Ich fand es schlimm, wie viele Kinder Medis bekommen.

Als Tim anfangs durch Homöopathie gute Schritte machte, dachte ich ich habe den Stein der Weisen gefunden; für etwa zwei Wochen... Dann war ich euphroisch, weil Tae-Kwon-Do so toll wirkte. Auch für etwa zwei Wochen... Ergotherapie verlief ähnlich.

Und irgendwann begriff ich, dass ich keine schlechte Mutter bin, wenn ich einer Medikation zustimme. Im Gegenteil. Dass der Nutzen (ein lebensfrohes Kind zu haben) die evtl. Risiken überwiegen.


Was ich an Deiner Schilderung allerdings schlimm finde, ist die Verurteilung Deiner Person durch diese andere "Freundin": Alleinerziehend = ADS
Das Gegenteil ist oft der Fall. ADS macht alleinerziehend. Die Beziehungen scheitern, weil mind. ein Elternteil selbst betroffen ist und viele Väter nicht die Kraft und das Interesse haben, bei der Familie zu bleiben.

Schönen Gruß an diese andere "Freundin". Hochmut kommt vor dem Fall. Und wenn Madame so gut Bescheid weiß, kann sie ja die Welt retten!


Viele Grüße,

Mottensprotte (36 ADS mit Sohn 7 ADS, alleinerziehend / Vater des Sohnes 36 ADS)

von Mottensprotte - am 26.05.2006 09:18
Hallo Marianne,
ich meine:
Du wirst jetzt gegen die berühmte "Gummiwand" reden - Eltern von Jugendlichen kennen so etwas von ihren Kindern.

Du begleitest sie am besten als freundliche Beobachterin, mit der sie über alles reden kann; und wenn sie dann "gegen den Baum gefahren ist", wenn also ihr Leidensdruck groß genug ist, um auf sachliche Argumente und auf Expertenmeinungen (der Psychologe!) zu hören, dann hilf ihr!

Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß dieser Weg sehr schwer ist. Wenn Du aber heute weiter auf der "ADHS-Schiene" mit ihr diskutierst, dann erreichtst Du nichts außer daß sie in eine lange lange Trotzphase verfällt und ADHS für sie ein absolutes Tabuthema wird.

Ich wünsche Dir die nötige Kraft und Ausdauer.

Barny

von BarnyHH - am 26.05.2006 09:20
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