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Abraham
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vor 8 Jahren, 5 Monaten
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mmnews

Krieg ums Geld der Welt

Startbeitrag von mmnews am 14.07.2009 12:49

Die Welt von 2009 ist zahlungsunfähig geworden, der Zinskrieg wird beginnen. Der Zinskrieg wird all jene ruinieren, die in Anleihen von stark verschuldeten Staaten oder Unternehmen investiert haben. Diese werden unweigerlich insolvent, wenn die Zinsen stark steigen. Die letzte Phase im weltweiten Kampf um die Welt-Sparguthaben ist im vollen Gange. Dabei werden viele alles verlieren.

Die Maßnahmen der US-Zentralbank zeigen, dass sie, auch wenn sie es nicht einräumen möchte, erkannt hat, dass sie mit einem Problem der allgemeinen Zahlungsunfähigkeit in den USA zu kämpfen hat (ein Problem, das natürlich auch in Ländern, die wirtschaftlich eng mit den USA verbunden sind, wie Großbritannien, existiert); und dass es eine Insolvenz des Bundes, der Bundesstaaten, der Unternehmen, der Banken und der Privathaushalte ist. Also hat sie angefangen, selbst die Anleihen der Bundesregierung aufzukaufen. Dabei handelt es sich natürlich um nichts weiteres als Gelddrucken.


Damit ist bewiesen, dass Washington sehr wohl gezwungen ist, seine nunmehr astronomischen Defizite durch die Neu-Ausgabe von Tausenden von Milliarden Dollar zu finanzieren. Dadurch wird natürlich das Problem der Zahlungsunfähigkeit auch auf die US-Zentralbank verlagert. Deren Bilanz ist schon bis zum Überlaufen mit toxischen Wertpapieren angefüllt, die sie den Banken in den letzten Monaten als Sicherheiten für Kredite abgenommen hat. Nun muss sie auch noch Staatsanleihen übernehmen, die, auch wenn die großen Finanzmedien dies noch abstreiten, heute auf dem Markt nicht mehr absetzbar sind. Aber es wäre doch sehr verwunderlich, dass die US-Zentralbank die Anleihen kaufen würde, wenn es andere Käufer gäbe.

Die allgemeine Situation läßt eher den Verdacht aufkommen, dass die US-Zentralbank schon seit vielen Monaten über seine „Primary Dealers“ US-Staatsanleihen kauft. Zwei Indizien stützen diese Vermutung: zum einen weigert sich die US-Zentralbank bekannt zu geben, wer (und also aus welchen Gründen) von den vielfachen Milliardensummen profitiert hat, die sie in die Banken gepumpt hat; zum anderen ist es allmählich auch für Deutschland, das über eine gesunde Wirtschaft, eine beispielshafte Haushaltsdisziplin und riesige Überschüsse verfügt, schwierig, seinen Bundesanleihen zu verkaufen.

Wenn wir einmal von diesem Märchen absehen, nach dem die US-Staatsanleihen eine so sichere und begehrte Anlage wären, dass Investoren weltweit sie auch bei negativer Verzinsung unbedingt kaufen wollten, dann bleibt als einzig mögliche Erklärung für den regen Abfluss der US-Staatsanleihen, dass die US-Zentralbank selbst oder durch Mittelsmänner heimlich schon seit Monaten die US-Staatsanleihen aufkauft.

Dieses Vorgehen ist angesichts der globalen Zahlungsunfähigkeit im übrigen vollkommen zwingend. Die USA mussten zu einem Zeitpunkt, als es der Weltwirtschaft wenigstens scheinbar bestens ging, 80% der globalen Ersparnisse anlocken, um ihre Defizite abzudecken. Inzwischen sind ihre Defizite um mindestens 400% explodiert und drohen bis Ende 2009 um 1.000% größer zu sein, während das globale Vermögen um Tausende Milliarden geschrumpft ist.

Damit steht Washington jeden Tag vor dem Problem, wie sie 500% des weltweiten Sparaufkommens anlocken könnten (bei unseren Prozentangaben gehen wir noch von einem gleichbleibend verfügbarem globalen Sparaufkommen aus, obwohl die Vermögensverluste sicherlich auch den Sparerfolg negativ beeinflussen dürften, andererseits die Krise die Tendenz zum Sparen verstärkt hat).

Das ist natürlich eine Mission impossible, die zum Ende des Dollars als wichtigste Weltwährung führen wird, es sei denn, den USA gelingt es, der Welt vorzuspiegeln, sie würden ihre Defizite nicht mit frisch gedrucktem Geld, sondern mit ausländischen Krediten abdecken. Als Alternative bliebe ihnen noch, wie wir schon früher voraussagten, sie lösten einen globalen Wettstreit der Staatsanleihen aus, der die Staaten zwingen würde, zur Finanzierung ihrer Defizite deutlich höhere Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen und sich gegenseitig in Renditeversprechungen an ihre Gläubiger zu übertreffen.

Die Welt von 2009 ist zahlungsunfähig geworden, der Zinskrieg wird beginnen. Das wird all die ruinieren, die in Anleihen von stark verschuldeten Staaten oder Unternehmen investiert haben, die unweigerlich insolvent werden, wenn die Zinsen stark steigen.

Um es auf einen Punkt zu bringen: Die Zentralbanken, die die US-Zentralbank imitieren, versuchen, Wirtschaftsakteure solvent zu machen, die es nicht mehr sind und es auch nicht mehr werden können, weil ihr Wirtschaftsmodell nicht mehr in die Zeit passt.

Die Hoffnung der Zentralbanken besteht darin, sie mit Liquiditätsspritzen solange vor dem Konkurs zu bewahren, bis der Aufschwung wieder einsetzt und diesen Unternehmen trotz allem das Überleben sichert. Das mag ja schön schlau gedacht sein, aber Geschichte läßt sich nicht betrügen – und die aktuelle Krise ist eine, über die in Geschichtsbüchern geschrieben werden wird.

Ihre Dauer dürfte für viele Länder (darunter die USA) an die der Krise von 1873 bis 1896 heran reichen, während ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen mit denen von 1929 ff. vergleichbar sein dürften, und zwar weltweit. Die Strategie der Zentralbanken der USA und Großbritanniens führt unweigerlich in die Katastrophe; denn wenn erst einmal allgemein die Erkenntnis sich durchgesetzt hat, dass die Krise länger als 2009 anhalten wird, wird es nicht länger möglich sein, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen, Banken und öffentlicher Stellen zu verschleiern; die tausenden Milliarden, die für Liquiditätsspritzen aufgewandt wurden, werden sich für die Staaten und Zentralbanken, die sie zur Verfügung gestellt haben, in Schulden verwandeln.

Die Regierungen müssen endlich damit aufhören, in den Kategorien von „Ankurbelung“ und „Stimulanz“ zu denken. Denn zwischen Gestern und Morgen gibt es keine Lösung in der Kontinuität. Es ist vielmehr notwendig, dass darüber nachgedacht wird, wie wir die Krise überstehen können.

Dazu bedarf es eines Schutzes für die Bevölkerungsgruppen, die besonders gefährdet sind (also insbs. die Arbeitslosen und die, die es bald sein werden), und der Wirtschaftsunternehmen, die finanziell noch auf soliden Füßen stehen und deren Geschäftsmodell auch erwarten lässt, dass sie es in den kommenden Jahren bleiben werden. Weiterhin müssen die Grundlagen für das neue Sozial- und Wirtschaftsmodell gelegt werden, das grundlegend anders sein wird als das der letzten zwanzig Jahre.

Wenn man auf die Sprache der Regierenden achtet, wird man erkennen können, wann die ersten zu verstehen anfangen, dass dies wirklich eine historische Krise ist. Für 2009 machen wir uns leider insoweit noch keine Hoffnungen. Wir müssen uns also auf auf ein sehr gefährliches Gemisch von Ineffizienz, Wirklichkeitsverdrängung und zielloser Hyperaktivität vor dem Hintergrund eines allgemeinen Wettlaufs um das weltweit verfügbare Sparvermögen einstellen.

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