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Informationen zum Thema:
Forum:
Gaby Guder
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Norman, Gaby Guder

Eine Lichtarbeiterin aus der Süddtürkei!

Startbeitrag von Gaby Guder am 24.07.2001 00:01

:cheers:
Hallo liebe Forengäste,

nachstehende mail bekam ich aus der Türkei geschickt und ich dachte: "na Lichtarbeiter die gibt es wirklich auf der ganzen Welt!" So kann man Stück für Stück etwas tun.....ja, die Welt verändern(wenn auch nicht ganz, aber zumindest Beispiele setzen)

Diesen Brief erhielt ich wieder mal aus der Türkei, da sieht man, das Lichtarbeiter überall sind. Mit Rücksicht auf die Personen, habe ich die Ortsangaben und die Namen geändert.

Liebe Gaby,
bin mal wieder etwas "gegen den Strom" geschwommen. Naechste Woche
geben wir den "Startschuss" für unsere Fabrik in Ankara. Bei solch einem
"Startschuss" ist es hier üblich, das ein "adak" gemacht wird. Also ein
Opfer. Ein Schaf wird nach religösem Ritual geschlachtet. Ich und mein Mann müssen anwesend sein, da wir dieses Opfer erbringen. Es wird im Namen Gottes/Allah dann geschlachtet (das Blut muss ausfliesen) Das Fleisch des Tieres wird dann an alle Arbeiter usw. verteilt. Das ganze hat den Hintergrund, das unsere Arbeit gesegnet sein wird und gut lauft sozusagen.

Weder ich noch mein Mann halten etwas davon.

Ich mache vor jeder Arbeit, welche ich anfange ein "adak" aber in
anderer Form. Wir waren gestern in Ankara und haben mit dem leitenden
Angestellten dort gesprochen. Ich sagte, das unser "adak" anders
aussehen wird. Die Arbeiter, die dort ca. 14 Stunden taeglich beschaeftigt
sind und ausnahmslos alle aus aermlichen Verhaeltnissen stammen (sie
verdienen bis jetzt ca. 200 DM monatlich; das wird sich hoffentlich nach
unserer Übernahme aendern) haben alle Kinder. Obwohl Schulpflicht besteht, gehen viele nicht zur Schule, da die Bücher und Schulkleidung selber bestritten werden muss (hier gibt es kein Sozialamt!) Unser "adak" wird sein, das wir die Kosten der Bücher und Kleidung für die Kinder übernehmen, damit sie auch alle die Schule besuchen können. Und wir werden die Familien
persönlich besuchen, und wenn dringende Sachen fehlen, diese besorgen.
Es herrschte eine grosse Stille. Der leitende Angestellte sagte nur:"Aber
ihr müsst das doch machen, es "muss so sein" und ich habe meiner Frau ect. auch schon Bescheid gesagt, sie freut sich schon auf dieses "Fest". (der
leitende Angestellte verdient zur Zeit nebenbei bemerkt ca. 1500 DM mtl. für hier sehr viel Geld, aber auf "Fest" und "kostenloses Fleisch" hatte er sich halt sehr gefreut.
Mein Mann sagte nur: Wenn meine Frau es so möchte, dann stehe ich hinter ihr. Es wird das richtige schon sein.
Allerdings sagte er, als wir weg waren "Ach Nazli es wird unseren
finanziellen Rahmen sprengen."
Ich sagte: "Nein, mein inneres sagt mir, wir werden es schaffen, es ist
gut so."
Na ja, jetzt hoffe ich nur, das uns unser "leitender Angestellter" keine
Beddua macht (einen bösen Fluch) weil er auf Fleisch und Fest verzichten
muss.
Na ja, ich weiss nicht, aber ich halte es immer noch für richtig.
Obwohl Schulpflicht besteht, gehen viele Kinder immer noch nicht zur Schule.
Bücher und Kleidung ect. sind auch nicht gerade billig hier. Jeder "der was
auf sich haelt" schickt sein Kind zur Privatschule. (gibt es hier genügend
von) Die kosten DM oder Dollars und sind auch sehr gut besucht. Jeder guckt erstmal ein bischen doof, wenn ich sage, das meine Tochter auf eine "normale Schule" geht. Wir könnten eine Privatschule bezahlen, ich halte es aber für meine Tochter nicht für gut. Für ihre soziale Entwicklung. Sie hat ok eine Nachhilfelehrerin, die 3 mal die Woche kommt, da das Schulsystem hier komplett anders ist als in Deutschland und ihr Türkisch zu Anfang nicht so besonders gut war, da sie ja auch 2 1/2 Jahre in Deutschland die Schule besucht hatte. Es verstehen nur sehr wenige, aber die Entwicklung von ihr zeigt mir, das es richtig war, sie nicht auf eine Privatschule zu schicken.
Sie braucht keine Benetton Sachen und kein Lacoste (die Hight Society hier traegt nur "Markensachen") Sie schenkt mir eine gemalte Rose, statt einer "gekauften abgepflückten" (Mama, das tut doch dem Blümchen auch weh, nicht wahr?) obwohl eine gemalte mehr Arbeit macht.
Also kann so verkehrt "meine Erziehung" und mein "Weitervermitteln" glaube ich nicht gewesen sein.
Obwohl es manchmal schwerer ist gegen den anstatt mit dem Strom zu
schwimmen. Leider ist es doch so, das die meisten Menschen, erstmal ihren Vorteil herausschlagen wollen, erstmal "Nehmen wollen". An das "Geben" wird erst viel viel spaeter gedacht (wenn überhaupt).
Wieder sehr lang geworden, aber ich wollte es mal jemanden erzaehlen ...
Bis dahin Alles Liebe
Nazli

Auch ich wünsche allen ALLES GUTE und Licht und Liebe,
Gaby

Antworten:

Danke für die Möglichkeit diesen Brief aus der Türkei zu lesen. Ich bewundere diese Frau, dass sie willens ist ihren Handlungsspielraum zu positiv zu nutzen.
Lieben Gruss Norman

von Norman - am 24.07.2001 19:21
Oh je, diese Schreibfehler!!!!!!!! nicht zu positiv sondern!!!! ssooooo positiv sollte es heissen. Sorry! Norman

von Norman - am 24.07.2001 19:23
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