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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Agnes69, irka

Bin wieder da...

Startbeitrag von irka am 23.01.2007 22:25

nicht, dass sich jemand erinnern müsste...

Letztes Jahr war ich schon mal da. Unser Sohn hat ADHS, auch wenn ich das lange nicht wissen wollte und gehofft habe, alles wird von alleine seinen Weg finden.
Sohni braucht Hilfe, denn sonst geht er unter. Er hat eh' schon wenig Freunde, in der Schule stört er massiv.
Ein geduldiger Lehrer hat es das ganze erste Halbjahr versucht, aber er gibt langsam auf; wer kann es ihm verdenken?
Trotz allem lobt er Sohnis schulische Leistungen, er hört zwar nicht zu (so scheint es ), bekommt aber alles mit, weiss jede Antwort und verfügt über breites Allgemeinwissen. Das höre ich doch gerne.

Auf jeden Fall wollte ich nicht, dass Sohni Ritalin o.ä. bekommt, aber es sieht so aus, als müsste ich mich mit der Tatsache abfinden. ICH habe damit ein Problem.
Hätte er Krebs, würde ich nicht zögern. Schizo, oder?

Vielleicht mag mir jemand was aufmunterndes schreiben, oder wohnt sogar in der Nähe: 59***/Grenze DO/UN?
Ich freue mich über Antworten!

Antworten:

Hallo Iris,

Ich habe zwar - glaube ich - noch nichts von Dir gelesen (bin seit Oktober dabei) aber auf jeden Fall WELCOME BACK!

Das mit den Vorbehalten gegen die Medis kennen viele hier. Immerhin läuft MPH ja unter "Suchtgift". Da stellen sich schon bei dem Gedanken, das einem Kind zu geben, die Haare auf.

Und doch - jeder hier, der sich schließlich darauf eingelassen hat, hat unter dem Strich nur Gutes zu berichten.

Natürlich gibt es auch immer wieder Stolpersteine, weil jedes Kind individuell eingestellt werden muss. Was bei der Auswahl des Präparates und der Dosierung für EIN Kind ideal ist, kann für ein anderes ganz verkehrt sein.

Und auch durch Wachstum und andere Veränderungen kann es nötig sein, sich wieder neu zu orientieren.

Aber sobald man da den richtigen Weg gefunden hat, merkt man, wie es den Kindern hilft. Sie werden nicht ruhiggestellt, sondern sind endlich von der Wahrnehmungs- und Impulssuppe, in ihrem Kopf befreit, sodass sie selbst entscheiden können, worauf sie sich konzentrieren.

Sie werden auch von ihren Gefühlen nicht mehr so gebeutelt. Sie lassen sich weniger leicht in Harnisch bringen und können gelassener reagieren.

Der Frust durch Misserfolge und ständige Kritik am Benehmen (vor allem in der Schule) weicht Erfolgserlebnissen und Lob, was motiviert, sich weiter zu bemühen.

Durch die Medikamente bekommt das Kind eine Chance, Strategien dafür zu lernen, mit den eigenen Besonderheiten umzugehen, sodass mit der Zeit die Möglichkeit besteht, die Medis zu reduzieren.

In der für Kinder üblichen Menge macht MPH nicht süchtig, das merkt man daran, dass die Kinder leicht darauf vergessen. Eine bei ADSlern häufige Neigung, zu Suchtmitteln zu greifen, wird sogar abgefangen.

Im Fall, dass es gar nicht passt, kann die Therapie ganz schnell abgebrochen werden, weil eben keine Abhängigkeit entsteht. Auch die Wirkung der einzelnen Tablette ist nach ein paar Stunden komplett weg. Die Entscheidung für die Medikamente ist kein unumkehrbarer Schritt.

Die Schauermärchen über Langzeitfolgen der Medikamente sind entweder auf Uninformiertheit zurückzuführen, oder sogar gezielt in Umlauf gebracht, weil allerlei selbsternannte Wunderheiler oder Vertreiber von (wirkungslosen) Wundermittelchen eine Geschäftseinbuße befürchten, wenn ADS-Patienten tatsächlich geholfen wird.

So, jetzt habe ich Dir ein Ohr abgequatscht (bzw. ein Auge abgeschrieben), aber ich wollte Dir einfach ein Arsenal an Argumenten gegen das schlechte Gewissen geben.

Wenn Du dann wirklich bereit bist, es zu versuchen, wäre es nämlich gut, wenn Du mit einer positiven Einstellung an die Sache herangehst. Das hilft auch Deinem Kind.

Nur Mut!

Lass uns wissen, wie es weiter geht!

Alles Liebe für Dich und Deinen Sohn!
Agnes

von Agnes69 - am 23.01.2007 23:08
Guten Morgen!
Danke Agnes!
Es ist halt so, dass ich schon weiss, dass es wohl eine große Hilfe für ihn sein wird.
Es fällt mir nur so unendlich schwer. Der Wunsch einer jeden Mutter, dass ihr Kind "normal" aufwächst, ist bei mir halt geplatzt.
Sohni ist zum Glück kein schwerer Fall.
Ich gehe nächste Woche zu einer Elterninitiative, bin gespannt, was es dort gibt.



von irka - am 24.01.2007 07:02
Liebe Iris!

Nee, unsere Kinder sind nicht "normal". Leider! Oder: Zum Glück! - ?

Sie sind faszinierend, außergewöhnlich, nervtötend, überraschend, superanstrengend, herzerwärmend, wunderbar, originell, hilfsbedürftig, stark, völlig daneben, goldrichtig, ein Rätsel, eine Antwort, eine Herausforderung, ein Geschenk, genial, zum durch-Sonne-Mond-und-Sterne-schießen, zum Fressen, unerträglich, unentbehrlich - einfach etwas Besonderes!

Ich wünsche Dir, dass Du diese - wirklich ziemlich heftige - Umstellung der Erwartungen für Deinen Sohn gut verdauen kannst, und schließlich mit viel Zuversicht in das spannende Abenteuer einsteigst, ein ADS-Kind durchs Leben zu begleiten.

Ihr schafft das!
(Deine Signatur ist super!)

Liebe Grüße
Agnes

von Agnes69 - am 24.01.2007 16:01
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