Das Spiel ist vorbei!

Startbeitrag von wirtschaftsblatt.at am 04.08.2011 08:01

von Jochen Hahn | 03.08.2011 |
Viele haben gewarnt und geschrieben. So auch wir. Dass die nächste Krise weitaus bedrohlicher sein würde als die vergangene. Nun kommt sie mit Siebenmeilen-Stiefeln angerauscht.

Als Auslöser wirken horrende Staatsschulden, strukturelle Defizite, der nicht vorhandene Spielraum für Konjunkturprogramme und ein gnadenloser Kapitalmarkt der mittlerweile ein ausgeprägtes Risikobewusstsein entwickelt hat. Dazu dürfte sich demnächst eine Rezession in den USA und Europa gesellen.

Als Grund dafür kann völlig zweifelsfrei die komplette Unfähigkeit der Politik angeführt werden. Denn was sich seit dem peinlichen „Griechenland-Gipfel-Sieg" in der Eurozone abspielt, sucht verzweifelt jeglichen Vergleich. Besonders schlimm ist dabei das tatenlose Zusehen, während sich Tag für Tag die Bondrenditen von Italien und Spanien in die Höhe schrauben. Die europäischen Führungseliten schauen wie das Kaninchen auf die Schlange: Regungslos, fassungslos und überfordert.

Die zehnjährigen Bonds von Italien und Spanien haben bereits deutlich die sechs Prozent-Marke übersprungen. Dadurch wird eine langfristige Finanzierung derart teuer, dass sie die Effekte der jüngsten Sparpakete großteils egalisieren bevor sie Inkrafttreten konnten. Im aktuellen politischen Umfeld ist dieser Teufelskreis durch nichts aufzuhalten. Wir alle laufen sehenden Auges in den Untergang der Eurozone. Das ist leider keine Schwarzmalerei, das ist bittere Realität.

Dem ganzen Treiben vorausgegangen ist eine jahrzehntelange gesellschaftliche Fehlleistung. Bis auf Skandinavien und die Schweiz gilt dieser Befund übrigens für ganz Europa. Eine Generation, deren politisches Geschäftsmodell auf öffentlichem Schuldenmachen basierte, hat den Karren nun an die Wand gefahren. Daran haben weder die Finanzkrise – die hat die Misere höchstens früher aufgedeckt – noch irgendwelche Ratingagenturen Schuld. Die ausufernden Schuldenberge und strukturellen Defizite die kaum Luft zum Gegensteuern bieten, sind hausgemacht.

Es ist allerdings nicht ganz fair, nur der Politik die horrenden Schulden in die Schuhe zu schieben. Denn wir alle haben diese Herr- und Frauschaften gewählt und es als normal empfunden, dass ein Staat Defizite einfährt um selbst in Boomphasen nicht auf völlig absurde und milliardenschwere Wahlzuckerl zu verzichten.

Eine Entschuldigung gibt es allerdings: Es war niemand anderer da, den man hätte wählen können, dessen Staatsführungsmaxime nicht auf Schulden aufgebaut war. In dieser Frage gab es Übereinstimmung – im kompletten Farbspektrum.

Leider hilft das in der aktuellen Situation rein gar nichts. Einen Spruch für unfähige Politiker sollten wir aber von den USA übernehmen: „Throw the bums out!"

Quelle: Wirtschaftsblatt.at

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