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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
BB, diana-r, Bettina73, Agnes69, Sandra Kohlheyer

Hyperaktivität nur in der Gruppe?

Startbeitrag von Sandra Kohlheyer am 16.02.2007 18:37

Hallo,

ich lese schon einige Zeit mit und habe nun selber mal eine Frage:

Mein Sohn Samuel (Drillingskind, 7 Jahre alt) ist in der zweiten Klasse (getrennt von seinen Brüdern). Er fällt seit der ersten Klasse durch Unruhe, Impulsivität und Aufsässigkeit auf, zeigt aber gute Leistungen. Zuhause ist er lebhaft, aber gut lenkbar, Hausaufgaben macht er konzentriert.

In der Schule aber gibt es immer wieder Beschwerden.

Nun habe ich ihn in Marburg (Kinder- und Jugenspsychiatrie) auf ADHS testen lassen. Ergebnis war, das er im Bereich der Aufmerksamkeit besonders gut abgeschnitten hat (überdurchschnittlicher Wert), sein IQ ist etwa bei 115 (also auch keine Hochbegabung). Er fällt desweiteren durch leichte motorische Ungeschicktheit auf (aber nicht durch Stolpern oder so, sondern eher durch schlechtes Fahrradfahren, Schwimmen...).

ADHS wurde also wegen Fehlen der Aufmerksamkeitsstörung verneint. Auch wenn man Samuel in Einzelsituationen sieht, denkt man nicht an ADHS. Nur in Gruppen wird er unruhig.

Blutentnahme hat noch stattgefunden - ohne Befund. Nun wurde ich mit folgender Diagnose heimgeschickt: Emotionale Störung durch Geschwisterrivalität. Alle, die Samuel kennen (auch Ergo und Lehrerin) schütteln nur den Kopf bei dieser Diagnose.

Aber mein Bauchgefühl meint "irgendwas stimmt nicht". Aber ich komme nicht drauf.

Hat jemand von euch ähnliches erlebt?

Danke fürs Durchhalten beim Lesen ;-))

Antworten:

Hallo Sandra!

Herzlich

Also Dein Text hat mein Durchhaltevermögen nicht besonders strapaziert! Da gibt's ganz andere! Zum Beispiel von mir...

Leider werde ich aus dem, was Du beschreibst, nicht ganz schlau. Dass Samuel im kleinen Rahmen bedeutend unauffälliger ist, als in der Gruppe, ist absolut klassisch für ADS.

Die guten Leistungen sind auch kein Widerspruch, ebensowenig wie das schlechte Fahrradfahren und Schwimmen. Mein Großer ist 10 und kann noch immer nicht schwimmen; frei Radfahren hat er erst mit gut 6 Jahren gelernt.

Was mir eher ungewöhnlich vorkommt, ist, dass er sich so gut auf die Hausis konzentrieren kann.... das heißt... warte mal! Ich hatte damit als Kind ja AUCH keine Schwierigkeiten, OBWOHL ich ADS habe! War allerdings in der Schule der ruhige (Träumerchen-) Typ. Vielleicht ist Dein Sohn ja auch ein Mischtyp?

Hatte jetzt zuerst nur mit meinem Sohn verglichen. Bei dem waren die Hausis ohne Ritalin nämlich der nackte Horror... das sind halt die frischeren Erinnerungen... ;-)

Dann bleibt als großes Fragezeichen nur noch die Testauswertung. Von einer Kinder- und Jugendpsychiatrie sollte man eigentlich erwarten können, dass sie ein AD(H)S feststellen können, wenn es vorhanden ist...

Aber wenn sich sonst alle einig sind, dass die Diagnose, die sie tatsächlich gestellt haben, nicht zutrifft, dann stimmt es vielleicht genausowenig, dass es kein ADS ist.

Ich frage mich, wie die die Aufmerksamkeit getestet haben. Wenn sich ADS-Kinder für etwas interessieren, können sie ja durchaus hyperfokussieren. Aber das müssten die doch wissen und beim Test irgendwie unterscheiden können!

Alles in Allem sieht es für mich aus, als solltet Ihr besser eine zweite Meinung einholen. Bisher stimmt es da hinten und vorne nicht.

Ich hoffe, Ihr findet jemanden, der die richtige Diagnose stellt! Vielleicht kennt ja auch jemand anders hier eine kompetente Stelle in Eurer Nähe..

Liebe Grüße
Agnes



von Agnes69 - am 16.02.2007 19:46
Hallo Sandra,

Teile deiner Beschreibung kommen mir bekannt vor. Mein Sohn ist zwar auch zu Hause auffällig, ist zappelig, etc. Aber die Hausaufgaben sind in aller Regel kein Problem (waren sie mal, aber nicht so dramatisch!) In der Schule und in anderen Gruppen gibt es IMMER Probleme. Kaum ein Tag wo die Lehrerin keinen Grund hätte anzurufen (zum Glück tut sie das nicht). In den Pausen Prügeleien, Streit, lässt sich provozieren. Dasselbe Kind geht mit meiner blinden Freundin einkaufen, liest ihr die Sachen vor. Achtet auf all die Dinge, die sie selber nicht sieht. Das erfordert eine Menge Konzentration.

Wenn er die Hausaufgaben gut konzentriert und ordentlich erledigt, ist das vielleicht einfach etwas, was ihm gut liegt und er gerne macht. Die meisten ADSler haben diese Fähigkeit zur Konzentration, nur eben meistens nicht auf das, was von ihnen verlangt wird. Wenn nun die Testsituation für ihn ähnlich der Hausaufgabensituation ist, dann verwundert es mich überhaupt nicht, das er sich da gut konzentrieren kann.

Mein Sohn hat ein Zeugnis voller Zweier, Probleme sind fast ausschliesslich im Sozialverhalten und auch da fast nur in Gross-Gruppen-Situationen. Das Eine schliesst das Andere also nicht zwangsläufig aus. Genauso gut ist es aber möglich, dass wirklich kein ADS vorliegt. Holt euch auf jeden Fall eine weitere Meinung, wenn nötig auch drei!

Toi, toi, toi!

Gruss
Bettina

von Bettina73 - am 16.02.2007 22:14
Hallo Sandra,

bei meinem ist es auch so, dass er sich sehr gut konzentrieren kann, aber eben nur auf die Dinge, die ihn interessieren. Er liebt leider nicht gerade die Hausis.....aber wenn Du ihm einen Physikbaukasten gibst, kann er sich stundenlang auch auf dem Münchener Bahnhof ohne Wirkung der Medis beschäftigen.

Ich würde mir auch eine 2. Meinung einholen, obwohl Marburg ja geradezu das Beste ist, was einem passieren kann (wenn sie nach dem Marburger Konzept arbeiten). Da gibt es ja eine speziell entwickelte ADS- Therapie, so habe ich jedenfalls gehört.

Meiner ist auch auffällig wegen Zappelei, Aggressionen und Impulsivität. Dies hat er besser im Griff mit Medis. Allerdings ist bei uns wahrscheinlich die Konzentration nicht betroffen, da er hb ist (IQ 140). Mein Großer hat ADS ohne H mit einem Q von 114. Er schafft die Schule auch noch, weil er mit seiner Intelligenz kompensiert. Aber im Zeugnois schon deutlich zu lesen, dass es auch der Lehrerin auffiel. Er bekommt noch keine Medis.

Außerdem werden diese Testungen in 1:1 Situationen gemacht, was ich schon mal völlig unsinnig finde. Denn gerade mit Ablenkungen hat der ADS`ler zu kämpfen und die bekommt er bei dem Test nicht.

So eine Schule hätte ich gerne.......

LG Diana

von diana-r - am 17.02.2007 09:03
Hallo Sandra,

bei uns ist es ganz anders. Mein Großer fällt eher zu Hause aus dem Rahmen und in der Schule bemerkt ihn kaum einer (und das trotzt Hyperaktivität). Er ist wohl auch eher ein "Mischtyp".

Was mir bei Euch so spontan einfällt sind evtl. Wahrnehmungsstörungen. Ich habe bei uns oft die Erfahrung gemacht, dass mein Sohn aus der Reihe tanzt sobald es ihm zuviel wird. Und das ist nicht immer auf mangelnde Konzentration zurückzuführen, sondern z.B. auch auf zuviel "Gewimmel", zuviel Input, mehrere Sachen gleichzeit zu erfassen etc..

Oft greift das Ganze ja ineinander und oft ist da sicherlich auch einfach die Reizüberflutung bei ADS der Grund, aber bei uns ist es z.B. auch so, das mein Großer seine Körperwahrnehmungsstörung durch "Gezappel" äußert. Das er sich sozusagen dann besser spürt bzw. überhaupt spürt.

Das ist ja ein wahnsinnig großer Bereich und ich glaube auch das da noch einiges erforscht werden muß ;0/, jedenfalls scheint es noch keine gescheiten Ansatzpunkte für Therapien zu geben (außer Ergo), gerade für den auditiven Teil.

Zur Konzentration: Bei uns war z.B. sehr, sehr auffällig, dass mein Sohn überhaupt keiner Gutenachtgeschichte folgen konnte. Er wollte schon, hat das aber von der Konzentration her überhaupt nicht geschafft. Nur so zum Vergleich.

Viele Grüße,
Birgit

von BB - am 17.02.2007 10:39
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