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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Siggi_O, tanale, schwertlilie, Chaotentruppe, Cilia

Scheue mich, Lehrerin über Medis zu informieren :(

Startbeitrag von Siggi_O am 14.12.2006 11:51

Hallo zusammen,

seit einigen Tagen nimmt Sohnemann Equasym und er meint, es würde ihm sehr helfen, besser zuhören und aufpassen zu können.

Vom Arzt habe ich einen Fragebogen für die Lehrerin mitbekommen. Also müsste ich jetzt in die Schule marschieren, die Lehrerin - die ich sehr mag und für sehr fähig halte - informieren.

Aber - ich kann mich nicht überwinden!

Mein Sohn ist jetzt in der 4. Klasse, war bisher immer ein recht guter Schüler, da es ihm gelang, seine Probleme gut zu kompensieren. Er ist zwar ein kleiner Chaot mit einer eigenwilligen Rechtschreibung, notenmäßig war aber soweit alles in Ordnung.

Aber irgendwann wurde er zunehmend mutloser, ängstlicher, depressiver, so dass wir uns zur medikamentösen Behandlung entschlossen.

Mir ist klar, dass die Rückmeldung der Schule für den Arzt sehr wichtig ist. Trotzdem scheue ich mich, bekanntzugeben, dass Sohnemann Medikamente nimmt. Ich vertraue nicht allen Lehrern des Kollegiums so wie der KL.

In wenigen Wochen wird die Empfehlung für die weiterführende Schule ausgesprochen. Bisher stehen die Weichen auf Richtung Gymnasium - auch wenn das letzte Diktat jetzt gerade daneben gegangen ist. Ich habe Sorge, in irgendeiner Form, schlafende Hunde zu wecken ...

Was meint Ihr?

Siggi

Antworten:

Hallo,

in der Grundschule haben wir überhaupt nicht über ADS und Medikamente in der Schule gesprochen. Die Ärztin wollte dies nicht, da sie schon Fälle hatte, in denen Kinder die Medikamente verweigert haben ("das brauchst du doch nicht..."). Außerdem wollte sie die Entwicklung ohne dieses "Wissen" sehen.

Wir hatten auch mit einem Fachlehrer ein "interessantes" Gespräch: Totalverweigerung in Religion - na sie hat ja auch in anderen Fächern Probleme....(Lehrerin spielte auf Dyskalkulie an, woher weiß sie das?). Was gelaufen ist, keine Ahnung, ich habe sie aus Religion rausgenommen und die Welt war wieder in Ordnung.

An deiner Stelle würde ich einen Termin machen und mich nach den wesentlichen Punkten im Fragebogen erkundigen, ohne ADS offenzulegen und die anstehende Empfehlung ist ja sicherlich Grund genug ein intensives Gespräch zu führen. (Das Empfehlungsgespräch waren max. 15 Minuten!). Dann kannst du den Fragebogen ja selbst ausfüllen. Wenn dem Arzt dies nicht reicht, dann soll er noch die zwei Monate warten, bis die offizielle Empfehlung da ist. Vielleicht ersparst du deinem Kind hierdurch unnötige und belastende Tests - keine Ahnung, was seitens der Schule an Bedenken möglich ist.

Für uns war das Endzeugnis (in BW wird hier zusätzlich noch verbal beschrieben) eine echte Bestätigung der Behandlung. Da konnte man sehr viel entnehmen und zwar unabhängig von den (guten) Noten.

Eigentlich war es schade, nichts zu sagen, da die KL den Anstoß ADS gab. Ich werde ihr immer dankbar sein, wenngleich wir vielfach unterschiedlicher Meinung waren.

VG Cilia

von Cilia - am 14.12.2006 12:22
Hallo Siggi,

das ist sicherlich schwiergig. In dieser Zwickmühle war ich auch. Die Lehrerin meines 10 jährigen Sohnes hatte überhaupt kein Verständis und hat uns dies auch klar zu verstehen gegeben.

ADS? Das gibt es doch gar nicht. Ich habe das letzte halbe Jahr auf die Zunge gebissen und meinen Sohn gestärkt. Beim Wechsel auf das Gymnasium haben wir das ADS nicht an die große Glocke gehängt und die Medis nicht erwähnt.

Bis jetzt halte ich es auch nicht für nötig, da es ganz gut läuft.

Bei meinem 8 jährigen Sohn war die Sache eine ganz andere:
Die Lehrerin macht mich auf die Probleme meines Träumerchens aufmerksam.

Zuerst haben wir nichts gesagt, bis sie von sich aus die Änderungen gemerkt hat. Ihr haben wir dann von der Medikation und Ergotherapie berichtet. So konnte es eine optimale Zusammenarbeit aller Beteiligten geben.
Therapeutin, Lehrerin, Ärztin und uns Eltern. Die Fragebögen wurden ausgefüllt usw.

Ich würde aus dem Bauch handeln. Wenn Du dich schwer tust, dann lass´es doch erstmal. Dein Sohn hat ja die Rückmeldung gegeben, dass es ihm hilft.

Das haben meine Kinder auch sofort bemerkt. Und das ist doch die Hauptsache!

Mein Träumerchen (fast neun) ist in der Schule total gut! Er muss nicht mal lernen. Vor einem Jahr um diese Zeit war ich noch am Boden zerstört. Ich bin sooo glücklich, dass wir das gemacht haben. Auf einer weiterführenden Schule werde ich vielleicht erstmal nichts sagen und abwarten.

Liebe Grüße

Anja



von Chaotentruppe - am 14.12.2006 15:19
Hallo Siggi,

der Grundschullehrer und ich, wir hatten beide überlegt, woran die Schwächen meiner Tochter in der Schule wohl liegen können.

Da wir zu keiner Erklärung kamen, schlug ich dann vor zum Kinderpsychologen zu gehen.

Das Ergebnis war dann ADS, was ich dem Lehrer dann auch mitgeteilt hatte. Ich äußerte meine Bedenken gegenüber den ADS-Medikamenten und er war derjenige, der mir diese Bedenken genommen hatte. Es gibt halt Kinder, die bräuchten Medikamente und die Einnahme, das wäre auch kein Problem.

Wir hatten es dann doch noch zwei Monate ohne versucht und sind dann auf Medis umgestiegen.

Der Lehrer ist fasziniert davon in welcher kurzen Zeit sie solche Fortschritte macht. Er war uns auch in der Einstellungsphase eine sehr große Hilfe.

Da läuft es wirklich prima.

An dem Gymnasium, wo meine große ADSlerin ist, läuft das bei einigen Lehrern relativ gleichgültig ab. Sie sind keine Hilfe, aber sie behindern uns nicht.

Durch vorsichtiges Taktieren, kann man schon den richtigen Weg finden. Es hängt da viel von der Einstellung der Lehrkraft ab.

Ich hoffe ich konnte dir bei der Entscheidung eine Hilfe sein.

Liebe Grüße



von schwertlilie - am 14.12.2006 21:18
Hallo Siggi,

ich habe einen Sohn, beinahe elf mit ADS. Die Diagnose haben wir Ende der vierten Klasse gemacht, da die Lehrerin eine Rechtschreibschwaeche vermutete und sie meinte, dies waere gut, vor dem Uebertritt in die weiterfuehrende Schule. Ich habe alle Lehrer in der weiterfuehrenden Schule informiert, da ich meine, eine Zusammenarbeit ist wichtig, gerade weil eine Krankheit ja auch Schwankungen mit sich bringt und er gerade medikamentoes eingestellt wird und zudem ja auch die Pubertaet ins Haus steht.... Ausserdem kriegt er (falls notwendig) Extrazeit bei Klassenarbeiten. Die Lehrer haben dort durchwegs super reagiert. Vielleicht wuerde ich aber trotzdem noch die Empfehlung abwarten und dann spaeter die Lehrer informieren.
Liebe Gruesse Nicole

von tanale - am 15.12.2006 06:16
Hallo Ihr Lieben,

ja, Ihr habt mir sehr geholfen.

Ich denke, ich werde auch mal die Ferien abwarten, dann kann ich mir auch selber ein genaueres Bild machen.

Gestern beschrieb mir mein Sohn die Wirkung der Tabletten folgendermaßen: "Wenn irgendwo in der Klasse jemand was sagte, musste ich mich direkt umdrehen... Jetzt brauche ich das nicht mehr. Hört derjenige aber nicht auf zu quatschen, drehe ich mich doch um und bitte ihn, still zu sein."

Hört sich doch gut an :) !!

Irritiert war ich, dass er sagte, die Lehrerin hätte ihm geraten, früher ins Bett zu gehen :(

Vielleicht wirkt er ja müde?

Andererseits schläft er abends wirklich spät ein, aber nicht wegen der Tabletten, das war schon vorher der Fall. Ohne Medikation abends (wir beginnen ja gerade erst) - ist er voll und ganz seinen Gedanken ausgeliefert. Er schläft erst dann ein, wenn er wirklich nicht mehr die Augen offen halten kann. Am schnellsten gehts, wenn jemand mit ihm im Zimmer ist.

Aber das weiß die Lehrerin natürlich nicht...

Viele Grüße

Siggi

von Siggi_O - am 15.12.2006 07:09
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