Plötzlich zweifelt Kinderarzt an der Diagnose

Startbeitrag von renning-biberlein am 08.12.2006 10:37

Hallo,
ich hatte gestern mal wieder einen Termin beim Kinderarzt. Mein Sohn ist 7 1/2 Jahre alt und die Diagnose wurde vor 1 1/2 Jahren von einer Kinderklinik und vor ca. 3 Monaten von einer weiteren Klinik gestellt. Vielleicht hat der/die Ein oder Andere schon einmal von uns gelesen, mein Sohn ist Zuhause super schwierig, kann sich aber in der Schule noch gut zusammreißen (er wurde diesen Sommer eingeschult, in eine Sprachheilschule mit 11 weiteren Kindern). In der Schule fällt er nur durch Kleinigkeiten, wie Ungeduld, ständiges Reden, nicht abwarten können bis die Fragen fertig gestellt wurden etc. auf, aber er hat keine Ausraster, er kommt sehr gut mit, kann sich komischerweise durchschnittlich konzentrieren ... . Mir haben hier im Forum einige geschrieben, dass es ihnen ähnlich geht, auch der Psychologe meines Sohnes, die Erziehungsberatungsstelle etc. haben mir bestätigt, dass dies durchaus möglich ist, bei manchen Kindern klappt die komplette Grundschulzeit ohne besondere Probleme. Wie gesagt, Zuhause sieht es ganz anders aus. Er stänkert ständig, wirkt unausgeglichen etc. . Auf jeden Fall meinte jetzt gestern der Kinderarzt, dass er nun doch die Diagnose anzweifle, da sich ein ADHSler nicht so gut zusammenreißen könnte. Diese Aussage hat mich jetzt wieder total umgehauen. Jetzt haben wir uns endlich mit der Diagnose abgefunden und wissen auch, dass sie stimmt, aber wenn der eigene Kinderarzt jetzt wieder alles in Frage stellt verunsichert es schon sehr! Was soll ich tun? Soll ich die Bemerkung einfach ignorieren?
Viele Grüße

Antworten:

Hallo renning-biberlein,

eigentl. hatte ich mich vor einigen Tagen für eine Weile aus dem Forum verabschiedet - aus pers. Gründen.

Doch hin und wieder schaue ich rein, so habe ich eben Deinen Beitrag gelesen, auf den ich nun doch schnell anworten möchte.

Bei unserer Tochter war es genauso. Sie ist heute 19. Evtl. hast Du ja meine anderen Beiträge über sie gelesen.

Sie hatte im Kiga keine Schwierigkeiten, war eigentl. bei allen Erzieherinnen beliebt - da sie ein sooo ruhiges Kind war.

Zum Glück fiel aber der damaligen KiGa-Leiterin (eine sehr liebe ältere Dame) auf, dass sie "zu ruhig" ist und wohl Probleme hat - sie gab mir (sehr behutsam) einen Zettel mit versch. Adressen von Psychologen, die ich bitte doch mal aufsuchen sollte.
Da mir ja am Wohl meines Kindes lag - hatte auch gerade eine Scheidung hinter mir und dachte, sie leidet hier evtl. noch sehr - suchte ich diese Adresse auf.
Dort versuchte man mich zu beruhigen, es läge wohl tatsächlich an der Scheidung. Man machte eine Kurzzeittherapie ausgerichtet auf Trennungsängste und Scheidungsfolgen. Aber es wurde nicht viel besser - sie blieb extrem ruhig, etwas ängstilich und schüchtern.

Man meinte - tja, nicht weiter schlimm, ist halt ein extrem schüchternes Mädchen, wird schon. Müssen ja nicht alle so temperamentvoll sein.......

Später kamen vermehrt Ängste hinzu - wieder Therapie, kurze Besserung.....

Zuhause hatten wir schon Schwierigkeiten mit ihr, sie war zuhause sehr rebellisch. Wir dachten, dies ist wohl der Ausgleich, weil sie ausserhalb und in der Schule immer brav und angepasst war.
Uns war es auch lieber, sie ließ es zuhause raus, als in der Schule. Dort war sie immer lieb und brav, nur, dass sie immer schon wenig Freunde hatte.

Leider sagte uns damals keiner was von ADS - wir wussten nicht mal, das es so was gibt. Die Ärzte und Therapeuten wohl leider auch nicht.

Auch wenn es in der Schule gut läuft, zweifle die Diagnose nicht an - behalte sie im Auge...

Unserer Tochter wäre so viel späteres Leid erspart geblieben - viele unschöne Auseinandersetzung mit uns in der Pupertät - wir haben uns angeschrien, verletzt mit Worten etc....

Zum Glück - muss ich heute echt so sagen, obwohl es eigentl. traurig ist - hat unser jüngerer Sohn auch ADS und zeigte die Symptome sehr früh, da bei ihm große Konzentrationsprobleme hinzukamen und Hyperaktivität.
Unsere Große hatte immer gute Noten..... keine Konzentrationsprobs.

Bei ihr traten die ganzen Probleme erst in der Pupertät auf, da aber extrem gehäuft und mit geballter Ladung.

Auch bei unserem Junior sind wir von A - nach B, keiner wusste Rat, alle gaben schlaue Ratschläge, zig Therapieversuche - alle mehr oder weniger erfolglos. Wir haben alle Ratschläge ausprobiert, da aber der eine so sagte, der andere wieder was anderes, wurde es eigentlich schlimmer statt besser, weil Junior sich am Ende auf nichts mehr einstellen konnte.
Am Ende verzweifelte ich an mir selbst - ständige Fragen, was mache ich falsch. Denn dies wurde mir überall eingeredet - ich wäre das Problem, machen sie doch mal dies, machen sie jenes, dann wird das schon..... wurde es aber nicht.
Darauf haben wir zig Sachen weiter probiert...... bis ich "endlich" nach einigen verlorenen Jahren dann im Internet und später in dem A.D.S. Buch darauf gestoßen bin, und das A-ha-Erlebnis hatte "woher kennen die meinen Junior - woher kennen die auch meine Tochter?".

Daraufhin habe ich weitergesucht und endlich dann auch fähige Leute in einem Kinderzentrum gefunden, die die Diagnose stellten. Daraufhin kam mir immer mehr die Erkenntnis, auch meine Tochter hat ADS.

Sie hatte nun den 1. Termin beim Psychologen, weitere Tests folgen zwar noch, doch man ist sich dort nun schon sehr sicher, das es tatsächlich ADS ist. Ich zweifle daran auch nicht mehr.

Mein Mann hat wohl auch ADS. Ist wieder ein ganz anderer Typ wie die beiden Kinder.
ADS kann sich in sehr unterschiedlichen Symptomen zeigen.

Aber tu Dir und Deinem Sohn den Gefallen, behalte es im Auge. Wenn 2 untersch. Institute das Kind genau getestet haben, dann wäre für mich die Diagnose eindeutig - und Probleme sind ja da wie Du schilderst.

LG und alles Gute
bin jetzt wieder weg - aber wenn Du möchtest, können wir gerne auch über mail Kontakt halten, kann Dir gerne noch mehr über meine Tochter berichten. Nur hier bin ich momentan nicht so oft, aus gesundh. und zeitl. Gründen

Rita



von Miss Piggy - am 08.12.2006 11:10
Hallo,

ich würde die Bemerkung ignorieren. Eine Sprachheilschule mit 11 Kinder kann vieles noch auffangen, zudem findet hier auch noch tolle zusätzliche Förderung statt. In einer "normalen" Grundschule mit 30 Kinder würde das wahrscheinlich ganz anders aussehen. Für ADS ist der Kipsy zuständig und der ist für mich das oberste Gebot, obwohl ich zu meiner Kinderärztin größtes Vertrauen habe.

LG Cilia

@Rita ...schön von dir zu lesen :)

von Cilia - am 08.12.2006 11:29
hallo :-)

jaja...wenn es doch so einfach wäre ...

kann man sich konzentrieren hat man kein ads ...kann man sich nicht konzentrieren hat man ads

davon ab , dass ich ärzte am liebsten in die verpflichtung nehmen würde sich ständig weiterzubilden...

ich habe ja schon an anderer stelle erwähnt , dass ich jetzt mit knapp 40 jahren diagnostiziert bin..

zusammenreissen konnte ich mich fast mein ganzes leben...immer wieder und immer wieder ...das war ähnlich mit dem rauchen aufhören...ich habe das 587. mal geschafft *ironie*

die grundschule hab ich im schlaf geschafft...bis zur 4. war ich durchgehend klassenbeste..trotzdem bekam meine mutter die empfehlung mich zur realschule zu schicken , weil ich zu faul fürs gym wäre ..ich verlass mich darauf , dass mir alles zufliegt und das gym würde ich wegen der desolaten arbeitshaltung nicht schaffen

das zum thema konzentration , aufmerksamkeit und sich zusammenreissen können

bis auf die noten in der grundschule schlug mein ads aber zeit meines lebens immer durch bzw. war immer präsent

ich entwickelte strategien , empfand das leben aber einfach nur anstrengend..ich wurde als kind schon zum kontrollfreak , eben weil ich es gehasst habe die kontrolle zu verlieren

ich könnte noch hundert dinge nennen , aber es führt wohl zu weit

ich kann dir als betroffene nur eins versichern ...die " relative unauffälligkeit " deines sohnes in der schule oder gerade in der einzelsituation beim kinderarzt ist sicher kein indiz für eine nicht vorhandene ads

dein kind ist getestet ...diagnostiziert und sogar nochmal abgesichert diagnostiziert ...dazu kommen wie du hier , aber auch schon an anderer stelle, erwähnt hast, die verhaltensauffälligkeiten , die du selbst beobachtest usw.

ich würde an deiner stelle die bemerkung ignorieren ...bei wiederholung genau nachfragen warum er das meint und mich nicht mit " kann sich ja ganz gut zusammenreissen " abspeisen lassen ...fühlst du dich nicht mehr dort aufgehoben..dann wechsele den arzt

der kinderarzt meiner kinder ist gar nicht bereit gewesen sich überhaupt mit dem störungsbild der ads auseinanderzusetzen...wäre er das gewesen hätte ich vielleicht nicht warten müssen bis meine damals 6 jährige tochter suizidgedanken äusserte

viele grüsse
dariana



von dariana - am 08.12.2006 11:51
Hallo,

ich würde auch sagen, dass Du die Meinung Deines KiA einfach erstmal ignorierst.

Mein Sohn ist auch in einer Schule, wo nur 9 Kinder in seiner Klasse sind. Am Nachmittag besucht er eine heilpädagogische Einrichting. In beiden Fällen ist er eher unauffällig. Und das hat ja auch einen Grund: nämlich dass er einen idealen Rahmen für seine Bedürfnisse hat und sich nicht gross anpassen muss, indem er sich verbiegt.

Also, freu Dich für Dein Kind, dass es ihm gut geht und lass den Arzt reden.

Meiner hat einen ziemlich hohen IQ, dadurch kann er auch noch einiges ausgleichen. Wie ist es bei Deinem?

Du musst Dich nicht verunsichern lassen. Sicher meint es Dein KiA gut, aber es ist wohl hier fehl am Platz.

Macht einfach weiter wie bisher und schau nach vorne. Am Ende ist es eh egal, ob es ADS ist oder nicht. Die Bedürfnisse der Kinder müssen abgedeckt sein und da hilft die Diagnose, um es leichter zu schaffen. So sehe ich es. Es läuft gut bei Euch und das ist das wichtigste.

LG Diana

von diana-r - am 08.12.2006 14:33
Hallo Biberlein!

Absoluter Schwachsinn, was der Arzt da gesagt hat! Ich nehme an, er hat keine Ahnung von ADS.

Wie Dariana geschrieben hat: Klar können wir uns zusammenreißen! Ich kann mich prima zusammenreißen. Ich habe mich mein ganzes Leben so gut zusammengerissen, dass ich jetzt nachts meine Zahnspange fast durchbeiße, und völlig verlernt habe, mich fallen zu lassen...

Wenn es sonst ein guter Arzt ist, bleib ihm bei Grippe und Schnupfen treu. Wenn er aber versucht, Euch in die ADS-Therapie reinzupfuschen, dann schießt ihn in den Wind und sucht Euch einen anderen.

Sorry, das war jetzt keine sonderlich gepflegte Sprache, aber mich regt das immer wieder auf, wie viele Ärzte, die sich nicht die Mühe machen wollen, sich ordentlich zu informieren, das nicht zugeben und aufs Geratewohl große Töne spucken, mit denen sie Hilfesuchende verunsichern.

Nicht hinhören!


Alles Gute für Dich und Söhnchen!
Agnes

von Agnes69 - am 08.12.2006 21:39
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