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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
guerita

zwanghaft zerstreut und meine zukunft..

Startbeitrag von guerita am 10.12.2006 16:46


ALOHA !!

ich hab mich eben erst angemeldet, nachdem ich im forum gelesen habe und bin froh, dass es hier einen regen austausch gibt.

wie es sich für eine von ads betroffene person gehört (ich hatte vor drei jahren eine abklärung mit folgenden sitzungen bei einere psychologin), habe ich natürlich auch am computer mindestens 8 fenster offen, hehe.
falls es langweilig werden sollte.. oder wenn wir ehrlich sind, um mich abzulenken. das ist das erste mal, dass ich versuche das aufzuschreiben, wird vermutlich auch nicht so einfach sein.

ich bin 21 jahre alt, habe vor etwas mehr als einem jahr die matura (abitur) in der schweiz absolviert und habe vor zwei monaten mit meinem studium der politikwissenschaften begonnen.
das klingt ansich alles sehr vernünftig, wäre es auch, wenn nicht mein ads problem im wege stehen würde..

in der primarschule bin ich eigentlich nie aufgefallen, ich war das nette, schüchterne mädchen mit den tagträumen, alles andere als hyperaktiv, unterfordert, bis ich ins gymnasium übergetreten bin. meine mutter meint zwar, ich hätte - so im nachhinein betrachtet - schon anzeichen gehabt, aber dazumal hat dies ja niemand gewusst..
ich hatte immer viele freunde, und doch fühlte ich mich oft einsam und vor allem unverstanden. ziemlich "typisch" ads habe ich schon als kind alles mögliche ausprobiert, nachdem mir etwas langweilig geworden war, habe ich mich ins nächste abenteuer gestürzt. als man sich dann fürs andere geschlecht zu interessieren begann, ungefähr dasselbe, wo ich dann oft für mein verhalten gerügt wurde. dabei wurde ich einfach nicht herausgefordert..

am gymnasium hatte ich ziemliche mühe - dinge, die mir logisch erschienen wie geschichte, mit zusammenhängen, für mich spannend, fielen sehr leicht, zeichnen, musik und kreatives war eine freude (ich spielte klavier und saxophon) und ich hab mich ausserhalb in der schülerorganisation und in musikgruppen engagiert.
aber das problem mit der konzentration ist geblieben, auswendig lernen und sich hinsetzen und "jetzt wird gelernt" kann ich noch heute nicht.

eine freundin meinte dann, ich solle mich doch mal auf ads abklären lassen, ihr bruder habe das auch und es könnte ja irgendwie schon sein.. ich dachte, oh nein, so wie der bin ich ja wooohl nicht, imfall, hehe
und doch habe ich mal internettests gemacht und bin dann zu der psychologin mit wöchentlichen gesprächen, das mir auch sehr geholfen hat bezüglich selbstbewusstsein. ich bin ja nicht dumm.. die restliche schulzeit und die maturaprüfungen sind dann mit viel goodwill der lehrer, mit ritalin und verständnis von allen seiten doch noch gut gelaufen. zum glück.

ende schule war ich dementsprechend einfach nur froh endlich aus der schule zu sein.. und doch hat die langeweile ziemlich schnell wieder eingesetzt. da ich in der schule aufgrund mangelnden leistungen mein gewünschtes austauschjahr nicht machen konnte, habe ich mich entschlossen jetzt das ganze nachzuholen. so habe ich dann mal fünf monate auf der bank steuererklärungen gemacht, viel verdient und mich tödlich gelangweilt.. und das alles für DIE herausforderung. ich habe mich angemeldet in einem projekt mit strassenkindern in méxico city zu arbeiten..

.. natürlich habe ich (eigentlich mehr um meinen vater zu beruhigen) zuvor für die uni angemeldet, damit dann alles klappen würde, wenn ich zurückkomme und bin in diesem jahr anfangs juli abgereist.
anfangs hatte ich enorm probleme mich anzupassen, hypokrisie und eine völlig andere welt haben mich in empfang genommen, aber nach ein paar wochen fand ich alles sehrsehr lässig. von meinem ads habe ich nicht viel gemerkt oder es hat mich sogar positiv beeinflusst. alle kreativen arbeiten von mir fanden immer alle lässig, spanisch (das ich schon im gymi gelernt habe) hab ich in kürzester zeit inklusive fluchwörter fliessend sprechen gelernt, ich bin bei den mexikanern angekommen und ich habe viele aufgaben erledigt, die ich dank blauen augen und anderem ausländerprofit noch schneller als andere erledigen konnten.. hola bürokratie, hehe.
ich habe in diesen vier monaten sooo viel gelernt wie zuvor in der schule nicht, die strassenbuben haben mir einen völlig neuen umgang gelernt, die mexikanische, lebensfrohe art hat mich soo gepusht und am schluss machte ich wohl den fehler des lebens wieder in den grauen alltag zurückzukehren..

ich wurde wie aus einer lässigen seifenblase herausgerissen, die von mir aus hätte länger gehen können. nur selten habe ich mich da gelangweilt, da leben in der millionenmetropole, die immer pulsiert und nie stehen bleibt, hat mich sooo beeindruckt und ich war noch NIE so glücklich in meinem leben !!

zurück in der schweiz, ein haus auf dem land, wieder das leben mit den eltern, pflichten, studienbeginn, viel selbstverantwortung, ich will kein ritalin nehmen.. ich bin irgendwie überfordert. dazu kam der wunsch zurückzukehren und da ich ja doch eine ausbildung machen möchte, habe ich mir überlegt in méxico an der uni (staatlich und ziemliches prestige) zu studieren.

ich habe begonnen informationen zu sammeln, weiss sehr viel darüber, mit meinen eltern gesprochen.. die einerseits finden, ich solle es halt tun, wenn ich unbedingt wolle und doch nicht wirklich dahinter stehen können, weil es hier halt ausbildungstechnisch sicher vernünftiger sei.
da gibts sicherlich nichts zu rütteln und doch ist das meiner meinung nach (ads, ich stürz mich mal ins leben) eine form "mit fallschirm unterwegs sein", alles absichern und den höchsten nutzen daraus ziehen (jaja, ich habe auch ökonomie in meinem studium, hehe)..
das studieren hier fällt mir enorm schwer, weil mir die leute sehr oberflächlich erscheinen (obwohl ich auch immer dafür gehalten werde) und nichts schätzen, was sie haben.. ich fühle mich einfach auseinandergerissen. und als sehr emotionaler mensch tut das sowieso weh.
das gefühl, dass ich es in méxico besser hätte, glücklicher wäre, ist ständig in meinem kopf. ich denke, warum es nicht ausprobieren.. vielleicht klappt es und prima.. sonst könnte ich immer zurückkommen.
meine eltern meinen, ja mädel, etwas seriös und dein vater ist bald fertig mit arbeiten, dann kommt auch nicht mehr so viel einkommen rein.. und ich denke dann etwas dreist, ihr könnte ja froh sein, dass wir keine drogenkinder sind und schule geschmissen undsoweiter haben. "ich hab zumindest abitur", nur leider ist das halt ein papier und kein beruf.

wenn man mit leuten spricht, meinen die einen, ja tus doch und was kannst du verlieren, andere meinen, ich spinne total, meine mutter meint, so wie ich dich kenne, habe ich das gefühl, dass dir das dort dann auch wieder verleidet und du dich langweilst wie bei allem..
ich habe von meinen eltern immer viel unterstützung erhalten, verständnis eigentlich auch (das merkt man ja immer erst im nachhinein, hehe) und doch haben wir (was vielleicht auch normal ist..) ständig zankereien und doch habe ich gerade eben durch meinen auslandaufenthalt meine eltern noch lieber als zuvor und will ihnen sicher weder finanziell auf der tasche liegen oder sie emotional belasten..

in fünf tagen fliege ich nochmals über weihnachten nach mexico, um die uni anzusehen, freunde zu besuchen, meine buben sehen, vielleicht etwas im projekt helfen.. im februar wären dort prüfungen, hier auch. wenn ich so weitermache hier, werde ich die prüfungen sowieso nicht bestehen hier, ohne ritalin läuft gar nichts, habe aber damit sehr schlechte erfahrungen gemacht.. leider. ich hätte auch lieber klassenunterricht als so viel selbstverantwortung, mit der ich nicht klar komme.
ich hab nur das gefühl, wenn ichs nicht versuche, habe ich ewigs das gefühl etwas verpasst zu haben.. wiederum kommen alle mit ihren rationalen gründen, die ich auch nicht ganz verschieben kann, dass man besser mit CHer abschluss ins ausland geht undsoweiterundsofort.

ich kann wohl kaum erwarten tipps und tricks zu erhalten von allen.. die entscheidung liegt bei mir, das ist mir klar. und doch vielleicht könnt ihr mir helfen, einige erfahrungen, bin ich leichtsinnig, utopisch und in einem anflug der begeisterung fähig etwas zu tun, dass typisch ads vielleicht in die hose geht ?
oder könnte es auch eine bereicherung sein, in einer anderen welt zu leben, natürlich mit weniger möglichkeiten, weniger geld, mehr leben, weniger langweile.. na klar, zur schule müsste ich auch dort, hehe. und doch ist das umfeld etwas anders..
ich wäre froh um irgendwelche antworten.. seit zwei monaten sitze ich deprimiert zu hause, habe keine lust auf gar nichts, so kenne ich mich nicht..

recht herzlichen dank für die aufmerksamkeit und VIELEN DANK für die möglichkeit hier zu schreiben..
!!!

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