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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 10 Monaten
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Miss Piggy, Ela610, diana-r, Tina & the gang, Filiti

ehem. RitaH. - brauch mal Zuspruch - Vorsicht, lang

Startbeitrag von Miss Piggy am 06.10.2006 09:21

Hallo an Alle,

eigentl. wollte ich erst mal nur „still“ mitlesen, da ich aus gesundheitl. Gründen nicht den Nerv hatte aktiv teilzunehmen. Mit Sohni lief auch alles soweit gut (dachte ich zumindest).

Aber ich könnte Euren Zuspruch doch sehr gut gebrauchen. Im Moment liegen meinte Nerven ziemlich blank. Habe mit mir selbst zu kämpfen und war so überglücklich, dass es läuft, da ich oft ausfalle und es trotzdem weiter laufen muss.

Sohni bekam ja bis vor etwa 1 ½ Wo. morgens 20mg Medikinet und mittags 10 mg. Ich hatte aber den Verdacht, dass es für den Nachmittag nicht ausreicht, er bekam auch immer häufiger am frühen nachm. bereits starke Rebounds.

Beim Arztgespräch erwähnt, dann wurde er umgestellt auf Medikinet Retard 30mg und morgens zum Anschubsen 5mg normales Medik. dazu.
Ab da lief es irgendwie schlechter.
Vorher hat er Kontakte gesucht und es sah aus, als liefe es super.

Nun hatte ich vor einigen Tagen wieder das Problem, ca. 10 Kinder standen samt einer Mutter wütend vor unserer Haustür und schrien, klingelten wie wild und hämmerten wie Bekloppte an unsere Haustür.

Ich wusste nicht, was los war, mein Sohn total verschreckt und voller blauer Flecken, wurde wohl auch an den Haaren gezogen etc. Draußen die tobende Menge „komm raus du feige S..., wir bringen dich um..... „ Die Mutter schaute zu und fand das richtig, weil sie sich ja nur wehrten.

Na ja, darüber lässt sich streiten, ob das so in Ordnung ist......

Ich bekam erst mal keine Gelegenheit, mit meinem Sohn in Ruhe zu sprechen, machte die Tür erst nicht auf, weil ich merkte, wie aggressiv die Stimmung war und ich wollte erst mal einen Überblick. Also Sohni so aufgeregt, erst mal „nix ist.. will meine Ruhe, geh da nicht mehr raus“.

Dann kam raus, die haben ein Lager gebaut und wollten wohl nicht, das Sohni da mitspielt, gab schon mal ärger, da wurde behauptet, er hätte es kaputt gemacht, doch da war er nachweislich beim Fußball und gar nicht in der Siedlung.

Sohni hat sich dieses mal wohl aufgestützt und es bracht ein Brett ab – oh Gott, wie furchtbar, hätte man ja nicht mehr dran machen können .... Er hat es wie er versichterte nicht mit Absicht gemacht und wollte sich auch entschuldigen und helfen, es wieder hinzumachen, doch die prügelten ihn schreiend nach Hause, da wollte er nur noch rein.

Der eine Junge kam am nächsten Tag und schrie mich an (ca. 11 Jahre) und beschimpfte mich, da meinte ich, wenn er sich mal beruhigen würde, könnte man drüber reden, aber nicht so, er schrie weiter, also knallte ich die Tür zu (leider mit dem Hinweis, er sei ein Rotzlöffel). Ja ich weiß, dazu hätte ich mich nicht hinreißen lassen dürfen... aber mir platzte nach den Klingelattacken der Kragen, die schmissen Steine gegen die Tür etc.

Dann kam Abends die Mutter und meinte mich angehen zu müssen – mit ziemlicher Arroganz und der ebenfalls gleichen Aggressivität wie ihr Junge. Es wurde ein hitziges Gespräch, weil ich nicht mehr einsehe, mir alles gefallen zu lassen. Ich meinte, ob sie dabei gewesen wäre, sie verneinte. Darauf ich: na klar, dann kann man ja auch sehr objektiv sein ohne ungerecht zu werden. Ob sie sich mal Gedanken gemacht hat, was evtl. vorausgegangen ist.
Denn mein Sohn ist immer nur gut genug für den Handlanger und Prügelknaben, oder um ihm irgendwelche Sachen teuer anzudrehen, die man nicht mehr braucht (leider ist unserer hier sehr naiv und tauscht wertvolles gegen Schrott) Klar merken die anderen, mit dem kann man es machen.

Sie meinte, ich hätte ja auch ihr nicht aufgemacht, sie hat mich ja am Fenster gesehen, und ich hätte sehen müssen, wie sie auch da stand.
Ich meinte, um so trauriger, dass sie den Jungs nicht erklärt hat, das dies keine Art und weise ist mit einem Problem umzugehen, sie braucht hier also nicht auf uns losgehen.

Wie ich langsam all diese Situationen hasse.

Nun hat mich heute Morgen die Mutter eines Jungen angerufen, mit dem sich Sohni in den Ferien angefreundet hat. Sie bekam das wohl mit und hat sich eingeschaltet, da auch ihr Sohn mitgemacht hat und sie es nicht toll fand, sie hätte ihm das auch gesagt und gemeint, wenn er sein Freund sein will, soll er nicht zu der Masse halten, sondern zu seinem Freund, denn sie mag ihn sehr gerne und sie hat gespürt, er hätte einen schweren Stand, aber sie findet ihn als zuverlässig und will diese Freundschaft gerne fördern, und wenn ich Hilfe gegen die anderen brauche, soll ich sie anrufen. Zwar nett, doch man kommt sich echt blöd vor. Soll ich mich nun ärgern, dass er bei der Mehrheit nicht ankommt und einen schweren Stand hat, oder mich freuen, dass er von einer Mutter als Zuverlässig gehalten wird?

Warum nur ist immer wieder alles so schwer und kompliziert.
Und gerade jetzt bräuchte ich so viel Ruhe, um selbst wieder auf die Beine zu kommen. Sorry, dass ich Euch nur vorheule.
Eigentlich dachte ich an ein tolles „Come back“, wo ich Euch berichten kann, ich selbst habe alles überstanden und mit Sohni läuft es super.

Aber der Tag wird auch noch kommen...... oder?????

Kann es sein, dass evtl. die Dosis nicht stimmt? Inzwischen habe ich zwar das Gefühl, es läuft wieder, aber wenn ich das von außen mitbekomme, wohl doch nicht so ganz. Nun graut mir schon vor dem ersten Elterngespräch in der Schule.

Bisher steht er angeblich (laut seiner Aussage) noch nicht auf der „Ampel“ Die Lehrerin hat ein System, da ist ein Teller, da sind erst mal alle Kinder drauf, wer auffällt, kommt mit einer Klammer an den Rand des Tellers, wenn er in der Wo. noch mal auffällt, kommt er auf die Gelb, bei Rot muss man Nachsitzen oder bek. eine Zusatzaufg. etc.
Allerdings kommen sie nach einer Wo. auch wieder runter – also das Spielchen jede Wo. neu. Finde ich gar nichts so schlecht, bisher hat es wohl auch noch keiner bis zur Rot gebracht. Unserer ist noch immer auf dem Teller. Das beruhigt mich immerhin schon mal. Vor den Tabletten wäre er regelmäßig jede Wo. an einem Tag auf Rot gewesen.

Zuhause läuft es gut, er traut sich auch mehr zu, ich denke schon, dass er gut anspricht auf Medikinet, allerdings nicht in der Dosierung. Er kann auch nicht gut Essen im Moment, ich denke, er verpulvert an einigen Tagen alles auf einmal. Am nächsten läuft es aber ab und an auch mit wenig essen gut. Kann das sein?

Ich merke schon, ich kann besser mit ihm reden, er hört auch eher mal zu, aber das Umsetzen was das soziale anbelangt, es fällt noch schwer. Vor allem, er ist halt nun mal immer noch anders, und die anderen merken und sehen es und nutzen es aus, das fördert nun sein Verhalten gar nicht – er fühlt sich provoziert und der Kreislauf beginnt von vorne.
Ob wir da je rauskommen?

Im Moment habe ich wieder eine extreme Heulphase und das Gefühl, ich pack das nicht mehr. Es tut alles so furchtbar weh.

Vor allem, weil hier Kinder, die in eine Förderschule gehen, extrem gehänselt werden und die anderen Eltern mit diesen Familien nicht reden, sie ausgrenzen, weil sie ja „asozial“ sind. Ich selbst gebe eigentl. keinen Cent drauf, was andere Leute über mich denken, doch ich mache mir nun schon wieder Sorgen, was ist wenn....
Und genau das darf nicht sein, weil sonst der Druck auf beiden Seiten wieder zunimmt, und genau den will ich uns ja nehmen.
Doch ab und an habe ich das Gefühl, den Druck von außen einfach selbst nicht mehr auszuhalten. Sich ständig wehren und erklären zu müssen.
Und die anderen müssen sich über ihr unflätiges Benehmen aber nie erklären, das ist ungerecht.

Bin gespannt, jetzt will er ja anfangen mit Kegeln im Verein. Hoffentlich läuft es da einigermaßen, denn wenn ich da auch noch ständig „was zu hören bekomme“, dann weiß ich nicht, wie lange ich daran Freude habe.
Hoffentlich findet er bald was, wo er seine Bestätigung hat, wo er sich einfügen kann und was ihm Spaß macht. Eigentl. wollte ich ja eher einen Mannschaftssport, wo er eben Sozialverhalten lernen kann, aber das klappte ja überhaupt nicht. Hier kämpft er erst mal gegen sich selbst, hat aber auch selbst Erfolg und Misserfolg und muss damit selbst klar kommen, vielleicht schafft er das erst mal leichter. Und da hat der Trainer auch Zeit für ihn, da sind ja nicht viele Jugendliche u. Kinder. Eine ganz kleine Gruppe.

Danke für`s lesen und sorry, dass es so lange ist, aber es musste raus. Sonst wäre ich geplatzt.

LG

Antworten:

Hallo Rita,

lass Dich ganz feste drücken.

Es steigt bei mir ein Kloß im Hals wenn ich so etwas lese. Unsere Gesellschaft ist echt kaputt und teilweise Krank.

Kann Deine Wut echt verstehen. Dein Sohn hat es echt nicht leicht.

Gebe Dir gerne was von meiner Kraft ab, ich finde es aber schön zu hören, das er offensichtlich mit Dir redet. das ist sehr sehr wichtig.

Auch wenn es noch nicht so zu erkennen ist, ihr seid doch schon auf dem richtigen Weg, auch wenn noch einige Steine dort liegen. Es wird die Zeit kommen, wo fast nur noch feiner Sand ist. :-)

Gute Besserung auch Dir, denke Du brauchst derzeit die doppelte Kraft.

LG
Michaela

von Ela610 - am 06.10.2006 09:52
Liebe Michaela,

danke für Deinen Zuspruch, hast es ja auch nicht leicht. Habe schon ein schlechtes Gewissen.

Erstmal auch von mir herzlichen Glückwunsch, hoffentlich hast Du einen schönen ruhigen Tag. Lass Dich weiter verwöhnen.

Übrigens, der Name deshalb anders, weil ich mich erst mal für eine Zeit ausklinken wollte, da ich ja nicht nur nehmen, sondern auch geben will, aber dazu fehlte mir echt die Kraft und die Nerven. Und ich kenne mich.... hänge mich dann halt doch wieder rein. Ich dachte, besser abmelden und dann wieder an- und jetzt konnte ich mich mit altem Namen nicht mehr registrieren.

Aber Miss Piggy passt figürlich zu mir ;-)

Ja im Moment brauch ich das echt auch noch. Es ist ein Spießrutenlauf. Irgendwie traut man sich schon nicht mehr aus dem Haus. Obwohl ich keine Lust habe mich unterkriegen zu lassen.

Meine Freude in den Ferien war so groß, als er sich endlich hier mit den Kindern "angefreundet" hat.

Es ist so schlimm, man sieht, er kämpft und versucht. Er redet auch noch nicht mal böse über die, ich könnte es aber verstehen.

Er sieht ja, dass er auch jede Menge Fehler macht und will sich ja ändern, seine Bemühungen sehen die anderen halt nicht.

Schade ist, dass man mit den wenigsten Müttern vernünftig reden kann. Ist mal ein Kind erst negativ aufgefallen - dann ist er es für immer. Diskussionen und Erklärungsversuche schlagen fehl.

Nun ist auch noch die eine Mutter, die sich eingeschaltet hat die Böse. Sie wollte aber nur vermitteln.

Und dann holte die Große Briefe bei der Oma nicht ab (sie wohnte kurzfristig vor paar Monaten dort) und so schickte sie es zu uns. Zum Glück, denn Tochter (19 u. Verd. auf ADS) hat beim Bücherclub unterschrieben u. nicht gewusst, dass man da dann alle 3 Mon. einen Vorschlagsband bekommt. Sie (telef.) gekündigt, keine Bestätigung, Buch zurückgeschickt (normales Päckchen - keine Bestätigung) und dann kamen Rechnungen. Sie die ignoriert, bzw. von den ersten nichts gewusst, da die ja bei Oma landeten und sie nicht abgeh. hat. Inzw. kam nun ein Schreiben vom Rechtsanwalt/Inkasso. Bis heute hatte sie Zeit zu zahlen, sonst Mahnverfahren. Nun konnte ich mir ihr Geheule auch noch anhören, und was sie nun machen soll. Aber sag mal vorher was, dann hört man eh nur "Hältst Du mich für blöd?" - Nein, aber man kennt seine Kinder halt schon eine Weile....

Bin heut wie gelähmt, laufe rum und weiß nicht, was ich eigentlich tue.
Werde jetzt mal versuchen mich zu beschäftigen.

LG
R.



von Miss Piggy - am 06.10.2006 10:16
Im Gegensatz zu Dir habe ich aber mir Hilfe holen können.

Darum kann ich es auch gelassener sehen, ich brauche mich um den Ärger zur Zeit nicht zu kümmern.

Meine Kinder sind auch derzeit im Hort, die sind da gut beschäftigt und ich habe von meiner Chefin um 12 Uhr frei bekommen. (Müßte eigentlich bis 14Uhr)

Versuche Dir Hilfe zu holen, am besten eine gute Freundin, sonst klappst Du wirklich zusammen. Ich weiß, wie schnell das geht, hatte es vor meiner Kur.

Hole in einer halben Stunde meine Feger ab, sie wollten in den Garten von einer Freundin von meiner Tochter (Hilfe und das bei dem Schmuddelwetter :-))

Heute Abend kommt mein Freund fürs Wochenende aus der Reha zu uns. Wir drei freuen uns schon drauf. Montag Morgen muß er aber wieder auf der Matte stehen.

Schönes hoffentlich doch ruhigeres Wochenende. Ich werde an Dich denken

LG
Michaela

von Ela610 - am 06.10.2006 11:57
Ja, im Moment mal alle Sorgen etwas abwälzen zu können - wäre schön.

Leider sind unsere alten Freundschaften etwas zerbröckelt - Scheidungen, Umzüge etc.
Einige durch die Probleme mit Sohni. Wie das Leben halt so spielt. Geht es Dir gut - hast Du viele "gute" Freunde - geht es dir schlecht "ja wo sind sie denn..?"

Ich denke, es kommt einfach im Mom. so viel auf einm.

Sobald man bei mir klarer sieht und das gröbste hinter mir liegt, will ich eine Kur machen. Habe mich schon umgeschaut und mir was rausgesucht, wo es Sohni und mir gefallen könnte. Denn alleine geht nicht, da hätte ich echt Angst, dass zuhause Chaos ausbricht. Und ihm täte es sicher auch gut.

Habe was gefunden, die machen extra mal eine ADS-Mutter-Kind-Kur als Schwerpunkt. Also hoffe ich doch mal, die kennen sich damit dann auch wirklich aus.
Das wird zwar sicher superstressig :-))) aber denke, da hat man Gleichgesinnte und kann sich austauschen.

Aber leider kann ich nicht sofort loslegen, da ich nicht weiß, ob und wann ich oper. werden muss.

Aber ich weiß, ich muss was tun, der 1. Schritt war mal wieder hier um Hilfe zu schreien.

Naja, die Unterlagen habe ich schon mal angefordert und hoffentl. kann es bald losgehen. Sich mal einfach fallen lassen, das Essen fertig zu bekommen, Spaziergänge, sich mal nicht erklären müssen, weil die anderen Mütter genau die gleichen Sorgen haben.....
Und Gespräche dort mit Psychologen. Ich denke, die Mütter, die selbst kein ADS haben, bekommen zu wenig Hilfe (obwohl, die anderen sicher auch nicht viel mehr). Habe meinen Hausarzt gefragt, ob ich nicht eine Therapie für mich bekommen könnte, denn ich fürchte, ich schaffe das nicht mehr, die VT für Sohn ist ja erst mal abeschl., weil es dort nichts brachte und der Kipsy erst mal nach was anderem schauen will. Die Gespräche fehlen mir total.

Der Hausarzt schaute mich an und meinte, an was ich gedacht hätte, mir fehle doch sonst nichts, für was eine Therapie, wäre was anderes, wenn ich selbst betroffen wäre, aber so gibt es nichts, was soll er für die Kasse als Begründung schreiben??

Er kennt mich bisher halt einfach als "ewig stark" und meint, das wird schon wieder.
Immerhin hilft er mir bei der Kur - das findet er gut. Kipsy schreibt das für Sohn.

So, nun wünsche ich Euch noch ein ganz ganz tolles WE - genießt die gemeinsame Zeit.

LG



von Miss Piggy - am 06.10.2006 12:36
Liebe Rita!

Auch von mir ein ganz großes Super-Kraftpaket mit einer großen Schleife Ruhe drumherum!!!

Eine Kur ist sicherlich genau das Richtige für Euch, vor allem, wenn Du momentan auch nicht stabil bist. So kannst Du ein bisschen auftanken und die Pappnasen daheim eine Zeit lang vergessen. ;-) Außerdem soll es ja auch dort die Möglichkeit geben mit Fachleuten zu sprechen. Erkundige Dich vorher, ob psychologische Gespräche angeboten werden.

Im übrigen: Du brauchst seit nun mehr einigen Jahren keine Überweisung mehr vom Arzt, um eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Seit dem neuen Psychotherapeutengesetz kannst Du Therapeuten direkt konsultieren. Vorraussetzung ist nur, dass sie eine Kassenzulassung haben.

Das war ja wohl das Letzte, Deine Haustür so zu belagern - da fehlen mir einfach die Worte!

Ich muß Dir auch noch mal sagen, dass es wunderbar ist, dass Dein Sohn so offen zu Dir ist. Das wird auf die Dauer vieles erleichtern. Es zeigt, dass er Vertrauen zu Dir hat und Du ihm ganz viel gibst.... Da zeigst Du ja wie stark Du bist!!!

Ich wünsch Dir gute Besserung und beste Nerven!

Herzlich Grüße Tina

von Tina & the gang - am 06.10.2006 12:52
Liebe Rita,

gut - bei uns hat keiner gegen die Haustür gehämmert oder Steine ans Haus geworfen - aber es ist uns ganz ähnlich gegangen.

Arroganz und die Ansicht: "Nein, mein Kind macht keine Fehler, die ganze Gruppe wird schon wissen, was an Ihrem Jungen falsch ist!" - das kenne ich zu genüge.

Hab' ein dickes Fell. Hilf Deinem Jungen da raus. Stärke sein Selbstbewusstsein und suche die Schwächen der anderen Buben - dann könnt ihr gemeinsam darüber reden und schon sind diese Musterknaben auf normale Kinder zusammen geschrumpft.

Erst ein Schulwechsel und massives Eingreifen von mir in diese sogenannten "Spielchen" hat wirklich geholfen - und noch viele Bausteinchen mehr, die ich jetzt nicht aufzählen kann.

Ein Schulwechsel hat ihn zwei Freunde finden lassen, denen es zeitweise in ihrem Dorf genauso ging. Jetzt sind sie glücklich miteinander, helfen sich, bestärken sich und spielen teils den ganzen Nachmittag (sofern Zeit ist), ohne sich zu streiten.

Halte zu Deinem Kind und lass Dir die Frechheiten anderer Eltern nicht einfach gefallen. Du musst dabei ja nicht selbst frech sein, aber unwidersprochen dürfen die Märchen über die vermeindlichen "Engelchen" auch nicht bleiben.

... und in einem hast Du ebenfalls recht - den Kummerspeck bekomme ich zur Zeit auch nicht mehr los. Manchmal warte ich auf den nächsten Nackenschlag - der aber noch nicht gekommen ist (außer dem üblichen Theater mit Hausaufgaben vergessen und hunderten Eselsohren in Heften und Büchern).
Und wenn es so richtig gut läuft und ich alles überdenke - dann könnte ich immer noch heulen - solche Situationen schleppt man offensichtlich jahrelang mit sich rum.

Ich wünsche Dir alles Gute, viel starken Willen und Freude mit Deinem Kind - denn das ist für euch beide wichtig.

Viele herzliche Grüße

Filiti

von Filiti - am 06.10.2006 13:32
Hallo Tina,

ganz herzlichen Dank, es tut sooooooo gut.
Danke für den Tipp, na, das hätte mir mein Arzt auch sagen können, er tat so, als bräuchte ich eine Überweisung.

Das wird er zu hören bekommen, nun bin ich so viele Jahre dort und fühlte mich auch immer gut aufgehoben.

Also, dann werde ich das in Angriff nehmen, denke, einige Gespräche könnten mir nicht schaden. Denn mir geht es auch darum, mit einigen Bekannten mag man das Thema schon gar nicht mehr anschneiden, da verstehen viele eh nicht, "was mein Problem" ist.
Und so ein Therapeut, da kann man sich mal ausk.... und der tratscht es nicht weiter.

Da die Kurklinik gar nicht so weit entfernt ist von uns, werde ich da mal einen Wochenendausfl. mit der Family hinmachen und es mir ansehen, mal sehen, vielleicht kann man ein kurzes Gespräch führen, werde vorher dort anrufen.

War schon auf Mutter-Kind-Kur, doch was vorher versprochen wurde, war gar nicht vorhanden. Zwar war es trotzdem angenehm und erholsam, aber ich suche nun schon speziell was, wo man sich mit ADS auskennt.
Werde da vorher mal auf den Zahn fühlen, soweit es mögl. ist. Meist ist man erst hinterher schlauer.
Aber Hauptsache Erholung. Gespräche mit Psychologen gibt es angeblich. Auch Vorträge zu diesem Thema, zwar werde ich da schon vieles Wissen, denn es geht um einfache Grundthemen, aber mir geht es ja generell um den Austausch.
Und mal Zeit für mich zu haben, Kind wird versorgt und betreut, macht dort mal was mit der Gruppe und ich kümmere mich um mein Seelenwohl.

Das mein Sohn so offen ist, war er nicht immer, ist es auch jetzt noch nicht, aber es wird besser. Er will mit einem reden, weiß aber nicht immer wie. Aber ich knuddel ihn dann einfach und sag ihm solange, dass ich ihn kenne und ihm an der Nasenspitze ansehe, dass was ist. Ich auch sehe, wenn er mich anschwindelt, ich das als seine Mama einfach spüre. Und dann kann er meist nicht mehr und dann sprudelt es. Aber es dauert. (Aber Mütter können bekanntlich ja hartnäckig sein in solchen Dingen ;-)

Ich habe heute gerade wieder gemerkt, dass er am Nachmittag ganz unruhig war. Ich habe echt den Verdacht, im Moment stimmt was mit der Dosis nicht oder dem Retard. Da er so schlecht isst im Moment, denke ich, es setzt sich alles sofort frei.
Mit dem normalen Medikinet war es viel besser. Mal sehen, wenn wir evtl. wieder umstellen, vielleicht sieht es dann auch gleich wieder anders aus.
Auch Göga, der ihn ja nur Abends und am WE erlebt bemerkte, dass es schlechter geworden ist seit der Umstellung. Ich dachte erst, ich bilde es mir selbst nur ein.

Wäre ja schön gewesen, wenn es geklappt hätte, denn da er so lange Schule hat, reicht es nicht ganz und man muss nachdosieren. Hätten wir uns so erspart. Aber lieber Nachdosieren und es geht besser.

LG
Rita



von Miss Piggy - am 06.10.2006 14:22
Liebe Filiti,

auch Dir lieben Dank.
Ja, die lieben anderen Kinder. Schulwechsel wegen Mobbing haben wir schon hinter uns. In der Schule selbst läuft es einigermaßen, da hat er im Mom. keine (naja, die üblichen halt) besonderen Schwierigkeiten.

Das ist der Siedlungsstress, zu enges aufeinander. Viele Mütter, deren Imagepflege wichtiger ist als faires Miteinander und mal ein wenig Verständnis.
Bin hier halt immer blöd und meine, ich muss mich anpassen. Zudem hat man so viel einstecken müssen, man macht sich oft selbst klein, ich weiß. Das ärgert mich auch und macht mich selbst wütend. Denn hinterher denke ich, wer sind die denn, ich bin ja auch wer.

Habe der Mutter auch klar gemacht, was ich von dem Verhalten ihres Sohnes denke. Nun bin ich zwar die Oberzicke und eine, die nicht zu "ihrem Problem" steht - aber die müssen es ja wissen.

Es gibt Tage, da lache ich über so was, aber wenn es zuviel wird, dann haut es mich auch mal wieder um, obwohl wir die Probleme ja schon so lange haben, oder gerade deshalb?

Wir halten selbstverständlich zu unserem Sohn. Natürlich sage ich ihm auch, was an seinem Verhalten nicht in Ordnung war, denn er muss es ja lernen. Wenn ich nun anfange, ihm die Fehler der anderen einzeln aufzuzeigen, fühlt er sich evtl. in seinem Fehlverhalten bestärkt. Ich mache das für mich und sage es den Müttern, dass ich das Verhalten ihrer Kinder auch nicht in Ordnung finde. Da gehört es hin.

Aber es ist nicht einfach, wenn die geballt auftreten und du stehst alleine da und musst dich verteidigen. Da verliere ich ab und an kurz die Fassung und wenn das die Gegenseite merkt, hat man fast schon verloren.

Deshalb denke ich, wird mir selbst es nicht schaden, ich tue was für mich, bevor ich echt aus den Latschen kippe.

Wir wissen doch selbst, das unsere Kids Probleme haben. Ab und an denke ich, es ist eine perv. Lust der anderen, und ein regelrechtes Vergnügen, einem das immer wieder um die Ohren zu schmieren. Damit kann man sich auch wunderbar selbst profilieren.
Werde mal versuchen, sobald ich die Kraft dazu habe, den Spieß umzudrehen, aber das liegt mir eigentl. nicht. Mein Mann meinte, wenn die Nachbarsk. nächstens wieder Eishockey auf der Straße spielen, dann wird er rübergehen und sich beschweren, wenn sie den Puck wieder aufs Auto werfen, da haben wir noch nie was gesagt, obwohl das Auto eine Dulle hatte, tja, da großer Sohn Autolackierer hatten wir damit kein großes Problem und machten kein Aufsehen - aber glaubt mir, was es nächstens für ein Aufsehen gibt. Du hast Recht, man muss denen ebenfalls den Spiegel vorhalten.

LG
Rita



von Miss Piggy - am 06.10.2006 14:39

DANKE!! Euch allen

Hallo Ihr Lieben,

möchte mich noch mal herzlich für Euren lieben Zuspruch und Eure Mutmacher bedanken.

Heute Abend war mal wieder die gesamte Familie zusammen und wir haben einen Spiele-Abend gemacht. Viel gelacht und Spaß gehabt - hatten wir lange nicht mehr so richtig.

Nach ca. 3 Std. Dauerlachen geht es mir jetzt schon etwas besser. Das habe ich heute gebraucht.
Hätte nicht gedacht, dass ich das heute noch schaffe.

LG und gute Nacht
Rita



von Miss Piggy - am 06.10.2006 21:44
Hallo Rita,

spät aber jetzt komme ich auch noch mal mit meiner Meinung.

Ich verstehe Deine momentane Gefühlslage. Mein Sohn ist ja auch ein ganz schöner Bengel. Ich denke, man muß sich irgendwie damit abfinden, dass das eigene Kind nicht unauffällig in der Masse schwimmt.

Meiner ist optimal eingestellt mit den Medis. Und dennoch gibt es immer wieder Ausraster, wenn er gereizt wird. Die Medis machen die Kinder nicht ruhig, sondern konzentriert. Du weißt das, aber hast es noch nicht verinnerlicht, oder?

Meiner geht auf eine E-Schule mit 9 Kindern in der Klasse (1.-3. Klasse). Gestern hat er mal eben das Klassenzimmer zerlegt.....Toll finde ich das nicht, aber er hat nun mal Probleme. Daran ändern auch die Medis nichts. Sozialverhalten schaltet sich nicht automatisch mit den Medis an. Das müssen sie lernen. Und dazu gehört ganz wichtig(!!!!) Therapie. Meiner bekommt Heilpädagogik in der HPT und NUR so lernt er, sein Sozialverhalten zu verändern. Er ist nur besser in der Lage, dies zu lernen, weil er jetzt Medis nimmt.

Ihr seid Aussenseiter? Na und??? Sind wir auch. Scheiß doch auf die anderen. Du kannst Dein Kind nicht ändern. Und Du liebst es wie es ist. Ich tue das auch. Und mittlerweile ist mir sowas von egal, was andere sagen.Es gibt Menschen, die wegen meinem Sproß mit uns nichts zu tun haben wollen??Auch gut, ich verzichte freiwillig. Menschen mit Herz und Verstand werden uns immer wieder begegnen und auf diese Menschen zähle ich.

Letzter Punkt: für mich war es ein schwerer Weg, mein Kind loszulassen. Deiner ist 10 Jahre alt. Übernimm nicht mehr die Verantwortung für sein Verhalten. Er muß lernen, dass aus negativem Verhalten auch negativer Resonanz kommt. Er wird niemals lernen, dass er sich anpassen MUSS, wenn Du ihm immer wieder klar machst, wie böse doch alle anderen sind. Er hat ADHS, ja! Aber deshalb hat er keinen Freibrief für schlechtes Benehmen. Zuschauen und lernen. Meiner ist 7 1/3 Jahre alt und muß die Konsequenzen tragen für Bockmist. Und ich sage Dir, er lernt daraus!!!Es gibt unangenehme Folgen und die will er nicht.

Ich weiß, wie schwer es ist, nicht dauernd alle Miseren verhindern zu wollen oder das Kind zu trösten, wenn es mal wieder ziemlich ins Klo gegriffen hat. Aber so lernen sie nicht aus ihren Fehlern. In einigen Jahren wird er ausziehen und dann bist Du nicht mehr da, um seine Fehler auszubügeln.

Ich habe immer das Gefühl, das Kinder mit ADHS erst Dinge glauben, wenn sie sie erlebt haben. Also, wenn ein Hund beißt, kannst Du 100 Mal sagen, geh da nicht hin. Sie werden es immer wieder tun, weil es so reizvoll ist.

Wenn meiner erzählt, dass er den X so hasst, weil er so böse zu ihm war. Dann frage ich, was los war und meistens gab es vorher wieder was doofes von meinem und die Reaktion des anderen war verständlich. Und so erkläre ich ihm das auch und sage ihm, wie es beim nächsten Mal vielleicht besser gehen könnte.

Ich hoffe, Dir geht es gesundheitlich bald wieder gut. Und ich tröste Dich auch, weil es so ein besch.....Gefühl ist, wenn man das eigene Kind als Aussenseiter und "Looser" erleben muss. Wir alle wünschen uns andere Erlebnisse für unsere Kids, gell?!

LG Diana

von diana-r - am 07.10.2006 09:53
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