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vor 7 Jahren, 7 Monaten
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Freeman - Alles Schall & Rauch

Die nächste Pleitewelle rollt auf Wall Street zu

Startbeitrag von Freeman - Alles Schall & Rauch am 23.10.2010 22:15

Freitag, 22. Oktober 2010

Die Wall Street ist in völliger Aufregung wegen dem riesen Tsunami an Verlusten, die wahrscheinlich aus dem sogenannten Hypotheken-Betrug resultieren werden. Es geht um mehrere Billionen, ja richtig, ein Desaster von mehreren Tausend Milliarden. Wie schlimm wird es werden? Es gibt mehrere Szenarien die passieren können. Der GAU lautet, der ganze Hypothekenmarkt bricht zusammen und die Verluste sind astronomisch, alle wird es ausradieren. Aber auch wenn es nicht so schlimm kommt, einige der Grossbanken werden es nicht überleben.

Um was geht es beim Hypotheken-Betrug oder "Foreclosuregate" wie es jetzt heisst? Es haben mehrere Banken versucht ein und das selbe Haus gleichzeitig zwangszuversteigern. Dabei kam heraus, die Immobilie wurde als Sicherheit mehrmals für verschiedene Hypothekenkredite verwendet, obwohl es nur einmal sein kann. Wie ist so etwas möglich? Ganz klar ein Betrug von wem auch immer, der diese Hypotheken vergeben hat.

Das heisst, mehrere Kredite wurden mit nur einer Immobilie abgesichert. Das merkt ja keiner so lange die Zinsen bezahlt werden. Nur wenn der Kreditnehmer nicht mehr kann, was in Amerika millionenfach der Fall ist und die Sicherheit liquidiert werden muss, dann stehen plötzlich mehrere Zwangsvollstrecker vor der einen Tür und streiten sich wer jetzt wirklich das Haus besitzt. Oh wie peinlich. Die Banken können an Hand der Dokumente nicht den Pfand beweisen.

Die Banken haben nicht nur faule Kredite in den Büchern, die nicht mehr bedient werden, sondern sie haben auch keine Sicherheit die sie zu Geld machen können. Ein klarer Totalschaden. Dann wurden die anderen Hypotheken in „Pakete“ zusammengefasst und an Investoren verkauft, die annahmen, es gibt die Häuser als Sicherheit dahinter, denn die Wertpapiere wurden mit „AAA“ bewertet. Die ganzen Unterlagen als Dokumentierung wurden offensichtlich gefälscht.

Was hier ablief ist ein gigantisches Betrugssystem von dem alle profitierten, bis die Blase platze und jetzt die Wahrheit herauskommt. Der Schaden ist immens. Da ist eine Wertberichtigung in den Bilanzen notwenig, die wird das Kapital völlig aufbrauchen und die Banken in die Pleite treiben. Noch eine Rettungsaktion in ungeahnter Höhe wird sogar die US-Regierung und die Fed überfordern, kann ich mir vorstellen.

Die rosigste Prognose von JPMorgan lautet, der Hypotheken-Betrug ist ein „prozessorientiertes Problem welches gerichtet werden kann“, also es handelt sich nur um einen Fehler in den Papieren. Da lach ich ja. Sie sehen einen Verlust von nur 55 bis 120 Milliarden Dollar für die ganze Branche, verteilt über mehrere Jahre. Durch so eine rosarote Brille realitätsfremd zu schauen ist ja nicht zu fassen.

Aber betrachten wir die Zahlen genauer. JPMorgan hat ca. 6 Billionen Dollar an Hypothekenkredite zwischen 2005 und 2007 gewährt, der Höhepunkt der Hypothekenblase, ohne den faulen Krediten von vorher und nachher. Sie schätzen die Ausfallquote an den faulen Krediten mit 2 Billionen und Verluste daraus von 1,1 Billionen Dollar. Wie gesagt, unsere Billionen, also Tausende Milliarden.

Nach Schätzungen verlieren die Banken im Durchschnitt 58 Prozent des Wertes der Hypothek wenn es zu einer Zwangsversteigerung kommt. Ungefähr ein Drittel der Hypothekenverträge der Blase werden hops gehen. Zur Zeit sind 14 Prozent der Kreditnehmer delinquent oder in der Zwangsversteigerung. Delinquent heisst, sie sind mit ihren Zinszahlungen im Rückstand oder können nicht mehr zahlen. Je länger die Arbeitslosenquote bei 22 Prozent liegt, je höher wird der Prozentsatz steigen.

JPMorgan nimmt an, und es ist nur ein Ratespiel, dass nur 5 bis 10 Prozent der Verluste aus den Zwangsversteigerungen die Grossbanken treffen wird. Wenn man aber realistisch ist und von 20, 60 oder gar 80 Prozent ausgeht, dann wird es echt beängstigend.

Schlimm geht es der Bank of America, die haben richtig dick in die Scheisse gegriffen und waren die grössten Hypothekengeber. Dazu kauften sie noch einen der aggressivsten "Raubfische" im Hypothekenteich und luden sich mit der Countrywide Financial mit Schrottpapieren voll, durch die Übernahme der Merrill Lynch. Es wird geschätzt, sie werden Verluste zwischen 50 und 70 Milliarden Dollar einfahren.

Das System funktionierte so, wie wenn man ein kleines Geschenk mit Schicht um Schicht an wertlosen Füllmaterial umgibt und am Schluss mit Geschenkpapier zu einem schön aussehenden Präsent mit Schleife aufbauscht. Jetzt wo man das Geschenk aufmacht und die Verpackung entfernt, bleibt nur ein kleines Teil übrig, das nicht dem Wert entspricht, was das Präsent eigentlich darstellte.

Das perverse an der ganze Sache ist noch, einige Investoren in diese aufgebauschten Pakete, die aus Hypothekengesicherten Wertpapiere bestanden, haben sich mit Credit-Default-Swaps (CDS) abgesichert, was bedeutet, sie verdienen mehr Geld wenn der Hausbesitzer zahlungsunfähig wird, als wenn er brav die Zinsen zahlt und den Kredit abstottert. Das heisst, sie haben bewusst schlechten Kreditnehmern die Hypotheken angedreht, mit dem Wissen, wenn diese pleite gehen springen die CDS ein und zahlen mehr aus. Die Liquidierung der Immobilien bringt weniger als die Versicherungszahlung.

Um das ganze Chaos auszusortieren gibt es jetzt ein Moratorium mit den Zwangsräumungen. Alles steht still und niemand weiss wie es weitergehn soll. Es könnte wieder ein Lehman Brothers Wochende bevorstehen, aber viel grösser. Das fatale ist, die Immobilienbranche macht 20 Prozent der US-Wirtschaft aus. Ohne Bauwirtschaft gibt es aber keine Konjunkturerholung.

Dann sind da noch die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die laut Experten wahrscheinlich 1 Billion Dollar an staatlichen Rettungsgeldern benötigen, weil auch völlig pleite.

Was jetzt auch noch dazukommt, einige der Grossinvestoren in die sogenannten Hypotheken gesicherten Wertpapiere, wie BlackRock und Pimco, verklagen die Ausgabebanken, weil diese „Pakete“ ganz klar auf Betrug basieren, da ja nicht mal die Sicherheiten darin enthalten sind. Sogar die New York Federal Reserve hat Countrywide verklagt. Greenwich Capital sammelt schon länger alle Geschädigten und will auch eine massive Klage gegen die Grossbanken starten.

Wir erinnern uns, bereits im April hat die SEC, die US-Wertpapieraufsichtsbehörde, Goldman Sachs wegen Betrug angeklagt, weil sie hypothekengesicherte Wertpapiere verkauft hat, von denen sie wusste sie sind nicht abgesichert und sie selber mit Hedge-Geschäften dagegengewettet hat. Das ist unglaublich, weil ein Vertrauensbruch und mutmasslich ein doppelter Betrug.

Bloomberg meldete bereits, ein ehemaliger Mitarbeiter der Citigroup, zuständig für die Überprüfung in der Abteilung für Konsumentenkredite, sagte, er hätte seine Chefs Mitte 2006 bereits gewarnt, das 60 Prozent der Hypotheken nicht den repräsentierten Wert entsprachen, also fehlerhaft waren. Diese ungenügend abgesicherten Kredite sind mittlerweile auf 80 Prozent gestiegen.

Und die neuste Nachricht lautet, Morgan Stanley ist von der China Development Industrial Bank wegen Betrug verklagt worden, wie Bloomberg am Mittwoch meldete. Die chinesische Bank versucht den Schaden der durch die Hypotheken gesicherten Wertpapiere entstanden ist zurückzufordern.

"Foreclosuregate", oder "Fraudclosure" wie es auch heisst, ist wie eine Bombe eingeschlagen und der Schaden auf allen Seiten ist noch nicht absehbar. Erst wenn der Rauch verzogen ist, wird man die Ruinen sehen. Die möglichen Verluste aus dem Hypotheken-Betrug und die Schadenersatzklagen sind gross genug um jede Grossbank zu versenken. Die nächste Pleitewelle rollt auf Wall Street zu, wenn nicht sogar ein Tsunami.


Quelle: Alles Schall&Rauch

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