Norwegen: Kühe müssen auf Matratzen liegen können

Startbeitrag von Hermann Mayer am 17.01.2006 16:27

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Kühe müssen auf Matratzen liegen
Norwegen schreibt Schlafunterlagen vor / "Dagros" geben mehr Milch / Politiker: "Billiger Tierschutz"
VON HANNES GAMILLSCHEG

Dass Kühe mehr Milch geben, wenn sie tagsüber Mozart und Vivaldi lauschen, ist längst durch die einschlägige Forschung belegt. In Norwegen wird "Dagros", wie man dort die Milchkuh ruft, nun auch die Nachtruhe versüßt. Seit Jahresanfang ist ein neues Tierschutzgesetz in Kraft, das jeder der 300 000 Kühe in norwegischen Ställen eine Matratze garantiert. "Wenn Kühe frei wählen können, wo sie sich hinlegen sollen, ziehen sie weiche Unterlagen einem Betonboden vor", hat der Umweltbiologe Knut Egil Bøe festgestellt und so durchaus menschliche Reaktionen beim Rindvieh erkundet.

In herkömmlichen Ställen hätten die Kühe kaum Platz, um aufzustehen und sich zu legen, klagte der Tierschutzverband. So blieben sie zu lange stehen, was Beine und Klauen über Gebühr belaste. Eine angenehme Schlafunterlage sei "billiger Tierschutz", meinten die Kuhfreunde, und die Politiker schlossen sich dieser Meinung an. Zwar klagt jetzt so mancher Bauer über die Sonderausgaben, doch die Kollegen, die ihren Kühen schon vor Jahren Matten spendeten, haben gute Erfahrungen gemacht. "Das war die beste Investition seit langem", sagte Brede Austad dem Norwegischen Rundfunk, "nur schade, dass ich dies nicht schon früher tat." Mehr Milch, bessere Milch und glücklichere Kühe seien die Folge der besseren Nachtruhe.

"Beste Investition seit langem"

"Das ist die Maßnahme, die die meiste Tierwohlfahrt für das wenigste Geld bringt", sagt Lars Erik Ruud vom Tiergesundheitsamt. Und ein gutes Geschäft obendrein. Ruud rechnet vor: "Eine Matratze kostet rund tausend Kronen (rund 125 Euro). Die Kühe geben fünf bis zehn Prozent mehr Milch, also bis zu 600 Liter mehr im Jahr. Bei einem Milchpreis von drei Kronen ist die Matratze nach spätestens einem Jahr bezahlt."

Doch die Unterlagen sollen zehn Jahre halten. Von der einfachen Gummimatte bis zur halm-gefüllten Komfortmatratze mit gesteppten Zwischenkanälen reicht jetzt das Angebot an Ruhestätten, auf denen sich trefflich wiederkäuen lässt. "Die Kühe, die Matten haben, liegen viel länger als die, die direkt auf dem Boden schlafen", hat der Tierschutzverband eruiert. Außerdem haben sie nach den neuen Regeln auch mehr Platz. Das neue Gesetz schreibt vor, dass sich das Vieh im Stall frei bewegen kann.

Das mindert die Aggressivität, jede Kuh findet ihren natürlichen Platz in der Hierarchie, zeigen die bisherigen Erfahrungen. Mit durchschnittlich 15 Kühen pro Betrieb ist die norwegische Milchproduktion äußerst überschaubar. Finanziell ist sie gut abgesichert: Der Staat garantiert den Bauern einen Durchschnittslohn ungeachtet ihrer Fördermengen, weshalb Kleinbauern oft zwei Drittel ihres Einkommens aus Staatsmitteln erhalten. Da ist Tierschutz finanzierbar.

Kamele haben nichts von Vorschrift

Während sich Dagros und ihre Schwestern also wohlig in den Ställen räkeln, müssen exotischere Tiere noch die passende Schlafstellung finden. Die Gemeinde Løten will in einem Integrationsprojekt für somalische Flüchtlinge 2000 Kamele nach Norwegen holen. Dabei ist sowohl an Tierzucht gedacht - "die Kamele geben Fleisch und Milch, Haut und Haar", sagte eine Projektleiterin - wie auch an Tourismus: nach Norwegen zum Kamelreiten! Doch obwohl es sich bei den Tieren um eine kältegewohnte Rasse aus der Mongolei handeln soll, stapfen die Versuchskamele noch recht verwirrt durch den norwegischen Schnee. Kamele sollen das Karge lieben, doch vielleicht ließe sich auch ihre Wohlfahrt durch Matratzen verbessern.

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