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Abraham
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Erster Beitrag:
vor 5 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Kirstin / wordpress.com

Der letzte Vorhang ist längst gefallen ...

Startbeitrag von Kirstin / wordpress.com am 28.11.2011 20:19

… da sitzen wir noch immer auf der Bühne, der Bühne unseres Lebens. Wir – mein Freund Ego und ich. Wir sitzen da – starr und traurig und ängstlich. Es gesellen sich unsere weiteren Freunde Herz, Verstand und Logik dazu und setzen sich zu uns in den Kreis. Und wir halten uns ganz fest an den Händen.

Ja, ganz recht, ich spreche hier von meinen Freunden. Klar weiß ich, daß grad Ego im Laufe der Jahre weit über das Ziel hinausgeschossen ist und sich oft genug eher gegen mich gewendet hat. Aber das weiß er selbst mittlerweile auch. Und er hat sich verändert, geht immer mehr zurück. Genießt seinen Ruhestand. Manchmal kommt er noch kurzfristig zurück, wenn was passiert, was er noch nicht richtig einordnen kann. Aber dann sind zum Glück die Freunde Herz, Verstand und Logik da, die ihm da weiterhelfen.

Und ich bin ihm dankbar. Bin allen Freunden dankbar. Wo wär ich denn ohne die? Ich kam auf der Welt an mit einem riesengroßen Sack voll Gefühlen und Emotionen. Lernte sehr schnell, daß das gefährlich und unerwünscht war. Und ohne die Freunde Ego, Herz, Verstand und Logik wäre ich sicher als kleines Kind bereits wieder gegangen. Oder jeden weiteren Tag danach. Aber so hab ich’s überstanden, ich bin immer noch da. Weil einer dieser Freunde immer wieder sagte, es hat alles einen Sinn, ich soll bleiben.

Sie halfen mir, meine Gefühle immer wieder zu leben, und trotzdem nicht unterzugehen. Wenn das Herz mal wieder zu brechen drohte, haben sie sich schützend davor gestellt. Und ich bin immer noch hier.

Nur den Schmerz der Trennung, den konnten sie mir bis heute nicht nehmen. Die Einsamkeit, das Heimweh, das sich von allem abgeschnitten fühlen.

Ich fragte Menschen, die das scheinbar gemeistert hatten, um Rat. Die Antworten „Geduld. Wenn die Zeit reif ist.“ „Du trägst alle Antworten in dir.“ „Du stehst dir selbst im Weg.“ Und wenn ich denn fragte, was ich denn falsch mache, womit ich mir denn im Weg stünde, weil ich keine Antworten bekomme, war die Antwort: „Es gibt kein falsch. Geduld, wenn die Zeit reif ist.“ Das war für mich immer, als wenn ein Arzt einem schwer kranken Patienten das Schmerzmittel mit irgendwelchen Sprüchen verweigert. „Haben Sie Geduld, wenn die Zeit reif ist …“

Also auch hier keine Hilfe. Oder die Menschen wussten es eben selbst nicht. Dann kamen im Laufe der Zeit immer neue Konzepte auf, spirituelle Schulen, die mir vorkamen, als erheben sich Menschen über andere Menschen und wollten sie mit schön klingenden Sätzen im Namen der Liebe belehren. Aber ich habe dahinter nie das Herz gefunden.

Es musste also so sein, daß ich irgendetwas ganz schlimmes gemacht hab, daß Gott oder meine Seele oder wer auch immer einfach nichts mit mir zu tun haben wollen – einfach nicht mit mir reden wollen. Daß ich alles vergessen habe – zutiefst vergessen bis heute. Klar, ein paar Erinnerungsfetzen kamen immer mal. Oder manche meiner Texte der letzten Zeit, wo ich mich hinterher völlig erstaunt gefragt hab, wer die wohl geschrieben hat – vielleicht meine Seele. Und für andere bekam ich meistens Antworten, aber für mich selbst nicht.

Ok, hab ich also einfach hier mein Ding gemacht, die Rollen gespielt. Selbst wenn sie mich zur Strafe hier ausgesetzt hätten, so musste es ja doch irgendwie weitergehen. Dann haben die Menschen mir gesagt, ich müsse Freude haben und Dankbarkeit. Aber sie haben nie gesagt, wie und wofür. Und jetzt haben wir eben vor einiger Zeit unser letztes Stück gespielt. Haben unseren Job erledigt. Game over – nix geht mehr.

Und jetzt sitzen wir alle auf der Bühne und warten. Bemerken seit kurzem, daß hinter dem Vorhang – dick und schwer aus Samt und Brokat – Betrieb ist. Schritte sind zu hören, Gekicher, Getuschel, leise Düfte und Klänge sind hin und wieder zu vernehmen. Aber der Vorhang bleibt zu.

Wir da auf unserer Bühne schauen uns an – Ego, Herz, Verstand, Logik und ich – ängstlich, hoffend, sehnsüchtig – aber auch traurig, unendlich traurig – wir halten uns ganz fest an den Händen – wir, die alten Gefährten seit Anbeginn. Sind SIE es? Was, wenn sie es wieder nicht sind? Oder noch schlimmer: Was, wenn sie es sind, aber immer noch nichts mit uns zu tun haben wollen – wenn wir unsere Strafe immer noch nicht abgesessen haben? Und wie sie wohl sind?

Aber auf jeden Fall freuen wir da auf der Bühne uns ganz dolle, daß offenbar nicht nur für die anderen, sondern auch für uns ein Gott und eine Seele und was noch alles vorgesehen ist. Und zumindest dieses Wissen kann uns niemand wieder wegnehmen.

Quelle: http://neueerde.wordpress.com/2011/11/26/der-letzte-vorhang-ist-langst-gefallen/

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