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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Karin H.S., pralini, Miss Piggy, josiane, HanneM, Yvonne_R.

Traurig....

Startbeitrag von Karin H.S. am 23.01.2007 21:23

Hallo,

ich muss dies jetzt einfach schreiben, weil es mich sehr beschaeftigt.

Als ich heute wieder ins Buero kam (nachdem ich seit letzten Mittwoch mit Grippe daheim war), waren alle furchtbar traurig und man sagte mir, dass der 22 -jaehrige Sohn unseres Kollegen am Freitag an einer Ueberdosis Drogen gestorben sei (wir wohnen nicht in der Grosstadt, sondern auf dem Land).

Mein Kollege war mir in den letzten Monaten und Jahren ein sehr grosse Hilfe, seit ich ihm von meinem Verdacht erzaehlte, dass mein Sohn ADHS hat. Er hat mir dann anvertraut, dass auch sein Sohn ADS hat, aber leider erst im Alter von 19 Jahren durch Zufall diagnostiziert wurde, nachdem er die Hauptschule ohne Abschluss verlassen hatte, 3 Lehrstellen hingeschmissen hatte und total abgesackt war. Er bekam dann Medis, aber es war wohl zu spaet. Er kam aus dem Sumpf nicht mehr raus und nun das....

Ich bin so traurig und wuetend. Mein Kollege (der sich schwerste Vorwuerfe macht) sagte mir oft, sein Sohn waere so ein kluges Kerlchen gewesen, alle haetten damit gerechnet, dass er Abitur macht etc. Und wenn er Hilfe gehabt haette, waere es vielleicht auch anders gelaufen.

Dieses schreckliche Ereignis bestaerkt mich noch einmal in der Entscheidung fuer die Medis bei meinem Sohn. Aber zugleich mache ich mir auch wahnsinnige Sorgen, wie es wird, wenn er aelter wird.

Sorry, dass ich Euch jetzt damit belaestigt habe, aber es tut gut, sich das Ganze mal von der Seele zu schreiben.

Eine in Traenen schwimmende

Karin

Antworten:

Hallo Katrin,

es ist wirklich sehr traurig!
Fühl Dich erstmal ganz doll von mir gedrückt. *tröst

Wenn man soetwas hört (liest) denkt man ganz automatisch dran..."wie wird es meinem Kind in diesem Alter gehen".

Trotzdem sehe ich dem Ganzen optimistisch entgegen, denn wir (unsere Kinder) haben einen entscheidenden Vorteil.
Das AD(H)S wurde frühzeitig diagnostiziert und somit tun wir alles erdenklich mögliche um unseren Kindern (und uns) den Alltag zu erleichtern und sie als "glückliche" Kinder heranwachsen zu sehen.

Die Gefahr, daß unsere Kinder in Selbstmitleid zerfließen, sich unverstanden oder ungerecht behandelt fühlen ist deutlich geringer...denn wir wissen weshalb sie so sind...wie sie sind.

Ist es da nicht logischer wenn die Kids mit Ihren Problemen zu uns kommen, statt sich den Drogen hinzugeben?!

Denke positiv und optimistisch!
Immer wenn ich negative Gedanken hatte, kam das Unglück...als würde ich es wie ein Magnet anziehen!

Ganz liebe Grüße Yvonne



von Yvonne_R. - am 24.01.2007 06:55
Hallo liebe Karin,

ich kann Dir gut nachfühlen, wie es Dir geht. Es tut mir sehr leid für Deinen Kollegen - aber auch für Dich.
Mache Dir jetzt aber bitte nicht so große Sorgen, wie es später Deinem Kind gehen wird.

Sicher - ich habe mir bei meiner Tochter auch große Vorwürfe gemacht, dass ich nicht früher drauf kam, zumindest ab da, wo ich den Verdacht bei Junior hatte.

Wir waren damals nur bei ihm so zielstrebig und sicher, weil ich da erst die 1. Infos darüber hatte - so auf seine Probs konzentriert. Unsere Große hatte ja in der Schule nie so Probs.
Sie war ganz anders. Bei ihr dachten wir immer, es wäre die Scheidung von meinem 1. Mann - dann die Pupertät - sie wäre einfach nur extrem bockig - ignorant und respektlos......
Bei ihr wurde ja auch erst letztes Jahr mit 19 ADS festgestellt - nachdem ich drauf drängte.

Mir jetzt aber noch Vorwürfe zu machen .... es würde uns beiden nichts nützen. Ich denke, der Kollege hat ebenfalls alles versucht, was in seiner Macht - und in seinem damaligem Wissen möglich war - genauso wie wir.

Traurig finde ich, dass es immer noch bei so vielen Kindern einfach übersehen wird von Leuten, die es besser wissen müssten - die besser dafür ausgebildet sein müssten. Die Schulen allen voran sollten darüber mehr Bescheid wissen. Wie soll man als Eltern immer sofort da drauf kommen?
Wenn ich mich nicht selbst so in die Sache hineingearbeitet hätte - von Ärzten, Schulen, Therapeuten - wir bekamen einfach nicht die benötigte Hilfe und Information.
Wir mussten alles selbst erarbeiten - dass ist das ganze traurige dran - dass so viele ADSler so lange Zeit unerkannt bleiben.

Bei unserer Tochter sehe ich auch - es ist nun viel schwerer. Sie war auch schon im Alkoholsumpf etc. - aber eben, weil sie nicht diagnostiziert und behandelt wurde.
Ich hoffe inständig, dass sie jetzt mit den Medis alles auf die Reihe bekommt - die Chance dazu hat sie, sie muss sie jetzt nur nutzen.

Und ich gebe Yvonne recht, wir haben bei unseren jüngeren jetzt die Chance, sie wurden noch rel. frühzeitig diagnostiziert - da ist es noch nicht zu spät. Sie können jetzt glücklichere Jugendliche werden - haben hoffentlich nicht mit den ganzen Probs zu kämpfen, die dann schon ein 19 - od. 20j. Jugendlicher hinter sich hat - und damit schwer zu kämpfen hatte.

Und Drogenprobs können auch nicht ADSler bekommen - man hat es leider nicht immer so in der Hand.
Aber wir wissen jetzt immerhin, worauf wir achten müssen - und können alles leichter in die richtigen Bahnen lenken.

Hab Mut und Vertrauen. Ich weiß, wir machen uns alle große Sorgen um die Zukunft unserer Kinder - aber wir müssen auch Vertrauen haben.

LG Rita



von Miss Piggy - am 24.01.2007 07:12
Guten Morgen,

danke fuer Euren lieben Zuspruch. Ich weiss, Ihr habt recht, aber gestern war's mir echt hunde-elend und ich hab mich an das Bett meines Kleinen gesetzt und ihm beim Schlafen zugesehen. das hab ich schon seit Jahren nicht mehr gemacht.

Ich bin gerade im Buero - mein Kollege hat den Rest der Woche frei. Er tut mir sooooo unendlich leid. Als sein Sohn klein war, war ADS vielleicht auch noch nicht so bekannt bei den Aerzten und deshalb hatte er nie eine Chance.

Ich habe viele Studien gelesen, dass Kinder, die rechtzeitig behandelt werden, spaeter die gleiche Wahrscheinlichkeit haben (oder sogar noch eine geringere) mit Drogen in Konflikt zu kommen als nicht-ADS-Kinder. Ich weiss, wir tun das Richtige - und alleine das Wissen, das sie ADS haben, bringt uns einen Vorteil gegenueber meinem Kollegen, der ja fast 20 Jahre lang im Dunkeln tappte und nicht wusste, was mit seinem Kind nicht stimmt. Er hatte also keine Chance, angemessen zu reagieren.

Noch mal danke fuer Eure lieben aufbauenden Worte - das hilft mir sehr. Auch wenn ich ja eigentlich gar nicht diejenige bin, die Trost braucht. Immerhin habe ich mein Kind noch und kann es jeden Tag umarmen.

LG

Karin

von Karin H.S. - am 24.01.2007 09:29
Liebe Karin


Es ist wirklich schrecklich , wie unbehandelte ADHS Kinder leiden.

Bei meinem Sohn 17 ist es auch erst im September letzten Jahres diagnostiziert worden. Auch sehr spät

Was wir jetzt rausbekommen haben, dass er schon länger täglich Speed genommen hat.... das letzte Jahr war so schlimm für alle. Wäre er zeitiger behandelt worden, hätte er den Speed sicherlich nicht bebraucht um die Schule durchzustehen

Jedoch, bin ich mir sicher, dass er jetzt auch noch mit17 sich helfen lassen will. Wir haben, so denke ich in letzter Minute die Kurve bekommen...

Dein Kollege tut mir wirklich wahnsinnig leid, er hat doch wirklich erst zu spät vom ADHS gewusst, hätten wir erst in zwei Jahren von ADHS erfahren, wäre mein Sohn wohl auch bis dahin total abgesackt.

Mir laufen auch die Tränen runter

Du hast ja die Diagnose schon früher erhalten (weiss nicht wie alt dein Sohn ist) und jeh früher desto besser, mach dir keine allzugroßen Sorgen um die Zukunft,du bist ja sehr gut über ADHS informiert.

Ich drück dich mal kräftig

anne

von pralini - am 24.01.2007 09:51
Guten morgen Karin,

musste erst mal mit unserem Hund spazieren gehen, weil ich nicht genau wusste, was ich dir als Trost schreiben kann.

Ähnliche Situationen haben wir auch schon erlebt und man fühlt mit Leib und Seele mit.

Vorwürfe macht man sich immer, hätte, wenn........, dies gehört aber auch zur Trauerbewältigung dazu.

Unseren Kindern können wir nur den Weg bereiten und ihnen behilflich sein, ihnen den Rücken stärken und wenn sie uns brauchen da sein.

Früher hatte ich große Angst vor dem Tod, als sie noch so klein waren, heute ist das nicht mehr so.
Ich weiß, wir haben sie vorbereitet und so weit es geht gestärkt.
Unsere Tochter ist 19J und unser Sohn 16J, klar brauchen sie uns noch, aber der Grundstock ist gelegt.

Manchmal verblüffen sie mich, wenn ich gar nicht mit ihren Reaktionen rechne und sie es super hinkriegen.

Also, was will man mehr. Keiner ist perfekt und aus Niederschlägen, kann man nur wachsen.

Ich schicke dir eine tröstende Umarmung

Hannelore



von HanneM - am 24.01.2007 10:41
Liebe Karin,

ich seh das anders .... natürlich brauchst auch Du Trost.
Warum denn nicht? Es nimmt Dich mit.
1. weil es ein Kollege ist - da fühlt man mit
2. weil es Dir Angst macht - da Du selbst ein ADS-Kind hast
Und das ist ganz verständlich. Wenn man so was hört, dann kriegt man einfach Gänsehaut und ist am Ende.

Es hat mich sehr berührt, wie Du geschrieben hast - Du bist am Bett Deines Sohnes gesessen und hast ihm beim SChlafen zugeschaut.
Ich mache das bei meinem auch sehr oft .... ich hänge wahnsinnig an ihm - gerade weil er so viele Probs hat. Und wenn ich so neben ihm am Bett sitze, da kommen mir auch immer ganz viele Gedanken.
Und dann spürte ich so viel Wärme und Liebe.
Karin - das ist doch unsere Chance. Wir wissen was lost ist - wir geben unseren Kindern den bestmöglichen Start in ein erfolgreiches und glückliches Leben.

Unser Arzt erklärte uns auch, dass frühzeitig behandelte ADS-Kinder weniger Probleme haben mit Drogen oder Alkohol als unbehandelte oder sogar Nicht-ADSler.

LG Rita



von Miss Piggy - am 24.01.2007 10:42
Liebe Karin,

Es tut mir auch sehr leid. Es ist schwer da die richtige worte zu finden.
So weit ich weiss sind kinder, die relativ früh behandelt werden sind weniger von Sucht betrofen. Daran müssen wir uns fest halten.
Ich drücke dich ganz lieb,



von josiane - am 24.01.2007 10:46
An alle, die sich so lieb hier um mich kuemmern,

Ihr habt recht, wir haben den Vorteil, dass wir wissen, was los ist und hoffentlich rechtzeitig gegensteuern koennen.

Mein Sohn ist uebrigens 8 J. alt, wurde letztes Jahr diagnostiziert - noch bevor es irgendwelche Schwierigkeiten (ausser Konzentrationssprobleme in der Schule) gab.

@ Anne: Gott sei Dank will Dein Sohn sich noch helfen lassen. Dann kann man das Ganze sicher gut wieder hinkriegen. Mein Mann (ich denke, er hat auch ADS), hatte in frueher Jugend (12 der 13 - damals noch in den USA) auch Drogenprobleme und er hat die Kurve gekratzt, dank seines Vaters, der hinter ihm stand und mit ihm den Entzug machte.

Der Sohn meines Kollegen hat das Medikinet die Toilette runter gespuelt und ist nicht zu seiner Therapie gegangen. Leider war er da schon volljaehrig und hatte eine eigene Wohnung, so dass mein Kollege so gut wie keinen Einfluss mehr auf ihn hatte.

Bitte drueckt Eure Kinder heute abend besonders fest! Wir koennen nur versuchen, Ihnen klarzumachen, dass wir immer fuer sie da sind und sie immer lieben haben, egal, was passiert.

Wie schaffen es gemeinsam, da bin ich sicher!

Danke

Karin

von Karin H.S. - am 24.01.2007 11:01


Ja das gleiche Problem hatten wir ja auch Karin, er wollte keine Therapie, hat seine Medik. auch nicht genommen und ist dauernd hier ausgetickt, im nachhinein, er nahm ja schon die Drogen als er diagnostiziert wurde. Deswegen wollte er sich nicht helfen lassen und erhlich Karin, ich hätte es ihm nie zugetraut. Der Kinderarzt meinte mal, wir müssen nochmal seine Blutwerte kontrollieren, ¨da wäre was mit den Leberwerten. Von da an wurde es noch schlimmer, ich habe aber da auch noch immer nicht geschaltet, dass er was nehmen könnte, ich bekam ihn dann auch nicht mehr mit zum Arzt.

Er ist von der Polizei erwischt worden, deswegen muss er jetzt gewisse Auflagen erfüllen, ich bin nicht die Jenige die Druck macht.

Ich habe schon ewig nicht mehr mit ihm reden können, so wie jetzt,er sieht alles ein. Er ist so froh, dass er die ganze Familie hinter sich stehen hat.

die Polizei, war zu richtigen Zeit am richtigen Ort, wenn nicht..... ich weiss nicht ob wir es geschafft hätten ihn da raus zu bekommen.....

Deswegen, geht mir dass mit dem Sohn deines Kollegen sehr nahe,

Und zu euch, ja ihr werdet es schaffen, da bin ich mir sicher

Anne

von pralini - am 24.01.2007 11:28
Hallo Anne,

ich hab nochmal Deine Postings nachgelesen - da hattest Du alles geschrieben. Ich hab's damals auch gelesen, aber jetzt noch mal ganz genau.

Ich denke, dass Ihr da eine grosse Krise gehabt habt, aber es sieht fuer mich wirklich so aus, als haettet Ihr nochmal die Kurve gekratzt und Dein Sohn will es auch selbst. So eine Chance hatte mein Kollege leider nicht mehr. Ihr werdet diese Chance nuetzen, da bin ich mir ganz sicher. Ich werde fest an Euch denken und mit mir sicher viele Leute aus dem Forum hier.

Viele liebe Gruesse

Karin

von Karin H.S. - am 24.01.2007 12:40


Ja wir werdens schaffen


Danke dir Karin

von pralini - am 25.01.2007 10:18
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