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vor 10 Jahren, 8 Monaten
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radiohead

Ach so, Sie wollen also Digitalradio

Startbeitrag von radiohead am 02.11.2007 08:22

Als erstes Land der Welt will die Schweiz DAB+ einführen. Um dieses verbesserte Digitalradio empfangen zu können, braucht es neue Geräte. Der Umstieg verunsichert die Konsumenten.
S. B. Es ist ein Genuss, einem erfahrenen Hi-Fi-Fachhändler zuzuhören, wie er die Nuancen erläutert, die ein sehr teures Lautsprechersystem unterscheiden von einem, das ein bisschen billiger ist. Das Crescendo der Adjektive lässt die teureren Boxen immer schöner klingen, bis dann zum Finale mit wuchtigen Paukenschlägen noch ein paar imponierende technische Fakten nachgereicht werden. Der Handel ist perfekt. Das heisst, er wäre es, wenn es um die Anschaffung von Lautsprecherboxen ginge. Doch der Kunde interessiert sich für ein Radio. Drei Buchstaben genügen, um den erfahrenen Verkäufer aus dem Konzept zu bringen: DAB. «Ach so, Sie wollen also Digitalradio.»
Anzeige «Grosse Verwirrung»Es gibt in diesem Elektronikfachgeschäft – einem der grössten in Zürich – auch DAB-Empfänger zu sehen. Rund ein Dutzend Geräte sind ausgestellt von Anbietern mit zumeist unbekannten Namen: Pure, Revo, Sangean, Tivoli. Die Preisspanne reicht von 149 bis knapp 400 Franken. Doch obwohl für diese Radioempfänger unter anderen auch mit dem Argument geworben wird, sie böten eine höhere Klangqualität, fällt dem audiophilen Verkäufer zum Thema Digital Audio Broadcasting (DAB) nichts ein. Ob man mit diesen Geräten auch die neuen, für das nächste Jahr angekündigten privaten DAB-Sender empfangen könne? Das sei nicht klar, sagt er. Dann weist er darauf hin, dass alle diese Geräte auch UKW empfangen könnten. «Bleiben Sie doch bei UKW, da sind Sie auf der sicheren Seite.» Ein jüngerer Kollege eilt ihm zu Hilfe: «Es herrscht eine grosse Verwirrung»; wie das mit DAB weitergehe, sei nicht klar, ob die alten Geräte die neuen Sender empfangen könnten, ob die alten Sender bald ausgeschaltet würden – die Experten seien sich uneinig. «Wenn Sie so ein Gerät nicht unbedingt jetzt brauchen, würde ich noch ein paar Monate warten.» So verlässt schliesslich ein kaufwilliger, zahlungsfähiger Kunde das Verkaufsgeschäft mit leeren Händen.
Im Herbst 1999 gab die SRG den Startschuss für die Einführung von DAB in der Schweiz, doch es bewegte sich nichts; die wichtigsten Programme der SRG wurden bald in digitaler Qualität ausgestrahlt, aber kaum jemand hörte hin. Der Ausbau des DAB-Sendernetzes wurde 2001 gestoppt. 2004 gab es dann einen Relaunch, die SRG begann wieder in DAB zu investieren. Inzwischen sollen 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung DAB empfangen können, weisse Flecken zeigt der Ausbauplan nur noch im Jura, Wallis, in Graubünden und Teilen der Zentralschweiz. In der deutschsprachigen Schweiz verbreiten elf, in der Romandie zehn und im Tessin neun DAB-Sender ihre Signale. Jetzt geht mit DRS4 News (siehe Kasten) ein neues deutschsprachiges Angebot auf Sendung, in der Suisse romande und der Südschweiz wird bald mit World Radio Switzerland zusätzlich ein englischsprachiger Sender zu empfangen sein.
«Ich bin optimistisch, was die Zukunft von DAB angeht», sagt Ernst Werder, der bei der SRG als Product Manager für Digitalradio zuständig ist. Von einer abwartenden Haltung des Fachhandels will er nichts wissen. Das Geschäft laufe gut, bei einigen populären Produkten gäbe es sogar Lieferschwierigkeiten. Eben gerade habe die Migros im Rahmen einer zeitlich beschränkten Aktion einen DAB-Empfänger für 79 Franken mit grossem Erfolg verkauft.
SendersuchlaufDoch nach wie vor ist DAB ein Minderheitenprogramm. Auch im europäischen Ausland harzt es bei der Vermarktung von DAB. (Eine Ausnahme bildet Grossbritannien, wo rund 20 Prozent der Haushalte über einen DAB-Empfänger verfügen.) Eine zu Beginn des Jahres durchgeführte repräsentative Umfrage der Universität Bonn ergab für Deutschland, dass zwei Drittel der Bevölkerung nicht wissen, was es mit den Buchstaben DAB auf sich hat. Nur gerade ein knapper Fünftel hat schon einmal eine DAB-Übertragung gehört, nur 5 Prozent besitzen einen DAB-Empfänger.
Anlässlich eines zweitägigen Kongresses in Ingolstadt beschäftigten sich Anfang Oktober rund 40 aus verschiedenen europäischen Ländern angereiste Experten mit dem Thema «Quo Vadis Digital Radio?». Eingeladen hatte die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). Gemäss Medienmitteilung herrschte Einigkeit, dass es bei der Einführung von DAB in Europa einen «Neustart» brauche. Wolf-Dieter Ring, Präsident der BLM, plädierte in diesem Zusammenhang für einen «Big Bang» und betonte, dass der Funke diesmal zünden müsse, denn die Möglichkeiten für einen Neustart seien bald ausgereizt.
Private DAB-ProgrammeSo präsentiert sich die Geschichte von DAB als eine Abfolge von Relaunches und Neustarts. Und wenn es in jüngster Vergangenheit in der Schweiz Anzeichen gibt, dass sich das Interesse an DAB belebt hat, so sind die Zukunftsperspektiven durch eine neuerliche Volte des Fortschritts doch wieder ins Ungewisse abgerutscht. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat entschieden, vor allem für private Anbieter eine zweite DAB-Plattform auf einem neuen technischen Fundament zu erstellen. Wenn gegen Ende nächsten Jahres Radio For Youngsters (Ringier), Swiss Mountain Holiday Radio, Radio.ch (NZZ-Gruppe) und andere Privatradios in digitaler Form auf Sendung gehen werden, kommt dabei der vom European Telecommunications Standards Institute (ETSI) im Februar publizierte DAB+-Standard zum Einsatz. Dieses Codierverfahren auf der Basis von MPEG-4 AAC reduziert die Datenrate ohne hörbare Qualitätseinbussen. Aber: Alle bisher verkauften und alle derzeit im Handel erhältlichen DAB-Empfangsgeräte können mit DAB+ nichts anfangen.
Die Schweiz ist weltweit das erste Land, das DAB+ einführen wird. Australien und Malta haben sich ebenfalls bereits für DAB+ ausgesprochen, in Australien soll die Einführung 2009 beginnen. In einigen europäischen Ländern läuft DAB+ im Testbetrieb. Vielerorts gibt es Stimmen, die vor einem Umstieg warnen; der Wind der Veränderung, so wird befürchtet, könnte das zart keimende Interesse der Konsumenten absterben lassen. Anlässlich des DAB-Kongresses in Ingolstadt sprach sich ein Manager von Audi als Vertreter der gesamten deutschen Autoindustrie gegen DAB+ aus. Die deutschen Automobilhersteller würden derzeit vermehrt DAB-Geräte in die Wagen des oberen Preissegments einbauen und brauchten deshalb eine Garantie, dass der alte DAB-Standard noch bis ins Jahr 2020 verfügbar sei. Die neuen DAB+-Geräte könne man frühestens ab 2012 in die Autos einbauen.
DAB+ als ChanceAlfons Birrer, Medienjurist beim Bakom, verteidigt den Entscheid für DAB+. «Die Frage, die sich uns stellte und die wir zusammen mit den im DAB-Konsortium vertretenen öffentlichrechtlichen und privaten Radiobetreibern diskutierten, war nicht , sondern .» Der neue Standard erlaube die Verbreitung von Digitalradio zu deutlich günstigeren Kosten, weil sich so die Zahl der innerhalb eines Frequenzbereichs übertragbaren Sender verdoppeln lasse. Der Umstieg auf DAB+ sei unvermeidbar. Jetzt sei er einfacher als später, wenn mehr Leute ein DAB-Radio besitzen werden. «DAB+ ist für DAB nicht eine Bedrohung, sondern eine Chance.»
Ernst Werder weist darauf hin, dass die derzeit verfügbaren DAB-Programme der SRG mit den alten DAB-Radios noch «während ein paar Jahren» empfangbar sein werden. Überraschend sei, dass der rasche technische Fortschritt bei Computern, Digitalkameras oder Handys viel besser akzeptiert werde; dort sei es selbstverständlich, dass man sich alle paar Jahre neue Geräte kauft.
Gemäss Schätzungen von Branchenkennern wurden bisher weltweit 5,5 Millionen DAB-Radios verkauft. Davon gingen 5,5 Millionen nach Grossbritannien. Die Schätzungen für die Schweiz belaufen sich auf 60 000 Geräte. Die Hersteller von DAB-Radios dürften angesichts des kleinen Marktvolumens des DAB+-Pioniers Schweiz keine Eile verspüren, Neuentwicklungen voranzutreiben. Langsam kommen aber doch überarbeitete Produkte in die Läden.
Erste DAB + -ProdukteDie britische Pure Digital hat zwei Modelle auf dem Markt, die sich mit einem Software-Update an den neuen Standard anpassen lassen. Laut Marketingdirektor Colin Crawford wird diese Software noch getestet. Sie soll im Mai nächsten Jahres gratis oder gegen ein kleines Entgelt verfügbar sein. Die Ehre, das erste DAB+-Produkt auf dem Schweizer Markt anbieten zu können, beansprucht neben Crawford auch David Baxter für sich. Er ist Managing Director der schottischen Revo Technologies. Diese Firma will bereits im Dezember einen DAB+-kompatiblen Radiowecker offerieren. Das Besondere an diesem Gerät ist – als Ergänzung zu DAB+ – eine WLAN-Antenne. So lässt sich über ein lokales Netz der Kontakt zu Internet-Radios rund um die Welt herstellen; die Zahl der verfügbaren Sender und Musikstile vertausendfacht sich, die Beschränkungen der lokalen Hitparaden-Radios werden überwunden. Ob DAB im Windschatten der Internet-Radios sich vielleicht doch noch durchsetzt? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
2. November 2007, 02:18, NZZ OnlineRadio DRS startet NachrichtenkanalRadio DRS startet Nachrichtenkanalras. Am Montag, dem 5. November, um 6 Uhr morgens geht der Informationskanal von Schweizer Radio DRS auf Sendung. Er heisst DRS 4 News und bringt jeweils zur halben und vollen Stunde Nachrichten; Schlagzeilen gibt es um Viertel nach und Viertel vor. Dazwischen werden vertiefende Beiträge ausgestrahlt. Der neue Kanal kann allerdings nicht auf UKW empfangen werden, sondern nur über eine digitale DAB-Frequenz.
Zu den Hauptsendezeiten übernimmt DRS 4 News die DRS-Flaggschiffe «Rendez-vous» (12.30) und «Echo der Zeit» (18.00 und 19.00). Das DRS-3-Format Info 3 wird ebenfalls placiert (12.00 und 17.00). Das Programm läuft rund um die Uhr. Als Besonderheit sind längere Live-Berichte von Sportereignissen vorgesehen. Zwischen 20.00 und 06.00 werden zudem Hintergrundsendungen wie «Tagesgespräch», «Kontext» und «Reflexe» wiederholt. Hinzu kommen «Der Tag in Politik und Wirtschaft» sowie «DRS 4 News Gespräch». Samstags und sonntags kann man auf dem Informationskanal auch «Trend», «International», «Samstagsrundschau», «Wissenschaft DRS 2», «DRS 4 News Talkshow», «Die Woche in der Romandie und im Tessin» sowie «Best of» (Wochenrückblicke) hören. Bei wichtigen Ereignissen wird das Sendeschema je nach Aktualität angepasst.
Für DRS 4 News arbeiten ein Dutzend Personen unter der Leitung von Lis Borner. Die Redaktion befindet sich im Berner Radiostudio, in einem Grossraumbüro, wo auch die übrigen Informationsangebote von Schweizer Radio DRS hergestellt werden. Eine Verbreitung via Internet (www.drs4news.ch) und Kabelnetze ist ebenfalls vorgesehen. Hinzu kommen Podcast-Angebote. DRS 4 News beansprucht keine zusätzlichen Gebührengelder. Die dafür notwendigen Geldmittel – rund 4 Millionen Franken – wurden freigemacht durch Umlagerung von Mitteln zulasten der bestehenden Gewinnreserven.


Quelle: NZZ.ch

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