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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Mama***Barbara, diana-r, pralini, Yvonne_R., Agnes69

Wie habt ihr euren Kindern ADHS und Medikamenteneinnahme erklärt?

Startbeitrag von Mama***Barbara am 15.12.2006 12:36

Hallo,

mal wieder habe ich eine Frage. Mein Sohn 6,5 Jahre hat ADHS, vor einem Jahr diagnostiziert. Da wir nun immer mehr Probleme zu Hause bekommen, wird er vermutlich demnächst Medikamente nehmen. (Wir wissen noch nicht, welches Produkt)

Nun kennt unser Sohn sich ja nicht anders, kann seine Gefühle ohnehin schwer äußern (wenn überhaupt). So ist es für ihn ja völlig normal. Und ich habe zwar mal versucht, ihm zu erklären, dass ihm manche Dinge schwer zu fallen scheinen, die anderen Kindern viel leichter fallen. Aber er mag da nicht gerne drüber reden, sind es doch Schwächen von ihm. Jedenfalls nehme ich an, dass er es so sieht.

Wie kann ich ihm dann erklären, warum er Medikamente nehmen soll. Nur einfach mit" dass es dann besser werden wird" wird er sich nicht mit zufrieden geben.

Puh, ich kann mich jetzt so schlecht ausdrücken, aber vielleicht versteht ihr mich auch so.

LG Barbara

Antworten:

Hallo Barbara,

"dass er dann besser werden wird", finde ich persönlich ganz schrecklich formuliert. Denn Dein Sohn ist gut so wie er ist und Ihr liebt ihn so wie er ist.

Bei meinem Sohn (7 1/2 Jahre) ist ein Junge in der Klasse - genauso alt - und der bekommt Medikinet (meiner Concerta). Bei der Einschulung im September sagte er:"ich heisse M. und bin 7 Jahre alt. Ich nehme Medikamente, damit ich braver bin". Die Mutter saß daneben und hat stolz gelächelt. Ich hätte ihr beinahe eine reingehauen. Wie kann man seinem Kind das so erklären????

Als mein Sohn eingestellt wurde auf Medikamete, haben wir ihm erklärt, dass er so überreizt ist, weil er sich die Sachen nicht raussuchen kann, die er im Focus haben möchte. Bei ihm kommt alles ungebremst im Gehirn an und veranstaltet Chaos. Dem stimmte mein Sohn übrigens ohne Einspruch zu!!

Nun bekommt er Medikamente, damit er sich raussuchen kann, was für ihn wichtig ist und seine Gedanken da hinein setzen kann. Daraus resultiert dann, dass er nicht mehr so überreizt ist und auch nicht mehr so viel Aggression verspürt.

Das hat ihm gereicht und er hat ja dann die Wirkung am eigenen Leib erlebt, was er sehr gut beschreiben konnte.

Ich weiß nicht, wie es bei Euch sein wird, aber mein Sohn fand und findet es irgendwie blöd, wenn man mit anderen über seine Medis spricht. Am liebsten möchte er ein ganz normales Kind sein. Somit wird die Medi-Gabe nur an Personen weitergegeben, die es wissen müssen.

Manche Eltern erzählen ihren Kindern von Wunderpillen. Das ist Quatsch, denn sie machen aus Deinem Sohn kein anderes Kind wie durch Zauberei.

Wenn meiner mal sagt "die Pillen machen mich brav", kommt von mir gleich die passende Antwort "das bist Du, wenn sie wirkt. Nach der Wirkung hast Du einfach zu viel, was Du aufnehmen musst, obwohl Dein Speicher vielleicht schon lange voll ist". Damit kann er sehr gut leben und sieht, was für tolle Eigenschaften er hat.

Ich wünsche Euch, dass Ihr auch so schnell die optimale Einstellung findet wie wir. Das ist schon echt eine Erleichterung - für alle.

LG Diana

von diana-r - am 15.12.2006 13:31
Hallo Diana,

vielen Dank für deine lange Antwort. Es ist echt schwer, mit unserem Sohn darüber zu reden. Er mag es nicht, verschließt sich und ist bockig.

Ich hätte es wohl auch nicht erklärt "damit du besser wirst", aber dadurch, dass ich das jetzt gelesen habe, ist es mir noch bewusster. Aber genau deshalb finde ich es schwer, ihm zu erklären. Es geht wohl nur, dass die Medikamente ihm helfen sollen, dass nicht so viel auf ihn einströmt und er so die Dinge besser ordnen kann.

So gut finde ich das jetzt auch nicht, aber ich habe absolut keine Ahnung, wie unser Sohn sich empfindet, da er eben gar nichts sagt und auch nichts, aber auch gar nichts aus ihm herauszubekommen ist.

Mit dem anderen Kind, von dem du schreibst, dass "braver" werden soll..... nun ja, das ist ja echt daneben.

Für mich ist es ja genau das Problem, dass ich meinen Sohn so liebe, wie er ist und sein Verhalten für uns nunmal auch normal ist. JEdoch scheint es so, dass er sich nur unnötig schwer tut und das mag man als Mutter ja auch nicht verantworten.

von Mama***Barbara - am 15.12.2006 18:54
Hallo Barbara,

ich nochmal...

...ich habe die Notwenigkeit der Medis versucht möglichst kurz zu erklären.
Als sie fragte wofür die Tabletten sind, sagt ich Ihr ohne groß nachzudenken..."damit es Dir leichter fällt sich zu konzentrieren."
Zu meinem Erstaunen war sie damit zufrieden und nimmt sie auch jeden Morgen freiwillig.
Meine Antwort kam zwar spontan, aber mitlerweile denke ich, daß es genau richtig war so zu reagieren.
Meiner Tochter ist schon selber aufgefallen, daß sie mehr versteht und warnimmt seitdem sie die Tabletten nimmt.
Ihre Antwort auf meine Frage, wie sie sich fühlt nachdem sie die Tabletten genommen hat, fand ich richtig putzig.
"Also ich fühle mich jedenfalls besser"...und das aus dem Mund meiner kleinen Hexe, die sowas nicht sagen würde wenn es nicht so wäre. *freu



von Yvonne_R. - am 15.12.2006 23:07
Hallo Barbara,

Ich finde die Formulierung von Diana sehr gut. Ich habe meinem Sohn auch gesagt, dass er sehr viele tolle Begabungen und charakterliche Anlagen hat, und ihn das Chaos im Kopf daran hindert, diese optimal zu nützen. Die Medis sollen ihm dabei helfen. Das leuchtete ihm ein.

LG
Agnes

von Agnes69 - am 15.12.2006 23:16
Hallo Barbare

Mein Freundin hat auch nen Sohn im Alter deines Sohnes. Sie hat ihm auch nur kurz erklärt , dass er mit den Medis es bestimmt leichter hat sich zu konzentrieren, dass sie bestimmt dann nicht mehr zu lange an den Hausaufgaben sitzen würden. Sie müssten es einfach mal testen.
Es gäbe eben kinder die eine Brille brauchen um besser zu sehen, er bräuchte eben die Medis.

Nachdem sie es ihm so erklärt hat, hat er es auch gut aufgenommen.

Liebe Grüße

von pralini - am 16.12.2006 09:55
Hallo Barbara,

Dein Sohn wird sich öffnen, wenn er eingestellt ist!! Meiner war auch vor Medis immer genervt, wenn man ihn mal gefragt hat "wie geht`s Dir denn so?". Was soll die Frage? Weiß ich doch nicht!

Sofort nach der ersten richtigen Dosis Ritalin kam :"Mama, ich fühle mich wie neugeboren. Mir geht es gut und ich fühle, dass mein Leben so schön sein kann." Nicht zu fassen, oder? Ich habe ein wenig geweint, weil ich mir das für ihn gewünscht habe.

Wir sind dann raus aus der Klinik (damals war er stationär aufgenommen) und er sagte:"siehst Du den tollen blauen Himmel? Ich habe noch nie so einen schönen Himmel gesehen" So ging es immer weiter. Kleinigkeiten sind ihm aufgefallen. Als ob er jahrelang in einer dunklen Zelle gesessen hätte. Die Bäume, die Vögel...einfach alles hat er bewußt erlebt.

Ich war in dem Moment sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Jetzt spürt er sich und vor allem, dass es Menschen gibt, die ihn lieben! Früher hat er immer geglaubt, wir wollen eigentlich nicht mit ihm leben. Jetzt weiß er, dass wir uns jeden Tag freuen, dass es ihn gibt. Er spürt bewußt meine Umarmung.

Dein Sohn wird all das auch viel bewußter erleben. Und er wird es Dir sagen können!

LG Diana

von diana-r - am 16.12.2006 10:23
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