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ADHS ADS Selbsthilfe
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Rita H., Cilia, Biggy073, Yosemite, C_C_W, Torsten Leonhardt, matata, schwertlilie

Habe erst vor kurzem Erfahren das mein Sohn ADHS hat

Startbeitrag von Biggy073 am 24.07.2006 20:14

Hallo an alle, habe erst vor kurzem erfahren, dass mein Sohn 8 ADHS mit Mathe Dyskalkulie hat. Er bekommt Concerta 18mg.
Wer hat ebensolche Erfahrung und kann mir Rat geben wie ich mit meinem Sohn umgehen muss? Desweiteren habe ich noch zwei weitere Kinder im alter von 3 und 6 ist ADHS vererbbar?
Bin in der Woche auf mich allein gestellt da mein Mann nur am WE zu Hause ist. Ich weiss nicht mehr weiter und bald auch am Rande meiner Kräfte angelangt. Bin zwar erst 33 aber auch in jungen Jahren dem Stress wohl nicht gewachsen. Manchmal könnte ich einfach los heulen, weil ich mich frage ob ich etwas falsch gemacht habe. Erziehung etc.
Vielleicht gibt es jemanden unter euch dem es ebenso geht und mich ein wenig versteht oder mir durch seinen Rat den Alltag ein wenig vereinfacht. Habe keine Ahnung von ADHS. Gibt es eventuell eine Kur bei ADHS ?
Viele Grüsse
Biggy

Antworten:

Liebe Biggy,

mein Sohn (10) hatte schon sehr früh Auffälligkeiten, doch eine genaue Diagnose haben wir auch erst seit kurzem.
Ebenfalls ADHS (das H allerdings nicht ganz so schlimm ausgeprägt) mit Dyskalkulie.

Er hatte eine Sprachverzögerung, lernte spät das Lesen, kam sowieso erst mit 7 in die Schule und hat nun die 2. Kl. wiederholt und kommt jetzt dann in die 3. Kl.

Deine Sorgen und Nöte kenne ich nur zu gut - Ausgrenzung - Besserwisserei von der Umwelt etc. Hier kann wohl jeder im Forum ein Lied drüber singen.

NEIN, DU HAST SICHER NICHTS FALSCH GEMACHT.

Ich höre immer mal wieder unterschiedliches ob ADS vererbbar ist oder nicht - aber da mein Mann Legastheniker ist, denke ich schon, dass man da was vererben kann. Obwohl man zu uns sagte, ist nicht sicher und keiner von uns soll sich die Schuld geben.

Wir haben zwei ältere Kinder, die größere denke ich, da wurde es übersehen, da sie immer eher verträumt und still war und nie "negativ" auffiel. Sie hat jedoch später Probleme bekommen - was sich jetzt aber durch eine Therapie wieder gebessert hat.

Unser mittlerer ist vollkommen gesund und hat keine Probleme.

Wir haben alle gleich erzogen.
Wir haben auch seit Jahren alles versucht, von einer Therapie zur nächsten.
Haben nun vom Arzt Medikinet verordnet bekommen, sind aber erst in der Einstellungsphase - kann hier noch nicht so arg viel sagen, nur dass er es gut verträgt, wir bisher kaum Nebenwirkungen haben - ausser die 1. beiden Tage leichte Einschlafschwierigkeiten, was ich aber nun eher der Hitze zuschreiben als den Medis.
Überaus an Appetilosigkeit leidet er auch nicht - nur immer ca. 2 Std. nach der Einnahme isst er weniger, was ihm nicht schadet - er hat noch genug zum zerren :-)

Wir merken schon, dass er etwas ruhiger und vernünftiger ist, wenn die Tabl. anfängt zu wirken. Im Moment hält sie noch nicht so lange, da er nur 5 mg morgens bekommt. Die genaue Dosis wird erst ermittelt - aufgrund Beobachtung - ob er es überhaupt verträgt etc. Aber diese Einschleichphase ist so ziemlich bei den meisten gleich und üblich. Auch je nach Schwere des ADS.

Über das schulische kann ich noch nichts berichten, da ja jetzt vor den Ferien nicht mehr viel gemacht wird und allgemeine Unruhe herrscht. Wird sich im nächsten Jahr dann zeigen, bis dahin sollte er auch hoffentlich gut eingestellt sein.

Zu der Frage mit den Kuren - ich weiß eine Klinik, ich glaube die ist nähe Berlin - da war eine Bekannte von mir, da bei ihrer Tochter Verdacht auf ADS bestand, sie hat es jedoch nicht, aber dort werden Kinder und Jugendliche jeglicher psychischer Erkrankungen und ähnlichem behandelt. Sicher gibt es solche auch anderswo.

Oder frag mal Euren Arzt nach einer Mutter-Kind-Kur, dort gibt es auch psychologische Betreuung für Mutter und Kind, habe ich auch schon gemacht mit ihm, da stand aber die Diagnose noch nicht fest, war eigentlich wegen meiner Gelenkserkrankung dort und mein Sohn war meine Begleitung. Aber die meisten Mütter waren wegen Erkrankungen der Kinder dort. Erkundige Dich doch mal. Heute kann man sich auch die Häuser meist selbst aussuchen. Also bei mir war es vor ca. 4 Jahren zumindest so. Habe mir per Internet ein Haus ausgesucht, mir die Unterlagen für Arzt und KK zuschicken lassen - ausgefüllt und paar Wochen später (hatte Glück, war grad eine Mutter abgesprungen und ich rutschte kurzfristig nach) war ich dort.

Mal nicht kochen müssen, massiert werden, die Kinder sind betreut, man wird betütelt als Mutter, andere Mütter mit ähnlichen Problemen, man kann sich austauschen - also mir tat es gut.
Mal basteln oder neues ausprobieren - tanzen - etc., alles, wozu man zuhause weder Nerv noch Zeit hat. Kann es echt nur empfehlen - man kann mal durchschnaufen und auftanken. Und gerade bei einer solchen Diagnose genehmigen es die Kassen in der Regel immer noch.

Ergo, eine VT sind nicht schlecht - haben aber ohne Medis bei uns nicht so "eingeschlagen". Strebe dies aber nach einer Verschnaufpause für meinen wieder an. Bzw. Ergo mache ich größtenteils selbst, da ich mich hier etwas weitergebildet habe.
Und bleibe immer konsequent - ADSler brauchen feste Strukturen. Unsicherheit der Mutter können sie nicht so gut umgehen damit. Und sie sind gut im "um den Finger wickeln" - haben sie schnell heraus - das wirst Du aber bereits wissen.
Hast Du das ADS-Buch schon gelesen? Ist super, nach dem habe ich auch gearbeitet und tue es noch.
Alles funktioniert nicht ganz so, einiges habe ich leicht abgewandelt, aber das findet man mit der Zeit raus.

Ich habe meinen auch beobachtet, wie er sich leichter tut beim Lernen, denn er hat auch Wahrnehmungs- u. Konzentrationsstörungen. Früher habe ich hier doch einiges falsch gemacht - er lernt eben nicht so wie seine Geschwister.
Bei ihm funktioniert es gut mit der Lernbox und vielen Wiederholungen.
Habe auch im Internet eine super Seite gesehen, da kann man Arb.blätter für Legasthenie und Rechenschw. runterladen und ausdrucken. Die sind echt super, da sehr sinnvoll aufgebaut. Mit denen lernte er ganz gut. Die sind übersichtlich und leicht verständlich - steht nicht ganz so viel drauf wie in Lernbücher.
Kann ich Dir gerne mal mailen.

Ansonsten warte mal ab, was ihr verordnet bekommt - aber sobald man die Diagnose hat kann man was erreichen.
Ihr seid sicher auf dem besten Weg.
Ich habe auch hier im Forum viel gelesen und mir hier einiges herausgezogen, was ich noch vorhabe ebenfalls auszuprobieren. Man findet immer wieder gute Tipps und Tricks von anderen Müttern.

Kopf hoch, Du bist nicht alleine. Drück Euch die Daumen.
LG
Rita

von Rita H. - am 24.07.2006 20:59
Hi Biggy,

hier sind ganz viele Leute, denen es genauso geht wie Dir. Viele sind auf sich allein gestellt (alleinerziehend oder - vielleicht noch schlimmer - mit einem ignoranten Partner ) und wir alle sind manchmal am Ende unserer Kräfte.
Hier tauschen wir uns aus und geben uns gegenseitig Kraft.

Also herzlich willkommen !

Um auf deine Fragen zu kommen: ADS kann genetisch bedingt sein, es ist also möglich (muß aber nicht sein) daß die beiden Kleinen es auch haben.

Ich kann Dir nur empfehlen ein Buch über ADS zu lesen, damit Du deinen Sohn besser verstehst und auch besser mit ihm umgehen kannst. Wenn Dir ein "richtiges" Buch im Moment zu zeitraubend ist, gibt es Broschüren die auch sehr informativ sind.

Außerdem wäre ein Elterntraining sinnvoll. Muss man aber nicht machen.

Man kann eine Mutter-Kind-Kur machen. Oder auch eine Familien-Kur. Damit haben viele Leute hier gute Erfahrungen gemacht.

Hier im Forum ist die Suchfunktion für "Anfänger" sehr sinnvoll. Da kannst Du unglaublich viel erlesen .
Wenn Du Fragen hast formuliere sie am besten ansatzweise schon im Betreff, du bekommst dann mehr Anworten.

Ich glaube, jetzt hab ich genug schlau dahergeredet ;-)

Liebe Grüße, Iris

von Yosemite - am 24.07.2006 21:12

Nachtrag ;-)

Hallo noch mal,
wenn Du im Diskussionsforum in der Suchfunktion "Bettlektüre" eingibst, kommst du an ein paar gute Links, wo Du kostenlos Broschüren bestellen kannst.

Mein Sohn ist übrigens 5 und hat ADS (Mischform- also Hyperaktiv UND Träumer) und Asperger-Syndrom.

Nochmals liebe Grüße, Iris

von Yosemite - am 24.07.2006 21:20
Hallo und vielen Dank für deine Mail, hat mich sehr gefreut.
Wäre nett wenn du mir die Internetadresse Mailen würdest.
Aus deiner Mail entnehme ich, dass nich nur Kinder die Ausser Rand und Band sind ADHS oder ADS haben? Meine Tochter ist eher Ruhig und zurück haltent spielt auch alleine hat aber eine Sprachstörung die Logopädisch behandelt wird. Sie ist 6. Mein anderer Sohn ist 3 und auch eher jemand der mit dem Kopf durch die Wand geht. Kommt jetzt in den KIGA vielleicht legt sich das dann wieder.
Bin für jeden Rat bezüglich Lektüren Bücher etc. Dankbar denn die Ärzte erzählen einem ja auch nicht alles. Komme aus Hannover. Wie kann ich dort eine Selbsthilfegruppe finden?
Viele Grüsse und vielen Dank
Biggy

von Biggy073 - am 24.07.2006 21:42
Hallo, du hast nicht schlau dahergeredet. Ist doch schön wenn du deine Erfahrung an mich weitergeben kannst. Bin für jeden Rat Dankbar. Wie heisst den das Buch über ADHS? Und wo bekomme ich es?
Vielen Dank im Vorraus
Biggy

von Biggy073 - am 24.07.2006 21:45
Hi,
da gibt es ganz viele ;-)
Ich geh jetzt ins Bett, such aber morgen die Titel raus, die ich am besten fand.
Auf der Homepage hier gibts auch gute Buchvorschläge.
Bis morgen dann (gähn)


liebe Grüße, Iris

von Yosemite - am 24.07.2006 22:10
Liebe Biggy,

einige gute Bücher sind hier schon beschrieben unter Buchtipp. Also das ADS-Buch kann ich echt nur empfehlen, es ist leicht verständlich geschrieben. Habe schon einige andere gelesen, doch dass war für uns eigentlich zum Einstieg erst mal das Beste.

Unserer bekam als erstes auch Logopädie, die hat auch wirklich was gebracht. Aber alle anderen Therapien eben ohne Medik. nicht so. Ergo ist aber bei ADS gerade auch bei Dyskalkulie sehr hilfreich.

Vielleicht malen Deine Kinder gerne Mandalas. Meiner hat lange nicht gerne gemalt, ausser Mandalas. (Hier sind die Kinder mal eine Zeit ruhig beschäftigt - und es beruhigt wirklich) Meiner will das gerne immer mit mir zusammen machen. Kann man auch aus dem Internet ziehen. Puzzlen tut meiner auch sehr gerne und Lego. Sind alles Spiele, die helfen für die Kreativität und Konzentration.
Memory ist super. Und viele Bewegungsspiele. Das hilft uns auch. Aber dazu muss man die Kids erst bewegen - funktioniert nicht bei allen so leicht - habe hier bei meinem Glück.

Bei den Arbeitsblättern sind sehr viele Memory- und Lottospiele. Spielerisch lernen die Kinder doch am liebsten. Meiner hat zum Pluspunkte sammeln immer paar Lernblätter gemacht und als Fleißaufgabe mit in die Schule genommen. Denn seine Noten schwankten immer und vom Verhalten her wurde er durch sein ADHS wenig gelobt. Dadurch bekam er eben auch mal Anerkennung.
Habe auch einige einfach selbst erstellt, weil er sich aus den Schulbüchern schwer tut zu lernen. Auch diese hat er mitgenommen.
Die Lehrerin war ganz begeistert und hat sich gleich einige für die Schule kopiert, da in der jetzigen Klasse einige Kinder mit Schwierigkeiten sind.

Aber unser Arzt ist sich recht sicher, dass wir mit den Medis mehr Erfolge haben werden.

Unter www.legasthenie.at sind die Arbeitsbl. und unter vs-material.wegerer.at sind auch noch tolle.

Aber überfordere nicht - denn ich habe lange den Fehler gemacht, da ich ja nicht wusste, woher es kommt und merkte, doof ist er doch nicht, es klappt zuhause, warum nicht in der Schule - habe es ihm dann förmlich "reingehämmert".

Nun denke ich aber, mit den Medis wird es uns dann wohl leichter fallen mit lernen - zumindest haben die meisten diese Erfahrung gemacht und ich hoffe doch, wir auch.

LG
Rita

von Rita H. - am 24.07.2006 22:11
Nachtrag

Hallo Biggy nochmal,

nein, nicht nur Kinder ausser Rand und Band haben ADS. Nur diese haben eben meist AD(H)S eben mit Hyperaktivität.

Dann gibt es noch die Träumer - so wie meine Tochter eben war als Kind. Die fallen gar nicht auf - haben oft erst viel später Probleme, da es nicht behandelt wurde.

Es gibt ganz viele verschiedene Symptome und Arten bei ADS. Aber ein genauer Test gibt hier Aufschluss.

Bei uns kam eben heraus ADS mit "leichtem" H, jedoch Teilleistungsstörungen aufgrund der Wahrnehmungs- und Konzentrationsprobleme. Erst waren seine Probleme überwiegend im sprachlichen, da er erst spät zu sprechen begann und lange Logopädie erhielt.
Jetzt ist er im sprachlichem Besser dafür hat sich eine Rechenschwäche herausgestellt.
Allerdings denkt man, es wird mit den Medis besser. Man wird sehen.


Will Dich im Moment aber nicht zuviel zutexten.

Gute Nacht
Rita

von Rita H. - am 24.07.2006 22:18
hallo biggi

denke deine fragen wunden schon zum größten teil beantwortet:-)
ich glaube JEDE mutter die kinder hat stößt ab und zu an ihre grenzen,wenn man dann noch nen hypie hat ist das noch extremer.
ich habe 3 kinder 9,5 und 11 monate....glaub mir das hat nichts mit dem alter zu tun,ich bin 36 und krieche ab und zu gründlich auf dem zahnfleisch.
manchmal steht man da und denkt...wieso ich,wieso zum hänker hören die nicht,was mache ich falsch,wieso ist es mein kind das im restaurant den teller vom tisch haut.
wieso,warum....das sind zwei der wörter die einen fast wahnsinnig machen.
erziehung von hypies ist eine ganz schwierige angelegenheit,denn sie brauchen von allem was eine normale erziehung ausmacht das 10 fache.
du hast sicher nichts falsch gemacht.....denn das 10 fache KANN niemand leisten.man kann nur sein bestes geben und darf sichselbst dabei nicht aus den augen verlieren.
das mit der mutter-kind kur finde ich eine super idee da kannst du dir viel abgucken,deine seele wird auch gepflegt und dann könnte ihr alle frisch gestärkt loslegen.
ich kann dir nur ein paar tips geben wie ich das mache im alltag..
..ALLE werden gleich erzogen...ich mache keine unterschiede ob ads oder nicht.es gibt 5 regeln im haus..an die sich JEDER halten muss...auch die eltern.
1.zuhören 2.kein hauen,schubsen,beißen,treten etc. 3 keine geräusche über 70 db außer es tut etwas weh.
4.uhrzeiten einhalten 8haben nen tagesplan) 5. es ist immer zeit zum kuscheln
welche folgen es hat wenn man sich nicht dran hält müsst ihr unter euch abklären..bei uns müssen auch eltern ihr echo abkönnen.(kriege ab und zu keinen nachtisch...*heul*
die kleinen missgeschicke des alltags...jucken mich nicht wirklich.denn wenn es mich noch aufregen sollte wenn etwas kaputt geht,runter fällt oder einfach daneben geht...würde ich den ganzen tag toben.*g*
ich hab mir im laufe der jahre eine gehörige portion humor zugelegt...ich kann heute über vieles nur lachen.
für die zeit nach der kur schau doch mal ob du eine verhaltenstherapie für dein kind bekommt,das bringt sehr viel.
hoffe ich konnte dir etwas helfen...
...freu dich wenn es regnet...es regnet auch wenn du dich nicht freust....hab ich die tage gelesen....

moni



von matata - am 25.07.2006 07:27

Dyskalkulie-Tipps

Hallo Biggy,

ich glaube zu ADS hast du schon viele Antworten, daher hier ein paar Tipps zu Dyskalkulie, insbesondere zum richtigen Üben.

Auch meine Tochter hat(te) Dyskalkulie (und ADS), das haben wir so Mitte 2.Klasse bemerkt. Ich habe viel mit Lernprogrammen gearbeitet, da diese irgendwie die Aufnahmefähigkeit verbessern. Aufpassen muss man auch in Deutsch, hier können sich durch die einseitige Konzentration auf Mathe auch Probleme einstellen. Die merkt man nicht so schnell, da die Themen in Deutsch ja meist unabhängig voneinander sind.

Therapien sind super, aber teuer und immer mit langen Wartezeiten verbunden. Sofern ihr zusammen arbeiten könnt, bieten sich Lernprogramme an (da ist die Mami einfach aus der Schusslinie :) )

Grundsätzlich gilt in Mathe, dass man immer mit realen Gegenständen arbeiten sollte (z.B. Kieler Zahlentafeln), Steckwürfel sind klasse. Lieber die Hausaufgaben kürzen (in Absprache mit der Lehrerin) und mit Material die Aufgaben legen. Die Kinder haben keine Mengenvorstellung und wenn mir 3 und 5 gleich lang wie hoch sind, sagt mir auch eine 8 nichts.

Besonders gut hat meine Tochter auf "handelndes Lernen" angesprochen, plus und minus kann man verwechseln, aber wenn das Kind Steinchen hinzufügt und wegnimmt ist das eindeutig und muss mit dem Symbol verbunden werden. Meter und Zentimeter haben wir mit Wolle wirklich gemessen und abgeschnitten. Backen und wiegen sind ein tolles gemeinsames Erlebnis und riecht nicht nach Mathe-Üben. Auch Ball-Spielen(Fangen!) hilft die Raumrichtungen in Bezug zu einem selbst abzuschätzen. Die Lehrerin hat uns immer Arbeitsblätter mitgegeben, aber 3-dimensional ist immer zu bevorzugen. Erst wenn das Kind verstanden hat, kann man Üben (und dann sind auch erst die Lernprogramme sinnvoll).

Hier ein kleines Beispiel:
Was ist 3*6? 18 - wie aus der Pistole geschossen.
Mutter kauft 3 Päckchen Orangen, in jedem Päckchen befinden sich 6 Orangen, wieviel Orangen hat sie gekauft? Antwort 9 Orangen.
Ich habe Tüten hingelegt und Klötzchen und sie diese füllen lassen. Sie hat ihren Irrtum dann gesehen und herausgefunden, dass man Tüten und Orangen nicht zusammenzählen kann. Und das kostet Zeit... aber es lohnt sich. Der Test Ende 4.Klasse zeigte keine großen Auffälligkeiten mehr.

Meine Favoriten
* Rechtschreibung: Gut1 (gut1.de) ev. plus Editor für Lernwörter
Mathe: Blitzrechnen vom Klett-Verlag
* Mathe: Rechen-Smilie (veris-verlag.de)
* Mathe und Deutsch: Lernwerkstatt (medienwerkstatt-online.de), hier muss man oben in der Leiste auf Downloads gehen. Es gibt 2 Versionen 1-4.Klasse und 5-10.Klasse

* Diese Programme bieten eine Demo-Version an, so dass man erstmal ausprobieren kann, ob es tatsächlich etwas ist.

Von allen Programmen ist die Lernwerkstatt mein absoluter Favorit, hier gibt es viele Übungen, die für Dyskalkuliekinder einfach wichtig sind z.B. Uhrzeiten, Waage, vieles wird visualisiert. Der Zahlenraum und die Schwierigkeitsstufe sind wählbar, damit kann ich die Übungen immer an den Stand des Kindes anpassen. Außerdem sind viele andere Übungen dabei (Klötze, Geo-Brett) und Spiele (insbesondere Pushy ist klasse). Es gibt einen "Lehrkraftmodus", hier kann man die Deutsch-Diktate eingeben und die Lernwörter. Es gibt dann Suchsel und Lückentexte... auf Basis der Schultexte.

Beim Blitzrechnen kann man immer zwischen Kugeln und Zahlen entscheiden und speziell bei der 1.Klasse sind richtig gute Zeitübungen dabei (ich habe das Programm für 1/2. und 3/4 mitte 3.Klasse gekauft und gut gebraucht.).

Bücher gibt es auch jede Menge, am besten war "Warum Kinder an Mathe scheitern". Mir gefällt nicht, dass Wasser die einzige Methode sein soll, Mathe ist viel vielfältiger, aber die Anleitungen für die Eltern mit Rechengeschichten und Übungen sind richtig gut.

Ich habe leider viel Geld für schlechte Programme ausgegeben, meist waren sie parallel zum Unterricht nicht zu gebrauchen oder einfach zu wenig im Umfang. Eine Erklärung ersetzen diese Programme nicht, ich bin auch immer am PC dabeigesessen um zu sehen, wo sich die Probleme zeigen.

In Baden-Württemberg gibt es eine RIMA-Maßnahme, hier werden Kinder auf Grundschulen zusammengefasst und erhalten speziellen Unterricht für Mathe. Das ist nicht für jedes Kind machbar, aber der Austausch mit der Lehrerin kann im Alltag helfen.

Und löse dich von Aussagen wie "dein Kind kann ja nicht logisch denken", meine Antwort darauf war immer, dann müsste ja jeder Taschenrechner wahnsinnig schlau sein. Tangram, Pushy und MasterMind widerlegen solche Aussagen sehr schön.

Ich drück' euch die Daumen und lass dich nicht unterkriegen.

LG Cilia

von Cilia - am 25.07.2006 09:15

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hi,

dem kann ich eigentl. nur beipflichten.

Auch ich unterstütze meinen Sohn zusätzlich mit realen Gegenständen, wenn ich merke, gerade bei Textaufgaben, er versteht nicht ganz, ob er nun was dazu geben muss oder abziehen.

Wir spielen sogar manchmal Aufgaben nach, wo möglich.
Es tun am Anfang Stifte, Muckelsteine, Wäscheklammern, was ihr gerade findet.

Mit Lernprogramme am Computer haben wir es auch versucht - eigentlich meiner ein Computerfreak, doch da hatte er keine wahre Lust dazu, hat bei uns nicht so funktioniert. Nur die Vorschulprogramme, alles andere dann nicht mehr.

Aber es ist jeder ein anderer Lerntyp, auch ADSler - man muss das selbst beobachten. Ich habe viel ausprobiert, bis wir wirklich etwas Erfolg hatten.

Bei uns war es umgekehrt, die Dyskalkulie wurde erst überhaupt nicht bemerkt, wir konzentrierten uns voll und ganz auf Deutsch.
Jedes Fach muss immer beobachtet werden.
Meiner lernt gerne auswendig - doch das hilft bei Mathe leider nicht lange.

Und logisches Denken lässt sich gut trainieren. Auch Spielblöcke mit Labyrinthe macht meiner sehr gerne, oder andere Logikblöcke. Hier lässt sich gut die Aufmerksamkeit und die Konzentration üben. So übte unserer an der Ausdauer.

Inzwischen habe ich gelernt, man muss gar nicht so viel Geld ausgeben - weniger ist hier oft mehr. Nicht alles Teure ist automatisch gut und wertvoll.

Das Uhrenlernen war auch so eine Sache. Ich habe ihn oft mal versch. Sachen abschätzen lassen, was er meint, wie viele Min. das gedauert hat - oder wieviele Stunden wir Rad gefahren sind - usw., damit er mal ein ungefähres Zeitgefühl bekommt. Haben die Kinder überhaupt kein Zeitgefühl, so tun sie sich mit der Theorie auch sehr schwer.

Bei uns schreiben die in der 2. Klasse schon kleine Aufsätze - freies Schreiben war und ist bei unserem eine Katastrophe. Das habe ich z.B. geübt, indem wir eine Geschichte gelesen haben, aber nicht bis zum Ende. Er sollte dann selbst erzählen, wie er denkt, die Geschichte könnte zu Ende gehen. Und dann erst haben wir weitergelesen.

Oder mal einfach Bilder von Personen oder Tieren in versch. Situationen ausdrucken oder aufmalen etc. - Sprechblasen aufmalen und das Kind soll frei reinschreiben, was die Personen/Tiere sagen könnten.

Es gibt da zur ganz einfachen Förderung ganz viele Möglichkeiten.
Man kann nur gar nicht alles auf einmal schreiben.

LG
Rita

von Rita H. - am 25.07.2006 10:48
Hallo Biggy,

ich glaube du stehst da nicht alleine. Es steht auch mal einer Mutter mit drei Wunschkindern zu, zu sagen: "Ich stoße an meine Grenzen!"

Mich halten jeden Tag ein HB-Junge 13 (Underchiever), ein Mädchen 11 HB und Verdacht meinerseits auf ADS, ein Mädchen 9 ADS diagnostiziert und ein Ehemann, der unregelmäßige Dienste hat, auf Trab.

Ich selber stehe gerade in der Untersuchung: Ausschluß von ADS. Unser Kinderpsychologe hat jedoch schon länger den Verdacht, dass auch ich ADS habe.

Das wäre auch eine Erklärung für meine mittlerweile gesundheitlichen Probleme und Erschöpfungszustände.

Da alle Kids Probleme in der Schule haben, suche ich natürlich auch den Fehler bei mir. Ich denke jedoch dass wir immer das bestmögliche für unsere Kinder tun und dass wir uns halt damit abfinden müssen, dass wir nicht zu den Müttern gehören, die ihren Kindern gar nicht bei den Schulsachen helfen müssen.

Seitdem ich mich damit abgefunden, ist bei mir auch der Stress in Bezug auf Schule und Kinder vorbei.

Sicherlich wirst du hier im Forum ganz viele Mütter finden, denen es ähnlich ergeht und die auch viele gute Tipps geben können.

Liebe Grüße



von schwertlilie - am 25.07.2006 11:22

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hallo Rita,

bei den Textaufgaben fragen wir immer nach dem "König" (nach Schlotermann-Buch), d.h. haben wir schon die größte Zahl oder suchen wir eine Zahl die größer ist als die gegebenen. Hat bei uns gut geholfen :)


LG Cilia

von Cilia - am 25.07.2006 12:05

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hallo Cilia,

so ähnlich haben wir es auch versucht - doch unserer braucht trotzdem alles "bildlich".

Er ist der typische ADSler, der in Bildern denkt. Hat er die nicht, kommt er oft nicht zurecht. Darum auch immer mit Mensch-Ärgere-Dich-Nicht Figuren oder ähnlichem.

Muss mir halt was einfallen lassen, wenn die Zahlen größer werden :-)))

Aber zum Glück kapiert er nun das mit den Nullen dranhängen.

Er brauchte auch lange um zu verstehen, dass sich nichts ändert, wenn ich null dazugebe - unter Null konnte er sich nichts vorstellen.

Da habe ich gesagt, er soll seine flache Hand zeigen, die jetzt zumachen und mir sagen, was er in der Hand hält - in die andere flache Hand legte ich dann 1 oder 2 Stifte, so kapierte er den Unterschied.

So wurde es nach und nach besser.
Man muss den Kindern auch alles in kleinere Schritte unterteilen. Unserer hat von alleine nicht gelernt sich eine logische Übersicht zu verschaffen.
Er konnte nicht unterscheiden, was ist wichtig, was brauche ich eigentlich nicht.
Wir haben dann angefangen beim Üben das wichtige, was man unbedingt braucht gelb zu markieren, das unwichtige durchzustreichen.

Es gibt auch tolle Lernhefte, da werden Textaufgaben fast nur bildlich dargestellt - super, so machte es ihm richtig Spaß und er rechnete mühelos.

LG
Rita

von Rita H. - am 25.07.2006 12:55

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hallo Ihr,

habe mit großem Interesse eure Tips zur Dyskalkulie gelesen.

Mein Sohn ist 7 (ADS ohne H) und er hat eben auch Dyskalkulie, sehr massiv, bereits jetzt in der ersten Klasse.

Er kommt nicht über das Zählstadium drüberraus und hat so gut wie kein Mengenverständnis und das die Größe eines Gegenstandes nichts über eine Menge aussagt.

Mittlerweile ist er sehr frustriert und hat gar keine Lust mehr zum Üben.
Ich habe Angst, daß er die 1.Klasse wiederholen muß, weil das seinem stark angekratzten Selbstbewußtsein mehr schaden würde, als das es guttut.
Und außerdem was würde es nutzen, er würde es beim Wiederholen auch nicht kapieren, weil er doch grundlegende Probleme hat und die Lehrmethode doch immer wieder die gleiche ist.

Wie seht Ihr das?

von Torsten Leonhardt - am 25.07.2006 20:41

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hallo Torsten,

meine Tochter hat jetzt die 4.Klasse beendet und keine wiederholt. Allerdings habe ich mich seit der 2.Klasse immer wieder gefragt, ob eine Wiederholung nicht besser wäre. Am Ende der 3. wollte ich sie unbedingt wiederholen lassen, aber die Lehrerin war dagegen und sie durfte nicht. Seither bekommt sie Medikamente, da es ihr wirklich nicht gut ging. Und das war die Wende.

Ich glaube nicht, dass eine Wiederholung Erfolg garantiert, sofern in der Schule keine Hilfen angeboten werden, bist du auf dich selbst gestellt. Es wird ca 1-2 Jahre dauern, bis die Defizite aufgeholt sind. Bei uns hat das parallel zum Unterricht geklappt. Therapien sind wirklich empfehlenswert, mich hat immer nur gestört, dass ich außen vor bin, denn die Hausaufgaben müssen unterstützt werden und zwar immer mit Material.

Von meiner Freundin die Kleine musste die 1. Klasse wiederholen und gegen Mitte der Wiederholung (also ab Zehnerübergang) wurde es wieder genau so schlecht wie vorher. Erst mit Material (Smarties fand sie absolut klasse) auf Basis der Kieler Zahlentafeln konnte sie den Zehnerübergang meistern. Die Mutter hat geweint, als sie ganz stolz sagte "Ich kanns jetzt"

Jetzt am Ende der Grundschulzeit bin ich froh, dass meine Tochter nicht wiederholt hat. Sie hat wirklich gute Noten und ist ja jetzt schon ein Kopf größer als Gleichaltrige, eine Rückstufung wäre problematisch gewesen. Aber meine Zweifel, was ist richtig oder hilfreich, die werden sicherlich auch in der 5.Klasse in der neuen Schule bleiben (ich habe glaube ich mehr Bammel vor der neuen Schule als meine Tochter :) ).

Wenn dein Sohn eine gute Beziehung zur Lehrerin hat, würde ich ihn in die 2. Klasse schicken. Eine Wiederholung macht von den Anforderungen mehr Sinn Ende der 2. Klasse, ansonsten kann man auch innerhalb des Schuljahres wechseln. Es wird ja leider nicht nur Mathe wiederholt, wenn er in Deutsch gut mitkommt, dann wird er sich zu Tode langweilen mit den Schreibübungen und vielleicht sogar völlig wegträumen...

Ich wünsch' dir viel Erfolg bei der "richtigen" Entscheidung...

VG Cilia

von Cilia - am 27.07.2006 10:25

Re: Dyskalkulie-Tipps

So etwas hat also einen Namen, wieder etwas dazu gelernt. Mein Sohn hatte letztens einen Inteligenztest. Dabei gab es auch solche Mathe-Aufgaben. "Du siehst hier 5 Kinder und 7 Eis. Wieviel Eis bleibt übrig, wenn jeder eins bekommt?" Er konnte keine dieser Aufgaben lösen, obwohl er reine Rechenaufgaben im Zehnerbereich sekundenschnell lösen kann. Die Psychologien sagte mir ihm fehlt es an Mengenverständnis. Damit habe ich nicht gerechnet, wo er doch zum Teil schon multipliziert. Sie sagte, bei reinen Aufgaben hat er die Finger zu Hilfe, aber das Mengenverständnis ist eine Voraussetzung für den Unterricht in der Schule.

von C_C_W - am 27.07.2006 10:54

Re: Dyskalkulie-Tipps

Mein Zwerg ist übrigens 6, hat ADHS, wird gerade medikamentös eingestellt, und kommt in diesem Jahr in die Vorklasse (heul), wegen seiner Entwicklungsrückstände im Sozialverhalten, Feinmotorik, Wahrnehmungsstörungen.Dabei ist er so klug, aber das zählt nicht, die Rückstände zählen mehr.

von C_C_W - am 27.07.2006 11:10

Re: Dyskalkulie-Tipps

Hallo,

Feinmotorik hatten wir auch, die Ergotherapeutin hatte eine Zusatzausbildung ADS-Berater, das hatte gute Auswirkungen.

Multiplikation und Division kann man auswendiglernen, meine hatte hier beim Dyskalkulietest "geglänzt" und damit immer ihre Note in Mathe gerettet. Ich würde auf jeden Fall einen Test auf Dyskalkulie machen lassen (aber bitte bei einem guten Institut), die hatten konkret formuliert wo die Probleme liegen.

Vorschule ist sicherlich nicht die 1. Wahl, aber nimm es positiv. Ihr habt jetzt ein Jahr Zeit ohne den Druck in der Schule das Mengenverständnis aufzubauen. Lass' ihn mal den Tisch decken für mehrere Personen, da braucht man 4 Gabeln, 4 Messer .... Kuchen verteilen... Blumen pflanzen.. Smarties hinlegen, welche wegnehmen unter die Hand, wenn er weiß wieviele es sind, darf er sie essen :) ... Damit geht es richtig gut, spielerisch und man wird richtig kreativ. Irgendwie hat uns die Dyskalkulie und ADS bereichert, vieles ist nicht selbstverständlich und viel bewusster. Allerdings sind wir schon kampferprobt, durch die Legasthenie der Schwester.

Und lass ihm die Finger beim Rechnen, das verschwindet von alleine, nämlich dann wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Es ist zu schaffen, aber man muss sich von der Schule lösen. Diese Kinder lernen einfach anders und Schule ist normiert und damit grundsätzlich Stress.

VG Cilia

von Cilia - am 28.07.2006 08:41
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