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Abraham
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vor 8 Jahren, 2 Monaten
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ORF.at

"Rolling Stone" mischt Finanzwelt auf

Startbeitrag von ORF.at am 04.07.2009 19:44

Liebe Freunde!
Als Leser der "Abraham" Seiten kennt Ihr das Folgende vom Inhalt her - aber: das hier stammt vom ORF! Eine "klassische Verschwörungstheorie" ohne irgendwelche "Umgestaltung" und herabsetzende Kommentierung von einem der gleichgeschalteten Medien! Und es ist auch noch nicht gelöscht.
Sehen wir es als gutes Zeichen... GT




Eine heftige Kontroverse zur US-Großbank Goldman Sachs hat ausgerechnet das Popmagazin "Rolling Stone" ausgelöst. Mit heftigen Anschuldigungen rechnet Autor Matt Taibbi mit der Bank ab. Wie ein Vampir habe sie mit demselben Trick jede größere Marktmanipulation seit den 20er Jahren eingefädelt, davon profitiert und damit auch Kontrahenten wie Lehman Brothers gestürzt. Goldman Sachs spricht von "Verschwörungstheorien". Doch Taibbi ist mit seiner Kritik nicht allein - und das Netzwerk von Ex-Goldman-Sachs-Managern in Politik- und Finanzwelt spricht für sich.

Das Netzwerk von Goldman Sachs

Goldman Sachs profitierte von US-Bankenrettung wegen guter Kontakte offenbar mehr als andere Banken.

Ein Artikel im Popmagazin "Rolling Stone" lässt in der Finanzwelt die Wogen hochgehen. Mit einem deftigen Frontalangriff attackiert Autor Matt Taibbi die US-Großbank Goldman Sachs: "Die mächtigste Investmentbank der Welt ist ein riesiger Vampirtintenfisch, getarnt mit menschlichem Antlitz, der aber unerbittlich seinen Bluttrichter in alles rammt, das nach Geld riecht."
Auf zwölf Seiten skizziert er, wie die Bank an etlichen Spekulationsblasen der Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten beteiligt gewesen sein soll.

"Nur Verschwörungstheorie"

Goldman Sachs reagierte umgehend: Der Artikel sei eine "hysterische Sammlung von Verschwörungstheorien", es fehle gerade noch, dass Goldman Sachs auch für das Kennedy-Attentat und die Fälschung der Mondlandung verantwortlich gemacht werde, so Unternehmenssprecher Lucas Van Praag: "Wir weisen die Behauptung zurück, dass wir die Verursacher von Blasen und Profiteure von Pleiten sind."

In den höchsten Positionen

Taibbi schoss in seinem Blog umgehend zurück: Goldman Sachs habe Ex-Mitarbeiter in den wichtigsten Positionen, vom US-Finanzministerium über die New Yorker Börse und die Weltbank bis hin zu TV-Shows, von wo sie aus weiter die Ansichten der Investmentbank vertreten würden. Und wenn sie wollen, hätten sie auch einen direkten Draht zu US-Präsident Barack Obama.
Natürlich habe er bei seiner Recherche auch bei Goldman Sachs angefragt, auf seine konkreten Fragen aber nur eine kurze Absage bekommen: Die Fragen seien so formuliert, so dass man schon ahnen könne, wie die Antworten aussehen müssen.

"Immer derselbe Trick"

Schon Tabbis Einstieg in den "Rolling Stone"-Bericht mit dem Titel "Die große amerikanische Blasenmaschine" gibt den Stil vor: "Das Erste, was man über Goldman Sachs wissen muss, ist, dass sie überall sind." Die Bank würde immer nach demselben Drehbuch vorgehen: Das Unternehmen bringe sich inmitten einer Spekulationsblase in Stellung und verkaufe Investments, von denen man wisse, dass sie nichts wert sind.
Damit sammle man gewaltige Summen von mittleren und unteren Gesellschaftsschichten ein - mit Hilfe eines gelähmten und korrupten Staates, der für ein "paar Pennys" für die politische Patronage das Umschreiben aller Regeln zulässt.

Retter in der Not

Wenn schließlich alles den Bach hinuntergeht und Millionen Bürger pleite zurückbleiben, würde die Bank "angeritten kommen, um uns alle zu retten, indem sie uns unser eigenes Geld borgt" und sich als strahlende, selbstlose Retter zu verkaufen. Und genau dasselbe würde Goldman Sachs seit den 20er Jahren machen.

Ex-Vorstand als Finanzminister

Die Geschichte der aktuellen Finanzkrise würde sich wie ein Who is Who von Goldman-Sachs-Abgängern lesen. George W. Bushs Finanzminister Henry Paulson war ehemaliger Vorstand, der später seinen alten Wall-Street-Freunden mit Rettungspaketen Milliarden Dollar zugeschanzt habe.
Robert Rubin, ehemaliger Finanzminister von Präsident Bill Clinton, erhielt als Citigroup-Chef kurz vor seinem Abgang noch 300 Milliarden aus dem Bankenrettungspaket. 26 Jahre hatte er bei Goldman Sachs gearbeitet. Auch Merrill Lynch und Wachovia hatten mit John Thain und Robert Steel Ex-Goldman-Sachs-Banker an der Spitze und erhielten Milliarden.

Lehman Brothers im Stich gelassen

Andererseits habe Paulson vor, Lehman Brothers, einen der letzten Konkurrenten von Goldman, einfach sterben zu lassen, indem er keine Hilfen bewilligt habe.
Am nächsten Tag habe er 85 Milliarden Dollar für den Versicherungsriesen American International Group (AIG) zugesagt. Neuer Chef wurde Ed Lilly, ehemals bei Goldman Sachs, und die Firma konnte ihre Schulden zahlen: Der Löwenanteil von 13 Milliarden ging - wie erst später zugegeben wurde - an Gläubiger von Goldman Sachs.

Lukrative Wandlung in Geschäftsbank

Mit der Wandlung von einer Investment- in eine Geschäftsbank erhielt Goldman Anspruch auf Hilfen aus dem 700 Milliarden schweren TARP-Rettungsprogramm, verwaltet von dem jungen, praktisch unbekannten Goldman-Banker Neel Kashkari.
Zudem ging die Kontrolle der Geschäftsbank Goldman Sachs auf die New Yorker Notenbank über. Deren Chef war zum fraglichen Stephen Friedman, ehemals hochranginger Manager und immer noch Aufsichtsratsmitglied der Bank. Erst als Monate später bekanntwurde, dass er Goldman-Aktien hielt, sogar noch welche dazukaufte und daran drei Millionen verdiente, musste er zurücktreten. Ersetzt wurde er durch William Dudley, der zuvor Chefvolkswirt bei Goldman Sachs war.

Clinton-Finanzminister stellte Weichen

Als Ursprung des Bösen macht Taibbi die Zeit von Rubin als Finanzminister der Clinton-Regierung aus. Sein Credo: Die amerikanische Wirtschaft und insbesondere der Finanzmarkt sei überreguliert und müsse befreit werden. Und das setzte er auch durch - mit allen Freiheiten für Goldman Sachs insgesamt dramatischen Konsequenzen.

Skepsis wächst

Taibbis Artikel habe zweifellos verschwörungstheoretische Anflüge, heißt es in den meisten Kommentaren. Vieles werde vereinfacht dargestellt, auch mit seinem Finanzwissen sei es nicht so weit her, vermuten einige. Zudem wird in Blogs beklagt, der Text könnte auch antisemitisch verstanden werden.

Doch Taibbis Artikel kommt auch nicht ganz von ungefähr. Dass Goldman Sachs recht unbeschadet die Finanzkrise überstanden hatte und in den letzten Monaten mit Investmentgeschäften fette Gewinne schreibt, ließ zuletzt auch viele andere Kommentatoren skeptisch werden. Sogar Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisierte zuletzt die enge Verflechtung von Unternehmen und Politik. Und die deutsche "Zeit" spricht von einer "Weltmacht mit Drehtür".


Links:

ORF.at

"Rolling Stone"-Artikel (Auszüge)
Matt Taibbis Blog
"Zeit"-Artikel
Goldman Sachs

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