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vor 8 Jahren, 1 Monat
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Thomas Mehner - KOPP Verlag

Grenzenlose Korruption im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Startbeitrag von Thomas Mehner - KOPP Verlag am 06.08.2009 21:48

Die Vereinigten Staaten von Amerika gelten als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Diese Unbegrenztheit wird vor allem deutlich, wenn man sich mit den kriminellen Machenschaften bestimmter Personen und Organisationen auseinandersetzt. Ein besonders interessanter Fall erschüttert seit einigen Tagen den US-Bundesstaat New Jersey.

Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise sprengt alle Dimensionen. Wo früher noch von Millionenverlusten die Rede war, spricht man heute nur noch in der Dimension von Milliarden und Billionen. Und während Otto Normalverbraucher für die verbrecherischen Finanztransaktionen einer über dem Gesetz stehenden Elite büßen muss (bzw. noch büßen wird), gehen langsam aber sicher Demokratie und Rechtsstaatlichkeit über den vielgerühmten Jordan, denn diejenigen, die die Krise verursacht haben, kommen in aller Regel straffrei davon.

Glücklicherweise gibt es in dieser Welt, in der der Wahnsinn regiert, auch noch einige positive Meldungen, die leider im allgemeinen Gezeter über die derzeitigen globalen krisenhaften Erscheinungen unterzugehen drohen. Der größte Finanzbetrüger aller Zeiten, der US-Amerikaner Bernard Madoffs, der Anleger um sage und schreibe 50 Milliarden Euro geprellt hatte, wurde vor Kurzem zu 150 Jahren Haft verurteilt. Absitzen wird er die zwar nicht (im Alter von 71 Jahren hat man dazu schon aus rein biologischen Gründen wenig Gelegenheit), aber das Urteil ist ein (Licht-)Signal in dunkler Zeit.

Indes: Betrogen und gelogen wird in den Vereinigten Staaten in einem Umfang, der alles andere als feierlich ist. Das FBI beschäftigt Tausende von Agenten, die kriminellen Wirtschaftsstrukturen auf der Spur sind – und allzu oft auch korrupten Politikern. Der US-Bundesstaat New Jersey wird gerade von einem solchen Fall erschüttert, bei dem insgesamt 44 Personen festgenommen wurden. Nichts Ungewöhnliches – möchte man meinen, zumal es dabei »nur« um Korruption und internationale Geldwäsche geht, die wertmäßig und insgesamt betrachtet im einstelligen Millionen-Dollar-Bereich bleiben. Gewiss: Die Dimension scheint daher auf den ersten Blick nur eine kleine zu sein, sieht man jedoch genauer hin, wird offenkundig, dass es dabei um Strukturen geht, die in ihrem Leben offensichtlich zahlreiche kriminelle Wege gingen, und das hinter einer hochoffiziösen und seriösen Fassade. Das lässt tief blicken. Besonders peinlich: Unter den Verhafteten befinden sich drei Bürgermeister aus New Jersey, zwei Abgeordnete des Parlaments des Bundesstaates und – man mag es kaum glauben – fünf Rabbis!



Den 44 Festgenommenen wird vorgeworfen, ihre kriminellen Operationen nicht nur in den USA durchgeführt zu haben, sondern auch die Schweiz und Israel für ihre Geschäfte benutzt zu haben. Wie die New York Times vor einigen Tagen berichtete, hatte der Fall ursprünglich damit begonnen, dass gegen ein Mitglied einer syrisch-jüdischen Gemeinde in einer Küstenstadt in New Jersey Anklage wegen Betrugs erhoben wurde. Als sich der Beschuldigte jedoch den Behörden als Informant zur Verfügung stellte und sich als windiger Immobilienentwickler ausgab, der Schmiergelder anbot, um Genehmigungen zu erhalten, wuchs sich das Ganze recht schnell zu einem politischen Skandal aus.

Die New York Times schrieb u.a. dazu: »Dabei wurde auch über angeblichen illegalen Organhandel geredet, über heimliche Verhandlungen in Schnellimbissen, auf Parkplätzen und in Heizungskellern … ›Für die Angeklagten gehörte Korruption zur Lebensart‹, sagte der amtierende US-Staatanwalt Raph J. Marra jun. bei einer Pressekonferenz. ›Sie lebten in einer ethikfreien Zone.‹ Laut Marra habe der Durchschnittsbürger ›keine Chance‹ gegen die Kultur der Einflussnahme durch Schmiergelder, die die Ermittlungen zutage gebracht hätten.«

»Vom Ausmaß der Ermittlungen zeigten sich selbst hartgesottene politische Beobachter betroffen. Zu den Verhafteten gehören die Bürgermeister von Hoboken, Secaucus und Ridgefield«, so die New York Times weiter. »Die Behörden legten zwei getrennte Komplotte dar: Zum einen ging es um Geldwäsche, hier führte die Spur zu Rabbis und Mitgliedern der syrisch-jüdischen Gemeinde in Brooklyn und der Küstenstadt Deal in New Jersey, in der viele Gemeindemitglieder ihre Sommerhäuser haben. Zum anderen betraf es politische Korruption und Bestechung, an der örtliche Beamte vor allem in Jersey City und Hoboken beteiligt waren – Städte, die sich in den letzten Jahren besonders schnell entwickelt haben.«

Man darf gespannt sein, was bei den Ermittlungen der zuständigen US-Behörden letztlich alles herauskommen wird. Der Fall, der übrigens in deutschen Qualitäts- und Meinungsbildungs-Medien bisher keine Erwähnung fand, ist freilich kein Einzelfall, sondern exemplarisch für das große, krebsartige Geschwür, das die Korruption in den USA darstellt. Dem FBI gelang nur ein Schlag gegen die Spitze des Eisberges …

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