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Gaby Guder
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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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Hermann Mayer

In Pakistan kämpfen Erdbebenopfer gegen den Kältetod

Startbeitrag von Hermann Mayer am 10.01.2006 16:29

Von: fr-aktuell.de:

Albtraum in Eis und Trümmern
In Pakistan kämpfen Erdbebenopfer gegen den Kältetod
VON CHRISTINE MÖLLHOFF

Shakina sitzt vor ihrem durchweichten Notzelt, im Arm wiegt sie eines ihrer drei Kinder. Der Kleine zittert vor Kälte, auch das Feuer, das Shakina vor dem Zelt entfacht hat, bietet kaum Wärme. "Alles ist nass", sagt sie. "Wir wissen nicht, wie wir in diesem Zelt überleben sollen." Drei Monate nach dem schweren Erdbeben in Pakistan und Indisch-Kaschmir kämpfen hunderttausende Überlebende gegen den Kältetod. Krankheiten und Angst machen sich breit. Die dünnen Notzelte bieten kaum Schutz.

Kaschmir-Erdbeben
Drei Monate ist es her, dass das Erdbeben Teile Pakistans binnen Minuten in eine Trümmerwüste verwandelte. Rund 75 000 Menschen starben - 3,5 Millionen weitere verloren ihr Dach über dem Kopf.

Für die Überlebenden hat ein eisiger Albtraum begonnen, der noch Wochen währen dürfte. chm
Wie verzweifelt die Menschen vor allem in den Bergdörfern sind, zeigte sich vergangene Woche: In zwei Ortschaften kam es zu Tumulten. Dorfbewohner stürmten zwei UN-Hubschrauber mit Hilfslieferungen und zwangen die Piloten, sie aus den Bergen nach Muzaffarabad und Abbottabad auszufliegen. Die UN setzten daraufhin weitere Flüge in diese Gebiete vorübergehend aus.

Zum Jahresbeginn kam der Winter mit voller Wucht, in den Bergen sind die Temperaturen weit unter Null gesunken und es liegt dicker Schnee, andernorts regnet es. Zwar wurden nach dem Beben in aller Eile hunderttausende Zelte verteilt und aufgestellt, doch die meisten halten dem grausamen Bergwinter nicht stand. Der eisige Wind aus dem Himalaya kriecht unter die Decken und in die Körper. Nachts höre man Kinder in den Zelten vor Kälte weinen, schreibt ein Reporter der pakistanischen Zeitung Dawn. Viele der dünnen Zelte sind unter den Schneemassen bereits eingestürzt, andere sind durchnässt. Und immer noch gibt es in abgelegenen Bergregionen Menschen, die überhaupt keine Hilfe erreichte.

Zwar bemühen sich Soldaten und Helfer fieberhaft, mehr Hilfsgüter in die Bebengebiete zu schaffen und die Zelte mit Wellblech und Plastikplanen besser gegen die Kälte zu sichern. Aber sie kommen mit der Hilfe kaum hinterher. Allein 400 000 Menschen leben in Bergdörfern, die oft nur aus der Luft zu erreichen sind. Nicht nur Häuser, auch Heiz- und Wintervorräte wurden beim Beben vielfach zerstört. Doch immer wieder müssen die Hubschrauber wegen des schlechten Wetters am Boden bleiben, und Erdrutsche blockieren Hilfskonvois.

Obendrein erlebt Südasien nun auch noch eine Kältewelle. Meteorologen sagen weitere Schneefälle voraus. Dutzende Menschen, meist Kinder und Alte, sind den Angaben zufolge bereits erfroren. Shaheen Chughtai von der Hilfsorganisation Oxfam befürchtet: "Im schlimmsten Fall werden noch viele Menschen ums Leben kommen." Immer wieder verbrennen auch Zeltbewohner, weil sie unter den Planen Feuer machen, um sich zumindest ein wenig aufzuwärmen.

"Wir sind an den Winter gewöhnt, weil wir in den Bergen leben. Aber hier haben wir kein schützendes Haus. Die Kinder werden krank", sagt Akber Jan, eine Witwe, die mit ihren sieben Kindern in einem Notcamp in der Stadt Muzaffarabad lebt. Dort gehört inzwischen das Geräusch von Husten zum Alltag. Die Zahl der Atemwegserkrankungen sei explodiert, sagt der Arzt Hafeez Urrehman, der in einem Hospital arbeitet. Er ist von der Weltgemeinschaft enttäuscht. Internationale Medien würden wenig über das Desaster berichten, es geradezu ignorieren.

Auch Hilfsorganisationen üben Kritik. Insgesamt sei die internationale Reaktion auf die Katastrophe nicht ausreichend gewesen, sagt Chughtai von Oxfam. Trotz frühzeitiger Appelle und Warnungen der Helfer hat die internationale Gemeinschaft quälend langsam reagiert; Nothilfe-Geld fließt bis heute nur schleppend. Drei Monate nach dem Beben sind bei den Vereinten Nationen nur knapp 60 Prozent der 550 Millionen Dollar (455 Millionen Euro) Nothilfe eingegangen, die die UN erbeten haben.

Spenden: u.a. an die Deutsche Welthungerhilfe, Konto 1115, Sparkasse KölnBonn, BLZ 380 500 00, Stichwort: Erdbeben Pakistan

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