Neuer Brieffreund für George W. Bush

Startbeitrag von ^Y^ ritchie am 08.05.2006 21:06

Neuer Brieffreund für George W. Bush

Beginn einer neuen Brieffreundschaft?
Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad trat in direkten Kontakt mit seinem US-Amtskollegen George W. Bush




TEHERAN/WIEN (ag./wg). Es ist ein Stück Papier, das historische Folgen haben könnte: Am Montag gab die iranische Regierung bekannt, man habe einen Brief an den Präsidenten des Erzfeinds USA, George W. Bush, geschickt. Absender: Mahmoud Ahmadinejad, Präsident des Iran und derzeit wohl Hassobjekt Nummer 1 der US-Administration. Der Brief ist die erste direkte Kontaktaufnahme zwischen einem Staatsoberhaupt der Islamischen Republik Iran und den USA seit 27 Jahren.

Was in dem Schreiben steht, war zunächst nur wolkig umrissen: Ahmadinejad stelle seine Sicht der Weltlage dar, hieß es in Teheran. Und er unterbreite "neue Lösungen". Es geht vor allem um den Konflikt um das Atomprogramm des Gottesstaates, dem die USA vorwerfen, im Mantel ziviler Forschung heimlich an Nuklearwaffen zu basteln.

Wie groß der Graben ist, der die USA von ihrem Ex-Verbündeten Persien seit der islamischen Revolution von 1979 trennt, zeigt sich am Postweg des Briefs: Er wurde über die Schweizer Botschaft in Teheran in die USA geschickt. Zwischen den USA und dem Iran bestehen nämlich keine diplomatischen Beziehungen. Sie waren von den USA abgebrochen worden, nachdem Iraner die US-Botschaft gestürmt und 52 Mitarbeiter 444 Tage festgehalten hatten. Ein Versuch, sie zu retten, scheiterte am 24. April 1980; acht US-Soldaten starben. Die Aktion wird in den USA noch heute als nationales Trauma empfunden. Seither vertritt die Schweiz US-Interessen im Iran. Direktkontakte zwischen den Erzfeinden waren selten (s. Grafik). So trafen sich in den 1980ern US-Beamte mit Iranern - um mit Waffenlieferungen an den Iran US-Geiseln im Libanon freizukaufen ("Iran-Contra-Skandal").

Ob Ahmadinejad in seinem Brief an Bush direkte Gespräche anbietet, ließ die iranische Regierung am Montag offen. Beobachter meinen, dass die Initiative durch moderatere Kreise in Irans Geistlichkeit erzwungen wurde: So hatte Irans Ex-Präsident Mohammad Khatami erst Sonntag - ohne Ahmadinejad zu nennen - gemeint, einige Kreise im Iran sollten sich nicht selbst überschätzen.

Das Ringen im UN-Sicherheitsrat um die Verurteilung des Iran wegen dessen Atomprogramms dauert unterdessen an. Für Montagabend war ein Treffen der Außenminister der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschlands in New York angesetzt. Moskau lehnt die Erwähnung von Artikel VII UN-Charta im von Großbritannien und Frankreich eingebrachten Resolutionsentwurf ab. Russlands Botschafter in London wiederum sagte, der Text wecke Erinnerungen an frühere UN-Resolutionen gegen Ex-Jugoslawien und den Irak; die USA hätten diese Resolutionen damals als Begründung für Angriffe benutzt, obwohl diese vom Sicherheitsrat nicht erlaubt worden seien.

(http://www.diepresse.com)

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