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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
AnJu, Michaela#, quikie, phantom96, Monkele, Miss Piggy, AngelaN

ADS und Lernförderschule

Startbeitrag von AnJu am 29.01.2007 01:43

Hallo Ihr Lieben,

die meisten Kinder mit ADS/ADHS haben ja einen IQ von 80-100% oder sind sogar Hochbegabt. Meine Tochter liegt so im Bereich von 70% (wurde vor der Medigabe mit MPH getestet), also Lernbehinderung und somit Lernförderschule.

Ich bin sehr froh, daß die Kipsy es mit Medis versucht hat, und mit Erfolg! Was ist dann eigentlich eine Minderbegabung? Das macht mir Angst, denn wenn meine Tochter in den Bereich fallen würde, spräche man ja nicht mehr von ADS und es gäbe auch keine Medi........

Wird der IQ-Test wiederholt durchgeführt?

Kennt Ihr Kinder, die in eine Lernförderschule gehen?

Bei Legasthenie und Dyskalkulie wird ja auch ein IQ von 80-100% angenommen, wer darunterfällt hat dann zumindest eine Lernbehinderung. OK, meine Tochter kann weder besonders gut mit Zahlen noch mit Buchstaben..... Aber seit den Medis geht es aufwärts.

Vielleicht kann jemand Antworten, würde mich freuen.

Andrea

Antworten:

Ugh, Andrea,

wo um Himmels Willen wart ihr denn?

ADS gibt es in allen IQ-Bereichen!

Mein Großer ist überdurchschnittlich begabt und hat es, mein Kleiner eher unterdurchschnittlich und hat es.
Der eine geht aufs Gymnasium, der andere (und zwar zu Recht) auf eine Förderschule Lernen, beide kriegen Medikamente!

Dann ist es so, dass Kinder VOR MPH ihr Potential oft überhaupt nicht nutzen können und viel schlechter abschneiden als sie eigentlich könnten.
Da dies vor allem bei in Wirklich gut bis hoch begabten auffällt, geht sogar das Gerücht um, ADSler seien in der Regel überdurchsschnittlich begabt.
Jedenfalls sind ADSler fast immer wesentlich intelligenter als die Noten (vor MPH jedenfalls) vermuten lassen....

Legasthenie und Dyskalkulie sind wieder zwei extra Sachen, die aber bei ADSlern häufiger auftreten als bei Normalos. Beides hat nichts mit Intelligenz zu tun, es kann aber genauso sein, dass ihre bisherigen Schwierigkeiten schlicht und einfach auf mangelnde Konzentration zurückzuführen sind.

Also: erst mal tief durchatmen, gucken, wie es mit Medis ist, und dann weitersehen.
Und falls sich tatsächlich eine Minderbegabung herausstellen sollte, auch das überlebt man.

Noch was: die Medis sind nicht vom IQ abhängig, allerdings wird eine spezielle Legasthenie- oder Dyskalkulietherapie nur dann vom Jugendamt übernommen, wenn der IQ mindestens normal ist.
Außerdem sind IQ und Schulform nicht so genau zuzuordnen.
Jemand mit relativ niedriger Intelligenz, aber guter Konzentration und gutem Arbeitsverhalten kann ein durchschnittlicher Hauptschüler sein, während ADS, schlechtes Arbeitsverhalten, oder Teilleistungsstörungen jemanden mit der gleichen Intelligenz auf der Hauptschule völlig überfordern...
Lass dich erst mal nicht kirre machen, schau, wie es mit Medis wird, da gibt es zuweilen große Überraschungen, bis hin zu Fällen, in denen Kinder, die auf die Sonderschule gehen sollten, auf dem Gymnasium gelandet sind.

Viele Grüße

Michaela

von Michaela# - am 29.01.2007 06:33
Hallo Andrea,

unser Junior wurde von einer Schulpsychologin getestet. Sein IQ wäre demnach auch in eine Lernbehinderung gefallen. Ein Rektor der Förderschule hat ihn 10 Min. getestet und meinte dann, Sonderschule - und zwar wirklich Sonderschulzweig - nicht mal Förderzweig und dann eine Ausbildung in einer Behindertenberufsschule als Handwerker etc. - denn zu mehr wäre er wohl nie fähig - er wird über den Behindertenstatus nicht raus kommen.

Da wir das nicht glauben konnten, weil er uns gar nicht den Eindruck machte - haben wir ihn ja zum Glück noch in einem Kinderzentrum vorgestellt.

Dort ist der Test ganz anders ausgefallen - von Lernbehinderung keine Spur. Seit letztes Jahr bekommt er Medis und siehe da, er schreibt 1er - 2er und ab und an mal 3er.
Aus einem lernbehinderten Kind wurde teilweise in manchen Bereichen der Klassenbeste!!

Lass Dich nicht verrückt machen. Der IQ sagt oft gar nicht so viel aus. Bei uns sieht er nun mit Medis wieder ganz anders aus....

Es ist ja so, das sich unsere ADSler oft (bei uns zumindest so) ohne Medis einfach nicht Konzentrieren können - dadurch auch viele Therapien fehl schlagen.
Mit Medis geschehen oft dan wahre Wunder - so wie bei uns.

Und wenn es bei Euch durch die Medis auch schon bergauf geht, dann freue Dich - denn Du wirst sehen, dann kommen noch mehr Erfolge.

Und ich gebe Michaela recht - ADS können hochbegabt sein - aber auch minder begabt - was sich aber durch Medis alles relativieren kann.

Und wie ich es hier aus dem Forum oft schon gemerkt habe - es ist nicht immer ein Segen hochbegabt zu sein, das heißt noch lange nicht, dass die weniger Probs haben - im Gegenteil. Andere können jedoch durch die Hochbegabung manches ausgleichen. Aber es kommt immer auf den Einzelfall an.

Das ist ja das Fatale, dass die meisten Schulpsychologen und auch viele Kinderärzte meinen, wenn ein IQ niedrig ausfällt - dann kommt ADS nicht in Frage, dann reicht es das Kind in die Förderschule zu geben und alles wird gut.
Ich kenne etliche Fälle im Bekanntenkreis, wo es aber nicht gut wurde - zum Teil schlimmer, weil dort das ADS ja auch wieder keinerlei Beachtung bekommt und nicht behandelt wird.

ADSler gehören, wenn die Medi-Gabe mit geeigneten Therapien Erfolg zeigt nicht auf die Förderschule. Dies ist meine eigene Meinung.

LG Rita



von Miss Piggy - am 29.01.2007 06:44

Re: ADS und Lernförderschule - Nachtrag

Ich kenne sogar einen Jungen, der auf einer Schule für geistig Behinderte ist (eigentlich normal, aber leider -möglicherweise aufgrund von Frühgeburt - hat er mit Lesen, Schreiben und Rechnen Probleme, aber vor 200 Jahren hätte ihn keiner als geistig behindert bezeichnet, denn mündlich und praktisch ist er ganz normal, nur eben die Kulturtechniken.....), der auch MPH kriegt.
ADS hat er nämlich trotzdem.

Natürlich muss man Über- und auch Unterforderung ausschließen, denn beides kann ADS-ähnliche Symptome verursachen, aber es gibt keine Intelligenzgrenze für ADSler.

Viele Grüße

Michaela

von Michaela# - am 29.01.2007 07:25
Hallo Andrea,

was hier auch ganz wichtig ist und nicht vergessen werden darf:

Das Ergebnis so eines Intelligenztestes hängt sicherlich auch von der Person des Testers und auch davon ab, ob die "Chemie" zwischen dem Tester und dem Kind stimmt.

Ebenso ist sicher auch die Tagesform des Kindes wichtig.

Deshalb würde ich, wenn der IQ für Behandlungen oder Schulformen wichtig ist auf einem zweiten Test bestehen, bei einer anderen Person, die evtl. auch mit dem schulischen Bereich nichts zu tun hat. (Um Voreingenommenheit auszuschließen:)).

Ansonsten kann ich mich den anderen nur anschließen.

Alles Gute für Euch

Monkele

von Monkele - am 29.01.2007 16:21
Hallo Andrea!
Ich bin zwar noch neu hier aber vielleicht kann ich dir etwas Helfen.
Bei meinem Sohn Lukas(7) wurde schon im KIGA ein IQ-Test gemacht bei dem ein Wert von ca.80 bei rum kam. Vor ein paar Wochen wurde wieder ein Test gemacht und bei dem lag er bereits bei 90. Ich habe gelesen das ADS Kinder bei solchen Test meistens schlechter abschneiden weil die Test etwa 1,5 Stunden oder länger dauern und wenn sich ein Kind eh nicht konzentrieren kann ist es ja auch nur verständlich wenn sie schlechter abschneiden. Mein Sohn geht in die 2. Klasse und hat viele Probleme beim Lernen weil seine Konzentration und sein Sozialverhalten schlecht sind. Wir haben uns jetzt dazu entschlossen nachdem wir vor ca. 2 Wochen die Diagnose ADHS bekommen haben mit Medis anzufangen, ich denke das es nächste Woche los geht. Ich hoffe das seine Probleme dann soweit in den Griff zu bekommen sind das er weiterhin auf der normalen Grundschule bleiben kann. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um seine Zukunft.
Aber nochmal auf das Tema kommend: ADS Kinder sind nicht blöd sie können nur nicht so wie sie vielleicht wollen das mit der Förderschule würde ich für mich als letzten ausweg sehen. Und so ein IQ-Test was sagt der schon aus?!
Lg Angela

von AngelaN - am 29.01.2007 19:48
Hallo zusammen
IQ Test sind meineserachtens manchmal nicht relevant ,wenn ich bedenke das mein zweiter den sagenhaften Wert von etwas über 50 im Kiga geschafft hat. Er ist auf einer normalen Grundschule und nevt mich zurzeit mit ständigem Buchstabieren. Im rechnen macht er alle nass. Und 90 ist doch ein annehmbarer Wert ,oder nicht?
Ich kann dazu definitiv sagen das bei meinem
a: der Zeitpunkt unglücklich war
b: das Kind keinen Bock hatte
c: Hunger
d: zu laut
e: er zu krativ war
Quikie

von quikie - am 29.01.2007 20:15
Hallo,

Ich denke auch, man sollte diesen IQ Werten nicht so viel Bedeutung geben.

Wichtig bei diesen Tests ist es doch zu sehen in welchen Bereichen das Kind Defizite hat und nicht welcher Durchschnittswert daraus ermittelt wird.

Mein Sohn ( 10 ) hat 2x den K-ABC und 1x den Hawik 3 gemacht und jedesmal waren die Werte so unterschiedlich daß keiner mehr so richtig durchblickt.
Das einzige was wir jetzt wissen ist, daß er eine Wahrnehmungsstörung im visuellen Bereich hat, denn da waren die Testergebnisse immer gleich schlecht.

Wichtig ist auch, daß bei einer Wiederholung des IQ- Tests ein Zeitabstand von mindestens 6 Monaten liegen soll .

Eine voraussichtliche Schullaufbahn lässt sich mit dem IQ Wert allein auch nicht vorhersagen.

Ein " unterdurchschnittliches " Kind kann mit Fleiß und Ausdauer ein Gymnasium bewältigen, genauso wie ein begabtes Kind auf der Förderschule landen kann weil die Lehrer möglicherweise überfordert sind.

@ Andrea
Lernbehinderung ( Minderbegabung ) und ADHS schließen sich nicht aus
bei geistiger Behinderung wird ADHS ausgeschlossen weil geistig Behinderte oftmals ADHS- Symptome aufweisen ohne ADHS zu haben. Das ist meines Wissens aber erst bei einem Wert unter 50 der Fall.

LG
Biggi

von phantom96 - am 30.01.2007 11:17
Hallo Biggi,

hab' mich über Deinen Beitrag gefreut.
Meine Tochter war vor der Medigabe eben im Grenzbereich zwischen "Lernbehinderung"-(IQ von 60-80)und "Leichter geistiger Behinderung"(wäre unter 60). Es wurde der K-ABC-Test gemacht. Zu dem Zeitpunkt war sie aber weinig anstrengunsbereit und wenig ausdauernd sowie ständig in Gedanken. Ihr Instruktionsverständnis war damals auch wesentlich schlechter als heute. Na ja ich bin sehr froh, dass es ihr nun besser geht. Egal was sie für einen IQ hat. Aber die Schulen nehmen es ja ganz genau und ich hatte einen harten Kampf mit den Team von 2 Schulen, denn sie sollte in eine Schule für Geistig Behinderte!!!!!

Zum Glück stand uns die Kipsy zur Seite, damit hatte ich ja eine Aussage vom " Fachmann", und da in der Psychologie alles nicht so "Schwarz und Weiß" gesehen wird, konnte sie dann zum Schluss in der Lernförderschule bleiben. Leider hatte sie durch das ganze Szenario ( Probebeschulung an der G-Schule, 10 Wochen) viel verpasst, deshalb wiederholt sie jetzt die 1. Klasse.

Ich war halt durch diese Sache auch psychisch total am Ende,
muß mich auch ständig positiv ausrichten. Nach der Sache fragte ich mich eben- was es mit Minderbegabung auf sich hat, weil J. kaum ein Gebiet hat- wo sie besondere Stärken zeigt.
Die Symptome von ADS hat sie aber auf alle Fälle, und ich bin Sicher, eine Medi-gabe zu früheren Zeitpunkt wäre ihrer Entwicklung dienlich gewesen. Ich gebe dem Kinderarzt eindeutig die Schuld!

Gerade auch durch dieses Forum habe ich die Hoffnung, dass es mit ihr doch noch alles gut wird. Denn in einer G-Schule hat man ja keine Chance auf ein normales Leben, man kommt in eine Behindertenwerkstatt-da man ja keinen Abschluß hat, eigentlich kaum eine Bildung. Kein Führerschein und das alles, ich fand diese Aussicht echt katastrophal! Zudem sieht meine Tochter völlig normal aus und benimmt sich oft besser als Grundschüler.

Danke, dass Ihr alle mir Mut macht!!!!

LG Andrea

von AnJu - am 31.01.2007 11:33
Hi Quikie,

na Gratulation, daß Dein Sohn in der Grundschule so gut zurecht kommt- nach dem Test im Kiga!

Also manchmal fehlen einem die Worte.

Allerdings war meine J. schon immer stark entwicklungsverzögert, ich befürchte in der Grundschule wäre sie untergegangen. Aber dass unser damaliger Kinderarzt mein Ansinnen im Bezug auf ADS ignoriert hat, finde ich ganz schlimm. Ihr hätte damals wirklich geholfen werden können....

Alles Gute Euch!
Andrea

von AnJu - am 31.01.2007 11:40
Hallo Andrea,

ich habe vorhin das Zeugnis meines Sohnes, der auf der Lernhilfeschule ist, gekriegt.
Vorher war er ja wegen erheblicher Wahrnehmungsstörungen und Problemen in der Motorik, verbunden mit den ADS-Schwierigkeiten mit Impulskontrolle und Aufmerksamkeit auf einer Schule für Körperbehinderte (keine für geistig Behinderte, aber die meisten Schüler dort sind lernbehindert, und sie sind sehr langsam fortgeschritten).
Nach den Osterferien ist mein Sohn dann hier auf die Lernhilfeschule gekommen, weil sich die Schwierigkeiten dank Therapie etc ein wenig gebessert haben, und ich bin echt erstaunt, welche Fortschritte mein Sohn hier gemacht hat. Anscheinend ist auch sein Ehrgeiz geweckt.

Auf der Sonderschule können Kinder auch den HS-Abschluss machen, und das scheint bei seiner derzeitigen Entwicklung durchaus machbar.

Ach ja, die Sonderpädagogische Überprüfung empfahl die Einschulung auf die Körperbehindertenschule, die Bezirksregierung, die das genehmigen musste, weil die KB-Schule in einem anderen Bundesland war, wollte ihn auf eine Schule für geistige Förderung packen...was bin ich froh, dass ich kämpfen kann *schief grins*.

Denn es ist nun mal so, dass eine G-Schule keinerlei Abschlüsse vergibt.

Aber ihr seid ja noch ganz am Anfang, da ist es drin, dass die Möglichkeiten deines Kindes viel höher sind, als dieser Intelligenztest ohne Medis es vermuten lässt.

Viele Grüße

Michaela

von Michaela# - am 31.01.2007 13:11
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