Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Abraham
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Louis Even

Die Insel der Schiffbrüchigen

Startbeitrag von Louis Even am 08.05.2009 09:21

Vorwort: Liebe Freunde, in dieser Geschichte ist in verständlichen Worten dargestellt, warum unser Geldsystem auf Dauer nie funktionieren kann und warum es so korrupt und kaputt ist. Und es ist auch eine Lösung des Problems dabei!
Wer das Zinsenproblem bis jetzt noch nicht ganz verstanden hat: nach dieser Lektüre versteht Ihr es ganz sicher!




1. Schiffbrüchige finden eine Insel


Eine Explosion hatte ihr Schiff zerrissen. Ein jeder versuchte noch, sich an einen schwimmenden Teil zu festzuhalten. Als alles vorüber war, blieben nur noch fünf Leute übrig, fünf, die sich auf einem Rettungsfloß befanden, das von den Wellen wegtrieben wurde. Von den anderen Opfern der Katastrophe war nichts mehr zu sehen.

Seit vielen Stunden schon schweifte ihr Blick über den Horizont: Würde ein durchreisendes Schiff sie sehen? Würde ihr Rettungsfloß auf irgendeiner freundlichen Küste stranden?
Plötzlich ruft jemand: "Land in Sicht! Schaut! Genau in der Richtung, in die uns das Meer treibt."
Als sie tatsächlich auf ein Ufer zutreiben, herrscht bei den Schiffbrüchigen große Freude.

Es handelt sich um fünf Europäer:
Franz ist ein großer, starker Zimmermann; er stieß als erster den Schrei "Land!" aus.
Paul, ein Landwirt. Man kann ihn im Vordergrund, links im Bild, sehen; er kniet und mit einer Hand stützt er sich auf dem Rettungsfloß, mit der anderen hält er sich am Mast des Floßes fest.
Jakob, ein Viehzüchter. Er trägt eine gestreifte Hose, kniet und sieht in die Richtung des Lands.
Heinrich ist ein Handelsgärtner.Er ist korpulent und sitzt auf einem Koffer, der den Schiffbruch überstanden hat.
Thomas ist ein Schürfer und Mineraloge; er steht hinter dem Zimmermann und hält eine Hand auf dessen Schulter.

2. Eine Insel, wie für sie geschaffen


Wieder auf festem Boden zu stehen, bedeutet für die Männer die Rückkehr ins Leben. Nachdem sie sich getrocknet und aufgewärmt haben, beeilen sie sich, die Insel zu erkunden, auf die sie weit weg von jeder Zivilisation geraten sind. Sie nennen sie die Insel der Schiffbrüchigen.

Eine rasche, erste Besichtigung fällt zu ihrer Zufriedenheit aus. Die Insel ist kein unfruchtbares Land. Sie sind zur Zeit die einzigen Menschen auf der Insel. Jedoch müssen sie annehmen, daß vor ihnen bereits andere Menschen einmal da waren, wenn man in Erwägung zieht, dass hier und da noch halbwilde Herden zu sehen sind.

Der Viehzüchter Jakob ist der Ansicht, dass er die Tiere zähmen und aus ihnen Nutzen ziehen könne.

Paul denkt, dass der Boden der Insel zum größten Teil für die Landwirtschaft sehr geeignet sei.

Heinrich hat auch Obstbäume gefunden, von denen er sich eine gute Ernte verspricht.

Franz bemerkt vor allem weite Waldbereiche, die reich an allerlei Holz sind; es wird ein Kinderspiel sein, die Bäume zu fällen und Schutzhütten für eine kleine Siedlung zu bauen.

Was den Schürfer Thomas betrifft, interessierte er sich für den felsigsten Teil der Insel. Er stellt mehrere Anzeichen fest, die darauf hinweisen, dass sich im Boden viele Minerale finden lassen. Trotz des Mangels an Handwerkzeug denkt Thomas genügend Initiative und Schlauheit zu besitzen, um Erz in nützliches Metall zu verwandeln.

Ein jeder wird sich also seiner Lieblingsbeschäftigung widmen können. Alle sind sich darin einig, dass sie ihre Schutzengel für den relativ günstigen Ausgang des schlimmen Unglücks preisen müssen.

3. Die echten Reichtümer


Und so machen sich unsere Männer an die Arbeit. Der Zimmermann kümmert sich um die Häuser und die Möbel. Am Anfang müssen sie sich mit primitiver Nahrung abfinden. Nachdem die Felder jedoch angepflanzt wurden kann der Pflüger bald ernten.

Während eine Jahreszeit der anderen folgt, wird langsam Reichtum auf der Insel geschaffen. Ihr Reichtum besteht jedoch nicht aus Gold oder aus Banknoten, sondern aus wertvoller Nahrung, aus Kleidung, aus Unterkunft und aus allem, was ihrem Bedarf entspricht.
Das Leben ist nicht immer so einfach, wie sie es wünschten. Es fehlt ihnen vieles, an was sie sich vor dem Schiffbruch gewohnt hatten. Das Schicksal hätte ihnen aber was schlimmeres zufügen können.
Übrigens haben sie in ihrer Heimat schon eine Krisenzeit durchgemacht. Sie erinnern sich an leere Mägen, während die Geschäfte ein paar Schritte weiter voll mit Essen waren. Auf der Insel der Schiffbrüchigen müssen sie nicht zusehen wie alles, was sie benötigen, vor ihren Augen unerreichbar bleibt. Zudem sind Steuern hier unbekannt und das Auftauchen eines Gerichtsvollziehers ist nicht zu befürchten.
Wenn die Arbeit manchmal auch schwer ist, hat man wenigstens das Recht, die Früchte der Arbeit selbst zu genießen.
Alles in allem bewirtschaften die fünf Männer die Insel, preisen Gott dafür und hoffen eines Tages ihre Verwandten und Bekannten gesund und lebendig wiederzusehen.

4. Ein bedeutender Zwischenfall


Unsere Männer versammeln sich oft, um sich über ihre Arbeit zu unterhalten. In diesem sehr vereinfachten Wirtschaftssystem, das sie betreiben, beschäftigt sie eine Tatsache sehr: sie haben kein Zahlungsmittel. Der Tauschhandel, der direkte Austausch zwischen Erzeugnissen, hat seine Nachteile. Die Produkte können nicht immer zur gleichen Zeit ausgetauscht werden; das im Winter dem Landwirt gelieferte Holz zum Beispiel kann erst sechs Monate später in Gemüse zurückbezahlt werden.

Manchmal sind es Produkte, die die anderen Männer zu verschiedenen Jahreszeiten erzeugen, austauschen möchten.

Das alles kompliziert die Geschäfte. Wäre Geld im Umlauf, so würde jeder seine Ware den anderen für Geld verkaufen. Mit dem erhaltenen Geld würde er den anderen abkaufen können, was er will, wann er will und wann immer die Waren verfügbar sind.

Alle fünf sind sich einig, die Bequemlichkeit eines Geldsystems anzuerkennen, Aber keiner weiß, wie er solch ein System festsetzen könnte. Sie haben es gelernt, den wahren Reichtum zu produzieren. Doch sie haben keine Ahnung, wie man Geld, das Symbol des Reichtums, herstellen kann.
Sie kennen den Ursprung des Geldes nicht, und wissen nicht, womit sie anfangen sollen, wenn keines vorhanden ist; übrigens haben sie beschlossen, welches zu haben... Manche gelehrten Leute waren wahrscheinlich genauso verlegen wie sie; jede Regierung befand sich zehn Jahre vor dem letzten Weltkrieg in derselben Situation. Nur das Geld fehlte den Ländern und die Regierungen war aufgrund dieses Problems handlungsunfähig.

5. Ankunft eines anderen Schiffbrüchigen


Eines Abends. als die Männer am Strand sitzen und dieses Problem zum hundersten Mal zu lösen versuchen, sehen sie plötzlich eine Schaluppe näherkommen, die nur von einem Mann geführt wird.

Man beeilt sich, dem Ankömmling zu helfen, ihm die erste Hilfe anzubieten und mit ihm zu sprechen, Er spricht französisch. Sie erfahren, dass er ein Europäer und der einzige Überlebende eines Schiffbruchs ist. Sein Name ist Martin.
Da sie froh sind, einen zusätzlichen Kameraden zu haben, heißen ihn unsere fünf Männer herzlich willkommen und führen ihn in der Siedlung herum.

"Obwohl wir hier weit weg vom Rest der Welt sind, sagen sie, sind wir nicht allzusehr zu bemitleiden. Die Erde ist fruchtbar; der Wald auch. Nur eines fehlt uns: wir haben keine Zahlungsmittel, das uns den Austausch der Produkte vereinfachen, würde.

Preisen Sie den Zufall, der mich hierhergeführt hat, antwortet Martin. Das Geld ist kein Geheimnis für mich. Ich bin ein Bankier und kann Ihnen in geringer Zeit das Währungssystems festlegen, das Sie befriedigen wird."
Ein Bankier!... Ein Bankier!... Ein vom Himmel abgestiegener Engel hätte nicht mehr Ehrerbietung erweckt.
Ist man es nicht gewohnt, sich in einem zivilisierten Land, vor den Bankiers zu verbeugen, die Geldflüsse kontrollieren?

6. Der Gott der Zivilisation


"Herr Martin, da sie Bankier sind, werden Sie auf dieser Insel nicht arbeiten. Sie werden sich nur mit unserem Geld beschäftigen."

"Ich werde meine Aufgabe, wie jeder Bankier, erfüllen: ich hoffe damit den gemeinschaftlichen Wohlstand zu gestalten."

"Herr Martin, wir Ihnen ein würdiges Haus bauen. Können wir Sie inzwischen in dem Gebäude unterbringen, das wir für unsere öffentlichen Versammlungen benutzen?"

"Ich bin damit einverstanden, meine Freunde. Laden wir aber zuerst die Sachen, die ich von, Schiffbruch retten konnte, aus der Schaluppe aus: eine kleine Presse, Papier und Werkzeug, und hauptsächlich ein kleines Fass, mit dem Sie mit großer Sorgfalt umgehen werden."

Alles wird ausgeladen. Das kleine Fass macht unsere kleine Mannschaft sehr neugierig.
"Dieses Fass, sagt Martin, enthält den wertvollsten Schatz. Es ist mit Gold gefüllt!"

Voll mit Gold! Das bringt unsere fünf Männer fast um den Verstand. Der Gott der Zivilisation war in die Insel der Schiffbrüchigen eingedrungen. Der gelbe Gott, der immer versteckt ist, aber eine schreckliche Macht besitzt, kann durch sein Vorhandensein, seinen Mangel oder seine geringsten Launen über das Leben von hundert Nationen entscheiden.

"Gold! Herr Martin, Sie sind wirklich ein großer Bankier! Nehmen Sie unsere Huldigungen und unsere Treue an."

"Gold für ein ganzes Erdteil, meine Freunde. Das ist jedoch kein Gold, das im Umlauf sein wird. Es muss versteckt werden. Gold ist die Seele vom echten Geld. Die Seele muss verborgen bleiben. ich werde auch das alles erklären, wenn ich Ihnen das erste Geld geben werde."

7. Eine zeugenlose Beerdigung


Bevor sie sich für die Nacht verabschieden, stellt ihnen Martin eine Letzte Frage:
"Wieviel Geld würden Sie für den Anfang brauchen, damit die Geschäfte gut in Gang kommen?"
Sie sehen sich gegenseitig an dann fragen sie Martin nach seiner Meinung. Nachdem sie die Vorschläge des gutwilligen Bankiers gehört haben, denken sie, dass 300 Taler pro Person ausreichen.
Die Männer ziehen sich zurück, wechseln einige gerührte Gedanken, gehen spät zu Bett und schlafen erst gegen Morgen ein, nachdem sie lange mit offenen Augen von Gold geträumt haben.

Martin aber verliert keine Zeit. Er vergisst seine Müdigkeit, um nur an seine Zukunft als Bankier zu denken. In der Morgendämmerung gräbt er ein Loch, in das er das Fass rollt. Er bedeckt es sorgfältig mit Erde und Gras. Er pflanzt sogar einen kleinen Busch an dieselbe Stelle, um auch ganz bestimmt keine Spur zu hinterlassen.

Dann bringt er seine kleine Presse in Gang, um Banknoten von je 10 Taler zu drucken. Beim Anblick der von seiner Presse gedruckten Banknoten denkt er für sich selbst:

"Wie einfach ist es doch Banknoten herzustellen! Sie ziehen ihren Wert aus den Produkten, die man mit ihnen kaufen kann. Ohne Produkte waren die Banknoten wertlos. Meine fünf neuen Kunden denken jedoch nicht daran. Sie glauben, dass das Gold das Geld garantiert. Sie liegen wegen ihrer Unwissenheit in meiner Macht."

An dem selben Abend kommen die fünf Freunde laufend bei Martin an.

8. Wem gehört das neue Geld?


Fünf Banknotenstöße lagen auf dem Tisch.

"Bevor ich Ihnen dieses Geld verteile, sagt der Bankier, müssen wir uns verstehen.
Das Geld hängt von Gold ab. Das in meiner Beute ruhende Gold gehört mir. Infolgedessen gehört das Geld mir... Ach! Sie sollen nicht traurig sein! Ich werde Ihnen dieses Geld vorstrecken und Sie können es benützen wie es ihnen beliebt. Inzwischen werde ich Sie nur mit Zinsen belasten. Da das Geld ein rares Produkt auf dieser Insel ist, weil es überhaupt keines gibt, glaube ich, es ist angemessen, wenn ich von Ihnen einen geringen Zins von nur 8% verlange."


"Sie sind in der Tat sehr großzügig, Herr Martin."

"Einen letzten Punkt noch, meine Freunde. Geschäft ist Geschäft, auch zwischen großen Freunden. Bevor Sie Ihr Geld bekommen, wird ein jeder von Ihnen ein Dokument unterschreiben; damit verpflichten Sie sich, Kapital und Zinsen zurückzuzahlen. Wenn Sie nicht zurückzahlen, erfolgt eine Beschlagnahme Ihres Eigentums durch mich. Oh! Eine einfache Garantie. Ich will überhaupt nicht an Ihr Eigentum heran, ich begnüge mich mit dem Geld. Ich bin sicher, dass Sie Ihre Güter behalten und mir das Geld zurückerstatten werden."

"Sie haben einen guten Menschenverstand, Herr Martin. Wir werden mit verstärkten Kräften an die Arbeit gehen and alles zurückzahlen."

"Gut. Gestatten Sie mir einen Besuch, jedesmal, wenn Sie ein Problem haben. Der Bankier ist der beste Freund der Menschen... So, hier sind 300 Taler für einen jeden."

Hiermit kehren unsere fünf Freunde hocherfreut zurück und ihre Hände und Träume sind mit Geld gefüllt.

9. Ein arithmetisches Problem


Martins Geld wurde auf der Insel in Umlauf gesetzt. Die Austausche wurden zahlreicher und einfacher. Alle freuen sich und begrüßen Martin mit Respekt und Dankbarkeit.

Dennoch ist der Schürfer besorgt. Seine Produkte befinden sich noch unter der Erde. Er besitzt nur noch einige Mark. Wie soll er dem Bankier das Geld bei Fälligkeit zurückerstatten?
Nachdem er sich lange den Kopf über sein eigenes Problem zerbrochen hat, packt Thomas es von der sozialen Seite an:

Er überlegt: “Wenn ich die gesamte Bevölkerung der Insel betrachte, sind wir überhaupt in der Lage, unseren Verpflichtungen nachzukommen?
Martin hat eine Gesamtsumme von 1500 Taler gedruckt. Im Ganzen verlangt er von uns mit den Zinsen aber 1620 Taler. Wenn wir ihm auch alles sich auf der Insel befindliches Geld bringen würden, wären das nur 1500 Taler und nicht 1620 Taler. Niemand hat die übrigen 120 Taler gedruckt. Wir erzeugen Produkte, kein Geld. Martin kann also die ganze Insel in seinen Besitz bringen, weil wir nicht alle das Kapital und die Zinsen zurückerstatten können."


Wenn die, für die es möglich ist, das Geld zurückzahlen, sich nicht um die anderen kümmern, werden einige sofort zu Fall kommen, andere werden überleben. Aber die anderen werden auch drankommen und der Bankier wird alles bekommen. Es ist besser, wenn wir uns sofort einigen und die Angelegenheit auf eine soziale Weise regeln.”

Thomas hat keine Mühe, die anderen davon zu überzeugen, dass Martin sie betrogen hat. Sie kommen zu dem Schluß, dass sie sich bei dem Bankier treffen müssen.

10. Das Entgegenkommen des Bankiers


Martin errät ihre Gedanken, lässt sich aber nichts anmerken. Der impulsive Franz äussert sich:

“Wie können wir Ihnen 1620 DM bringen, wenn es nur 1500 DM auf der ganzen Insel gibt?

"Das nennt man den Zins, meine guten Freunde. Hat sich Ihre Produktion nicht erhöht?"

"Doch, aber das Geld hat sich nicht vermehrt. Und Sie verlangen ja gerade das Geld, und keine Produkte. Sie allein können Geld herstellen. Aber Sie drucken nur 1500 Taler und verlangen von uns 1620 Taler. Das ist unmöglich!"

"Warten Sie doch, meine Freunde! Die Bankiers fügen sich immer den Umständen, um den Kunden entgegenzukommen... Ich verlange nur die Zinsen von Ihnen. Nur 120 Taler. Sie werden das Kapital weiterbehalten."

"Sie erlassen uns unsere Schuld?"

"Nein. Leider erlässt ein Bankier nie eine Schuld. Sie bleiben mir das ganze Ihnen ausgeliehene Geld schuldig. Sie zahlen mir jedes Jahr nur die Zinsen, ich werde Sie nicht zur Rückerstattung des Kapitals drängen. Einige unter Ihnen werden vielleicht nicht mal die Zinsen zahlen können, weil das Geld von einem zum anderen geht.

Richten sie sich doch zu einer Nation ein und kommen Sie über ein Kollektionssystem überein. Das nennt man besteuern. Sie können die, die mehr Geld haben, mit einer größeren Steuer belegen. Sofern Sie mir den Gesamtbetrag der Zinsen geben, bin ich zufrieden und Ihrer Nation wird es gut gehen.”

Unsere fünf Freunde ziehen sich fast beruhigt aber nachdenklich zurück.

11. Martins Ekstase


Martin ist allein. Er denkt in Ruhe nach und zieht den folgenden Schluss: “Meine Geschäfte laufen gut. Gute Arbeiter, diese Männer, aber unwissend. Ihre Unwissenheit und ihre Leichtgläubigkeit bilden meine Stärke. Sie wollten Geld, ich habe sie betrogen. Oh! Großer Bankier, ich fühle, wie dein Genie von mir Besitz ergreift. Du hast es ja gesagt, edler Meister: «Man überlasse mir die Kontrolle des Geldes einer Nation und ich lache diejenigen aus, die die Gesetze machen.» (Anm.: das war im Jahre 1790 (!!) Mayer Amschel Bauer, der Gründer der Rothschild-Dynastie)
Ich bin der Herrscher der Insel der Schiffbrüchigen, weil ich das Währungssystem kontrolliere.

Ich könnte ein Universum regieren. Was ich hier tue, könnte ich, Martin, auf der ganzen Welt tun. Wenn ich eines Tages von dieser Insel wegkommen sollte, weiß ich, wie ich die Welt — ohne ein Zepter zu halten — regieren kann.

So setzt sich die ganze Struktur des Bankssystems in Martins erfreuten Geist fest.

12. Krise wegen des teuren Lebens


Die Situation wird jedoch auf der Insel der Schiffbrüchigen von Tag zu Tag schlimmer. Die Produktivität kann noch so sehr steigen, es wird immer weniger ausgetauscht. Martin zieht seine Zinsen regelmäßig an sich. Er muss daran denken. Geld für sich zu sparen. Das Geld läuft schlecht um.

Diejenigen, die die meisten Steuern zahlen, schimpfen auf die anderen und treiben zur Entschädigung ihre Preise in die Höhe. Die ärmeren. die keine Steuer bezahlen, schimpfen auf die hohen Lebenskosten und kaufen weniger.

Die Stimmung sinkt, die Lebensfreude vergeht. Man empfindet keine Freude mehr an der Arbeit. Wozu auch? Die Produkte verkaufen sich schlecht; werden sie verkauft, müssen Steuern an Martin abgegeben werden. Man enthält sich. Es ist die Zeit der Krise. Jeder beschuldigt seinen Nachbarn, nicht genügend Tugenden zu haben und des teuren Lebens schuldig zu sein.

Eines Tages denkt Heinrich in seinem Obstgarten über die Lage nach und findet, dass der "Fortschritt", der durch das Währungssystem des Bankiers gebracht wurde, alles auf der Insel verdorben hat. Sicherlich haben die fünf Männer ihre Fehler; aber Martins System enthält das Schlechteste, was die Menschheit birgt.

Heinrich entschließt sich, seine Kumpels zu überzeugen und zu vereinen. Er fängt bei Jakob an, wo er sein Ziel rasch erreicht: "Eh! sagt Jakob, ich bin kein gelernter Mann, aber ich fühle es schon lange: das System dieses Bankiers ist fauler als der Misthaufen meines Stalls vom letzten Jahr."
Er gewinnt sie alle, einer nach dem anderen und eine weitere Unterredung mit Martin wird abgemacht.

13. Beim Kettenschmied


Beim Bankier kommt es zu einem heftigen Streit.

“Dieses Geld ist etwas Seltenes auf dieser Insel, Herr Martin, weil Sie es uns wegnehmen. Wir zahlen und zahlen und sind Ihnen noch ebenso schuldig wie am Anfang. Wir arbeiten, die Erde ist dadurch sehr schön geworden, aber unsere Lage ist schlimmer als vor Ihrer Ankunft. Schulden! Schulden! Schulden bis über den Kopf!"

"Aber, aber meine Freunde! Denken Sie doch mal nach. Ihre Erde ist nur dank meiner Anwesenheit so schön. Ein gutes Währungssystem ist der beste Besitzstand eines Landes. Um daraus Nutzen zu ziehen, muss man zunächst Vertrauen zum Bankier haben. Kommen Sie zu mir wie zu einem Vater. Sie wollen mehr Geld! Gut. Mein Gold ist sehr viel mehr als 1500 Taler... Ich werde Ihr neues Eigentum mit einer Hypothek belasten und Ihnen sofort weitere 1500 DM leihen."

"Zweimal mehr Schulden ? Jedes Jahr zweimal soviel Zinsen bezahlen, ohne aufzuhören?"

"Ja, aber ich werde Ihnen noch mehr leihen, solange Sie Ihre Bodenschätze entwickeln; und Sie werden mir immer nur die Zinsen zurückzahlen. Sie werden die Geldaufnahmen anhäufen, was Sie die unkündbare Schuld nennen werden. Schuld, die jedes Jahr größer sein wird. Aber Ihr Gehalt wird auch höher sein. Dank meiner Darlehensschulden wird sich Ihr Land entwickeln."

"Das bedeutet, je mehr wir erzeugen werden, desto mehr wird unsere Gesamtschuld steigen?"

"Genau wie in allen zivilisierten Ländern. Die Staatsschuld ist ein Barometer des Wohlstands."

14. Der Wolf frisst die Lämmer


"Ist es das, was Sie gesundes Geld nennen, Herr Martin? Eine Staatsschuld, die unzahlbar geworden ist, ist nicht gesund sondern ungesund."

"Meine Herren, jedes gesunde Zahlungsmittel muss nach dem Gold berechnet werden und als Schuld aus der Bank kommen. Die Staatsschuld ist eine gute Sache: sie setzt die Regierungen unter die in dem Bankier verkörperte Weisheit. Als Bankier bin ich eine Fackel der Zivilisation in Ihrer Insel."

"Herr Martin, wir sind keine gelehrten Menschen, aber wir wollen keine solche Zivilisation hier, Wir werden keinen Pfennig mehr von Ihnen annehmen. Gesundes oder ungesundes Geld, wir wollen nichts mehr mit Ihnen zu tun haben."

"Ich bedaure diese ungeschickte Entscheidung, meine Herren. Wenn Sie sich von mir trennen wollen, ich habe Ihre Unterschriften. Erstatten Sie mir sofort das Kapital und die Zinsen."

"Das ist unmöglich, Herr Martin. Wenn wir Ihnen auch das ganze Geld der Insel geben würden, wären wir nicht quitt."

"Da kann ich nichts dafür. Haben Sie unterschrieben, ja oder nein? Ja? Also ergreife ich hiermit Ihr gesamtes verpfändetes Eigentum auf Grund der Heiligkeit der Verträge, so wie es zu jener Zeit vereinbart wurde, in der Sie so froh waren, mich zu kennen. Wenn Sie der Übermacht des Geldes nicht freiwillig dienen wollen, dann werden Sie es widerwillig tun. Sie werden die Insel weiter bewirtschaften, aber für mich und unter meiner Bedingungen. Gehen Sie jetzt. Ich werde Ihnen morgen meine Befehle erteilen."

15. Die Kontrolle der Zeitungen


Martin weiß, dass derjenige, der das Währungssystem einer Nation kontrolliert, diese Nation kontrolliert. Er weiß jedoch auch, dass die Bevölkerung in der Unwissenheit bleiben und mit etwas anderem beschäftigt werden muss, um diese Kontrolle aufrechtzuerhalten.

Martin hat bemerkt, dass von den fünf Inselbewohner zwei konservativ und drei liberal sind. Das kommt zum Vorschein, wenn die fünf abends miteinander sprechen, hauptsächlich seitdem sie seine Sklaven geworden sind.

Zwischen den Blauen und den Roten beginnen Streitereien.

Von Zeit zu Zeit schlägt Heinrich eine Volkmacht vor, um die führenden Männer unter Druck zu setzen... Eine gefährliche Macht für jede Diktatur. Martin wird sich daher bemühen, ihre politische Uneinigkeit so gut wie möglich zu vergrößern.
Er benutzt seine kleine Presse und lässt zwei Wochenzeitungen erscheinen: "Die Sonne" für die Roten, "Der Stern" für die Blauen.

"Die Sonne" sagt im wesentlichen: wenn Sie nicht mehr Herr in Ihrem Zuhause sind, dann sind die Blauen, die immer hinter dickem Gewinn her sind, daran Schuld.

"Der Stern" sagt im wesentlichem: Ihre Staatsschuld ist das Werk dieser verfluchten Roten, die immer auf politischen Abenteuer aus sind.

Deshalb zanken sich unsere zwei politischen Fraktionen noch mehr und vergessen dabei den wahren Kettenschmied, den Geldverwalter Martin.

16. Ein wertvolles Wrack


Eines Tages entdeckt der Schürfer Thomas eine am Ende der Insel durch hohes Gras versteckte Rettungsschaluppe ohne Ruder, ohne Dienstzeichen außer einer relativ gut erhaltenen Kiste.

Er öffnet die Kiste: Sie enthält Wäsche und einige Kleinigkeiten. Aber Thomas Aufmerksamkeit fällt auf einen Bildband, der nicht allzusehr unter der Fahrt gelitten hat und dessen Titel "Erstes Jahr von Vers Demain" lautet.
Neugierig setzt sich unser Mann hin und öffnet das Band. Er liest, verschlingt es und erstrahlt:
"Genau das hätten wir schon lange wissen müssen", ruft er.
"Das Geld zieht seinen Wert überhaupt nicht aus dem Gold, sondern aus den Produkten, die mit Geld gekauft werden können.
Geld kann ein einfaches Rechnungswesen sein, in dem die Kredite je nach Ein- und Verkaufen von einem Konto zum anderen überwiesen werden. Der Gesamtbetrag des Geldes steht in Zusammenhang mit der ganzen Produktion.
Jede Produktionssteigerung muss einer gleichwertigen Gelderhöhung entsprechen... Nie Zinsen auf frisch entstandenes Geld bezahlen... Der Fortschritt entspräche nicht einer Staatsschuld, sondern einer Dividende, die für alle gleich wäre... Die Preise wären der Kaufkraft durch einen Preiskoeffizienten angepasst. Der soziale Kredit..."

Thomas hält es nicht mehr aus. Er steht auf und läuft zu seinen vier Freunden, um ihnen über seine erstaunliche Entdeckung zu berichten.

17. Geld, ein einfaches Rechnungswesen


Thomas lehrt die anderen:

"Das" sagt er, "hätten wir schon lange tun können, ohne den Bankier, ohne Gold, ohne Unterschrift, ohne Schuld.
Ich eröffne ein Konto im Namen eines Jeden von euch. Rechts steht als Kredit, was dem Konto gutgeschrieben wird, links steht die Schuld, mit der das Konto belastet wird.
Wir wollen für jeden 300 Taler um anzufangen. Beschließen wir einfach zusammen, 300 Taler auf jedes Konto gutzuschreiben. Jeder besitzt sofort 300 Taler.

Franz kauft bei Paul Produkte für 15 Taler. Ich ziehe 15 Taler bei Franz ab, es bleiben ihm 285 Taler Ich schreibe Paul 15 Taler gut, er besitzt jetzt 315 Taler.

Jakob kauft bei Paul für 12 Taler ein. Ich ziehe 12 Taler bei Jakob ab, er behält 288 Taler. Paul besitzt dann 327 Taler usw. Von einem Konto zum anderen geht es weiter, genau wie Banknoten von einer Tasche zur anderen wandern.

Braucht einer unter uns Geld, um seine Produktion zu steigern, eröffnen wir mit ihm den nötigen Kredit, ohne Zinsen. Er zahlt den Kredit zurück, sobald er seine Produktion verkauft hat.

Das gilt auch für die öffentlichen Bauarbeiten. Wir schreiben auch regelmäßig jedem Konto eine zusätzliche Summe gut, ohne jemandem etwas abzuziehen, was dem sozialen Fortschritt entspricht. Das ist die nationale Dividende. Das Geld ist daher ein Dienstinstrument."


18. Die Verzweiflung des Bankiers


Alle haben verstanden. Die Siedlung ist eine Gutschriftnation geworden. Am folgenden Tag bekommt Martin einen von den fünf Männern unterschriebenen Brief:

"Herr Martin, Sie haben uns ohne Grund verschuldet und ausgenutzt. Wir brauchen Sie nicht mehr, um unser Währungssystem zu verwalten. Wir werden von nun an alles Geld haben, das wir brauchen, ohne Gold, ohne Schulden, ohne Dieb. Wir führen sofort das System des Sozialen Kredits auf der Insel ein. Die nationale Dividende wird die Staatsschuld ersetzen.

Wenn Sie auf die Rückzahlung bestehen, können wir Ihnen das ganze Geld, das Sie für uns gemacht haben, zurückgeben, aber mehr nicht. Sie können nicht etwas verlangen, was Sie gar nicht hergegeben haben."

Martin ist verzweifelt. Sein aufgebautes Reich bricht zusammen, Die fünf Männer haben alles verstanden. "Was nun ? Sie um Entschuldigung bitten? Werden, wie sie? Ich, ein Bankier?... Nein. Eher werde ich versuchen, ohne sie anzukommen und abseits von ihnen zu leben."

19. Der enthüllte Betrug


Um sich gegen eine mögliche künftige Beschwerde zu schützen, haben unsere Männer entschieden, dem Bankier ein Dokument unterschreiben zu lassen, das bestätigt, dass er noch alles besitzt, was er bei seiner Ankunft bei sich hatte.

Daher der gesamte Inventar: die Schaluppe, die kleine Presse und... das berühmte Fass.
Martin musste den Ort angeben und das Fass wurde ausgegraben. Unsere Männer ziehen es aus dem Loch mit viel weniger Respekt diesmal. Der Soziale Kredit hat sie gelehrt, den Fetisch Gold zu verachten.

Während der Schürfer das Fass hochhebt, denkt er, dass es für Gold nicht sehr schwer sei. "Ich bezweifle sehr, daß dieses Fass voll Gold ist" sagt er.

Der stürmische Franz zögert nicht länger. Ein Axtschlag und das Fass gibt seinen Inhalt preis: kein Gramm Gold darin. Felsbrocken! Lauter wertlose, gewöhnliche Steine! Unsere Männer können es nicht fassen.

"Wenn man bedenkt, dass er uns so irregeführt hat, der Schuft! Mussten wir auch blöd sein, um vor dem Wort GOLD in Ekstase zu geraten!
Wenn man bedenkt, dass wir ihm unser ganzes Eigentum verpfändet haben, wegen paar Papierfetzen. die auf vier Schaufeln Steinen beruhten. Ein Dieb und zugleich ein Lügner!
Wenn man bedenkt, dass wir böse miteinander waren und uns monatelang wegen solch einem Betrug gehasst haben! Zum Teufel mit ihm!"

Franz hatte kaum seine Axt gehoben, da lief der Bankier so schnell er konnte in den Wald hinein.


Auf http://www.michaeljournal.org/insel.htm findet Ihr diese Fabel auch in andere Sprachen übersetzt.









Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.