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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
towermuc, bluemchen, Pretty_Mama, Yvonne_R., T.T.

entwicklungsstörung

Startbeitrag von towermuc am 13.12.2006 09:37

Hallo zusammen,
ich bin nun schon seit Jahren ein immer wieder regelmäßiger Leser dieses Forums und nun schreibe ich auch ein mal;-)
Unser Sohn ist seit ca. 7 Jahren (er ist jetzt 14 Jahre) auf ADS getestet worden. Ich kaufte mir Bücher, informierte mich und hoffte das Problem mit ihm zusammen in den Griff zu bekommen. Seit dieser Zeit ist bei uns nichts mehr wie es war. Die schulischen Probleme (Grundschule) nahmen überhand, die Ablehnung um ErwachsenenFreundeskreis wegen der Medikamentengabe, die Vorverurteilung wegen meiner Berufstätigkeit und..und..und..! Vor etwas vier Jahren habe ich dann meinem Job aufgegeben um mich ganztags um ihn zu kümmern, damit er auf die Realschule gehen konnte.(er wurde immer als klug beschrieben) Doch durch das tolle bayerische Schulsystem hat sich die ganz Misere nur noch verschärft. Er kam in der Schule nicht mehr mit, verschwieg Hausaufgaben, unterschrieb Proben selber...den Lehrern war das alles völlig wurscht....:ads gibt es nicht, kein Attest - keine andere Behandlung...ich habe da Kommentare zu hören bekommen, da stellen sich mir heute noch die Nackenhaare auf.
Nun haben wir das Gefühl, dass sich die Entwicklungsstörung gegebenüber Gleichaltrigen noch viel stärker als noch vor einigen Jahren bemerkbar macht. Es gibt kaum noch Menschen oder Kinder, die etwas mit ihm zu tun haben wollen. Er ist ein typischer Einzelgänger, der keine Freunde hat und den es wirklich nur reicht, wenn er einen PC und einen Fernseher hingestellt bekommt. Wir waren schon beim Psychologen (die immer nur zuhören, aber nicht helfen) Kinderärzte, Neurologen usw. Wir mussten ihn vor einiger Zeit von der Schule nehmen (weil er nicht mehr im Unterricht mitkam) und haben ein Internat ausgewählt. Dort hat es nun auch nicht geklappt (konnte sich nicht anpassen) Nun geht er auf die hiesige Hauptschule und macht gar nichts mehr. Ich weiss nicht mehr weiter. Sogar meine Ehe geht langsam den Bach hinunter. Meine Erziehung ist inzwischen nicht mehr als solche zu erkennen. Ich schwanke zwischen "mach doch was du Willst" und geh in dein Zimmer ich kann dich nicht mehr sehen. Alle Nase lang meldet sich eine Mutter und schimpft auf mein Kind, der etwas "angestellt" hat.
Ich weiss nicht mehr weiter. Gibt es irgend jemanden der weiss, ob einem in so einem Fall die Jungendämter vielleicht weiterhelfen können. Ich habe mich bisher immer gescheut diesen Weg zu gehen..aber nun weiss ich nicht mehr weiter.
Liebe Grüße an alle
Martina

Antworten:

Hallo Martina,

ich kann gut nachvollziehen wie es dir geht.

Bei meinem Junior läuft es ähnlich.

Bekommt denn deiner Medis? Du sagts ja, dass er getestet ist.

Ohne Medis würde bei uns nichts laufen. Die Grundschule hat man ihn auch so durchgeschleift. Wir haben ihn dann gleich auf der Hauptschule angemeldet, wiel wir befürchtet haben, dass es auf der Rea zu heftig für ihn wird. Obwohl er einen durchschnittlichen IQ hat. Er ist jetzt in der 7. Klasse und wenn ich ihm nicht laufend auf die Füße trete, würde er gar nichts machen. Es stört ihn auch nicht wenn er Strafarbeiten bekommt oder Nachsitzen muss. Im Gegenteil: der Schulfrust wird größer. Ich dachte immer Internat wäre die goldene Lösung, aber wie du schreibst gibt es ja dort auch Probleme.

Computer und Fernsehen ist auch sein Hobby. Allerdings können wir es noch als Druckmittel verwenden.

Tips bekomme ich hier aus dem Forum oder in einer Selbsthilfegruppe. Doch es lässt sich ja auch nicht auf jedes Kind übertragen.

Mein Tag ist gefüllt ihn zu motivieren, doch mir geht allmählich auch die Kraft aus und ich habe keine Lust mehr.

Ich warte immer bis bei ihm mal der Verstand arbeitet, doch ich glaube bei ADSlern dauert das noch lange. Das sagt auch der Psych.

Leider bin ich dir keine große Hilfe, nur eine Leidensgenossin!

Trotzdem viele liebe Grüße Blümchen

von bluemchen - am 13.12.2006 09:55
hallo Blümchen,
mir geht es genauso, mein ganzer Tag ist auf mein 14-jähriges Kind ausgerichtet. Wir haben fast keine sozialen Kontakte mehr.
Wenn ich mich entscheide, einige Termine wahrzunehmen, dann immer mit der Prämisse: mein Kind sitzt vor dem Fernseher.
Er will eigentlich nur Computerspiele und irgendwelchen Schrott im Fernsehen. Er hat keine Freunde, mit denen er sich treffen könnte, denn die finden ihn auch schon komisch...Manchmal erzählt er einfach irgendwelche Sachen oder fängt aus heiteren Himmel einen Streit an. Wir wohnen in einem kleinen Ort und die ganzen Menschen reden über uns. Mal ehrlich, vor ein paar Jahren hätte ich bei dieser Situation auch gedacht, es liegt am Elternhaus....
Ich mache mir große Sorgen, was später mal aus ihm werden soll. Einen Ausbildungsberuf zu ergreifen, bei dem man dann auch Leistung bringen muss, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig undenkbar. Mein Mann und ich wir unterhalten uns über nichts mehr anderes als über unser Kind...Es gibt im Moment Tage, wo ich einfach glaube, dass ich das alles nicht mehr schaffe. Und immer gibt es noch Menschen, die behaupten wir bilden uns das alles ein....;-)
Ich hoffe auch in diesem Medium ein wenig Kraft zu bekommen und sich mal "unkontrolliert" alles von der Seele zu schreiben (das ist ja auch schon Hilfe) Ich war auch mal bei einer Selbsthilfegruppe. Nur einmal, da dort so schlimme Fälle (mit Einweisung ins Bezirkskrankenhaus...gabe von Antidepressiva usw. waren. Dass ist schlimm, aber hat mich nur noch weiter runter gezogen.
Liebe Grüße
Martina

von towermuc - am 13.12.2006 10:33
Hallo Martina,

leider werde ich Dir ebenfalls keine große Hilfe sein, aber Dein Beitrag beschreibt genau die Befürchtungen, die ich bei meiner Tochter habe.
Dinge wie Hausaufgaben verschweigen (sich nicht merken oder merken wollen) , Vorurteile wegen der Medikamentengabe, blöde Bemerkungen wie " In der heutigen Zeit muss man ja einen Begriff für Lebhafte und anstrengende Kinder finden"...all das kenne ich zur genüge.
Auch meine Tochter hat wenig Freunde weil sie gerne den Chef markiert und das die anderen Kinder (verständlicherweise) nicht mögen.

Trotzdem bin ich der Meinung, daß sich einiges ändern lässt.
Ich kann aus Deinem Beitrag nicht genau herauslesen ob Dein Sohnemann schon Therapien gemacht hat?!

Hat er einen Ausgleich zum Schulalltag? Eventuell in einem Sportverein (Ideal sind "Einzel-Kämpfer" Sportarten wie Judo, Ringen, Leichtathletik, Schwimmen").
Meine Tochter geht zum Leichtathletik und wirkt danach wie ausgewechselt, weil sie dort Ihre ganzen Anspannungen rauslässt.

Das Dein Sohn in der Schule so abfällt finde ich am schlimmsten...in dem Alter sieht man es nicht ein wie wichtig der Abschluss fürs weitere Leben ist...und dann noch eine Lehrerin die die Diagnose anzweifelt. Ich würde an die Decke gehen!
Ist der Doc. eventuell bereit einen Bericht mit der Diagnose an die Lehrerin zu schreiben?
Ich bekomme jedes viertel Jahr eine Kopie vom Bericht (das Original geht zum Hausarzt) und zeige diesen der Lehrerin.

Und die Aufgabe des Psychologen ist es auch nicht nur zuzuhören! Unser Kipsy gibt mir Erziehungsratschläge und versucht mir zu erklären was in meiner Tochter vorgeht.
Desweiteren macht er ca. alle halbe Jahr einen Test, der zeigt wie weit die Entwicklung ist.

Ich kann gut verstehen, daß Du nicht mehr weiter weißt...ich bin in letzter eit auch oft am Verzweifeln. Meine Hexe muss vermutlich neu eingestellt werden.

Eventuell ist Dein Sohn auch nicht richtig eingestellt?!


Ich verstehe immer noch nicht warum so wenige Menschen Verständniss für AD(H)S aufbringen können. Vermutlich weil sie nicht selber betroffen sind!?

Ich wünsche Dir starke Nerven und viel Erfolg!

Liebe Grüße Yvonne



von Yvonne_R. - am 13.12.2006 11:29
Hallo zusammen,

ich habe mich eine Weile nicht gemeldet, habe aber immer fleißig mitgelesen. Leider habe ich nicht so viel Zeit zum Schreiben. Immer nur zwischendurch mal ein paar Minuten. Ich kann nur sagen, mir geht es genauso. Wir haben gerade auch wieder ein ganz tiefes Tief. Meiner ist jetzt 15,5 Jahre alt, auf den Tag genau, und macht nur noch Probleme. Er ist diagnostiziert und medikamentös eigentlich gut eingestellt.

Das Problem ist nur, wenn die nicht wollen, dann wollen die nicht, auch wenn sie noch so gut eingestellt sind. Die Pubertät macht ihnen wohl zusätzlich noch einen ordentlichen Strich durch die Rechnung.

Er geht mittlerweile auch zur Hauptschule, Realschule ging auch nach zweimal 8. Klasse gar nicht mehr. Schlechte Leistungen, mieses Verhalten. Wir sind bei einer supernetten und kompeteten Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychatrie, die uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Leider kommt auch sie mittlerweile an ihre Grenzen. Da nutzen keine schriftlichen Vereinbarungen, Belohnungsversprechen oder ähnliches, es geht einfach nicht. Er steckt entweder den Kopf in den Sand oder wird massiv aggressiv.

Er hat mir sogar schon Schläge angedroht. Und ich denke, bei uns ist das Maß voll.

Im Moment rennt er immer zu seiner Freundin (das klappt komischerweise seit einem Jahr gut) damit wir uns nicht über den Weg laufen, aber wehe wenn...

Nachdem heute wieder ein Brief von der Schule gekommen ist, wegen unzureichender Leistungen und schlechten Betragens werden wir uns wohl noch in dieser Woche an das Jugendamt wenden, denn so geht es nicht weiter. Er bringt sonst noch unsere Familie auseinander, das hält von uns keiner mehr aus.

Ich hoffe, es wird eine Möglichkeit geben, dass er eine Weile außerhalb unserer Familie leben kann, vielleicht eine Wohngruppe für ADS-Jugendliche oder so etwas. Er wird sich weigern, aber vielleicht weiß das Jugendamt da auch einen Rat.

Unser gesamtes Leben dreht sich seit ca. 12 Jahren aussschließlich um dieses eine Kind, und ich kann jetzt wirklich nicht mehr, ich will keine Beschimpfungen mehr ertragen, mir keine Klagen aus der Schule mehr anhören müssen, und ich will auch keine Angst mehr haben müssen, wenn ich mit ihm alleine bin. Ich will wieder leben... jetzt sehe ich leider nichts mehr vor lauter Tränen...

wünsche Euch viel Kraft, wende Dich dochmal ans Jugendamt, die können Euch bestimmt weiterhelfen.

Alles Liebe
Rätzchen

von T.T. - am 13.12.2006 11:57
Hallo Martina,

was mir am meisten Sorge machen würde ist dieses Isolieren von der Außenwelt.

Mein Sohn hat zu Glück ein paar Freunde. Die holen ihn raus zum Radfahren oder Skaten. Das Problem ist nur, dass meiner seine Kumpels immer zum Computerspielen animieren will. Da gab es auch schon Stress mit anderen Eltern.
In Vereine geht meiner auch nicht mehr. Er fühlt sich da zu eingebunden. Kicken will er dann wann er Lust dazu hat, nicht wenn die Traningszeiten sind. Schwimmen macht ihm Spaß, aber nicht so wie die Trainer wollen. So geht das weiter. Und mit Eltern etwas zu unternehmen ist ja uncool. Da muss dann immer ein Freund dabei sein.
Aber ich bin ständig auf der Suche ihm eine neue Beschäftigung zu bieten.

Doch wie gesagt unser Hauptproblem ist eben die Schule. Er zeigt null Interesse und Einsatz. Wie gesagt, ohne Medis wäre das die reinste Katastophe.

Vielleicht kannst du deinen Sohn ermuntern in einem Nachbarort etwas zu unternehmen. Da kennt man ihn nicht und er ist nicht vorbelastet.

Liebe Grüße Blümchen

von bluemchen - am 13.12.2006 11:59
Hallo Martina,

das hört sich nicht besonders gut an, was Du da so erzählt. ;-(

Fühl Dich erstmal fest gedrückt! ;-)

Mein Sohn, seit 2 Jahren ADHS diagnostiziert, ist gerade in die 1. Klasse gekommen und kommt bisher recht gut mit und ist auch gut integriert. Ich hoffe mal, dass das möglichst lange so bleibt. Bisher geben wir auch kein Ritalin sondern behandeln "nur" homöopathisch und mit Nährstofftherapie, da es bei uns gut anschlägt. Soviel zu mir bzw. uns.

Für Euch kann ich nicht wirklich eine große HIlfe sein, aber eines fällt mir sofort ein:

Gibt es bei Euch nicht auch die Vereinigung der "Lebenshilfe e.V. "?

Ich arbeite in einer dieser Einrichtungen in der Verwaltung n und weiß durch meine Tätigkeit hier, dass es nicht nur um schwerste Fälle (geistig und körperlich mehrfachbehindert) geht, sondern dass sich die Lebenshilfe auch darum kümmert, entwicklungsverzögerten oder -gestörten, von Behinderung bedrohten oder eben ADHS-betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu helfen.

Natürlich ist das Angebot von Ort zu Ort verschieden, bei uns gibt es z.B. eine Frühförderung, in der entwicklungsauffällige Kinder von 1-6 Jahren z.B. Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie etc. bekommen.
Danach ginge es weiter mit der SVE (Schulvorbereitenden Einrichtung) und dann, wenn es nicht klappt, die Kinder in der "normalen" Schule zu intergrieren, gibt es verschiedene Förderschulen und familienbegleitende Dienste. Für "richtig Behinderte" gibt es dann noch Wohnheime, Werkstätten und Förderstätten - dies nur zur Ergänzung.

Vielleicht kannst Du Dich mal erkundigen, ob es die Lebenshilfe bei Euch auch gibt?! Ggf. können sie vielleicht auch andere Ansprechpartner vermitteln.

Mir fällt gerade ein, dass es über das Jugenamt auch Hilfe geben müsste, ich glaube "sozialpädagogische Familienhilfe" nennt sich das.
Hab grad mal gegoogelt, gibt es anscheinend auch vom Roten Kreuz
[www.drk-koeln.de]

Diese Info habe ich in wikipedia gefunden:

[de.wikipedia.org]

Hilfen zur Erziehung
Die Jugendhilfe bietet interessierten Eltern als unterstützende Maßnahmen Hilfen zur Erziehung, zum Beispiel Erziehungsberatung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Tagesgruppen. Dabei wird versucht, mit modernen erzieherischen Methoden und einer speziellen Förderung die oft existierenden Defizite im Verhalten zu verringern und darüber auch eine Verbesserung der schulischen Leistungen zu bewirken.

Eltern haben auch die Möglichkeit, selbst gewählte Hilfen über das regional zuständige Jugendamt zu beantragen. Nach §5 SGB VIII besteht für die Eltern ein Wunsch und Wahlrecht hinsichtlich der Art des Hilfeangebotes und des Anbieters / Beraters. In der Regel reicht es, einen formlosen Antrag auf Hilfe zur Erziehung zu stellen.

[de.wikipedia.org]

Ich würde mir hier wirklich Hilfe von Außen holen, denn Du merkst ja, dass es alleine fast nicht (mehr) möglich ist.

Vielleicht wäre auch eine Kur eine gute Möglichkeit, einen neuen Anfang zu finden?

Ich war mit meinem Sohn heuer im Frühsommer und kann sagen, dass es ihm sehr gut getan hat. Einen Versuch wäre es wert. ADHS-Kinder und Eltern bekommen in der Regel auch schnell eine Bewilligung.

Ich wünsch Dir viel Kraft und alles Gute auf Deinem Weg!

LG Pretty Mama

von Pretty_Mama - am 13.12.2006 21:27
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