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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
steffi müller, Miss Piggy, Agnes69, s_1810

Hallo ich bin auch neu

Startbeitrag von steffi müller am 02.02.2007 18:06

Hallo,
Mein name ist Steffi ich bin 22 Jahre alt und mein Sohn Tobias wird im Februar 4.
ich hab die diagnose ADHS vor 2 wochen nach langem hin und her mit der Ärztin und dem Kindergarten bekommen. Wir hatten nie Probleme in dem sinn, bis Tobi 2005 in die große Gruppe der Kita wechselte, von diesem Tag an ging es immer weiter bergab. Tobi wurde trozig , beteiligte sich an nichts mehr und verlor eigendlich den anschluß. Warum er sich dort plötzlich so veränderte ist im moment auch noch nicht geklärt.
Ich fühl mich Seitdem nicht sehr gut ich bin Ehrlich. Ich hab nie gedacht das die entwicklungsrücksände durch das so enorm sind. mir hat es echt den boden unter den füßen weggezogen. Ich hab immer gedacht du bist Junge mutter du schaffst das schon.
Mein problem das die Kinderärtin der Meinung ist ich wäre daran Schuld das mein Kind krank ist. ich hab vor 1,5 Jahren meine Ausbildung angefangen und bin auch jeden tag 12 Stunden außer haus aber ich dachte tobi und Mein partner (34) und ich schaffen das. Leider wurden wir eines besseren Belehrt.
Tobias muß jetzt zum Psychologen wo jetzt nochmal genau getestet wird wo Förderungsbedarf besteht und wie lange. Auch ob eventuell Medikamente unterstützen sollen wird dann dort geklärt.
Mir macht das so Angst vor der zukunft , die Wutausbrüche und seine art bringen mich zur Verzweiflung

Habt ihr ein paar Tips für mich wie ich das jetzt weiter machen soll? was ist jetzt für die erziehung wichtig?

Danke im Vorraus

LG Steffi

Antworten:

Liebe Steffi,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum.

Es ist schön, dass Du Dir Gedanken um Dein Kind machst - Dich gut informierst. Das ist nun mal das allerwichtigste.

Lass Dich nicht von der Erzieherin runterziehen. Da ihr ja die Diagnose erhalten habt - nun wisst, dass sein Verhalten und die Entwicklungsrückstände vom ADS kommen - kannst Du beruhigt sein, dass Du nichts dafür kannst.

ADS ist eine Stoffwechselerkrankung - die Neurotransmitter im Gehirn arbeiten nicht so, wie bei einem Nicht-ADS-Menschen.
Das heißt, dass Euer Sohn diese Krankheit seit seiner Geburt hat - also musst Du Dir keine Schuldzuweisung machen.

Warte nun das Gespräch beim Psychologen ab, er wird Euch sicher raten, wie es weiter gehen soll. Da er noch so klein ist, weiß ich nicht, ob der ARzt hier gleich Medikamente verordnen wird- evtl. kann man jetzt noch mit anderen geeigneten Therapien arbeiten.

Wichtig ist, dass Du Dich so gut wie nur möglich über ADS informierst.
Und dass Du sein Verhalten - auch wenn er mal provokant ist - nicht persönlich nimmst. ADSler können sehr verletzende Dinge sagen oder tun (ich weiß das - ich habe 2 von der Sorte ;-) )
aber sie meinen es nicht böse. Sie tun es nicht absichtlich - nur durch die Impulskontrollstörung haben sie das oftmals einfach nicht im Griff.

Uns haben auch sehr viele Leute - darunter Erzieher, Lehrer, Verwandte und Bekannte versucht einzureden - es läge wohl nur an der Erziehung.
Als allerdings sämtliche Therapien nichts brachten, darunter auch eine Verhaltenstherapie, waren auch Spezialisten mit dem Latein am Ende - bis letztes Jahr die Diagnose ADS gestellt wurde.
Seitdem geht es bei uns bergauf.

Aber auch uns sitzen die Schuldzuweisungen noch immer drin - wir sind immer noch am Verarbeiten.
Aber wir wissen nun zum Glück, dass es einfach eine Krankheit ist - für die niemand etwas kann.

Ich lege Dir ans Herz, dass Du mal ein paar Bücher über ADS liest. Besonders hat uns das A.D.S. - Buch für Kinder etwas gebracht - aber auch das Buch von Dagmar Dietz. Schau mal links zu der Spalte unter Buchtipp - da werden einige gute Bücher vorgestellt (man kriegt die immer wieder günstig gebraucht in Internet-Auktionsh.).
Und lese Dich hier quer durchs Forum.

Ganz wichtig ist, dass Du sehr konsequent bist - feste Strukturen und Regeln aufstellst. Dafür sorgst, dass er nicht zu sehr mit versch. Reizen überflutet wird. Gut kann man auch mit einem Belohnerplan arbeiten - besser als mit Bestrafung, auf die sie ab und an eh nicht mehr reagieren, weil sie so viele Bestrafung und Beschimpfung über sich ergehen lassen müssen - meist angefangen eben schon im Kindergarten. Irgendwann stumpften unsere da total ab.

Wenn Du nach ganz spezielle Fragen hast - stell sie gerne. Du wirst hier immer jemand haben, der Dir gerne versucht zu helfen.

LG Rita



von Miss Piggy - am 02.02.2007 18:36
wIE MACHST DU DAS ABENDS MIT DEINEN kINDERN WENN DU SIE INS BETT BRINGST? bei unserem ist das täglich ein drama und wir haben seit fast 3 Jahren nich mehr durchschlafen können.
Momentan ist grad wieder die Höle los hier mein sohn rennt schreiend und wütend durch die wohnung und beschimpft mich :(

von steffi müller - am 02.02.2007 19:05
Ich habe jetzt nicht mehr so das Problem. Meine ältere Tochter ist mittlerw. 19 Jahre alt - sie war früher ein Träumerchen und wurde erst in der Pupertät richtig hyperaktiv und sehr schwierig - da half fast nichts mehr - Regeln einhalten konnte sie gar nicht. Wir wussten aber damals noch nichts über ADS und sie wurde auch erst letztes Jahr diagnostiziert. Bei ihr habe ich immer die Schuld bei mir gesucht - aber nie eine Antwort gefunden.

Unser jüngster wollte auch nie freiwillig ins Bett - kam zig mal wieder raus.
Er muss um eine bestimmte Uhrzeit im Bett liegen - fertig umgezogen - gewaschen und Zähne geputzt. Dann lese ich ihm noch was vor - er mag das auch zum Glück noch mit 10 Jahren ;-) und danach darf er entweder selbst noch lesen - oder als er selbst noch nicht lesen konnte durfte er eine Kasette hören.

Da er meist versucht hat mit "ich hab Durst" noch Zeit zu schinden - dann meist vor dem Fernseher etc. noch mal stehen blieb - dann wieder das Theater von vorne - habe ich einfach eine Wasserflasche an sein Bett gestellt - nun gibt es da keinen Grund mehr noch mal aufzustehen.
Als er noch ganz klein war und überhaupt nicht alleine einschlafen wollte, saß ich meist daneben - es ging einfach schneller als zig mal rein-raus-rein-raus. Da haben zwar viele gesagt, ich verziehe ihn, aber es war besser für unser aller Nerven. Er brauchte das wohl einfach. Wenn ich ihn sanft massiert habe, etwas gekrabbelt oder einfach über sein Haar gestrichen wurde er meist ganz ruhig und ist rel. schnell eingeschlafen.

ADSler kommen nun mal Abends nur schwer zur Ruhe - unserer hatte auch Abends viele Ängste früher, vieles hat er Abends verarbeitet. Da brauchte er einfach jemand an seiner Seite. Oft habe ich festgestellt, dass er einfach jetzt noch kurz jemand zum Reden braucht um den Tag noch mal zu verarbeiten, was so alles war.

Und wichtig war bei unseren Kindern immer, dass Abends rechtzeitig der Gang runter geschaltet wurde - keine zu wilden Spiele mehr - möglichst kein Besuch (was jetzt aber alles geht bei uns) auch drauf achten, was im Fernsehen geschaut wird - auch Kindersendungen können zu viele Reize haben, die den Kindern gerade Abends nicht mehr gut tun.
Wir haben dann oft was "leises" gemeinsam gespielt, so kam er schon mal etwas runter.

Und dann natürlich keine all zu vielen Ausnahmen, die Zeit sollte schon immer gleich sein und eingehalten werden. Wenn er öfter dann mal "ausnahmsweise" noch schafft Zeit zu schinden, beginnst Du am anderen Abend meist wieder von vorne.

Ich kann Dich nur trösten, je älter sie werden, umso einfacher. Wenn er mal lesen kann, dann ist oft schon viel gewonnen. Eine Bekannte macht es auch so, der muss auch zur bestimmten Zeit ins Bett, darf aber noch lesen, lesen beruhigt und macht müde.

Versuch mal einen Belohnerplan mit ihm gemeinsam zu erstellen - den hängst Du dann wo auf, z.B. Küche etc. Für jeden Tag, wo er pünktlich im Bett ist ohne Gemaule und Gezeter, bekommt er einen Punkt. Mach eine überschaubare Zeit aus - anf. am besten mal eine Woche. Und für gesammelte Punkte kann er sich was aussuchen, z.B. dann mal eine viertel Stunde länger aufbleiben, oder am Samstag mal eine halbe Stunde. Oder ein Zoobesuch, etc. was halt so möglich ist und was ihn interessiert. Oder auch mal eine zusätzliche Kindersendung schauen. Schaffe ihm Motivationsanreize, vielleicht macht ihm dies auch Spaß. Wir haben mit Hilfe des Belohnerplanes so einiges geschafft. Und er war immer ganz stolz, wenn er viele Punkte gesammelt hat.
Das hilft wirklich mehr als schimpfen und bestrafen. Denn ADSler reagieren leider ja auf Regeln sehr eigen - und auf Druck reagieren sie mit Gegendruck.

LG Rita



von Miss Piggy - am 02.02.2007 21:15
Versuche gerade diesen Punkteplan auszuarbeiten. Er ist halt noch ziemlich klein und ich weiß nich ob er das ganze verstehen wird! ich hab mir überlegt ich mach das mit Bienchen......
Danke für die tipps ich denke mal wenn der ganze schock verarbeitet sein wird geht das auch besser!

von steffi müller - am 03.02.2007 09:45
Hallo Steffi,

ich habe die Erfahrung gemacht, je jünger, um so mehr Spaß macht es den Kindern, umso motivierter sind sie dabei.

Und darfst nur nicht zu viele Bienchen sammeln lassen für einen Wunsch. Es muss überschaubar sein. Ich habe das je nach Aktivität gemacht - mal mehr, mal weniger Punkte. Dies haben wir vorher auf einem Vertrag fest ausgemacht - wichtig fand ich, dass wir ihn gemeinsam ausgearbeitet haben.
Natürlich war meiner schon etwas älter - und Du darfst Dich da nicht auf Endlosdiskussionen einlassen. Überlege im Groben schon vorher, in welche Richtung Du selbst es haben willst, mache ihm dementsprechend Vorschläge - präsentiere es ihm quasi als seinen Plan.

Ob es nun Punkte, Bienchen, Sternchen etc. sind, ist ja egal.
Wir haben dafür Smilie-Aufkleber werwendet.
Die durfte er sich selbst aussuchen.

LG Rita



von Miss Piggy - am 03.02.2007 10:53

Schlechte mutter

Nachdem ich hier ja nun schon viele Tipps bekommen habe und diese momentan auch versuche umzusetze ist mir glaub trotzdem gestern das unverzeilichste passiert.
Mir ist gestern abend die Hand ausgerutscht und ich hab meinem 3 Jährigem kind ne Ohrfeige verpasst!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
mir sind einfach die Sicherungen durchgeknallt. Erst beleidigt er mich, dann beißt er und letzdenendens hat er mich getreten!!
Ich fühl mich so scheiße er kann doch nichts dafür.

Seit gestern abend redet mein Kind nich mehr mit mir, das tut mir weh :( Ich hab mich entschuldigt ihm das versucht zu erklären. Ich wäre ne Blödmama sagt er. :(

Ist euch das auch schon Passiert? Ich weiß nicht so recht im moment wie sich das in zukunft vermeiden lässt

Lg steffi

von steffi müller - am 05.02.2007 07:15

Schlechte mutter

Nachdem ich hier ja nun schon viele Tipps bekommen habe und diese momentan auch versuche umzusetze ist mir glaub trotzdem gestern das unverzeilichste passiert.
Mir ist gestern abend die Hand ausgerutscht und ich hab meinem 3 Jährigem kind ne Ohrfeige verpasst!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
mir sind einfach die Sicherungen durchgeknallt. Erst beleidigt er mich, dann beißt er und letzdenendens hat er mich getreten!!
Ich fühl mich so scheiße er kann doch nichts dafür.

Seit gestern abend redet mein Kind nich mehr mit mir, das tut mir weh :( Ich hab mich entschuldigt ihm das versucht zu erklären. Ich wäre ne Blödmama sagt er. :(

Ist euch das auch schon Passiert? Ich weiß nicht so recht im moment wie sich das in zukunft vermeiden lässt

Lg steffi

von steffi müller - am 05.02.2007 07:40

Re: Schlechte mutter

Hallo Steffi,

bitte mach dir jetzt nicht allzu viele Vorwürfe.

Meine Tochter kann extrem gut provozieren und wird auch mir gegenüber manchmal gewalttätig.

Ich weiß, dass das jetzt bei einigen auf Unverständnis stoßen wird, aber das was dir passiert ist, ist nicht allzu schlimm... Ich habe genau die gleiche Situation gehabt und auch mit unserem Kipsy drüber gesprochen, weil ich mir wahnsinnige Vorwürfe gemacht habe.

Ich habe mit meiner Tochter später (als wir uns alle beruhigt hatten) darüber gesprochen und mich entschuldigt - ihr aber auch erklärt, warum es dazu kam. Klar, sie hat ADS und kann sich häufig nicht kontrollieren. Aber es gibt auch hier Grenzen, die die Kinder nicht überschreiten sollten. Und es kann auch nicht sein, dass dein Kind dich körperlich angreift und du völlig ruhig bleibst, denn reden hilft in so'ner Situation bei uns nichts mehr. Das verstärkt eher noch.

Unser Psychologe meinte, es wäre alles ok wie ich das gemacht habe. Nicht die Ohrfeige, die sollte natürlich nicht zur Regel werden. Aber die Reaktion hinterher...

Und ADS - Kinder sind ja normalerweise auch nicht nachtragend - dein Sohn wird also von einer Ohrfeige jetzt keinen Schaden nehmen.
Und mal ehrlich, früher haben wir wohl öfters mal eine bekommen... und ich würde mich jetzt nicht als schwer gestört bezeichnen deswegen.

Keiner kann von dir verlangen IMMER die Nerven zu behalten. Das versuche ich in 98% der Zeit, aber irgendwann kommt ein Punkt, da ist es nicht mehr möglich - und das ist auch nur menschlich!

Mach dir bitte keine Vorwürfe deswegen, sondern lerne für das nächste Mal daraus: denn auch die Ohrfeige nützt nix und ändert sein Verhalten nicht. Ist ja auch nur ein Zeichen, dass du grade nicht mehr weiter wußtest. Das passiert vielen!

LG
Sabine

von s_1810 - am 05.02.2007 08:45

Re: Nix "schlechte Mutter" - Mensch!

Hallo Steffi,

Jetzt atme mal tief durch! Unverzeihlich ist gar nix.

Nur, damit Du weißt, mit wem Du es zu tun hast: ich habe drei Kinder im Alter von bald 6 bis bald 10. Wir alle haben (wahrscheinlich) ADS. Der Älteste ist ein "Hypie", diagnostiziert und erfolgreich auf Medis eingestellt, die Jüngste (eher Träumerchen, aber ohne Kontrolle über ihre Emotionen) wird wohl auch welche brauchen, die Mittlere kann sich wahrscheinlich auch ohne managen.

Ja, auch mir ist das schon passiert. Und mehr als einmal. Gott sei Dank ist das letzte Mal jetzt schon eine gute Weile her. Was mir am meisten geholfen hat, waren einfach Alternativen, was ich sonst tun kann.

Natürlich ist Gewalt nicht die Lösung - wissen wir inzwischen alle. Abgesehen davon, dass wir unseren Kindern dadurch ein schlechtes Beispiel für den Umgang mit Emotionen geben, bringt es einfach erfahrungsgemäß rein gar nichts. Durch Schläge ist noch keiner ein besserer Mensch geworden. Klar kann man ein Kind so misshandeln, dass es sich nicht mehr aufmucken traut, aber das steht wohl außer jeder Diskussion.

Ganz wichtig und richtig finde ich es, dass Du Dich entschuldigt hast. Dein Kind muss unbedingt verstehen lernen, dass auch Du nur ein Mensch bist, der nicht endlos belastbar ist und auch Fehler macht. Erkläre ihm, wenn es wieder nötig werden sollte, dass Dir sein Verhalten körperlich und auch innerlich wirklich ganz arg weh tut. Wenn er es übertreibt, kann es sein, dass Du einfach nicht mehr weißt, wie Du Dich schützen sollst. Vielleicht versteht er den Vergleich mit dem in die Enge getriebenen Tier. Er müsste das Gefühl ja kennen, denn er explodiert ja auch immer wieder.

Bemühe Dich dabei bitte, die Sätze möglichst in Ich-Form zu formulieren. Keine Anschuldigungen: "Du machst mich fertig",... sondern Beschreibungen, wie es Dir geht: "Ich fühle mich verzweifelt, ratlos, traurig,..." Dann kann er es wahrscheinlich besser annehmen, und es strapaziert sein bei ADSlern sowieso meist beschädigtes Selbstwertgefühl nicht noch zusätzlich.

Bezüglich der Alternativen gibt es viele Tipps in guten ADS-Büchern. Aber hier einmal ein paar Grundregeln, die ich mir anzueignen versuche:

In der Krise niemals diskutieren oder erklären. Augenkontakt suchen, vielleicht Hand auf die Schulter o. Ä. und kurze, klare Ansagen (keine Bitten!): "Ich möchte, dass du das jetzt sofort wieder aufhebst." "Wenn du damit nicht aufhörst, muss ich dir das wegnehmen." "Wenn du weiter schreist, musst du für ... Minuten ins Zimmer." "Ich muss mir das nicht gefallen lassen."

Ich versuche gerade, meine Mittlere an ein klares Kommando zu gewöhnen. Ein Codewort, von dem sie weiß, dass ich es nur verwende, wenn sie dabei ist, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Das kann einfach "Stopp!!!" sein. Da bei unseren ADS-Kids oft nur Neues Aufmerksamkeit erregen kann, wird es wahrscheinlich nötig sein, das Wort von Zeit zu Zeit zu ändern.

Das Kind muss genau wissen, was Du von ihm erwartest, und was die Konsequenz ist, wenn es das nicht tut. Um das zu erfassen und umzusetzen, braucht es ein wenig Zeit: "Ich zähle jetzt bis ..., und dann muss das wieder da liegen, sonst gibt es einen 'Schlechtpunkt' auf der Liste."

Es ist zwar verpönt, Kinder einzusperren, aber ich denke, es ist immerhin besser, als hinzuhauen. Du musst ihm das Objekt seiner Wut entziehen, und auch dir selbst eine kurze Chance geben, Dich wieder unter Kontrolle zu bringen.

Ich habe schon öfters meinen Kindern gesagt: "Entweder du bleibst freiwillig im Zimmer, bis du dich beruhigt hast, oder ich muss zusperren." Meist musste ich das nur einmal durchziehen, dann wussten sie, dass ich es ernst meine.

Die Kinder brauchen eine Möglichkeit, abzuschätzen, wie lange sie isoliert sein werden. Wenn sie die Uhr noch nicht lesen können, wäre vielleicht eine Kurzzeitschaltuhr hilfreich, auf der sie beobachten können, wie sich der Zeiger der 0 nähert. Oder du stellst dich vor das Zimmer und zählst laut bis 100.

Handgreiflich werde ich nur noch dann, wenn der Große nicht freiwillig ins Zimmer gehen will. Da nehme ich ihn nämlich am Nacken und mache den Griff so fest, wie es nötig ist, dass er nachgibt. Das mag er gar nicht, und inzwischen reicht es zu sagen: "Gehst du freiwillig, oder muss ich dich am G'nack nehmen?" (bin aus Österreich ;-) ) Ich weiß nicht, ob das pädagogisch richtig ist, aber wenn mir jemand eine bessere Möglichkeit sagt, lerne ich gerne um. Zum Tragen ist er mir schon seit Langem zu schwer...

Dass er nicht mehr mit Dir redet, kommt mir eher ungewöhnlich vor. Normalerweise sind unsere Kids nicht nachtragend. Ein positiver Aspekt ihrer Vergesslichkeit...;-)

Vielleicht merkt er, dass Du Dir selbst nicht verzeihen kannst, und benützt das jetzt als Druckmittel. Doof isser ja nicht...
Du hast ja Recht: ER kann nichts (oder nicht viel) dafür... Wie wäre es, wenn Du für Dich selbst auch so viel Verständnis aufbringen würdest...? Es ist wichtig, dass Du Dir selbst vergibst. Du setzt Dich sonst nur unter Druck und nimmst Dir selbst die Kraft, dazuzulernen, wenn Du zurück statt nach vorne schaust.

Oder kann es sein, dass Du ihn immer wieder auf die Situation ansprichst? "Bist du mir noch böse wegen gestern?" Dann versetzt Du ihn nämlich immer wieder mitten hinein, inklusive Schock und Wut. Wenn Du Dich entschuldigt und erklärt hast, warum es Dir passiert ist, lass es gut sein und sprich nicht mehr darüber.

In ruhigen Minuten sollte man allgemein miteinander besprechen, WARUM man sich in einer menschlichen Gemeinschaft WIE verhält und die nötigen Abmachungen und Regeln aufstellen, damit die spätere Gangart klar ist, aber nicht einzelne Situationen aufwärmen.

So, jetzt habe ich Dich vollgelabert, aber ich hoffe, ich konnte Dir trotzdem ein bisschen helfen.

Kopf hoch! Es gibt keine perfekten Eltern. Du liebst Dein Kind mehr als irgendwer sonst, und bist damit die beste Mutter, die er haben könnte.

Alles Liebe!
Agnes

von Agnes69 - am 05.02.2007 09:02
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